Eglisau
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Eglisau |
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Blick vom linken Rheinufer auf das Städtchen Eglisau Blick vom linken Rheinufer auf das Städtchen Eglisau
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Gemeindedaten |
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Staat |
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Kanton |
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Region |
Zürcher Unterland |
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Bezirk |
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BFS-Nummer |
0055 |
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Postleitzahl |
8193 |
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Koordinaten |
47.57598° N, 8.52403° E |
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Höhe |
356 m ü. M. |
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Fläche |
9,07 km² |
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Einwohner |
5'770
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Website |
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Eglisau ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach des Kantons Zürich in der Schweiz. Das historische Brückenstädtchen liegt am Rhein im Zürcher Unterland, wenige Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über beide Seiten des Flusses und umfasst neben dem alten Städtchen unter anderem die Ortsteile Burg, Seglingen, Steig und Wiler.
Eglisau verdankt seine Entstehung der verkehrsgünstigen Lage an einem bedeutenden Rheinübergang. Im Mittelalter entwickelte sich der Ort zum befestigten Städtchen und zum Mittelpunkt einer eigenen Herrschaft. Von 1497 bis 1798 war Eglisau Sitz einer zürcherischen Landvogtei. Das historische Ortsbild mit der reformierten Kirche, den dicht stehenden Bürgerhäusern und den Rebbergen zählt zu den bedeutenden Kulturlandschaften am Zürcher Hochrhein.
Die Gemeinde ist heute eine Wohn-, Gewerbe- und Tourismusgemeinde innerhalb der erweiterten Agglomeration Zürich. Der Bahnhof Eglisau bietet direkte Bahnverbindungen nach Zürich, Bülach, Schaffhausen und Waldshut. Gleichzeitig wird das Städtchen durch den starken Durchgangsverkehr auf der Hauptstrasse 4 belastet.
Geografie
Lage
Eglisau liegt rund 22 Kilometer nördlich von Zürich und etwa 13 Kilometer westlich von Bülach. Das historische Städtchen befindet sich am rechten, nördlichen Rheinufer. Der Ortsteil Seglingen und der Bahnhof liegen auf der linken, südlichen Flussseite.
Nachbargemeinden sind Glattfelden im Süden, Hüntwangen und Wasterkingen im Norden, Wil ZH im Nordosten sowie Rafz im Osten. Im Westen grenzt Eglisau an Buchberg SH und Rüdlingen im Kanton Schaffhausen.
Das Gemeindegebiet gehört zum Übergangsraum zwischen dem Zürcher Unterland und dem Rafzerfeld. Es umfasst eine Fläche von 9,07 Quadratkilometern. Die Landschaft wird vom Rhein, den steilen Uferhängen, den Rebbergen, landwirtschaftlichen Hochflächen und mehreren Waldgebieten geprägt.
Rhein
Der Rhein durchquert das Gemeindegebiet von Osten nach Westen. Bei Eglisau hat er den Charakter eines breiten, langsam fliessenden Stroms. Die heutige Wasserhöhe ist wesentlich durch das unterhalb gelegene Kraftwerk Eglisau-Glattfelden bestimmt.
Vor dem Bau des Kraftwerks war der Rhein schmaler und wies stärkere Strömungen auf. Die Schifffahrt, die Fischerei und der Warenverkehr auf dem Fluss bildeten über Jahrhunderte wichtige Erwerbszweige. Besonders bedeutsam waren der Transport von Salz und Holz sowie der Lachsfang.
Der Rhein dient heute vor allem der Energiegewinnung, dem Naturschutz, dem Wassersport und der Naherholung. Entlang der Ufer führen Wander- und Velowege. In der warmen Jahreszeit verkehren Ausflugsschiffe zwischen Eglisau und weiteren Orten am Hochrhein.[1]
Landschaft und Flächennutzung
Die nördlich und südlich des Rheins gelegenen Hochflächen werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt. An den sonnigen Hängen oberhalb des Städtchens befinden sich die charakteristischen Rebberge von Eglisau.
Waldgebiete liegen vor allem an den steileren Hängen und in den Randbereichen der Gemeinde. Hecken, Trockenmauern, Rebflächen und naturnahe Uferabschnitte bilden wertvolle Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten.
Die Siedlungsfläche nahm seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich zu. Neue Wohnquartiere entstanden insbesondere in den Ortsteilen Steig, Wiler und Seglingen. Der historische Kern am Rhein blieb dennoch weitgehend erhalten.
Ortsteile
| Ortsteil | Beschreibung |
|---|---|
| Städtli | Historischer, dicht bebauter Ortskern am rechten Rheinufer |
| Burg | Gebiet oberhalb beziehungsweise östlich des historischen Zentrums |
| Seglingen | Ortsteil am linken Rheinufer mit Bahnhof und neueren Wohn- und Gewerbegebieten |
| Steig | Erhöht gelegener Siedlungsteil nördlich des Städtchens |
| Wiler | Wohngebiet im östlichen beziehungsweise nordöstlichen Teil der Gemeinde |
| Tössriederen | Ländlich geprägtes Gebiet am Rhein östlich des Städtchens |
Name
Die älteste urkundliche Erwähnung des Gebiets stammt vom 18. Juni 892. In einer Schenkungsurkunde übertrug Graf Gozbrecht, Abt des Klosters Rheinau, seinen Besitz in einem Ort namens Owa an das Kloster. Das Wort bezeichnete eine am Wasser gelegene Aue.[2]
Der heutige Name wird mit der alemannischen Siedlung Seglingen in Verbindung gebracht. Der Personenname Segilo führte zur Bezeichnung Segelinges Owe, die sich im Lauf der Zeit zu Eglisau entwickelte.
Historische Namensformen waren unter anderem Owe, Seglinger Owe, Eglinsow und Eglisow. Der Name Eglisau bezeichnete später sowohl das befestigte Städtchen als auch die umliegende Herrschaft.
Geschichte
Frühgeschichte und Römerzeit
Archäologische Funde aus der keltischen, römischen und alemannischen Zeit weisen auf eine frühe Besiedlung der Umgebung hin. Der Rhein bildete keine unüberwindbare Grenze, sondern diente als Verkehrsweg und verband die Siedlungsräume beiderseits des Flusses.
In der Römerzeit gehörte das Gebiet zum nördlichen Hinterland der römischen Siedlungen im heutigen Schweizer Mittelland. Strassen und lokale Übergänge verbanden die Region mit den Siedlungen am Hochrhein und im heutigen Süddeutschland.
Nach dem Rückzug der römischen Herrschaft liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen nieder. Aus ihren Hof- und Sippensiedlungen entstanden die mittelalterlichen Ortschaften der Region.
Freiherren von Tengen
Die eigentliche Stadtgründung erfolgte im 13. Jahrhundert durch die Freiherren von Tengen. Das aus dem Hegau stammende Adelsgeschlecht besass umfangreiche Güter und Herrschaftsrechte zwischen dem Rhein, dem Klettgau, der Glatt und dem Zürichsee.
Eine Rheinbrücke bei Eglisau wurde 1249 erstmals urkundlich erwähnt. Kurz zuvor oder ungefähr zur selben Zeit begann der planmässige Ausbau des Ortes. Im Jahr 1254 war Eglisau befestigt und mit Toren versehen.[2]
Die Lage an der Brücke ermöglichte die Kontrolle des Personen- und Warenverkehrs. Zölle, Märkte, Schifffahrt und Dienstleistungen für Reisende trugen zur wirtschaftlichen Entwicklung bei.
Zur mittelalterlichen Stadt gehörten eine Burg beziehungsweise ein Schloss, eine Kirche, befestigte Häuser, Tore und eine Ufermauer. Die Freiherren von Tengen herrschten während mehr als zwei Jahrhunderten über Eglisau.
Herrschaft Eglisau
Die Herrschaft Eglisau umfasste zeitweise ein weit grösseres Gebiet als die heutige Gemeinde. Zu ihrem Einflussbereich gehörten verschiedene Dörfer im Rafzerfeld, im Zürcher Unterland und im Glatttal.
Nach einer Teilung des Tengener Besitzes um 1275 bildete sich Eglisau als eigenständige Herrschaft heraus. Wirtschaftliche Schwierigkeiten führten im 14. und 15. Jahrhundert zu zahlreichen Verpfändungen und Verkäufen von Rechten und Besitzungen.[3]
Am 5. Mai 1463 verkaufte Markwart von Baldegg Schloss, Stadt und Herrschaft Eglisau für 12'000 Gulden an die Stadt Zürich. Zürich veräusserte die Herrschaft noch am selben Tag für 12'500 Gulden an den steirischen Freiherrn Bernhard Gradner.
Bernhard Gradner und seine Ehefrau Veronika von Starkenberg liessen die Kirche ausbauen. Wandmalereien und das steinerne Grabmal des Ehepaars im Chor erinnern an ihre Herrschaft.
Nach Gradners Tod verkauften seine Erben die Herrschaft für 10'500 Gulden an Zürich zurück. Seit 1496 beziehungsweise 1497 stand Eglisau dauerhaft unter der Herrschaft der Stadt Zürich.
Zürcher Landvogtei
Von 1497 bis 1798 war Eglisau Sitz einer zürcherischen Landvogtei. Insgesamt residierten 57 Landvögte im Schloss am Rhein. Zur Landvogtei gehörten neben Eglisau auch Glattfelden sowie die Dörfer Rafz, Wil, Hüntwangen und Wasterkingen.
Der Landvogt vertrat die Zürcher Obrigkeit, übte gerichtliche und administrative Aufgaben aus und überwachte Zölle, Abgaben und öffentliche Ordnung. Das Schloss bildete gemeinsam mit der Kirche und der Rheinbrücke das politische Zentrum der Herrschaft.
Der letzte Landvogt war Salomon Landolt, der sein Amt von 1795 bis 1798 ausübte. Er wurde später durch die Novelle Der Landvogt von Greifensee von Gottfried Keller bekannt, obwohl sein letzter Amtssitz nicht Greifensee, sondern Eglisau war.
Reformation
Die von Huldrych Zwingli ausgehende Reformation in Zürich wurde in den 1520er-Jahren auch in Eglisau eingeführt. Die mittelalterliche Kirche wurde für den reformierten Gottesdienst umgestaltet.
Die Kirche blieb ein wichtiges religiöses und gesellschaftliches Zentrum. In der frühen Neuzeit wurde sie mehrfach erneuert und erweitert. Ihr heutiges barockes Erscheinungsbild geht hauptsächlich auf einen Neubau zu Beginn des 18. Jahrhunderts zurück.
Helvetische Republik und Koalitionskriege
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft endete 1798 die zürcherische Landvogtei.
Während der Helvetischen Republik lag Eglisau in einem militärisch wichtigen Grenzgebiet. Ab Oktober 1798 wurde der Ort abwechselnd von französischen, österreichischen und russischen Truppen besetzt.
Um den Rheinübergang kam es wiederholt zu Kämpfen. Die Brücke wurde zweimal zerstört, wodurch das Städtchen während etwa eines halben Jahres in zwei Teile getrennt war. Einquartierungen und erzwungene Lieferungen von Lebensmitteln, Futter und Holz belasteten die Bevölkerung stark.
Die österreichischen Truppen zogen am 1. Mai 1800 ab. Bis zum Ende des Jahres verliessen auch die französischen Truppen die Region.[2]
Entwicklung im 19. Jahrhundert
Nach dem Ende der Landvogtei verlor das Schloss seine politische Funktion. Das Langhaus am Rhein wurde 1811 abgebrochen, der verbliebene Turm folgte 1841.
Auch weitere Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung verschwanden. Das Obertor wurde 1856 abgebrochen, das alte Rathaus 1876. Trotz dieser Eingriffe blieb der kompakte Charakter des historischen Städtchens erhalten.
Die Lage an der Landstrasse und am Rhein bot weiterhin Erwerbsmöglichkeiten für Handwerker, Wirte, Fuhrleute, Fischer und Schiffer. Noch in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden 48 Schiffer gezählt. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung lebte unmittelbar oder mittelbar von der Rheinschifffahrt.[2]
Der Wegfall regionaler Zölle, der Ausbau moderner Strassen und das Aufkommen der Eisenbahn liessen die traditionelle Schifffahrt an wirtschaftlicher Bedeutung verlieren.
Eisenbahn
Die Eisenbahn erreichte Eglisau im späten 19. Jahrhundert. Das bedeutendste Bauwerk der Strecke ist das Eglisauer Eisenbahnviadukt, das den Rhein westlich des Städtchens in grosser Höhe überquert.
Der Viadukt wurde 1897 eröffnet. Seine gemauerten Vorlandbrücken und die eiserne beziehungsweise später erneuerte Hauptkonstruktion prägen bis heute die Landschaft.
Die Bahnstrecke verband Eglisau mit Bülach und Schaffhausen. Später entstand über das Rafzerfeld eine weitere Verbindung nach Waldshut. Der Bahnhof wurde auf der linken Rheinseite im Ortsteil Seglingen angelegt.
Kurhaus und Mineralquelle
Im 19. Jahrhundert wurde in Eglisau eine Mineralquelle entdeckt. Das Wasser floss zunächst während Jahrzehnten ungenutzt in den Rhein.
Im Jahr 1879 entstand ein Kurhaus, mit dem Eglisau als Bade- und Erholungsort etabliert werden sollte. Der Kurbetrieb musste jedoch bereits nach gut zehn Jahren eingestellt werden.
Nach dem Bau des Kraftwerks übernahmen die Nordostschweizerischen Kraftwerke das Kurhaus. Anfang 1924 wurde das Mineralwassergeschäft verpachtet. Daraus entwickelte sich die Mineralquelle Eglisau.
Zu den bekanntesten Erzeugnissen gehörten das Mineralwasser Eglisana, die seit 1935 produzierte Orangina und das 1938 eingeführte Vivi Kola. Die Mineralquelle entwickelte sich zu einem bedeutenden Arbeitgeber und prägte den Namen Eglisau weit über die Region hinaus.[2]
Industrie
1881 begann der Schaffhauser Unternehmer Wilhelm Stamm mit der Herstellung wasserdichter Stoffe. Zwei Jahre später verlegte er seinen Betrieb nach Seglingen.
Aus dem Kleinbetrieb entstand die Stamm AG, die im 20. Jahrhundert zeitweise rund 500 Mitarbeitende beschäftigte. Gemeinsam mit der Mineralquelle gehörte sie zu den wichtigsten Industriebetrieben Eglisaus.
Die Industrialisierung setzte in Eglisau später ein als in vielen anderen Zürcher Gemeinden. Handwerk, Kleingewerbe, Landwirtschaft und Weinbau blieben lange bedeutende Bestandteile der örtlichen Wirtschaft.
Kraftwerk und Rheinstau
Der Bau des Kraftwerks Eglisau-Glattfelden in den Jahren 1915 bis 1920 führte zur grössten Veränderung des historischen Ortsbilds. Durch den Aufstau stieg der Rheinpegel bei Eglisau um ungefähr acht Meter.
Etwa 15 Häuser an der Rheingasse und ebenso viele Gebäude im Oberriet mussten abgebrochen werden. Die alte gedeckte Holzbrücke konnte wegen des höheren Wasserstands nicht erhalten werden.
Als Ersatz entstand die heutige Strassenbrücke, die 1919 eröffnet wurde. Auch das frühere Salzhaus verlor seine ursprüngliche Funktion. Dach und Obergeschoss wurden entfernt, während die unteren Teile mit Bauschutt aufgefüllt wurden. Auf diesem Gelände entstand der Salzhausplatz.[2]
Entwicklung seit 1950
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Eglisau zunächst langsam, seit dem Ende des 20. Jahrhunderts jedoch deutlich stärker. Neue Wohnquartiere entstanden ausserhalb des historischen Kerns.
1951 beschlossen die Grundeigentümer eine umfassende Melioration. Landwirtschaftliche Flächen, Wälder und Rebparzellen wurden neu geordnet. Gleichzeitig wurden die Voraussetzungen für einen rationelleren und moderneren Rebbau geschaffen.
Im Rahmen der Melioration entstanden 13 landwirtschaftliche Aussiedlungen sowie eine besondere Rebsiedlung. Zahlreiche zuvor eng über das Gemeindegebiet verteilte Kleinparzellen wurden zu grösseren Einheiten zusammengelegt.
Seit dem 21. Jahrhundert entwickelte sich Eglisau verstärkt zu einer Wohngemeinde für Pendlerinnen und Pendler. Die Nähe zum Flughafen Zürich, zu Bülach, Schaffhausen und Zürich sowie die Bahnverbindungen begünstigten das Bevölkerungswachstum.
Bevölkerung
Am 31. Dezember 2025 lebten 5'770 Personen in Eglisau. Davon waren 4'390 Schweizer Staatsangehörige und 1'380 ausländische Staatsangehörige.[4]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1488 | 650 |
| 1588 | 860 |
| 1689 | 1'494 |
| 1796 | 1'578 |
| 1850 | 1'612 |
| 1900 | 1'175 |
| 1950 | 1'603 |
| 2000 | 2'893 |
| 2010 | 4'213 |
| 2015 | 5'021 |
| 2020 | 5'499 |
| 2024 | 5'727 |
| 2025 | 5'770 |
Zwischen 1850 und 1900 nahm die Bevölkerung deutlich ab. Ursachen waren der Bedeutungsverlust der Schifffahrt, wirtschaftliche Strukturveränderungen und die Abwanderung in industrialisierte Zentren.
Das starke Wachstum seit dem Jahr 2000 veränderte die Gemeinde erheblich. Neue Wohnquartiere, zusätzliche Schulräume und weitere öffentliche Infrastrukturen wurden notwendig.
Deutsch ist die Amtssprache und die mit Abstand am häufigsten gesprochene Sprache. Im Alltag wird hauptsächlich Zürichdeutsch gesprochen. Durch die Nähe zum Kanton Schaffhausen und zu Deutschland bestehen sprachliche und kulturelle Verbindungen über die Kantons- und Landesgrenzen hinweg.
Politik und Verwaltung
Eglisau ist nach dem Gemeindegesetz des Kantons Zürich organisiert. Die Stimmberechtigten entscheiden an Gemeindeversammlungen und bei Urnenabstimmungen über wichtige kommunale Geschäfte.
Der Gemeinderat bildet die Exekutive. Er ist unter anderem für Finanzen, Raumplanung, Bauwesen, Sicherheit, Soziales, Gesundheit, Umwelt und die kommunalen Betriebe zuständig.
Seit dem 1. Juli 2022 bilden die frühere politische Gemeinde und die Schulgemeinde eine Einheitsgemeinde. Schule und allgemeine Gemeindeverwaltung werden seither innerhalb derselben kommunalen Organisation geführt.
Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Obergass 17 im historischen Städtchen.
Eglisau arbeitet bei verschiedenen Aufgaben mit umliegenden Gemeinden zusammen. Dazu gehören die Feuerwehr Eglisau-Hüntwangen-Wasterkingen, der Forstbetrieb Rafzerfeld, der Zivilschutz Bülach-Rafzerfeld, regionale Sozial- und Sicherheitsdienste sowie die Abwasserreinigung.
Wirtschaft
Gewerbe und Dienstleistungen
Eglisau war während Jahrhunderten ein regionales Handwerker- und Marktstädtchen. Drei Jahrmärkte machten den Ort zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der umliegenden Bauerndörfer.
Heute besteht die örtliche Wirtschaft vor allem aus kleinen und mittleren Unternehmen. Bedeutende Bereiche sind Baugewerbe, Handel, Gastronomie, Gesundheitswesen, persönliche Dienstleistungen, Beratung und Tourismus.
Viele Erwerbstätige pendeln nach Bülach, Kloten, Zürich, Schaffhausen oder in benachbarte Gemeinden. Gleichzeitig bietet Eglisau Arbeitsplätze für Beschäftigte aus dem Rafzerfeld und aus dem grenznahen deutschen Raum.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft konzentriert sich auf Ackerbau, Viehhaltung, Obstbau und Rebbau. Die Melioration der 1950er-Jahre schuf grössere zusammenhängende Bewirtschaftungsflächen und führte zur Aussiedlung verschiedener Höfe aus dem dicht bebauten Ortsgebiet.
Direktvermarktung, Hofläden und regionale Produkte verbinden die Landwirtschaft mit der Bevölkerung und dem Tourismus.
Weinbau
Der Weinbau gehört zu den wichtigsten kulturellen und landschaftlichen Merkmalen Eglisaus. Die Rebberge liegen an den sonnigen Hängen oberhalb des Rheins.
Während Jahrhunderten bewirtschafteten viele bäuerliche Familien kleinere Rebparzellen. Das Einkommen aus dem Weinverkauf bildete einen wichtigen Bestandteil der Haushaltswirtschaft.
Nach der Gesamtmelioration von 1951 wurden die Rebflächen zusammengelegt, neu erschlossen und für eine rationellere Bewirtschaftung vorbereitet. Trockenmauern, Rebwege und einzelne Rebhäuser prägen die Kulturlandschaft.
Angebaut werden insbesondere Blauburgunder sowie verschiedene weisse Rebsorten. Die Weine werden von örtlichen Betrieben und Genossenschaften vermarktet. Weinwanderungen, Degustationen und Feste machen den Rebbau auch touristisch sichtbar.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Eglisau liegt im Ortsteil Seglingen an den Bahnstrecken von Bülach nach Schaffhausen und Waldshut.
Die Linie S9 der S-Bahn Zürich verbindet Eglisau direkt mit Rafz, Schaffhausen, Bülach, Zürich Hauptbahnhof, Stettbach und Uster. Die Linie S36 verkehrt zwischen Bülach, Eglisau und Waldshut.[5]
Regionale Buslinien verbinden den Bahnhof und das Städtchen mit den umliegenden Gemeinden des Rafzerfelds und des Zürcher Unterlands.
Eisenbahnviadukt
Der Eglisauer Eisenbahnviadukt wurde 1897 eröffnet. Er überspannt den Rhein westlich des historischen Zentrums in grosser Höhe.
Das Bauwerk besteht aus gemauerten Vorlandbrücken und einer Hauptöffnung über dem Fluss. Es gehört zu den markantesten historischen Eisenbahnbauten des Kantons Zürich und bildet gemeinsam mit der Strassenbrücke ein charakteristisches Ensemble.
Strassenverkehr
Die Hauptstrasse 4 verbindet Bülach über Eglisau mit dem Rafzerfeld und dem deutschen Grenzgebiet. Sie führt durch Seglingen, über die Rheinbrücke und durch Teile des historischen Städtchens.
Der Durchgangsverkehr stellt seit Jahrzehnten eine erhebliche Belastung dar. In den 2020er-Jahren wurden auf der Rheinquerung täglich ungefähr 20'000 bis 23'000 Fahrzeuge gezählt, darunter ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Lastwagen.[6]
Umfahrung Eglisau
Pläne für eine Umfahrung bestehen seit den 1980er-Jahren. Verschiedene Brücken- und Tunnelvarianten wurden aus finanziellen Gründen oder wegen des Landschafts- und Denkmalschutzes verworfen.
Das in den 2020er-Jahren entwickelte Projekt sieht eine rund 4,4 Kilometer lange, weitgehend in Tunneln verlaufende Umfahrungsstrasse vor. Zentrales sichtbares Bauwerk wäre eine etwa 470 Meter lange neue Rheinbrücke westlich des Eisenbahnviadukts.
Der Zürcher Regierungsrat beantragte im Dezember 2025 eine Anpassung des kantonalen Richtplans. Bei planmässigem Verlauf könnte der Bau frühestens 2037 beginnen. Die vorgesehene Bauzeit beträgt ungefähr sechs Jahre, die geschätzten Kosten liegen bei rund 580 Millionen Franken.[6]
Bildung
Die Schule Eglisau umfasst Kindergarten, Primarschule und Sekundarstufe. Am 15. September 2025 besuchten insgesamt 682 Kinder und Jugendliche die kommunalen Schulen.[4]
Wegen des Bevölkerungswachstums wurden die Schulgebäude und Betreuungsangebote wiederholt erweitert. Die Gemeinde plant zusätzliche Räume für Unterricht, schulergänzende Betreuung und Verwaltung.
Berufsfachschulen, Mittelschulen und weitere Bildungsinstitutionen befinden sich hauptsächlich in Bülach, Zürich, Winterthur und Schaffhausen.
Religion
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche steht erhöht über dem Rhein am Rand des historischen Städtchens. Sie ist das bedeutendste Sakralgebäude und eines der Wahrzeichen Eglisaus.
Eine mittelalterliche Kirche bestand bereits während der Herrschaft der Freiherren von Tengen. Bernhard Gradner und Veronika von Starkenberg liessen den Chor im 15. Jahrhundert umgestalten. Ihr steinernes Grabmal und erhaltene Wandmalereien erinnern an diese Bauphase.
Das heutige Kirchenschiff entstand im frühen 18. Jahrhundert im Barockstil. Der helle Predigtsaal entspricht den Anforderungen des reformierten Gottesdiensts. Kirche, Pfarrhaus und Chilehof bilden ein historisch bedeutendes Ensemble.
Katholische Kirche
Die katholische Minderheit nahm im 19. und 20. Jahrhundert durch Zuwanderung zu. Im Jahr 1950 wurde eine katholische Kirche errichtet.
Die römisch-katholischen Einwohnerinnen und Einwohner gehören zur regionalen Pfarreiorganisation des Zürcher Unterlands. Daneben leben in Eglisau Angehörige weiterer Glaubensgemeinschaften sowie Personen ohne Konfessionszugehörigkeit.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Historisches Städtchen
Der historische Ortskern besteht aus dicht stehenden Bürger-, Handwerker- und ehemaligen Gasthäusern. Enge Gassen führen von der erhöht gelegenen Kirche zum Rhein hinunter.
Viele Gebäude stammen im Kern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Charakteristisch sind verputzte Fassaden, Fachwerk, steile Dächer, Erker und schmale Grundstücke.
Das Ortsbild von Eglisau ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet. Seine besondere Qualität entsteht durch das Zusammenspiel von Städtchen, Kirche, Rhein, Brücken und Rebbergen.
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche beherrscht das Ortsbild über dem Rhein. Neben ihrer Architektur sind das Grabmal des Ehepaars Gradner, historische Wandmalereien und die barocke Innenausstattung von besonderer Bedeutung.
Vom Kirchenbereich besteht ein weiter Blick über die Dächer des Städtchens, den Rhein und den gegenüberliegenden Ortsteil Seglingen.
Rheinbrücke
Die heutige Strassenbrücke wurde 1919 als Ersatz für die durch den Kraftwerksbau aufgegebene Holzbrücke eröffnet.
Sie verbindet das historische Städtchen mit Seglingen und dem Bahnhof. Aufgrund des starken Verkehrs erfüllt sie gleichzeitig eine zentrale Verkehrsaufgabe und bildet eine erhebliche Belastung für das Ortsbild und die angrenzenden Wohngebiete.
Eisenbahnviadukt
Der 1897 eröffnete Eisenbahnviadukt ist ein technisches Kulturdenkmal. Seine hohe Lage und die langen Vorlandbögen machen ihn zu einem der markantesten Bauwerke am Zürcher Rhein.
Weierbachhus und Ortsmuseum
Das Weierbachhus ist ein ehemaliges Weinbauernhaus aus dem Jahr 1670. Es beherbergt das Ortsmuseum und wird zugleich für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt.[7]
Die Ausstellung verteilt sich über drei Stockwerke. Behandelt werden die Geschichte des Rheinstädtchens, die Landvogtei, Schifffahrt, Fischerei, Salzhandel, Haushalt, Weinbau und örtliches Gewerbe.
Modelle, Karten, Stiche, Fotografien und Alltagsgegenstände dokumentieren die bauliche und gesellschaftliche Entwicklung Eglisaus.
Salzhausplatz
Der Salzhausplatz liegt unmittelbar am Rhein. Er entstand nach dem Kraftwerksbau auf dem aufgefüllten Unterbau des ehemaligen Salzhauses.
Der Platz erinnert an den früheren Salztransport auf dem Rhein. Heute dient er als öffentlicher Aufenthalts- und Veranstaltungsort.
Rebberge
Die Rebberge oberhalb des Städtchens bilden eine historisch gewachsene Kulturlandschaft. Wege führen durch die Reben und bieten Ausblicke auf den Rhein, das Rafzerfeld und den Schwarzwald.
Kultur und Brauchtum
Das gesellschaftliche Leben wird von zahlreichen Vereinen, Kulturgruppen, Kirchen und privaten Organisationen getragen. Veranstaltungen finden im Städtchen, im Weierbachhus, in der Kirche und auf öffentlichen Plätzen statt.
Der Weinbau ist eng mit lokalen Festen und Degustationen verbunden. Weitere kulturelle Angebote umfassen Konzerte, Theater, Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen des Ortsmuseums.
Die Lage am Rhein prägt auch das Vereinsleben. Wassersport-, Fischer- und Pontoniervereine pflegen die historische Verbindung des Ortes zum Fluss.
Freizeit und Tourismus
Eglisau ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wandernde, Velofahrende, Wassersportler und kulturhistorisch Interessierte.
Uferwege führen in Richtung Tössriederen, Glattfelden, Rüdlingen und Rheinsfelden. Weitere Wanderwege erschliessen die Rebberge und die Hochflächen des Rafzerfelds.
Im Rhein wird an geeigneten Stellen gebadet. Die starke Strömung und der Schiffsverkehr erfordern jedoch besondere Vorsicht. Für den organisierten Wassersport bestehen örtliche Anlagen und Vereine.
Der Schiffssteg liegt etwa 15 Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Saisonale Kursschiffe und Rundfahrten ermöglichen die Erkundung des Hochrheins vom Wasser aus.
Wappen
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:
- In Gold auf grünem Dreiberg ein schreitender schwarzer Hirsch mit roter Zunge.
Der Hirsch geht auf historische Siegel und Wappendarstellungen der Herrschaft Eglisau zurück. Der grüne Dreiberg wurde in verschiedenen älteren Darstellungen unterschiedlich gestaltet.
Das Wappen erscheint heute an öffentlichen Gebäuden, auf amtlichen Dokumenten und im Erscheinungsbild der Gemeinde.
Persönlichkeiten
- Salomon Landolt (1741–1818), letzter zürcherischer Landvogt von Eglisau
- Hans Heinrich Denzler (1814–1876), Ingenieur, Topograf und Oberst
- Rudolf Meier (1907–1986), Landwirt, Regierungsrat, Nationalrat und Ständerat
- Gottfried Keller (1819–1890), Schriftsteller; verarbeitete die Gestalt Salomon Landolts literarisch
- Auguste Forel (1848–1931), Psychiater und Naturforscher; zeitweise mit der Region verbunden
Siehe auch
- Bezirk Bülach
- Zürcher Unterland
- Rafzerfeld
- Rhein
- Eglisauer Eisenbahnbrücke
- Kraftwerk Eglisau-Glattfelden
- Vivi Kola
- Liste der Gemeinden des Kantons Zürich
- Liste der Kulturgüter in Eglisau
Literatur
- Martin Illi: Eglisau. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Gemeinde Eglisau: Chronik und Geschichte des Rheinstädtchens Eglisau. Eglisau.
- Ortsmuseum Eglisau: Dokumente und Sammlungen zur Geschichte von Eglisau. Eglisau.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Eglisau
- Eglisau im Historischen Lexikon der Schweiz
- Chronik der Gemeinde Eglisau
- Ortsmuseum Eglisau
- Zürcher Verkehrsverbund
- Zürcher Gemeinden in Zahlen
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Eglisau
Einzelnachweise
- ↑ Schifffahrt auf dem Rhein. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-07-24.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Geschichte von Eglisau. Hrsg.: Gemeinde Eglisau. Abgerufen am 2026-07-24.
- ↑ Eglisau – Herrschaft und Vogtei. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 2026-07-24.
- ↑ 4,0 4,1 Gemeindestatistik 2025. Hrsg.: Gemeinde Eglisau. 2026. Abgerufen am 2026-07-24.
- ↑ S-Bahn-Linien S9 und S36. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-07-24.
- ↑ 6,0 6,1 Umfahrung Eglisau. Hrsg.: Kanton Zürich. Abgerufen am 2026-07-24.
- ↑ Geschichte, Literatur und Ortsmuseum. Hrsg.: Gemeinde Eglisau. Abgerufen am 2026-07-24.