Bahnstrecke Ziegelbrücke–Linthal

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Die Bahnstrecke Ziegelbrücke–Linthal, auch Glarnerlinie genannt, ist eine normalspurige, elektrifizierte Eisenbahnstrecke in den Kantonen St. Gallen und Glarus. Sie führt vom Bahnhof Ziegelbrücke über Näfels, Netstal, Glarus, Schwanden und das Glarner Grosstal nach Linthal. Die 27,3 Kilometer lange Strecke gehört den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und bildet die wichtigste Eisenbahnachse des Kantons Glarus.

Die heutige Strecke entstand aus mehreren im 19. Jahrhundert von unterschiedlichen Bahngesellschaften gebauten Abschnitten. Die erste Eisenbahnverbindung nach Glarus wurde 1859 durch die Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) eröffnet und führte ursprünglich von Weesen über Näfels-Mollis nach Glarus. 1875 schuf die Schweizerische Nordostbahn (NOB) eine direkte Verbindung von Ziegelbrücke nach Näfels-Mollis. Vier Jahre später verlängerte sie die Bahn von Glarus bis Linthal.[1]

Bahnstrecke Ziegelbrücke–Linthal
Andere Bezeichnung Glarnerlinie
Streckenanfang Ziegelbrücke
Streckenende Linthal
Länge 27,3 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Gleise 1
Streckennummer 736
Fahrplanfeld 736
Höchstgeschwindigkeit bis 110 km/h
Erste Eröffnung 15. Februar 1859
Glarus–Linthal eröffnet 1. Juni 1879
Elektrifizierung 15. Mai 1933
Eigentümer SBB

Bedeutung

Die Glarnerlinie ist die zentrale Eisenbahnverbindung des Kantons Glarus. Sie erschliesst nahezu die gesamte Hauptsiedlungsachse des Kantons vom nördlichen Kantonsgebiet über die Hauptstadt Glarus bis in das hintere Linthtal.

Für den Pendlerverkehr ermöglicht die Strecke direkte Verbindungen nach Ziegelbrücke und von dort weiter in Richtung Zürich, Rapperswil und Ostschweiz. Mit der Linie S25 bestehen direkte Züge vom Glarnerland über Pfäffikon SZ und Wädenswil zum Zürcher Hauptbahnhof.[2]

Die Strecke ist zugleich für den Tourismus von Bedeutung. Sie erschliesst unter anderem die Gebiete um Braunwald, Elm und den Klausenpass sowie zahlreiche Wander- und Wintersportregionen der Glarner Alpen.

Streckenverlauf

Die Bahnstrecke beginnt im Bahnhof Ziegelbrücke. Der Bahnhof liegt auf dem Gebiet der politischen Gemeinde Schänis im Kanton St. Gallen unmittelbar an der Grenze zum Kanton Glarus.

Ziegelbrücke ist ein wichtiger Eisenbahnknoten. Hier treffen die Verbindungen aus Richtung Zürich und Pfäffikon SZ, Rapperswil sowie Sargans aufeinander.

Die Glarnerlinie verlässt den Bahnhof in südlicher Richtung und überquert kurz darauf die Linth beziehungsweise den Linthkanal. Anschliessend erreicht sie das Gebiet der Gemeinde Glarus Nord.

Erster Bahnhof im Kanton Glarus ist Nieder- und Oberurnen. Danach folgt Näfels-Mollis, wo die Strecke die Siedlungsgebiete von Näfels und Mollis erschliesst.

Von Näfels führt die Linie im Talboden südwärts nach Netstal. Anschliessend erreicht sie die Kantonshauptstadt Glarus.

Südlich von Glarus wird das Tal enger. Die Bahn überquert die Linth mehrfach und führt über Ennenda und Mitlödi nach Schwanden.

Von Schwanden verläuft sie weiter durch das sogenannte Grosstal. Aufeinander folgen die Stationen Nidfurn-Haslen, Leuggelbach, Luchsingen-Hätzingen, Diesbach-Betschwanden und Rüti GL.

Kurz vor dem Streckenende erreicht die Bahn die Haltestelle Linthal Braunwaldbahn. Sie befindet sich unmittelbar bei der Talstation der Braunwaldbahn, der Standseilbahn nach Braunwald.

Wenig später endet die Strecke im Bahnhof Linthal auf rund 648 m ü. M.

Bahnhöfe und Haltestellen

Die heute im Personenverkehr bedienten Stationen sind:

Im Fahrplanjahr 2026 werden diese Stationen von den Linien S25 beziehungsweise S6 bedient. Die genaue Zahl der Halte unterscheidet sich je nach Linie und Zuglauf.[3]

Geschichte

Erste Eisenbahn nach Glarus

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte der Kanton Glarus zu den bedeutenden Industrieregionen der Schweiz. Besonders die Textilindustrie benötigte leistungsfähige Transportwege für Rohstoffe und Fertigprodukte.

Die Eisenbahn versprach eine wesentlich schnellere Verbindung mit Zürich, der Ostschweiz und den internationalen Handelswegen.

Die erste Bahn erreichte Glarus am 15. Februar 1859. Die Vereinigten Schweizerbahnen eröffneten an diesem Tag die Verbindung von Rüti über Rapperswil und Ziegelbrücke beziehungsweise Weesen nach Glarus.

Der damalige Streckenverlauf entsprach jedoch nicht vollständig der heutigen Linie.

Von Ziegelbrücke fuhren die Züge zunächst nach Weesen. Von dort führte eine Strecke quer durch die Ebene nach Näfels-Mollis und weiter nach Glarus.

Das Historische Lexikon der Schweiz nennt 1859 als das Jahr, in dem der Kantonshauptort seinen Eisenbahnanschluss erhielt.[4]

Ursprüngliche Strecke über Weesen

Die ursprüngliche VSB-Strecke verlief von Weesen über die Linthebene nach Näfels-Mollis.

Diese Linienführung war das Ergebnis der damaligen Netzplanung der Vereinigten Schweizerbahnen. Die VSB betrieben gleichzeitig die Bahnverbindungen entlang des Walensees und in Richtung Rapperswil.

Ziegelbrücke war bereits Teil dieses Netzes, doch die direkte Verbindung von dort nach Näfels bestand zunächst noch nicht.

Für Reisende aus Richtung Zürich änderte sich die Situation in den 1870er-Jahren grundlegend.

Direkte Verbindung Ziegelbrücke–Näfels

Die Schweizerische Nordostbahn baute die Linksufrige Zürichseebahn von Zürich über Thalwil, Wädenswil und Pfäffikon SZ in Richtung Ziegelbrücke.

Am 20. September 1875 erreichte diese Strecke den Bahnhof Näfels-Mollis.

Damit entstand eine wesentlich direktere Eisenbahnverbindung von Ziegelbrücke nach Näfels. Die Züge mussten nicht mehr den Umweg über Weesen benutzen.

Zwischen den Vereinigten Schweizerbahnen und der Nordostbahn bestanden Vereinbarungen zur Mitbenutzung der jeweiligen Streckenabschnitte.[1]

Die neue Verbindung übernahm zunehmend den Verkehr in Richtung Glarus.

Verlängerung nach Linthal

Das hintere Glarnerland blieb zunächst ohne Eisenbahnanschluss.

In den 1870er-Jahren wurde die Verlängerung von Glarus durch das Linthtal geplant. Die Strecke sollte unter anderem die industriell bedeutenden Gemeinden Schwanden und die zahlreichen Textilbetriebe im Grosstal erschliessen.

Die Schweizerische Nordostbahn baute den Abschnitt Glarus–Linthal.

Am 1. Juni 1879 wurde die Bahn bis Linthal eröffnet.[5]

Damit war das Glarner Haupttal nahezu auf seiner gesamten Länge an das schweizerische Eisenbahnnetz angeschlossen.

Datum Abschnitt Bahngesellschaft
15. Februar 1859 Weesen–Näfels-Mollis–Glarus Vereinigte Schweizerbahnen
20. September 1875 Ziegelbrücke–Näfels-Mollis Schweizerische Nordostbahn
1. Juni 1879 Glarus–Schwanden–Linthal Schweizerische Nordostbahn

Konkurrenz zwischen VSB und NOB

Eine Besonderheit der Glarner Eisenbahngeschichte war, dass die verschiedenen Abschnitte von konkurrierenden Privatbahnen gebaut worden waren.

Die Vereinigten Schweizerbahnen besassen die ursprüngliche Linie von Weesen nach Glarus. Die Nordostbahn verfügte dagegen über die direkte Strecke von Ziegelbrücke nach Näfels-Mollis und die Fortsetzung von Glarus nach Linthal.

Da ein sinnvoller durchgehender Betrieb nur durch die gemeinsame Nutzung einzelner Streckenabschnitte möglich war, schlossen beide Gesellschaften entsprechende Mitbenutzungsverträge.[1]

Diese ungewöhnliche Eigentumssituation verschwand erst mit der Verstaatlichung der grossen Schweizer Privatbahnen.

Verstaatlichung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen sowohl die Nordostbahn als auch die Vereinigten Schweizerbahnen in den neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen auf.

Seit 1902 befanden sich damit die für die Glarnerlinie relevanten Streckenabschnitte unter einer einheitlichen Eigentümerschaft.

Die SBB konnten den Betrieb nun ohne die früheren vertraglichen Abgrenzungen zwischen den Privatbahnen organisieren.

Stilllegung Weesen–Näfels

Nach dem Bau der direkten Verbindung Ziegelbrücke–Näfels hatte die alte Strecke über Weesen einen grossen Teil ihrer Bedeutung verloren.

Der Personenverkehr zwischen Weesen und Näfels wurde bereits 1918 eingestellt. Die alte Verbindung blieb zunächst noch teilweise für andere betriebliche Zwecke bestehen.

Am 1. Januar 1931 wurde die Strecke Weesen–Näfels-Mollis von den SBB endgültig stillgelegt und später abgebrochen.[6]

Damit setzte sich endgültig die heute bekannte Streckenführung Ziegelbrücke–Näfels–Glarus–Linthal durch.

Vom alten Trassee sind in der Linthebene teilweise noch Spuren in der Landschaft erkennbar.

Elektrifizierung

Wie zahlreiche andere SBB-Strecken wurde auch die Glarnerlinie im frühen 20. Jahrhundert für den elektrischen Betrieb vorbereitet.

Die Arbeiten waren umfangreich, weil mehrere ältere Eisenbahnbrücken für die höheren Belastungen moderner elektrischer Lokomotiven verstärkt oder ersetzt werden mussten.

SBB Historic dokumentiert unter anderem Brückenverstärkungen und Elektrifizierungsarbeiten zwischen Ziegelbrücke und Linthal in den Jahren 1927 bis 1930.[7]

Der elektrische Betrieb wurde am 15. Mai 1933 aufgenommen.

Die Strecke erhielt das bei den SBB übliche Bahnstromsystem mit 15 Kilovolt Einphasen-Wechselstrom. Die heutige Frequenz beträgt 16,7 Hertz.

Brücken und Kunstbauten

Obwohl die Glarnerlinie keine eigentliche Gebirgsbahn mit langen Tunneln ist, besitzt sie aufgrund der Lage im engen Linthtal zahlreiche Kunstbauten.

Besonders charakteristisch sind die mehrfachen Querungen der Linth.

Zu den historischen beziehungsweise erneuerten Brücken gehören unter anderem:

  • die obere Linthkanalbrücke bei Ziegelbrücke;
  • die Linthbrücke bei Ennenda;
  • die Linthbrücke Mühlefuhr;
  • die Dänibergbrücke;
  • die Linthbrücke bei Schwanden;
  • die Linthbrücke bei Diesbach;
  • die Linthbrücke bei Rüti.

Mehrere dieser Bauwerke wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts ersetzt oder verstärkt.[7]

Zwischen Diesbach-Betschwanden und Rüti GL durchquert die Strecke zudem den kurzen Erlenruns-Tunnel.

Die Linth als bestimmendes Landschaftselement

Der Verlauf der Bahn wird stark von der Linth bestimmt.

Zwischen Glarus und Linthal wird der Talboden zunehmend schmaler. Die Bahn muss mehrfach von einer Flussseite auf die andere wechseln.

Dadurch entstanden trotz der vergleichsweise kurzen Gesamtlänge zahlreiche Brücken.

Die Siedlungen des Glarnerlands entwickelten sich traditionell ebenfalls entlang der Linth und der parallel verlaufenden Verkehrswege. Die Eisenbahn folgt daher weitgehend der natürlichen Hauptachse des Kantons.

Bahnhof Glarus

Der Bahnhof Glarus ist der wichtigste Zwischenbahnhof der Strecke.

Er liegt nahe dem Zentrum der Kantonshauptstadt und wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach erweitert.

Historisch bestanden in Glarus umfangreichere Bahnanlagen mit Lokomotivdepot, Lokomotivschuppen und Drehscheibe.

Das Bahnhofsgebäude besitzt einen besonderen architektonischen Wert und gehört zu den bedeutenden historischen Bahnhofanlagen des Kantons.

2016 und 2017 wurde der Bahnhof umfassend erneuert. Dabei wurden unter anderem die Perronanlagen modernisiert und eine neue Unterführung geschaffen.

Glarus ist heute ein wichtiger Umsteigepunkt zwischen Bahn und regionalen Buslinien.

Bahnhof Schwanden

Schwanden besitzt als Zentrum des südlichen Kantonsgebiets eine besondere Bedeutung.

Der Bahnhof liegt dort, wo sich das Linthtal und das Sernftal verzweigen.

Historisch war Schwanden zudem Ausgangspunkt einer eigenständigen Schmalspurbahn.

Sernftalbahn

Vom 7. August 1905 bis zum 31. Mai 1969 bestand in Schwanden Anschluss an die Sernftalbahn.

Die meterspurige elektrische Bahn führte von Schwanden über Engi und Matt nach Elm.

Sie erschloss das Sernftal und war sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr wichtig.

Nach ihrer Stilllegung wurde die Bahn durch Busverkehr ersetzt.

Die ehemalige Sernftalbahn ist ein bedeutender Bestandteil der Verkehrsgeschichte des Glarnerlands.

Bahnhof Linthal

Der Bahnhof Linthal bildet seit 1879 den südlichen Endpunkt der normalspurigen Eisenbahnstrecke.

Linthal liegt im hintersten Teil des Glarner Grosstals und war im 19. Jahrhundert neben seiner industriellen Bedeutung auch Ausgangspunkt für den Tourismus.

Die Eisenbahn erleichterte Reisen zu den Kur- und Ferienorten der Region sowie über den Klausenpass in Richtung Uri.

Heute endet die S25 im Bahnhof Linthal.

Von dort bestehen Busverbindungen in weitere Teile des südlichen Glarnerlands.

Linthal Braunwaldbahn

Eine wichtige Ergänzung der Strecke war die Eröffnung der Haltestelle Linthal Braunwaldbahn.

Sie wurde mit dem Fahrplanwechsel vom 23. Mai 1982 in Betrieb genommen.

Die Haltestelle liegt unmittelbar neben der Talstation der Braunwaldbahn. Dadurch kann zwischen der SBB und der Standseilbahn nach Braunwald auf kurzem Weg umgestiegen werden.

Vor der Eröffnung mussten Reisende nach Braunwald einen deutlich längeren Weg zwischen dem Bahnhof Linthal und der Talstation zurücklegen.

Die Haltestelle ist besonders für den touristischen Verkehr bedeutend.

Braunwaldbahn

Die Braunwaldbahn verbindet den Talboden mit dem autofreien Ferienort Braunwald.

Da Braunwald keinen normalen Strassenanschluss besitzt, ist die Kombination aus Eisenbahn und Standseilbahn für den öffentlichen Verkehr von zentraler Bedeutung.

Die direkte Umsteigemöglichkeit an der Haltestelle Linthal Braunwaldbahn macht die Glarnerlinie zu einem wichtigen Teil der touristischen Erschliessung Braunwalds.

Glarner Sprinter

Vor der heutigen S25 spielte der sogenannte Glarner Sprinter eine wichtige Rolle für die direkten Verbindungen zwischen Zürich und dem Glarnerland.

Das Angebot verband Zürich mit Glarus, Schwanden und teilweise Linthal und sollte insbesondere die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zwischen dem Glarnerland und dem Wirtschaftsraum Zürich erhöhen.

Mit der Weiterentwicklung der Zürcher S-Bahn wurde die direkte Verbindung schliesslich in das reguläre S-Bahn-System integriert.

Die heutige S25 übernimmt einen wesentlichen Teil der früheren Funktion des Glarner Sprinters.

S25

Im Fahrplanjahr 2026 verkehrt die S25 zwischen Zürich HB und Linthal.[2]

Ihre Grundrelation lautet:

Zürich HB–Wädenswil–Pfäffikon SZ–Lachen SZ–Siebnen-Wangen–Ziegelbrücke–Glarus–Linthal.

Ab Ziegelbrücke befährt sie die gesamte Glarnerlinie.

Die S25 ist für das Glarnerland besonders wichtig, weil sie eine umsteigefreie Verbindung mit der Zürcher Innenstadt bietet.

Innerhalb des Glarnerlands bedient sie 2026 unter anderem Näfels-Mollis, Netstal, Glarus, Ennenda, Mitlödi, Schwanden, die Stationen des Grosstals sowie Linthal Braunwaldbahn und Linthal.[2]

S6

Neben der S25 verkehrt die S6 der S-Bahn St. Gallen auf der Glarnerlinie.

Im Fahrplanjahr 2026 lautet ihre Hauptrelation Rapperswil–Schwanden GL; einzelne Zugläufe werden bis Linthal geführt.[3]

Von Rapperswil erreicht die S6 über Uznach und Ziegelbrücke das Glarnerland.

Die Linie übernimmt vor allem die regionale Feinerschliessung und ergänzt die direkte S25 nach Zürich.

Durch das Zusammenspiel beider Linien entsteht auf wichtigen Teilen der Strecke ein dichteres Angebot als mit der S25 allein.

Fahrplan 2027

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 ist eine weitere Verbesserung vorgesehen.

Die S25 soll ab dem Fahrplanjahr 2027 in beiden Fahrtrichtungen zusätzlich in Nieder- und Oberurnen halten. Dadurch erhält die Station eine direkte Verbindung nach Zürich HB und zusammen mit dem übrigen Angebot häufiger Verbindungen in Richtung Ziegelbrücke und Schwanden.[8]

Einspurige Strecke

Die Strecke zwischen Ziegelbrücke und Linthal ist durchgehend einspurig.

Damit unterscheidet sie sich von vielen stark belasteten Hauptstrecken im Raum Zürich.

Zugkreuzungen sind nur an dafür ausgerüsteten Bahnhöfen möglich. Die Fahrplanplanung muss deshalb genau auf die verfügbaren Kreuzungsstellen abgestimmt werden.

Die Einspurigkeit wird insbesondere bei Bauarbeiten sichtbar. Muss ein längerer Streckenabschnitt vollständig gesperrt werden, steht keine parallele Bahnspur für den Verkehr zur Verfügung.

Die SBB verwiesen beispielsweise bei Bauarbeiten 2023 ausdrücklich darauf, dass die Strecke Linthal–Ziegelbrücke einspurig ist und deshalb während bestimmter Arbeiten durch Bahnersatzbusse ersetzt werden musste.[9]

Güterverkehr

Die Glarnerlinie wurde historisch nicht nur für den Personenverkehr, sondern in erheblichem Umfang auch für Gütertransporte genutzt.

Der Kanton Glarus war im 19. und frühen 20. Jahrhundert stark industrialisiert. Textilfabriken, Maschinenbetriebe und andere Unternehmen benötigten grosse Mengen an Rohstoffen und versandten ihre Produkte über die Eisenbahn.

Mehrere Bahnhöfe besassen deshalb Güterschuppen, Ladegleise und private Industrieanschlüsse.

Mit dem Strukturwandel der Glarner Industrie und der zunehmenden Verlagerung des Güterverkehrs auf die Strasse nahm diese Bedeutung ab.

Einzelne Anlagen und ehemalige Anschlussgleise erinnern weiterhin an die frühere Rolle der Bahn für die Industrie.

Textilindustrie und Eisenbahn

Die Entwicklung der Eisenbahn ist eng mit der Glarner Textilindustrie verbunden.

Im 19. Jahrhundert bestanden entlang der Linth zahlreiche Spinnereien, Webereien, Druckereien und andere Fabriken.

Der Eisenbahnanschluss vereinfachte die Einfuhr von Baumwolle, Kohle, Maschinen und weiteren Rohstoffen.

Gleichzeitig konnten bedruckte Stoffe und andere Produkte schneller zu den Absatzmärkten in der Schweiz und im Ausland transportiert werden.

Die Verlängerung nach Linthal 1879 erschloss auch die Industriebetriebe des südlichen Kantonsteils wesentlich besser.[4]

Einfluss auf die Siedlungsentwicklung

Die Bahnstationen wurden zu wichtigen Punkten der Ortsentwicklung.

In Glarus, Netstal, Schwanden und anderen Gemeinden entstanden in Bahnhofsnähe neue Gewerbe-, Industrie- und Wohngebiete.

Für die Bevölkerung wurde es gleichzeitig leichter, ausserhalb der eigenen Wohngemeinde zu arbeiten.

Mit dem Rückgang der traditionellen Industrie gewann der Pendlerverkehr zunehmend an Bedeutung. Heute ist die gute Verbindung nach Zürich ein wichtiger Standortfaktor für das Glarnerland.

Touristische Bedeutung

Die Eisenbahn trug wesentlich zur Entwicklung des Fremdenverkehrs im Kanton Glarus bei.

Linthal war bereits im 19. Jahrhundert Ausgangspunkt für Reisen zum Bad Stachelberg und später in das Gebiet von Braunwald.

Heute erschliesst die Bahn zahlreiche Freizeitziele.

Über Linthal Braunwaldbahn gelangt man nach Braunwald. Ab Schwanden bestehen Busverbindungen ins Sernftal nach Elm. Von Linthal führen Busverbindungen in Richtung Urnerboden und während der entsprechenden Saison über den Klausenpass.

Auch für Wanderungen in den Glarner Alpen besitzen verschiedene Stationen Bedeutung.

Landschaft

Die Strecke durchquert auf kurzer Distanz unterschiedliche Landschaftsräume.

Bei Ziegelbrücke verläuft sie zunächst durch die breite Linthebene. Im Gebiet von Näfels und Netstal treten die Berge näher an das Tal heran.

Bei Glarus prägen die steilen Flanken von Vorderglärnisch, Wiggis und Schilt die Umgebung.

Südlich von Schwanden wird das Grosstal zunehmend alpiner. Hohe Berge begrenzen den schmalen Talboden, durch den Bahn, Linth und Hauptstrasse gemeinsam verlaufen.

Die Strecke endet in Linthal am Fuss der Glarner Alpen.

Naturgefahren

Die Lage in einem engen Alpental stellt besondere Anforderungen an die Infrastruktur.

Hochwasser, Rüfen, Steinschlag und andere Naturereignisse können Verkehrswege im Glarnerland beeinträchtigen.

Historisch mussten deshalb wiederholt Brücken, Bachquerungen und Schutzbauten erneuert oder verstärkt werden.

Auch bei heutigen Infrastrukturprojekten spielen Hochwasser- und Naturgefahrenschutz eine wichtige Rolle.

Technische Merkmale

Die Strecke besitzt eine Spurweite von 1435 Millimetern und entspricht damit der schweizerischen Normalspur.

Sie ist vollständig mit 15 kV bei 16,7 Hz Wechselstrom elektrifiziert.

Die Streckenlänge von Ziegelbrücke bis Linthal beträgt rund 27,3 Kilometer.

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit liegt auf geeigneten Abschnitten bei bis zu 110 km/h. Aufgrund der Kurven, Bahnhöfe und örtlichen Verhältnisse gelten auf anderen Abschnitten niedrigere Geschwindigkeiten.

Die gesamte Strecke ist einspurig.

Höhenentwicklung

Ziegelbrücke liegt auf rund 425 m ü. M.

Bis Glarus steigt die Strecke nur relativ moderat auf etwa 472 m ü. M.

Südlich von Glarus nimmt die Steigung stärker zu:

Station Höhe ungefähr
Ziegelbrücke 425 m ü. M.
Näfels-Mollis 438 m ü. M.
Netstal 458 m ü. M.
Glarus 472 m ü. M.
Schwanden GL 521 m ü. M.
Luchsingen-Hätzingen 568 m ü. M.
Diesbach-Betschwanden 597 m ü. M.
Rüti GL 625 m ü. M.
Linthal 648 m ü. M.

Die Strecke überwindet damit zwischen Ziegelbrücke und Linthal einen Höhenunterschied von etwas mehr als 220 Metern.

Bahnhof Ziegelbrücke als Knoten

Für den Betrieb der Glarnerlinie ist der Bahnhof Ziegelbrücke von zentraler Bedeutung.

Von hier bestehen Verbindungen in vier Hauptrelationen:

  • nach Zürich über Pfäffikon SZ und Wädenswil;
  • nach Rapperswil über Uznach;
  • nach Sargans und Chur entlang des Walensees;
  • nach Glarus und Linthal.

Dadurch ist Ziegelbrücke der wichtigste Umsteigepunkt zwischen dem Glarnerland und den umliegenden Regionen.

Die Bahnanlagen wurden im Laufe ihrer Geschichte mehrfach ausgebaut und modernisiert.

Verhältnis zur Strecke Ziegelbrücke–Sargans

Die Bahnstrecke nach Linthal zweigt im Raum Ziegelbrücke von der wichtigen Ost-West-Verbindung Ziegelbrücke–Sargans ab.

Beide Strecken besitzen historisch enge Verbindungen.

Die erste Eisenbahn nach Glarus entstand gleichzeitig mit mehreren Abschnitten des VSB-Netzes zwischen Rapperswil, Weesen und dem Walensee.

Die komplizierte historische Linienführung erklärt, weshalb die Glarnerbahn zunächst über Weesen führte und die heutige direkte Strecke erst später entstand.

Verhältnis zur linksufrigen Zürichseebahn

Der Abschnitt Ziegelbrücke–Näfels-Mollis entstand als Fortsetzung der von der Nordostbahn gebauten linksufrigen Zürichseebahn.

Diese Verbindung wurde für das Glarnerland besonders wichtig, weil sie eine direkte Route nach Zürich über Pfäffikon SZ, Wädenswil und Thalwil eröffnete.

Die heutige S25 folgt im Wesentlichen dieser historischen Verkehrsachse.

Bedeutung für den Kanton Glarus

Kaum ein anderer Schweizer Kanton besitzt eine derart klar ausgeprägte lineare Hauptsiedlungsachse wie Glarus.

Die meisten grösseren Ortschaften liegen entlang der Linth zwischen Näfels und Linthal.

Die Eisenbahn folgt genau diesem Talraum und erschliesst dadurch einen grossen Teil der Bevölkerung.

Von den drei heutigen politischen Gemeinden des Kantons werden alle durch die Strecke bedient:

Damit besitzt die Bahn für den innerkantonalen öffentlichen Verkehr eine aussergewöhnlich grosse Bedeutung.

Zukunft

Die Weiterentwicklung des Bahnangebots im Glarnerland steht in engem Zusammenhang mit den Fahrplanknoten Ziegelbrücke und Zürich.

Da die Strecke selbst einspurig ist, sind grössere Angebotsverdichtungen nur möglich, wenn Fahrplan, Kreuzungsstellen und Infrastruktur aufeinander abgestimmt werden.

Gleichzeitig wird die direkte S25 nach Zürich schrittweise weiterentwickelt. Für den Fahrplan 2027 ist beispielsweise der zusätzliche Halt der S25 in Nieder- und Oberurnen in beiden Richtungen angekündigt.[8]

Der langfristige Erhalt und die Modernisierung der Strecke sind für die Erreichbarkeit des Kantons Glarus sowohl im Pendler- als auch im Freizeitverkehr von grosser Bedeutung.

Verkehrsgeschichtliche Bedeutung

Die Glarnerlinie dokumentiert beispielhaft die komplizierte Entwicklung des schweizerischen Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert.

Ihre heutige Form entstand nicht aus einem einzigen Projekt, sondern aus dem Zusammenspiel konkurrierender Privatbahnen.

Die Vereinigten Schweizerbahnen brachten 1859 die Eisenbahn nach Glarus. Die Nordostbahn schuf 1875 die direktere Verbindung von Ziegelbrücke und verlängerte die Bahn 1879 bis Linthal.

Nach der Verstaatlichung wurden diese unterschiedlichen Streckenbestandteile zu einer einheitlichen SBB-Linie.

Die Stilllegung des Umwegs über Weesen, die Elektrifizierung von 1933, der Niedergang der traditionellen Güterverkehre und die Entwicklung moderner S-Bahn-Angebote markieren weitere Etappen des Wandels.

Heute ist die Glarnerlinie vor allem eine leistungsfähige Regional- und Pendlerbahn, deren Bedeutung für den Kanton weit über ihre vergleichsweise kurze Länge hinausgeht.

Siehe auch

Literatur

  • Rudolf Lichtsteiner, Hugo Loetscher: Eine Schiene öffnet das Tal. 100 Jahre Eisenbahn im Glarnerland. Glarus 1979.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  • Hans G. Wägli, Sébastien Jacobi: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Historisches Lexikon der Schweiz: Eisenbahnen, abgerufen am 9. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Zürcher Verkehrsverbund: S25 – Jahresfahrplan 2026, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026.
  3. 3,0 3,1 SBB/OSTWIND: Liniennetzplan S-Bahn St. Gallen 2026, gültig ab 14. Dezember 2025.
  4. 4,0 4,1 Historisches Lexikon der Schweiz: Glarus (Kanton), abgerufen am 9. August 2026.
  5. Historisches Lexikon der Schweiz: Linthal, abgerufen am 9. August 2026.
  6. SBB Historic: Weesen–Näfels: Aufhebung der Linie und damit zusammenhängende Begehren der Kantone St. Gallen und Glarus, Archivbestand 1924–1945, abgerufen am 9. August 2026.
  7. 7,0 7,1 SBB Historic: Ziegelbrücke–Glarus–Linthal: Elektrifizierung und Brückenverstärkungen, abgerufen am 9. August 2026.
  8. 8,0 8,1 SBB: Fahrplan 2027 bringt gezielte Verbesserungen, 20. Mai 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  9. SBB: Schwanden–Ziegelbrücke: Bus statt Zug während zwei Wochen, 13. Oktober 2023.