Alt-Wiedikon
| Alt-Wiedikon | |
|---|---|
| Stadt | Zürich |
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Zürich |
| Stadtkreis | Kreis 3 |
| Quartiernummer | 031 |
| Postleitzahlen | 8003, 8045, 8055 |
| Fläche | 1,692 km² |
| Einwohner | 18'904 |
| Einwohnerstand | 31. Dezember 2025 |
| Bevölkerungsdichte | rund 11'172 Einwohner/km² |
| Historische Gemeinde | Wiedikon |
| Eingemeindung | 1. Januar 1893 |
| Statistisches Quartier | seit 1971 |
Alt-Wiedikon ist ein Stadtquartier von Zürich und gehört zusammen mit Friesenberg und Sihlfeld zum Stadtkreis 3. Das Quartier umfasst den historischen Kern der ehemaligen Gemeinde Wiedikon rund um die Schmiede Wiedikon, den Bühlhügel und den Bahnhof Zürich Wiedikon sowie die südöstlich anschliessenden Gebiete entlang der Sihl bis zur Brunau.
Ende 2025 lebten 18'904 Personen in Alt-Wiedikon. Das Quartier umfasst rund 169,2 Hektaren beziehungsweise 1,692 Quadratkilometer.[1][2]
Alt-Wiedikon verbindet sehr unterschiedliche städtebauliche Räume. Rund um die Schmiede Wiedikon sind Reste des alten Dorfkerns erhalten. Im Bereich des Bahnhofs dominieren dicht bebaute Wohn- und Geschäftsquartiere des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Im Süden und Südosten liegen ehemalige Gewerbe- und Industriegebiete, die in den vergangenen Jahrzehnten stark umgestaltet wurden. Zu den bekanntesten Beispielen gehören Sihlcity, das Gebiet Giesshübel und die Brunau.[2]
Lage
Alt-Wiedikon liegt südwestlich der Zürcher Innenstadt und bildet den südöstlichen Teil des Kreises 3.
Im Norden grenzt das Quartier an Sihlfeld, im Westen und Südwesten an Friesenberg. Östlich der Sihl liegen Quartiere des Kreises 2. Im Süden reicht Alt-Wiedikon bis in den Bereich der Brunau und an die Grenze zu Leimbach.
Das Gelände weist deutliche Höhenunterschiede auf. Im Osten liegt die tiefere Talebene der Sihl. Nach Westen steigt das Gebiet über den Bühl- und Rebhügel in Richtung Uetliberg an.
Der historische Siedlungskern befindet sich am Fuss des Bühlhügels im Bereich der heutigen Schmiede Wiedikon. Die erhöhten Lagen waren wegen ihrer geringeren Hochwassergefährdung besonders günstig für frühe Siedlungen.
Zu den wichtigsten Verkehrsachsen gehören:
- Birmensdorferstrasse,
- Uetlibergstrasse,
- Manessestrasse,
- Sihltalstrasse,
- Friesenbergstrasse,
- Schweighofstrasse.
Name
Der Name Alt-Wiedikon verweist auf den ältesten Siedlungsbereich der ehemaligen Gemeinde Wiedikon.
Der Ortsname Wiedikon geht wahrscheinlich auf eine alemannische Sippe zurück. Eine Urkunde vom 27. Juni 889 erwähnt «Wiedinc hova», die «Höfe der Wiedinge». Der Name wird traditionell mit einem alemannischen Siedler namens Wiedo in Verbindung gebracht.[3]
Die heutige Bezeichnung Alt-Wiedikon entstand jedoch erst viel später. Wiedikon war bis 1892 eine eigene politische Gemeinde und bildete nach der Eingemeindung einen Zürcher Stadtkreis. Erst seit 1971 wird der Kreis 3 von Statistik Stadt Zürich in die drei statistischen Quartiere Alt-Wiedikon, Friesenberg und Sihlfeld unterteilt.[4]
Geschichte
Frühe Besiedlung
Das Gebiet von Wiedikon war schon lange vor dem Mittelalter besiedelt. Archäologische Funde auf dem Bühl- und Rebhügel weisen auf eine frühe Nutzung des Gebiets hin.
Der erhöhte Bühlhügel bot gegenüber der früher häufig von Hochwasser betroffenen Sihlebene günstige Bedingungen für eine dauerhafte Siedlung.
Im Mittelalter entwickelte sich am Fuss des Hügels ein Haufendorf. Landwirtschaft, Viehzucht, Obstbau und Weinbau prägten das Gebiet während Jahrhunderten.
Ende des 15. Jahrhunderts gelangten hohe und niedere Gerichtsbarkeit an die Stadt Zürich. Wiedikon wurde zum Zentrum einer Obervogtei, blieb jedoch ausserhalb der eigentlichen Stadt.
Nach den politischen Umwälzungen von 1798 entstand die selbständige politische Gemeinde Wiedikon.
Wachstum im 19. Jahrhundert
Um 1800 war Wiedikon noch ein überschaubares Dorf. Im Laufe des 19. Jahrhunderts veränderten Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und neue Verkehrsanlagen die Gemeinde grundlegend.
Die Nähe zur expandierenden Stadt Zürich machte Wiedikon als Wohn- und Gewerbestandort attraktiv. Gleichzeitig entstanden entlang der Sihl Industriebetriebe.
Besonders wichtig war die Papierindustrie. Im Gebiet Giesshübel begann im 19. Jahrhundert die industrielle Papierproduktion. Das grosse Fabrikareal beeinflusste die Entwicklung des südöstlichen Wiedikons über mehr als ein Jahrhundert.
Mit der Eisenbahn, der Uetlibergbahn und später der Sihltalbahn entstanden neue Verkehrsverbindungen.
Zwischen 1870 und den 1890er-Jahren vervielfachte sich die Bevölkerung der Gemeinde. Die rasche Entwicklung stellte Wiedikon vor grosse finanzielle Herausforderungen, da Strassen, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen ausgebaut werden mussten.
Eingemeindung in Zürich
Die Wiediker Stimmberechtigten sprachen sich 1891 deutlich für die Vereinigung mit Zürich aus.
Am 1. Januar 1893 wurde Wiedikon im Rahmen der ersten grossen Eingemeindung Teil der Stadt Zürich.
Gemeinsam mit Aussersihl und dem damals zu Aussersihl gehörenden Industriequartier bildete Wiedikon zunächst den Kreis III.[4]
Der alte Kreis III wuchs besonders stark. Deshalb wurde er 1913 aufgeteilt:
| Gebiet | Neuer Stadtkreis |
|---|---|
| Wiedikon | Kreis 3 |
| Aussersihl | Kreis 4 |
| Industriequartier | Kreis 5 |
Seitdem entspricht der Kreis 3 im Wesentlichen dem Gebiet der früheren Gemeinde Wiedikon.
Die weitere statistische Unterteilung in Alt-Wiedikon, Friesenberg und Sihlfeld besteht seit 1971.[4]
Historischer Dorfkern
Der alte Dorfkern von Wiedikon lag im Bereich der heutigen Schmiede Wiedikon.
Obwohl die starke Verstädterung im 19. und 20. Jahrhundert viele historische Gebäude verdrängte, sind einzelne Zeugnisse der früheren Siedlung erhalten.
Besonders wichtig sind:
- das Haus zum Eselsschrei,
- der Gasthof Falken,
- das ehemalige Bet- und Schulhaus,
- weitere ältere Wohn- und Gewerbebauten.
Das historische Zentrum liegt heute mitten in einem dicht bebauten Stadtquartier und bildet einen starken Kontrast zu den umliegenden Mehrfamilienhäusern.
Haus zum Eselsschrei
Das Haus zum Eselsschrei an der Steinstrasse 6 gehört zu den ältesten erhaltenen Gebäuden Wiedikons.
Das Haus ist bereits für das Jahr 1594 nachgewiesen.[5]
Heute befindet sich darin das Ortsmuseum Wiedikon. Es dokumentiert die Entwicklung des früheren Bauerndorfs und der späteren Gemeinde zum dicht bebauten Zürcher Stadtquartier.
Die Sammlung umfasst historische Gegenstände, Dokumente, Bilder und Zeugnisse des lokalen Alltags.
Das Haus besitzt besondere Bedeutung, weil zahlreiche andere ältere Gebäude in der Umgebung während der Stadtentwicklung des 20. Jahrhunderts abgebrochen wurden.
Schmiede Wiedikon
Die Schmiede Wiedikon bildet das traditionelle Zentrum von Alt-Wiedikon.
Der Name bezeichnet heute nicht nur einen einzelnen Platz, sondern den gesamten Verkehrsknoten und die umliegenden Strassenräume an Birmensdorfer-, Zurlinden- und Zweierstrasse.
Die Bezeichnung erinnert an die frühere dörfliche Struktur Wiedikons.
Heute befinden sich hier:
- Tram- und Bushaltestellen,
- Geschäfte,
- Gastronomiebetriebe,
- öffentliche Einrichtungen,
- das Kreisgebäude 3,
- historische Gebäude.
Die Stadt Zürich wertete den Bereich ab 2009 umfassend auf. Ziel war es, die Dominanz des motorisierten Verkehrs zu reduzieren und den Raum stärker als Fussgänger-, Begegnungs- und Aufenthaltsbereich zu gestalten.[6]
Gasthof Falken
Der Gasthof Falken gehört zu den traditionsreichsten Gaststätten Wiedikons.
Die Gemeinde Wiedikon erwarb das Gebäude bereits 1620. Zunächst diente es als Gerichts- und Schulhaus. Eine Bewirtung war anfangs nur bei besonderen Anlässen erlaubt, entwickelte sich jedoch schrittweise zu einem regulären Gastwirtschaftsbetrieb.[7]
Seit 1842 trägt das Haus den Namen Falken. Das Gebäude entwickelte sich zu einem wichtigen gesellschaftlichen Treffpunkt Wiedikons.
1897 wurde hier die Zunft Wiedikon gegründet. 1907 erwarb die Stadt Zürich das Gebäude, um den traditionsreichen Betrieb langfristig für das Quartier zu erhalten.[8]
Kreisgebäude 3
An der Schmiede Wiedikon befindet sich das denkmalgeschützte Kreisgebäude 3.
Es wurde 1910 nach Plänen des damaligen Stadtbaumeisters Friedrich Fissler errichtet. Das Gebäude entstand im Heimatstil und kombinierte ursprünglich Wohn- und Verwaltungsnutzungen.[9]
Heute befinden sich darin unter anderem Einrichtungen der Stadtverwaltung und der Stadtpolizei.
Zwischen 2009 und 2011 wurde das Gebäude umfassend saniert und räumlich erweitert.[10]
Bühlhügel und Bühlkirche
Der Bühlhügel gehört zu den wichtigsten topografischen Merkmalen Alt-Wiedikons.
Er erhebt sich über dem historischen Dorfkern und war aufgrund seiner geschützten Lage bereits früh besiedelt.
Auf dem Hügel steht die Reformierte Kirche Wiedikon, meist Bühlkirche genannt.
Der neugotische Kirchenbau wurde 1896 fertiggestellt. Durch seine erhöhte Lage ist der Turm aus verschiedenen Teilen des Quartiers sichtbar und bildet eines der Wahrzeichen Wiedikons.[2]
Mit der Errichtung der grossen Kirche verlor das ältere Bet- und Schulhaus im Dorfkern seine ursprüngliche kirchliche Bedeutung.
Bahnhof Zürich Wiedikon
Hauptartikel: Bahnhof Zürich Wiedikon
Der Bahnhof Zürich Wiedikon ist einer der wichtigsten Verkehrsknoten des Quartiers.
Seine heutige Gestalt hängt mit der umfassenden Umgestaltung der linksufrigen Zürichseebahn in den 1920er-Jahren zusammen.
Die Bahnstrecke wurde abgesenkt und teilweise in einen Tunnel verlegt. Dadurch konnten zahlreiche Niveauübergänge aufgehoben und die zuvor durch die Eisenbahn getrennten Stadtgebiete besser miteinander verbunden werden.
Der neue Bahnhof wurde 1927 eröffnet und nach Plänen des Zürcher Stadtbaumeisters Hermann Herter gestaltet.[11]
Das Aufnahmegebäude, die Perrondächer und weitere Anlagen gehören zu den bedeutenden Verkehrsbauten der Zwischenkriegszeit.
Vor dem Bahnhof befindet sich die Brunnenanlage Liegender von 1927.[12]
Sihlhölzli
Die Tieferlegung der Eisenbahnlinie ermöglichte eine umfassende Neuordnung des Gebiets zwischen Bahnhof Wiedikon und Sihl.
Auf den neu gewonnenen Flächen entstand die Sportanlage Sihlhölzli.
Die markante Turnhalle wurde 1930/1931 von Stadtbaumeister Hermann Herter und dem Ingenieur Robert Maillart gebaut.[13]
Die Anlage umfasst Sportplätze, Grünräume und weitere Einrichtungen und gehört zu den wichtigen Zeugnissen des Zürcher Städtebaus der Zwischenkriegszeit.
Tramdepot Elisabethenstrasse
Nahe dem Bahnhof befindet sich das historische Tramdepot Elisabethenstrasse.
Die Anlage entstand zwischen 1939 und 1949 unter Stadtbaumeister Hermann Herter und gilt als bedeutendes Beispiel des Neuen Bauens.[14]
Die rund 250 Meter lange Fassade und die grossflächigen Fenster bestimmen das Erscheinungsbild des Areals.
Nach rund siebzig Betriebsjahren wurde das Depot umfassend energetisch und denkmalpflegerisch erneuert. Eine Photovoltaikanlage macht das Gebäude zugleich zu einem Produzenten elektrischer Energie.
Sihlcity
Sihlcity ist ein grosses Einkaufs-, Freizeit-, Wohn- und Dienstleistungszentrum im südöstlichen Alt-Wiedikon.
Es entstand auf einem ehemaligen Industrieareal an der Sihl. Die industrielle Nutzung des Standorts war während langer Zeit eng mit der Papierproduktion verbunden.
Das heutige Sihlcity wurde 2007 eröffnet. Auf dem Areal befinden sich unter anderem Geschäfte, Restaurants, ein Multiplexkino, Veranstaltungsräume, ein Hotel, Büros und Wohnungen.[15]
Mehrere ehemalige Fabrikgebäude wurden in die neue Anlage integriert. Dadurch verbindet Sihlcity historische Industriebauten mit moderner Architektur.
Statistik Stadt Zürich beschreibt das Areal aufgrund seiner Grösse und Vielfalt als einen eigenständigen städtischen Teilraum.[2]
Giesshübel
Das Gebiet Giesshübel zwischen Sihl, Bahnlinien und Manessestrasse war lange stark durch Gewerbe, Industrie und Bahnanlagen geprägt.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts findet hier eine umfassende Transformation statt.
Ehemalige Bahn- und Gewerbeflächen wurden mit Wohnungen, Büros und Dienstleistungsgebäuden überbaut. Rund um den Wolframplatz und den Bahnhof Zürich Giesshübel entstanden neue Wohngebiete.
Die Entwicklung gehört zu einem grösseren Wandel des gesamten Raums zwischen Innenstadt, Sihlcity und Brunau.
Manessestrasse
Die Manessestrasse ist eine der bedeutenden Verkehrsachsen im östlichen Alt-Wiedikon.
Sie führt entlang der Sihl und verbindet die Innenstadt mit der Brunau und den südlichen Stadtgebieten.
Zwischen Juli 2024 und Juni 2026 wurde ein längerer Abschnitt umfassend erneuert. Die Stadt sanierte Werkleitungen und Strassenbeläge und verbesserte die Bedingungen für Fuss- und Veloverkehr.[16]
Die Bushaltestelle Sihlcity wurde hindernisfrei ausgebaut. Zudem entstand bei einer Unterführung ein baulich von der Fahrbahn getrennter Zweirichtungsveloweg.
Im Rahmen des Projekts wurden sieben neue Bäume gepflanzt.[16]
Westumfahrung und Verkehrsentlastung
Alt-Wiedikon war während Jahrzehnten stark vom Durchgangsverkehr betroffen.
Die sogenannte Westtangente führte den Autobahnverkehr quer durch dicht bewohnte Quartiere Zürichs. Auch Strassen in Wiedikon waren dadurch erheblich belastet.
Mit der Eröffnung der Westumfahrung Zürich und des Uetlibergtunnels am 4. Mai 2009 änderte sich die Verkehrssituation grundlegend.[17]
Flankierende Massnahmen sorgten dafür, dass der Durchgangsverkehr dauerhaft auf die neue Umfahrung verlagert wurde.
Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung stellte die Stadt auf der ehemaligen Transitroute Rückgänge des Verkehrs um bis zu 37 Prozent fest.[18]
Brunau
Der südliche Teil Alt-Wiedikons reicht in das Gebiet Brunau.
Die Brunau unterscheidet sich deutlich von den dicht bebauten Gebieten rund um Schmiede und Bahnhof Wiedikon. Hier befinden sich grössere Grün-, Sport- und Verkehrsanlagen.
Eine besondere Bedeutung besitzt die Allmend Brunau an der Sihl.
Teile des Gebiets wurden während der Bauarbeiten für Eisenbahn- und Autobahnprojekte zeitweise als Installationsflächen genutzt. Nach Abschluss der Arbeiten erfolgte eine ökologische und freiraumplanerische Aufwertung.[19]
Heute dient die Allmend der Bevölkerung als Sport-, Freizeit- und Erholungsraum.
Saalsporthalle
Die Saalsporthalle liegt am nördlichen Rand der Allmend und wurde 1972 eröffnet.
Sie gehört neben dem Hallenstadion zu den wichtigsten grossen Hallensportanlagen der Stadt Zürich.
Die Halle wird unter anderem für:
- Handball,
- Volleyball,
- Unihockey,
- Fechten,
- Tennis,
- weitere Sportveranstaltungen
genutzt.
2026 führte die Stadt einen Architekturwettbewerb für einen Ersatzneubau beziehungsweise die zukünftige Entwicklung der Saalsporthalle durch. Die Zielkosten für die Erstellung wurden mit 89,3 Millionen Franken angegeben; die Publikation des Wettbewerbsergebnisses ist für 2027 vorgesehen.[20]
Bevölkerung
Alt-Wiedikon erlebte während der Industrialisierung und Verstädterung ein starkes Bevölkerungswachstum.
Nach einem hohen Stand in der Mitte des 20. Jahrhunderts sank die Einwohnerzahl mehrere Jahrzehnte lang. Gründe waren unter anderem kleinere Haushalte und der steigende Wohnflächenverbrauch pro Person.
Seit den 1990er-Jahren wächst das Quartier wieder.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1950 | 18'507 |
| 1960 | 17'776 |
| 1970 | 16'386 |
| 1980 | 13'920 |
| 1990 | 13'679 |
| 2000 | 14'789 |
| 2010 | 15'988 |
| 2020 | 17'764 |
| 2024 | 18'610 |
| 2025 | 18'904 |
Die Werte stammen aus der langfristigen Bevölkerungsstatistik der Stadt Zürich.[1]
Zwischen 2014 und 2024 nahm die Wohnbevölkerung um rund zehn Prozent zu. 2024 betrug der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung 35,8 Prozent. Das Medianalter lag bei 35,8 Jahren.[21]
Bei der Bevölkerungsbefragung 2025 gehörte Alt-Wiedikon zu den Zürcher Quartieren mit besonders hoher allgemeiner Zufriedenheit: 81 Prozent der Befragten gaben an, sehr gerne in Zürich zu leben.[22]
Wohnen
Alt-Wiedikon besitzt einen sehr heterogenen Wohnungsbestand.
Im historischen und innerstädtischen Bereich dominieren Mehrfamilienhäuser aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Daneben entstanden im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts zahlreiche Ersatzneubauten.
Besonders stark verändert haben sich ehemalige Gewerbe- und Bahnareale.
2024 befanden sich lediglich 7,9 Prozent der Wohnungen im Eigentum von Wohnbaugenossenschaften oder der öffentlichen Hand. 6,7 Prozent waren selbst bewohntes Eigentum; der überwiegende Teil gehörte privaten Eigentümerinnen und Eigentümern.[21]
Der gemeinnützige Wohnungsbau besitzt damit einen wesentlich geringeren Anteil als in vielen anderen Zürcher Aussenquartieren.
Wirtschaft und Arbeitsplätze
Alt-Wiedikon ist nicht nur Wohn-, sondern auch ein bedeutender Arbeitsplatzstandort.
2023 wurden rund 30'380 Beschäftigte gezählt.[21]
Eine hohe Arbeitsplatzkonzentration besteht insbesondere in den Gebieten:
- Sihlcity,
- Giesshübel,
- Brunau,
- entlang der Manessestrasse,
- rund um Bahnhof und Schmiede Wiedikon.
Neben Detailhandel und Gastronomie spielen Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, Büros, Gesundheitsangebote und weitere Dienstleistungen eine wichtige Rolle.
Die Zahl der Arbeitsplätze übersteigt die Wohnbevölkerung deutlich.
Öffentlicher Verkehr
Alt-Wiedikon verfügt über eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr.
Der Bahnhof Zürich Wiedikon wird von mehreren Linien der S-Bahn Zürich bedient und schafft schnelle Verbindungen zum Hauptbahnhof sowie in verschiedene Regionen des Kantons.
Weitere Bahnstationen im Quartier beziehungsweise in unmittelbarer Umgebung sind:
Die beiden letztgenannten Verbindungen gehören zum Netz der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn.
Mehrere Tram- und Buslinien der Verkehrsbetriebe Zürich erschliessen das Quartier.
Besonders wichtige Umsteigepunkte sind:
- Schmiede Wiedikon,
- Bahnhof Wiedikon,
- Goldbrunnenplatz,
- Sihlcity,
- Saalsporthalle.
Birmensdorferstrasse
Die Birmensdorferstrasse ist die wichtigste historische Verkehrsachse durch Alt-Wiedikon.
Sie führt von der Innenstadt über Bahnhof und Schmiede Wiedikon in Richtung Goldbrunnenplatz, Triemli und Birmensdorf.
Entlang der Strasse befinden sich zahlreiche Geschäfte, Restaurants und öffentliche Einrichtungen.
Ein grosser Teil des Tramverkehrs durch Wiedikon folgt dieser Achse.
Die Aufwertung des Gebiets Schmiede Wiedikon–Goldbrunnenplatz gehört seit den 2000er-Jahren zu den wichtigen städtischen Projekten zur Verbesserung von Fussverkehr und Aufenthaltsqualität.[6]
Goldbrunnenplatz
Der Goldbrunnenplatz liegt im westlichen Teil des Quartiers nahe der Grenze zu Friesenberg und Sihlfeld.
Er ist ein wichtiger Verkehrsknoten zwischen Birmensdorferstrasse und Friesenbergstrasse und besitzt zugleich eine lokale Zentrumsfunktion.
Rund um den Platz befinden sich Geschäfte, Gastronomie, Wohnhäuser und öffentliche Einrichtungen.
Der Goldbrunnenplatz verbindet die dicht bebaute Ebene Alt-Wiedikons mit den höher gelegenen Wohngebieten am Fuss des Uetlibergs.
Pilotquartier Netto-Null
Seit Herbst 2025 sind Teile von Alt-Wiedikon und der Binz Schauplatz eines mehrjährigen städtischen Klimaprojekts.
Das Pilotquartier Netto-Null läuft bis 2030 und soll erproben, wie Bevölkerung und Unternehmen gemeinsam Treibhausgasemissionen reduzieren und Ressourcen effizienter nutzen können.[23]
Bewohnerinnen und Bewohner sowie Unternehmen können eigene Projektideen einbringen. Erfolgreiche Massnahmen sollen später möglicherweise auch auf andere Zürcher Quartiere übertragen werden.
Alt-Wiedikon dient damit als Testgebiet für neue Formen der Beteiligung an der städtischen Klimapolitik.
Stadtentwicklung
Alt-Wiedikon gehört zu den Zürcher Quartieren, die in den vergangenen Jahrzehnten besonders stark durch Umnutzung und Verdichtung geprägt wurden.
Die Entwicklung lässt sich vor allem in ehemaligen Industrie-, Bahn- und Gewerbegebieten beobachten.
Zu den wichtigsten Transformationsräumen gehören:
- Giesshübel,
- Sihlcity,
- Manesseraum,
- Gebiete entlang der SZU-Bahnlinien,
- Brunau.
Auf ehemaligen Betriebsflächen entstanden Wohnhäuser, Büros, Hotels, Detailhandel und Freizeitangebote.
Gleichzeitig bleibt der historische Kern bei der Schmiede Wiedikon ein wichtiges identitätsstiftendes Zentrum.
Damit verbindet Alt-Wiedikon innerhalb eines relativ kleinen Gebiets nahezu alle wichtigen Phasen der Zürcher Stadtentwicklung: das mittelalterliche Dorf, die Verstädterung des 19. Jahrhunderts, die Verkehrsbauten der Zwischenkriegszeit, Industrie und Gewerbe des 20. Jahrhunderts sowie die grossflächigen Umnutzungsprojekte des 21. Jahrhunderts.
Charakter des Quartiers
Alt-Wiedikon besitzt keinen einheitlichen städtebaulichen Charakter.
Rund um die Schmiede Wiedikon sind Spuren des alten Dorfes erhalten. Zwischen Bahnhof, Birmensdorferstrasse und Goldbrunnenplatz dominiert eine dichte urbane Wohn- und Geschäftsbebauung.
Im Bereich Giesshübel und Sihlcity erinnern ehemalige Industriegebäude an die wirtschaftliche Vergangenheit. Moderne Grossüberbauungen und neue Wohnprojekte verändern das Gebiet weiterhin.
In der Brunau treten dagegen Grün-, Sport- und Freizeiträume in den Vordergrund.
Diese Vielfalt ist eines der charakteristischen Merkmale Alt-Wiedikons und erklärt die hohe Bedeutung des Quartiers sowohl als Wohn- als auch als Arbeitsplatz-, Verkehrs- und Freizeitstandort.
Siehe auch
- Kreis 3 (Zürich)
- Wiedikon
- Sihlfeld
- Friesenberg (Zürich)
- Schmiede Wiedikon
- Bahnhof Zürich Wiedikon
- Bahnhof Zürich Giesshübel
- Bahnhof Zürich Binz
- Sihlcity
- Birmensdorferstrasse (Zürich)
- Sihl
- Uetliberg
- Stadtkreise der Stadt Zürich
Weblinks
- Statistik Stadt Zürich – Alt-Wiedikon
- Statistik Stadt Zürich – Quartierspiegel Alt-Wiedikon
- Open Data Zürich – Bevölkerung nach Stadtquartier
- Quartierverein Wiedikon
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Open Data Zürich: Bevölkerung nach Stadtquartier, Datenstand 2025, aktualisiert am 10. Februar 2026, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Alt-Wiedikon, Ausgabe 031/2026, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Quartierverein Wiedikon: Ortsgeschichte, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Stadt Zürich: Brunnenguide Kreise 3, 4, 5 und 9, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Alt-Wiedikon – Haus zum Eselsschrei, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Stadt Zürich: Aufwertung der Schmiede Wiedikon und Erneuerungsarbeiten am Bahnhof Wiedikon, 26. August 2009, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Gasthof Falken, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Aus dem «Falcone» wird wieder der «Falken», 20. Juni 2019, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Instandsetzung des Kreisgebäudes 3, 27. Mai 2009, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Wiedereröffnung des Kreisgebäudes 3, 5. Juli 2011, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Herterbrücke und Hertersteg im Bau, 9. Februar 2005, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Kunstbestand Stadt Zürich: «Liegender» beim Bahnhof Wiedikon, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Turnhalle Sihlhölzli, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Instandsetzung Tramdepot Elisabethenstrasse, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Ausstellung in Zürich Sihlcity, 27. Juni 2007, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 16,0 16,1 Stadt Zürich: Manessestrasse, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Zürich vom Durchgangsverkehr entlastet, 22. April 2009, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Die flankierenden Massnahmen greifen, 30. Juni 2009, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Erste Umsetzung des Nutzungs- und Gestaltungskonzepts für die Allmend, 3. Juni 2009, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Saalsporthalle, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 21,0 21,1 21,2 Stadtentwicklung Zürich: Bevölkerungsbefragung 2025 – Quartierbericht, veröffentlicht 2026, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Quartierbericht zur Bevölkerungsbefragung 2025, Februar 2026, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Pilotquartier Netto-Null, abgerufen am 8. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Alt-Wiedikon