Bahnhof Winterthur Reutlingen
| Offizielle Bezeichnung | Reutlingen |
|---|---|
| Ort | Winterthur, Quartier Reutlingen |
| Stadtkreis | Oberwinterthur |
| Kanton | Zürich |
| Staat | Schweiz |
| Koordinaten | 47° 31′ 46″ N, 8° 45′ 09″ O |
| Höhe | 454 m ü. M. |
| Betriebsstellenart | Haltestelle |
| Bahnstrecke | Bahnstrecke Winterthur–Etzwilen |
| Eröffnung | 1991 |
| Eigentümer | Schweizerische Bundesbahnen |
| Gleise | 1 |
| Perrons | 1 Seitenperron |
| Abkürzung | REUT |
| DiDok-Nummer | 8506036 |
| Verkehrsverbund | Zürcher Verkehrsverbund |
| Tarifzone | 120 |
| Linien | S11, S29 |
Der Bahnhof Winterthur Reutlingen, offiziell lediglich Reutlingen genannt, ist eine Eisenbahnhaltestelle im gleichnamigen Quartier der Stadt Winterthur. Sie liegt im Stadtkreis Oberwinterthur an der Bahnstrecke Winterthur–Etzwilen und wird von den Linien S11 und S29 der S-Bahn Zürich bedient.
Die Haltestelle besitzt ein Gleis und einen Seitenperron. Sie dient hauptsächlich der Erschliessung des ehemaligen Bauerndorfs Reutlingen sowie der umliegenden Wohngebiete im nördlichen Teil Winterthurs. Seit dem 1. Januar 2024 befindet sich die gesamte Bahninfrastruktur der Haltestelle im Eigentum der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).[1]
Bezeichnung
Die offizielle Stationsbezeichnung im schweizerischen Fahrplan lautet Reutlingen. Die ergänzende Bezeichnung «Winterthur Reutlingen» wird verwendet, um die Haltestelle eindeutig der Stadt Winterthur zuzuordnen und eine Verwechslung mit der deutschen Stadt Reutlingen in Baden-Württemberg zu vermeiden.
Der Name geht auf das Quartier Reutlingen zurück. Dieses war früher eine ländlich geprägte Siedlung der politischen Gemeinde Oberwinterthur. Mit der Eingemeindung Oberwinterthurs im Jahr 1922 wurde Reutlingen Teil der Stadt Winterthur.
Lage
Die Haltestelle befindet sich an der Randbühlstrasse im Norden des Winterthurer Stadtgebiets. Sie liegt am westlichen Rand des Siedlungskerns von Reutlingen und erschliesst das Quartier über kurze Fuss- und Velowege. Der historische Dorfkern befindet sich östlich der Bahnanlage.
Reutlingen gehört zum Stadtkreis Oberwinterthur und grenzt an die Winterthurer Quartiere Stadel, Zinzikon und Guggenbühl sowie an die politischen Gemeinden Seuzach und Wiesendangen. Das Gebiet ist durch eine Mischung aus Wohnbauten, älteren Bauernhäusern und landwirtschaftlich genutzten Flächen geprägt.
Die Bahnstrecke verläuft im Bereich der Haltestelle eingleisig ungefähr in Nord-Süd-Richtung. Südlich von Reutlingen führt sie über Winterthur Wallrüti und Oberwinterthur zum Hauptbahnhof Winterthur. Nördlich folgt als nächste Station der Bahnhof Seuzach.
Der Bahnhof liegt vollständig innerhalb der Tarifzone 120 des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV). Diese Zone umfasst das Stadtgebiet von Winterthur und wird im ZVV-Tarifsystem als Doppelzone gezählt.
Geschichte
Die Bahnstrecke Winterthur–Etzwilen
Die Bahnstrecke von Winterthur über Seuzach, Ossingen und Etzwilen wurde 1875 eröffnet. Sie war ein Teil des Streckennetzes der Schweizerischen Nationalbahn, die eine von den bestehenden grossen Bahngesellschaften unabhängige Verbindung zwischen der Ost- und der Westschweiz aufbauen wollte.
Die Nationalbahn geriet kurz nach der Fertigstellung ihres Netzes in schwere finanzielle Schwierigkeiten. Ihre Strecken wurden später von der Schweizerischen Nordostbahn übernommen und gelangten mit der Verstaatlichung der grossen Privatbahnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den SBB.
Der Streckenabschnitt zwischen Winterthur und Etzwilen blieb im Gegensatz zu vielen Hauptstrecken weitgehend eingleisig. Er entwickelte sich zu einer wichtigen regionalen Verbindung für die Gemeinden im nördlichen Teil des Kantons Zürich und im westlichen Thurgau.
Die Bahnlinie führt südlich von Reutlingen über eine 1967 erstellte Spannbetonbrücke, welche die Autobahn A1 überspannt.
Einrichtung der heutigen Haltestelle
Die heutige Haltestelle Reutlingen wurde 1991 in Betrieb genommen.[2] Sie entstand im Zusammenhang mit der Entwicklung des Zürcher S-Bahn-Verkehrs und dem Wachstum der nördlichen Winterthurer Quartiere.
Reutlingen hatte sich seit den 1980er-Jahren von einer überwiegend landwirtschaftlich geprägten Aussensiedlung zunehmend zu einem Wohnquartier entwickelt. Mit der neuen Haltestelle erhielt die Bevölkerung eine direkte Bahnverbindung nach Oberwinterthur, zum Hauptbahnhof Winterthur und in Richtung Seuzach.
Die Perronanlage wurde von der Stadt Winterthur finanziert und befand sich deshalb zunächst in städtischem Eigentum. Die Grundstücke mit dem Streckengleis gehörten dagegen bereits den SBB. Eine vergleichbare Eigentumssituation bestand an der 1986 eröffneten Haltestelle Winterthur Wallrüti.
Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich im Jahr 1990 wurde der regionale Eisenbahnverkehr im Raum Winterthur grundlegend neu geordnet. Reutlingen wurde kurz darauf in das S-Bahn-Netz aufgenommen. Die Verbindung ermöglichte nicht nur Fahrten ins Zentrum von Winterthur, sondern später auch direkte Verbindungen nach Zürich und in den Kanton Aargau.
Ausbau des Angebots
Das Bahnangebot zwischen Winterthur und Seuzach wurde in mehreren Schritten verdichtet. Lange Zeit bildete ein stündlich verkehrender Regionalzug das Grundangebot. Durch zusätzliche S-Bahn-Leistungen entstanden später häufigere Verbindungen.
Die Linie S29 wurde im Zuge der vierten Teilergänzungen der S-Bahn Zürich auf dem Abschnitt Winterthur–Stein am Rhein zum Halbstundentakt ausgebaut. Ergänzt wird sie durch die stündlich verkehrende S11. Dadurch bestehen tagsüber in der Regel drei Bahnverbindungen pro Stunde zwischen Reutlingen und Winterthur sowie zwischen Reutlingen und Seuzach.
Die Regionalzüge der S29 werden von Thurbo geführt. Die S11 verbindet die Region über Winterthur und Zürich direkt mit dem Kanton Aargau.
Behindertengerechter Ausbau
Im Jahr 2023 bauten die SBB die Haltestelle entsprechend den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes um. Ziel war ein möglichst stufenfreier Einstieg in die eingesetzten Niederflurzüge.
Zu den Arbeiten gehörten:[2]
- der Neubau und die Erhöhung der Perronkante;
- die Anpassung und Erhöhung der rückwärtigen Perronfläche;
- die Erneuerung des Zugangs auf der Seite Seuzach;
- die Umplatzierung der Veloabstellanlagen;
- die Erneuerung der Beleuchtung;
- die Modernisierung der Beschallungs- und Kabelanlagen;
- die Neugestaltung der Aufenthalts- und Kundenbereiche.
Die Stadt Winterthur beteiligte sich mit 100'000 Franken an den Anpassungen des Bahnhofplatzes und der nicht unmittelbar zum Bahnbetrieb gehörenden Anlagen. Insbesondere wurden der Platz erhöht, ein neuer Belag eingebaut und bestehende Velounterstände versetzt.[1]
Übergang an die SBB
Mit der Einführung der Finanzierung über den Bahninfrastrukturfonds wurde die Trennung zwischen eigentlicher Bahninfrastruktur und von Gemeinden finanzierten Zusatzanlagen neu geregelt. Das Bundesamt für Verkehr sieht vor, dass von Dritten finanzierte Bahninfrastrukturanlagen nach vierzig Jahren an die zuständige Infrastrukturbetreiberin übertragen werden.
Bei Reutlingen erfolgte die Eigentumsübertragung bereits am 1. Januar 2024 und damit acht Jahre vor dem regulären Ablauf der vierzigjährigen Frist. Seit diesem Datum gehören neben den Gleisanlagen auch der Perron und die übrigen bahnbezogenen Einrichtungen den SBB.[1]
Als Ausgleich übernahm die Stadt Winterthur die kapitalisierten Kosten für den baulichen Unterhalt bis Ende 2031. Der dafür vereinbarte Betrag belief sich einschliesslich Nebenkosten und Mehrwertsteuer auf rund 181'000 Franken. Zusammen mit dem Beitrag an den behindertengerechten Ausbau ergaben sich für die Stadt Kosten von rund 281'000 Franken.[2]
Anlage
Reutlingen ist betrieblich eine Haltestelle und kein Bahnhof im engeren eisenbahntechnischen Sinn. Die Anlage verfügt über keine Weichen, Abstellgleise oder Kreuzungsmöglichkeiten. Züge können sich deshalb nicht in Reutlingen begegnen.
Die Haltestelle besteht aus einem Streckengleis und einem östlich davon liegenden Seitenperron. Das Gleis ist mit der in der Schweiz üblichen Fahrleitungsspannung von 15 Kilovolt bei 16,7 Hertz elektrifiziert.
Der Perron wurde 2023 erhöht und an die Anforderungen des barrierefreien Regionalverkehrs angepasst. Der Einstieg in Niederflurfahrzeuge ist dadurch weitgehend stufenlos möglich. Ein taktiler Sicherheitsstreifen kennzeichnet den Abstand zur Perronkante.
Zur Ausstattung gehören:
- ein gedeckter Wartebereich;
- elektronische Fahrgastinformationen;
- Lautsprecher für betriebliche Durchsagen;
- Sitzgelegenheiten;
- ein Billettautomat;
- Beleuchtungsanlagen;
- überdachte Veloabstellplätze.
Nach Angaben der SBB stehen 18 gedeckte Veloabstellplätze zur Verfügung.[3] Ein bedienter Schalter, Schliessfächer, Verkaufsgeschäfte oder eine P+Rail-Anlage bestehen nicht.
Der Bahnhofzugang erfolgt von der Randbühlstrasse. Fusswege verbinden die Anlage mit dem Dorfkern und den angrenzenden Wohngebieten. Für den Bahnhofszugang muss das Streckengleis nicht überquert werden.
Verkehr
S-Bahn
Im Fahrplanjahr 2026 wird Reutlingen von zwei Linien der S-Bahn Zürich bedient.[4][5]
- S11: Aarau – Lenzburg – Dietikon – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Stadelhofen – Winterthur – Oberwinterthur – Winterthur Wallrüti – Reutlingen – Seuzach
- S29: Winterthur – Oberwinterthur – Winterthur Wallrüti – Reutlingen – Seuzach – Dinhard – Thalheim-Altikon – Ossingen – Stammheim – Etzwilen – Stein am Rhein
Die S29 bildet das Grundangebot und verkehrt tagsüber im Halbstundentakt. Die S11 bedient Reutlingen grundsätzlich stündlich. Sie bietet eine direkte Verbindung über Winterthur und Zürich nach Dietikon, Lenzburg und Aarau.
Zwischen Reutlingen und Winterthur ergibt sich durch die Überlagerung beider Linien ein dichtes Angebot. Die Fahrzeit zum Hauptbahnhof Winterthur beträgt je nach Verbindung etwa sieben bis elf Minuten.
Die benachbarten Bahnstationen sind:
- Richtung Winterthur: Winterthur Wallrüti
- Richtung Stein am Rhein beziehungsweise Seuzach: Seuzach
Nachtverkehr
In den Nächten mit ZVV-Nachtverkehr wird das Quartier Reutlingen zusätzlich durch Nachtbuslinien von Stadtbus Winterthur erschlossen. Die Linien N3 und N63 verbinden Reutlingen unter anderem mit dem Hauptbahnhof Winterthur und weiteren Quartieren.[6]
Die Bushaltestellen liegen im Siedlungsgebiet und sind räumlich von der Bahnstation zu unterscheiden. Tagsüber besitzt der Bahnhof Reutlingen keinen bedeutenden Busanschluss.
Bedeutung
Die Haltestelle besitzt vor allem für den lokalen Pendler- und Ausbildungsverkehr Bedeutung. Reutlingen liegt am Rand des zusammenhängenden Winterthurer Siedlungsgebiets und verfügt abgesehen von der Bahn nur über eine begrenzte Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr.
Durch die S11 bestehen direkte Verbindungen zum Stadtzentrum von Winterthur, nach Zürich und in den Kanton Aargau. Die S29 verbindet Reutlingen mit den Gemeinden des Zürcher Weinlands und mit Stein am Rhein. In Seuzach und Winterthur können Reisende auf regionale Buslinien sowie auf weitere S-Bahn- und Fernverkehrszüge umsteigen.
Die Haltestelle unterstützt damit die Anbindung eines vergleichsweise kleinen Stadtquartiers an das überregionale Verkehrsnetz. Gleichzeitig ermöglicht sie den Zugang zu den landwirtschaftlich und naturräumlich geprägten Gebieten im Nordosten Winterthurs.
Reutlingen gehört neben dem Hauptbahnhof zu den neun dezentralen Bahnstationen im Stadtgebiet von Winterthur. Die weiteren Stationen sind Oberwinterthur, Sennhof-Kyburg, Winterthur Grüze, Winterthur Hegi, Winterthur Seen, Winterthur Töss, Winterthur Wallrüti und Winterthur Wülflingen.
Siehe auch
- Reutlingen (Winterthur)
- Oberwinterthur
- Bahnstrecke Winterthur–Etzwilen
- Bahnhof Winterthur Wallrüti
- Bahnhof Seuzach
- S-Bahn Zürich
- Thurbo
- Öffentlicher Verkehr im Kanton Zürich
- Liste der Bahnhöfe in Winterthur
Literatur
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- Schweers + Wall: Eisenbahnatlas Schweiz. Schweers + Wall, Köln 2012, ISBN 978-3-89494-130-7.
- Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983, ISBN 3-280-01405-0.
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Winterthur Reutlingen
Weblinks
- Bahnhof Reutlingen bei den SBB
- Offizielle Website von Thurbo
- Offizielle Website der Stadt Winterthur
- Website des Ortsvereins Reutlingen
- Linienfahrplan der S29 beim ZVV
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Übergabe der Bahnhöfe Reutlingen und Wallrüti an die SBB, Stadt Winterthur, 15. Februar 2024, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Übernahme der Bahnstationen Reutlingen und Winterthur Wallrüti durch SBB Infrastruktur, Stadtrat Winterthur, 20. Dezember 2023, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Bahnhof Reutlingen, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Linienfahrplan S11, Zürcher Verkehrsverbund, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Linienfahrplan S29, Zürcher Verkehrsverbund, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Haltestellen- und Linienfahrpläne Seuzach und Umgebung, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 4. August 2026.