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'''Genf''' (französisch ''Genève'', italienisch ''Ginevra'', rätoromanisch ''Genevra'', englisch ''Geneva'') ist eine politische Gemeinde, die Hauptstadt des [[Kanton Genf|Kantons Genf]] und nach [[Zürich]] die zweitgrösste Stadt der [[Schweiz]]. Sie liegt am südwestlichen Ende des [[Genfersee]]s, dort, wo die [[Rhone]] den See verlässt. Gemeinsam mit den umliegenden schweizerischen und französischen Gemeinden bildet Genf eine grenzüberschreitende Agglomeration, die als [[Grand Genève]] bezeichnet wird.
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Genf zählt zu den weltweit bedeutendsten Zentren der Diplomatie und der internationalen Zusammenarbeit. Die Stadt beherbergt den europäischen Hauptsitz der [[Vereinte Nationen|Vereinten Nationen]], den Hauptsitz des [[Internationales Komitee vom Roten Kreuz|Internationalen Komitees vom Roten Kreuz]] sowie zahlreiche weitere internationale Organisationen, diplomatische Vertretungen und Nichtregierungsorganisationen. Deshalb wird Genf häufig als «internationale Stadt», «humanitäre Hauptstadt» oder «Stadt des Friedens» bezeichnet.
 
Historisch war Genf eine selbstständige Stadtrepublik und ein wichtiges Zentrum der [[Reformation]]. Die Tätigkeit des französischen Reformators [[Johannes Calvin]] machte die Stadt im 16. Jahrhundert zu einem der einflussreichsten Orte des europäischen Protestantismus. Seit 1815 gehört Genf als Kanton zur Schweizerischen Eidgenossenschaft.
 
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'''Genf''' (französisch ''Genève'', italienisch ''Ginevra'', rätoromanisch ''Genevra'', englisch ''Geneva'') ist eine politische Gemeinde, die Hauptstadt des [[Kanton Genf|Kantons Genf]] und nach [[Zürich]] die zweitgrösste Stadt der [[Schweiz]]. Sie liegt am südwestlichen Ende des [[Genfersee]]s, dort, wo die [[Rhone]] den See verlässt. Gemeinsam mit den umliegenden schweizerischen und französischen Gemeinden bildet Genf eine grenzüberschreitende Agglomeration, die als [[Grand Genève]] bezeichnet wird.
Genf zählt zu den weltweit bedeutendsten Zentren der Diplomatie und der internationalen Zusammenarbeit. Die Stadt beherbergt den europäischen Hauptsitz der [[Vereinte Nationen|Vereinten Nationen]], den Hauptsitz des [[Internationales Komitee vom Roten Kreuz|Internationalen Komitees vom Roten Kreuz]] sowie zahlreiche weitere internationale Organisationen, diplomatische Vertretungen und Nichtregierungsorganisationen. Deshalb wird Genf häufig als «internationale Stadt», «humanitäre Hauptstadt» oder «Stadt des Friedens» bezeichnet.
Historisch war Genf eine selbstständige Stadtrepublik und ein wichtiges Zentrum der [[Reformation]]. Die Tätigkeit des französischen Reformators [[Johannes Calvin]] machte die Stadt im 16. Jahrhundert zu einem der einflussreichsten Orte des europäischen Protestantismus. Seit 1815 gehört Genf als Kanton zur Schweizerischen Eidgenossenschaft.


== Name ==
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Zu den bekannten Stadtteilen und Quartieren gehören:
Zu den bekannten Stadtteilen und Quartieren gehören:


Cité-Centre
* Cité-Centre
Saint-Gervais
* Saint-Gervais
Les Pâquis
* Les Pâquis
Plainpalais
* Plainpalais
Jonction
* Jonction
Eaux-Vives
* Eaux-Vives
Champel
* Champel
Florissant
* Florissant
Servette
* Servette
Petit-Saconnex
* Petit-Saconnex
Saint-Jean
* Saint-Jean
Charmilles
* Charmilles


Die Rhone teilt das Zentrum in eine nördliche und eine südliche Stadthälfte. Mehrere Brücken verbinden die beiden Seiten. Zu den wichtigsten gehören die Pont du Mont-Blanc, die Pont des Bergues und die Pont de la Coulouvrenière.
Die Rhone teilt das Zentrum in eine nördliche und eine südliche Stadthälfte. Mehrere Brücken verbinden die beiden Seiten. Zu den wichtigsten gehören die Pont du Mont-Blanc, die Pont des Bergues und die Pont de la Coulouvrenière.
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Mehr als 40 internationale Organisationen, zahlreiche ständige diplomatische Vertretungen und Hunderte Nichtregierungsorganisationen sind im Raum Genf tätig.<ref>[https://www.eda.admin.ch/dam/fr/sd-web/aM7BujhFYjQ9/international-geneva_FR.pdf Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten: Internationales Genf]</ref> Zu den bedeutenden Institutionen gehören:
Mehr als 40 internationale Organisationen, zahlreiche ständige diplomatische Vertretungen und Hunderte Nichtregierungsorganisationen sind im Raum Genf tätig.<ref>[https://www.eda.admin.ch/dam/fr/sd-web/aM7BujhFYjQ9/international-geneva_FR.pdf Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten: Internationales Genf]</ref> Zu den bedeutenden Institutionen gehören:


das [[Büro der Vereinten Nationen in Genf]]
* das [[Büro der Vereinten Nationen in Genf]]
die [[Weltgesundheitsorganisation]]
* die [[Weltgesundheitsorganisation]]
die [[Internationale Arbeitsorganisation]]
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die [[Weltorganisation für geistiges Eigentum]]
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die [[Internationale Fernmeldeunion]]
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die [[Weltorganisation für Meteorologie]]
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das [[Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge]]
* das [[Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge]]
das [[Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Menschenrechte]]
* das [[Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Menschenrechte]]
das [[Internationale Komitee vom Roten Kreuz]]
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die [[Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften]]
* die [[Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften]]


Genf ist regelmässig Schauplatz internationaler Verhandlungen, Friedensgespräche und diplomatischer Gipfeltreffen. Zu den historischen Konferenzen gehören die [[Indochinakonferenz]] von 1954 und das Gipfeltreffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten [[Ronald Reagan]] und dem sowjetischen Staats- und Parteichef [[Michail Gorbatschow]] im Jahr 1985.
Genf ist regelmässig Schauplatz internationaler Verhandlungen, Friedensgespräche und diplomatischer Gipfeltreffen. Zu den historischen Konferenzen gehören die [[Indochinakonferenz]] von 1954 und das Gipfeltreffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten [[Ronald Reagan]] und dem sowjetischen Staats- und Parteichef [[Michail Gorbatschow]] im Jahr 1985.
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Genf besitzt eine vielfältige Museumslandschaft. Zu den wichtigsten Einrichtungen gehören:
Genf besitzt eine vielfältige Museumslandschaft. Zu den wichtigsten Einrichtungen gehören:


das [[Musée d’Art et d’Histoire]]
* das [[Musée d’Art et d’Histoire]]
das [[Musée Ariana]] für Keramik und Glas
* das [[Musée Ariana]] für Keramik und Glas
das [[Musée d’ethnographie de Genève]]
* das [[Musée d’ethnographie de Genève]]
das [[Musée d’histoire des sciences de la Ville de Genève]]
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das [[Musée international de la Réforme]]
* das [[Musée international de la Réforme]]
das [[Musée Patek Philippe]]
* das [[Musée Patek Philippe]]
das [[Musée international de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge]]
* das [[Musée international de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge]]
das [[Muséum d’histoire naturelle de Genève]]
* das [[Muséum d’histoire naturelle de Genève]]
das [[Maison Tavel]], das älteste erhaltene private Wohnhaus der Stadt
* das [[Maison Tavel]], das älteste erhaltene private Wohnhaus der Stadt


Das Musée d’Art et d’Histoire verfügt über Sammlungen aus den Bereichen Archäologie, bildende Kunst und angewandte Kunst. Das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum vermittelt die Geschichte und Gegenwart humanitärer Hilfe.
Das Musée d’Art et d’Histoire verfügt über Sammlungen aus den Bereichen Archäologie, bildende Kunst und angewandte Kunst. Das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum vermittelt die Geschichte und Gegenwart humanitärer Hilfe.
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Zu den bekannten Persönlichkeiten, die in Genf geboren wurden oder eng mit der Stadt verbunden sind, gehören:
Zu den bekannten Persönlichkeiten, die in Genf geboren wurden oder eng mit der Stadt verbunden sind, gehören:


[[Johannes Calvin]] (1509–1564), Reformator
* [[Johannes Calvin]] (1509–1564), Reformator
[[Théodore de Bèze]] (1519–1605), reformierter Theologe
* [[Théodore de Bèze]] (1519–1605), reformierter Theologe
[[Jean-Jacques Rousseau]] (1712–1778), Philosoph und Schriftsteller
* [[Jean-Jacques Rousseau]] (1712–1778), Philosoph und Schriftsteller
[[Jean-Étienne Liotard]] (1702–1789), Maler
* [[Jean-Étienne Liotard]] (1702–1789), Maler
[[Charles Bonnet]] (1720–1793), Naturforscher und Philosoph
* [[Charles Bonnet]] (1720–1793), Naturforscher und Philosoph
[[Horace-Bénédict de Saussure]] (1740–1799), Naturforscher und Alpenforscher
* [[Horace-Bénédict de Saussure]] (1740–1799), Naturforscher und Alpenforscher
[[Albert Gallatin]] (1761–1849), amerikanischer Politiker und Finanzminister
* [[Albert Gallatin]] (1761–1849), amerikanischer Politiker und Finanzminister
[[Augustin-Pyrame de Candolle]] (1778–1841), Botaniker
* [[Augustin-Pyrame de Candolle]] (1778–1841), Botaniker
[[Jean Charles Léonard de Sismondi]] (1773–1842), Historiker und Ökonom
* [[Jean Charles Léonard de Sismondi]] (1773–1842), Historiker und Ökonom
[[Henry Dunant]] (1828–1910), Mitbegründer des Roten Kreuzes und erster Friedensnobelpreisträger
* [[Henry Dunant]] (1828–1910), Mitbegründer des Roten Kreuzes und erster Friedensnobelpreisträger
[[Ferdinand de Saussure]] (1857–1913), Sprachwissenschaftler
* [[Ferdinand de Saussure]] (1857–1913), Sprachwissenschaftler
[[Ernest Ansermet]] (1883–1969), Dirigent
* [[Ernest Ansermet]] (1883–1969), Dirigent
[[Jean Piaget]] (1896–1980), Entwicklungspsychologe
* [[Jean Piaget]] (1896–1980), Entwicklungspsychologe
[[Jorge Luis Borges]] (1899–1986), argentinischer Schriftsteller, der zeitweise in Genf lebte und hier starb
* [[Jorge Luis Borges]] (1899–1986), argentinischer Schriftsteller, der zeitweise in Genf lebte und hier starb


== Bedeutung für die Schweiz ==
== Bedeutung für die Schweiz ==
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== Siehe auch ==
== Siehe auch ==


[[Kanton Genf]]
* [[Kanton Genf]]
[[Geschichte des Kantons Genf]]
* [[Geschichte des Kantons Genf]]
[[Genfersee]]
* [[Genfersee]]
[[Rhone]]
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[[Grand Genève]]
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[[Reformation in der Schweiz]]
* [[Reformation in der Schweiz]]
[[Johannes Calvin]]
* [[Johannes Calvin]]
[[Henry Dunant]]
* [[Henry Dunant]]
[[Internationales Genf]]
* [[Internationales Genf]]
[[Liste der Städte in der Schweiz]]
* [[Liste der Städte in der Schweiz]]


== Literatur ==
== Literatur ==


Louis Binz: ''Brève histoire de Genève''. Chancellerie d’État, Genf.
* Louis Binz: ''Brève histoire de Genève''. Chancellerie d’État, Genf.
Paul Guichonnet: ''Histoire de Genève''. Privat, Toulouse.
* Paul Guichonnet: ''Histoire de Genève''. Privat, Toulouse.
Alfred Dufour: ''Histoire de Genève''. Presses Universitaires de France, Paris.
* Alfred Dufour: ''Histoire de Genève''. Presses Universitaires de France, Paris.
Corinne Walker: ''Histoire de Genève. De la cité de Calvin à la ville française, 1530–1813''. Alphil, Neuenburg.
* Corinne Walker: ''Histoire de Genève. De la cité de Calvin à la ville française, 1530–1813''. Alphil, Neuenburg.
Irène Herrmann: ''Genève entre République et canton. Les vicissitudes d’une intégration nationale, 1814–1846''. Éditions Passé Présent, Genf.
* Irène Herrmann: ''Genève entre République et canton. Les vicissitudes d’une intégration nationale, 1814–1846''. Éditions Passé Présent, Genf.


== Weblinks ==
== Weblinks ==


[https://www.geneve.ch/ Offizielle Website der Stadt Genf]
* [https://www.geneve.ch/ Offizielle Website der Stadt Genf]
[https://www.ge.ch/ Offizielle Website des Kantons Genf]
* [https://www.ge.ch/ Offizielle Website des Kantons Genf]
[https://statistique.ge.ch/ Statistisches Amt des Kantons Genf]
* [https://statistique.ge.ch/ Statistisches Amt des Kantons Genf]
[https://www.geneve.com/ Offizielle Tourismusorganisation von Genf]
* [https://www.geneve.com/ Offizielle Tourismusorganisation von Genf]
[https://www.geneve-int.ch/ Internationales Genf]
* [https://www.geneve-int.ch/ Internationales Genf]
[https://www.ungeneva.org/ Büro der Vereinten Nationen in Genf]
* [https://www.ungeneva.org/ Büro der Vereinten Nationen in Genf]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==

Aktuelle Version vom 22. Juli 2026, 14:01 Uhr

Grunddaten
Merkmal Angabe
Staat Schweiz
Kanton Kanton Genf
Bezirk Keine Bezirkseinteilung
Amtliche Sprache Französisch
Fläche rund 16 km²
Höhe etwa 375 m ü. M.
Einwohner 210'601 (Ende 2025)[1]
Postleitzahlen 1201–1209
BFS-Nummer 6621
Gewässer Genfersee, Rhone, Arve
Bezeichnung der Einwohner Genferinnen und Genfer
Website www.geneve.ch

Genf (französisch Genève, italienisch Ginevra, rätoromanisch Genevra, englisch Geneva) ist eine politische Gemeinde, die Hauptstadt des Kantons Genf und nach Zürich die zweitgrösste Stadt der Schweiz. Sie liegt am südwestlichen Ende des Genfersees, dort, wo die Rhone den See verlässt. Gemeinsam mit den umliegenden schweizerischen und französischen Gemeinden bildet Genf eine grenzüberschreitende Agglomeration, die als Grand Genève bezeichnet wird.

Genf zählt zu den weltweit bedeutendsten Zentren der Diplomatie und der internationalen Zusammenarbeit. Die Stadt beherbergt den europäischen Hauptsitz der Vereinten Nationen, den Hauptsitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sowie zahlreiche weitere internationale Organisationen, diplomatische Vertretungen und Nichtregierungsorganisationen. Deshalb wird Genf häufig als «internationale Stadt», «humanitäre Hauptstadt» oder «Stadt des Friedens» bezeichnet.

Historisch war Genf eine selbstständige Stadtrepublik und ein wichtiges Zentrum der Reformation. Die Tätigkeit des französischen Reformators Johannes Calvin machte die Stadt im 16. Jahrhundert zu einem der einflussreichsten Orte des europäischen Protestantismus. Seit 1815 gehört Genf als Kanton zur Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Name

Der deutsche Name der Stadt lautet Genf, während im französischsprachigen Kanton und im amtlichen Gebrauch die Form Genève verwendet wird. Die Einwohnerinnen und Einwohner heissen auf Französisch Genevoises beziehungsweise Genevois.

Der antike Name der Siedlung ist als Genava oder Genaua überliefert. Seine genaue sprachliche Herkunft ist nicht abschliessend geklärt. Vermutlich stammt die Bezeichnung aus einer keltischen Sprache und stand ursprünglich mit der Lage an einem Gewässer oder einer Flussmündung in Verbindung.

Der Name Genf bezeichnet je nach Zusammenhang die politische Gemeinde, den gleichnamigen Kanton oder die gesamte grenzüberschreitende Agglomeration. Die Stadt Genf umfasst nur einen Teil des dicht bebauten Stadtgebiets. Bedeutende Vororte wie Carouge, Lancy, Vernier, Meyrin und Onex sind eigenständige Gemeinden.

Geographie

Lage

Genf liegt im äussersten Südwesten der Schweiz am Ausfluss der Rhone aus dem Genfersee. Das Stadtgebiet befindet sich auf beiden Seiten des Flusses. Wenig südwestlich des Zentrums mündet die Arve, die aus dem Mont-Blanc-Massiv kommt, in die Rhone. Die unterschiedliche Färbung der beiden Flüsse ist am Zusammenfluss, der als Jonction bekannt ist, häufig deutlich sichtbar.

Die Stadt wird von französischem Staatsgebiet umschlossen und ist nur über einen verhältnismässig schmalen Korridor mit dem übrigen Gebiet der Schweiz verbunden. Im Nordosten grenzt der Kanton Genf an den Kanton Waadt. Die Nähe zu Frankreich prägt den Arbeitsmarkt, den Verkehr, den Wohnungsmarkt und den Alltag der Region. Zahlreiche Menschen pendeln täglich aus den französischen Departementen Ain und Haute-Savoie nach Genf.

Die Landschaft wird im Westen und Nordwesten vom Jura, im Süden vom Salève und im Hintergrund von den Alpen bestimmt. Bei klarer Sicht ist von verschiedenen Punkten der Stadt aus das Mont-Blanc-Massiv zu erkennen.

Stadtgebiet

Die Gemeinde Genf besitzt eine kleine Fläche, ist jedoch sehr dicht besiedelt. Das zusammenhängende Siedlungsgebiet reicht weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Die historische Altstadt befindet sich auf einer Anhöhe südlich der Rhone. Um sie herum entstanden im 19. und 20. Jahrhundert dicht bebaute Wohn- und Geschäftsquartiere.

Zu den bekannten Stadtteilen und Quartieren gehören:

  • Cité-Centre
  • Saint-Gervais
  • Les Pâquis
  • Plainpalais
  • Jonction
  • Eaux-Vives
  • Champel
  • Florissant
  • Servette
  • Petit-Saconnex
  • Saint-Jean
  • Charmilles

Die Rhone teilt das Zentrum in eine nördliche und eine südliche Stadthälfte. Mehrere Brücken verbinden die beiden Seiten. Zu den wichtigsten gehören die Pont du Mont-Blanc, die Pont des Bergues und die Pont de la Coulouvrenière.

Klima

Genf besitzt ein gemässigtes Klima mit Einflüssen des Genfersees. Die Sommer sind meist warm, die Winter vergleichsweise mild, wobei Frost und Schneefall regelmässig vorkommen können. Der See wirkt temperaturausgleichend. Gleichzeitig kann die Region von der Bise, einem kalten Wind aus nordöstlicher Richtung, betroffen sein.

In der wärmeren Jahreszeit tragen der See, die Uferanlagen und zahlreiche öffentliche Parks wesentlich zur Lebensqualität bei. Starkregen, Hitzeperioden und die zunehmende Erwärmung des dicht bebauten Stadtgebiets stellen die Stadtplanung vor neue Herausforderungen.

Geschichte

Antike

Das Gebiet um Genf war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. In der Antike lag hier eine befestigte Siedlung der Helvetier. Genf wird in den Berichten des römischen Feldherrn Gaius Iulius Caesar über den Gallischen Krieg erwähnt. Im Jahr 58 v. Chr. liess Caesar bei Genf die Brücke über die Rhone abbrechen, um den Zug der Helvetier nach Gallien zu behindern.

Nach der römischen Eroberung wurde Genf Teil des Römischen Reiches. Seine Lage am See, an der Rhone und an wichtigen Verkehrswegen begünstigte die Entwicklung als Handelsplatz. Die Siedlung gehörte zur römischen Provinz Gallia Narbonensis und später zur Provinz Maxima Sequanorum.

Frühmittelalter und Bischofsstadt

Im 5. Jahrhundert wurde Genf zeitweise zu einem politischen Zentrum des Burgunderreichs. Danach gelangte die Stadt unter fränkische Herrschaft. Im Jahr 1032 beziehungsweise 1033 wurde das Königreich Burgund in das Heilige Römische Reich eingegliedert.

Während des Mittelalters entwickelte sich Genf zu einer bedeutenden Bischofsstadt. Der Bischof übte sowohl geistliche als auch weltliche Herrschaftsrechte aus. Gleichzeitig versuchten die Grafen von Genf und später das Haus Savoyen, ihren Einfluss auf die Stadt auszudehnen.

Die Genfer Messen machten die Stadt im späten Mittelalter zu einem wichtigen europäischen Handels- und Finanzplatz. Kaufleute aus Italien, Frankreich, dem deutschen Sprachraum und anderen Teilen Europas kamen regelmässig nach Genf. Im 15. Jahrhundert verloren die Genfer Messen allerdings einen Teil ihrer Bedeutung an andere Handelszentren, insbesondere an Lyon.

Annäherung an die Eidgenossenschaft

Im Kampf gegen den savoyischen Einfluss suchte Genf Unterstützung bei eidgenössischen Orten. Bündnisse mit Freiburg und Bern stärkten jene Kräfte, die eine grössere politische Selbstständigkeit anstrebten. Die Anhänger der Verbindung mit der Eidgenossenschaft wurden als Eidguenots bezeichnet. Von dieser französischen Form des Wortes «Eidgenossen» leitet sich wahrscheinlich der französische Begriff huguenots für die französischen Protestanten ab, wobei die sprachgeschichtlichen Zusammenhänge nicht vollständig geklärt sind.

Im Jahr 1536 setzte sich in Genf die Reformation durch. Die Stadt löste sich von der Herrschaft des Bischofs und entwickelte sich zu einer unabhängigen reformierten Republik.[2]

Reformation und Calvin

Der französische Theologe Johannes Calvin kam 1536 erstmals nach Genf. Nach einer vorübergehenden Verbannung kehrte er 1541 zurück und prägte die kirchliche und gesellschaftliche Ordnung der Stadt nachhaltig. Unter seinem Einfluss wurde Genf zu einem internationalen Zentrum des reformierten Protestantismus.

Religionsflüchtlinge aus Frankreich, Italien, England, Schottland und anderen Ländern fanden in Genf Aufnahme. Viele von ihnen brachten handwerkliche, wissenschaftliche und wirtschaftliche Kenntnisse mit. Besonders das Druckereiwesen entwickelte sich stark. Von Genf aus wurden Bibeln, theologische Schriften und reformatorische Ideen in weiten Teilen Europas verbreitet.

Calvins Wirken war zugleich von einer strengen religiösen und sozialen Ordnung geprägt. Kirche und weltliche Behörden arbeiteten eng zusammen. Abweichende Glaubensauffassungen konnten verfolgt werden. Das bekannteste Beispiel ist der spanische Arzt und Theologe Michael Servetus, der 1553 in Genf wegen Ketzerei zum Tod verurteilt und verbrannt wurde.

Im Jahr 1559 gründete Calvin die Genfer Akademie, aus der später die Universität Genf hervorging. Die Akademie bildete zahlreiche reformierte Geistliche und Gelehrte aus und trug zur internationalen Ausstrahlung Genfs bei.

Escalade

In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1602 versuchten Truppen des Herzogs Karl Emanuel I. von Savoyen, die Stadtmauern mit Leitern zu überwinden. Die Genfer Bevölkerung und die städtischen Verteidiger schlugen den Angriff zurück.[3]

Dieses Ereignis wird als Escalade de Genève bezeichnet und gehört zu den wichtigsten Bestandteilen der Genfer Erinnerungskultur. Jedes Jahr im Dezember finden historische Umzüge, Feiern und andere Veranstaltungen statt. Traditionell werden Töpfe aus Schokolade zerschlagen, die mit Marzipangemüse gefüllt sind. Der Brauch erinnert an die Überlieferung über die Genferin Catherine Royaume, die während des Angriffs einen Topf mit heisser Suppe auf einen savoyischen Soldaten geworfen haben soll.

Der Frieden von Saint-Julien beendete 1603 den Konflikt und bestätigte die politische Selbstständigkeit Genfs.

Aufklärung und Revolution

Im 18. Jahrhundert war Genf ein bedeutendes Zentrum des europäischen Geisteslebens. Der 1712 in Genf geborene Philosoph Jean-Jacques Rousseau setzte sich in seinen Schriften mit Freiheit, Volkssouveränität, Erziehung und dem Verhältnis zwischen Bürger und Staat auseinander. Auch Naturwissenschaftler wie Horace-Bénédict de Saussure und Charles Bonnet waren eng mit der Stadt verbunden.

Innerhalb der Republik bestanden erhebliche politische Unterschiede zwischen den vollberechtigten Bürgern, den Einwohnern mit eingeschränkten Rechten und den rechtlich weniger privilegierten Bevölkerungsgruppen. Diese Spannungen führten wiederholt zu Unruhen und Reformbewegungen.

1798 wurde Genf von Frankreich annektiert und als Hauptstadt des Départements Léman in die Französische Republik eingegliedert. Damit endete vorübergehend die Unabhängigkeit der Genfer Republik.

Beitritt zur Schweiz

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft stellte Genf am 31. Dezember 1813 seine Republik wieder her. Der Anschluss an die Schweiz erforderte eine territoriale Verbindung zum übrigen Land. Durch Beschlüsse des Wiener Kongresses und spätere Verträge erhielt Genf mehrere zuvor französische und savoyische Gemeinden.

Am 19. Mai 1815 trat der Kanton Genf als 22. Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Dieses Datum wird in Genf mit der Fête du 19 mai in Erinnerung gehalten. Die Ankunft eidgenössischer Truppen am 1. Juni 1814 wird ebenfalls als wichtiges historisches Ereignis betrachtet.

Genf im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurden die alten Stadtbefestigungen grösstenteils abgebrochen. Dadurch konnte sich Genf über den historischen Stadtkern hinaus ausdehnen. Neue Wohnquartiere, Strassen, Bahnanlagen, öffentliche Gebäude und Uferpromenaden entstanden.

Genf entwickelte sich zu einem Zentrum der humanitären Bewegung. Der Genfer Geschäftsmann Henry Dunant hatte 1859 die Folgen der Schlacht von Solferino erlebt. Seine Initiative führte 1863 zur Gründung des späteren Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Im Jahr 1864 wurde in Genf die erste Genfer Konvention unterzeichnet. Die Genfer Konventionen bilden heute einen zentralen Bestandteil des humanitären Völkerrechts.[4]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Genf Sitz des Völkerbundes. Obwohl die Schweiz dem Völkerbund zunächst mit einer besonderen Neutralitätsregelung beitrat und die Organisation ihre politischen Ziele nicht vollständig erreichte, festigte sich damit Genfs Stellung als internationaler Konferenzort.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Völkerbund aufgelöst. Das Palais des Nations ging an die neu gegründeten Vereinten Nationen über. Genf wurde zum europäischen Sitz der UNO und zu einem der wichtigsten Orte multilateraler Diplomatie.

Bevölkerung

Die Stadt Genf hatte Ende 2025 insgesamt 210'601 Einwohnerinnen und Einwohner.[1] Damit lebt ein grosser Teil der Kantonsbevölkerung innerhalb der vergleichsweise kleinen Stadtgemeinde. Das tatsächliche städtische Siedlungsgebiet ist jedoch wesentlich grösser und umfasst zahlreiche Nachbargemeinden.

Genf ist eine der internationalsten Städte der Schweiz. Ein grosser Teil der Bevölkerung besitzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Gründe dafür sind die internationale Funktion der Stadt, der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt, die Hochschulen und die lange Tradition als Zufluchtsort für politisch oder religiös Verfolgte.

Amtssprache ist Französisch. Daneben werden aufgrund der internationalen Zusammensetzung der Bevölkerung zahlreiche weitere Sprachen gesprochen. Englisch besitzt in internationalen Organisationen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen eine wichtige Stellung. Auch Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, Albanisch, Arabisch und verschiedene slawische Sprachen sind verbreitet. Deutsch wird als eine der Schweizer Landessprachen unterrichtet, spielt im Alltag aber eine deutlich geringere Rolle als in der Deutschschweiz.

Die konfessionelle Struktur hat sich stark verändert. Während Genf seit der Reformation über Jahrhunderte protestantisch geprägt war, gehören heute katholische, reformierte, orthodoxe, muslimische, jüdische und weitere Gemeinschaften zum religiösen Leben der Stadt. Gleichzeitig ist der Anteil der Menschen ohne Religionszugehörigkeit gestiegen.

Politik und Verwaltung

Die Stadt Genf ist eine politische Gemeinde innerhalb des Kantons Genf. Stadt und Kanton besitzen getrennte Behörden und Zuständigkeiten, obwohl sich ihre Verwaltungen teilweise im selben urbanen Raum befinden.

Die Exekutive der Stadt ist der Conseil administratif. Er besteht aus fünf Mitgliedern, die von der stimmberechtigten Bevölkerung gewählt werden. Das Stadtpräsidium, die Funktion der Stadtpräsidentin oder des Stadtpräsidenten, wechselt turnusmässig zwischen den Mitgliedern der Exekutive.

Die Legislative ist der Conseil municipal mit 80 Mitgliedern. Er beschliesst unter anderem das Budget, kommunale Reglemente und grössere Investitionen. Die politischen Verhältnisse der Stadt unterscheiden sich teilweise von jenen ländlicher Gemeinden des Kantons. In der Stadt sind linke und grüne Parteien traditionell vergleichsweise stark vertreten.

Wie überall in der Schweiz können die Stimmberechtigten mit Initiativen und Referenden direkten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. Neben schweizerischen Staatsangehörigen besitzen im Kanton Genf unter bestimmten Voraussetzungen auch ausländische Einwohnerinnen und Einwohner das Stimmrecht auf kommunaler Ebene, nicht jedoch das passive Wahlrecht für kommunale Ämter.

Internationale Bedeutung

Genf gehört neben New York, Wien und Nairobi zu den wichtigsten Standorten der Vereinten Nationen. Das Büro der Vereinten Nationen in Genf befindet sich im Palais des Nations, dem ehemaligen Sitz des Völkerbundes.

Mehr als 40 internationale Organisationen, zahlreiche ständige diplomatische Vertretungen und Hunderte Nichtregierungsorganisationen sind im Raum Genf tätig.[5] Zu den bedeutenden Institutionen gehören:

Genf ist regelmässig Schauplatz internationaler Verhandlungen, Friedensgespräche und diplomatischer Gipfeltreffen. Zu den historischen Konferenzen gehören die Indochinakonferenz von 1954 und das Gipfeltreffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow im Jahr 1985.

Der Ausdruck internationales Genf bezeichnet nicht nur die Organisationen selbst, sondern das gesamte Netzwerk aus Diplomatie, Wissenschaft, humanitärer Arbeit, Zivilgesellschaft und internationaler Verwaltung. Inhaltliche Schwerpunkte sind Frieden und Sicherheit, Menschenrechte, Gesundheit, Arbeit, Handel, Umwelt, Migration, digitale Zusammenarbeit und humanitäre Hilfe.

Wirtschaft

Genf ist ein bedeutendes Wirtschafts- und Finanzzentrum. Der Dienstleistungssektor dominiert die städtische Wirtschaft. Eine wichtige Rolle spielen Banken, Vermögensverwaltung, Versicherungen, Unternehmensberatung, internationale Organisationen, Handel und Tourismus.

Die Genfer Finanzbranche ist besonders auf internationale Vermögensverwaltung und Rohstoffhandelsfinanzierung ausgerichtet. Im Kanton und in der Region haben zahlreiche Unternehmen des internationalen Rohstoffhandels ihren Sitz. Genf gehört zu den weltweit wichtigen Handelsplätzen für Erdöl, Getreide, Zucker, Baumwolle und andere Rohstoffe.

Die Uhren- und Schmuckindustrie besitzt eine lange Tradition. Die Aufnahme französischer und italienischer Glaubensflüchtlinge förderte seit dem 16. Jahrhundert die Entwicklung hoch spezialisierter Handwerke. Bis heute sind bekannte Uhrenhersteller und Luxusunternehmen in der Region ansässig.

Die internationale Ausrichtung sorgt für einen vielfältigen Arbeitsmarkt, trägt jedoch auch zu hohen Lebenshaltungskosten bei. Besonders angespannt ist der Wohnungsmarkt. Viele Beschäftigte wohnen deshalb in anderen Gemeinden des Kantons, im Kanton Waadt oder im benachbarten Frankreich.

Bildung und Forschung

Die Universität Genf geht auf die 1559 von Johannes Calvin gegründete Akademie zurück. Sie ist eine der grossen Universitäten der Schweiz und bietet Studiengänge in Naturwissenschaften, Medizin, Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft und weiteren Fachrichtungen an. Unterrichts- und Arbeitssprache ist überwiegend Französisch, in verschiedenen Studienprogrammen auch Englisch.

Bedeutend ist ausserdem das Graduate Institute of International and Development Studies, das auf internationale Beziehungen, Entwicklungsfragen, Politik, Wirtschaft, Recht und Geschichte spezialisiert ist.

Die Nähe zu internationalen Organisationen ermöglicht eine enge Verbindung zwischen Forschung und diplomatischer Praxis. In und um Genf befinden sich zudem zahlreiche private Hochschulen, Forschungsinstitute und Ausbildungszentren.

Die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) liegt westlich der Stadt beidseits der schweizerisch-französischen Grenze. Ihr Hauptgelände befindet sich in Meyrin. Das CERN gehört zwar nicht zur Stadtgemeinde Genf, wird aufgrund seiner Lage und internationalen Bedeutung jedoch eng mit Genf verbunden.

Kultur

Museen

Genf besitzt eine vielfältige Museumslandschaft. Zu den wichtigsten Einrichtungen gehören:

Das Musée d’Art et d’Histoire verfügt über Sammlungen aus den Bereichen Archäologie, bildende Kunst und angewandte Kunst. Das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum vermittelt die Geschichte und Gegenwart humanitärer Hilfe.

Theater und Musik

Das Grand Théâtre de Genève ist das wichtigste Opernhaus der Stadt. Das Orchestre de la Suisse Romande, das 1918 von Ernest Ansermet gegründet wurde, zählt zu den bekannten Sinfonieorchestern der Schweiz. Weitere Kulturorte sind die Victoria Hall, die Comédie de Genève, das Théâtre de Carouge und zahlreiche kleinere Bühnen und Konzertsäle.

Genf ist Austragungsort verschiedener Festivals. Dazu gehören die Fêtes de Genève, Musik-, Film- und Theaterveranstaltungen sowie die Fête de la musique. Der Genfer Auto-Salon gehörte während vieler Jahrzehnte zu den international bedeutendsten Veranstaltungen der Automobilbranche, verlor jedoch in den 2020er-Jahren seinen traditionellen Platz im Genfer Veranstaltungskalender.

Bibliotheken und Archive

Die Bibliothèque de Genève geht auf die Zeit der Reformation zurück und besitzt bedeutende historische Bestände. Zu ihren Sammlungen gehören Handschriften, alte Drucke, Karten, Plakate und Dokumente zur Genfer Geschichte. Das Stadtarchiv und das Staatsarchiv des Kantons bewahren die schriftliche Überlieferung der kommunalen beziehungsweise kantonalen Behörden.

Sehenswürdigkeiten

Altstadt

Die Genfer Altstadt liegt auf einer Anhöhe am linken Rhoneufer. Ihr Mittelpunkt ist die Kathedrale St. Peter. Der Bau vereint romanische, gotische und klassizistische Elemente. Während der Reformation wurde die Kathedrale zur protestantischen Hauptkirche. Johannes Calvin predigte hier regelmässig.

Unter der Kathedrale befindet sich eine archäologische Ausgrabungsstätte mit Überresten älterer Kirchen und Bauten. Vom Nordturm eröffnet sich ein weiter Blick über die Stadt, den See und die umliegenden Berge.

Zu den weiteren Orten der Altstadt gehören die Place du Bourg-de-Four, das Rathaus, das Maison Tavel und die Promenade de la Treille. An der Treille befindet sich eine der längsten Holzbänke der Welt. Der dortige Kastanienbaum spielt eine Rolle bei der offiziellen Genfer Beobachtung des Frühlingsbeginns.

Jet d’Eau

Der Jet d’Eau ist das bekannteste Wahrzeichen Genfs. Die Wasserfontäne erreicht eine Höhe von etwa 140 Metern und befindet sich im Seebecken nahe dem Ufer des Quartiers Eaux-Vives.

Der erste Jet d’Eau entstand 1886 als Sicherheitsventil einer hydraulischen Anlage an der Rhone. Wegen seiner Beliebtheit wurde die Fontäne später an ihren heutigen, besser sichtbaren Standort versetzt. Bei starkem Wind, Frost oder technischen Arbeiten kann sie ausser Betrieb bleiben.

Jardin Anglais und Blumenuhr

Der Jardin Anglais liegt am linken Seeufer. Hier befindet sich die Blumenuhr, die als Hinweis auf die Genfer Uhrmachertradition gestaltet wurde. Die Bepflanzung wird regelmässig verändert. Am Rand des Parks steht das Nationaldenkmal, das den Beitritt Genfs zur Schweizerischen Eidgenossenschaft symbolisiert.

Reformationsdenkmal

Das Reformationsdenkmal befindet sich im Parc des Bastions an einer Mauer unterhalb der Altstadt. Im Mittelpunkt stehen die Figuren von Johannes Calvin, Guillaume Farel, Théodore de Bèze und John Knox. Das Denkmal wurde ab 1909 zum 400. Geburtstag Calvins und zum 350-jährigen Bestehen der Genfer Akademie errichtet.[6]

Palais des Nations

Das Palais des Nations wurde zwischen 1929 und 1938 als Sitz des Völkerbundes errichtet. Heute beherbergt es das Büro der Vereinten Nationen in Genf. Der Gebäudekomplex liegt im Ariana-Park und kann teilweise im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Auf dem Platz vor dem Palais steht die monumentale Skulptur Broken Chair. Der Stuhl mit einem abgebrochenen Bein erinnert an die Opfer von Antipersonenminen und anderen Explosivwaffen.

Parks und Seeufer

Genf besitzt zahlreiche öffentliche Grünanlagen. Zu den bekanntesten gehören der Parc La Grange, der Parc des Eaux-Vives, der Parc Mon Repos, der Parc Moynier, der Parc de l’Ariana und der Parc des Bastions. Die zusammenhängenden Parks am rechten Seeufer werden teilweise als Perle du Lac bezeichnet.

Die Uferpromenaden und öffentlichen Badeanlagen sind wichtige Erholungsräume. Besonders bekannt sind die Bains des Pâquis auf einer Mole im Genfersee. Sie werden ganzjährig genutzt und besitzen neben Badeanlagen auch Saunen und ein öffentliches Restaurant.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Genève-Cornavin ist der wichtigste Bahnhof der Stadt. Er bietet direkte Verbindungen nach Lausanne, Bern, Basel, Zürich, Luzern, Neuenburg, Sitten und zu weiteren Schweizer Städten. Internationale Züge verbinden Genf unter anderem mit Paris, Lyon und verschiedenen französischen Regionen.

Seit der Eröffnung der Bahnverbindung Léman Express im Jahr 2019 verfügt der grenzüberschreitende Raum über ein S-Bahn-ähnliches Netz. Eine Schlüsselrolle spielt die neu gebaute Strecke zwischen Cornavin, Eaux-Vives und Annemasse, die als CEVA bekannt ist. Sie verbindet die Schweizer und französischen Bahnnetze und verbessert den öffentlichen Verkehr innerhalb der Agglomeration.

Öffentlicher Nahverkehr

Der städtische und regionale Nahverkehr wird hauptsächlich von den Transports publics genevois betrieben. Das Netz umfasst Trams, Trolleybusse und Autobusse. Genf gehörte zu den ersten Schweizer Städten mit einem elektrischen Tramnetz und verfügt heute wieder über mehrere moderne Tramlinien.

Auf dem See verkehren kleine gelbe Personenfähren, die als Mouettes genevoises bezeichnet werden. Sie verbinden verschiedene Punkte an beiden Ufern des inneren Seebeckens und sind in den Tarifverbund des öffentlichen Verkehrs eingebunden.

Strassenverkehr

Die Autobahn A1 verbindet Genf mit Lausanne und dem übrigen Schweizer Autobahnnetz. Weitere Strassen führen nach Frankreich. Aufgrund der geografischen Lage und der starken Pendlerströme ist das Strassennetz zu den Hauptverkehrszeiten stark belastet.

Die Stadt fördert den Fuss- und Veloverkehr und baut das Netz der Radwege schrittweise aus. Die begrenzte Fläche, der dichte Bestand und die grenzüberschreitenden Verkehrsströme erschweren jedoch eine einheitliche Verkehrsplanung.

Flughafen

Der Flughafen Genf liegt in den Gemeinden Le Grand-Saconnex, Meyrin und Vernier unmittelbar nordwestlich der Stadt. Er ist nach Zürich der zweitgrösste Landesflughafen der Schweiz. Eine Besonderheit ist seine Lage nahe der französischen Grenze. Ein eigener französischer Sektor ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen einen Zugang aus Frankreich.

Der Flughafen ist mit dem Zug in wenigen Minuten vom Bahnhof Cornavin erreichbar. Er besitzt nationale und internationale Verbindungen und ist für die Diplomatie, die Wirtschaft sowie den Tourismus in der Westschweiz und den französischen Alpen von grosser Bedeutung.

Gesellschaft und Lebensqualität

Genf weist eine hohe Dichte an öffentlichen Einrichtungen, Kulturangeboten, Parks und internationalen Arbeitsplätzen auf. Die Lage am See und die Nähe zu Jura und Alpen bieten vielfältige Freizeitmöglichkeiten.

Gleichzeitig gehört Genf zu den teuersten Städten der Schweiz. Die Wohnungsknappheit führt zu hohen Mieten und langen Suchzeiten. Der Mangel an Wohnraum innerhalb des Kantons trägt zum Wachstum der französischen Grenzgemeinden und zu umfangreichen Pendlerbewegungen bei.

Die soziale Struktur ist von starken Gegensätzen geprägt. Neben international tätigen Fachkräften und vermögenden Haushalten leben in der Stadt auch zahlreiche Menschen mit niedrigen Einkommen. Fragen des bezahlbaren Wohnraums, der Integration, des Verkehrs und der Nutzung des öffentlichen Raums gehören deshalb zu den zentralen Themen der Genfer Stadtpolitik.

Sport

Der bekannteste Fussballverein der Stadt ist der Servette FC, der seine Heimspiele im Stade de Genève in Lancy austrägt. Der Verein gehört zu den traditionsreichsten Fussballklubs der Schweiz. Im Eishockey spielt der Genève-Servette HC in der höchsten Schweizer Liga. Seine Heimstätte ist die Patinoire des Vernets.

Der Genfersee wird intensiv für Segeln, Rudern, Schwimmen und andere Wassersportarten genutzt. Ein bedeutendes Sportereignis ist die Segelregatta Bol d’Or Mirabaud, die auf dem Genfersee ausgetragen wird. Zudem finden regelmässig Laufveranstaltungen, darunter der Genf-Marathon, statt.

Traditionen und Veranstaltungen

Die wichtigste historische Feier ist die Escalade im Dezember. Historische Kostüme, Umzüge, Musik, Schokoladentöpfe und das Lied Cé qu’è lainô erinnern an die Abwehr des savoyischen Angriffs von 1602.

Der Jeûne genevois ist ein kantonaler Feiertag am Donnerstag nach dem ersten Sonntag im September. Er geht auf protestantische Fasten- und Gedenktraditionen zurück. Als typische Speise gilt Pflaumenwähe.

Der Salon international des inventions de Genève bringt Erfinderinnen und Erfinder, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammen. Die Genfer Buchmesse zählt zu den bedeutenden französischsprachigen Literaturveranstaltungen der Schweiz.

Wappen und Wahlspruch

Das Genfer Wappen ist senkrecht geteilt. Es zeigt auf gelbem Grund einen halben schwarzen Reichsadler und auf rotem Grund einen goldenen Schlüssel. Der Adler verweist auf die frühere Zugehörigkeit zum Heiligen Römischen Reich, der Schlüssel auf den Apostel Petrus, den Schutzpatron der Kathedrale.

Über dem Wappenschild befindet sich traditionell eine goldene Sonne mit den Buchstaben IHS. Der Genfer Wahlspruch lautet Post tenebras lux, auf Deutsch «Nach der Dunkelheit das Licht». Er wurde besonders mit der Reformation verbunden und findet sich auch auf historischen Genfer Münzen und Gebäuden.

Persönlichkeiten

Zu den bekannten Persönlichkeiten, die in Genf geboren wurden oder eng mit der Stadt verbunden sind, gehören:

Bedeutung für die Schweiz

Genf nimmt innerhalb der Schweiz eine besondere Stellung ein. Die Stadt verbindet die Eidgenossenschaft mit dem französischsprachigen Raum und mit zahlreichen internationalen Institutionen. Ihre diplomatische Bedeutung unterstützt die schweizerische Aussenpolitik und die Tradition der Guten Dienste.

Zugleich steht Genf für mehrere wichtige Teile der Schweizer Geschichte: die Reformation, die republikanische Stadtkultur, den Humanismus, das humanitäre Völkerrecht und die Aufnahme politisch oder religiös Verfolgter. Die Stadt ist daher nicht nur ein wirtschaftliches Zentrum der Romandie, sondern auch ein international sichtbarer Bestandteil der politischen und kulturellen Identität der Schweiz.

Siehe auch

Literatur

  • Louis Binz: Brève histoire de Genève. Chancellerie d’État, Genf.
  • Paul Guichonnet: Histoire de Genève. Privat, Toulouse.
  • Alfred Dufour: Histoire de Genève. Presses Universitaires de France, Paris.
  • Corinne Walker: Histoire de Genève. De la cité de Calvin à la ville française, 1530–1813. Alphil, Neuenburg.
  • Irène Herrmann: Genève entre République et canton. Les vicissitudes d’une intégration nationale, 1814–1846. Éditions Passé Présent, Genf.

Einzelnachweise