Geschichte der Stadt Winterthur

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Geschichte der Stadt Winterthur
Römische Siedlung Vitudurum, seit dem 1. Jahrhundert n. Chr.
Ausbau zur Stadt 12. Jahrhundert
Stadtrecht 1264
Herrschaft Grafen von Kyburg, danach Habsburg
Verpfändung an Zürich 1467
Beginn der Industrialisierung frühes 19. Jahrhundert
Stadtvereinigung 1. Januar 1922
Historische Zentren Altstadt, Oberwinterthur, Töss, Wülflingen, Veltheim, Seen
Informationen Stadtgeschichte auf stadt.winterthur.ch

Die Geschichte der Stadt Winterthur reicht von vorgeschichtlichen Siedlungsspuren über das römische Vitudurum und die mittelalterliche Stadt der Grafen von Kyburg bis zur international bedeutenden Industrie-, Handels- und heutigen Dienstleistungsstadt. Einen entscheidenden Einschnitt bildete die Stadtrechtsurkunde von 1264. Weitere prägende Entwicklungen waren die Verpfändung der habsburgischen Stadt an Zürich im Jahr 1467, die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und die Vereinigung mit fünf umliegenden Gemeinden zu Gross-Winterthur im Jahr 1922.

Die Geschichte Winterthurs ist eng mit seiner Lage zwischen Zürich, dem Bodenseeraum, der Ostschweiz und Süddeutschland verbunden. Verkehrswege, Handel und Gewerbe bestimmten die Entwicklung der Stadt über Jahrhunderte. Im 19. Jahrhundert wurde Winterthur zu einem der wichtigsten Industriezentren der Schweiz. Unternehmen wie Sulzer, die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik und Rieter machten den Namen der Stadt international bekannt. Seit dem späten 20. Jahrhundert wandelte sich Winterthur zunehmend zu einem Dienstleistungs-, Bildungs- und Kulturzentrum.

Vor- und Frühgeschichte

Die ältesten bekannten menschlichen Spuren auf dem Gebiet der heutigen Stadt Winterthur reichen ungefähr bis 3000 v. Chr. zurück.[1] Funde aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit belegen, dass die Landschaft an der Eulach bereits lange vor der Entstehung einer städtischen Siedlung genutzt wurde.

Die günstige Lage zwischen verschiedenen Landschafts- und Verkehrsräumen spielte schon früh eine wichtige Rolle. Das Gebiet bot landwirtschaftlich nutzbare Böden, Wasserläufe und Verbindungen in Richtung Rhein, Bodensee, Zürichsee und Alpenraum. Die Siedlungen bestanden zunächst aus einzelnen Höfen und kleineren Dörfern.

Römisches Vitudurum

In der Zeit um Christi Geburt entstand auf dem späteren Kirchhügel von Oberwinterthur eine römische Siedlung. Sie trug den Namen Vitudurum und entwickelte sich zu einem regionalen Zentrum an einer bedeutenden Verkehrsverbindung zwischen dem Genferseegebiet und dem Bodensee.[1]

Das römische Vitudurum lag nicht im Bereich der heutigen Altstadt, sondern im heutigen Stadtkreis Oberwinterthur. Die Siedlung umfasste Wohnhäuser, Werkstätten, öffentliche Gebäude und religiöse Anlagen. Ihre Bewohner betrieben Handel und Handwerk und versorgten das landwirtschaftlich geprägte Umland.

Im Jahr 294 wurde die Siedlung unter Kaiser Diokletian befestigt. Ein erhaltener Inschriftenstein berichtet vom Bau oder von der Erneuerung der Befestigungsanlage. Diese Massnahme stand im Zusammenhang mit den unsicheren Verhältnissen an der Nordgrenze des Römischen Reiches.[2]

Nach dem Rückzug der römischen Verwaltung im frühen 5. Jahrhundert blieb das Gebiet wahrscheinlich teilweise bewohnt. Archäologische Funde zeigen jedoch einen Wandel der Siedlungsstruktur. Die römische Tradition lebte im Namen Vitudurum weiter, aus dem sich über Zwischenformen vermutlich der heutige Name Winterthur entwickelte.

Die geradlinige Marktgasse in der heutigen Altstadt folgt möglicherweise einem Abschnitt der ehemaligen römischen Fernstrasse. Eine direkte städtische Kontinuität zwischen dem römischen Oberwinterthur und der mittelalterlichen Stadt an der Eulach ist allerdings nicht nachgewiesen.[1]

Frühmittelalterliche Siedlungen

Nach dem Ende der römischen Herrschaft entstanden im Gebiet des heutigen Winterthur mehrere frühmittelalterliche Siedlungen. Zu ihnen gehörten Oberwinterthur, Veltheim, Wülflingen, Töss und Seen. Diese Orte entwickelten sich unabhängig voneinander und besassen eigene Kirchen, Grundherrschaften und landwirtschaftliche Nutzungsgebiete.

Im Bereich der späteren Winterthurer Altstadt entstand ebenfalls eine Siedlung. Eine im 7. oder 8. Jahrhundert errichtete Kirche bildete einen frühen Mittelpunkt. Um das Jahr 1000 wurde sie zur Grablege einer lokalen Adelsfamilie ausgebaut.[1]

Oberwinterthur blieb wegen seiner frühen Kirche und seiner Lage auf dem Gelände des römischen Vitudurum ein wichtiges kirchliches Zentrum. Wülflingen war mit der gleichnamigen Adelsfamilie und ihrer Burg verbunden. In Töss entstand später ein bedeutendes Frauenkloster.

Die Kyburger und die Entstehung der Stadt

Die entscheidende Entwicklung zur mittelalterlichen Stadt erfolgte unter den Grafen von Kyburg. Diese Adelsfamilie stieg im 12. Jahrhundert zu einer der mächtigsten Herrschaften der Ostschweiz auf. Ihr Zentrum befand sich auf der Kyburg südlich von Winterthur.

Die Kyburger liessen die bestehende Siedlung an der Eulach in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts planmässig ausbauen und befestigen. Eine Stadtmauer, Tore und Gräben schützten das Siedlungsgebiet. Die schnurgerade Marktgasse bildete die zentrale Verkehrs- und Handelsachse.

Die mittelalterliche Stadt bestand im Wesentlichen aus dem Gebiet der heutigen Altstadt. Sie war von einer Mauer umgeben und durch mehrere Tore zugänglich. Innerhalb der Befestigung befanden sich Wohnhäuser, Werkstätten, Speicher, öffentliche Gebäude und die Stadtkirche.

Winterthur profitierte von seiner Lage an Verkehrswegen zwischen Zürich, Schaffhausen, dem Bodensee und der Ostschweiz. Märkte und Handwerksbetriebe bildeten die wirtschaftliche Grundlage. Die Stadt blieb jedoch eng von ihren Stadtherren abhängig.

Das Stadtrecht von 1264

Im Jahr 1264 starb Graf Hartmann IV., der letzte männliche Vertreter der älteren Linie der Kyburger. Ein grosser Teil des kyburgischen Erbes fiel an Rudolf von Habsburg, den späteren römisch-deutschen König.

Rudolf stellte den Bürgern von Winterthur am 22. Juni 1264 eine Stadtrechtsurkunde aus. Sie gilt als eine der wichtigsten Urkunden der Stadtgeschichte. Das Dokument bestätigte verschiedene Rechte, Freiheiten und Rechtsgewohnheiten der Bürgerschaft.[3]

Das Stadtrecht regelte unter anderem die Stellung der Bürger gegenüber dem Stadtherrn, das Gerichtsverfahren, wirtschaftliche Rechte und Fragen der persönlichen Freiheit. Es schuf keine vollständig unabhängige Stadt, stärkte aber die politische und rechtliche Position der Bürgerschaft.

Das Jahr 1264 wird deshalb häufig als symbolisches Gründungsjahr der Stadt verwendet. Im Jahr 2014 beging Winterthur das 750-jährige Jubiläum des Stadtrechts. Zu diesem Anlass erschien eine zweibändige wissenschaftliche Stadtgeschichte.[3]

Winterthur unter habsburgischer Herrschaft

Nach dem Aussterben der Kyburger gehörte Winterthur mit Unterbrechungen fast zwei Jahrhunderte zum Herrschaftsgebiet der Habsburger. Die Stadt lag damit in einem Spannungsfeld zwischen der habsburgischen Territorialpolitik und der wachsenden Macht der Stadt Zürich.

Die Habsburger bestätigten wiederholt die städtischen Rechte. Winterthur erhielt zeitweise zusätzliche Privilegien, blieb politisch jedoch von seinen Landesherren abhängig. Die Bürgerschaft entwickelte eigene Institutionen mit Rat, Gericht und städtischen Ämtern.

Während der Konflikte zwischen Habsburg und den eidgenössischen Orten wurde Winterthur mehrfach militärisch bedroht. Im Sempacherkrieg unterstützte die Stadt die habsburgische Seite. Nach der Niederlage der Habsburger in der Schlacht bei Sempach von 1386 geriet Winterthur wirtschaftlich und politisch unter zunehmenden Druck.

Von 1415 bis 1442 besass Winterthur zeitweise den Status einer reichsfreien Stadt. Danach gelangte es erneut unter habsburgische Herrschaft. Im Alten Zürichkrieg stand die Stadt auf der Seite Zürichs und Habsburgs gegen die übrigen eidgenössischen Orte.

Verpfändung an Zürich

Wegen ihrer finanziellen Schwierigkeiten verpfändeten die Habsburger Winterthur 1467 für 10'000 Gulden an die Stadt Zürich. Die Verpfändung wurde nie eingelöst und führte zu einer dauerhaften Eingliederung Winterthurs in das Zürcher Herrschaftsgebiet.[1]

Winterthur behielt eine eigene Rechtspersönlichkeit, einen Rat, Gerichte und verschiedene traditionelle Privilegien. Dennoch unterstand die Stadt der politischen und wirtschaftlichen Kontrolle Zürichs. Diese Sonderstellung unterschied Winterthur von den gewöhnlichen Zürcher Landgemeinden, verlieh ihr aber keine vollständige Autonomie.

Das Verhältnis zur Hauptstadt war über Jahrhunderte von Spannungen geprägt. Zürich schränkte die wirtschaftliche Konkurrenz durch Winterthur ein und verhinderte teilweise die Ausweitung von Handel und Gewerbe. Besonders bei der Niederlassung von Handwerkern, der Gründung neuer Betriebe und dem Fernhandel bestanden Beschränkungen.

Die politische Abhängigkeit von Zürich wurde in Winterthur zunehmend als Belastung empfunden. Sie prägte das städtische Selbstverständnis und trug später zur Rolle Winterthurs als Zentrum der demokratischen Opposition im Kanton Zürich bei.

Reformation und konfessioneller Wandel

Die von Huldrych Zwingli ausgehende Zürcher Reformation erreichte Winterthur in den 1520er-Jahren. Der Rat führte den neuen Glauben in Übereinstimmung mit der Zürcher Obrigkeit ein. Gottesdienst, Kirchenorganisation und kirchliches Eigentum wurden neu geordnet.

Bilder, Altäre und weitere Bestandteile der mittelalterlichen Kirchenausstattung wurden entfernt. Die Stadtkirche wurde zum Zentrum der reformierten Kirchgemeinde. Klöster und kirchliche Einrichtungen verloren ihre bisherige Funktion.

Besonders betroffen war das Kloster Töss, ein bedeutendes Dominikanerinnenkloster, das im 13. Jahrhundert gegründet worden war. Im Zuge der Reformation wurde es 1525 aufgehoben. Die Klostergüter gelangten unter staatliche Verwaltung. Später wurden Teile des ehemaligen Klosterareals gewerblich und industriell genutzt.

Die Reformation stärkte zugleich die Kontrolle der Zürcher Obrigkeit über das kirchliche und gesellschaftliche Leben. Winterthur blieb bis ins 19. Jahrhundert nahezu vollständig evangelisch-reformiert.

Wirtschaft und Gesellschaft in der frühen Neuzeit

In der frühen Neuzeit war Winterthur eine kleine, dicht bebaute Landstadt. Die Bevölkerung lebte von Handwerk, lokalem Handel, Landwirtschaft und Dienstleistungen für das Umland. Zünfte bestanden zwar, erreichten aber nicht dieselbe politische Bedeutung wie in Zürich.

Wichtige Gewerbezweige waren die Textilverarbeitung, das Gerberhandwerk, die Metallverarbeitung und das Müllerhandwerk. Märkte verbanden die Stadt mit den umliegenden Dörfern und den überregionalen Handelswegen.

Brände, Krankheiten und wirtschaftliche Krisen belasteten die Bevölkerung wiederholt. Die enge Bebauung innerhalb der Stadtmauern erhöhte die Brandgefahr. Epidemien führten zeitweise zu hohen Bevölkerungsverlusten.

Trotz der wirtschaftlichen Beschränkungen entstanden vermögende Kaufmannsfamilien. Sie handelten mit Textilien, Salz, Wein und weiteren Waren. Seit dem 18. Jahrhundert wurden Winterthurer Unternehmen verstärkt im internationalen Handel tätig.

Bildung, Kultur und Bürgergesellschaft

Die reformierte Stadt legte grossen Wert auf Bildung. Neben kirchlichen Schulen entstanden Einrichtungen für die Ausbildung der städtischen Jugend. Die Alphabetisierung nahm zu, und gebildete Bürgerfamilien bauten private Sammlungen und Bibliotheken auf.

1660 gründeten Bürger die Winterthurer Bürgerbibliothek. Sie entwickelte sich später zur Stadtbibliothek und bildete einen wichtigen Grundstein des städtischen Bildungswesens. 1872 wurde sie als öffentliche Stadtbibliothek für breitere Bevölkerungsschichten geöffnet.[4]

Im 18. Jahrhundert entstanden wissenschaftliche, musikalische und gemeinnützige Gesellschaften. Die städtische Oberschicht orientierte sich an den Ideen der Aufklärung. Sie förderte Schulen, Sammlungen und kulturelle Institutionen.

Zahlreiche Winterthurer Kaufleute waren im internationalen Handel mit Baumwolle und Kolonialwaren tätig. Diese Geschäfte schufen Kapital, Kontakte und Kenntnisse, die später zur Industrialisierung beitrugen. Der Handel war zugleich Teil globaler Wirtschaftsstrukturen, die mit Kolonialismus und Sklaverei verbunden waren.[5]

Helvetische Republik und neue politische Ordnung

Der Einmarsch französischer Truppen im Jahr 1798 beendete die Herrschaftsordnung der Alten Eidgenossenschaft. Winterthur verlor seine bisherige Sonderstellung innerhalb des Zürcher Territoriums und wurde Teil der zentralistisch organisierten Helvetischen Republik.

Die alten städtischen Vorrechte wurden aufgehoben. Bürgerliche Gleichheit, neue Verwaltungsstrukturen und die Trennung zwischen kommunalen und staatlichen Aufgaben veränderten die politische Ordnung. Die Zeit war jedoch von Kriegen, Einquartierungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und häufigen Verfassungswechseln geprägt.

Mit der Mediationsakte von 1803 entstand der moderne Kanton Zürich. Winterthur wurde Hauptort eines Bezirks. Die Stadt Zürich blieb das politische und wirtschaftliche Zentrum des Kantons, doch Winterthur gewann schrittweise grössere kommunale Handlungsmöglichkeiten.

Entfestigung und städtische Erweiterung

Bis ins frühe 19. Jahrhundert blieb Winterthur weitgehend auf das Gebiet innerhalb der mittelalterlichen Befestigung beschränkt. Tore wurden nachts geschlossen, und Mauern und Gräben trennten die Stadt vom Umland.

1835 beschloss die Gemeinde die Entfestigung. Bis 1840 wurden die meisten Wehranlagen entfernt; die letzten Reste der Befestigung verschwanden bis 1871.[6]

Auf den Flächen der ehemaligen Stadtgräben entstanden Strassen, öffentliche Anlagen und neue Gebäude. Die Stadt konnte sich nun über den mittelalterlichen Kern hinaus ausdehnen. Wohnhäuser, Fabriken, Schulen und Verwaltungsbauten entstanden ausserhalb der früheren Mauern.

Der Abbruch der Befestigungen leitete den Übergang von der kompakten Kleinstadt zur offenen Industrie- und Verkehrsstadt ein. Die Altstadt blieb dennoch das wirtschaftliche und politische Zentrum.

Beginn der Industrialisierung

Die Industrialisierung setzte in Winterthur im frühen 19. Jahrhundert ein. Sie baute auf der Tradition des Textilgewerbes, auf dem Kapital der Kaufmannsfamilien und auf den Handelsbeziehungen des 18. Jahrhunderts auf.

In Töss übernahm Heinrich Rieter 1825 eine ehemalige Klosteranlage und entwickelte dort eine Maschinenfabrik. Aus dem Betrieb entstand die spätere Maschinenfabrik Rieter, die sich auf Textilmaschinen spezialisierte.

1834 gründeten die Brüder Johann Jakob und Salomon Sulzer zusammen mit ihrem Vater Johann Jakob Sulzer-Neuffert eine Eisengiesserei. Das Unternehmen entwickelte sich zur Sulzer AG und wurde zu einem der wichtigsten Maschinenbaukonzerne der Schweiz.

Die Industriebetriebe benötigten zahlreiche Arbeitskräfte. Menschen aus den umliegenden Gemeinden, anderen Teilen der Schweiz und später auch aus dem Ausland zogen nach Winterthur und in die Vororte. Neue Arbeiterquartiere entstanden in Töss, Veltheim, Wülflingen, Oberwinterthur und Seen.

Eisenbahn und Verkehrszentrum

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz beschleunigte die Industrialisierung. 1855 wurde die Strecke Winterthur–Zürich eröffnet. In den folgenden Jahren kamen Verbindungen nach Romanshorn, Schaffhausen, St. Gallen und in weitere Regionen hinzu.

Winterthur entwickelte sich zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt. Der Bahnhof wurde mehrfach erweitert und prägte gemeinsam mit den Fabrikarealen die räumliche Entwicklung der Stadt.

1871 wurde die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik gegründet. Sie produzierte Lokomotiven, Triebwagen und weitere Schienenfahrzeuge für die Schweiz und zahlreiche ausländische Bahngesellschaften. Winterthur wurde dadurch zu einem international bekannten Zentrum des Eisenbahnfahrzeugbaus.

Neben dem Personen- und Güterverkehr förderte die Eisenbahn die Zuwanderung, den Handel und die Erschliessung neuer Wohngebiete. Die Gleisanlagen bildeten zugleich starke räumliche Grenzen innerhalb der wachsenden Stadt.

Demokratische Bewegung

Seit den 1830er-Jahren entwickelte sich Winterthur zu einem Zentrum der politischen Opposition gegen die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft der Stadt Zürich. Führende Winterthurer Politiker, Unternehmer und Publizisten forderten eine stärkere demokratische Mitwirkung.

Von besonderer Bedeutung war die sogenannte Demokratische Bewegung der 1860er-Jahre. Sie wandte sich gegen das als «System Escher» bezeichnete Netzwerk um den Zürcher Politiker und Wirtschaftsführer Alfred Escher.

Die Bewegung verlangte direktdemokratische Rechte, eine stärkere Kontrolle der Regierung, soziale Reformen und einen grösseren Einfluss der Gemeinden und Bevölkerung. Zu ihren führenden Vertretern gehörten Winterthurer Politiker wie Johann Jakob Sulzer.

Die neue Zürcher Kantonsverfassung von 1869 führte unter anderem das obligatorische Referendum, die Volksinitiative und die Volkswahl der Regierung ein. Die demokratischen Ideen aus Winterthur beeinflussten auch die Totalrevision der Schweizer Bundesverfassung von 1874.[1]

Nationalbahn und Finanzkrise

Die Rivalität zwischen Winterthur und Zürich zeigte sich besonders in der Eisenbahnpolitik. Winterthurer Politiker und Unternehmer unterstützten den Bau einer eigenen Ost-West-Verbindung, die Zürich umgehen sollte.

1875 entstand die Schweizerische Nationalbahn. Sie betrieb Strecken von Winterthur über Baden nach Zofingen sowie in Richtung Singen am Hohentwiel. Das Unternehmen konnte sich jedoch gegen die etablierten Bahngesellschaften nicht behaupten.

Bereits 1878 ging die Nationalbahn in Konkurs. Da Winterthur umfangreiche finanzielle Garantien übernommen hatte, geriet die Stadt in eine schwere Schuldenkrise. Die finanzielle Belastung prägte den städtischen Haushalt über Jahrzehnte.

Der Nationalbahnkonkurs war ein schwerer politischer und wirtschaftlicher Rückschlag. Er beendete die Hoffnung, Winterthur als eigenständiges nationales Verkehrszentrum neben Zürich zu etablieren. Gleichzeitig blieb die Stadt durch ihre bestehenden Bahnlinien ein bedeutender Eisenbahnknoten.

Wachstum der Industriestadt

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs Winterthur rasch. Fabriken, Lagerhallen, Arbeiterhäuser und Villen veränderten das Stadtbild. Industrieareale entstanden insbesondere westlich und südlich der Altstadt sowie in Töss und Oberwinterthur.

Die Unternehmerfamilien Sulzer, Rieter, Bühler und andere prägten Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Sie liessen repräsentative Wohnhäuser und Parkanlagen errichten und unterstützten kulturelle und soziale Einrichtungen.

Die Arbeiterschaft lebte häufig in dicht bebauten Quartieren nahe den Fabriken. Arbeitszeiten waren lang, und die soziale Absicherung blieb zunächst gering. Gewerkschaften, Arbeitervereine und politische Parteien gewannen deshalb an Bedeutung.

Die Industriebetriebe richteten teilweise eigene Krankenkassen, Wohnbauten und Wohlfahrtseinrichtungen ein. Daneben entstanden kommunale Schulen, Spitäler, Versorgungseinrichtungen und soziale Institutionen.

Versorgung und kommunale Infrastruktur

Das starke Wachstum erforderte den Ausbau der städtischen Infrastruktur. Strassen wurden befestigt, Kanalisationen gebaut und öffentliche Beleuchtungen eingerichtet. Die Wasserversorgung wurde schrittweise modernisiert.

1873 nahm die Stadt eine Grundwasserfassung im Tösstal oberhalb von Rikon in Betrieb. Damit wurde erstmals Grundwasser über eine längere Distanz nach Winterthur geleitet.[7]

Gaswerke, Elektrizitätsversorgung und Abfallentsorgung entwickelten sich zu städtischen Aufgaben. Die technische Infrastruktur verbesserte die Lebensbedingungen, ermöglichte aber auch die weitere industrielle und räumliche Expansion.

1895 nahm die erste elektrische Strassenbahn ihren Betrieb auf. Sie verband den Bahnhof mit den Industrie- und Wohngebieten. Später entstand daraus das städtische Bus- und Trolleybusnetz.[8]

Kulturstadt des Industriezeitalters

Der wirtschaftliche Aufschwung förderte ein ausgeprägtes Kultur- und Bildungsleben. Unternehmer, Kaufleute und private Sammler gründeten oder unterstützten Museen, Bibliotheken, Musikvereine und wissenschaftliche Gesellschaften.

Der Kunstverein Winterthur wurde 1848 gegründet. Aus seinen Sammlungen entwickelten sich bedeutende Kunstmuseen. Wohlhabende Sammler wie Oskar Reinhart und Hedy und Arthur Hahnloser trugen dazu bei, Winterthur als Kunststadt bekannt zu machen.

Das 1869 eröffnete Stadthaus nach Plänen von Gottfried Semper wurde zum repräsentativen Zentrum der städtischen Verwaltung und des bürgerlichen Selbstbewusstseins.

1874 entstand der Historisch-Antiquarische Verein, der heutige Historischer Verein Winterthur. Er fördert seither die Erforschung und Vermittlung der lokalen Geschichte.[9]

Die Vororte vor der Stadtvereinigung

Während die Kernstadt industrialisiert wurde, veränderten sich auch die umliegenden Gemeinden. Töss, Veltheim, Wülflingen, Oberwinterthur und Seen entwickelten sich von landwirtschaftlich geprägten Dörfern zu Wohn- und Industriegemeinden.

Töss war besonders eng mit den Firmen Rieter und Sulzer verbunden. Oberwinterthur wurde Standort grosser Industrieanlagen. Veltheim und Wülflingen nahmen viele Arbeiterfamilien auf, während Seen durch Wohnungsbau und kleinere Gewerbebetriebe wuchs.

Die Gemeindegrenzen entsprachen immer weniger dem zusammenhängenden Siedlungs- und Wirtschaftsraum. Strassen, Wasserleitungen, Schulen, Verkehrsmittel und soziale Aufgaben mussten zunehmend gemeinsam geplant werden.

Mehrere Vororte litten unter hohen Infrastrukturkosten und einer schwachen Steuerbasis. Viele ihrer Einwohner arbeiteten in der Stadt oder in grossen Industriebetrieben, während die politischen Zuständigkeiten auf sechs Gemeinden verteilt blieben.

Stadtvereinigung von 1922

Nach langen politischen Verhandlungen stimmten die beteiligten Gemeinden einer Vereinigung zu. Am 1. Januar 1922 schlossen sich die bisherige Stadtgemeinde Winterthur sowie Töss, Veltheim, Wülflingen, Oberwinterthur und Seen zur neuen Stadtgemeinde Gross-Winterthur zusammen.

Die vereinigte Stadt zählte rund 50'000 Einwohner.[10] Die früheren Gemeinden wurden zu Stadtkreisen, behielten aber in ihren Ortsbildern und im gesellschaftlichen Leben teilweise eine eigene Identität.

Die Vereinigung ermöglichte eine gemeinsame Planung von Verkehr, Schulen, Versorgung, Wohnungsbau und Industriegebieten. Sie schuf die territoriale Grundlage der heutigen Stadt Winterthur.

Die Eingemeindung war politisch umstritten. Befürworter verwiesen auf wirtschaftliche und administrative Vorteile, während Gegner den Verlust der kommunalen Selbstständigkeit und eine mögliche Benachteiligung der Vororte befürchteten.

Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit

Der Erste Weltkrieg führte zu Versorgungsproblemen, Teuerung und sozialen Spannungen. Obwohl die Schweiz neutral blieb, waren die exportorientierten Winterthurer Unternehmen von Rohstoffmangel und unterbrochenen Handelswegen betroffen.

Im November 1918 beteiligten sich Arbeiter in Winterthur am Landesstreik. Die industrielle Arbeiterschaft und die Gewerkschaften besassen in der Stadt grosses politisches Gewicht.

In den 1920er-Jahren wurden Wohnquartiere, Schulen und kommunale Einrichtungen ausgebaut. Die neue Grossstadt musste die unterschiedlichen Infrastrukturen der ehemaligen Gemeinden vereinheitlichen.

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf die Maschinenindustrie schwer. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit nahmen zu. Stadt und private Organisationen führten Beschäftigungs- und Unterstützungsprogramme durch.

Winterthur im Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs blieb Winterthur von direkten Kriegshandlungen weitgehend verschont. Die Industrie war jedoch stark in die schweizerische Kriegswirtschaft eingebunden.

Lebensmittel, Brennstoffe und andere Güter wurden rationiert. Luftschutzanlagen, Verdunkelungsvorschriften und militärische Vorbereitungen prägten den Alltag. In den Industriebetrieben wurden Maschinen, Fahrzeuge und weitere kriegswirtschaftlich wichtige Produkte hergestellt.

Am 11. September 1944 bombardierten alliierte Flugzeuge irrtümlich Gebiete bei Winterthur. Weitere Bombenabwürfe in der Region verursachten Sachschäden und forderten Opfer.

Die Stadt nahm Flüchtlinge, Internierte und ausländische Arbeitskräfte auf. Gleichzeitig war die schweizerische Flüchtlingspolitik restriktiv. Die Aufarbeitung der lokalen Rolle in der Kriegszeit wurde später Teil der historischen Forschung.

Nachkriegsboom

Nach 1945 erlebte Winterthur einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Die Nachfrage nach Maschinen, Motoren, Pumpen, Lokomotiven und Textilmaschinen stieg. Sulzer, Rieter und die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik beschäftigten Tausende Menschen.

Der Arbeitskräftemangel führte zur verstärkten Zuwanderung aus Italien, Spanien, Portugal, der Türkei, Jugoslawien und weiteren Ländern. Diese Migration veränderte die Bevölkerungsstruktur und das kulturelle Leben der Stadt.

Neue Wohnquartiere entstanden insbesondere in Mattenbach, Oberwinterthur, Seen und Wülflingen. Hochhäuser, Genossenschaftssiedlungen und Einfamilienhausquartiere erweiterten den Stadtraum.

Strassen und öffentlicher Verkehr wurden ausgebaut. Gleichzeitig nahm der motorisierte Individualverkehr stark zu. Die historischen Zentren der ehemaligen Dörfer wurden zunehmend in das zusammenhängende Stadtgebiet eingebunden.

Stadtplanung und Altstadtsanierung

Das Wachstum stellte die Stadtplanung vor grosse Aufgaben. Industrie, Verkehr, Wohnen und Grünräume mussten aufeinander abgestimmt werden. Verschiedene Bau- und Zonenordnungen steuerten die räumliche Entwicklung.

In der Altstadt führte der zunehmende Autoverkehr zu Belastungen. Seit den 1970er-Jahren wurden zentrale Strassen schrittweise für den motorisierten Verkehr gesperrt. Es entstand eine weitgehend zusammenhängende Fussgängerzone.

Historische Gebäude wurden restauriert und neue Nutzungen in der Altstadt gefördert. Dadurch wandelte sich das Zentrum von einem durch Verkehr belasteten Geschäftsviertel zu einem Einkaufs-, Wohn- und Kulturraum.

Gleichzeitig wurden frühere Industrie- und Bahnareale zu wichtigen Entwicklungsgebieten. Die Planungsgeschichte Winterthurs blieb stark von der Stadtvereinigung von 1922 und der dezentralen Struktur der Stadtkreise geprägt.[11]

Industriekrise und Strukturwandel

Seit den 1970er-Jahren geriet die traditionelle Maschinenindustrie zunehmend unter internationalen Konkurrenzdruck. Wirtschaftskrisen, technologische Veränderungen und die Verlagerung von Produktionsstandorten führten zu Umstrukturierungen und Arbeitsplatzverlusten.

In den 1980er- und 1990er-Jahren wurden grosse Teile der Winterthurer Industrie neu organisiert. Die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik verlor ihre frühere Eigenständigkeit. Sulzer verkaufte verschiedene Unternehmensbereiche, und zahlreiche Produktionsstätten wurden geschlossen oder verkleinert.

Der Abbau industrieller Arbeitsplätze war für die Stadt ein tiefgreifender Einschnitt. Winterthur musste sich von einer stark von wenigen Grossunternehmen abhängigen Industriestadt zu einer breiter aufgestellten Wirtschafts- und Dienstleistungsstadt entwickeln.

Ehemalige Fabrikareale wurden für Gewerbe, Bildung, Kultur und Wohnen umgenutzt. Besonders das Sulzer-Areal zwischen Bahnhof und Töss entwickelte sich zu einem neuen innerstädtischen Quartier.

Bildung und neue Wirtschaftszweige

Der Ausbau des Bildungssektors wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Strukturwandels. Aus verschiedenen technischen, kaufmännischen und sozialen Ausbildungsstätten entstand die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Winterthur entwickelte sich zu einem bedeutenden Hochschulstandort. Studierende und Beschäftigte der Hochschule tragen zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belebung der Stadt bei.

Neben Bildung und Forschung gewannen Gesundheitswesen, Versicherungen, Informatik, Kultur, Handel und öffentliche Dienstleistungen an Bedeutung. Die Stadt blieb zugleich Standort spezialisierter Industrie- und Technologieunternehmen.

Die Verbindung von industrieller Tradition und neuen Technologien prägt das Selbstverständnis Winterthurs bis heute.

Gesellschaftlicher und kultureller Wandel

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Bevölkerung vielfältiger. Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und aus dem Ausland führte zur Entstehung neuer Gemeinschaften, Vereine und religiöser Einrichtungen.

Die früher fast ausschliesslich reformierte Stadt wurde konfessionell und kulturell pluralistisch. Katholische Kirchgemeinden, Freikirchen, orthodoxe Gemeinden, muslimische Gemeinschaften und weitere religiöse Gruppen wurden Teil des städtischen Lebens.

Die Frauenbewegung, die Umweltbewegung, Jugendkulturen und neue politische Gruppierungen beeinflussten die Stadtentwicklung. Besetzungen, alternative Kulturprojekte und Debatten über Freiräume prägten insbesondere die Zeit seit den 1980er-Jahren.

Winterthur entwickelte ein breites Kulturangebot mit Museen, Musikveranstaltungen, Theatern, Festivals und unabhängigen Kulturinstitutionen. Die frühere Industriestadt wurde zunehmend auch als Kulturstadt wahrgenommen.

Entwicklung im 21. Jahrhundert

Im 21. Jahrhundert wuchs Winterthur stark. Neue Wohn- und Arbeitsquartiere entstanden vor allem in Neuhegi, Oberwinterthur, Hegi und auf ehemaligen Industriearealen.

Die Stadt überschritt 2008 die Grenze von 100'000 Einwohnern und wurde damit statistisch zur Grossstadt. Das Wachstum führte zu Investitionen in Schulen, Verkehr, Wohnraum, Grünanlagen und soziale Infrastruktur.

Gleichzeitig beschäftigten Fragen der Verdichtung, des Klimaschutzes, der Mobilität und der Erhaltung historischer Bauten die Stadtpolitik. Die Umnutzung industrieller Areale blieb ein zentrales Thema.

Die Geschichte der einzelnen Stadtkreise ist weiterhin im Stadtbild erkennbar. Alte Dorfkerne, Arbeitersiedlungen, Fabrikanlagen, Villenquartiere und moderne Neubaugebiete liegen oft dicht nebeneinander.

Bedeutung der Industriegeschichte

Die Industriegeschichte besitzt für die Identität Winterthurs eine besondere Bedeutung. Fabrikgebäude, Arbeiterhäuser, Unternehmervillen, Bahnlinien und technische Sammlungen erinnern an die Zeit, in der die Stadt zu den wichtigsten Maschinenbauzentren Europas gehörte.

Mehrere ehemalige Industrieanlagen stehen unter Denkmalschutz oder wurden einer neuen Nutzung zugeführt. Dazu gehören Teile des Sulzer-Areals, ehemalige Gebäude der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik und Anlagen in Töss.

Das Museum Schaffen widmet sich der Geschichte von Arbeit, Industrie und Gesellschaft. Weitere Museen und Sammlungen bewahren Maschinen, Fahrzeuge, Dokumente und Alltagsgegenstände.

Die Umnutzung der Industrieareale zeigt zugleich den wirtschaftlichen Wandel. Wo früher Lokomotiven, Motoren und Maschinen gebaut wurden, befinden sich heute Hochschulen, Wohnungen, Büros, Geschäfte und Kulturangebote.

Erinnerungskultur und Geschichtsforschung

Das Stadtarchiv Winterthur bewahrt Urkunden, Akten, Pläne, Fotografien und weitere Quellen zur Geschichte der Stadt und ihrer früheren Vororte auf. Seine Bestände reichen vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Die Sammlung Winterthur der Stadtbibliothek dokumentiert das kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben der Stadt in gedruckten und audiovisuellen Medien.[12]

Seit 1661 erscheinen die Winterthurer Neujahrsblätter. Sie behandeln historische, kulturelle und gesellschaftliche Themen und bilden eine wichtige Reihe für die lokale Geschichtsforschung.

Zum 750-jährigen Jubiläum des Stadtrechts veröffentlichte die Stadt 2014 eine zweibändige Stadtgeschichte. Der erste Band behandelt unter dem Titel Zwischen Rot und Blau – Habsburg, Zürich oder Autonomie die Geschichte bis 1850. Der zweite Band Zwischen Dampf und Bytes – Technik, Kultur, Innovation widmet sich den Entwicklungen seit der Industrialisierung.[3]

Zeittafel

Ausgewählte Ereignisse der Winterthurer Stadtgeschichte
Zeitraum oder Jahr Ereignis
um 3000 v. Chr. Älteste bekannte menschliche Spuren im heutigen Stadtgebiet
um Christi Geburt Entstehung der römischen Siedlung Vitudurum in Oberwinterthur
294 Befestigung von Vitudurum
7. oder 8. Jahrhundert Bau einer frühen Kirche im Bereich der späteren Altstadt
12. Jahrhundert Ausbau Winterthurs zur befestigten Stadt durch die Grafen von Kyburg
1264 Rudolf von Habsburg stellt die Stadtrechtsurkunde aus
1467 Verpfändung Winterthurs durch die Habsburger an Zürich
1520er-Jahre Einführung der Reformation
1525 Aufhebung des Klosters Töss
1660 Gründung der Bürgerbibliothek
1798 Ende der alten städtischen Sonderstellung während der Helvetischen Revolution
1825 Beginn des Maschinenbaus von Rieter in Töss
1834 Gründung der Eisengiesserei Sulzer
1835 Beschluss zur Entfestigung der Stadt
1855 Eröffnung der Eisenbahnstrecke Winterthur–Zürich
1869 Neue demokratische Kantonsverfassung des Kantons Zürich
1871 Gründung der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik
1875 Gründung der Schweizerischen Nationalbahn
1878 Konkurs der Nationalbahn und schwere städtische Finanzkrise
1895 Inbetriebnahme der elektrischen Strassenbahn
1918 Beteiligung der Winterthurer Arbeiterschaft am Landesstreik
1922 Vereinigung mit Töss, Veltheim, Wülflingen, Oberwinterthur und Seen
1944 Irrtümlicher alliierter Bombenangriff auf das Gebiet von Winterthur
ab 1950 Wirtschaftlicher Aufschwung, Zuwanderung und Ausbau neuer Stadtquartiere
ab 1970 Ausbau der Fussgängerzone und beginnender industrieller Strukturwandel
1990er-Jahre Umnutzung grosser ehemaliger Industrieareale
2008 Überschreitung der Marke von 100'000 Einwohnern
2014 Feier des 750-jährigen Jubiläums der Stadtrechtsurkunde
2022 Feier des 100-jährigen Jubiläums der Stadtvereinigung

Historische Stadtteile

Die heutige Stadt setzt sich aus sieben Stadtkreisen zusammen, deren Geschichte teilweise weit vor die Vereinigung von 1922 zurückreicht:

  • Stadt umfasst die Altstadt und die unmittelbar angrenzenden Quartiere.
  • Mattenbach entstand als eigenständiger Stadtkreis innerhalb des früheren Stadtgebiets und wurde stark durch den Wohnungsbau des 20. Jahrhunderts geprägt.
  • Oberwinterthur geht auf das römische Vitudurum und ein frühmittelalterliches Dorf zurück.
  • Seen entwickelte sich aus mehreren ländlichen Siedlungen.
  • Töss war Standort des mittelalterlichen Klosters Töss und später bedeutender Industriebetriebe.
  • Veltheim wandelte sich im 19. Jahrhundert vom Bauerndorf zum Arbeiter- und Wohnvorort.
  • Wülflingen besitzt einen historischen Dorfkern und war mit der Herrschaft Wülflingen verbunden.

Die früheren Gemeinde- und Dorfgrenzen sind trotz des Zusammenwachsens teilweise weiterhin in Ortsbildern, Vereinsstrukturen und lokalen Identitäten erkennbar.

Literatur

  • Erwin Eugster (Hrsg.): Winterthurer Stadtgeschichte. Band 1: Zwischen Rot und Blau – Habsburg, Zürich oder Autonomie. Chronos, Zürich 2014, ISBN 978-3-0340-1212-4.
  • Erwin Eugster (Hrsg.): Winterthurer Stadtgeschichte. Band 2: Zwischen Dampf und Bytes – Technik, Kultur, Innovation. Chronos, Zürich 2014, ISBN 978-3-0340-1213-1.
  • Peter Niederhäuser und Regula Schmid: Winterthur im Mittelalter. Chronos, Zürich.
  • Peter Niederhäuser (Hrsg.): Winterthur 1922–2022. Von der Stadtvereinigung zur Grossstadt. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Winterthur 2022.
  • Alfred Bütikofer: Winterthur. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Hans-Peter Bärtschi: Industriekultur in Winterthur. Schweizerische Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur, Winterthur.
  • Emanuel Dejung und Richard Zürcher: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VI: Die Stadt Winterthur. Birkhäuser, Basel 1952.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Kurz und bündig – Meilensteine der Stadtgeschichte, Stadt Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. Vitudurum. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 26. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Stadtgeschichte, Stadt Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  4. Geschichte der Bibliotheken Winterthur, Stadt Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  5. Kolonialgeschichte im Naturmuseum, Historischer Verein Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  6. Winterthur. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 26. Juli 2026.
  7. Geschichte und Organisation, Stadtwerk Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  8. Geschichte des öffentlichen Verkehrs in Winterthur, Stadt Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  9. Historischer Verein Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  10. Die Geburtsstunde einer Grossstadt, Stadt Winterthur, 6. September 2022, abgerufen am 26. Juli 2026.
  11. Winterthurer Planungsgeschichte, Stadt Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  12. Sammlung Winterthur, Stadt Winterthur, abgerufen am 26. Juli 2026.