Schweizer Armee
| Logo der Schweizer Armee | |
| Staat | Schweizerische Eidgenossenschaft |
|---|---|
| Gründung | 1848 als Armee des schweizerischen Bundesstaates |
| Typ | Streitkräfte, überwiegend nach dem Milizsystem organisiert |
| Auftrag | Verteidigung des Landes und seiner Bevölkerung, Unterstützung der zivilen Behörden und Friedensförderung |
| Oberste politische Führung | Bundesrat |
| Zuständiges Departement | Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport |
| Militärische Führung | Chef der Armee |
| Chef der Armee | Korpskommandant Benedikt Roos |
| Teilstreitkräfte | Heer und Luftwaffe |
| Weitere Führungsbereiche | Armeestab, Kommando Operationen, Kommando Ausbildung, Kommando Cyber und Logistikbasis der Armee |
| Sollbestand | 100'000 Angehörige der Armee |
| Effektivbestand | Rund 147'000 Angehörige der Armee, Stand 2025 |
| Hauptquartier | Bern |
| Militärdienst | Allgemeine Militärdienstpflicht für Schweizer Männer; freiwilliger Dienst für Schweizer Frauen |
| Website | www.vtg.admin.ch |
Die Schweizer Armee ist die bewaffnete Streitkraft der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie dient der Verteidigung des Landes und seiner Bevölkerung, unterstützt zivile Behörden bei der Bewältigung schwerwiegender Bedrohungen und ausserordentlicher Lagen und beteiligt sich an internationalen Einsätzen zur militärischen Friedensförderung. Die Armee trägt nach ihrem verfassungsmässigen Auftrag zur Kriegsverhinderung und zur Erhaltung des Friedens bei.
Charakteristisch für die Schweizer Armee ist das Milizsystem. Der überwiegende Teil ihrer Angehörigen übt ausserhalb der militärischen Dienstzeiten einen zivilen Beruf aus. Nach der Grundausbildung werden die Dienstpflichtigen regelmässig zu Wiederholungskursen aufgeboten. Ergänzt wird die Milizarmee durch Berufsmilitär, Zeitmilitär, zivile Mitarbeitende und spezialisierte Formationen.
Die Armee ist dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport unterstellt. Militärisch wird sie durch den Chef der Armee geführt. Seit dem 1. Januar 2026 bekleidet Korpskommandant Benedikt Roos dieses Amt.[1]
Auftrag
Der Auftrag der Schweizer Armee ist in der Bundesverfassung und im Bundesgesetz über die Armee und die Militärverwaltung festgelegt. Die Armee dient der Kriegsverhinderung und trägt zur Erhaltung des Friedens bei. Sie verteidigt das Land und seine Bevölkerung und unterstützt die zivilen Behörden, wenn deren Mittel zur Bewältigung schwerwiegender Bedrohungen oder ausserordentlicher Lagen nicht ausreichen.[2]
Zu den grundlegenden Aufgaben gehören die Verteidigung gegen einen militärischen Angriff, der Schutz des schweizerischen Luftraums, die Unterstützung ziviler Behörden und die militärische Friedensförderung im internationalen Rahmen.
Die Gewichtung dieser Aufgaben verändert sich entsprechend der sicherheitspolitischen Lage. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Armee stark verkleinert und verstärkt auf subsidiäre Unterstützungsaufgaben ausgerichtet. Seit den zunehmenden Spannungen in Europa und dem russischen Angriff auf die Ukraine steht die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit wieder im Zentrum der Armeepolitik.
Im Juni 2026 verabschiedete der Bundesrat neue Leitlinien für die Verteidigung. Diese sehen insbesondere eine stärkere Ausrichtung auf die Abwehr hybrider Bedrohungen, weitreichender Angriffe und moderner militärischer Gefahren vor. Dazu sollen die Einsatzkonzeption, die Führungsstrukturen und die Organisation der Armee weiterentwickelt werden.[3]
Verfassungsrechtliche Grundlagen
Artikel 58 der Bundesverfassung bestimmt, dass die Schweiz eine Armee besitzt, die grundsätzlich nach dem Milizprinzip organisiert ist. Der Einsatz der Armee liegt in der Verantwortung des Bundes. Die Kantone können ihre Formationen einsetzen, soweit ihnen das Bundesrecht entsprechende Zuständigkeiten überträgt.
Die Bundesversammlung beschliesst über bedeutende Einsätze und bewilligt die notwendigen finanziellen Mittel. Der Bundesrat übt die oberste Leitung aus und kann in dringlichen Fällen Truppen aufbieten. Bei grösseren oder länger dauernden Einsätzen ist die Zustimmung des Parlaments erforderlich.
Die rechtlichen Einzelheiten werden vor allem durch das Militärgesetz, das Dienstreglement der Armee, die Militärdienstverordnung und weitere Erlasse geregelt. Für strafbare Handlungen im militärischen Bereich gilt das Militärstrafgesetz.
Milizsystem
Die Schweizer Armee ist eine Milizarmee. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Personals arbeitet dauerhaft für die Streitkräfte. Die Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten absolviert ihre militärischen Dienstleistungen zeitlich begrenzt und ist im übrigen Teil des Jahres im zivilen Berufs- und Privatleben tätig.
Das Milizsystem soll eine enge Verbindung zwischen Armee, Gesellschaft und Wirtschaft schaffen. Militärische Kenntnisse und Führungsfähigkeiten werden in wiederkehrenden Ausbildungsdiensten erhalten und weiterentwickelt. Gleichzeitig ist die Armee darauf angewiesen, dass Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber ihre dienstpflichtigen Mitarbeitenden regelmässig für militärische Dienste freistellen.
Berufsmilitärs übernehmen insbesondere Ausbildungs-, Führungs-, Planungs- und Bereitschaftsaufgaben. Dazu gehören Berufsoffiziere, Berufsunteroffiziere, Militärpilotinnen und Militärpiloten sowie weitere Spezialistinnen und Spezialisten. Zivile Mitarbeitende sind unter anderem in der Verwaltung, Logistik, Informatik, Technik und Instandhaltung tätig.
Militärdienstpflicht
Grundsätzlich ist jeder Schweizer Mann militärdienstpflichtig. Die Pflicht beginnt im jungen Erwachsenenalter und umfasst die Rekrutierung, die militärische Grundausbildung sowie weitere Ausbildungsdienste. Schweizer Frauen können freiwillig Militärdienst leisten und besitzen bei einer entsprechenden Einteilung grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten wie männliche Angehörige der Armee.
Bei der Rekrutierung werden die körperliche und psychische Diensttauglichkeit, persönliche Fähigkeiten und Interessen sowie mögliche militärische Funktionen beurteilt. Wer militärdiensttauglich ist, wird einer Funktion und Truppengattung zugeteilt. Personen, die für den Militärdienst nicht, aber für den Zivilschutz geeignet sind, können schutzdienstpflichtig werden.
Militärdienstpflichtige, die aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten wollen, können nach der Zulassung einen zivilen Ersatzdienst absolvieren. Der Zivildienst dauert länger als der noch zu leistende Militärdienst.
Wer seine Wehrpflicht weder durch Militär- noch durch Zivildienst vollständig erfüllt, muss unter bestimmten Voraussetzungen die Wehrpflichtersatzabgabe entrichten.[4]
Rekrutenschule
Die militärische Grundausbildung erfolgt hauptsächlich in der Rekrutenschule. Dort werden die Rekrutinnen und Rekruten in ihrer persönlichen militärischen Funktion und im Zusammenwirken innerhalb einer Einheit ausgebildet.
Die Ausbildung beginnt mit allgemeinen militärischen Grundlagen. Dazu gehören der Umgang mit der persönlichen Ausrüstung, militärische Formen, Sanitätsdienst, körperliche Ausbildung, Kartenlesen, Schutz- und Sicherheitsmassnahmen sowie je nach Funktion die Ausbildung an Waffen, Fahrzeugen und technischen Systemen.
Anschliessend folgt die funktionsbezogene Ausbildung. Infanteristinnen und Infanteristen, Fahrer, Sanitätssoldaten, Funker, Mechaniker, Logistikspezialisten und Angehörige anderer Truppengattungen erhalten jeweils unterschiedliche Fachausbildungen.
Ein Teil der Rekrutinnen und Rekruten wird für eine militärische Kaderlaufbahn vorgeschlagen. Künftige Unteroffiziere und Offiziere absolvieren zusätzliche Lehrgänge und leisten eine längere Gesamtdienstzeit.
Neben dem traditionellen Dienstmodell besteht die Möglichkeit des Durchdienerdienstes. Durchdiener absolvieren den grössten Teil ihrer Dienstpflicht ohne längere Unterbrechung und werden danach nicht mehr regelmässig zu Wiederholungskursen aufgeboten.
Wiederholungskurse
Nach Abschluss der Grundausbildung werden die meisten Angehörigen der Armee einer Formation zugeteilt. Sie leisten in regelmässigen Abständen Wiederholungskurse, die in der Schweiz häufig mit der Abkürzung WK bezeichnet werden.
Während der Wiederholungskurse werden die militärischen Kenntnisse aufgefrischt, die Zusammenarbeit innerhalb der Einheit trainiert und Einsatzverfahren geübt. Die Kurse dienen zugleich der Überprüfung der Bereitschaft, des Materials und der Führungsstrukturen.
Der wiederkehrende Wechsel zwischen zivilem Leben und Militärdienst ist ein wesentliches Merkmal des Schweizer Milizsystems. Er führt jedoch auch zu organisatorischen Herausforderungen für Dienstpflichtige, Familien, Arbeitgeber und Ausbildungsinstitutionen.
Frauen in der Schweizer Armee
Schweizer Frauen sind nicht militärdienstpflichtig, können sich aber freiwillig zur Rekrutierung anmelden. Nach der Einteilung unterstehen sie grundsätzlich denselben dienstrechtlichen Bestimmungen wie männliche Angehörige der Armee.
Frauen können sämtliche militärischen Funktionen übernehmen, sofern sie die jeweiligen Anforderungen erfüllen. Dazu gehören Kampf-, Führungs-, Technik-, Sanitäts-, Logistik- und Luftwaffenfunktionen sowie militärische Berufslaufbahnen.
Die Armee bemüht sich seit mehreren Jahren, den Frauenanteil zu erhöhen. Dazu gehören Informationsangebote, angepasste Ausrüstung, organisatorische Veränderungen und Massnahmen gegen Diskriminierung und sexuelle Belästigung. Der Anteil der Frauen am Gesamtbestand bleibt jedoch vergleichsweise gering.
Organisation
Die Schweizer Armee ist Teil des Departementsbereichs Verteidigung. An ihrer Spitze steht der Chef der Armee. Ihm unterstehen der Armeestab, das Kommando Operationen, das Kommando Ausbildung, das Kommando Cyber und die Logistikbasis der Armee.[5]
Der Chef der Armee ist für die militärische Gesamtführung verantwortlich und leitet zugleich den Departementsbereich Verteidigung. Er untersteht dem Vorsteher oder der Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.
Armeestab
Der Armeestab unterstützt den Chef der Armee bei der strategischen Planung, Steuerung und Weiterentwicklung der Streitkräfte. Er bearbeitet militärstrategische, personelle, finanzielle und organisatorische Fragen.
Zu seinen Aufgaben gehören die langfristige Armeeplanung, die Ressourcensteuerung, die Personalführung, die internationale Zusammenarbeit und die Vorbereitung politischer Geschäfte. Der Armeestab koordiniert zudem die Entwicklung der militärischen Fähigkeiten.
Kommando Operationen
Das Kommando Operationen plant und führt die Einsätze und Operationen der Schweizer Armee. Es stellt die lagegerechte Bereitschaft sicher und koordiniert die ihm unterstellten Formationen.[6]
Dem Kommando Operationen unterstehen unter anderem das Heer, die Luftwaffe, die Territorialdivisionen, die Militärpolizei, das Kommando Spezialkräfte, der Militärische Nachrichtendienst und das Kompetenzzentrum SWISSINT.
Kommando Ausbildung
Das Kommando Ausbildung ist für die Grundbereitschaft und die Ausbildung der Armee verantwortlich. Es steuert die Rekrutenschulen, Lehrverbände, Kaderschulen und die höhere militärische Ausbildung.
Zu seinem Bereich gehören unter anderem die Höhere Kaderausbildung der Armee, die Militärakademie an der ETH Zürich, die Zentralschule und verschiedene Lehrverbände. Das Kommando sorgt für einheitliche Ausbildungsstandards und entwickelt die Ausbildungsgrundlagen weiter.
Kommando Cyber
Das Kommando Cyber ist für militärische Leistungen in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie, Führungsunterstützung, Cyberabwehr, elektronische Kriegführung und Lageverbund zuständig.
Es schützt militärische Netzwerke und Systeme, unterstützt die Führung der Armee und entwickelt Fähigkeiten im Cyberraum und im elektromagnetischen Raum. Dem Kommando Cyber unterstehen auch Milizformationen, darunter die Führungsunterstützungsbrigade 41.
Die zunehmende Digitalisierung macht den Schutz vor Cyberangriffen zu einem zentralen Bestandteil der militärischen Verteidigung. Moderne Einsätze sind auf sichere Kommunikationsverbindungen, Datenverarbeitung und zuverlässige Informationssysteme angewiesen.
Logistikbasis der Armee
Die Logistikbasis der Armee stellt Material, Fahrzeuge, Munition und Infrastruktur für Ausbildung und Einsatz bereit. Sie ist für Wartung, Instandhaltung, Versorgung, Transporte und Teile des militärischen Sanitätswesens verantwortlich.
Die Logistikbasis beschäftigt rund 3'000 zivile Mitarbeitende und verfügt über ungefähr 12'000 Milizangehörige. Zu ihrer Organisation gehören fünf Armeelogistikcenter mit verschiedenen Aussenstellen.[7]
Heer
Das Heer ist für die militärische Wirkung am Boden verantwortlich. Es entwickelt die Fähigkeiten der Bodentruppen und bildet die ihm unterstellten Verbände aus.
Zum Heer gehören die Mechanisierten Brigaden 1, 4 und 11. Diese verfügen über Kampftruppen, Kampfunterstützung, Führungsunterstützung und logistische Elemente.[8]
Zu den Bodentruppen zählen unter anderem Infanterie, Panzertruppen, Artillerie, Genie, Aufklärung und weitere Unterstützungsformationen. Ihre Aufgaben umfassen die Abwehr eines militärischen Angriffs, den Schutz wichtiger Räume und Infrastrukturen sowie die Unterstützung ziviler Behörden.
Die mechanisierten Verbände nutzen insbesondere Kampfpanzer, Schützenpanzer, geschützte Transportfahrzeuge, Artilleriesysteme und Aufklärungsfahrzeuge. Ein Teil des Materials stammt aus den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und wird modernisiert oder schrittweise ersetzt.
Luftwaffe
Die Schweizer Luftwaffe schützt den schweizerischen Luftraum und ist für die Operationsbereiche Luft und Weltraum verantwortlich. Zu ihren Kernaufgaben gehören der Luftpolizeidienst, die Luftverteidigung, der Lufttransport und die Luftaufklärung.[9]
Die Luftwaffe überwacht den schweizerischen Luftraum rund um die Uhr. Bei Verletzungen des Luftraums, unklaren Flugbewegungen oder sicherheitsrelevanten Ereignissen können bewaffnete Kampfflugzeuge aufsteigen und ein Luftfahrzeug kontrollieren, begleiten oder gegebenenfalls zu einer Landung zwingen.
Als Kampfflugzeuge werden insbesondere die Typen F/A-18C/D Hornet eingesetzt. Die älteren F-5 Tiger besitzen nur noch eingeschränkte militärische Fähigkeiten und werden vor allem für Nebenaufgaben verwendet.
Die Schweiz beschafft als Ersatz für die F/A-18 insgesamt 36 Kampfflugzeuge des Typs F-35A. Daneben betreibt die Luftwaffe Transporthelikopter, Schulungsflugzeuge, Drohnen und weitere Luftfahrzeuge.
Seit 2026 baut die Armee ihre Fähigkeiten im Weltraum aus. Dazu gehören die Nutzung satellitengestützter Informationen, die Beobachtung von Vorgängen im Weltraum und der Schutz eigener militärischer Leistungen, die von Satellitensystemen abhängig sind.
Territorialdivisionen
Die vier Territorialdivisionen verbinden die Armee mit den Kantonen und den regionalen zivilen Behörden. Jede Territorialdivision ist für einen bestimmten geografischen Raum zuständig.
Ihre Hauptaufgabe besteht in der Koordination militärischer Unterstützung bei Katastrophen, schweren Notlagen, Sicherheitsproblemen und anderen ausserordentlichen Situationen. Sie können Truppen für Schutz-, Sicherungs-, Unterstützungs- und Katastrophenhilfeeinsätze führen.
Die Territorialdivisionen verfügen unter anderem über Territorialstäbe, Infanteriebataillone, Geniebataillone, Rettungsbataillone und Führungsunterstützungselemente. Ihre genaue Gliederung kann sich im Zuge von Armeereformen verändern.
Militärpolizei
Die Militärpolizei ist die Polizei der Schweizer Armee. Sie erbringt polizeiliche und sicherheitsspezifische Leistungen für militärische Einrichtungen, Formationen und Einsätze.
Zu ihren Aufgaben gehören der Schutz militärischer Anlagen, Verkehrsdienst, Ermittlungen im militärischen Bereich, Personenschutz, Ordnungsdienst und die Unterstützung ziviler Polizeibehörden im gesetzlich zulässigen Rahmen.[10]
Die Militärpolizei besteht aus Berufs- und Milizformationen. Berufsmilitärpolizisten stellen einen Teil der dauernden Einsatzbereitschaft sicher.
Kommando Spezialkräfte
Das Kommando Spezialkräfte fasst militärische Verbände für besonders anspruchsvolle Einsätze zusammen. Dazu gehören Aufklärung, Schutz, Rettung und begrenzte offensive oder defensive Spezialoperationen.
Eine bekannte Berufsformation ist das Armee-Aufklärungsdetachement 10. Daneben bestehen Milizformationen wie die Grenadierbataillone und Fallschirmaufklärer.
Informationen über Fähigkeiten, Ausbildung und konkrete Einsätze der Spezialkräfte werden aus Sicherheitsgründen nur teilweise veröffentlicht.
Militärischer Nachrichtendienst
Der Militärische Nachrichtendienst beschafft und bewertet Informationen, die für die militärische Führung und die Sicherheit der Armee relevant sind. Er beobachtet militärische Entwicklungen, Konflikte, Streitkräfte und Bedrohungen im Ausland.
Er ist vom Nachrichtendienst des Bundes zu unterscheiden. Während der Nachrichtendienst des Bundes zivile nachrichtendienstliche Aufgaben wahrnimmt, konzentriert sich der Militärische Nachrichtendienst auf militärische Fragestellungen und die Unterstützung der Armeeführung.
Truppengattungen und Funktionen
Die Schweizer Armee umfasst zahlreiche Truppengattungen und militärische Funktionen. Dazu gehören unter anderem Infanterie, Panzertruppen, Artillerie, Genie, Rettungstruppen, Sanität, Logistik, Führungsunterstützung, Übermittlung, Fliegertruppen, Flugplatzformationen und Militärpolizei.
Die persönliche Funktion wird bei der Rekrutierung aufgrund der körperlichen Voraussetzungen, Fähigkeiten, Ausbildung und Bedürfnisse der Armee festgelegt. Neben klassischen Kampfaufgaben bestehen zahlreiche technische, medizinische, administrative und logistische Funktionen.
Durch die technologische Entwicklung gewinnen Informatik-, Cyber-, Kommunikations-, Sensorik- und Datenanalysefunktionen an Bedeutung.
Bestände
Mit der Weiterentwicklung der Armee wurde ein Sollbestand von 100'000 Angehörigen festgelegt. Der maximal vorgesehene Effektivbestand betrug während einer Übergangsphase 140'000 Militärdienstpflichtige.
2025 bezifferte die Armeeführung den tatsächlichen Effektivbestand auf rund 147'000 Angehörige. Der Wert lag damit vorübergehend über der gesetzlichen Obergrenze. Nach dem Auslaufen der Übergangsbestimmungen wird gegen Ende der 2020er-Jahre mit einem Rückgang auf ungefähr 125'000 Angehörige gerechnet.[11]
Der nominelle Effektivbestand entspricht nicht der Zahl der jederzeit einsetzbaren Soldatinnen und Soldaten. Ein Teil der Angehörigen befindet sich noch in Ausbildung, hat Dienst verschoben, ist vorübergehend nicht verfügbar oder wird innerhalb kurzer Zeit aus der Militärdienstpflicht entlassen.
Die Sicherung ausreichender Personalbestände gehört deshalb zu den zentralen Herausforderungen der Armee. Diskutiert werden unter anderem neue Dienstpflichtmodelle, Anpassungen beim Zivildienst und eine stärkere Einbindung von Frauen.
Mobilmachung und Bereitschaft
Als Milizarmee verfügt die Schweiz im Alltag nur über begrenzte ständig einsatzbereite Truppen. Bei einer Krise können Formationen aufgeboten und mobilisiert werden.
Das Mobilmachungssystem soll es ermöglichen, Milizverbände innerhalb einer festgelegten Frist mit Personal, Material und Fahrzeugen einsatzbereit zu machen. Ausgewählte Formationen besitzen eine erhöhte Bereitschaft und können schneller aufgeboten werden.
Im Jahr 2020 wurden während der COVID-19-Pandemie bis zu 5'000 Armeeangehörige zur Unterstützung des Gesundheitswesens und weiterer ziviler Stellen mobilisiert. Es handelte sich um die grösste Mobilmachung der Schweizer Armee seit dem Zweiten Weltkrieg.
Einsatzarten
Das schweizerische Militärrecht unterscheidet verschiedene Formen des Armeeeinsatzes. Dazu gehören insbesondere Ausbildungsdienst, Assistenzdienst, Friedensförderungsdienst und Aktivdienst.
Ausbildungsdienst
Der Ausbildungsdienst umfasst Rekrutenschulen, Wiederholungskurse, Kaderschulen, Fachkurse und militärische Übungen. Er dient dem Erwerb und Erhalt der Einsatzbereitschaft.
Ausbildungsdienste können auch im Ausland stattfinden, sofern dies für bestimmte Fähigkeiten erforderlich ist und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dies betrifft beispielsweise Luftwaffenübungen, Schiessausbildungen und gemeinsame Trainings mit ausländischen Streitkräften.
Assistenzdienst
Im Assistenzdienst unterstützt die Armee zivile Behörden, wenn deren personelle oder materielle Mittel nicht ausreichen. Die Verantwortung für den zivilen Auftrag bleibt bei den zuständigen Behörden.
Mögliche Aufgaben sind Katastrophenhilfe, Schutz kritischer Infrastrukturen, Unterstützung des Gesundheitswesens, Lufttransport, Verkehrsregelung und Sicherheitsleistungen bei Grossveranstaltungen.
Ein wiederkehrendes Beispiel ist der Armeeeinsatz zugunsten des Weltwirtschaftsforums in Davos. Das Parlament bewilligte für die Treffen von 2025 bis 2027 einen Assistenzdiensteinsatz von jeweils höchstens 5'000 Armeeangehörigen.[12]
Aktivdienst
Der Aktivdienst wird angeordnet, wenn die Schweiz oder ihre Bevölkerung gegen schwere Bedrohungen verteidigt werden muss. Dazu zählen insbesondere der Landesverteidigungsdienst und der Ordnungsdienst.
Bei einem grösseren Truppenaufgebot wählt die Bundesversammlung einen General als Oberbefehlshaber der Armee. In Friedenszeiten besitzt die Schweizer Armee keinen General als ständigen höchsten Dienstgrad.
Seit der Gründung des Bundesstaates wurden vier Generäle gewählt: Guillaume-Henri Dufour während des Sonderbundskriegs, Hans Herzog während des Deutsch-Französischen Kriegs, Ulrich Wille während des Ersten Weltkriegs und Henri Guisan während des Zweiten Weltkriegs.
Unterstützung ziviler Behörden
Die Unterstützung ziviler Behörden gehört zu den sichtbarsten Aufgaben der Schweizer Armee. Solche Einsätze erfolgen subsidiär. Das bedeutet, dass zunächst die zivilen Mittel ausgeschöpft werden müssen und die Armee nur jene Leistungen erbringt, die anderweitig nicht rechtzeitig oder in ausreichendem Umfang verfügbar sind.
Bei Naturkatastrophen können Genietruppen, Rettungsformationen, Helikopter, Transportmittel und medizinische Einheiten eingesetzt werden. Die Armee kann Verkehrswege freiräumen, Notbrücken errichten, Menschen und Material transportieren oder bei der Wiederherstellung wichtiger Infrastruktur helfen.
Weitere Unterstützungsleistungen sind bei Pandemien, grossen Flüchtlingsbewegungen, schweren Strommangellagen, Terrorbedrohungen oder internationalen Konferenzen möglich.
Friedensförderung
Die Schweizer Armee beteiligt sich an internationalen Missionen zur militärischen Friedensförderung. Diese Einsätze beruhen auf einem Mandat des Bundes und erfolgen grundsätzlich freiwillig.
Das Kompetenzzentrum SWISSINT ist für die Rekrutierung, Ausbildung und Betreuung des Personals zuständig. Schweizer Armeeangehörige leisten Dienst in Europa, Afrika und Asien. Die Armee beteiligt sich an mehr als einem Dutzend Missionen.[13]
Der grösste schweizerische Auslandseinsatz ist die Beteiligung an der multinationalen Kosovo Force im Kosovo. Das Schweizer Kontingent wird als Swisscoy bezeichnet. Schweizer Militärangehörige wirken zudem unter anderem in Bosnien und Herzegowina, im Nahen Osten und in verschiedenen Beobachtermissionen mit.
Bewaffnete Einsätze zur Friedenserzwingung sind aufgrund der schweizerischen Neutralität und der gesetzlichen Grundlagen ausgeschlossen. Schweizer Personal kann jedoch zur Selbstverteidigung und zur Erfüllung des jeweiligen Mandats bewaffnet sein.
Neutralität und internationale Zusammenarbeit
Die Schweiz gehört keinem Militärbündnis an und ist nicht Mitglied der NATO. Die Armee arbeitet jedoch mit ausländischen Streitkräften und internationalen Organisationen zusammen.
Die internationale Kooperation umfasst Ausbildung, Übungen, Rüstungsbeschaffung, Erfahrungsaustausch, Friedensförderung und Katastrophenhilfe. Sie soll die Fähigkeit der Schweiz verbessern, moderne Bedrohungen zu erkennen und militärische Systeme wirksam einzusetzen.
Die Zusammenarbeit erfolgt unter Wahrung der schweizerischen Neutralität. Seit 1996 nimmt die Schweiz an der NATO-Partnerschaft für den Frieden teil. Sie beteiligt sich an ausgewählten Programmen, Übungen und Standardisierungsprojekten, ohne Bündnisverpflichtungen zu übernehmen.
Nach Ansicht der Armeeführung ist die internationale Kooperation für die Ausbildung und Verteidigungsfähigkeit besonders wichtig, weil zahlreiche militärische Fähigkeiten innerhalb des kleinen schweizerischen Staatsgebiets nicht vollständig trainiert werden können.[14]
Ausrüstung
Die Schweizer Armee verfügt über persönliche Waffen, gepanzerte Fahrzeuge, Artilleriesysteme, Militärflugzeuge, Helikopter, Drohnen, Kommunikationssysteme und umfangreiche logistische Mittel.
Als persönliche Standardwaffe dient vor allem das Sturmgewehr 90. Es wird während der Dienstzeit eingesetzt und kann unter bestimmten Voraussetzungen zwischen den Dienstleistungen zu Hause aufbewahrt werden. Die private Aufbewahrung militärischer Waffen ist gesellschaftlich und politisch wiederholt diskutiert worden.
Zu den schweren Systemen gehören der Kampfpanzer Leopard 2, der Schützenpanzer 2000, verschiedene Radschützenpanzer, Artilleriegeschütze und geschützte Fahrzeuge. Ein beträchtlicher Teil der Systeme muss in den kommenden Jahren modernisiert oder ersetzt werden.
Seit 2023 wird schrittweise das Modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem eingeführt. Es ersetzt mehrere ältere Ausrüstungskomponenten und soll Tragekomfort, Schutz und Anpassungsfähigkeit verbessern.[15]
Waffenplätze und Infrastruktur
Die Schweizer Armee nutzt Waffenplätze, Kasernen, Flugplätze, Schiessplätze, Logistikcenter, Führungsanlagen und unterirdische Einrichtungen in allen Landesteilen.
Zu den bedeutenden Waffenplätzen gehören unter anderem Thun, Bière, Frauenfeld, Walenstadt, Bure, Chamblon, Isone und Kloten-Bülach. Mehrere Anlagen werden gemeinsam mit zivilen Behörden oder zivilen Flugplatzbetreibern genutzt.
Die militärische Infrastruktur wurde während des Kalten Krieges stark ausgebaut. Dazu gehörten verbunkerte Führungsanlagen, Flugzeugkavernen, Festungswerke, Munitionslager und vorbereitete Sperrstellen. Viele dieser Anlagen wurden später aufgegeben, verkauft oder einer neuen Nutzung zugeführt.
Finanzierung und Beschaffung
Die Ausgaben für die Armee werden vom Bund finanziert. Grössere Beschaffungs- und Immobilienvorhaben werden dem Parlament gewöhnlich im Rahmen der jährlichen Armeebotschaft vorgelegt.
Die Beschaffung militärischer Systeme erfolgt überwiegend durch das Bundesamt für Rüstung armasuisse. Dieses prüft, beschafft und betreut Rüstungsgüter, Immobilien und technische Systeme.
Mit der Armeebotschaft 2026 beantragte der Bundesrat Verpflichtungskredite von rund 3,4 Milliarden Franken. Davon waren etwa 2,4 Milliarden Franken für Rüstungsbeschaffungen, 394 Millionen Franken als Zusatzkredit für die F-35A und 562 Millionen Franken für Immobilienprojekte vorgesehen.[16]
Beschaffungsprojekte sind regelmässig Gegenstand politischer Diskussionen und teilweise von Volksabstimmungen. Dabei werden Kosten, militärische Notwendigkeit, Neutralität, Abhängigkeit vom Ausland und wirtschaftliche Gegengeschäfte thematisiert.
Dienstgrade
Die Dienstgrade der Schweizer Armee gliedern sich in Mannschaftsgrade, Unteroffiziere, höhere Unteroffiziere, Offiziere und höhere Stabsoffiziere.
Zu den Mannschaftsgraden gehören Soldat, Gefreiter und Obergefreiter. Unteroffiziersgrade sind unter anderem Korporal, Wachtmeister und Oberwachtmeister. Bei den höheren Unteroffizieren finden sich Feldweibel, Fourier und Adjutant-Unteroffiziersgrade.
Die Offizierslaufbahn beginnt gewöhnlich mit dem Grad Leutnant. Es folgen Oberleutnant, Hauptmann, Major, Oberstleutnant und Oberst. Höhere Stabsoffiziere tragen die Grade Brigadier, Divisionär und Korpskommandant.
Der Grad General wird nur im Fall einer grösseren Mobilmachung durch die Bundesversammlung verliehen. Der General führt die Armee während des entsprechenden Aktivdienstes.
Geschichte
Alte Eidgenossenschaft
Die Alte Eidgenossenschaft besass keine dauerhaft zentral geführte Armee. Die einzelnen Orte stellten eigene Kontingente, die bei gemeinsamen Feldzügen zusammengeführt wurden.
Die eidgenössischen Truppen erlangten im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit einen Ruf als kampfstarke Infanterie. Ihre Erfolge gegen die Habsburger, das Herzogtum Burgund und andere Gegner prägten die militärische Identität der Eidgenossenschaft.
Nach der Niederlage in der Schlacht bei Marignano von 1515 nahm die eidgenössische Grossmachtpolitik ab. Schweizer Söldner dienten jedoch weiterhin in zahlreichen europäischen Armeen.
Helvetische Republik und Mediation
Während der Helvetischen Republik entstand unter französischem Einfluss eine zentral organisierte Streitmacht. Das System stiess jedoch auf Widerstand und konnte sich nicht dauerhaft etablieren.
Nach der Mediationsakte von 1803 erhielten die Kantone wieder grössere militärische Kompetenzen. Der Bundesvertrag von 1815 verpflichtete sie, Truppenkontingente für das Bundesheer bereitzustellen.
Sonderbundskrieg und Bundesstaat
Im Sonderbundskrieg von 1847 kämpften eidgenössische Truppen unter General Guillaume-Henri Dufour gegen den Sonderbund von sieben katholisch-konservativen Kantonen. Der kurze Krieg endete mit dem Sieg der eidgenössischen Seite.
Mit der Bundesverfassung von 1848 erhielt der neue Bundesstaat umfassendere Zuständigkeiten im Militärwesen. Die kantonalen Kontingente wurden zunehmend vereinheitlicht, blieben jedoch zunächst stark föderal geprägt.
Die Militärorganisation von 1874 stärkte die Bundeskompetenzen weiter. Ausbildung, Bewaffnung und Führung wurden schrittweise zentralisiert.
Erster Weltkrieg
Bei Beginn des Ersten Weltkriegs mobilisierte die Schweiz ihre Armee und wählte Ulrich Wille zum General. Die Truppen sicherten die Landesgrenzen, während die Schweiz neutral blieb.
Die lange Dienstzeit führte für viele Soldaten und ihre Familien zu wirtschaftlichen Belastungen. Innerhalb der Armee bestanden Spannungen zwischen deutsch- und französischsprachigen Landesteilen sowie Kritik am teilweise autoritären Führungsstil.
Gegen Ende des Krieges wurde die Armee während des Landesstreiks von 1918 zur Unterstützung der zivilen Behörden eingesetzt. Dieser Einsatz blieb politisch und gesellschaftlich umstritten.
Zweiter Weltkrieg
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Henri Guisan zum General gewählt. Die Armee mobilisierte mehrere Hunderttausend Männer und bereitete sich auf einen möglichen Angriff der Achsenmächte vor.
Nach der Niederlage Frankreichs im Jahr 1940 entwickelte die Armeeführung die Strategie des Réduits. Ein grosser Teil der kampfstarken Verbände sollte sich im Angriffsfall in den Alpenraum zurückziehen, wichtige Verkehrsachsen kontrollieren und dem Gegner eine langwierige Besetzung aufzwingen.
Die Armee leistete Grenzschutz, überwachte den Luftraum und internierte ausländische Militärpersonen. Zu direkten grösseren Kampfhandlungen auf schweizerischem Gebiet kam es nicht.
Kalter Krieg
Während des Kalten Krieges war die Schweizer Armee auf die Abwehr eines gross angelegten militärischen Angriffs ausgerichtet. Sie verfügte über mehrere Hunderttausend Angehörige und umfangreiche Befestigungen, Vorräte und Mobilmachungsinfrastrukturen.
Die Armee 61 bildete über Jahrzehnte die Grundlage der Landesverteidigung. Ihr Sollbestand lag bei über 600'000 Angehörigen. Die militärische Planung ging davon aus, dass die Schweiz im Fall eines europäischen Krieges weitgehend eigenständig Widerstand leisten müsste.
Gegen Ende des Kalten Krieges wuchs die Kritik an Grösse, Kosten und gesellschaftlicher Stellung der Armee. 1989 stimmten 35,6 Prozent der Stimmberechtigten einer Volksinitiative zur Abschaffung der Armee zu. Obwohl die Initiative deutlich abgelehnt wurde, galt das Ergebnis als Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels.
Armee 95
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Armee mit der Reform Armee 95 stark verkleinert. Der Sollbestand sank auf rund 400'000 Angehörige, die Dienstpflicht wurde verkürzt und zahlreiche Formationen wurden aufgelöst.
Die Reform sollte die Armee an die veränderte Bedrohungslage anpassen. Gleichzeitig blieben viele Strukturen der territorialen Landesverteidigung erhalten.
Armee XXI
Die Reform Armee XXI trat 2004 in Kraft. Sie reduzierte den Bestand auf ungefähr 200'000 Angehörige und verstärkte die Ausrichtung auf flexible Einsätze und die Unterstützung ziviler Behörden.
Mit der Reform wurden neue Führungsstrukturen geschaffen und das Durchdienermodell eingeführt. Die traditionelle Mobilmachungsorganisation wurde teilweise abgebaut.
Die Armee XXI wurde später dafür kritisiert, die Verteidigung gegen einen militärischen Angriff zu stark vernachlässigt und zu viele Fähigkeiten abgebaut zu haben.
Weiterentwicklung der Armee
Die Weiterentwicklung der Armee wurde ab 2018 umgesetzt. Sie reduzierte den Sollbestand auf 100'000 Angehörige, verbesserte die Bereitschaft und stärkte die regionale Verankerung durch vier Territorialdivisionen.
Ein zentrales Ziel war, innerhalb kurzer Zeit mehrere Tausend Angehörige aufbieten zu können. Material und Ausrüstung sollten wieder vollständiger den vorgesehenen Verbänden zugeteilt werden.
Seit den frühen 2020er-Jahren liegt der Schwerpunkt erneut stärker auf der Verteidigungsfähigkeit. Die Armee plant Investitionen in Luftverteidigung, Bodensysteme, Cyberabwehr, Führung, Logistik, Munitionsbestände und den Schutz gegen weitreichende Waffen.
Armee und Gesellschaft
Die Schweizer Armee ist aufgrund des Milizsystems eng mit der Gesellschaft verbunden. Ein beträchtlicher Teil der männlichen Bevölkerung hat zumindest zeitweise Militärdienst geleistet.
Der Militärdienst beeinflusst Berufsleben, Ausbildung und Familienplanung. Dienstpflichtige erhalten während ihrer Dienstzeit Sold und in der Regel eine Erwerbsersatzentschädigung. Arbeitgeber müssen die dienstbedingte Abwesenheit ihrer Mitarbeitenden berücksichtigen.
Die gesellschaftliche Haltung zur Armee ist unterschiedlich. Befürworter betrachten sie als notwendiges Instrument der Sicherheit, Verteidigung und Katastrophenhilfe. Kritiker beanstanden Kosten, Umweltauswirkungen, militärische Traditionen, Waffenbesitz oder bestimmte Beschaffungsprojekte.
In regelmässigen Volksabstimmungen entscheiden die Stimmberechtigten direkt oder indirekt über militärpolitische Fragen. Dadurch ist die Entwicklung der Armee eng mit der direkten Demokratie verbunden.
Militär und Umwelt
Die militärische Ausbildung beansprucht grosse Flächen und verursacht Lärm, Verkehr und Emissionen. Besonders Schiessplätze, Flugplätze und Übungsräume können zu Konflikten mit Bevölkerung, Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz führen.
Gleichzeitig befinden sich auf militärischen Arealen teilweise ökologisch wertvolle Lebensräume. Weil solche Flächen nur eingeschränkt landwirtschaftlich oder baulich genutzt werden, konnten sich dort seltene Pflanzen- und Tierarten erhalten.
Das Verteidigungsdepartement führt Programme zur Reduktion des Energieverbrauchs, zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Sanierung belasteter Standorte durch.
Kritik und Herausforderungen
Zu den wichtigsten Herausforderungen der Schweizer Armee gehören die personelle Alimentierung, die Modernisierung veralteter Systeme, der Aufbau ausreichender Munitions- und Materialbestände sowie der Schutz gegen Cyberangriffe und weitreichende Waffen.
Kritisiert wird, dass zwischen dem nominellen Bestand und der tatsächlich verfügbaren Einsatzstärke erhebliche Unterschiede bestehen. Wiederholungskurse erreichen nicht immer den vorgesehenen Personalbestand.
Weitere Diskussionen betreffen die Kosten der Aufrüstung, die Beschaffung des F-35A, internationale Abhängigkeiten bei Ersatzteilen und Munition sowie die Vereinbarkeit einer stärkeren militärischen Zusammenarbeit mit der Neutralität.
Auch Fälle von Diskriminierung, sexuellem Fehlverhalten, Rechtsextremismus und Mängeln in der Führungskultur werden öffentlich thematisiert. Die Armeeführung hat dazu Anlaufstellen, Präventionsprogramme und Untersuchungsverfahren eingerichtet.
Zukünftige Entwicklung
Die Schweizer Armee verfolgt das Ziel, ihre Verteidigungsfähigkeit in den Wirkungsräumen Boden, Luft, Cyberraum, elektromagnetischer Raum, Weltraum und Informationsraum zu stärken.[17]
Zu den vorgesehenen Investitionen gehören neue Kampfflugzeuge, bodengestützte Luftverteidigung, Kommunikationssysteme, Cyberfähigkeiten, geschützte Fahrzeuge, Sensoren und eine widerstandsfähigere Logistik.
Die Entwicklung erfolgt schrittweise bis in die 2030er-Jahre. Dabei müssen neue Systeme beschafft werden, während bestehende Mittel weiterhin betrieben und teilweise modernisiert werden.
Politisch wird gleichzeitig über die langfristige Ausgestaltung der Dienstpflicht diskutiert. Zur Debatte stehen Modelle, die Militärdienst, Zivilschutz und weitere sicherheitsrelevante Aufgaben in einem umfassenderen Pflichtsystem zusammenführen könnten.
Siehe auch
- Militärgeschichte der Schweiz
- Heer (Schweiz)
- Schweizer Luftwaffe
- Milizsystem
- Militärdienstpflicht in der Schweiz
- Zivildienst in der Schweiz
- Zivilschutz in der Schweiz
- Neutralität der Schweiz
- Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport
- Bundesamt für Rüstung
- Swisscoy
- General (Schweiz)
- Schweizer Réduit
Literatur
- Hans Rudolf Fuhrer: Die Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg. Bedrohung, Landesverteidigung und Landesbefestigung. NZZ Libro, Zürich.
- Willi Gautschi: General Henri Guisan. Die schweizerische Armeeführung im Zweiten Weltkrieg. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich.
- Rudolf Jaun: Geschichte der Schweizer Armee. Vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Orell Füssli, Zürich 2019.
- Schweizer Armee: Zielbild und Strategie für die Armee der Zukunft. Bern 2023.
- Schweizer Armee: Verteidigen können, um nicht zu müssen. Bern 2025.
Weblinks
- Offizielle Website der Gruppe Verteidigung
- Milizportal der Schweizer Armee
- Organisation der Schweizer Armee
- Heer
- Luftwaffe
- Militärische Friedensförderung
- Bundesgesetz über die Armee und die Militärverwaltung in Fedlex
Einzelnachweise
- ↑ Korpskommandant Benedikt Roos. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Bundesgesetz über die Armee und die Militärverwaltung. In: Fedlex. Hrsg.: Schweizerische Eidgenossenschaft. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Leitlinien des Bundesrates für die Verteidigung. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. 2026-06-19. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Bundesgesetz über die Wehrpflichtersatzabgabe. In: Fedlex. Hrsg.: Schweizerische Eidgenossenschaft. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Organisation. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Kommando Operationen. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Logistikbasis der Armee. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Heer. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Luftwaffe. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Militärpolizei. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Verteidigen können, um nicht zu müssen. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. 2025-08-12. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ World Economic Forum. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Militärische Friedensförderung. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Die internationale Kooperation der Schweizer Armee. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Das modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Armeebotschaft 2026. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. 2026-03-20. Abgerufen am 2026-07-26.
- ↑ Zielbild und Strategie für die Armee der Zukunft. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.
Wikimedia Commons: Medien zu Schweizer Armee