Bahnhof Eschlikon

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Bahnhof Eschlikon
Offizieller Name Eschlikon TG
Gemeinde Eschlikon
Kanton Thurgau
Bezirk Münchwilen
Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur
Art Zwischenbahnhof
Lage Durchgangsbahnhof
Eröffnung 14. Oktober 1855
Höhe 566,8 m ü. M.
Eigentümerin SBB
Betreiberinnen SBB, Thurbo
Gleise 2 Perrongleise
Perrons 2 Seitenperrons
Verkehrslinien S12, S35
Nachtverkehr SN21
Busanschluss Linien 735 und 736
Tarifzonen 915 und 917 (OSTWIND)

Der Bahnhof Eschlikon, offiziell Eschlikon TG, ist ein Bahnhof in der politischen Gemeinde Eschlikon im Kanton Thurgau. Er liegt an der Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur zwischen den Stationen Guntershausen und Sirnach. Bedient wird er durch die Linien S12 und S35 der S-Bahn Zürich.

Mit einer Schienenhöhe von 566,8 Metern über Meer ist Eschlikon der höchstgelegene Bahnhof im Kanton Thurgau.[1] Die Anlage gehört den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Ein Teil des Regionalverkehrs wird von der Bahngesellschaft Thurbo geführt.

Lage

Der Bahnhof befindet sich westlich des historischen Dorfkerns von Eschlikon. Die Bahnhofstrasse verbindet die Station mit dem Ortszentrum. Südlich der Gleise liegen die Bahnhofstrasse und das im Bahnhofsgebäude untergebrachte Ladenlokal, während sich auf der Nordseite Parkplätze, Veloabstellplätze und weitere Verkehrsanlagen befinden.

Die Bahnstrecke verläuft im Bereich des Bahnhofs ungefähr in Ost-West-Richtung. In Richtung Westen führt sie über Guntershausen und Aadorf nach Winterthur, in Richtung Osten über Sirnach nach Wil. Die Strecke ist zweigleisig und mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt bei 16,7 Hertz elektrifiziert.

Der Bahnhof liegt am Rand der OSTWIND-Tarifzonen 915 und 917. Dadurch bildet Eschlikon zugleich einen Übergangspunkt zwischen dem Hinterthurgau und dem Raum Winterthur.[2]

Geschichte

Eröffnung der Bahnstrecke

Der Bahnhof entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Bahnlinie von Winterthur nach Wil durch die St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn. Die Bauarbeiten waren insbesondere im sumpfigen Gelände zwischen Eschlikon und Sirnach anspruchsvoller als ursprünglich erwartet. Ein für diesen Streckenabschnitt verantwortlicher Bauunternehmer ging während der Arbeiten in Konkurs.

Am 14. Oktober 1855 wurde der Betrieb zwischen Winterthur und Wil aufgenommen. Zu Beginn verkehrten täglich drei Züge in jeder Richtung. Der veröffentlichte Fahrplan trat am folgenden Tag in Kraft.[3]

Mit der Eröffnung erhielt Eschlikon Anschluss an die Wirtschaftszentren Winterthur, Wil und St. Gallen. Die Eisenbahn verkürzte die Reise- und Transportzeiten erheblich und wurde zu einem wichtigen Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes.

Erste Stationsgebäude

Bei der Aufnahme des Bahnbetriebs besass Eschlikon noch kein eigentliches Aufnahmegebäude. Die finanziellen Mittel der Bahngesellschaft reichten zunächst lediglich für einen Güterschuppen. Dieser wurde schrittweise zu einem einfachen Stationsgebäude erweitert.

1890 ersetzte die Bahngesellschaft die ursprüngliche Anlage durch das heutige Bahnhofsgebäude. Der zweigeschossige Bau mit angebautem Güterschuppen wurde zu einem prägenden Gebäude am westlichen Ende der Bahnhofstrasse.[3]

Der Bahnhof lag ursprünglich nicht auf dem Gebiet der damaligen Ortsgemeinde Eschlikon, sondern auf dem Gebiet von Wallenwil. Als Grund für die Standortwahl gelten die ungünstigen Bodenverhältnisse näher beim Eschliker Dorfkern. Erst bei einer Neuordnung und einem Landabtausch im Jahr 1963 kam das Bahnhofsgelände vollständig zu Eschlikon. 1997 schlossen sich Eschlikon, Wallenwil und Hurnen zur heutigen politischen Gemeinde Eschlikon zusammen.[3]

Bahngesellschaften und Ausbau

Wegen finanzieller Schwierigkeiten fusionierte die St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn 1857 mit anderen Gesellschaften zu den Vereinigten Schweizerbahnen. Im Zuge der Verstaatlichung der grossen Privatbahnen ging die Strecke 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.

Der Abschnitt Eschlikon–Wil wurde am 1. Mai 1912 auf Doppelspur ausgebaut. Der westlich anschliessende Abschnitt Aadorf–Eschlikon folgte am 28. August desselben Jahres. Damit war die Strecke durch Eschlikon vollständig zweigleisig befahrbar.[4]

1927 elektrifizierten die SBB die Strecke. Die bis dahin eingesetzten Dampflokomotiven wurden im regulären Verkehr durch elektrische Triebfahrzeuge abgelöst.[3]

Einfluss auf die Siedlungsentwicklung

Die Eisenbahn veränderte die räumliche Entwicklung Eschlikons grundlegend. Der alte Dorfkern lag zunächst deutlich vom Bahnhof entfernt. Zwischen etwa 1870 und 1920 entwickelte sich entlang der Bahnhofstrasse ein langgestrecktes Siedlungsband mit Wohnhäusern, Gewerbebauten und mehreren Stickereibetrieben.

Die Bahnhofstrasse wurde dadurch zu einer der wichtigsten Entwicklungsachsen der Gemeinde. Der Bahnhof erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fertigwaren und begünstigte die Ansiedlung von Betrieben der Textilindustrie. Während mehrerer Jahrzehnte erlebte Eschlikon eine wirtschaftliche Wachstumsphase.[3]

Unterführung der Hauptstrasse

Der Bahnübergang bei der Strassenverbindung unterhalb des Bahnhofs führte wegen des zunehmenden Strassen- und Bahnverkehrs zu langen Wartezeiten. Bereits 1916 wurde in der Thurgauer Zeitung eine andere Lösung gefordert.

Am 30. Oktober 1989 wurde die neue Strassenunterführung eröffnet. Anschliessend entfernte man die Schrankenanlage des bisherigen Niveauübergangs. Die Unterführung trennte den Strassenverkehr dauerhaft vom Bahnverkehr und verbesserte die Verbindung zwischen den Gebieten nördlich und südlich der Bahnlinie.[3]

Umbau 2000 und 2001

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts mussten Reisende zum Erreichen eines Perrons teilweise die Gleise niveaugleich überqueren. Eschlikon war damit eine der letzten Stationen an der Strecke St. Gallen–Winterthur mit einem solchen Zugang.

In den Jahren 2000 und 2001 modernisierten die SBB den Bahnhof in zwei Bauetappen. Dabei entstanden neue Perronanlagen und eine sichere Verbindung zwischen den beiden Bahnhofseiten. Gleichzeitig nahm ein ferngesteuertes Stellwerk den Betrieb auf. Die örtliche Bedienung der Sicherungsanlagen und die dauerhafte Anwesenheit von Bahnhofspersonal wurden damit überflüssig.[5]

Im Bahnhofsgebäude wurde 2001 ein Avec-Laden eröffnet. Der Laden übernahm einen Teil der früheren Zentrumsfunktion des bedienten Bahnhofs und entwickelte sich zu einem lokalen Treffpunkt. Der Güterverkehr wurde nicht mehr in Eschlikon abgewickelt; entsprechende Verladearbeiten wurden nach Wil verlegt.[3]

Anlage

Der Bahnhof besitzt zwei durchgehende Hauptgleise mit je einem Seitenperron. Die Perrons dienen den Zügen in Richtung Winterthur beziehungsweise Wil. Sie sind durch eine Personenunterführung miteinander sowie mit den nördlichen und südlichen Zugängen verbunden.

Das historische Bahnhofsgebäude steht auf der Südseite der Gleise. Es wird nicht mehr für die betriebliche Abfertigung der Züge benötigt. Im Erdgeschoss befinden sich Verkaufs- und Dienstleistungsräume, darunter ein Avec-Laden. Fahrkarten können über Automaten und digitale Vertriebskanäle gekauft werden.

Zu den Einrichtungen am Bahnhof gehören gedeckte Wartebereiche, Fahrgastinformationen, Veloabstellplätze und eine P+Rail-Anlage. Nach Angaben der SBB stehen 80 Autoparkplätze zur Verfügung, darunter drei Plätze für Menschen mit Behinderungen. Die gedeckte Velostation umfasst rund 100 Abstellplätze; zusätzlich bestehen Stellplätze für motorisierte Zweiräder.[6]

Auf der Südseite befindet sich ein Standort des Carsharing-Unternehmens Mobility. Die nördliche P+Rail-Anlage dient vor allem Pendlerinnen und Pendlern aus Eschlikon und den umliegenden Ortschaften.[6]

Bahnverkehr

S-Bahn

Der Bahnhof wird durch die Linien S12 und S35 der S-Bahn Zürich bedient. Zusammen bilden sie zwischen Winterthur und Wil grundsätzlich einen Halbstundentakt.[7]

S12: Brugg AGBadenZürich HBWinterthurAadorfEschlikon TGWil
S35: WinterthurWinterthur GrüzeRäterschenSchottikonElggAadorfGuntershausenEschlikon TGSirnachWil

Die S12 schafft an Werktagen direkte Verbindungen über Winterthur hinaus nach Zürich, Baden und Brugg. Die S35 verbindet Eschlikon mit sämtlichen wichtigen Regionalverkehrshalten zwischen Winterthur und Wil. In Winterthur und Wil bestehen Anschlüsse an den Fernverkehr und an weitere regionale Bahnlinien.[8]

An den Wochenenden wird das reguläre Angebot zwischen Winterthur und Wil im Wesentlichen durch die S35 sichergestellt. In den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag halten zusätzliche Züge des Ostschweizer Nachtnetzes in Eschlikon. Die Nachtverbindung SN21 verbindet den Raum Winterthur über Wil mit St. Gallen.

Fahrzeuge

Auf der S35 werden überwiegend Regionalzüge von Thurbo eingesetzt. Traditionell handelte es sich dabei vor allem um elektrische Gelenktriebwagen des Typs Stadler GTW. Ab 2026 ersetzt Thurbo diese Fahrzeuge schrittweise durch neue, niederflurige Triebzüge des Typs Flirt Evo. Die S12 wird vorwiegend mit S-Bahn-Fahrzeugen der SBB geführt.

Die eingesetzten Züge verfügen über Niederflureinstiege, Mehrzweckabteile sowie Stellplätze für Velos, Kinderwagen und Rollstühle. Die tatsächliche Zugbildung kann abhängig von Tageszeit, Nachfrage und betrieblicher Verfügbarkeit variieren.

Busverkehr

Südlich des Bahnhofs befindet sich die Bushaltestelle Eschlikon TG, Bahnhof Süd. Sie wird von den WilMobil-Linien 735 und 736 bedient.

Die Linie 735 verbindet Wil über Sirnach und Eschlikon mit Wallenwil, Balterswil und Bichelsee:[9]

735: Wil SG, Bahnhof – Sirnach – Eschlikon TG, altes Schulhaus – Eschlikon TG, Mitteldorf – Eschlikon TG, Industrie – Eschlikon TG, Bahnhof Süd – Wallenwil – Balterswil – Bichelsee

Die Linie 736 stellt Verbindungen in Richtung Wallenwil und Balterswil sowie über Sirnach und Münchwilen nach Tägerschen her:[10]

736: Tägerschen – St. Margarethen TG – Münchwilen TG – Sirnach – Eschlikon TG, altes Schulhaus – Eschlikon TG, Mitteldorf – Eschlikon TG, Industrie – Eschlikon TG, Bahnhof Süd – Wallenwil/Ifwil/Balterswil

Die Buslinien erschliessen insbesondere jene Ortsteile und Nachbargemeinden, die keinen eigenen direkten Bahnanschluss besitzen. Die Fahrpläne sind soweit möglich auf die Bahnanschlüsse in Eschlikon, Wil und Münchwilen abgestimmt.

Bedeutung

Der Bahnhof ist der wichtigste Zugang zum überregionalen öffentlichen Verkehr in der Gemeinde Eschlikon. Er dient sowohl dem Pendlerverkehr nach Winterthur, Zürich, Wil und St. Gallen als auch dem lokalen Schüler-, Einkaufs- und Freizeitverkehr.

Für die räumliche Entwicklung Eschlikons hatte der Bahnhof eine besondere Bedeutung. Das ursprünglich vom Bahnhof getrennte Dorf wuchs entlang der Bahnhofstrasse zunehmend mit der Station zusammen. Dadurch verlagerte sich ein Teil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens vom alten Dorfkern in Richtung Bahnlinie.

Der Bahnhof übernimmt ausserdem eine regionale Umsteigefunktion für Reisende aus Wallenwil, Balterswil, Bichelsee und Teilen von Sirnach. P+Rail-, Velo- und Busanlagen erweitern sein Einzugsgebiet über das eigentliche Siedlungsgebiet von Eschlikon hinaus.

Besonderheiten

Mit 566,8 Metern Schienenhöhe gilt Eschlikon als höchstgelegener Bahnhof des Kantons Thurgau. Die Höhenlage ergibt sich aus der Lage auf dem Übergang zwischen dem Eulachtal bei Winterthur und dem Einzugsgebiet der Murg bei Sirnach und Wil.[1]

Eine weitere Besonderheit ist die historische Lage des Bahnhofs. Obwohl er den Namen Eschlikon trug, stand er während mehr als eines Jahrhunderts auf dem Gebiet der damaligen Ortsgemeinde Wallenwil. Erst der Landabtausch von 1963 beseitigte diese ungewöhnliche Situation.

Im ehemaligen Stellwerkraum des Bahnhofsgebäudes richtete der Historische Verein Eschlikon ein kleines Bahnhofsmuseum ein. Es erinnert an die örtliche Eisenbahngeschichte und an die frühere Bedienung der Weichen und Signale.[11]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Bahnhof Eschlikon, Gemeinde Eschlikon, abgerufen am 4. August 2026.
  2. Linien und Tarifzonen im OSTWIND-Gebiet, Tarifverbund OSTWIND, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 4. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 Höchstgelegener Bahnhof – Geschichte der Eisenbahn in Eschlikon, Gemeinde Eschlikon, 2018, S. 5–7, abgerufen am 4. August 2026.
  4. Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen, Schienenverkehr Schweiz, abgerufen am 4. August 2026.
  5. Bahnhof-Umbau 2000, Gemeinde Eschlikon, 2018, S. 13, abgerufen am 4. August 2026.
  6. 6,0 6,1 Bahnhof Eschlikon TG, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
  7. Öffentlicher Verkehr, Gemeinde Eschlikon, abgerufen am 4. August 2026.
  8. Zürcher S-Bahn, S-Bahn St. Gallen, S-Bahn Schaffhausen und S-Bahn Bodensee, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 4. August 2026.
  9. Linie 735 Wil SG, Bahnhof–Bichelsee, Dorf, WilMobil, abgerufen am 4. August 2026.
  10. Linie 736 Tägerschen, Bahnhof–Wallenwil, Schulhaus, WilMobil, abgerufen am 4. August 2026.
  11. Einweihung Bahnhofsmuseum, in: Eschliker Nachrichten, Mai 2017, Gemeinde Eschlikon, abgerufen am 4. August 2026.