Adolf Guyer-Zeller

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Adolf Guyer-Zeller
Geboren 1. Mai 1839
Neuthal, Bäretswil
Gestorben 3. April 1899
Zürich
Bürgerort Bauma, Bäretswil, später Zürich
Beruf Unternehmer, Industrieller, Eisenbahnunternehmer
Politische Tätigkeit Mitglied des Zürcher Kantonsrats
Partei liberal
Bekannt für Initiator der Jungfraubahn und der Uerikon-Bauma-Bahn
Unternehmen Baumwollspinnerei Neuthal, Guyer-Zeller-Bank

Adolf Guyer-Zeller (* 1. Mai 1839 in Neuthal bei Bäretswil; † 3. April 1899 in Zürich) war ein Schweizer Unternehmer, Textilindustrieller, Politiker und Eisenbahnpionier. Er gehörte zu den einflussreichen Schweizer Eisenbahnunternehmern des späten 19. Jahrhunderts und ist insbesondere als Initiator der Jungfraubahn und der Uerikon-Bauma-Bahn bekannt.[1]

Guyer-Zeller stammte aus einer Unternehmerfamilie des Zürcher Oberlands. Er übernahm die väterliche Baumwollspinnerei im Neuthal, baute ein internationales Textilhandelsgeschäft auf und wandte sich später verstärkt dem Eisenbahn- und Finanzwesen zu. 1894 übernahm er die Führung der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) und gründete im selben Jahr die Guyer-Zeller-Bank.[1]

Sein bekanntestes Projekt war die Jungfraubahn. Die Idee dazu entwickelte er 1893 während einer Wanderung im Berner Oberland. Guyer-Zeller erlebte die Fertigstellung seines Projekts nicht mehr; die Bahn erreichte das Jungfraujoch erst 1912, dreizehn Jahre nach seinem Tod.[2]

Herkunft und Familie

Adolf Guyer wurde am 1. Mai 1839 im Neuthal in der Gemeinde Bäretswil geboren. Sein Vater Johann Rudolf Guyer (1803–1876) war ein bedeutender Textilunternehmer im Zürcher Oberland und Eigentümer der Baumwollspinnerei Neuthal. Seine Mutter war Anna Magdalena, geborene Wepf.[1]

Der Unternehmer und Politiker Heinrich Gujer war ein Onkel Adolf Guyers.

1869 heiratete Guyer Anna Wilhelmina Zeller, eine Tochter des Unternehmers Johann Jakob Zeller und von Elisabetha Mathilde Klauser. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Mathilde, Johann Rudolf und Gebhard Guyer.[1]

Nach der Heirat führte er den Namen Guyer-Zeller.

Ausbildung

Guyer besuchte zunächst die Sekundarschule in Bauma und anschliessend die Kantonsschule in Zürich. Von 1857 bis 1858 studierte er in Genf Nationalökonomie und Geologie.[1]

Eine besondere Bedeutung für seine weitere Entwicklung hatten ausgedehnte Reisen. Zwischen 1857 und 1863 besuchte Guyer zahlreiche Zentren der Baumwollproduktion und Textilverarbeitung in Europa, Nord- und Südamerika, Ägypten und im Nahen Osten. Dabei knüpfte er Kontakte zu Kaufleuten, Fabrikanten und Händlern und beschäftigte sich intensiv mit Produktionsmethoden und internationalen Handelsbeziehungen.[1]

Zu seinen Reisezielen gehörten unter anderem Frankreich, Grossbritannien, Belgien, die Niederlande, die Vereinigten Staaten, Kuba und Ägypten.

Seine ausführlichen Reisetagebücher stellen heute eine wichtige Quelle zur Persönlichkeit Guyer-Zellers und zur Wirtschafts- und Mentalitätsgeschichte des 19. Jahrhunderts dar.

Textilunternehmer

Baumwollspinnerei Neuthal

1863 trat Guyer in die Baumwollspinnerei seines Vaters im Neuthal ein. 1866 wurde er Teilhaber, 1874 übernahm er die Fabrik vollständig.[3]

Die Spinnerei war bereits unter Johann Rudolf Guyer zu einem bedeutenden Industriebetrieb geworden. 1853 war sie die sechstgrösste Baumwollspinnerei des Kantons Zürich.[3]

Adolf Guyer-Zeller vergrösserte das Unternehmen und modernisierte den Betrieb. Die Fabrikanlagen im Neuthal nutzten die Wasserkraft des Müetschbachs beziehungsweise seiner Zuflüsse zur Energiegewinnung.

Das historische Industrieensemble ist erhalten und beherbergt heute das Museum Neuthal Textil- und Industriekultur. Dort werden die Geschichte der Textilindustrie, der Wasserkraft und der Industrialisierung im Zürcher Oberland dokumentiert.[4]

Internationaler Handel

1869 verlegte Guyer-Zeller seinen Wohn- und Geschäftssitz nach Zürich. Dort gründete er ein Textilhandelsunternehmen und entwickelte weitreichende internationale Geschäftsbeziehungen. Diese erstreckten sich bis nach Indien.[1]

Ab 1871 leitete er zusätzlich die Weberei Oberkempten. Von 1880 bis 1890 war er Verwaltungsratspräsident der Papierfabrik an der Sihl.[1]

Die Kombination aus industrieller Produktion, internationalem Handel und Finanzgeschäften verschaffte Guyer-Zeller beträchtliches Vermögen und ermöglichte ihm später umfangreiche Investitionen in Eisenbahnunternehmen.

Politik

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagierte sich Guyer-Zeller in der Zürcher Politik. Er gehörte dem liberalen Lager an und sass in zwei Perioden im Zürcher Kantonsrat: von 1869 bis 1872 sowie von 1875 bis 1889.[5]

Seine erste Amtsperiode begann am 14. Juni 1869 und endete am 16. Juni 1872. Am 14. Juni 1875 kehrte er in den Kantonsrat zurück und gehörte ihm bis zum 7. Januar 1889 an.[5]

Von 1888 bis zu seinem Tod im Jahr 1899 wirkte Guyer-Zeller zudem als griechischer Generalkonsul in Zürich.[1]

Einstieg ins Eisenbahnwesen

Während der Schweizer Eisenbahnkrise der 1870er-Jahre kaufte Guyer-Zeller Aktien verschiedener Bahngesellschaften. Sein finanzieller Einfluss auf das Schweizer Eisenbahnwesen nahm in den folgenden Jahren kontinuierlich zu.

Besondere Bedeutung erlangte seine Beteiligung an der Schweizerischen Nordostbahn (NOB). Die NOB war eine der grössten privaten Eisenbahngesellschaften der Schweiz und betrieb ein umfangreiches Netz in der Nordostschweiz.[6]

Durch seinen umfangreichen Aktienbesitz konnte Guyer-Zeller zunehmend Einfluss auf die Gesellschaft ausüben.

Schweizerische Nordostbahn

1894 führte Guyer-Zeller einen Machtwechsel bei der Nordostbahn herbei. Verwaltungsrat und Direktion wurden abgelöst, und Guyer-Zeller übernahm selbst das Präsidium des Verwaltungsrats.[1]

Unter seiner Leitung wurde die NOB ausgesprochen gewinnorientiert geführt. Guyer-Zellers Verhältnis zur Arbeiterschaft war konfliktbeladen. Seine ablehnende Haltung gegenüber Lohnforderungen und Forderungen nach verbesserten Arbeitsbedingungen führte 1897 zu einem grossen Eisenbahnerstreik.

Rund 5'000 Beschäftigte beteiligten sich am Arbeitskampf. Schliesslich musste der Bundesrat vermitteln.[6]

Der Konflikt verstärkte die politische Kritik an den privaten Eisenbahngesellschaften. Die Auseinandersetzungen bei der NOB trugen zur Zustimmung zum sogenannten Rückkaufgesetz von 1898 bei, das die Grundlage für die Verstaatlichung der wichtigsten Schweizer Privatbahnen bildete.[6]

Die NOB wurde 1902, drei Jahre nach Guyer-Zellers Tod, in die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) integriert.

Guyer-Zeller-Bank

1894 gründete Adolf Guyer-Zeller die Guyer-Zeller-Bank in Zürich. Das Finanzinstitut diente unter anderem der Finanzierung seiner Eisenbahnprojekte.[1]

Besonders wichtig war die Bank für die Finanzierung der geplanten Jungfraubahn. Das Projekt erforderte für damalige Verhältnisse ausserordentlich hohe Investitionen und war mit erheblichen technischen und wirtschaftlichen Risiken verbunden.

Die Bank bestand weit über den Tod ihres Gründers hinaus und wurde später Teil internationaler Finanzkonzerne.

Jungfraubahn

Entstehung der Idee

Das berühmteste Projekt Guyer-Zellers war die Jungfraubahn.

Am Sonntag, dem 27. August 1893, wanderte der damals 54-jährige Unternehmer mit seiner Tochter oberhalb von Mürren. Von dort sah er über das Lauterbrunnental auf Eiger, Mönch und Jungfrau und beobachtete einen Zug der kurz zuvor eröffneten Wengernalpbahn, der zur Kleinen Scheidegg hinauffuhr.[2]

Noch während dieser Wanderung entwickelte er die Idee, die Kleine Scheidegg als Ausgangspunkt einer Bahn zur Jungfrau zu verwenden.

In der folgenden Nacht zeichnete Guyer-Zeller im Kurhaus von Mürren eine erste Skizze der geplanten Bahnstrecke.[2]

Projekt

Das Projekt unterschied sich wesentlich von früheren Vorschlägen zur Erschliessung der Jungfrau. Statt im Lauterbrunnental zu beginnen, sollte die Bahn erst bei der bereits mit der Wengernalpbahn erreichbaren Kleinen Scheidegg starten.

Von dort sollte eine elektrisch betriebene Zahnradbahn zunächst oberirdisch bis zum Eigergletscher führen. Anschliessend war eine weitgehend unterirdische Strecke durch das Massiv von Eiger und Mönch vorgesehen.

Mehrere Tunnelstationen mit Aussichtsmöglichkeiten sollten bereits während der Bauzeit als eigenständige touristische Ziele genutzt werden. Auf diese Weise konnten fertiggestellte Teilabschnitte Einnahmen erwirtschaften, während der Tunnel weiter vorgetrieben wurde.[2]

Ursprünglich wollte Guyer-Zeller die Bahn bis nahe an den Gipfel der Jungfrau führen. Für den letzten Abschnitt war ein Aufzug vorgesehen.

Konzession

Knapp vier Monate nach seiner Wanderung von 1893 reichte Guyer-Zeller das Konzessionsgesuch beim Bund ein.

Am 21. Dezember 1894 erhielt er die Konzession für den Bau der Jungfraubahn.[2]

Guyer-Zeller verpflichtete sich zudem, sich an der Finanzierung eines wissenschaftlichen Observatoriums auf dem Mönch oder der Jungfrau zu beteiligen.

Baubeginn

Am 27. Juli 1896 erfolgte der erste Spatenstich für die Jungfraubahn. Zunächst wurde die offene Strecke zwischen der Kleinen Scheidegg und dem Eigergletscher gebaut.[2]

Da die Bahn von Beginn an elektrisch betrieben werden sollte, entstanden gleichzeitig Kraftwerke in Lauterbrunnen und bei Burglauenen in der Nähe von Grindelwald.

Im September 1898 wurde die erste Teilstrecke bis zum Eigergletscher eröffnet. Guyer-Zeller organisierte eine aufwendige Eröffnungsfeier mit rund 450 geladenen Gästen. Gleichzeitig diente die Veranstaltung dazu, weitere Investoren für das kostspielige Projekt zu gewinnen.[2]

Tod während des Baus

Adolf Guyer-Zeller starb am 3. April 1899 in Zürich im Alter von 59 Jahren.[1]

Zu diesem Zeitpunkt war die Jungfraubahn erst teilweise fertiggestellt. Sein Tod sowie zunehmende Finanzierungsschwierigkeiten verzögerten den Weiterbau erheblich.[2]

Die ursprünglichen Pläne wurden später verändert. Statt bis zum Gipfel der Jungfrau wurde die Bahn nur bis zum Jungfraujoch geführt.

Am 21. Februar 1912 erfolgte der Tunneldurchschlag zum Jungfraujoch. Am 1. August 1912 wurde die vollständige Bahnstrecke von der Kleinen Scheidegg zum Jungfraujoch eröffnet.

Guyer-Zeller erlebte damit weder die Eröffnung der Stationen Eigerwand und Eismeer noch die Vollendung seines wichtigsten Eisenbahnprojekts.

Uerikon-Bauma-Bahn

Ein weiteres bedeutendes Eisenbahnprojekt Guyer-Zellers war die Uerikon-Bauma-Bahn (UeBB).

Die Bahn sollte eine Querverbindung durch das Zürcher Oberland herstellen und den Raum am Zürichsee über Hinwil, Bäretswil und Bauma mit dem Tösstal verbinden.

Guyer-Zeller gehörte zu den wichtigsten Initiatoren des Projekts.[7]

Auch die Eröffnung dieser Bahn erlebte er nicht mehr. Die Uerikon-Bauma-Bahn nahm ihren Betrieb am 1. Juni 1901 auf.

Die Bahn konnte die wirtschaftlichen Erwartungen langfristig nicht erfüllen. Teile ihrer ehemaligen Strecke werden heute von der Dampfbahn Zürcher Oberland genutzt.

Weitere Eisenbahnprojekte

Guyer-Zeller entwickelte oder unterstützte neben der Jungfraubahn und der Uerikon-Bauma-Bahn weitere ambitionierte Eisenbahnprojekte.

Dazu gehörten Pläne für eine Eisenbahn über den Ofenpass. Eine solche Strecke sollte langfristig Bestandteil einer grossräumigen Verbindung vom schweizerischen Eisenbahnnetz über das Engadin in Richtung Österreich und Triest werden.

Unter Bezeichnungen wie Engadin-Orientbahn wurden Verbindungen diskutiert, die weit über die regionale Erschliessung hinausgingen. Guyer-Zellers Tod verhinderte jedoch eine weitere persönliche Förderung dieser Projekte.

Guyer-Zeller-Wege

Adolf Guyer-Zeller war ein begeisterter Wanderer, Naturfreund und Bergsteiger. Ab 1889 liess er in der Umgebung des Neuthals und von Bauma ein ausgedehntes Netz von Wanderwegen errichten.[8]

Das Wegnetz erreichte eine Länge von rund 25 Kilometern. Es führt durch Tobel, Wälder und über Höhenzüge des Zürcher Oberlands, unter anderem in Richtung Gryffenberg, Hohenegg und Stoffel.[8]

Die Wege wurden aufwendig mit Treppen, Stegen, Brücken und Geländern ausgestattet. Sie führen in verschiedenen Richtungen zum Industriegebiet Neuthal.

Die heute als Guyer-Zeller-Wege bezeichneten Routen sind teilweise weiterhin erhalten und gehören zu den kulturhistorischen Wanderwegen der Region.

Unternehmer und Arbeiterschaft

Guyer-Zellers Verhältnis zu seinen Beschäftigten war von dem für das 19. Jahrhundert charakteristischen paternalistischen Unternehmerverständnis geprägt.

Einerseits unterstützte er Einrichtungen und Projekte für die Bevölkerung seiner Heimatregion und liess unter anderem die Guyer-Zeller-Wege bauen. Andererseits vertrat er gegenüber Arbeitnehmerforderungen häufig eine ausgesprochen harte Position.[1]

Besonders deutlich zeigte sich dies während des Eisenbahnerstreiks bei der Nordostbahn 1897. Guyer-Zeller lehnte wesentliche Lohn- und Arbeitszeitforderungen zunächst ab, bevor der Bund in den Konflikt eingriff.[6]

Das Historische Lexikon der Schweiz beschreibt ihn einerseits als vielseitigen, geschickten und visionären Geschäftsmann, andererseits als autoritär auftretenden Unternehmer, für den gesellschaftliche Hierarchien weitgehend selbstverständlich waren.[1]

Kolonialismus und Haltung zur Sklaverei

Guyer-Zellers Reisetagebücher und politische Schriften ermöglichen auch Einblicke in seine Haltung zu Kolonialismus und Rassismus im 19. Jahrhundert.

Während seiner Reisen besuchte er Plantagen in den Südstaaten der Vereinigten Staaten und auf Kuba und beobachtete dort die Sklaverei unmittelbar. Weitere Erfahrungen machte er mit unfreier Arbeit auf Baumwollfeldern im Niltal.[1]

Seine Aufzeichnungen zeigen widersprüchliche Überlegungen zur Sklaverei. Nach der 2024 überarbeiteten Darstellung des Historischen Lexikons der Schweiz rechtfertigte und verharmloste er das System zeitweise mit historischen, theologischen, rassentheoretischen und insbesondere wirtschaftlichen Argumenten.[1]

Auch gegenüber dem europäischen Kolonialismus vertrat Guyer-Zeller Vorstellungen, die dem imperialistischen Denken seiner Epoche entsprachen. Er entwarf geopolitische Konzepte für Eisenbahnverbindungen zwischen Europa, Afrika und Asien und befürwortete europäische Einflusszonen in anderen Weltregionen.[1]

Er schlug unter anderem die Bildung einer schweizerischen Afrikanischen Gesellschaft vor. Ein solches Unternehmen wurde jedoch nicht verwirklicht.

Diese Aspekte seines Denkens werden in der neueren historischen Forschung stärker berücksichtigt und ergänzen das ältere Bild Guyer-Zellers als ausschliesslich technisch und wirtschaftlich orientierten Eisenbahnpionier.

Persönlichkeit

Zeitgenössische und spätere Darstellungen beschreiben Guyer-Zeller als ausserordentlich energischen und selbstbewussten Unternehmer. Er verband technische Visionen mit ausgeprägtem Geschäftssinn und war bereit, für seine Projekte beträchtliche finanzielle Risiken einzugehen.

Sein unternehmerischer Stil war zugleich stark auf seine eigene Person zugeschnitten. Dies zeigte sich sowohl bei der Übernahme der Nordostbahn als auch bei der Durchsetzung des Jungfraubahnprojekts.

Seine internationalen Reisen, seine Tätigkeit im Textilhandel und seine Beschäftigung mit Eisenbahnnetzen prägten eine Weltanschauung, in der wirtschaftliche Entwicklung, technischer Fortschritt und Verkehrsinfrastruktur eng miteinander verbunden waren.

Nachlass

Teile des privaten und geschäftlichen Nachlasses von Adolf Guyer-Zeller befinden sich im Staatsarchiv des Kantons Zürich. Dazu gehören Unterlagen aus der Baumwollspinnerei Neuthal sowie persönliche und geschäftliche Dokumente.[3]

Weitere Bestände werden unter anderem im Chronikarchiv der Gemeinde Bauma, in den Winterthurer Bibliotheken und in privaten Archiven aufbewahrt.[1]

Seine Reisetagebücher wurden wissenschaftlich ausgewertet und teilweise veröffentlicht.

Erinnerung

Der Name Adolf Guyer-Zeller ist bis heute insbesondere mit der Jungfraubahn und dem Zürcher Oberland verbunden.

Im Bereich des Jungfraujochs erinnert eine Büste an den Initiator der Bahn. Das von ihm begründete Projekt entwickelte sich zu einer der international bekanntesten touristischen Eisenbahnen der Schweiz.

In Bäretswil und Bauma erinnern die Guyer-Zeller-Wege an den Unternehmer. Auch das Industrieensemble Neuthal bewahrt einen wesentlichen Teil seiner industriellen Lebenswelt.

In Wetzikon trägt die Guyer-Zeller-Strasse seinen Namen.

Seine historische Bedeutung wird heute differenzierter bewertet. Neben seinen Leistungen als Unternehmer und Eisenbahnpionier werden auch sein autoritärer Führungsstil sowie seine zeitgenössischen Vorstellungen über Kolonialismus, gesellschaftliche Hierarchien und Sklaverei untersucht.[1]

Bedeutung

Adolf Guyer-Zeller gehört zu den markantesten Schweizer Unternehmerpersönlichkeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Seine wirtschaftliche Tätigkeit verband mehrere zentrale Bereiche der damaligen Industrialisierung:

  • die mechanisierte Textilproduktion;
  • den internationalen Handel;
  • das Bankwesen;
  • den Eisenbahnbau;
  • die Elektrifizierung;
  • den aufkommenden alpinen Tourismus.

Besonders die Jungfraubahn verkörpert die Verbindung von technischer Innovation, Tourismus und gross angelegtem Unternehmertum, die für die Schweizer Belle Époque charakteristisch war.

Obwohl Guyer-Zeller bereits 1899 starb, wurden zwei seiner bekanntesten Bahnprojekte erst nach seinem Tod eröffnet: die Uerikon-Bauma-Bahn 1901 und die vollständige Jungfraubahn 1912.

Chronologie

Jahr Ereignis
1839 Geburt am 1. Mai im Neuthal bei Bäretswil
1857–1858 Studium von Nationalökonomie und Geologie in Genf
1857–1863 Ausgedehnte Reisen durch Europa, Amerika, Ägypten und den Nahen Osten
1863 Eintritt in die Baumwollspinnerei Neuthal
1866 Teilhaber der väterlichen Spinnerei
1869 Heirat mit Anna Wilhelmina Zeller und Verlegung des Geschäftssitzes nach Zürich
1869–1872 Erste Amtsperiode im Zürcher Kantonsrat
1874 Alleininhaber der Baumwollspinnerei Neuthal
1875–1889 Zweite Amtsperiode im Zürcher Kantonsrat
1880–1890 Verwaltungsratspräsident der Papierfabrik an der Sihl
ab 1888 Griechischer Generalkonsul in Zürich
ab 1889 Anlage der Guyer-Zeller-Wege
1893 Entwicklung des Projekts einer Jungfraubahn
1894 Konzession für die Jungfraubahn, Gründung der Guyer-Zeller-Bank und Übernahme der Führung der Nordostbahn
1896 Baubeginn der Jungfraubahn
1897 Eisenbahnerstreik bei der Nordostbahn
1898 Eröffnung des ersten Abschnitts der Jungfraubahn bis Eigergletscher
1899 Tod am 3. April in Zürich
1901 Eröffnung der von ihm initiierten Uerikon-Bauma-Bahn
1912 Fertigstellung der Jungfraubahn bis zum Jungfraujoch

Siehe auch

Literatur

  • Doris Müller-Füglistaler: Adolf Guyer-Zeller (1839–1899). «Amerikanismus» in der Schweiz? Entfaltung und Grenzen eines Eisenbahnunternehmers. Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 59, Zürich 1992.
  • Wolfgang Wahl-Guyer: Reisen als Schlüssel zur Welt. Die Reisetagebücher von Adolf Guyer-Zeller (1839–1899). Chronos, Zürich 2000.
  • Wolfgang Wahl-Guyer: Adolf Guyer-Zeller in Selbstzeugnissen. Sehen und Sehnen in Reisetagebüchern und Briefen. 2004.
  • Adolf Guyer-Zeller: Der Türkenherrschaft Ende. 1897.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 Ueli Müller, Hans Fässler: Guyer-Zeller, Adolf. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 22. Oktober 2024, abgerufen am 10. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Jungfraubahnen: Bau der Jungfraubahn – Steiniger Weg zum Jahrhundertwerk, abgerufen am 10. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Staatsarchiv des Kantons Zürich: Baumwollspinnerei Neuthal, Bäretswil, 1827–1976, abgerufen am 10. August 2026.
  4. Gemeinde Bäretswil: Museum Neuthal Textil- und Industriekultur, abgerufen am 10. August 2026.
  5. 5,0 5,1 Adolf Guyer-Zeller. In: inZH – Zürcher Kantonsratsgeschichte, abgerufen am 10. August 2026.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 SBB Historic: Schweizerische Nordostbahn NOB, 1854–1903, abgerufen am 10. August 2026.
  7. Gemeinde Bäretswil: Dampfbahn Zürcher Oberland – Geschichte der Uerikon-Bauma-Bahn, abgerufen am 10. August 2026.
  8. 8,0 8,1 Gemeinde Bäretswil: Guyer-Zeller Wanderwege, abgerufen am 10. August 2026.

Guyer-Zeller, Adolf. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).

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