Wil ZH
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Wil ZH |
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Gemeindedaten |
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Staat |
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Kanton |
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Bezirk |
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BFS-Nummer |
0071 |
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Postleitzahl |
8196 |
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Koordinaten |
47.60444° N, 8.50833° E |
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Höhe |
406 m ü. M. |
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Fläche |
8.95 km² |
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Einwohner |
1'577 |
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Website |
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Wil ZH, amtlich Wil (ZH), ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt im Rafzerfeld nahe der Grenze zu Deutschland. Zur Gemeinde gehören neben dem Dorf Wil die Weiler Buchenloo und Hüslihof sowie mehrere Einzelhöfe.
Die Zusatzbezeichnung «ZH» dient der Unterscheidung von anderen Orten namens Wil, insbesondere von der Stadt Wil SG im Kanton St. Gallen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Gemeinde häufig als «Wil im Rafzerfeld» bezeichnet.
Wil bewahrte trotz des Bevölkerungswachstums der vergangenen Jahrzehnte einen ländlichen Charakter. Landwirtschaft, Wald und ehemalige Kiesabbaugebiete prägen grosse Teile der Landschaft. Die Bahnstation Hüntwangen-Wil verbindet die Gemeinde mit Bülach, Schaffhausen und der Stadt Zürich.
Geographie
Wil liegt im nordwestlichen Teil des Kantons Zürich im Rafzerfeld. Dieses Gebiet befindet sich nördlich des Rheins und ist auf drei Seiten von deutschem Staatsgebiet umgeben. Die Landschaft bildet eine weite, leicht gewellte Ebene zwischen dem Rhein und den bewaldeten Höhen des südlichen Klettgaus.
Die Gemeinde grenzt im Norden an Dettighofen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, im Osten an Wasterkingen, im Süden an Hüntwangen und im Westen an Rafz. Ein kurzer Abschnitt der Gemeindegrenze ist zugleich Teil der Schweizer Landesgrenze.
Das Gemeindegebiet umfasst rund 8,95 Quadratkilometer. Etwas mehr als die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, rund drei Zehntel sind bewaldet. Siedlungen, Verkehrswege, Gewässer und unproduktive Flächen nehmen den übrigen Teil ein.
Das Dorf liegt auf rund 406 Metern über Meer. Das Gelände steigt gegen Norden und Nordosten zu den bewaldeten Höhen an. Der höchste Punkt befindet sich im Grenzgebiet zu Deutschland.
Landschaft
Die Landschaft um Wil wurde während der letzten Eiszeiten geformt. Gletscher und Schmelzwasser hinterliessen mächtige Ablagerungen aus Kies, Sand und Lehm. Diese geologischen Voraussetzungen ermöglichten seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen umfangreichen Kiesabbau.
Zwischen dem Dorf und der Bahnlinie entstanden grosse Kiesgruben. Nach dem Ende des Abbaus wurden Teile der Gruben wieder aufgefüllt oder ökologisch aufgewertet. Dabei entstanden Weiher, Trockenstandorte und weitere Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten.
Die fruchtbaren Böden des Rafzerfelds werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Angebaut werden unter anderem Getreide, Mais, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse. Auch Obstbau, Viehhaltung und Weinbau kommen vor.
Ortsteile
Das Hauptdorf Wil besitzt einen kompakten historischen Kern mit ehemaligen Bauernhäusern, Wohnbauten und der reformierten Kirche. Neuere Wohnquartiere entstanden vor allem am Rand des alten Dorfes.
Buchenloo liegt südwestlich des Dorfes. Der Weiler war historisch durch Landwirtschaft und Mühlenbetriebe geprägt. Im 19. Jahrhundert bestand dort zeitweise auch ein Bad.
Hüslihof ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Siedlung. Die Bewohner von Buchenloo und Hüslihof besassen während der frühen Neuzeit nicht dieselben kollektiven Nutzungsrechte wie die Einwohner des Dorfes. Erst 1798 wurden die Weiler vollständig in die politische Gemeinde einbezogen.
Geschichte
Frühgeschichte
Das Rafzerfeld war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde aus der Region weisen auf menschliche Aktivitäten während der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit hin.
Die fruchtbaren Böden, das vergleichsweise milde Klima und die Nähe zum Rhein boten günstige Voraussetzungen für Landwirtschaft und Handel. Während der römischen Epoche lag das Gebiet im Hinterland wichtiger Verkehrswege zwischen dem Hochrhein, dem Klettgau und dem schweizerischen Mittelland.
Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen in der Region nieder. Aus frühmittelalterlichen Höfen und kleineren Siedlungen entwickelten sich später die Dörfer des Rafzerfelds.
Ortsname und erste Erwähnung
Wil wurde 1216 unter der Bezeichnung «Wilaer» erstmals urkundlich erwähnt.[1]
Der Ortsname geht auf das althochdeutsche Wort «wīlāri» beziehungsweise das lateinische «villare» zurück. Er bezeichnete einen Weiler, einen Hofverband oder eine kleine Siedlung. Zahlreiche Ortsnamen in der Schweiz und im süddeutschen Raum besitzen denselben Ursprung.
Mittelalter
Im Früh- und Hochmittelalter gehörte Wil zur Landgrafschaft Klettgau. Die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Dorfes war daher eng mit dem Klettgau und den Herrschaften beidseits der heutigen Staatsgrenze verbunden.
Zwischen 1259 und 1407 ist ein niederadliges Geschlecht der Ritter von Wil belegt. Diese standen als Dienstleute in den Diensten der Freiherren von Tengen. Mit ihnen wird die Burgstelle Schnitzberg oberhalb des Dorfes in Verbindung gebracht.
Die Freiherren von Tengen waren die wichtigsten Grundherren in Wil. Sie besassen die niedere Gerichtsbarkeit und verbanden diese mit ihrer Herrschaft Eglisau.
Die hohe Gerichtsbarkeit lag ab 1408 bei den Grafen von Sulz. Diese beherrschten grosse Teile des Klettgaus und besassen auch auf dem Gebiet des heutigen Kantons Schaffhausen und im süddeutschen Raum umfangreiche Rechte.
1463 gelangte die Herrschaft Eglisau an den Freiherrn Bernhard Gradner. 1496 kaufte die Stadt Zürich die Herrschaft. Wil wurde damit Teil des zürcherischen Herrschaftsgebiets, behielt jedoch innerhalb der Landvogtei Eglisau ein gesondert verwaltetes Niedergericht.
1651 verkauften die Grafen von Sulz auch die hohe Gerichtsbarkeit an die Stadt Zürich. Damit lagen die wesentlichen Herrschaftsrechte über Wil bei der Zürcher Obrigkeit.
Kirche und Reformation
Wil war bereits vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung von 1216 eine selbstständige Pfarrei. Das Patronatsrecht lag zunächst bei den Freiherren von Tengen und gelangte später an die Grafen von Sulz.
Die mittelalterliche Kirchgemeinde umfasste neben Wil auch Hüntwangen. Bis 1546 gehörten zudem die Weiler Steig, Burg, Oberriet und Wiler bei Eglisau zur Pfarrei.
Mit der Reformation im Kanton Zürich wurde Wil in den 1520er Jahren reformiert. Die Kapelle im benachbarten Wasterkingen wurde der Pfarrei Wil als Filialkirche zugeteilt.
Die mittelalterliche Kirche stand im historischen Dorfkern. Im 19. Jahrhundert genügte sie den Bedürfnissen der Kirchgemeinde nicht mehr. 1859 wurde eine neue, wesentlich grössere Kirche eingeweiht. Der alte Kirchenbau wurde im folgenden Jahr abgetragen.
Die Kirche von 1859 erwies sich später als überdimensioniert und sanierungsbedürftig. 1973 wurde sie abgebrochen und durch eine moderne Kirchenanlage nach Plänen des Architekten Oskar Bitterli ersetzt.
Frühe Neuzeit
Während der frühen Neuzeit lebte die Bevölkerung hauptsächlich von Ackerbau, Viehhaltung und Weinbau. Die offene Landschaft des Rafzerfelds eignete sich besonders für den Getreideanbau.
Die gemeinschaftliche Nutzung von Wald, Weiden und anderen Gütern war für die dörfliche Wirtschaft von grosser Bedeutung. Nicht alle Einwohner verfügten über dieselben Nutzungsrechte. Besonders die Bewohner der Weiler Buchenloo und Hüslihof waren von bestimmten kollektiven Rechten ausgeschlossen.
Im 18. Jahrhundert verbreiteten sich verschiedene Formen ländlichen Handwerks und der Heimarbeit. Dadurch konnten Familien ihr landwirtschaftliches Einkommen ergänzen.
In Buchenloo bestanden zwei Mühlen. Sie nutzten die Kraft kleiner Wasserläufe und dienten vor allem dem Mahlen von Getreide. Um 1835 ist zusätzlich ein Badebetrieb belegt.
Strohhutflechterei
Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert war Wil ein bedeutender Standort der Strohhutflechterei. Aus Getreidestroh wurden Bänder, Geflechte und Bestandteile für Hüte hergestellt.
Die Arbeit wurde überwiegend in den Häusern der Familien ausgeführt. Besonders Kleinbauern, Tauner und landlose Einwohner waren auf diesen zusätzlichen Erwerb angewiesen. Die starke Aufteilung der landwirtschaftlichen Grundstücke führte dazu, dass viele Betriebe allein von der Landwirtschaft nicht leben konnten.
Um 1830 erreichte die Strohhutflechterei ihren Höhepunkt. Die Erzeugnisse wurden über Händler in andere Regionen der Schweiz und ins Ausland verkauft. Später verlor die Heimindustrie durch die Mechanisierung, veränderte Mode und ausländische Konkurrenz an Bedeutung.
Helvetik und 19. Jahrhundert
Mit dem Ende der Alten Eidgenossenschaft und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurden die alten Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse aufgehoben.
Die Bewohner der Weiler Buchenloo und Hüslihof wurden der neuen politischen Gemeinde Wil zugeteilt. Damit entstand eine einheitlichere kommunale Organisation.
Von 1798 bis 1803 gehörte Wil zum Distrikt Bülach. Zwischen 1803 und 1814 war die Gemeinde Teil des Bezirks Bülach und von 1814 bis 1830 dem Oberamt Embrach zugeordnet. Seit 1830 gehört Wil wieder zum Bezirk Bülach.
Die Bevölkerung erreichte 1850 mit 932 Einwohnern einen vorläufigen Höchststand. Danach führten wirtschaftliche Veränderungen und Abwanderung zu einem Rückgang. Im Jahr 1900 lebten noch 750 Menschen in der Gemeinde.[1]
Eisenbahnanschluss
1897 wurde die Bahnstation Hüntwangen-Wil an der Strecke Zürich–Bülach–Schaffhausen eröffnet. Der Bahnhof liegt südlich des Dorfes auf dem Gebiet der Gemeinde Hüntwangen.
Der Eisenbahnanschluss erleichterte den Personen- und Güterverkehr. Landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten schneller in die städtischen Märkte transportiert werden. Gleichzeitig wurde der Arbeitsweg nach Bülach, Schaffhausen und Zürich erleichtert.
Trotz des Bahnanschlusses blieb Wil bis weit ins 20. Jahrhundert hinein stark landwirtschaftlich geprägt. 1920 arbeiteten rund 65 Prozent der Erwerbstätigen im ersten Wirtschaftssektor.[1]
20. Jahrhundert
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb die Bevölkerungszahl weitgehend stabil oder ging leicht zurück. 1950 zählte Wil 715 Einwohner.
Nach 1950 setzte eine verstärkte Wohnbautätigkeit ein. Neue Einfamilienhäuser und kleinere Mehrfamilienhäuser entstanden am Rand des historischen Dorfes. Das Wachstum beschleunigte sich besonders seit den 1980er Jahren.
Ab den 1960er Jahren wurde im flachen Gebiet zwischen dem Dorf und der Bahnlinie in grossem Umfang Kies abgebaut. Die Kieswirtschaft veränderte das Landschaftsbild und brachte zusätzliche Arbeitsplätze sowie Steuereinnahmen.
Nach der Ausbeutung wurden Teile der Gruben wieder aufgefüllt. Andere Bereiche entwickelte man zu Naturschutzflächen mit Weihern, Ruderalstandorten und ökologisch wertvollen Trockenflächen.
Die verbesserte Mobilität verwandelte Wil zunehmend in eine Wohn- und Pendlergemeinde. Dennoch blieb die Landwirtschaft ein sichtbarer Bestandteil des Ortsbilds.
Gegenwart
Heute verbindet Wil seinen ländlichen Charakter mit der Nähe zu den regionalen Zentren Bülach, Schaffhausen und Zürich. Die Einwohnerzahl stieg bis Ende 2024 auf rund 1'577 Personen.
Zu den kommunalen Herausforderungen gehören die räumliche Entwicklung, der Erhalt des historischen Dorfkerns, der Schutz der Landschaft, die Verkehrsbelastung und die Bereitstellung öffentlicher Infrastruktur.
Die Lage an der Landesgrenze prägt weiterhin den Alltag. Grenzüberschreitende Beziehungen bestehen insbesondere zu den deutschen Gemeinden Dettighofen, Klettgau und Hohentengen am Hochrhein.
Bevölkerung
Wil hatte Ende 2024 rund 1'577 Einwohnerinnen und Einwohner. Mit einer Fläche von 8,95 Quadratkilometern gehört die Gemeinde zu den dünner besiedelten Gemeinden des Zürcher Unterlands.
Die historische Bevölkerungsentwicklung verlief unregelmässig:
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1640 | 392 |
| 1722 | 557 |
| 1850 | 932 |
| 1900 | 750 |
| 1950 | 715 |
| 2000 | 1'317 |
| 2024 | 1'577 |
Der Rückgang zwischen 1850 und 1950 stand im Zusammenhang mit dem Niedergang der Heimarbeit, der Mechanisierung der Landwirtschaft und der Abwanderung in Industrieorte.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Einwohnerzahl wieder zu. Die gute Verkehrsanbindung, neue Wohnquartiere und die vergleichsweise ruhige Lage machten Wil als Wohnort attraktiv.
Umgangssprache ist überwiegend Zürichdeutsch. Im amtlichen und schriftlichen Bereich wird Schweizer Hochdeutsch verwendet.
Politik
Wil ist als politische Gemeinde nach dem Gemeindegesetz des Kantons Zürich organisiert. Die Stimmberechtigten üben die kommunale Legislative an der Gemeindeversammlung aus.
Die Gemeindeversammlung entscheidet unter anderem über das Budget, die Jahresrechnung, grössere Kredite, Bauprojekte, kommunale Verordnungen und Änderungen der Nutzungsplanung.
Die Exekutive ist der Gemeinderat. Er wird von den Stimmberechtigten gewählt und vom Gemeindepräsidenten oder von der Gemeindepräsidentin geleitet.
Zu den kommunalen Aufgaben gehören:
- Raumplanung und Bauwesen;
- Schulwesen;
- Sozial- und Gesundheitswesen;
- Wasserversorgung und Abwasserentsorgung;
- Abfallwirtschaft;
- Strassenunterhalt;
- Sicherheit und Bevölkerungsschutz;
- Verwaltung der Gemeindefinanzen.
Weitere Behörden und Kommissionen sind unter anderem die Schulpflege und die Rechnungsprüfungskommission.
Die Gemeindeverwaltung befindet sich im Dorfzentrum. Einige Verwaltungsaufgaben und öffentliche Dienstleistungen werden in Zusammenarbeit mit benachbarten Gemeinden organisiert.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt in Silber einen schwarzen, steigenden Bären mit roter Zunge und roten Krallen.
Der Bär ist seit längerer Zeit als Wappenfigur von Wil überliefert. Die genaue Herkunft des Motivs ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit einer früheren lokalen Herrschaft oder einem historischen Siegel.
Die heute verwendete Darstellung wurde im 20. Jahrhundert im Zuge der Vereinheitlichung der Zürcher Gemeindewappen festgelegt.
Wirtschaft
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft prägt Wil bis heute. Die grossen, weitgehend ebenen Flächen des Rafzerfelds ermöglichen eine rationelle Bewirtschaftung.
Zu den wichtigsten Erzeugnissen gehören Getreide, Mais, Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse. Daneben bestehen Betriebe mit Viehhaltung, Milchwirtschaft und Obstbau.
Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ging im 20. und frühen 21. Jahrhundert zurück. Die verbleibenden Betriebe bewirtschaften jedoch grössere Flächen und arbeiten stärker mechanisiert.
Einzelne Höfe verkaufen ihre Produkte direkt an die Bevölkerung. Hofläden und regionale Märkte fördern die Vermarktung lokaler Lebensmittel.
Kiesabbau
Die mächtigen Kiesablagerungen des Rafzerfelds wurden seit den 1960er Jahren wirtschaftlich genutzt. Der Abbau konzentrierte sich insbesondere auf das Gebiet zwischen Wil und der Bahnlinie.
Kies und Sand werden als Baustoffe für Beton, Strassen und weitere Bauvorhaben verwendet. Der Abbau führte zu tiefen Gruben und einer grundlegenden Veränderung des Geländes.
Nach dem Ende der Nutzung wurden einzelne Gruben mit sauberem Aushubmaterial aufgefüllt. Andere Flächen blieben teilweise offen oder wurden als ökologische Ausgleichsgebiete gestaltet.
Gewerbe und Dienstleistungen
In Wil bestehen kleinere und mittlere Unternehmen aus den Bereichen Bau, Handwerk, Landwirtschaftstechnik, Transport, Handel und Dienstleistungen.
Grössere Arbeitsplatzgebiete befinden sich in den benachbarten Gemeinden Rafz, Eglisau, Bülach und im Raum Schaffhausen. Ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt deshalb aus der Gemeinde.
Die Grenzlage ermöglicht auch wirtschaftliche Kontakte mit dem süddeutschen Raum. Unterschiede bei Preisen, Löhnen, Steuern und Vorschriften beeinflussen den grenzüberschreitenden Einkauf und Arbeitsverkehr.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Hüntwangen-Wil liegt südlich von Wil an der Bahnstrecke Bülach–Schaffhausen. Er befindet sich auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Hüntwangen, dient jedoch beiden Gemeinden.
Der Bahnhof wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient. Direkte Verbindungen bestehen nach Bülach, Zürich, Rafz und Schaffhausen.
Der Bahnhof ist mit dem Dorf durch Busverbindungen, Strassen sowie Fuss- und Velowege verbunden. Er ist für die Pendlergemeinde von grosser Bedeutung.
Busverkehr
Regionale Buslinien verbinden Wil mit dem Bahnhof Hüntwangen-Wil, Rafz, Hüntwangen, Wasterkingen und weiteren Orten des Zürcher Unterlands.
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in den Zürcher Verkehrsverbund integriert. Die Fahrpläne sind auf die Bahnverbindungen in Richtung Zürich und Schaffhausen abgestimmt.
Strassenverkehr
Die Hauptstrasse verbindet Wil mit Hüntwangen und Rafz. In nördlicher Richtung führt eine Strasse über die Landesgrenze nach Bühl, einem Ortsteil der deutschen Gemeinde Dettighofen.
Am Grenzübergang befindet sich eine Zollstelle. Sie dient dem lokalen Personen- und Warenverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland.
Über Rafz und Eglisau bestehen Strassenverbindungen nach Bülach und Zürich. In Richtung Osten führen Strassen nach Wasterkingen und in den Klettgau.
Die ländlichen Strassen werden auch vom landwirtschaftlichen Verkehr genutzt. Während der Erntezeit verkehren regelmässig grosse Landmaschinen und Transportfahrzeuge.
Fuss- und Veloverkehr
Feldwege und Nebenstrassen eignen sich für Wanderungen und Velotouren durch das Rafzerfeld. Grenzüberschreitende Wege führen nach Dettighofen und in weitere Orte des deutschen Klettgaus.
Die ehemaligen Kiesgruben, Naturschutzflächen und Wälder sind durch lokale Wege erschlossen. Einzelne Bereiche dürfen zum Schutz empfindlicher Lebensräume nur auf markierten Wegen betreten werden.
Bildung
Wil verfügt über Kindergarten- und Primarschulangebote. Die Schule bildet einen wichtigen Bestandteil des Dorflebens.
Je nach Organisation besuchen Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Schulen in benachbarten Gemeinden des Rafzerfelds. Weiterführende Schulen befinden sich insbesondere in Bülach, Zürich und Schaffhausen.
Für die familienergänzende Betreuung bestehen Tagesstrukturen und weitere Angebote. Musikunterricht wird teilweise in Zusammenarbeit mit regionalen Institutionen organisiert.
Die Gemeindebibliothek beziehungsweise regionale Bibliotheken stellen Bücher und weitere Medien zur Verfügung. Zusätzlich bestehen Vereins- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche.
Religion
Reformierte Kirche
Wil war bereits vor 1216 eine selbstständige Pfarrei. Die heutige reformierte Kirche entstand 1973 nach Plänen des Architekten Oskar Bitterli.
Der moderne Bau ersetzte die neugotisch beziehungsweise historistisch geprägte Kirche von 1859. Diese war für die kleiner gewordene Kirchgemeinde zu gross und verursachte einen hohen Unterhaltsaufwand.
Die Kirchenanlage umfasst den Gottesdienstraum sowie Räume für Unterricht, Versammlungen und Gemeindearbeit. Sie dient als religiöses und gesellschaftliches Zentrum.
Die reformierte Kirchgemeinde arbeitet mit den Kirchgemeinden benachbarter Orte zusammen. Zum Angebot gehören Gottesdienste, Seelsorge, Kinder- und Jugendarbeit sowie soziale Veranstaltungen.
Weitere Religionsgemeinschaften
Katholische Einwohner gehören zu einer regionalen Pfarrei im Zürcher Unterland. Daneben leben in Wil Angehörige weiterer christlicher Gemeinschaften, anderer Religionen sowie konfessionslose Personen.
Natur und Umwelt
Ehemalige Kiesgruben
Die ehemaligen Kiesabbauflächen gehören zu den landschaftlich auffälligsten Gebieten der Gemeinde. Durch den Abbau entstanden offene Kies- und Sandflächen, steile Böschungen und temporäre Gewässer.
Solche Lebensräume sind für spezialisierte Pflanzen und Tiere wertvoll. Zu den möglichen Bewohnern gehören Kreuzkröten, Gelbbauchunken, Uferschwalben, Wildbienen und wärmeliebende Pflanzenarten.
Durch gezielte Pflegemassnahmen werden einzelne offene Flächen erhalten. Ohne Eingriffe würden sie allmählich verbuschen und sich zu Wald entwickeln.
Weiher und Feuchtgebiete
In aufgefüllten oder renaturierten Kiesgruben entstanden mehrere Weiher und Feuchtgebiete. Sie dienen Amphibien, Libellen, Wasservögeln und weiteren Arten als Lebensraum.
Die Flächen besitzen teilweise lokale oder regionale Bedeutung für den Naturschutz. Landwirtschaft, Kieswirtschaft, Gemeinde und Naturschutzorganisationen arbeiten bei ihrer Pflege zusammen.
Wälder
Die Wälder bedecken rund drei Zehntel der Gemeindefläche. Sie bestehen vor allem aus Buchen, Eichen, Eschen, Ahorn, Fichten und weiteren Baumarten.
Neben der Holzproduktion erfüllen die Wälder wichtige Funktionen als Lebensraum, Erholungsgebiet und Schutz vor Bodenerosion. Das Waldgebiet bei der Burgstelle Schnitzberg ist durch Wanderwege erschlossen.
Kultur und Gesellschaft
Das gesellschaftliche Leben wird durch Vereine, Schule, Kirchgemeinde und lokale Organisationen getragen.
Zu den aktiven Vereinigungen gehören Sport-, Turn-, Musik-, Schützen-, Landwirtschafts- und Freizeitvereine. Sie organisieren Trainings, Konzerte, Feste und weitere Veranstaltungen.
Die Dorfchilbi, Vereinsanlässe, Märkte und Gemeindeversammlungen bieten Möglichkeiten zur Begegnung. Das Milizsystem ist für die politische und gesellschaftliche Organisation der kleinen Gemeinde von grosser Bedeutung.
Die Nähe zur deutschen Grenze fördert Kontakte zu den Nachbargemeinden im Klettgau. Vereine und private Gruppen führen teilweise gemeinsame oder grenzüberschreitende Veranstaltungen durch.
Sehenswürdigkeiten
Reformierte Kirche
Die moderne reformierte Kirche von 1973 ist der auffälligste Sakralbau der Gemeinde. Sie verbindet einen schlichten Gottesdienstraum mit funktionalen Gemeinderäumen.
Der Bau dokumentiert den Wandel des protestantischen Kirchenbaus im 20. Jahrhundert. Anstelle eines repräsentativen Grossbaus entstand ein vielseitig nutzbares kirchliches Zentrum.
Burgstelle Schnitzberg
Die Burgstelle Schnitzberg liegt auf einer bewaldeten Höhe oberhalb des Dorfes. Sie wird mit den mittelalterlichen Rittern von Wil in Verbindung gebracht.
Von der ehemaligen Burg sind nur geringe Geländespuren erhalten. Archäologische Untersuchungen und historische Überlieferungen lassen auf eine kleinere mittelalterliche Befestigung schliessen.
Der Ort ist über Wanderwege erreichbar. Informationstafeln beziehungsweise lokale Darstellungen erläutern die Geschichte der Anlage.
Historischer Dorfkern
Im alten Dorfkern stehen mehrere ehemalige Bauernhäuser und Wohnbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Grosse Dächer, Scheunen und Wirtschaftsteile erinnern an die landwirtschaftliche Vergangenheit.
Einzelne Gebäude wurden restauriert und neuen Wohn- oder Gewerbenutzungen zugeführt. Neubauten und Umbauten haben das Ortsbild teilweise verändert.
Buchenloo
Der Weiler Buchenloo besitzt mehrere historische Hofgebäude. Die frühere Mühlen- und Badetradition ist heute nur noch teilweise im Gelände und in schriftlichen Quellen erkennbar.
Die Umgebung ist von Landwirtschaftsflächen, Feldwegen und Wald geprägt.
Freizeit und Erholung
Das Rafzerfeld bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Velofahren und Beobachten der Natur. Die weitgehend offene Landschaft ermöglicht weite Ausblicke bis zum Schwarzwald und zu den Höhen des Zürcher Unterlands.
Beliebte Wege führen durch die Wälder, zu den ehemaligen Kiesgruben und über die Landesgrenze in den deutschen Klettgau.
Sportanlagen und Turnhallen werden von Schule und Vereinen genutzt. Weitere Freizeitangebote befinden sich in Rafz, Eglisau, Bülach und Schaffhausen.
Die nahe gelegenen Rheinlandschaften bieten Badeplätze, Wanderwege und Möglichkeiten für Wassersport. Besonders die Gebiete bei Eglisau, Rüdlingen und dem Rheinfall sind beliebte Ausflugsziele.
Siehe auch
- Bezirk Bülach
- Liste der Gemeinden im Kanton Zürich
- Rafzerfeld
- Klettgau
- Hüntwangen
- Wasterkingen
- Rafz
- Bahnhof Hüntwangen-Wil
- Landesgrenze zwischen Deutschland und der Schweiz
Literatur
- Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1943.
- Thomas Meier: Handwerk, Hauswerk, Heimarbeit. Nichtagrarische Tätigkeiten und Erwerbsformen in einem traditionellen Ackerbaugebiet des 18. Jahrhunderts. Zürich 1986.
- Paul Schweizer: Wil ZH. Geschichte einer Gemeinde im Rafzerfeld. Wil 1993.
- Thomas Neukom: «Hoche grichte und übrige herrligkeit». Die hohe Gerichtsbarkeit im Rafzerfeld. In: Zürcher Taschenbuch, Zürich 2002.
- Ueli Müller: Wil (ZH). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Wil ZH
- Wil ZH im Historischen Lexikon der Schweiz
- Zürcher Gemeinden in Zahlen
- Zürcher Verkehrsverbund
Einzelnachweise
Wikimedia Commons: Medien zu Wil ZH