Wallisellen

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 24. Juli 2026, 15:51 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{{Infobox Gemeinde in der Schweiz |NAME_ORT = Wallisellen |BILD = Protestant Church of Wallisellen.jpg |BESCHREIBUNG = Reformierte Kirche oberhalb des Bahnhofs Wallisellen |BILD_WAPPEN = CHE Wallisellen COA.svg |BILD_PFAD_KARTE = Karte Gemeinde Wallisellen 2007.png |REGION-ISO = CH-ZH |KANTON = Zürich |REGION = Glattal |BEZIRK = Bülach |BFS = 0069 |PLZ = 8304 |BREITENGRAD = 47.412495 |LÄNGENGRAD = 8.592223 |HÖHE = 431 |FLÄCHE = 6,50 |EINWOHNER = 17770…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Wallisellen

Reformierte Kirche oberhalb des Bahnhofs Wallisellen

Reformierte Kirche oberhalb des Bahnhofs Wallisellen

Wappen von Wallisellen

Wappen

Lage von Wallisellen

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Region

Glattal

Bezirk

Bülach

BFS-Nummer

0069

Postleitzahl

8304

Koordinaten

47.412495° N, 8.592223° E

Höhe

431 m ü. M.

Fläche

6,50 km²

Einwohner

17770
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.wallisellen.ch

Wallisellen ist eine Stadt und politische Gemeinde im Bezirk Bülach des Kantons Zürich. Sie liegt im mittleren Glattal unmittelbar nordöstlich der Stadt Zürich und gehört zur Agglomeration Zürich sowie zur Flughafenregion. Seit 1916 umfasst die Gemeinde neben dem ursprünglichen Dorf Wallisellen auch die frühere Gemeinde Rieden.

Wallisellen entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einem bedeutenden Industrie-, Dienstleistungs- und Wohnstandort. Die Gemeinde besitzt mehr Arbeitsplätze als Einwohnerinnen und Einwohner. Zu den bekanntesten Einrichtungen gehören das 1975 eröffnete Einkaufszentrum Glatt, der Bahnhof Wallisellen, die Glattalbahn sowie die neueren Stadtquartiere Richti und Zwicky.

Die Bahnlinie teilt Wallisellen in einen eher wohnlich geprägten nördlichen Teil mit dem historischen Zentrum und einen stark urbanisierten südlichen Teil mit grossen Arbeitsplatzgebieten, Einkaufsanlagen und modernen Wohnquartieren. Trotz der dichten Bebauung besitzt die Stadt mit dem Hardwald, dem Tambel und den Wegen entlang der Glatt mehrere wichtige Naherholungsräume.

Name

Wallisellen wurde zwischen 874 und 887 erstmals als Wolasselda urkundlich erwähnt. Im Jahr 1153 erscheint die Form Walaseldon.[1]

Die genaue Herkunft des Ortsnamens ist nicht abschliessend geklärt. Die historischen Namensformen weisen auf eine frühmittelalterliche Siedlung hin. Im Zürichdeutschen wird der Ortsname als Walissele oder Waliselle ausgesprochen.

Die Gemeinde verwendet aufgrund ihrer Grösse und ihres städtischen Charakters die Bezeichnung Stadt Wallisellen. Staatsrechtlich bleibt Wallisellen eine politische Gemeinde nach dem Recht des Kantons Zürich.

Geografie

Wallisellen liegt zwischen der Glatt im Süden und dem Hardwald im Norden. Das Zentrum befindet sich auf einer leichten, nach Süden abfallenden Geländeterrasse auf 431 Metern über Meer. Der höchste Punkt des Gemeindegebiets ist der Tambel mit einer Höhe von ungefähr 490 Metern.

Das Gemeindegebiet umfasst 650 Hektaren beziehungsweise 6,50 Quadratkilometer.[2] Ein grosser Teil der Fläche ist überbaut oder wird für Verkehrs- und Gewerbeanlagen genutzt. Landwirtschaftliche Flächen befinden sich hauptsächlich im Norden und Nordosten der Gemeinde.

Die Siedlungsgebiete von Wallisellen, Zürich, Opfikon, Dietlikon und Dübendorf sind an vielen Stellen nahezu zusammengewachsen. Wallisellen ist deshalb Teil eines zusammenhängenden städtischen Raums im mittleren Glattal.

Glatt

Die Glatt fliesst durch den südlichen Teil des Gemeindegebiets. Der Fluss entspringt dem Greifensee und mündet bei Glattfelden in den Rhein.

Bis ins 19. Jahrhundert verlief die Glatt in zahlreichen Windungen durch eine sumpfige Ebene. Überschwemmungen beeinträchtigten die Landwirtschaft und behinderten die Entwicklung von Verkehrswegen und Industriebetrieben. Nach schweren Hochwassern zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde eine umfassende Korrektion des Flusses geplant.

Die erste Etappe der Glattkorrektion wurde zwischen 1817 und 1830 ausgeführt. Der Abschnitt im mittleren Glattal folgte ab 1879. Bis 1890 waren die wichtigsten Arbeiten abgeschlossen. Die Begradigung und Entwässerung der Ebene schufen eine wesentliche Voraussetzung für die spätere industrielle und städtebauliche Entwicklung Wallisellens.[3]

Heute bilden die Wege entlang der Glatt eine wichtige Verbindung für den Fuss- und Veloverkehr. Gleichzeitig besitzt der Fluss eine ökologische Funktion als Lebensraum und Vernetzungsachse.

Nachbargemeinden

Wallisellen grenzt an fünf politische Gemeinden beziehungsweise Städte:

Die Gemeindegrenze zu Zürich verläuft im Gebiet Schwamendingen und Aubrugg. Im Süden bildet die Glatt auf mehreren Abschnitten die Grenze zu Dübendorf.

Stadtteile und Quartiere

Wallisellen besitzt keine amtlich festgelegten Stadtteile mit eigenen politischen Organen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden jedoch verschiedene Quartiere und Entwicklungsgebiete unterschieden.

Wichtige Ortsteile und Quartiere
Gebiet Charakter
Dorfzentrum Historischer Kern rund um Bahnhofstrasse, Zentralstrasse und reformierte Kirche
Rieden Bis 1916 selbstständiges Bauerndorf, heute überwiegend ein Wohnquartier im nördlichen Gemeindegebiet
Richti Dicht bebautes Stadtquartier zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum Glatt mit Wohnungen, Büros, Geschäften und Gastronomie
Zwicky-Areal Ehemaliges Industriegebiet an der Grenze zu Dübendorf, das schrittweise zu einem gemischt genutzten Stadtquartier umgebaut wurde
Herti Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsgebiet im Osten der Gemeinde
Neugut Arbeitsplatz- und Wohngebiet an der Glatt und an der Grenze zu Dübendorf
Melchrüti und Schäfligraben Wohnquartiere nördlich beziehungsweise nordöstlich des Zentrums

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2025 lebten 17'770 Personen mit gesetzlichem Wohnsitz in Wallisellen. Davon besassen 11'989 Personen die schweizerische Staatsangehörigkeit. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung betrug 32,53 Prozent beziehungsweise 5'781 Personen.[2]

Die fünf zahlenmässig grössten ausländischen Bevölkerungsgruppen stammten Ende 2025 aus Deutschland, Italien, Portugal, Spanien und Indien. Insgesamt waren in Wallisellen Angehörige von 109 ausländischen Staaten registriert.

Bevölkerungsstruktur am 31. Dezember 2025
Bevölkerungsgruppe Anzahl Anteil
Schweizer Staatsangehörige 11'989 67,47 %
Ausländische Staatsangehörige 5'781 32,53 %
Gesamt 17'770 100 %

Wallisellen erlebte insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg ein starkes Bevölkerungswachstum. Zwischen 1950 und 1960 stieg die Einwohnerzahl von rund 5'200 auf mehr als 8'600 Personen. Weitere Wachstumsschübe folgten mit dem Ausbau der Arbeitsplatzgebiete und seit den 2000er-Jahren durch die Umwandlung ehemaliger Industrieareale in gemischt genutzte Quartiere.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1950 5'202
1960 8'601
2000 11'939
2010 13'616
2015 15'603
2020 17'171
2024 17'686
2025 17'770

Die Stadt rechnet aufgrund der geplanten Entwicklung im südöstlichen Gemeindegebiet langfristig mit einem weiteren Bevölkerungswachstum. Für das Jahr 2035 wird in den kommunalen Planungsunterlagen eine Einwohnerzahl von ungefähr 21'000 angenommen.[4]

Geschichte

Frühgeschichte und Mittelalter

Funde aus der Umgebung weisen darauf hin, dass das mittlere Glattal bereits in vorgeschichtlicher und römischer Zeit genutzt wurde. Die schriftlich dokumentierte Geschichte Wallisellens beginnt mit der Erwähnung als Wolasselda im späten 9. Jahrhundert.

Im Mittelalter bestanden Wallisellen und Rieden aus landwirtschaftlichen Höfen und kleinen Siedlungsgruppen. Verschiedene Klöster, Adelsfamilien und kirchliche Einrichtungen besassen Grundstücke und Herrschaftsrechte.

Im 14. Jahrhundert ist ein örtliches Niederadelsgeschlecht beziehungsweise eine Familie von Amtsträgern belegt. Das Siegel Konrads von Wallisellen, der um 1346 als Ammann auftrat, zeigt einen Arm mit einem Schlüssel. Dieses Motiv wurde später zum Gemeindewappen.[5]

Wallisellen gelangte im Spätmittelalter unter die Herrschaft der Stadt Zürich. Während der Alten Eidgenossenschaft gehörte das Gebiet zu den Zürcher Landgebieten.

Reformation und frühe Neuzeit

Mit der von Huldrych Zwingli geprägten Zürcher Reformation wurde Wallisellen in den 1520er-Jahren reformiert. Das kirchliche und gesellschaftliche Leben wurde fortan durch die evangelisch-reformierte Ordnung Zürichs bestimmt.

Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von Ackerbau, Viehzucht und der Nutzung gemeinsamer Wald- und Weideflächen. Seit dem 18. Jahrhundert gewann die textile Heimarbeit an Bedeutung. Viele Kleinbauernfamilien verarbeiteten Baumwolle und ergänzten damit ihr landwirtschaftliches Einkommen.

Politische Gemeinden seit 1798

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurden die bisherigen Herrschaftsverhältnisse aufgehoben. Wallisellen und Rieden wurden als moderne politische Gemeinden organisiert.

Während der Mediation und Restauration wurden verschiedene Rechte zeitweise wieder eingeschränkt. Mit der liberalen Kantonsverfassung von 1831 setzte sich die kommunale Selbstverwaltung dauerhaft durch.[6]

Eisenbahn und Industrialisierung

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Wallisellen noch ein überschaubares Bauerndorf. Die Eröffnung der Eisenbahnlinien im Jahr 1856 veränderte die Entwicklung grundlegend. Die Strecke Zürich–Wallisellen–Winterthur und die Verbindung von Wallisellen nach Uster machten den Ort zu einem regionalen Bahnknoten.

Die gute Verkehrslage begünstigte die Ansiedlung von Textil-, Maschinen-, Metall- und später elektrotechnischen Betrieben. Mechanische Fabriken verdrängten die traditionelle Heimarbeit. Rund um den Bahnhof entstanden Geschäftshäuser, Arbeiterwohnungen und neue Wohnquartiere.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Wallisellen von einem Bauern- zu einem Industriedorf entwickelt. Die Gemeinde investierte früh in Strassen, Wasserversorgung, Kanalisation und andere technische Infrastrukturen. Bereits 1896 unterstellte sie Teile des Zentrums den kantonalen Bauvorschriften für Ortschaften mit städtischen Verhältnissen. Seit 1913 galten diese Vorschriften für das gesamte Gemeindegebiet.[7]

Vereinigung mit Rieden

Am 1. Januar 1916 vereinigten sich die politischen Gemeinden Wallisellen und Rieden. Die kleinere Gemeinde Rieden gab ihre politische Selbstständigkeit auf und wurde Teil Wallisellens.[8]

Nach dem Zusammenschluss wurden neue Quartiere geplant, Strassen ausgebaut und die Versorgungsnetze erweitert. Der Name Rieden blieb als Quartierbezeichnung und in mehreren Strassen- und Gebäudenamen erhalten.

Ein markantes Erinnerungszeichen ist der Turm von Rieden. Der 1866 errichtete Uhr- und Glockenturm besass nie einen angeschlossenen Kirchenraum. Er diente vor allem dazu, den auf den Feldern arbeitenden Menschen die Zeit anzuzeigen.[9]

Wachstum nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach 1945 erlebte Wallisellen einen starken wirtschaftlichen und demografischen Aufschwung. Die Nähe zur Stadt Zürich, zum Flughafen Zürich und zu den wichtigsten Verkehrsachsen machte die Gemeinde für Industrie-, Technologie- und Dienstleistungsunternehmen attraktiv.

Zwischen 1950 und 1965 verdoppelte sich die Einwohnerzahl nahezu. Es entstanden neue Wohnquartiere, Schulhäuser, Sportanlagen und öffentliche Einrichtungen. Gleichzeitig nahm die Bedeutung der Landwirtschaft stark ab.

Im Jahr 1975 wurde das Einkaufszentrum Glatt eröffnet. Es entwickelte sich zu einem der bekanntesten und umsatzstärksten Einkaufszentren der Schweiz und verstärkte die Bedeutung Wallisellens als regionales Dienstleistungszentrum.[10]

Entwicklung seit 2000

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts werden frühere Industrie- und Gewerbeareale schrittweise in urbane Quartiere umgewandelt. Dadurch verlagerte sich ein Teil des Bevölkerungswachstums in den früher fast ausschliesslich durch Arbeitsplätze geprägten Bereich südlich der Bahnlinie.

Das Richti-Areal zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum Glatt wurde in den 2010er-Jahren mit Wohnungen, Bürogebäuden, Geschäften, Restaurants und öffentlichen Räumen überbaut. Das Quartier bietet Raum für ungefähr 1'200 Bewohnerinnen und Bewohner sowie mehrere tausend Arbeitsplätze.

Auch das ehemalige Industriegebiet der Zwirnereien Zwicky an der Grenze zwischen Wallisellen und Dübendorf wurde zu einem gemischt genutzten Stadtquartier weiterentwickelt. Historische Fabrikbauten wurden erhalten und durch neue Wohn- und Geschäftshäuser ergänzt.[11]

Wappen

Die Blasonierung des Walliseller Gemeindewappens lautet:

In Gold ein aus dem linken Schildrand wachsender blaubekleideter Rechtsarm, einen schräglinken blauen Schlüssel haltend.

Das Motiv geht auf mittelalterliche Siegel örtlicher Amtsträger zurück. Auf dem Siegel Konrads von Wallisellen aus dem 14. Jahrhundert ist bereits ein Arm zu erkennen, der einen Schlüssel trägt.[5]

Der Schlüssel kann allgemein als Zeichen für ein Amt, eine Schutzfunktion oder eine besondere Rechtsstellung verstanden werden. Das historische Siegelbild wurde später vereinheitlicht und als offizielles Gemeindewappen übernommen.

Politik und Verwaltung

Die gesetzgebende Gewalt wird in Wallisellen von der Gemeindeversammlung ausgeübt. Alle stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner können an ihr teilnehmen und über kommunale Geschäfte entscheiden.

Zu den Aufgaben der Gemeindeversammlung gehören insbesondere:

  • die Genehmigung von Budget und Jahresrechnung
  • die Festsetzung des kommunalen Steuerfusses
  • der Erlass kommunaler Verordnungen
  • die Bewilligung grösserer Investitionen
  • Entscheidungen über Bau- und Planungsvorlagen
  • Grundstücksgeschäfte

Die Exekutive bildet der siebenköpfige Stadtrat. Sechs Mitglieder einschliesslich des Stadtpräsidenten werden an der Urne gewählt. Das Präsidium der Schulpflege gehört dem Stadtrat von Amtes wegen an.

Für die Amtsdauer 2026 bis 2030 ist Adrian Bangerter Stadtpräsident. Die weiteren Ressorts umfassen Hochbau und Planung, Bevölkerung und Sicherheit, Gesellschaft und Soziales, Bildung, Finanzen und Liegenschaften sowie Tiefbau und Landschaft.[12]

Die Stadtverwaltung befindet sich an der Zentralstrasse 9.

Wirtschaft

Wallisellen ist einer der bedeutendsten Arbeitsplatzstandorte im Glattal. Im Jahr 2020 wurden mehr als 21'500 Beschäftigte gezählt. Damit überstieg die Zahl der Arbeitsplätze deutlich die Einwohnerzahl.[2]

Die Wirtschaftsstruktur wird vom Dienstleistungssektor geprägt. Wichtige Bereiche sind:

  • Versicherungen und Finanzdienstleistungen
  • Informationstechnologie und Telekommunikation
  • Handel und Logistik
  • Unternehmensberatung
  • Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie
  • Gesundheits- und Bildungsangebote
  • Hotellerie und Gastronomie

Mehrere schweizerische und internationale Unternehmen besitzen in Wallisellen ihren Hauptsitz oder grössere Niederlassungen. Die Standortwahl wird durch die Nähe zu Zürich und zum Flughafen, die Autobahnanschlüsse und das dichte öffentliche Verkehrsnetz begünstigt.

Einkaufszentrum Glatt

Das Einkaufszentrum Glatt wurde am 13. Februar 1975 eröffnet. Der Standort war unter anderem wegen der geplanten Autobahn und der Nähe zur Stadt Zürich gewählt worden. Bauherrinnen und ursprüngliche Partner waren der Migros-Genossenschafts-Bund sowie die Warenhausunternehmen Globus und Jelmoli.[10]

Das Zentrum wurde mehrfach erweitert und modernisiert. Es umfasst mehr als 100 Geschäfte und Gastronomiebetriebe und wird jährlich von mehreren Millionen Menschen besucht. Das Bürohochhaus des Einkaufszentrums bildet gemeinsam mit den neueren Hochhäusern des Richti-Areals eine markante Silhouette.

Richti-Areal

Das Richti-Areal liegt zwischen dem Bahnhof Wallisellen und dem Einkaufszentrum Glatt. Es entstand auf einem früheren Industrie- und Gewerbegebiet und wurde als dichtes, städtisches Quartier mit gemischter Nutzung geplant.

Die Gebäude gruppieren sich um Strassen, Plätze und Innenhöfe. Neben Wohnungen entstanden Büroflächen, Geschäfte und Restaurants. Zu den markanten Bauten gehört der Allianz-Turm, der den Schweizer Hauptsitz des Versicherungskonzerns Allianz beherbergt.

Zwicky-Areal

Die Zwirnerei Zwicky gehörte zu den traditionsreichen Industriebetrieben des Glattals. Nach der Aufgabe grosser Teile der industriellen Produktion wurde das Areal an der Glatt schrittweise umgenutzt.

Die Entwicklung verbindet historische Fabrikgebäude mit dichter zeitgenössischer Architektur. Das Quartier umfasst Wohnungen, Gewerberäume, Ateliers, Gastronomie und soziale Einrichtungen. Es wird durch die Glattalbahn erschlossen.

Verkehr

Wallisellen ist durch Bahn, Stadtbahn, Bus, Autobahn sowie Fuss- und Velowege sehr gut erschlossen. Die Verkehrsinfrastruktur war eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung zum Wohn- und Arbeitsplatzstandort.

Eisenbahn

Der Bahnhof Wallisellen liegt an den Bahnstrecken Zürich–Winterthur und Wallisellen–Uster. Er wurde 1856 eröffnet und entwickelte sich früh zu einem regionalen Verzweigungspunkt.

Heute wird der Bahnhof von mehreren Linien der S-Bahn Zürich bedient. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach Zürich Hauptbahnhof, Zürich Oerlikon, Winterthur, Uster und in das Zürcher Oberland.

Der Bahnhof wird im Rahmen des Projekts MehrSpur Zürich–Winterthur umfassend ausgebaut. Vorgesehen sind breitere Mittelperrons, neue und vergrösserte Unterführungen, zusätzliche Lifte und stufenfreie Zugänge. Die Hauptarbeiten am Bahnhof sind für die Zeit zwischen 2028 und 2032 geplant.[13]

Westlich des Bahnhofs entsteht ausserdem eine rund 580 Meter lange eingleisige Bahnbrücke. Sie soll Zügen in Richtung Zürich Oerlikon ermöglichen, andere Gleise ohne höhengleiche Kreuzung zu überqueren.

Glattalbahn und Busverkehr

Wallisellen wird durch die Glattalbahn erschlossen. Die Stadtbahn verbindet den Bahnhof und die südlichen Quartiere mit Zürich, Opfikon, dem Flughafen Zürich und Dübendorf.

Die Linie 12 verkehrt über den Bahnhof Wallisellen und das Einkaufszentrum Glatt. Weitere Haltestellen liegen unter anderem beim Richti- und beim Zwicky-Areal.

Mehrere Buslinien verbinden die Wohnquartiere mit dem Bahnhof, dem Einkaufszentrum sowie den Nachbargemeinden Dietlikon, Dübendorf, Kloten und Opfikon. Sämtliche Linien sind in den Zürcher Verkehrsverbund integriert.[14]

Strassenverkehr

Wallisellen liegt an der Autobahn A1 und in der Nähe des Autobahnkreuzes Zürich-Ost. Über die Anschlüsse Wallisellen und Zürich-Schwamendingen bestehen Verbindungen nach Zürich, Winterthur, St. Gallen, Bern und zum Flughafen.

Wichtige Hauptstrassen führen nach Zürich-Schwamendingen, Dübendorf, Dietlikon, Opfikon und Kloten. Das starke Verkehrsaufkommen führt besonders während der Hauptverkehrszeiten zu Belastungen auf den Zufahrtsstrassen.

Die Stadt fördert den Fuss- und Veloverkehr durch neue Verbindungen, verkehrsberuhigte Quartiere und bessere Querungen der Bahnlinien. Im Zusammenhang mit dem Bahnausbau ist auf der Südseite der Gleise eine kantonale Veloschnellroute vorgesehen.

Bildung

Die Schule Wallisellen führt mehrere Kindergärten sowie Primar- und Sekundarschulanlagen. Zu den Schulstandorten gehören unter anderem Alpen, Bürgli, Mösli, Integra und Bubental.

Das Wachstum der Bevölkerung machte in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt Erweiterungen und Neubauten notwendig. Neben den öffentlichen Schulen bestehen Einrichtungen für familienergänzende Betreuung, Musikunterricht und Erwachsenenbildung.

Weiterführende Schulen und Berufsfachschulen befinden sich in Zürich, Dübendorf, Kloten, Uster und Winterthur. Dank des dichten öffentlichen Verkehrs sind auch die Hochschulen in Zürich und Winterthur gut erreichbar.

Religion

Wallisellen wurde während der Zürcher Reformation evangelisch-reformiert. Durch die Bevölkerungsentwicklung und die Zuwanderung entstanden im 20. Jahrhundert weitere religiöse Gemeinschaften.

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche oberhalb des Bahnhofs wurde 1908 nach Plänen der Architekten Bischoff und Weideli erbaut. Der Bau entstand nach den damals neuartigen Vorstellungen des protestantischen Kirchenbaus, bei denen Predigt, Abendmahl und Gemeinde räumlich eng miteinander verbunden wurden.[15]

Die erhöhte Lage und der markante Turm machen die Kirche zu einem Wahrzeichen der Stadt. Sie dient neben Gottesdiensten auch Konzerten und weiteren kulturellen Veranstaltungen.

Römisch-katholische Kirche

Die katholische Kirche St. Antonius entstand infolge des starken Wachstums der katholischen Bevölkerung im 20. Jahrhundert. Sie gehört zur römisch-katholischen Kirchgemeinde Wallisellen.

Daneben bestehen in der Stadt freikirchliche, orthodoxe, muslimische und weitere religiöse Gemeinschaften. Ein zunehmender Teil der Bevölkerung gehört keiner Landeskirche an.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Ortsmuseum

Das Ortsmuseum Wallisellen befindet sich seit 2002 in einem historischen Bauernhaus an der Riedenerstrasse. Das Gebäude gehört zu den ältesten erhaltenen Häusern des früheren Dorfes Rieden.

In mehreren Räumen dokumentiert das Museum die Geschichte Wallisellens und Riedens. Die Ausstellung behandelt Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Schule, Vereinsleben, Wohnen und Alltagskultur. Regelmässige Sonderausstellungen widmen sich einzelnen Themen der Ortsgeschichte.[16]

Turm von Rieden

Der Turm von Rieden wurde 1866 anstelle eines älteren, baufällig gewordenen Uhrturms errichtet. Er besitzt keinen Kirchenraum und diente ausschliesslich als Glocken- und Uhrenträger.

Historisch besass das Zifferblatt nur einen Stundenzeiger. Die auf den Feldern arbeitenden Einwohnerinnen und Einwohner konnten dadurch auch aus grösserer Entfernung die ungefähre Tageszeit erkennen.[9]

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche von 1908 gehört zu den architektonisch bedeutenden Sakralbauten der Gemeinde. Sie steht auf einer Anhöhe über dem Bahnhof und prägt das Ortsbild des Zentrums.

Historische Industriebauten

Auf dem Zwicky-Areal, dem Integra-Areal und in weiteren früheren Arbeitsplatzgebieten sind einzelne Fabrikhallen, Arbeiterhäuser und Verwaltungsbauten erhalten. Sie erinnern an die Zeit, in der Wallisellen stark durch Textil-, Maschinen- und Metallbetriebe geprägt war.

Natur und Freizeit

Trotz der hohen Siedlungsdichte besitzt Wallisellen verschiedene Grün- und Erholungsräume. Der Hardwald im Norden ist ein wichtiges Waldgebiet für Spaziergänge, Laufsport und Velofahrten.

Der Tambel bildet eine bewaldete Anhöhe mit Wegen und Aussichtspunkten. Entlang der Glatt verlaufen überkommunale Fuss- und Velowege, die Wallisellen mit Zürich, Dübendorf und weiteren Orten im Glattal verbinden.

Die Stadt verfügt über Sporthallen, Fussballplätze, Tennisanlagen, ein Hallen- und Freibad sowie zahlreiche Spielplätze. Vereine übernehmen einen wichtigen Teil des sportlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens.

Partnergemeinden

Wallisellen pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu:

Die Partnerschaften fördern Begegnungen zwischen den verschiedenen Sprach- und Kulturregionen der Schweiz.[2]

Literatur

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1943.
  • Albert Grimm: Wallisellen. Von der Agrargemeinde zur Stadt. Wallisellen.
  • Ortsmuseum Wallisellen: Wallisellen – der Weg zur Stadt. Wallisellen 2022.
  • Stadt Wallisellen: Wallisellen und Rieden. Geschichte einer Zürcher Gemeinde. Wallisellen.

Siehe auch

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Wallisellen

Einzelnachweise

  1. Wallisellen, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Wallisellen im Überblick, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. Ein Fluss wird begradigt, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. Teilrevision der kommunalen Nutzungsplanung, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 Die Edlen von Wallisellen, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. Wallisellen im Jahrhundert der Revolutionen, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Vom Bauern- zum Industriedorf, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Ein Name verschwindet von der Landkarte, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. 9,0 9,1 Turm von Rieden, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. 10,0 10,1 Eine kleine Geschichte des Glatt, Einkaufszentrum Glatt, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. Neuer Stadtteil auf dem Zwicky-Areal, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  12. Stadtrat, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  13. Bauprojekte zwischen Zürich und Winterthur, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  14. Glattalbahn, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 24. Juli 2026.
  15. Reformierte Kirche, Stadt Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  16. Ortsmuseum Wallisellen, abgerufen am 24. Juli 2026.