Politische Parteien in der Schweiz

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Politische Parteien in der Schweiz
Staatsform föderaler Bundesstaat mit direkter Demokratie
Verfassungsgrundlage Artikel 137 der Bundesverfassung
Parteien im Nationalrat 10 (Wahlen 2023)
Parteien im Bundesrat 4 (2026)
Grösste Partei SVP
Nächste eidgenössische Wahlen 24. Oktober 2027
Parteienregister geführt durch die Bundeskanzlei

Die politischen Parteien in der Schweiz wirken an der politischen Meinungs- und Willensbildung auf der Ebene des Bundes, der Kantone und der Gemeinden mit. Sie stellen Kandidierende für öffentliche Ämter auf, erarbeiten politische Programme, bilden Fraktionen in Parlamenten, führen Wahl- und Abstimmungskampagnen und beteiligen sich an Volksinitiativen und Referenden.

Das schweizerische Parteiensystem wird durch den Föderalismus, die direkte Demokratie, das Kollegialitätsprinzip und die Konkordanz geprägt. Anders als in parlamentarischen Mehrheitsdemokratien besteht keine dauerhafte Trennung zwischen einer Regierungsmehrheit und einer geschlossenen Opposition. Die wichtigsten Parteien sind gemeinsam im Bundesrat vertreten, können aber bei Sachfragen gegeneinander antreten und Regierungsbeschlüsse mit Referenden bekämpfen.

Die Parteien sind dezentral organisiert. Kantonale und kommunale Sektionen besitzen häufig beträchtliche Selbstständigkeit und können in einzelnen Sachfragen von der nationalen Partei abweichende Positionen vertreten. Regionalparteien wie die Lega dei Ticinesi oder das Mouvement Citoyens Genevois sind nur in einzelnen Kantonen tätig, verfügen aber über Mandate in der Bundesversammlung.

Seit den eidgenössischen Wahlen von 2023 sind zehn Parteien im Nationalrat vertreten. Im Bundesrat sitzen im Jahr 2026 je zwei Mitglieder der SVP, der SP und der FDP sowie ein Mitglied der Partei Die Mitte.[1]

Verfassungsrechtliche Stellung

Die politischen Parteien werden in Artikel 137 der Bundesverfassung ausdrücklich erwähnt:

Die politischen Parteien wirken an der Meinungs- und Willensbildung des Volkes mit.[2]

Dieser sogenannte Parteienartikel wurde mit der Bundesverfassung von 1999 eingeführt. Die frühere Bundesverfassung von 1874 enthielt keine ausdrückliche Bestimmung über Parteien.

Artikel 137 anerkennt ihre staatspolitische Bedeutung, begründet aber keine umfassende staatliche Kontrolle oder Finanzierung. Die Schweiz kennt kein einheitliches Parteiengesetz, das Gründung, Organisation und Tätigkeit aller Parteien abschliessend regelt.

Politische Parteien sind meistens als Vereine nach dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch organisiert. Ihre innere Organisation richtet sich nach Statuten, Parteiprogrammen und Beschlüssen der eigenen Organe.

Neben Artikel 137 ist Artikel 147 der Bundesverfassung von Bedeutung. Er sieht vor, dass die Kantone, politischen Parteien und interessierten Kreise bei wichtigen Erlassen und anderen Vorhaben im Rahmen der Vernehmlassung zur Stellungnahme eingeladen werden.

Parteienregister

Die Bundeskanzlei führt ein eidgenössisches Parteienregister. Die Eintragung ist freiwillig und keine Voraussetzung für die Gründung oder politische Tätigkeit einer Partei.

Registrierte Parteien müssen unter anderem ihre Statuten, ihren offiziellen Namen, ihre Adresse und die Namen der verantwortlichen Personen angeben.

Ein Eintrag bringt administrative Erleichterungen bei der Einreichung von Kandidatenlisten für Nationalratswahlen. Registrierte Parteien müssen unter bestimmten Voraussetzungen nicht für jede Liste erneut die vorgeschriebene Zahl von Unterstützungsunterschriften sammeln.[3]

Das Register ist keine vollständige Liste aller politischen Parteien und Gruppierungen in der Schweiz. Kleine lokale Parteien, Wahlbündnisse und Bürgerlisten können an Wahlen teilnehmen, ohne im eidgenössischen Register eingetragen zu sein.

Aufgaben der Parteien

Politische Willensbildung

Parteien bündeln unterschiedliche gesellschaftliche Interessen und übersetzen sie in politische Programme und konkrete Forderungen.

Sie entwickeln Positionen zu Gesetzen, Staatsfinanzen, Sozialversicherungen, Wirtschaft, Umwelt, Bildung, Migration, Sicherheit und internationalen Beziehungen.

Durch Parteiversammlungen, Kongresse, Vernehmlassungen, Publikationen und öffentliche Veranstaltungen tragen sie zur politischen Debatte bei.

Rekrutierung politischer Mandatsträger

Eine zentrale Aufgabe besteht in der Auswahl und Unterstützung von Kandidierenden für politische Ämter.

Parteien stellen Listen für Nationalrats-, Kantonsrats- und Gemeindeparlamentswahlen auf. Sie nominieren Kandidierende für den Ständerat, kantonale Regierungen, Gemeindeexekutiven und weitere Behörden.

Die Mitglieder der Bundesversammlung wählen die Mitglieder des Bundesrates, des Bundesgerichts und weiterer Bundesbehörden. Die Parteien und Fraktionen bestimmen deshalb wesentlich mit, welche Personen für diese Ämter vorgeschlagen werden.

Wahl- und Abstimmungskampagnen

Die Parteien führen Kampagnen vor Wahlen und Volksabstimmungen. Sie veröffentlichen Plakate, Inserate, Broschüren, Videos und Beiträge in digitalen Medien.

Vor eidgenössischen Abstimmungen beschliessen die nationalen Parteiorgane Ja- oder Nein-Parolen. Kantonale Sektionen können davon abweichende Parolen fassen.

Die direkte Demokratie bewirkt, dass Parteien nicht nur während der Wahljahre aktiv sind. Mehrmals jährlich müssen sie zu Verfassungsänderungen, Gesetzen und kantonalen oder kommunalen Vorlagen Stellung beziehen.

Volksinitiativen und Referenden

Parteien können Volksinitiativen lancieren oder unterstützen. Für eine eidgenössische Volksinitiative sind innerhalb von 18 Monaten 100'000 gültige Unterschriften erforderlich.

Mit dem fakultativen Referendum können 50'000 Stimmberechtigte oder acht Kantone innerhalb von 100 Tagen eine Volksabstimmung über ein vom Parlament beschlossenes Gesetz verlangen.

Referenden ermöglichen es auch Parteien ausserhalb einer Parlamentsmehrheit, politische Kompromisse nachträglich dem Volk vorzulegen. Die Aussicht auf ein Referendum beeinflusst deshalb häufig bereits die Ausarbeitung von Gesetzen.

Besonderheiten des schweizerischen Parteiensystems

Föderalismus

Die Schweiz besteht aus 26 Kantonen mit eigenen Verfassungen, Parlamenten, Regierungen und Wahlordnungen. Das Parteiensystem entwickelte sich deshalb von unten nach oben.

Viele kantonale Parteien entstanden früher als ihre nationalen Dachorganisationen. Sie besitzen eigene Statuten, Parteiprogramme, Finanzen und Führungsorgane.

Die Stärke einer Partei kann sich von Kanton zu Kanton stark unterscheiden. Eine gesamtschweizerisch kleine Partei kann in einem einzelnen Kanton eine bedeutende Regierungs- oder Parlamentspartei sein.

Auch die Bezeichnungen unterscheiden sich teilweise. Historisch verwandte kantonale Parteien können trotz gemeinsamer nationaler Organisation unterschiedliche Namen, Symbole und politische Traditionen besitzen.

Direkte Demokratie

Die zahlreichen Volksabstimmungen schwächen eine starre Trennung zwischen Regierung und Opposition.

Eine Regierungspartei kann einen Entscheid des Gesamtbundesrates oder des Parlaments öffentlich bekämpfen. Umgekehrt können Parteien, die nicht im Bundesrat vertreten sind, einzelne Regierungsvorlagen unterstützen.

Sachpolitische Bündnisse wechseln je nach Thema. In der Wirtschafts- und Finanzpolitik arbeiten häufig bürgerliche Parteien zusammen, während sich in gesellschafts-, europa- oder umweltpolitischen Fragen andere Mehrheiten bilden können.

Konkordanz

Die schweizerische Konkordanzdemokratie strebt eine breite Einbindung wichtiger politischer Kräfte in Regierung und Gesetzgebung an.

Der Bundesrat wird nicht durch einen Koalitionsvertrag einer festen Parlamentsmehrheit getragen. Seine Mitglieder werden einzeln von der Vereinigten Bundesversammlung für vier Jahre gewählt und können während der Amtsdauer nicht durch ein Misstrauensvotum abgesetzt werden.

Bundesratsmitglieder vertreten nach aussen die Entscheide des Kollegiums, auch wenn ihre eigene Partei eine andere Position einnimmt. Dieses Prinzip wird als Kollegialitätsprinzip bezeichnet.

Milizsystem

Die politische Tätigkeit in Parlamenten und kommunalen Behörden wird traditionell nach dem Milizsystem ausgeübt.

Mitglieder des National- und Ständerates sind keine vollamtlichen Berufspolitiker im formellen Sinn. Sie üben häufig neben ihrem Mandat einen Beruf oder weitere Tätigkeiten aus.

Auch die Parteien verfügen im internationalen Vergleich über relativ kleine nationale Apparate. Ein erheblicher Teil der Parteiarbeit wird von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern und lokalen Sektionen geleistet.

Parteien in der Bundesversammlung

Die folgende Tabelle zeigt die bei den Nationalratswahlen 2023 gewählten Parteien. Die angegebenen Parteistärken beruhen auf den nachträglich korrigierten gesamtschweizerischen Ergebnissen des Bundesamts für Statistik.

Die Zahlen des Ständerates entsprechen dem Stand vom Juli 2026. Wegen einer vom Bundesgericht angeordneten Neuwahl im Kanton Schaffhausen ging 2025 ein zuvor der SP zugerechnetes Mandat an die FDP über.[4]

Im eidgenössischen Parlament vertretene Parteien
Partei Abkürzung Politische Grundausrichtung Parteistärke 2023 Nationalrat Ständerat
Stand Juli 2026
Schweizerische Volkspartei SVP nationalkonservativ, rechtsbürgerlich 27,9 % 62 6
Sozialdemokratische Partei der Schweiz SP sozialdemokratisch, links 18,3 % 41 8
FDP.Die Liberalen FDP liberal, wirtschaftsliberal 14,3 % 28 12
Die Mitte Mitte christdemokratisch, zentristisch 14,1 % 29 15
Grüne Partei der Schweiz Grüne grün, links 9,8 % 23 3
Grünliberale Partei Schweiz GLP grünliberal, politische Mitte 7,6 % 10 1
Evangelische Volkspartei EVP christlich-sozial, Mitte 2,0 % 2 0
Eidgenössisch-Demokratische Union EDU christlich-konservativ 1,2 % 2 0
Lega dei Ticinesi Lega regionalistisch, rechtspopulistisch 0,6 % 1 0
Mouvement Citoyens Genevois MCG regionalistisch, populistisch 0,5 % 2 1

Die zehn Parteien verfügten nach den Wahlen 2023 zusammen über alle 200 Sitze des Nationalrates.[5]

Die wichtigsten Parteien

Schweizerische Volkspartei

Die Schweizerische Volkspartei ist seit 1999 die wählerstärkste Partei der Schweiz. Sie entstand 1971 aus dem Zusammenschluss der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei mit den Demokratischen Parteien der Kantone Glarus und Graubünden.

Die SVP vertritt eine nationalkonservative und rechtsbürgerliche Politik. Sie setzt sich für eine restriktive Migrationspolitik, die Unabhängigkeit der Schweiz, tiefe Steuern, eine starke Landesverteidigung und zurückhaltende staatliche Regulierung ein.

Die Partei lehnt einen Beitritt zur Europäischen Union ab und beurteilt institutionelle Bindungen an die EU kritisch. Ihre stärkste Unterstützung erhält sie in vielen ländlichen und kleinstädtischen Gebieten der Deutschschweiz.

Sozialdemokratische Partei der Schweiz

Die SP wurde 1888 gegründet und entstand aus der Arbeiterbewegung. Sie gehört seit der Einführung des Proporzwahlrechts 1919 zu den grössten Parteien.

Die Partei setzt sich für soziale Sicherheit, Arbeitnehmerrechte, progressive Steuern, bezahlbares Wohnen, Gleichstellung, Klimaschutz und einen starken öffentlichen Dienst ein.

Die SP ist besonders in den grösseren Städten, Industrieorten und Teilen der französischsprachigen Schweiz stark. Seit 1959 stellt sie grundsätzlich zwei Mitglieder des Bundesrates.

FDP.Die Liberalen

Die FDP steht in der Tradition der freisinnigen Bewegung, die den Bundesstaat von 1848 wesentlich prägte. Die gesamtschweizerische Freisinnig-Demokratische Partei wurde 1894 gegründet.

2009 fusionierte sie mit der Liberalen Partei der Schweiz zur heutigen FDP.Die Liberalen.

Die FDP vertritt wirtschaftsliberale und gesellschaftsliberale Positionen. Sie setzt sich für Unternehmertum, Wettbewerb, Eigenverantwortung, offene Märkte und einen effizienten Staat ein.

Von 1848 bis 1891 gehörten ausschliesslich Vertreter der freisinnigen politischen Richtung dem Bundesrat an. Die FDP stellt auch im Jahr 2026 zwei Bundesratsmitglieder.

Die Mitte

Die Partei Die Mitte entstand 2021 aus dem Zusammenschluss der Christlichdemokratischen Volkspartei der Schweiz und der Bürgerlich-Demokratischen Partei.

Ihre historischen Wurzeln liegen im katholisch-konservativen Widerstand gegen den freisinnig dominierten Bundesstaat des 19. Jahrhunderts.

Die Mitte verbindet christdemokratische, sozialpolitische, föderalistische und wirtschaftsfreundliche Positionen. Sie versteht sich als vermittelnde Kraft zwischen links und rechts.

Besonders stark ist sie in Teilen der Zentralschweiz, im Wallis, in Freiburg, im Jura, in Graubünden und in weiteren traditionell katholisch geprägten Regionen.

Grüne Partei der Schweiz

Die Grüne Partei entstand aus kantonalen Umwelt- und Protestbewegungen der 1970er-Jahre. Die nationale Föderation wurde 1983 gegründet.

Die Partei verbindet Klimaschutz, ökologische Nachhaltigkeit und Atomausstieg mit sozialer Gerechtigkeit, Gleichstellung und einer offenen Gesellschaft.

Die Grünen sind bisher nicht im Bundesrat vertreten. Bei den Nationalratswahlen 2019 erzielten sie mit 13,2 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis, verloren 2023 aber einen Teil dieser Gewinne.

Grünliberale Partei Schweiz

Die Grünliberale Partei wurde 2007 als nationale Partei gegründet. Zuvor waren im Kanton Zürich und in weiteren Kantonen grünliberale Gruppierungen entstanden.

Die GLP verbindet ökologische Ziele mit marktwirtschaftlichen Instrumenten, gesellschaftlicher Liberalität und einer grundsätzlich europafreundlichen Haltung.

Sie positioniert sich in vielen Fragen zwischen den traditionellen bürgerlichen Parteien und dem rot-grünen Lager.

Evangelische Volkspartei

Die Evangelische Volkspartei wurde 1919 gegründet. Ihre Wurzeln liegen im sozial engagierten Protestantismus.

Die Partei vertritt christlich-soziale, familienpolitische und umweltpolitische Positionen. In wirtschaftlichen Fragen steht sie häufig links von den grossen bürgerlichen Parteien, in einzelnen gesellschaftspolitischen Fragen dagegen konservativer.

Die EVP bildet in der Bundesversammlung gemeinsam mit der Partei Die Mitte eine Fraktion.

Eidgenössisch-Demokratische Union

Die Eidgenössisch-Demokratische Union wurde 1975 gegründet. Sie vertritt evangelikal geprägte und christlich-konservative Positionen.

Die EDU setzt sich unter anderem für den Schutz ungeborenen Lebens, traditionelle Familienbilder, nationale Souveränität und eine restriktive Drogenpolitik ein.

Ihre Nationalratsmitglieder gehören der SVP-Fraktion an.

Lega dei Ticinesi

Die Lega dei Ticinesi wurde 1991 im Kanton Tessin gegründet.

Sie verbindet regionalistische Forderungen mit einer restriktiven Migrationspolitik, Kritik an den politischen Institutionen und sozialpolitischen Positionen zugunsten der Tessiner Bevölkerung.

Die Lega ist auf das Tessin konzentriert und gehört im eidgenössischen Parlament zur SVP-Fraktion.

Mouvement Citoyens Genevois

Das Mouvement Citoyens Genevois wurde 2005 gegründet und ist hauptsächlich im Kanton Genf tätig.

Die Partei betont kantonale Interessen, öffentliche Sicherheit und den Schutz des regionalen Arbeitsmarktes. Sie kritisiert insbesondere die Konkurrenz durch Grenzgänger auf dem Genfer Arbeitsmarkt.

Die Mitglieder des MCG in der Bundesversammlung gehören der SVP-Fraktion an.

Fraktionen

Parteien und Fraktionen sind nicht identisch. Eine Fraktion ist ein Organ der Bundesversammlung und dient der Vorbereitung parlamentarischer Geschäfte.

Für die Bildung einer Fraktion sind mindestens fünf Mitglieder des Nationalrates erforderlich. Parteien mit weniger Mandaten können sich einer bestehenden Fraktion anschliessen.

Im Nationalrat ist die Zugehörigkeit zu einer Fraktion Voraussetzung für die Mitgliedschaft in einer parlamentarischen Kommission. Die Kommissionssitze werden im Verhältnis zur Stärke der Fraktionen verteilt.[6]

In der 52. Legislaturperiode bestehen folgende Fraktionen:

Fraktionen der Bundesversammlung
Fraktion Beteiligte Parteien
SVP-Fraktion SVP, EDU, Lega dei Ticinesi und MCG
Sozialdemokratische Fraktion SP
Die Mitte-Fraktion Die Mitte und EVP
FDP-Liberale Fraktion FDP.Die Liberalen
Grüne Fraktion Grüne Partei der Schweiz
Grünliberale Fraktion Grünliberale Partei

Fraktionen versuchen, zu wichtigen Geschäften gemeinsame Positionen zu erarbeiten. Die einzelnen Ratsmitglieder besitzen jedoch ein freies Mandat und sind rechtlich nicht an Fraktionsweisungen gebunden.

Wahlen

Nationalrat

Der Nationalrat zählt 200 Mitglieder und vertritt die Gesamtbevölkerung der Schweiz.

Die Sitze werden nach der Bevölkerungszahl auf die Kantone verteilt. Jeder Kanton erhält mindestens einen Sitz.

In Kantonen mit mehreren Mandaten erfolgt die Wahl nach dem Proporzsystem. Die Kantone bilden jeweils einen eigenen Wahlkreis.

In den Kantonen Uri, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden wird wegen des einzigen Nationalratssitzes nach dem Mehrheitsprinzip gewählt.

Die Wählerinnen und Wähler können eine unveränderte Parteiliste einlegen, Namen streichen, Kandidierende zweimal aufführen oder Personen von anderen Listen übernehmen. Diese Möglichkeiten werden als Streichen, Kumulieren und Panaschieren bezeichnet.

Die gesamtschweizerische Parteistärke wird aus den in den Kantonen abgegebenen Parteistimmen berechnet. Sie entspricht deshalb nicht in jedem Fall genau dem Anteil der gewonnenen Mandate.

Ständerat

Der Ständerat zählt 46 Mitglieder und vertritt die Kantone.

Die zwanzig Vollkantone entsenden je zwei Mitglieder. Die früheren Halbkantone Obwalden, Nidwalden, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden verfügen je über einen Sitz.

Die Wahl des Ständerates richtet sich nach kantonalem Recht. In den meisten Kantonen gilt ein Majorzwahlsystem. In Jura und Neuenburg erfolgt die Wahl nach dem Proporz.

In Appenzell Innerrhoden wird das Mitglied des Ständerates an der Landsgemeinde gewählt.

Das Majorzsystem begünstigt häufig breit abgestützte Persönlichkeiten und Parteien der politischen Mitte. Deshalb unterscheidet sich die parteipolitische Zusammensetzung des Ständerates deutlich von jener des Nationalrates.

Kantonale und kommunale Wahlen

Die Wahlverfahren für Kantons- und Gemeindeparlamente unterscheiden sich. Die meisten grösseren Parlamente werden nach dem Proporz gewählt.

Einige Kantone verwenden doppeltproportionale Zuteilungsverfahren, um eine möglichst genaue Verteilung der Mandate auf Parteien und Wahlkreise zu erreichen.

Kantonsregierungen und Gemeindeexekutiven werden meistens nach dem Majorzsystem gewählt. In einzelnen Kantonen bestehen jedoch abweichende Regeln.

Auf kommunaler Ebene treten neben nationalen Parteien zahlreiche lokale Gruppierungen, Bürgervereinigungen und parteilose Listen an.

Parteien im Bundesrat

Entwicklung der Regierungsbeteiligung

Nach der Gründung des Bundesstaates 1848 wurde der Bundesrat während mehrerer Jahrzehnte ausschliesslich von Freisinnigen gestellt.

1891 wurde mit Josef Zemp erstmals ein Vertreter der katholisch-konservativen Richtung in den Bundesrat gewählt.

1929 folgte mit Rudolf Minger der erste Vertreter der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei.

1943 wurde Ernst Nobs als erster Sozialdemokrat in die Landesregierung gewählt. Nach dem Rücktritt Max Webers blieb die SP von 1954 bis 1959 erneut ausserhalb des Bundesrates.

Zauberformel

1959 wurde die parteipolitische Zusammensetzung des Bundesrates nach der sogenannten Zauberformel neu geordnet.

Die FDP, die Christlichdemokratische Volkspartei und die SP erhielten je zwei Sitze, die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei einen Sitz.

Diese Verteilung blieb bis 2003 bestehen. Danach erhielt die SVP wegen ihrer gestiegenen Wählerstärke einen zweiten Sitz zulasten der CVP.

Nach der Abwahl Christoph Blochers 2007 und der Gründung der BDP war die traditionelle Verteilung zeitweise unterbrochen. Seit 2016 besteht der Bundesrat wieder aus je zwei Mitgliedern von SVP, SP und FDP sowie einem Mitglied der CVP beziehungsweise ihrer Nachfolgepartei Die Mitte.

Die Zauberformel ist keine rechtlich verbindliche Regel. Die Bundesversammlung entscheidet bei jeder Wahl frei über die Besetzung der sieben Sitze.

Zusammensetzung 2026

Parteipolitische Zusammensetzung des Bundesrates 2026
Partei Mitglieder Anzahl Sitze
SVP Guy Parmelin, Albert Rösti 2
SP Elisabeth Baume-Schneider, Beat Jans 2
FDP Ignazio Cassis, Karin Keller-Sutter 2
Die Mitte Martin Pfister 1

Guy Parmelin ist im Jahr 2026 Bundespräsident, Ignazio Cassis Vizepräsident.[1]

Geschichte

Politische Strömungen vor 1848

Vor der Entstehung moderner Parteien bestanden politische Richtungen, lokale Vereinigungen, Lesegesellschaften, Presseorgane und konfessionelle Netzwerke.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts standen sich vor allem Liberale, Radikale und Konservative gegenüber.

Die Liberalen verlangten Verfassungen, Rechtsgleichheit, wirtschaftliche Freiheit und repräsentative Institutionen. Die Radikalen forderten weitergehende demokratische Reformen und eine stärkere Zentralisierung der Eidgenossenschaft.

Die Konservativen verteidigten kantonale Selbstständigkeit, kirchliche Rechte und traditionelle politische Ordnungen. In katholischen Kantonen waren sie besonders stark.

Die Auseinandersetzungen führten 1847 zum Sonderbundskrieg. Nach dem Sieg der liberal-radikalen Kantone wurde 1848 der schweizerische Bundesstaat gegründet.

Freisinnige Vorherrschaft

Die freisinnige Bewegung beherrschte die Bundespolitik während der ersten Jahrzehnte des Bundesstaates.

Sie verfügte über die Mehrheit im National- und Ständerat und stellte sämtliche Mitglieder des Bundesrates.

Die Bewegung war jedoch keine einheitliche zentral organisierte Partei. Kantonale liberale, radikale und demokratische Gruppierungen unterschieden sich in sozialen, wirtschaftlichen und staatsrechtlichen Fragen.

1894 entstand die gesamtschweizerische Freisinnig-Demokratische Partei.

Entstehung der katholisch-konservativen Partei

Die katholisch-konservative Opposition blieb nach 1848 besonders in der Zentralschweiz, im Wallis und in Freiburg stark.

Mit der Einführung des fakultativen Referendums 1874 konnten die Katholisch-Konservativen gemeinsam mit anderen oppositionellen Kräften mehrere Bundesgesetze zu Fall bringen.

1891 wurde Josef Zemp als erster katholisch-konservativer Bundesrat gewählt.

1912 entstand eine gesamtschweizerische konservative Partei. Sie wurde später in Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei und 1970 in Christlichdemokratische Volkspartei umbenannt.

2021 fusionierte die CVP mit der Bürgerlich-Demokratischen Partei zur Partei Die Mitte.

Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie

Mit der Industrialisierung entstanden Arbeitervereine, Gewerkschaften und sozialistische Gruppen.

1888 wurde die Sozialdemokratische Partei der Schweiz dauerhaft gegründet.

Unter dem Majorzwahlrecht war die SP im Nationalrat zunächst deutlich schwächer vertreten als es ihrem Stimmenanteil entsprochen hätte.

Der Landesstreik von 1918 und seine sozialen Forderungen verschärften den Konflikt zwischen der Arbeiterbewegung und den bürgerlichen Parteien.

Einführung des Proporzes

1918 nahmen Volk und Stände eine Volksinitiative zur Einführung des Proporzwahlrechts für den Nationalrat an.

Bei den Wahlen von 1919 verlor der Freisinn seine bisherige absolute Mehrheit. SP, Katholisch-Konservative und Bauernparteien gewannen deutlich an Gewicht.

Die Einführung des Proporzes förderte die Entwicklung eines stabilen Mehrparteiensystems.

Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei

Während und nach dem Ersten Weltkrieg entstanden kantonale Bauernparteien, besonders in Bern, Zürich und weiteren protestantischen Kantonen.

1936 schlossen sich diese zur Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei zusammen.

1971 fusionierte die BGB mit demokratischen Parteien aus Graubünden und Glarus zur Schweizerischen Volkspartei.

Die SVP war zunächst eine vorwiegend bäuerlich-gewerbliche Mitte-rechts-Partei. Seit den 1990er-Jahren entwickelte sie sich unter dem Einfluss der Zürcher Kantonalpartei zu einer nationalkonservativen und europakritischen Volkspartei.

Landesring und weitere Bewegungen

1936 gründete der Unternehmer Gottlieb Duttweiler den Landesring der Unabhängigen.

Der Landesring vertrat konsumentenpolitische, sozialliberale und wirtschaftsreformerische Positionen. Er war zeitweise mit zahlreichen Sitzen im Nationalrat vertreten, verlor aber seit den 1980er-Jahren an Bedeutung und löste sich 1999 auf.

1944 entstand die Partei der Arbeit der Schweiz aus der kommunistischen Bewegung. Sie ist heute vor allem in einzelnen Städten und Kantonen der Westschweiz aktiv.

Weitere kleinere Parteien waren die Republikanische Bewegung, die Nationale Aktion beziehungsweise Schweizer Demokraten, die Freiheits-Partei und verschiedene kantonale Gruppierungen.

Grüne Parteien

Die Umweltbewegung der 1970er-Jahre führte zur Gründung lokaler und kantonaler grüner Parteien.

1979 wurde mit Daniel Brélaz erstmals ein Vertreter einer grünen Partei in den Nationalrat gewählt.

1983 entstand die Föderation der Grünen Parteien der Schweiz, aus der die heutige Grüne Partei hervorging.

Die Grünen etablierten sich dauerhaft links der politischen Mitte. Bei den Wahlen 2019 wurden sie zur viertstärksten Partei im Nationalrat.

Grünliberale Partei

Seit den 1990er-Jahren kam es innerhalb grüner Parteien zu Konflikten über Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik.

Im Kanton Zürich entstand 2004 eine eigenständige Grünliberale Partei. 2007 wurde die Grünliberale Partei Schweiz gegründet.

Die GLP gewann besonders in städtischen und suburbanen Regionen Unterstützung und ist seit 2007 im Nationalrat vertreten.

Bürgerlich-Demokratische Partei

Nach der Wahl Eveline Widmer-Schlumpfs in den Bundesrat gegen den Willen der SVP-Führung schloss die SVP 2008 ihre Bündner Kantonalpartei aus.

In Graubünden, Bern und weiteren Kantonen entstanden daraufhin Sektionen der Bürgerlich-Demokratischen Partei.

Die BDP war von 2008 bis 2015 im Bundesrat vertreten. Nach mehreren Wahlverlusten fusionierte sie 2021 mit der CVP zur Partei Die Mitte.

Fusion von FDP und Liberaler Partei

Die Liberale Partei der Schweiz war vor allem in der französischsprachigen Schweiz und in Basel-Stadt vertreten.

FDP und Liberale arbeiteten im Bundesparlament bereits seit Langem in derselben Fraktion zusammen.

2009 schlossen sie sich zur Partei FDP.Die Liberalen zusammen. In einzelnen Kantonen bestehen die historischen Bezeichnungen und Organisationsstrukturen teilweise weiter.

Entwicklung seit den 1990er-Jahren

Seit den 1990er-Jahren nahm die politische Polarisierung zu. Die SVP gewann stark an Stimmen, während FDP und CVP langfristig Wähleranteile verloren.

Auf der linken Seite ergänzten die Grünen die traditionelle Sozialdemokratie. In der politischen Mitte etablierte sich die GLP.

Gleichzeitig nahm die Bedeutung regionaler Parteien im Tessin und in Genf zu.

Die Parteienlandschaft wurde vielfältiger, während die vier Bundesratsparteien weiterhin den grössten Teil der Wählerschaft und der parlamentarischen Mandate auf sich vereinen.

Historische Parteistärken

Die Stärke der Parteien veränderte sich seit der Einführung des Proporzwahlrechts erheblich.

Parteistärken bei ausgewählten Nationalratswahlen
Wahljahr SVP beziehungsweise BGB SP FDP CVP beziehungsweise Mitte Grüne GLP
1919 15,3 % 23,5 % 28,8 % 21,0 %
1943 12,0 % 28,6 % 22,5 % 20,8 %
1959 11,6 % 26,4 % 23,7 % 23,3 %
1979 11,6 % 24,4 % 24,0 % 21,3 % 0,6 %
1991 11,9 % 18,5 % 21,0 % 18,0 % 6,1 %
1999 22,5 % 22,5 % 19,9 % 15,9 % 5,0 %
2007 28,9 % 19,5 % 15,8 % 14,5 % 9,6 % 1,4 %
2015 29,4 % 18,8 % 16,4 % 11,6 % 7,1 % 4,6 %
2019 25,6 % 16,8 % 15,1 % 11,4 % 13,2 % 7,8 %
2023 27,9 % 18,3 % 14,3 % 14,1 % 9,8 % 7,6 %

Bei langfristigen Vergleichen ist zu beachten, dass Parteien fusionierten, Namen änderten oder aus unterschiedlichen Vorgängerorganisationen hervorgingen.[7]

Politische Konfliktlinien

Die wichtigste politische Konfliktlinie verläuft zwischen links und rechts.

SP und Grüne werden dem linken Lager zugerechnet. SVP und FDP gehören zum bürgerlichen beziehungsweise rechten Lager.

Die Mitte, GLP und EVP nehmen je nach Sachgebiet vermittelnde oder wechselnde Positionen ein.

Die Einordnung ist nicht in allen Politikbereichen gleich. Eine Partei kann wirtschaftspolitisch rechts, gesellschaftspolitisch liberal oder umweltpolitisch moderat auftreten.

Staat und Markt

SP und Grüne befürworten einen stärkeren Sozialstaat, eine umfangreichere Regulierung der Wirtschaft und eine stärkere Umverteilung.

FDP und SVP setzen stärker auf Wettbewerb, Eigenverantwortung, tiefere Steuern und eine Begrenzung staatlicher Ausgaben.

Die Mitte und GLP unterstützen marktwirtschaftliche Lösungen, befürworten aber je nach Thema staatliche Ausgleichs- und Lenkungsmassnahmen.

Öffnung und Abgrenzung

Eine weitere Konfliktlinie betrifft das Verhältnis zum Ausland, zur Europäischen Union und zur Migration.

SP, Grüne, GLP und FDP befürworten grundsätzlich enge und stabile Beziehungen zur EU, unterscheiden sich jedoch bei institutionellen und sozialpolitischen Fragen.

Die SVP lehnt einen EU-Beitritt und weitreichende institutionelle Bindungen ab. Sie betont nationale Souveränität und eine eigenständige Steuerung der Zuwanderung.

Die Mitte versucht häufig, wirtschaftliche Integration, bilaterale Zusammenarbeit und nationale Entscheidungsspielräume miteinander zu verbinden.

Umweltpolitik

Grüne und GLP stellen ökologische Fragen in den Mittelpunkt ihrer Programme.

SP und Mitte unterstützen ebenfalls zahlreiche klimapolitische Massnahmen, legen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte beim sozialen und wirtschaftlichen Ausgleich.

FDP und SVP betonen stärker Kosten, Versorgungssicherheit und marktwirtschaftliche beziehungsweise technologische Lösungen. Innerhalb aller Parteien bestehen regionale und innerparteiliche Unterschiede.

Gesellschaftspolitik

SP, Grüne und GLP vertreten überwiegend gesellschaftsliberale Positionen.

FDP und Mitte besitzen liberale sowie konservative Flügel.

SVP, EDU und Teile der EVP vertreten bei Familien-, Religions- und Geschlechterfragen häufiger konservative Standpunkte.

Regionale Unterschiede

Die Parteienlandschaft unterscheidet sich zwischen Sprachregionen, Kantonen, Städten und ländlichen Gebieten.

Die SVP ist in vielen ländlichen Gemeinden der Deutschschweiz besonders stark. In der französischsprachigen Schweiz tritt sie unter der Bezeichnung Union démocratique du centre auf, erreicht dort aber regional unterschiedliche Ergebnisse.

SP und Grüne erzielen ihre höchsten Stimmenanteile häufig in grossen Städten, Universitätsorten und urbanen Agglomerationen.

Die FDP besitzt traditionell eine starke Stellung in Teilen der Romandie und im Tessin sowie in wirtschaftlich geprägten urbanen Regionen.

Die Mitte ist besonders in katholisch geprägten Kantonen und ländlichen Regionen der Zentralschweiz, des Wallis, Freiburgs und der Ostschweiz verankert.

Im Tessin besitzt die Lega dei Ticinesi eine eigenständige regionale Bedeutung. Im Kanton Genf tritt das Mouvement Citoyens Genevois als kantonale Protest- und Regionalpartei auf.

Im Jura und in Teilen der Westschweiz sind kleinere linke Parteien wie die Partei der Arbeit und solidaritéS stärker vertreten als in der Deutschschweiz.

Frauen in den Parteien

Frauen erhielten das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht 1971.

Bei den Nationalratswahlen desselben Jahres wurden erstmals Frauen in die Bundesversammlung gewählt. Seitdem nahm ihr Anteil schrittweise zu.

Die Parteien unterscheiden sich bei der Geschlechtervertretung. Grüne, SP und GLP weisen häufig einen besonders hohen Frauenanteil in Fraktionen und Kandidierendenlisten auf.

Mehrere Parteien verwenden Quoten, Zielwerte oder Regeln für eine ausgeglichene Zusammensetzung ihrer Listen und Führungsgremien.

Bei den Nationalratswahlen 2019 erreichte der Frauenanteil erstmals mehr als 40 Prozent. Nach den Wahlen 2023 lag er im Nationalrat weiterhin bei über 38 Prozent.

Jugendparteien

Die meisten nationalen Parteien besitzen eigene Jugendorganisationen.

Zu den wichtigsten gehören:

  • Junge SVP Schweiz;
  • Jungsozialistinnen und Jungsozialisten Schweiz;
  • Jungfreisinnige Schweiz;
  • Junge Mitte Schweiz;
  • Junge Grüne Schweiz;
  • Junge Grünliberale Schweiz;
  • Junge EVP;
  • Junge EDU.

Jugendparteien sind organisatorisch unterschiedlich stark an ihre Mutterparteien gebunden. Sie entwickeln eigene Programme, führen Kampagnen und können in einzelnen Fragen deutlich abweichende Positionen vertreten.

Besonders die JUSO und die Jungen Grünen treten regelmässig mit eigenen Volksinitiativen und Referendumskampagnen auf.

Parteien ausserhalb der Bundesversammlung

Neben den im Bundesparlament vertretenen Parteien bestehen zahlreiche weitere politische Organisationen.

Dazu gehören unter anderem:

Einige dieser Parteien verfügen über Mandate in Kantons- oder Gemeindeparlamenten. Andere treten hauptsächlich mit Volksinitiativen, Referenden oder einzelnen Wahllisten in Erscheinung.

Parteien können in der Schweiz ohne gesamtschweizerische Organisation auf kantonaler oder kommunaler Ebene erfolgreich sein.

Finanzierung

Einnahmequellen

Die Parteien finanzieren sich hauptsächlich durch Mitgliederbeiträge, Spenden, Mandatsabgaben, Beiträge von Unternehmen oder Organisationen und Einnahmen aus Veranstaltungen.

Gewählte Mandatsträgerinnen und Mandatsträger leisten häufig einen Teil ihrer Entschädigungen an ihre Partei.

Die Bedeutung der verschiedenen Einnahmequellen unterscheidet sich. Parteien mit einer grossen Mitgliederbasis erzielen mehr Einnahmen aus Beiträgen, während andere stärker auf grössere Einzelspenden angewiesen sind.

Staatliche Unterstützung

Auf Bundesebene besteht keine allgemeine direkte staatliche Parteienfinanzierung nach der Zahl der Stimmen oder Mitglieder.

Die Fraktionen der Bundesversammlung erhalten jedoch öffentliche Beiträge zur Finanzierung ihrer parlamentarischen Arbeit.

Indirekte Unterstützung entsteht auch durch administrative Dienstleistungen, Informationszugang und Erleichterungen für registrierte Parteien bei den Nationalratswahlen.

Einzelne Kantone und Gemeinden kennen weitere Formen indirekter oder begrenzter Unterstützung.

Transparenzregeln

Seit 2022 gelten auf Bundesebene gesetzliche Regeln zur Transparenz der Politikfinanzierung.

In der Bundesversammlung vertretene Parteien müssen ihre Einnahmen und bestimmte Zuwendungen jährlich offenlegen.

Kampagnen für eidgenössische Wahlen und Abstimmungen müssen offengelegt werden, wenn mehr als 50'000 Franken aufgewendet werden.

Zuwendungen von mehr als 15'000 Franken müssen unter Nennung der Spenderin oder des Spenders veröffentlicht werden.

Für die Kontrolle und Publikation der Angaben ist die Eidgenössische Finanzkontrolle zuständig.[8]

Anonyme Zuwendungen und Zuwendungen aus dem Ausland unterliegen besonderen Einschränkungen.

Mitglieder und gesellschaftliche Verankerung

Nur ein kleiner Teil der stimmberechtigten Bevölkerung ist Mitglied einer politischen Partei.

Die Mitgliederzahlen gingen bei mehreren traditionellen Parteien seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Gleichzeitig nahm die Bedeutung professioneller Kampagnen, digitaler Kommunikation und kurzfristiger Unterstützungsnetzwerke zu.

Parteimitglieder besitzen unterschiedliche Mitwirkungsrechte. Je nach Statuten wählen sie Parteipräsidien, beschliessen Programme, nominieren Kandidierende und bestimmen Abstimmungsparolen.

Die Parteien stehen mit gesellschaftlichen Organisationen in Verbindung. Die SP arbeitet traditionell eng mit Gewerkschaften zusammen, während FDP und SVP starke Beziehungen zu Wirtschafts-, Gewerbe- und Landwirtschaftsverbänden besitzen.

Die Mitte ist historisch mit katholischen Organisationen verbunden. EVP und EDU besitzen Verbindungen zu reformierten beziehungsweise evangelikalen Milieus.

Grüne Parteien arbeiten häufig mit Umwelt-, Klima- und Menschenrechtsorganisationen zusammen.

Diese Beziehungen bedeuten jedoch keine organisatorische Unterordnung. Parteien und Verbände können bei einzelnen Vorlagen unterschiedliche Positionen einnehmen.

Kritik und Herausforderungen

Sinkende Parteibindung

Viele Stimmberechtigte wählen nicht dauerhaft dieselbe Partei. Sie entscheiden je nach Kandidierenden, Sachthema und politischer Situation.

Die Möglichkeiten des Panaschierens und Kumulierens fördern eine personenbezogene Wahlentscheidung.

Auch bei Volksabstimmungen folgen Stimmberechtigte nicht immer den Empfehlungen ihrer bevorzugten Partei.

Professionalisierung

Obwohl das Milizprinzip fortbesteht, wurden nationale Parteisekretariate, Kampagnen und politische Kommunikation professionalisiert.

Kritiker sehen darin eine wachsende Abhängigkeit von finanzstarken Spendern, Beratungsunternehmen und digitaler Werbung.

Andere betrachten professionelle Strukturen als notwendig, damit Parteien komplexe politische Geschäfte bearbeiten und eine landesweite Öffentlichkeit erreichen können.

Polarisierung

Die politische Distanz zwischen den Parteien nahm in mehreren Politikbereichen zu.

Besonders Migration, Europapolitik, Klimaschutz, Sozialstaat und gesellschaftspolitische Fragen führen zu stark polarisierten Kampagnen.

Gleichzeitig zwingt das schweizerische System die Parteien weiterhin zu Kompromissen. Gesetze müssen beide Parlamentskammern passieren und können dem Referendum unterstellt werden.

Repräsentation

Diskutiert wird, wie gut Parteien die soziale und kulturelle Vielfalt der Bevölkerung abbilden.

Personen ohne Schweizer Bürgerrecht können zwar Parteimitglieder sein, besitzen auf Bundesebene aber kein Stimm- und Wahlrecht.

Junge Menschen, Personen mit tiefem Einkommen und Menschen mit Migrationsgeschichte sind in vielen politischen Behörden unterdurchschnittlich vertreten.

Auch die Vereinbarkeit politischer Mandate mit Beruf, Familie und Betreuungsarbeit bleibt eine Herausforderung.

Soziale Medien

Digitale Plattformen ermöglichen den Parteien einen direkten Kontakt mit der Bevölkerung.

Gleichzeitig erleichtern sie die schnelle Verbreitung vereinfachter, emotionaler oder falscher Informationen.

Parteien müssen sich deshalb mit politischer Werbung, Datenschutz, automatisierten Kampagnen, künstlicher Intelligenz und ausländischer Einflussnahme auseinandersetzen.

Bedeutung

Politische Parteien sind ein unverzichtbarer Bestandteil der schweizerischen Demokratie, obwohl ihre rechtliche Regelung vergleichsweise zurückhaltend ist.

Sie verbinden Bevölkerung und staatliche Institutionen, rekrutieren politisches Personal und strukturieren die Arbeit der Parlamente.

Ihre Tätigkeit beschränkt sich nicht auf Wahlen. Volksinitiativen, Referenden und häufige Abstimmungen machen politische Kampagnen zu einer dauerhaften Aufgabe.

Der Föderalismus verleiht dem Parteiensystem eine ausgeprägte regionale Vielfalt. Nationale Parteien müssen unterschiedliche sprachliche, konfessionelle, wirtschaftliche und politische Traditionen miteinander verbinden.

Die Konkordanz wiederum führt dazu, dass mehrere grosse Parteien gleichzeitig Regierungsverantwortung tragen. Konflikt und Zusammenarbeit bestehen dadurch nebeneinander.

Literatur

  • Erich Gruner: Die Parteien in der Schweiz. Francke, Bern 1969.
  • Erich Gruner: Die Parteien in der Schweiz. Zweite, neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Francke, Bern 1977.
  • Hanspeter Kriesi: Le système politique suisse. Economica, Paris.
  • Andreas Ladner: Politische Parteien. In: Peter Knoepfel und weitere: Handbuch der Schweizer Politik. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich.
  • Adrian Vatter: Das politische System der Schweiz. Nomos, Baden-Baden.
  • Wolf Linder und Sean Mueller: Schweizerische Demokratie. Institutionen, Prozesse, Perspektiven. Haupt, Bern.
  • Claude Longchamp: Das Parteiensystem der Schweiz. Bern.
  • Bundesamt für Statistik: Eidgenössische Wahlen 2023. Neuenburg.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Parteien. Bern.

Siehe auch

Einzelnachweise