Grünliberale Partei Schweiz

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Grünliberale Partei Schweiz
Abkürzung GLP
Französischer Name Parti vert’libéral Suisse
Italienischer Name Partito verde liberale svizzero
Rätoromanischer Name Partida verd-liberala Svizra
Staat Schweiz
Gründung 19. Juli 2007
Vorläufer kantonale Grünliberale Parteien Zürich und St. Gallen
Parteipräsident Jürg Grossen
Fraktionspräsidentin Corina Gredig
Generalsekretärin Martina Bühler
Hauptsitz Bern
Politische Ausrichtung Grünliberalismus, Sozialliberalismus, wirtschaftlicher Liberalismus, ökologische Marktwirtschaft
Wähleranteil 2023 7,6 %
Nationalrat 11 von 200 Sitzen
Ständerat 1 von 46 Sitzen
Bundesrat keine Vertretung
Bundeskanzler Viktor Rossi
Jugendorganisation Junge Grünliberale Schweiz
Europäische Organisation ALDE-Partei
Parteifarben Grün und Blau
Website grunliberale.ch

Die Grünliberale Partei Schweiz (GLP) ist eine politische Partei der Schweiz. Sie verbindet ökologische Ziele mit wirtschafts- und gesellschaftsliberalen Grundsätzen. Die Partei setzt sich für eine marktwirtschaftlich organisierte Umwelt- und Klimapolitik, eine innovative Wirtschaft, gesunde öffentliche Finanzen, individuelle Freiheit, gesellschaftliche Offenheit und eine enge Zusammenarbeit der Schweiz mit Europa ein.

Die GLP versteht Nachhaltigkeit als Gleichgewicht zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Ökologische Probleme sollen nach ihrem Verständnis möglichst durch wirksame Preise, Lenkungsabgaben, Wettbewerb, technologische Innovation und die Beseitigung umweltschädlicher Fehlanreize gelöst werden. Verbote und staatliche Detailvorschriften betrachtet sie eher als ergänzende Mittel, wenn marktwirtschaftliche Instrumente nicht ausreichen.

Im schweizerischen Parteiensystem wird die GLP gewöhnlich der politischen Mitte zugerechnet. In wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen vertritt sie häufig liberale Positionen, während sie in der Klima-, Europa- und Gesellschaftspolitik vielfach mit Parteien der Mitte-links-Seite zusammenarbeitet. Die Partei lehnt eine dauerhafte Einordnung in einen starren Links-rechts-Gegensatz ab und bezeichnet ihre Politik als sachorientiert, zukunftsgerichtet und lösungsbezogen.

Die nationale Partei wurde am 19. Juli 2007 gegründet. Ihre Ursprünge liegen in der 2004 entstandenen Grünliberalen Partei des Kantons Zürich. Zu den prägenden Gründungspersönlichkeiten gehörten Martin Bäumle und Verena Diener. Seit 2022 verfügt die GLP in allen 26 Kantonen über eine kantonale Organisation.[1]

Bei den eidgenössischen Wahlen von 2023 erreichte die Partei einen Wähleranteil von 7,6 Prozent und gewann zehn Sitze im Nationalrat. Mit der Wahl von Tiana Angelina Moser kehrte sie nach acht Jahren in den Ständerat zurück. Seit dem Partei- und Fraktionswechsel von Matthias Samuel Jauslin im Januar 2025 gehören elf Nationalratsmitglieder und eine Ständerätin der grünliberalen Bundeshausfraktion an.[2]

Name und Selbstverständnis

Die Bezeichnung grünliberal verbindet zwei politische Traditionen.

Das Wort grün steht für den Schutz von Klima, Umwelt, Landschaft und natürlichen Ressourcen. Das Wort liberal verweist auf individuelle Freiheit, Eigenverantwortung, Rechtsstaatlichkeit, gesellschaftliche Offenheit, Unternehmertum und eine wettbewerbliche Wirtschaftsordnung.

Nach dem Selbstverständnis der Partei stehen Ökologie und Ökonomie nicht in einem grundsätzlichen Widerspruch. Eine intakte Umwelt gilt vielmehr als langfristige Grundlage wirtschaftlichen Wohlstands. Gleichzeitig soll Umweltpolitik so gestaltet werden, dass sie Innovation, Wettbewerb und technische Entwicklung fördert.

Die GLP bezeichnet eine nachhaltige Marktwirtschaft, eine lebendige Demokratie, einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt sowie eine tolerante und solidarische Gesellschaft als Grundlagen ihrer Politik.[3]

Geschichte

Entstehung im Kanton Zürich

Die unmittelbaren Ursprünge der Partei liegen bei den Zürcher Grünen.

Innerhalb der grünen Bewegung bestanden unterschiedliche Auffassungen über Wirtschaftspolitik, staatliche Regulierung, gesellschaftlichen Liberalismus und die politische Zusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien.

Der damalige Nationalrat Martin Bäumle, die Zürcher Regierungsrätin Verena Diener und weitere Parteimitglieder vertraten einen stärker liberalen und marktwirtschaftlichen Kurs. Sie wollten den Umweltschutz nicht ausschliesslich mit staatlichen Vorschriften, sondern verstärkt mit wirtschaftlichen Anreizen und technischer Innovation verbinden.

Nach Konflikten mit der Grünen Partei des Kantons Zürich gründeten sie 2004 eine eigenständige grünliberale Organisation. Die neue Partei gewann innerhalb eines Jahres rund 300 Mitglieder.

Bei den kommunalen Wahlen von 2006 trat sie erstmals mit eigenen Listen an und gewann Sitze in mehreren Zürcher Gemeindeparlamenten.

Zürcher Kantonsratswahlen 2007

Bei den Zürcher Kantonsratswahlen vom April 2007 gelang der jungen Partei ein überraschender Erfolg. Sie zog mit zehn Sitzen in den Kantonsrat ein.

Das Ergebnis zeigte, dass eine politische Nachfrage nach einer Verbindung von Umweltschutz, wirtschaftlichem Liberalismus und gesellschaftlicher Offenheit bestand.

In der Folge entstanden weitere kantonale Organisationen, darunter eine Grünliberale Partei im Kanton St. Gallen.

Gründung der nationalen Partei

Am 19. Juli 2007 gründeten die bestehenden kantonalen Parteien in Zürich die Grünliberale Partei Schweiz.

Martin Bäumle wurde zum ersten Präsidenten der nationalen Partei gewählt. Die GLP nahm noch im selben Jahr erstmals an eidgenössischen Wahlen teil.

Bei den Nationalratswahlen 2007 gewann sie drei Sitze. Gewählt wurden Martin Bäumle, Verena Diener und Tiana Angelina Moser. Verena Diener wurde anschliessend in den Ständerat des Kantons Zürich gewählt.

Da die GLP noch nicht über die für eine eigene Fraktion erforderlichen fünf Mitglieder verfügte, schlossen sich ihre Nationalratsmitglieder zunächst der gemeinsamen Fraktion von CVP, EVP und Grünliberalen an.

Ausbau der Kantonalparteien

Nach den ersten eidgenössischen Erfolgen breitete sich die Partei rasch auf weitere Kantone aus.

Neue Sektionen entstanden unter anderem in:

  • Bern;
  • Basel-Stadt;
  • Basel-Landschaft;
  • Aargau;
  • Thurgau;
  • Luzern;
  • Zug;
  • Graubünden;
  • Waadt;
  • Genf;
  • Neuenburg;
  • Tessin.

Die organisatorische Ausbreitung erfolgte nicht überall gleichzeitig. In einigen Kantonen entstanden zunächst regionale Gruppen, die später als Kantonalparteien anerkannt wurden.

Wahlerfolg 2011

Bei den eidgenössischen Wahlen 2011 erreichte die GLP einen Wähleranteil von 5,4 Prozent. Sie gewann zwölf Sitze im Nationalrat.

Mit Verena Diener aus Zürich und Markus Stadler aus Uri gehörten ausserdem zwei Ständeratsmitglieder der Partei an.

Damit konnte die GLP erstmals eine eigene Bundeshausfraktion bilden. Die Fraktion umfasste insgesamt 14 Mitglieder und verschaffte der Partei grössere parlamentarische Einflussmöglichkeiten.

Die Wahlen von 2011 machten die GLP zu einer dauerhaft sichtbaren Kraft im schweizerischen Parteiensystem.

Initiative Energie- statt Mehrwertsteuer

2011 begann die GLP mit der Sammlung von Unterschriften für ihre erste eidgenössische Volksinitiative.

Die Volksinitiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» verlangte, die Mehrwertsteuer schrittweise durch eine Steuer auf nicht erneuerbaren Energieträgern zu ersetzen.

Die Initiative sollte:

  • fossile Energien verteuern;
  • Energieeffizienz fördern;
  • den Verbrauch nicht erneuerbarer Energien senken;
  • Unternehmen und Haushalte zu klimafreundlichen Investitionen bewegen;
  • die Besteuerung wirtschaftlicher Leistungen verringern.

Die Partei reichte die Initiative 2012 mit 108'018 gültigen Unterschriften ein. In der Volksabstimmung vom 8. März 2015 wurde sie deutlich abgelehnt.

Das Ergebnis wurde teilweise damit erklärt, dass der vollständige Ersatz der Mehrwertsteuer als zu weitreichend und finanzpolitisch unsicher angesehen wurde.

Die GLP hielt dennoch an der Idee fest, Umweltbelastungen stärker und wirtschaftliche Leistung weniger zu besteuern.

Rückschlag 2015

Bei den eidgenössischen Wahlen 2015 sank der Wähleranteil auf 4,6 Prozent.

Die Partei verlor fünf ihrer zwölf Nationalratssitze und war danach noch mit sieben Mitgliedern im Nationalrat vertreten.

Die bisherigen Ständeratsmitglieder Verena Diener und Markus Stadler kandidierten nicht erneut. Der Partei gelang es nicht, ihre Sitze in der kleinen Kammer zu verteidigen.

Als Gründe für die Verluste galten unter anderem ungünstigere Listenverbindungen, die stärkere Konkurrenz anderer Mitteparteien und die geringere Mobilisierungskraft nach dem starken Wachstum von 2011.

Präsidiumswechsel

Martin Bäumle leitete die nationale Partei während ihrer Gründungs- und Aufbauphase.

2017 übernahm der Berner Nationalrat Jürg Grossen das Parteipräsidium. Unter seiner Leitung betonte die Partei verstärkt die Verbindung von Klimaschutz, Digitalisierung, Innovation und Unternehmertum.

Wiedererstarken 2019

Bei den eidgenössischen Wahlen 2019 erzielte die GLP ihr bis dahin bestes Ergebnis.

Sie erreichte einen Wähleranteil von 7,8 Prozent und gewann 16 Sitze im Nationalrat. Damit wurde sie zu einer der grossen Gewinnerinnen der als «Klimawahl» bezeichneten Wahlen.

Die GLP profitierte von der gestiegenen Bedeutung der Klima- und Umweltpolitik. Gleichzeitig sprach sie Wählerinnen und Wähler an, die ökologische Forderungen mit wirtschaftsliberalen und gesellschaftlich offenen Positionen verbinden wollten.

Im Ständerat blieb sie jedoch weiterhin ohne Vertretung.

Vertretung in Kantonsregierungen

2020 wurde Esther Keller in die Regierung des Kantons Basel-Stadt gewählt. Sie war damit die erste Vertreterin der GLP in einer kantonalen Exekutive.

2022 wurde Peter Truttmann Mitglied des Regierungsrates des Kantons Nidwalden.

Die Regierungsbeteiligungen stärkten die institutionelle Verankerung der Partei ausserhalb des Bundesparlaments.

Organisation in allen Kantonen

Mit der Aufnahme der Kantonalpartei Uri am 2. April 2022 war die GLP erstmals in allen 26 Kantonen organisatorisch vertreten.

Kleinere Kantonalparteien arbeiten teilweise in regionalen Verbänden zusammen. So umfasst die Organisation Appenzellerland die beiden Kantone Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden.

Eidgenössische Wahlen 2023

Bei den Nationalratswahlen vom 22. Oktober 2023 erreichte die Partei 7,6 Prozent der Stimmen. Der Rückgang gegenüber 2019 betrug lediglich 0,2 Prozentpunkte.

Wegen der Verteilung der Stimmen auf die Kantone und der dort geltenden Wahlsysteme verlor die Partei dennoch sechs Nationalratssitze. Sie war danach mit zehn Mitgliedern im Nationalrat vertreten.

Tiana Angelina Moser gewann im Kanton Zürich einen Sitz im Ständerat. Damit kehrte die GLP erstmals seit 2015 in die kleine Kammer zurück.

Im Dezember 2023 wählte die Vereinigte Bundesversammlung den grünliberalen Viktor Rossi zum Bundeskanzler. Er trat sein Amt am 1. Januar 2024 an.

Der Bundeskanzler gehört nicht dem siebenköpfigen Bundesrat an, leitet jedoch die Schweizerische Bundeskanzlei und nimmt mit beratender Stimme an den Sitzungen der Landesregierung teil.

Beitritt Matthias Samuel Jauslins

Am 8. Januar 2025 trat der Aargauer Nationalrat Matthias Samuel Jauslin aus der FDP aus.

Am folgenden Tag schloss er sich der GLP und ihrer Bundeshausfraktion an. Dadurch erhöhte sich die Zahl der grünliberalen Nationalratsmitglieder während der laufenden Legislaturperiode von zehn auf elf.

Wahlergebnisse bei Nationalratswahlen

Ergebnisse der GLP bei eidgenössischen Nationalratswahlen
Wahljahr Wähleranteil Sitze im Nationalrat Veränderung Sitze im Ständerat nach den Wahlen
2007 1,4 % 3 erstmals angetreten 1
2011 5,4 % 12 +9 2
2015 4,6 % 7 −5 0
2019 7,8 % 16 +9 0
2023 7,6 % 10 −6 1

Der Wähleranteil wird gesamtschweizerisch berechnet. Die Sitzzahl hängt zusätzlich von der Stimmenverteilung in den einzelnen Kantonen, deren Mandatszahl und den jeweiligen Listenverbindungen ab.

Deshalb führte der geringe Rückgang von 7,8 auf 7,6 Prozent im Jahr 2023 zu einem verhältnismässig grossen Verlust von sechs Nationalratssitzen.[4]

Politische Einordnung

Die GLP wird als grünliberale, sozialliberale und wirtschaftsliberale Partei eingeordnet.

Sie unterscheidet sich von den Grünen vor allem durch ihre stärkere Betonung von Marktwirtschaft, Eigenverantwortung, Wettbewerb und finanzpolitischer Zurückhaltung.

Von der FDP unterscheidet sie sich durch eine deutlich stärker ausgeprägte Klima-, Umwelt- und Ressourcenpolitik sowie durch ihre Bereitschaft, Umweltkosten mit staatlich festgelegten Preisen und Lenkungsinstrumenten zu internalisieren.

Mit der Partei Die Mitte teilt sie eine lösungsorientierte Position zwischen den politischen Blöcken. Die GLP ist jedoch gesellschaftspolitisch meist liberaler, europapolitisch stärker integrationsorientiert und umweltpolitisch ambitionierter.

In gesellschafts- und europapolitischen Fragen stimmt die GLP häufig mit SP und Grünen überein. Bei wirtschafts-, steuer- und finanzpolitischen Themen bestehen dagegen häufig Gemeinsamkeiten mit FDP und Mitte.

Die tatsächlichen Abstimmungsallianzen wechseln je nach Thema. Dadurch besitzt die Fraktion insbesondere bei knappen Mehrheitsverhältnissen eine mögliche Scharnierfunktion.

Politische Grundsätze

Die GLP beschreibt ihre Politik mit einem Nachhaltigkeitsdreieck aus:

  • Umwelt;
  • Wirtschaft;
  • Gesellschaft.

Keine dieser drei Dimensionen soll dauerhaft auf Kosten der anderen entwickelt werden.

Eine gesunde Umwelt und solide öffentliche Finanzen betrachtet die Partei als Verpflichtung gegenüber künftigen Generationen. Diese sollen weder ökologische Schäden noch übermässige finanzielle Schulden übernehmen müssen.

Die Partei setzt nach eigenen Angaben vorrangig auf:

  • Anreize;
  • Kostenwahrheit;
  • Eigenverantwortung;
  • Wettbewerb;
  • Innovation;
  • wissenschaftlich begründete Entscheidungen;
  • internationale Zusammenarbeit.

Vorschriften und Verbote sollen hauptsächlich dann eingesetzt werden, wenn wirtschaftliche Anreize nicht ausreichen oder wenn erhebliche Schäden für Gesellschaft und Umwelt verhindert werden müssen.

Umwelt- und Klimapolitik

Die Klima- und Umweltpolitik bildet den programmatischen Kern der Partei.

Die GLP unterstützt das Ziel, die Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2050 auf Netto-Null zu senken.

Zu ihren zentralen Forderungen gehören:

  • ein rascher Ausbau erneuerbarer Energien;
  • höhere Energieeffizienz;
  • die Elektrifizierung von Verkehr und Gebäuden;
  • verursachergerechte Energie- und CO₂-Preise;
  • der Abbau umweltschädlicher Subventionen;
  • der Schutz der Biodiversität;
  • eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft;
  • bessere internationale Zusammenarbeit beim Klimaschutz;
  • die Förderung von Cleantech-Unternehmen.

Die Partei betrachtet Klimaschutz auch als wirtschaftliche Chance. Schweizer Unternehmen sollen neue Technologien entwickeln und auf internationalen Märkten anbieten können.

Sie befürwortet grundsätzlich marktwirtschaftliche Instrumente wie Lenkungsabgaben oder Emissionshandel. Diese sollen Haushalten und Unternehmen einen Anreiz geben, ihren Energie- und Ressourcenverbrauch zu reduzieren.

Die Einnahmen aus Lenkungsabgaben sollen nach grünliberaler Vorstellung häufig an Bevölkerung und Wirtschaft zurückverteilt oder zur Senkung anderer Abgaben verwendet werden.

Die Partei spricht sich für eine Energieversorgung aus, die effizient, erneuerbar, flexibel und mit dem europäischen Strommarkt verbunden ist.[5]

Energiepolitik

Die GLP unterstützt den Ausbau von:

  • Solarenergie;
  • Wasserkraft;
  • Windenergie;
  • Geothermie;
  • Stromspeichern;
  • intelligenten Stromnetzen;
  • Power-to-X-Technologien.

Die Versorgungssicherheit soll durch eine Kombination aus inländischer Produktion, Energieeffizienz, Speichern und einer engen Einbindung in das europäische Stromnetz gewährleistet werden.

Neue fossile Grosskraftwerke lehnt die Partei wegen ihrer Klimawirkung ab.

Auch den Neubau grosser Atomkraftwerke beurteilt sie kritisch. Sie verweist auf hohe Kosten, lange Planungs- und Bauzeiten, ungelöste Fragen der Entsorgung sowie günstigere erneuerbare Alternativen.

Bestehende Kernkraftwerke sollen nur so lange betrieben werden, wie ihre Sicherheit gewährleistet ist.

Wirtschaftspolitik

Die GLP bekennt sich zu einer wettbewerblichen und innovationsfreundlichen Marktwirtschaft.

Sie setzt sich ein für:

  • unternehmerische Freiheit;
  • einen flexiblen Arbeitsmarkt;
  • gute Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen;
  • freien und fairen Wettbewerb;
  • Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur;
  • Digitalisierung;
  • nachhaltigen Freihandel;
  • den Abbau unnötiger Bürokratie;
  • Kostenwahrheit bei Umweltbelastungen.

Der Staat soll klare Rahmenbedingungen setzen, Monopole und Wettbewerbsverzerrungen verhindern sowie öffentliche Aufgaben effizient erfüllen.

Wirtschaftliche Aktivitäten sollen ihre tatsächlichen Umwelt- und Folgekosten tragen. Die Partei lehnt Subventionen ab, die fossile Energien, übermässigen Ressourcenverbrauch oder umweltschädliche Produktionsmethoden begünstigen.

Die GLP betrachtet eine ambitionierte Umweltpolitik nicht als Gegensatz zur Wirtschaftsförderung. Verlässliche ökologische Rahmenbedingungen sollen Investitionen in klimafreundliche Technologien erleichtern.[6]

Finanz- und Steuerpolitik

Die Partei befürwortet langfristig ausgeglichene öffentliche Haushalte.

Sie unterstützt grundsätzlich die schweizerische Schuldenbremse und verlangt, dass neue staatliche Aufgaben nachhaltig finanziert werden.

Steuern und Abgaben sollen möglichst einfach, transparent und wirtschaftsverträglich ausgestaltet sein.

Die GLP setzt sich dafür ein, den Verbrauch knapper Ressourcen und umweltschädliche Emissionen stärker zu belasten. Gleichzeitig sollen Arbeit, Investitionen und unternehmerische Tätigkeit weniger stark besteuert werden.

Ein Beispiel für diesen Ansatz war die Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer».

Bei staatlichen Ausgaben fordert die Partei regelmässig eine Prüfung von Wirksamkeit und Effizienz. Einsparungen sollen jedoch nicht zulasten wichtiger Zukunftsinvestitionen in Bildung, Forschung, Klimaschutz oder Infrastruktur gehen.

Gesellschaftspolitik

Gesellschaftspolitisch vertritt die GLP überwiegend liberale Positionen.

Sie setzt sich ein für:

  • die Gleichstellung der Geschlechter;
  • gleiche Rechte unterschiedlicher Lebens- und Familienformen;
  • die Vereinbarkeit von Beruf und Familie;
  • individuelle Selbstbestimmung;
  • Schutz vor Diskriminierung;
  • Chancengerechtigkeit;
  • einen starken Rechtsstaat;
  • zeitgemässe Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte.

Die Partei unterstützte die Einführung der Ehe für alle und engagiert sich für die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung von LGBTQ-Personen.

Der Staat soll faire Startbedingungen ermöglichen, ohne die persönliche Eigenverantwortung zu verdrängen.

In der Familienpolitik fordert die GLP unter anderem bessere Betreuungsangebote, eine stärkere Individualbesteuerung und die Beseitigung steuerlicher Nachteile für Zweitverdienende.

Sozialpolitik

Die GLP bekennt sich zum sozialen Sicherungssystem, verlangt jedoch dessen langfristige finanzielle Stabilisierung.

Sie tritt für Reformen der Altersvorsorge ein, die den demografischen Wandel berücksichtigen und die Finanzierung von AHV und beruflicher Vorsorge sichern.

Sozialpolitische Leistungen sollen gezielt jenen Personen zugutekommen, die Unterstützung benötigen. Gleichzeitig sollen Erwerbstätigkeit und Eigeninitiative nicht durch ungünstige finanzielle Anreize bestraft werden.

Die Partei verbindet soziale Absicherung mit der Forderung nach:

  • Integration in Bildung und Arbeitsmarkt;
  • besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf;
  • flexibleren Lebensarbeitsmodellen;
  • Prävention im Gesundheitswesen;
  • effizienteren staatlichen Strukturen.

Europa- und Aussenpolitik

Die GLP gehört zu den europafreundlichsten Parteien der Schweiz.

Sie betrachtet die Europäische Union als wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner der Schweiz.

Die Partei unterstützt:

  • eine Weiterentwicklung des bilateralen Weges;
  • institutionell geregelte Beziehungen zur EU;
  • einen möglichst umfassenden Zugang zum europäischen Binnenmarkt;
  • ein Stromabkommen;
  • die Beteiligung an europäischen Bildungs- und Forschungsprogrammen;
  • die Personenfreizügigkeit;
  • internationale Klima- und Umweltabkommen;
  • europäische Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen.

Falls eine tragfähige institutionelle Lösung im bilateralen Rahmen nicht möglich ist, nennt die Partei einen Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum als Alternative.

Ein unmittelbarer EU-Beitritt steht nicht im Zentrum der aktuellen Parteipolitik. Die GLP schliesst eine stärkere europäische Integration langfristig jedoch nicht grundsätzlich aus.

In der Aussenpolitik betont sie Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, multilaterale Zusammenarbeit und nachhaltigen Freihandel.[7]

Verkehrs- und Raumplanungspolitik

Die GLP unterstützt eine Verlagerung des Verkehrs auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel.

Sie fordert:

  • einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr;
  • sichere Fuss- und Velowege;
  • die Elektrifizierung des Strassenverkehrs;
  • verursachergerechte Mobilitätspreise;
  • eine bessere Auslastung bestehender Infrastruktur;
  • eine koordinierte Siedlungs- und Verkehrsplanung;
  • den Schutz von Landschaft und Kulturland.

Der Ausbau von Strassen oder Bahnstrecken soll nach Bedarf, Umweltwirkung, Kosten und langfristigem Nutzen beurteilt werden.

Die Partei befürwortet verdichtetes Bauen an gut erschlossenen Standorten. Dadurch sollen Zersiedelung und zusätzlicher Verkehr reduziert werden.

Bildungs- und Forschungspolitik

Bildung, Forschung und Innovation gelten der GLP als zentrale Voraussetzungen für Wohlstand und gesellschaftliche Entwicklung.

Sie setzt sich ein für:

  • einen guten Zugang zu Bildung;
  • starke Volksschulen;
  • eine leistungsfähige Berufsbildung;
  • international wettbewerbsfähige Hochschulen;
  • die Teilnahme an europäischen Forschungsprogrammen;
  • lebenslanges Lernen;
  • digitale Kompetenzen;
  • bessere Vereinbarkeit von Ausbildung, Beruf und Familie.

Die Partei betont die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse für politische Entscheidungen, insbesondere in der Klima-, Energie-, Gesundheits- und Technologiepolitik.

Landwirtschaftspolitik

Die GLP befürwortet eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft, die natürliche Ressourcen schont und hochwertige Lebensmittel produziert.

Direktzahlungen sollen stärker an messbare öffentliche Leistungen gebunden werden, beispielsweise:

  • Schutz der Biodiversität;
  • Pflege der Kulturlandschaft;
  • Tierwohl;
  • Gewässerschutz;
  • Reduktion von Treibhausgasen;
  • nachhaltige Bodenbewirtschaftung.

Umweltschädliche Fehlanreize und Subventionen sollen abgebaut werden.

Die Partei setzt zugleich auf Innovation, neue Produktionsmethoden, Präzisionslandwirtschaft und einen offenen Handel, sofern Umwelt- und Sozialstandards berücksichtigt werden.

Migration und Integration

Die GLP vertritt eine vergleichsweise offene Migrationspolitik.

Sie betrachtet Zuwanderung als wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität, verlangt jedoch klare Regeln und eine wirksame Integration.

Von besonderer Bedeutung sind für die Partei:

  • Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt;
  • Spracherwerb;
  • Anerkennung beruflicher Qualifikationen;
  • Einhaltung des Rechtsstaates;
  • Bekämpfung von Diskriminierung;
  • eine koordinierte europäische Asylpolitik;
  • konsequente Verfahren bei Personen ohne Aufenthaltsrecht.

Die Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union unterstützt sie als wichtigen Bestandteil des Wirtschafts- und Forschungsstandorts Schweiz.

Organisation

Die GLP Schweiz ist als Verein organisiert.

Zu ihren wichtigsten Organen gehören:

  • die Delegiertenversammlung;
  • der Vorstand;
  • das Präsidium;
  • die Geschäftsleitung;
  • die Bundeshausfraktion;
  • das Generalsekretariat;
  • die Kantonalparteien.

Die Delegiertenversammlung entscheidet über politische Grundsatzfragen, Wahlprogramme, Parolen und wichtige organisatorische Geschäfte.

Der Vorstand ist für strategische Entscheidungen zuständig. Ihm gehören neben Vertretungen der nationalen Leitung auch die Präsidien der Kantonalparteien, der Jungen Grünliberalen und verschiedener Netzwerke an.

Die Kantonalparteien verfügen über eine weitgehende organisatorische und politische Selbständigkeit. Sie nominieren Kandidierende und entscheiden über kantonale Abstimmungsparolen.

Die Orts- und Bezirkssektionen bilden die lokale Basis der Partei.

Präsidium und Geschäftsleitung

Parteipräsident ist seit 2017 der Berner Nationalrat Jürg Grossen.

Das Präsidium setzt sich 2026 aus folgenden Personen zusammen:

Präsidium der GLP Schweiz
Funktion Person Politisches Amt
Parteipräsident Jürg Grossen Nationalrat des Kantons Bern
Fraktionspräsidentin Corina Gredig Nationalrätin des Kantons Zürich
Vizepräsidentin Katja Christ Nationalrätin des Kantons Basel-Stadt
Vizepräsidentin Céline Weber Nationalrätin des Kantons Waadt
Vizepräsident Patrick Hässig Nationalrat des Kantons Zürich

Die Geschäftsleitung umfasst das Präsidium und weitere vom Vorstand bestimmte Mitglieder.

Generalsekretärin ist Martina Bühler. Das Generalsekretariat befindet sich an der Monbijoustrasse 30 in Bern.[8]

Bundeshausfraktion

Die Mitglieder der GLP in National- und Ständerat bilden die Grünliberale Fraktion.

Fraktionspräsidentin ist seit Dezember 2023 die Zürcher Nationalrätin Corina Gredig.

Die Fraktion bereitet die Geschäfte der eidgenössischen Räte vor, koordiniert politische Positionen und nominiert Mitglieder für parlamentarische Kommissionen.

Mitglieder der eidgenössischen Räte 2026

Grünliberale Mitglieder der Bundesversammlung, Stand Juli 2026
Person Rat Kanton
Martin Bäumle Nationalrat Zürich
Kathrin Bertschy Nationalrat Bern
Katja Christ Nationalrat Basel-Stadt
Corina Gredig Nationalrat Zürich
Jürg Grossen Nationalrat Bern
Patrick Hässig Nationalrat Zürich
Matthias Samuel Jauslin Nationalrat Aargau
Barbara Portmann Nationalrat Aargau
Barbara Schaffner Nationalrat Zürich
Fabienne Stämpfli Nationalrat Bern
Céline Weber Nationalrat Waadt
Tiana Angelina Moser Ständerat Zürich

Die Fraktion verfügt damit über zwölf Mitglieder der Vereinigten Bundesversammlung.

Kantonalparteien

Die GLP ist in allen 26 Kantonen vertreten.

Teilweise werden zwei kleinere Kantone durch eine gemeinsame Organisation abgedeckt. Die Kantonalpartei Appenzellerland ist beispielsweise in Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden tätig.

Die Stärke der Partei unterscheidet sich regional deutlich. Ihre höchsten Wähleranteile erreicht sie traditionell in städtischen und suburbanen Gebieten der Deutschschweiz.

Besonders stark ist sie unter anderem in:

  • Zürich;
  • Bern;
  • Basel-Stadt;
  • Basel-Landschaft;
  • Aargau;
  • Zug;
  • Schaffhausen;
  • Thurgau.

In der französischsprachigen Schweiz ist die Partei vor allem in den Kantonen Waadt, Genf, Neuenburg und Freiburg verankert.

In der italienischsprachigen Schweiz tritt sie als Verdi Liberali auf.

Junge Grünliberale

Die Jungen Grünliberalen Schweiz bilden die Jugendorganisation der Partei.

Sie verfügen über eigene Strukturen und politische Positionen, arbeiten aber eng mit der Mutterpartei zusammen.

Die Jugendpartei betont insbesondere:

  • Klimaschutz;
  • Generationengerechtigkeit;
  • gesellschaftliche Freiheit;
  • Digitalisierung;
  • europäische Integration;
  • nachhaltige Wirtschaft;
  • moderne Bildungs- und Familienpolitik.

Vertretungen der Jungen Grünliberalen wirken im Vorstand der nationalen Partei mit.

Netzwerke

Neben ihren territorialen Organisationen verfügt die GLP über thematische und gesellschaftliche Netzwerke.

Dazu gehören:

  • GLP Frauen;
  • queerGLP;
  • GLP International;
  • Cercle d’avenir;
  • glp lab;
  • Junge Grünliberale.

Die Netzwerke sollen bestimmte Bevölkerungsgruppen und Themen innerhalb der Partei stärker vertreten.

GLP International richtet sich besonders an Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer.

QueerGLP engagiert sich für die Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz von LGBTQ-Personen.

Das glp lab dient als Ideen- und Innovationsplattform.

Internationale Zusammenarbeit

Die GLP wurde am 28. Juni 2019 einstimmig als Mitglied in die ALDE-Partei aufgenommen.

Die ALDE vereinigt liberale Parteien aus zahlreichen europäischen Staaten.

Durch die Mitgliedschaft beteiligt sich die GLP an europäischen Parteikongressen, politischen Arbeitsgruppen und gemeinsamen Projekten.

Die internationale Zusammenarbeit entspricht ihrer europafreundlichen und multilateralen Ausrichtung.[9]

Parteifinanzierung

Die GLP finanziert sich hauptsächlich durch:

  • Mitgliederbeiträge;
  • Spenden;
  • Mandatsabgaben;
  • Beiträge der Kantonalparteien;
  • Veranstaltungserträge.

Wie andere Schweizer Parteien erhält sie keine allgemeine direkte staatliche Parteienfinanzierung auf Bundesebene.

Die Partei veröffentlicht Angaben zu ihrer Finanzierung und unterstützt nach eigenen Angaben die auf Bundesebene eingeführten Transparenzregeln für Parteien, Wahlkampagnen und Abstimmungskomitees.

Grössere Spenden unterliegen den gesetzlichen Offenlegungspflichten der schweizerischen Politikfinanzierung.[10]

Wählerschaft

Die GLP erzielt überdurchschnittliche Ergebnisse in Städten, Agglomerationen und wirtschaftlich dynamischen Regionen.

Zu ihrer typischen Wählerschaft zählen vergleichsweise häufig:

  • Personen mit höherer Bildung;
  • Erwerbstätige in Dienstleistungs- und Wissensberufen;
  • Unternehmerinnen und Unternehmer;
  • jüngere und mittelalte Stimmberechtigte;
  • gesellschaftlich liberale Personen;
  • umweltbewusste Wählerinnen und Wähler der politischen Mitte.

Die Partei konkurriert je nach Thema und Region mit Grünen, FDP, Mitte, SP und EVP.

In der Deutschschweiz ist sie deutlich stärker als in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Bei den Nationalratswahlen 2023 erreichte sie in der deutschsprachigen Schweiz 8,4 Prozent, in der französischsprachigen Schweiz 5,6 Prozent und in der italienischsprachigen Schweiz 1,5 Prozent.

Verhältnis zu anderen Parteien

Grüne Schweiz

Mit den Grünen bestehen grosse Gemeinsamkeiten beim Klima-, Umwelt- und Naturschutz.

Unterschiede zeigen sich besonders bei:

  • Wirtschaftspolitik;
  • Rolle des Staates;
  • Steuern;
  • Regulierung;
  • Freihandel;
  • individuellen Anreizen.

Die GLP bevorzugt häufiger marktwirtschaftliche Instrumente und ist gegenüber wirtschaftlichem Wachstum grundsätzlich offener, sofern dieses ressourcenschonend und klimaverträglich gestaltet wird.

FDP.Die Liberalen

Mit der FDP bestehen Gemeinsamkeiten bei:

  • Unternehmertum;
  • Wettbewerb;
  • Innovation;
  • liberalem Arbeitsmarkt;
  • Eigenverantwortung;
  • gesellschaftlicher Freiheit.

Die GLP fordert jedoch deutlich stärkere Klima- und Umweltschutzmassnahmen und ist eher bereit, Umweltbelastungen durch Abgaben, Standards oder regulatorische Vorgaben zu verteuern.

Europapolitisch tritt sie meist integrationsfreundlicher auf.

Die Mitte

Mit der Mitte teilt die GLP eine Position zwischen den politischen Blöcken und die Bereitschaft zu wechselnden Mehrheiten.

Die GLP ist in gesellschaftspolitischen Fragen gewöhnlich liberaler und in der Umweltpolitik ambitionierter.

SP und Grüne

Bei Gleichstellung, Europapolitik, Menschenrechten und Klimaschutz entstehen häufig Mehrheiten mit SP und Grünen.

In Finanz-, Steuer- und Sozialpolitik vertritt die GLP jedoch meist zurückhaltendere staatliche Lösungen und legt stärkeren Wert auf Eigenverantwortung und marktwirtschaftliche Mechanismen.

Bundesratsfrage

Die GLP war bisher nie im Bundesrat vertreten.

Mit dem starken Wahlergebnis von 2019 und ihrer zunehmenden kantonalen Verankerung wurde wiederholt diskutiert, ob die Partei langfristig Anspruch auf einen Bundesratssitz erheben könnte.

Die bestehende parteipolitische Zusammensetzung des Bundesrates berücksichtigt die vier grösseren Regierungsparteien SVP, SP, FDP und Mitte.

Die GLP argumentiert, dass sich die Sitzverteilung langfristig an den tatsächlichen Wählerstärken und der politischen Bedeutung der Parteien orientieren sollte.

Wegen ihrer geringeren Stärke gegenüber den etablierten Bundesratsparteien und ihrer Verluste von 2023 besteht kurzfristig jedoch kein allgemein anerkannter Anspruch auf einen eigenen Sitz.

Mit Viktor Rossi stellt die Partei seit 2024 den Bundeskanzler. Dieses Amt ist institutionell bedeutend, zählt aber nicht zur Landesregierung.

Kritik

Kritiker werfen der GLP vor, ökologische und wirtschaftsliberale Ziele seien nicht immer widerspruchsfrei miteinander vereinbar.

Von linker Seite wird kritisiert, die Partei vertraue zu stark auf Marktmechanismen und berücksichtige soziale Verteilungswirkungen von Umweltabgaben zu wenig.

Konservative und wirtschaftsliberale Kritiker beurteilen ihre Klima- und Europapolitik dagegen teilweise als zu staatsnah oder zu integrationsfreundlich.

Weitere Kritikpunkte betreffen:

  • eine teilweise schwer erkennbare Abgrenzung zu anderen Mitteparteien;
  • wechselnde parlamentarische Allianzen;
  • begrenzte Verankerung in ländlichen Regionen;
  • geringere Stärke in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz;
  • die Abhängigkeit der Wahlerfolge von Klima- und Umweltthemen;
  • fehlende Erfahrung in der Bundesregierung.

Die Partei betrachtet ihre wechselnden Allianzen nicht als Unentschlossenheit, sondern als Folge einer sachbezogenen Politik ausserhalb fester Lager.

Bedeutung im Parteiensystem

Die GLP gehört zu den jüngsten Parteien mit einer dauerhaften Vertretung in der Bundesversammlung.

Ihr Aufstieg zeigt die zunehmende Bedeutung von Umwelt-, Klima-, Europa- und Gesellschaftsfragen in der politischen Mitte.

Die Partei hat dazu beigetragen, marktwirtschaftliche Instrumente des Umweltschutzes stärker in die politische Diskussion einzubringen.

Durch ihre Position zwischen den traditionellen Blöcken kann sie bei knappen Abstimmungen im Parlament entscheidend sein.

Ihre weitere Entwicklung hängt unter anderem davon ab, ob es ihr gelingt:

  • ihre kantonale und kommunale Verankerung zu vertiefen;
  • ausserhalb urbaner Regionen neue Wählerschichten anzusprechen;
  • ihre Position gegenüber FDP, Mitte und Grünen klar zu vermitteln;
  • ökologische und soziale Auswirkungen ihrer Wirtschaftspolitik überzeugend zu verbinden;
  • ihre Präsenz in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz auszubauen.

Chronologie

Wichtige Ereignisse
Datum beziehungsweise Jahr Ereignis
2004 Gründung der Grünliberalen Partei im Kanton Zürich.
2006 Erste Erfolge bei kommunalen Wahlen im Kanton Zürich.
April 2007 Einzug mit zehn Sitzen in den Zürcher Kantonsrat.
19. Juli 2007 Gründung der Grünliberalen Partei Schweiz.
Oktober 2007 Gewinn von drei Nationalratssitzen bei der ersten Teilnahme an eidgenössischen Wahlen.
November 2007 Verena Diener wird in den Ständerat gewählt.
2011 Die GLP erreicht 5,4 Prozent und gewinnt zwölf Nationalrats- sowie zwei Ständeratssitze.
2011 Bildung einer eigenen Grünliberalen Fraktion.
2012 Einreichung der Volksinitiative «Energie- statt Mehrwertsteuer».
8. März 2015 Deutliche Ablehnung der Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer».
Oktober 2015 Rückgang auf sieben Nationalratssitze; Verlust der Vertretung im Ständerat.
2017 Jürg Grossen übernimmt das nationale Parteipräsidium.
28. Juni 2019 Aufnahme in die europäische ALDE-Partei.
Oktober 2019 Rekordergebnis von 7,8 Prozent und 16 Nationalratssitze.
2020 Esther Keller wird erste grünliberale Kantonsregierungsrätin.
2022 Peter Truttmann wird in den Nidwaldner Regierungsrat gewählt.
2. April 2022 Mit der Aufnahme der Kantonalpartei Uri ist die GLP in allen 26 Kantonen organisiert.
Oktober 2023 Die Partei erreicht 7,6 Prozent und zehn Nationalratssitze.
November 2023 Tiana Angelina Moser wird in den Zürcher Ständerat gewählt.
13. Dezember 2023 Viktor Rossi wird zum Bundeskanzler gewählt.
9. Januar 2025 Matthias Samuel Jauslin tritt der GLP und ihrer Fraktion bei.

Siehe auch

Literatur

  • Adrian Vatter: Das politische System der Schweiz. Nomos, Baden-Baden.
  • Wolf Linder, Sean Mueller: Schweizerische Demokratie. Institutionen, Prozesse, Perspektiven. Haupt, Bern.
  • Claude Longchamp: Die Parteienlandschaft der Schweiz. Bern.
  • Grünliberale Partei Schweiz: Leitlinien der Grünliberalen Schweiz. Bern.
  • Grünliberale Partei Schweiz: Strategiepapiere und Positionspapiere. Bern.
  • Bundesamt für Statistik: Eidgenössische Wahlen. Nationalratswahlen. Neuenburg.
  • Schweizerische Bundeskanzlei: Der Bund kurz erklärt. Bern.

Einzelnachweise

  1. Unsere Geschichte. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. National- und Ständerätinnen und -räte. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Leitlinien und Positionen. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Parteistärken bei Nationalratswahlen. In: Bundesamt für Statistik. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Umwelt und Energie. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Wirtschaft und Finanzen. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Europa-, Aussen- und Sicherheitspolitik. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  8. Präsidium und Geschäftsleitung. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  9. Alliance of Liberals and Democrats for Europe. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  10. Transparenz. In: Grünliberale Partei Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.