Lega dei Ticinesi
Lega dei Ticinesi (meist kurz Lega) ist eine politische Bewegung und Partei im Kanton Tessin. Sie wurde am 17. Januar 1991 in Lugano von Giuliano Bignasca, Flavio Maspoli und Mauro Malandra gegründet. Die Lega versteht sich als stark auf die Interessen der Tessiner Bevölkerung ausgerichtete Bewegung und gehört seit den 1990er-Jahren zu den prägenden politischen Kräften des Kantons.
Politikwissenschaftlich und im Historischen Lexikon der Schweiz wird die Lega als populistische und regionalistische Bewegung eingeordnet.[1] Sie vertritt insbesondere restriktive Positionen in der Migrations- und Europapolitik, betont die Interessen der einheimischen Bevölkerung und setzt sich für tiefere Steuern, eine Begrenzung staatlicher Bürokratie sowie den Schutz von Arbeitsplätzen im Tessin ein. Gleichzeitig vertritt sie in einzelnen sozialpolitischen Fragen Positionen, die sich von klassischen wirtschaftsliberalen Rechtsparteien unterscheiden.
Seit 1995 ist die Lega ohne Unterbruch im Staatsrat des Kantons Tessin vertreten. Seit 2011 besetzt sie zwei der fünf Regierungssitze. In der Legislaturperiode 2023–2027 gehören Norman Gobbi und Claudio Zali der Tessiner Kantonsregierung an.[2] Im Nationalrat wird die Partei seit 2011 unter anderem durch Lorenzo Quadri vertreten; seit den eidgenössischen Wahlen 2019 besitzt sie dort einen Sitz.
| Lega dei Ticinesi | |
|---|---|
| Kurzbezeichnung | Lega |
| Art | politische Partei und Bewegung |
| Gründung | 17. Januar 1991 |
| Gründungsort | Lugano |
| Gründer | Giuliano Bignasca, Flavio Maspoli, Mauro Malandra |
| Sitz | Lugano |
| Kanton | Tessin |
| Koordinator | Daniele Piccaluga |
| Staatsrat Tessin | 2 von 5 Sitzen |
| Grosser Rat Tessin | 14 von 90 Sitzen (Stand 2026) |
| Nationalrat | 1 Sitz |
| Ständerat | 0 Sitze |
| Nationalratsfraktion | Fraktion der SVP |
| Jugendorganisation | Movimento Giovani Leghisti |
| Website | lega-dei-ticinesi.ch |
Name
Der italienische Name Lega dei Ticinesi lässt sich sinngemäss als «Liga der Tessiner» oder «Bund der Tessinerinnen und Tessiner» übersetzen. Im politischen Sprachgebrauch wird jedoch fast ausschliesslich der italienische Originalname oder die Kurzform Lega verwendet.
Der Name verweist auf den regionalpolitischen Charakter der Bewegung. Anders als die meisten im Bundesparlament vertretenen Parteien verfügt die Lega nicht über eine gesamtschweizerische Parteiorganisation. Ihr politisches Tätigkeitsgebiet konzentriert sich fast vollständig auf den Kanton Tessin.
Die Partei bezeichnet sich selbst häufig als Movimento («Bewegung») und betont damit ihre Entstehung als Protestbewegung ausserhalb des traditionellen Tessiner Parteiensystems.
Vorgeschichte
Die Entstehung der Lega ist eng mit dem Unternehmer und Verleger Giuliano Bignasca verbunden. Am 18. März 1990 erschien erstmals die von ihm gegründete Wochenzeitung Il Mattino della Domenica. Sie positionierte sich als oppositionelles und polemisches Medium gegenüber den traditionellen Parteien und politischen Institutionen des Kantons.[3]
Die Zeitung wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem bedeutenden Kommunikationsinstrument für politische Themen, die später auch das Programm der Lega prägten. Dazu gehörten Kritik an der etablierten Parteienlandschaft, Forderungen nach tieferen Steuern, Skepsis gegenüber einer stärkeren europäischen Integration sowie Fragen der Migration, der Grenzgänger und des Tessiner Arbeitsmarkts.
Aus dem Umfeld des Mattino della Domenica entwickelte sich schliesslich eine eigenständige politische Bewegung.
Gründung 1991
Die Lega dei Ticinesi wurde am 17. Januar 1991 in Lugano von Giuliano Bignasca, dem Journalisten und Politiker Flavio Maspoli sowie Mauro Malandra gegründet.[4]
Bignasca übernahm die Präsidentschaft und blieb bis zu seinem Tod 2013 die zentrale Persönlichkeit der Bewegung.
Bereits wenige Monate nach ihrer Gründung nahm die Lega an den Tessiner Kantonswahlen vom 14. April 1991 teil. Sie erreichte auf Anhieb 12,8 Prozent der Stimmen bei den Grossratswahlen.[1] Der Erfolg stellte für das bis dahin stark von den traditionellen Parteien geprägte Tessiner politische System einen erheblichen Einschnitt dar.
Im August 1991 entstand in Intragna die erste kommunale Sektion der Bewegung.[3]
Erste Erfolge auf Bundesebene
Auch bei den eidgenössischen Wahlen 1991 gelang der Lega ein aussergewöhnlich schneller Erfolg.
Marco Borradori und Flavio Maspoli wurden in den Nationalrat gewählt. Im zweiten Wahlgang der Ständeratswahlen gewann zudem Giorgio Morniroli einen Sitz im Ständerat.[3]
Damit stellte die erst wenige Monate zuvor gegründete Bewegung zeitweise drei Mitglieder der Bundesversammlung.
Giorgio Morniroli gehörte dem Ständerat bis 1995 an. Danach gelang der Lega keine erneute Wahl in die kleine Kammer. Im Nationalrat blieb sie dagegen mit wechselnd einem oder zwei Sitzen über Jahrzehnte vertreten.
Kommunalwahlen 1992
Bei den Kommunalwahlen 1992 setzte die Bewegung ihre schnelle Expansion fort. Nach eigenen Angaben zog sie in rund 70 kommunale Parlamente und 31 Gemeinderegierungen ein.[3]
Besonders stark entwickelte sich die Lega im Raum Lugano und in mehreren Agglomerationsgemeinden.
Die kommunale Ebene blieb in den folgenden Jahrzehnten ein wichtiges Standbein der Bewegung. Zahlreiche Lega-Mitglieder wurden in Gemeinderäte und Municipi gewählt.
Eintritt in die Kantonsregierung
Bei den Kantonswahlen 1995 erreichte die Lega nach eigenen Angaben 19,8 Prozent der Stimmen. Mit Marco Borradori gelang erstmals die Wahl eines Lega-Vertreters in den fünfköpfigen Staatsrat des Kantons Tessin.[3]
Borradori übernahm das Departement für Raumplanung und öffentliche Arbeiten beziehungsweise später das Dipartimento del territorio und blieb bis 2013 Mitglied der Kantonsregierung.
Der Eintritt in die Regierung bedeutete eine wichtige Veränderung für die Lega. Aus einer hauptsächlich oppositionellen Protestbewegung wurde eine Partei, die selbst Verantwortung für zentrale Bereiche der kantonalen Verwaltung übernahm.
Das Historische Lexikon der Schweiz bezeichnet diese Entwicklung als einen Prozess der Institutionalisierung.[1]
Entwicklung in den 1990er- und 2000er-Jahren
Bei den Grossratswahlen 1999 erreichte die Lega 21,1 Prozent und 16 Sitze im kantonalen Parlament. Bei den eidgenössischen Wahlen desselben Jahres gelang erneut die Wahl von zwei Nationalräten.[3]
Zu Beginn der 2000er-Jahre erlitt die Bewegung dagegen deutliche Verluste. Bei den Kantonswahlen 2003 sank ihr Stimmenanteil auf 11,9 Prozent; die Zahl der Grossratsmandate fiel auf elf.
Marco Borradori konnte seinen Sitz im Staatsrat jedoch behaupten. Auch im Nationalrat blieb die Lega vertreten, zunächst unter anderem durch Attilio Bignasca, den Bruder des Parteigründers.
2007 erholte sich die Bewegung bei den Kantonswahlen wieder und erreichte 15 Sitze im Grossen Rat.
Wahlerfolg von 2011
Einen ihrer grössten politischen Erfolge erzielte die Lega bei den Kantonswahlen vom April 2011.
Neben Marco Borradori wurde auch Norman Gobbi in den Staatsrat gewählt. Damit verfügte die Bewegung erstmals über zwei der fünf Sitze in der Tessiner Kantonsregierung.
Bei den Wahlen zum Grossen Rat erzielte die Lega nach eigenen Angaben 22,8 Prozent und gewann 21 Mandate.[3]
Auch bei den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2011 war sie erfolgreich. Roberta Pantani und Lorenzo Quadri wurden in den Nationalrat gewählt.
Damit gehörte die Lega endgültig zu den dominierenden politischen Kräften des Kantons.
Tod von Giuliano Bignasca
Am 7. März 2013 starb Parteigründer Giuliano Bignasca im Alter von 67 Jahren.
Sein Tod stellte die Bewegung vor die Frage, wie eine stark auf ihre Gründerfigur zugeschnittene Organisation weitergeführt werden sollte. Bignasca hatte nicht nur die Partei geprägt, sondern über den Mattino della Domenica auch deren öffentliche Kommunikation massgeblich beeinflusst.
Sein Bruder Attilio Bignasca übernahm danach eine wichtige koordinierende Funktion innerhalb der Bewegung.
Im selben Jahr verliess Marco Borradori den Staatsrat, nachdem er zum Stadtpräsidenten von Lugano gewählt worden war. Zunächst rückte Michele Barra in die Regierung nach. Nach dessen Tod im Oktober 2013 übernahm Claudio Zali den Sitz und die Leitung des Dipartimento del territorio.[2]
Kantonswahlen 2015 und 2019
Bei den Kantonswahlen 2015 bestätigte die Lega ihre beiden Regierungsmitglieder Norman Gobbi und Claudio Zali.
Im Grossen Rat erreichte sie nach eigenen Angaben 24,2 Prozent und 22 Mandate, eines ihrer stärksten kantonalen Wahlergebnisse.[3]
2019 wurden Gobbi und Zali erneut in den Staatsrat gewählt. Die Lega erreichte bei den Grossratswahlen 19,9 Prozent und 18 Sitze.[3]
Auf Bundesebene verlor die Partei bei den Nationalratswahlen 2019 einen ihrer zuvor zwei Sitze. Lorenzo Quadri blieb als einziger Lega-Vertreter im Nationalrat.
Neuorganisation
Nach dem Tod von Giuliano Bignasca und später von Attilio Bignasca entwickelte die Lega schrittweise eine stärker formalisierte Organisationsstruktur.
Am 20. Juni 2021 verabschiedete eine ausserordentliche Versammlung neue Statuten. Die Organisation wurde in den folgenden Jahren weiter angepasst.
Nach der aktuellen Statutenfassung vom 16. Juni 2024 ist die Lega rechtlich als politische Vereinigung nach den Artikeln 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches organisiert. Sitz der Vereinigung ist Lugano.[4]
Zu den statutarischen Organen gehören:
- die Mitgliederversammlung;
- der Koordinator;
- die Revisionsstelle.
Die Mitgliederversammlung ist das oberste Organ. Sie wählt den Koordinator und entscheidet unter anderem über Statutenänderungen, Jahresrechnung, Wahlallianzen sowie die Kandidaturen für kantonale und eidgenössische Ämter.[4]
Führung seit 2025
Nach einer Übergangsphase unter Norman Gobbi wählte die Lega am 26. Januar 2025 Daniele Piccaluga zum neuen kantonalen Koordinator.
Piccaluga war zuvor unter anderem Vizekoordinator, Mitglied des Grossen Rates und Vizegemeindepräsident von Monteceneri. Er wurde von der ausserordentlichen Parteiversammlung mit 63 Stimmen bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen gewählt.[5]
Nach den Statuten wird der Koordinator grundsätzlich für vier Jahre gewählt. Er vertritt die Partei nach aussen, koordiniert die politische Tätigkeit und schlägt Kandidatinnen und Kandidaten für kantonale und eidgenössische Ämter vor.[4]
Politische Ausrichtung
Die Lega lässt sich nicht vollständig in das klassische Links-Rechts-Schema der Schweizer Parteienlandschaft einordnen. Sie wird jedoch überwiegend dem rechten beziehungsweise rechtspopulistischen Spektrum zugerechnet.
Das Historische Lexikon der Schweiz beschreibt sie als populistische, regionalistische und europaskeptische Bewegung.[1] Auch internationale Darstellungen des schweizerischen Parteiensystems ordnen die Lega dem rechten politischen Lager zu.
Die Partei selbst stellt die Interessen der Tessiner Bevölkerung in den Mittelpunkt und bezeichnet sich als bürgernahe Bewegung.
Ihre politischen Positionen verbinden regionalistische und nationalkonservative Elemente mit Forderungen nach Steuersenkungen und einer restriktiven Migrationspolitik. Gleichzeitig tritt sie in verschiedenen Bereichen für soziale Leistungen zugunsten von Familien, älteren Menschen und wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungsgruppen ein.
Tessiner Regionalismus
Ein zentrales Element der Lega ist die Betonung der besonderen Interessen des Kantons Tessin innerhalb der Schweiz.
Die Partei argumentiert häufig, die besondere geografische und wirtschaftliche Situation des Kantons werde in der Bundespolitik zu wenig berücksichtigt. Zu den wiederkehrenden Themen gehören:
- der Arbeitsmarkt im Grenzgebiet;
- die Beziehungen zu Italien;
- der Schutz der italienischen Sprache;
- die Verkehrsverbindungen über die Alpen;
- die wirtschaftlichen Auswirkungen der Personenfreizügigkeit;
- die Stellung des Tessins gegenüber der Bundesverwaltung in Bern.
Diese starke regionale Ausrichtung unterscheidet die Lega von gesamtschweizerischen Parteien.
Europapolitik
Die Lega gehört zu den europaskeptischen politischen Kräften der Schweiz.
Bereits 1992 engagierte sie sich gegen einen Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Auch später lehnte sie eine institutionelle Annäherung an die Europäische Union ab, wenn diese nach Auffassung der Partei die politische Selbstständigkeit der Schweiz einschränkt.
Die Partei betont dabei insbesondere die direkte Demokratie, den Föderalismus und die nationale Souveränität.
Auch gegenüber den bilateralen Beziehungen zur EU vertritt die Lega häufig eine kritischere Haltung als die politische Mitte.
Migration und Grenzgänger
Migration gehört seit der Gründung zu den zentralen Themen der Lega.
Die Partei fordert eine restriktive Einwanderungs- und Asylpolitik und unterstützt Massnahmen zur Begrenzung der Zuwanderung. In ihrer offiziellen Grundsatzerklärung spricht sie sich gegen eine von ihr als «Massenimmigration» bezeichnete Entwicklung aus.[6]
Eine besondere Bedeutung hat im Tessin die Frage der Grenzgänger aus Italien. Zehntausende Personen überqueren regelmässig die Grenze, um im Kanton Tessin zu arbeiten.
Die Lega vertritt die Auffassung, dass ein starkes Wachstum der Grenzgängerbeschäftigung zu einem Druck auf Löhne und Arbeitsplätze der ansässigen Bevölkerung führen könne. Sie fordert deshalb einen stärkeren Schutz des lokalen Arbeitsmarkts und eine Bevorzugung von im Kanton ansässigen Arbeitskräften, soweit dies rechtlich möglich ist.
Kritiker der Partei werfen ihr im Zusammenhang mit Migration und Ausländerpolitik teilweise eine stark polarisierende oder fremdenfeindliche Rhetorik vor. Die Lega weist solche Einordnungen zurück und bezeichnet ihre Politik als Schutz der Interessen der einheimischen und ansässigen Bevölkerung.
Wirtschafts- und Steuerpolitik
In der Wirtschafts- und Finanzpolitik fordert die Lega grundsätzlich tiefere Steuern und Abgaben.
Nach ihren programmatischen Grundsätzen möchte sie insbesondere den Mittelstand und alleinstehende Steuerpflichtige entlasten.[6]
Zugleich spricht sie sich für eine Begrenzung staatlicher Bürokratie und eine effizientere öffentliche Verwaltung aus.
Die wirtschaftspolitischen Positionen der Lega unterscheiden sich jedoch teilweise von einem klassischen liberalen Programm. Die Partei unterstützt in verschiedenen Situationen staatliche Massnahmen zum Schutz von Arbeitsplätzen, einheimischen Unternehmen und bestimmten sozialen Gruppen.
Sie steht einer weitgehenden wirtschaftlichen Globalisierung kritisch gegenüber und verbindet wirtschaftspolitische Forderungen häufig mit regionalen Interessen.
Sozialpolitik
Die Lega betont in ihrer Selbstdarstellung den Schutz von Familien, älteren Menschen, Personen mit tiefen und mittleren Einkommen sowie anderen wirtschaftlich belasteten Bevölkerungsgruppen.[6]
Ein wiederkehrendes Thema sind die im Tessin vergleichsweise hohen Krankenkassenprämien.
Die Bewegung hat wiederholt kantonale Volksinitiativen und parlamentarische Vorstösse zur steuerlichen Entlastung bei Krankenkassenprämien lanciert beziehungsweise unterstützt.
Diese sozialpolitische Ausrichtung führt dazu, dass die Partei bei einzelnen Abstimmungen Positionen vertritt, die von anderen Parteien des rechten und bürgerlichen Lagers abweichen können.
Sicherheitspolitik
Die Lega fordert eine konsequente Bekämpfung von Kriminalität und eine starke Präsenz der Sicherheitsbehörden.
Besondere Aufmerksamkeit schenkt sie aufgrund der geografischen Lage des Tessins der grenzüberschreitenden Kriminalität.
Unter dem Lega-Regierungsrat Norman Gobbi wird seit 2011 das Dipartimento delle istituzioni geführt, zu dessen Aufgaben unter anderem Polizei, Migration, Justiz und institutionelle Fragen gehören.[2]
Die Partei verbindet ihre sicherheitspolitischen Forderungen häufig mit ihrer Migrations- und Grenzpolitik.
Verkehr und Infrastruktur
Verkehrspolitik besitzt aufgrund der Lage des Tessins zwischen den Alpen und der italienischen Grenze grosse Bedeutung.
Die Lega unterstützt grundsätzlich den Ausbau wichtiger Strassen- und Eisenbahninfrastrukturen. Zu den Themen gehören unter anderem:
- die A2;
- die A13;
- AlpTransit;
- der Ceneri-Basistunnel;
- der Ausbau des öffentlichen Verkehrs;
- regionale Strassenprojekte;
- die Verkehrsinfrastruktur im Raum Lugano.
Das Tessiner Departement für Raumplanung und Infrastruktur wird seit 2013 von Lega-Staatsrat Claudio Zali geleitet.[2]
Umweltpolitik
Die Umweltpolitik der Lega verbindet die Unterstützung konkreter Natur- und Landschaftsschutzmassnahmen mit Kritik an weitreichenden staatlichen Umweltauflagen.
In ihren offiziellen Grundsätzen bezeichnet sich die Partei als für den Schutz der Umwelt und Landschaft sensibilisiert, lehnt jedoch aus ihrer Sicht übertriebene ökologische Regulierungen ab.[6]
Unter dem von Claudio Zali geführten Dipartimento del territorio gehören Umwelt-, Energie-, Landschafts- und Mobilitätsfragen zu den kantonalen Zuständigkeiten.
Verhältnis zur SVP
Auf Bundesebene arbeitet die Lega eng mit der Schweizerischen Volkspartei (SVP) zusammen.
Beide Parteien vertreten insbesondere in Fragen der Migration, der schweizerischen Souveränität und der Europapolitik ähnliche Positionen.
Der Lega-Nationalrat Lorenzo Quadri gehört in der Bundesversammlung der SVP-Fraktion an.[7]
Die Lega ist jedoch keine Tessiner Kantonalpartei der SVP. Beide Organisationen sind rechtlich und organisatorisch selbstständig und treten im Kanton Tessin auch getrennt zu Wahlen an. Bei bestimmten Wahlen und Sachfragen arbeiten sie jedoch zusammen.
Bei den Tessiner Staatsratswahlen 2023 traten Lega und Tessiner SVP im Rahmen einer gemeinsamen Liste an.
Vertretung im Staatsrat
Seit 1995 ist die Lega ununterbrochen im fünfköpfigen Staatsrat des Kantons Tessin vertreten.
Die bisherigen Lega-Mitglieder des Staatsrates waren beziehungsweise sind:
| Zeitraum | Mitglied | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1995–2013 | Marco Borradori | erstes Lega-Mitglied im Staatsrat |
| seit 2011 | Norman Gobbi | Leiter des Dipartimento delle istituzioni |
| 2013 | Michele Barra | Nachfolger Borradoris |
| seit 2013 | Claudio Zali | Leiter des Dipartimento del territorio |
Seit 2011 hält die Lega zwei der fünf Regierungssitze. Norman Gobbi und Claudio Zali wurden für die Legislaturperiode 2023–2027 erneut gewählt.[2]
Vertretung im Grossen Rat
Die Lega gehört seit ihrer Gründung dem Grossen Rat an.
Bei den Kantonswahlen 2023 erhielt sie 14 der 90 Sitze.[8]
Auch durch personelle Wechsel während einer Legislatur kann sich die Zusammensetzung der Fraktion verändern. Im August 2026 gehörten laut offizieller Mitgliederliste des Grossen Rates weiterhin 14 Abgeordnete der Lega dei Ticinesi an.[9]
Zu ihnen gehören unter anderem Boris Bignasca, Daniele Piccaluga, Michele Guerra, Alessandro Mazzoleni und Stefano Quadri.
Mehrere Lega-Politiker standen dem Grossen Rat bereits als Präsident vor. Michele Guerra bekleidete das Amt 2024.[10]
Wahlergebnisse im Kanton
Die Stärke der Lega schwankte seit ihrer Gründung deutlich. Auf rasche Erfolge Anfang der 1990er-Jahre folgten sowohl starke Wachstumsphasen als auch vorübergehende Verluste.
| Jahr | Stimmenanteil Grossratswahl | Sitze im Grossen Rat | Sitze im Staatsrat |
|---|---|---|---|
| 1991 | 12,8 % | – | 0 |
| 1995 | 19,8 % | – | 1 |
| 1999 | 21,1 % | 16 | 1 |
| 2003 | 11,9 % | 11 | 1 |
| 2007 | 13,7 % | 15 | 1 |
| 2011 | 22,8 % | 21 | 2 |
| 2015 | 24,2 % | 22 | 2 |
| 2019 | 19,9 % | 18 | 2 |
| 2023 | – | 14 | 2 |
Die Angaben bis 2019 folgen der historischen Übersicht der Lega beziehungsweise dem Historischen Lexikon der Schweiz; für 2023 stammen die Sitzangaben aus den offiziellen Wahlresultaten des Kantons.[3][8]
Vertretung im Bundesparlament
Die Lega ist seit ihrer Gründung mit nur kurzen Veränderungen im Nationalrat vertreten.
Bei den ersten eidgenössischen Wahlen 1991 gewann sie zwei Nationalratssitze und einen Ständeratssitz.
Die Zahl ihrer Nationalratsmandate entwickelte sich danach wie folgt:
| Wahljahr | Nationalrat | Ständerat |
|---|---|---|
| 1991 | 2 | 1 |
| 1995 | 1 | 0 |
| 1999 | 2 | 0 |
| 2003 | 1 | 0 |
| 2007 | 1 | 0 |
| 2011 | 2 | 0 |
| 2015 | 2 | 0 |
| 2019 | 1 | 0 |
| 2023 | 1 | 0 |
Seit 2011 gehört Lorenzo Quadri dem Nationalrat an. Er wurde bei den eidgenössischen Wahlen 2023 erneut gewählt und ist in der Legislaturperiode 2023–2027 der einzige Vertreter der Lega im Bundesparlament.[7]
Er gehört der SVP-Fraktion an.
Kommunalpolitik
Die kommunale Ebene besitzt für die Lega traditionell eine grosse Bedeutung.
Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung war sie in zahlreichen Tessiner Gemeinden vertreten. In den folgenden Jahrzehnten gelang es der Bewegung insbesondere in den städtischen Gebieten und Agglomerationen eine starke lokale Basis aufzubauen.
Eine besondere Rolle spielt Lugano. Marco Borradori wurde 2013 zum Stadtpräsidenten gewählt und führte die Stadt bis zu seinem Tod 2021.
Sein Nachfolger Michele Foletti, ebenfalls Mitglied der Lega, wurde 2021 Stadtpräsident von Lugano.
Auch in zahlreichen kleineren Tessiner Gemeinden verfügt die Bewegung über Mitglieder in Gemeinderäten und kommunalen Exekutiven.
Il Mattino della Domenica
Die Wochenzeitung Il Mattino della Domenica ist historisch eng mit der Lega verbunden.
Sie wurde 1990 von Giuliano Bignasca gegründet und existierte somit bereits vor der Partei. Das Blatt entwickelte sich zu einem wichtigen Medium für die politische Mobilisierung der späteren Lega-Anhängerschaft.
Das Historische Lexikon der Schweiz beschreibt die Zeitung als wesentliches Instrument der frühen Protest- und Oppositionspolitik der Bewegung.[1]
Der Stil des Mattino ist bewusst zugespitzt und polemisch. Die Zeitung richtet sich direkt an eine breite Leserschaft und behandelt besonders häufig kantonale Politik, Migration, Europa, Verkehr, Steuern und soziale Fragen.
Diese Verbindung zwischen eigener medialer Plattform und politischer Bewegung gehörte insbesondere in den ersten Jahrzehnten zu den charakteristischen Merkmalen der Lega.
Politischer Stil
Die Lega entwickelte einen politischen Kommunikationsstil, der sich deutlich von der traditionell stärker institutionell geprägten Sprache der etablierten Tessiner Parteien unterschied.
Charakteristisch waren insbesondere unter Giuliano Bignasca:
- direkte und teilweise provokative Sprache;
- scharfe Kritik an politischen Eliten;
- starke Personalisierung politischer Kampagnen;
- intensive Nutzung der eigenen Wochenzeitung;
- Betonung von Volksnähe;
- häufige Verwendung von Initiativen und Referenden.
Dieser Stil trug zum schnellen Aufstieg der Partei bei, führte jedoch auch wiederholt zu Kontroversen.
Mit der dauerhaften Beteiligung an der Kantonsregierung wurde die Bewegung in vielen Bereichen institutioneller. Gleichzeitig blieb die konfrontative politische Kommunikation ein Teil ihrer Identität.
Direkte Demokratie
Die Lega nutzt die Instrumente der direkten Demokratie intensiv.
Seit den 1990er-Jahren beteiligte sie sich an zahlreichen kantonalen und eidgenössischen Initiativen und Referenden. Dabei unterstützte sie sowohl eigene Vorlagen als auch Volksbegehren anderer politischer Kräfte.
Zu den Themen gehörten unter anderem:
- europäische Integration;
- Migration;
- Einbürgerung;
- Steuern;
- Krankenkassenprämien;
- Verkehr;
- öffentliche Ausgaben;
- Sicherheit;
- Arbeitsmarkt;
- religiöse Symbole und Verhüllung.
Die Fähigkeit, politische Kampagnen ausserhalb des Parlaments zu führen, gehört zu den wesentlichen Elementen der Bewegung.
Jugendorganisation
Die Jugendorganisation der Partei trägt den Namen Movimento Giovani Leghisti.
Nach den Parteistatuten richtet sie sich an politisch aktive Lega-Angehörige im Alter von 15 bis 35 Jahren.[4]
Die Jugendorganisation beteiligt sich unter anderem an Wahl- und Abstimmungskampagnen und dient der Nachwuchsförderung innerhalb der Partei.
Bedeutende Persönlichkeiten
Giuliano Bignasca
Giuliano Bignasca war Gründer und über zwei Jahrzehnte die dominierende Persönlichkeit der Lega. Er war Unternehmer, Verleger und Politiker und wurde häufig unter seinem Spitznamen Nano bekannt.
Neben seiner Tätigkeit für die Partei war er Mitglied des Nationalrats und der Stadtregierung von Lugano.
Sein politischer Stil prägte die Bewegung nachhaltig.
Marco Borradori
Marco Borradori gehörte zu den erfolgreichsten Politikern der Partei. Er wurde 1991 in den Nationalrat und 1995 als erster Lega-Vertreter in den Tessiner Staatsrat gewählt.
2013 wechselte er in die Stadtregierung von Lugano und wurde Stadtpräsident. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod im August 2021.
Attilio Bignasca
Attilio Bignasca, der ältere Bruder Giuliano Bignascas, war langjähriges Mitglied des Grossen Rates und von 2003 bis 2009 beziehungsweise 2010 Mitglied des Nationalrats.
Nach dem Tod seines Bruders übernahm er wichtige koordinierende Aufgaben innerhalb der Partei. Er starb 2020.
Norman Gobbi
Norman Gobbi gehört seit 2011 dem Tessiner Staatsrat an.
Mit seiner Wahl gelang es der Lega erstmals, gleichzeitig zwei der fünf Regierungssitze zu besetzen. Gobbi leitet das Dipartimento delle istituzioni.
Claudio Zali
Claudio Zali wurde 2013 Nachfolger von Michele Barra im Staatsrat und leitet seither das Dipartimento del territorio.
Seine Zuständigkeiten umfassen unter anderem Raumplanung, Verkehr, Umwelt und Infrastruktur.
Lorenzo Quadri
Lorenzo Quadri wurde 2011 in den Nationalrat gewählt und vertritt die Lega seitdem auf Bundesebene.
Er gehört dort der SVP-Fraktion an.[7]
Bedeutung für das Tessiner Parteiensystem
Der Aufstieg der Lega veränderte das politische Kräfteverhältnis im Kanton Tessin grundlegend.
Vor ihrer Gründung wurde die kantonale Politik über Jahrzehnte vor allem von den Freisinnigen, Christdemokraten und Sozialdemokraten geprägt. Die Lega konnte innerhalb kurzer Zeit einen erheblichen Teil der Wählerschaft dieser traditionellen Parteien gewinnen.
Seit Mitte der 1990er-Jahre gehört sie dauerhaft der Kantonsregierung an. Seit 2011 stellt sie zwei Regierungsmitglieder und hat damit einen erheblichen Einfluss auf die kantonale Politik.
Ihre Entstehung gilt zugleich als eines der frühen Beispiele für den Aufstieg regionalistischer und populistischer Bewegungen in der modernen Schweizer Politik.
Die Lega verbindet dabei drei Ebenen: den ausgeprägten Tessiner Regionalismus, nationalkonservative Positionen in der Europa- und Migrationspolitik sowie sozialpolitische Forderungen zugunsten bestimmter Teile der Bevölkerung.
Dadurch entwickelte sie im Tessin ein eigenständiges politisches Profil, das sich weder vollständig mit jenem der SVP noch mit den traditionellen bürgerlichen Parteien des Kantons deckt.
Siehe auch
- Politik im Kanton Tessin
- Kanton Tessin
- Grosser Rat (Tessin)
- Staatsrat des Kantons Tessin
- Schweizerische Volkspartei
- Direkte Demokratie in der Schweiz
- Politische Parteien in der Schweiz
- Giuliano Bignasca
- Marco Borradori
- Norman Gobbi
- Claudio Zali
- Lorenzo Quadri
Weblinks
- Offizielle Website der Lega dei Ticinesi
- Lega dei Ticinesi im Historischen Lexikon der Schweiz
- Grosser Rat des Kantons Tessin
- Staatsrat des Kantons Tessin
- Schweizer Parlament
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Andrea Ghiringhelli: Lega dei Ticinesi, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 10. März 2017.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Repubblica e Cantone Ticino: Consiglio di Stato dal 1803 ad oggi, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 Lega dei Ticinesi: La storia della Lega dei Ticinesi, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Lega dei Ticinesi: Statuti, Fassung vom 16. Juni 2024, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Lega dei Ticinesi: Daniele Piccaluga neuer Koordinator, Januar 2025, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 Lega dei Ticinesi: Principi, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 Schweizer Parlament: Lorenzo Quadri, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ 8,0 8,1 Repubblica e Cantone Ticino: Elezioni cantonali 2023 – Ripartizione seggi, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Repubblica e Cantone Ticino: Composizione attuale del Gran Consiglio, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Repubblica e Cantone Ticino: Presidenti del Gran Consiglio dal 1900 a oggi, abgerufen am 15. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Lega dei Ticinesi