Bahnhof Hendschiken

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Bahnhof Hendschiken
Ort Hendschiken
Kanton Aargau
Bezirk Lenzburg
Typ Trennungsbahnhof
Betreiber SBB
Eröffnung 23. Juni 1874
Spurweite 1435 mm
Strecken Rupperswil–Immensee
Brugg–Hendschiken
Linien S25, S26, S42
Tarifverbund A-Welle
Zone 530

Der Bahnhof Hendschiken ist ein Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) in der Gemeinde Hendschiken im Bezirk Lenzburg des Kantons Aargau. Er liegt an der historischen Aargauischen Südbahn und bildet den Verknüpfungspunkt der Strecken von Lenzburg beziehungsweise Rupperswil, Brugg AG und Wohlen AG.

Der Bahnhof wird im Personenverkehr von den Linien S25 und S26 der S-Bahn Aargau sowie zeitweise von der S42 nach Zürich HB bedient. Daneben besitzt der Eisenbahnknoten eine erhebliche Bedeutung für den Güterverkehr, insbesondere auf der Nord-Süd-Verbindung zwischen dem Raum Basel und der Gotthardachse.[1]

Das historische Aufnahmegebäude stammt aus dem Jahr 1874 und gehört zu den weitgehend erhaltenen Stationsgebäuden aus der Entstehungszeit der Aargauischen Südbahn. Es wurde vom Centralbahn-Architekten Rudolf Fechter entworfen und ist im Bauinventar der Aargauer Denkmalpflege dokumentiert.[2]

Lage

Der Bahnhof liegt südlich beziehungsweise südöstlich des historischen Dorfkerns von Hendschiken. Zur Zeit seiner Errichtung befand sich die Bahnstation deutlich ausserhalb der damaligen Dorfsiedlung. Erst mit der späteren Entwicklung der Gemeinde entstanden um den Bahnhof Wohnhäuser, Gewerbebetriebe und Industrieanlagen.[2]

Das historische Aufnahmegebäude befindet sich an der Industriestrasse 2. Östlich beziehungsweise südöstlich der Station führt die Bahnstrecke in Richtung Dottikon-Dintikon und Wohlen, während sich die Verbindungen nordwestlich des Bahnhofs in Richtung Lenzburg und Othmarsingen beziehungsweise Brugg aufteilen.

Durch diese Lage ist Hendschiken sowohl ein lokaler Zugangspunkt zum öffentlichen Verkehr als auch ein betrieblicher Eisenbahnknoten.

Geschichte

Eröffnung der Aargauischen Südbahn

Die Entwicklung des Bahnhofs ist eng mit dem Bau der Aargauischen Südbahn verbunden. Diese wurde von der Schweizerischen Centralbahn (SCB) und der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) gemeinsam geschaffen, um ihre bestehenden Netze mit der entstehenden Gotthardbahn zu verbinden.

Am 23. Juni 1874 wurde die Strecke Rupperswil–Lenzburg–Hendschiken–Wohlen eröffnet. Gleichzeitig nahm auch die Station Hendschiken ihren Betrieb auf. Damit erhielt das damals noch stark landwirtschaftlich geprägte Dorf erstmals einen Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz.

Die Bahnstrecke wurde in mehreren Etappen weiter nach Süden verlängert. 1875 erreichte sie Muri, 1881 Rotkreuz und 1882 schliesslich Immensee, wo der Anschluss an die Gotthardbahn hergestellt wurde.

Für die Entwicklung von Hendschiken war die Eisenbahn von erheblicher Bedeutung. In der Folge siedelten sich Gewerbe- und später Industriebetriebe im Umfeld der Station an.

Verbindung nach Brugg

Am 1. Juni 1882 wurde die Zweigstrecke von Hendschiken über Othmarsingen, Brunegg, Lupfig und Birr nach Brugg eröffnet. Damit wurde Hendschiken von einer einfachen Zwischenstation zu einem Trennungsbahnhof.

Die neue Verbindung ermöglichte Zügen aus Richtung Brugg den direkten Zugang zur Südbahn in Richtung Wohlen, Muri und Gotthard. Sie gewann insbesondere für den Güterverkehr erhebliche Bedeutung.

Historische Unterlagen über die Strecken und Stationsanlagen der Aargauischen Südbahn, darunter Pläne des Bahnhofs Hendschiken aus dem Jahr 1874, werden heute im Archiv von SBB Historic aufbewahrt.[3]

Übergang an die SBB

Mit der Verstaatlichung der grossen privaten Bahngesellschaften gingen die Strecken der Aargauischen Südbahn Anfang des 20. Jahrhunderts in das Netz der neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.

Seit 1902 gehört auch der Bahnhof Hendschiken zum SBB-Netz. Seine Funktion als Verzweigungspunkt blieb bestehen und gewann durch die zunehmende Bedeutung des Gotthardverkehrs zusätzlich an Gewicht.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden die Anlagen mehrfach den Anforderungen des modernen Bahnbetriebs angepasst. Dazu gehörten Elektrifizierung, Änderungen der Gleisanlagen, neue Sicherungsanlagen sowie der Umbau der Perrons und Zugänge.

Aufnahmegebäude

Das historische Aufnahmegebäude wurde 1874 errichtet. Entworfen wurde es von Rudolf Fechter, einem Architekten der Schweizerischen Centralbahn.[2]

Fechter griff für Hendschiken auf ein Normschema der Centralbahn für mittelgrosse Landstationen zurück. Das zweigeschossige Gebäude besitzt ein flach geneigtes Satteldach und fünf Fensterachsen auf den Längsseiten.

Architektonisch ist das Gebäude dem Spätklassizismus zuzuordnen. Charakteristisch sind unter anderem:

  • die gegliederten Fassaden mit Ecklisenen;
  • Sandsteineinfassungen an Fenstern und Türen;
  • horizontale Gurtgesimse;
  • runde Lüftungsöffnungen in den Giebelfeldern;
  • die reich gestaltete Dachuntersicht mit Elementen des Schweizer Holzstils.

Nach Einschätzung der Aargauer Denkmalpflege ist das äussere Erscheinungsbild des Gebäudes weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten.[2]

Zum historischen Ensemble gehört auch das von hölzernen Stützen getragene Perrondach. Ebenfalls aus der Entstehungszeit stammt ein kleines freistehendes ehemaliges Abtrittgebäude. Ein Güterschuppen kam dagegen erst um 1940 hinzu.[2]

Das Ensemble vermittelt damit noch heute einen Eindruck davon, wie eine mittelgrosse Landstation der Schweizerischen Centralbahn beziehungsweise der Aargauischen Südbahn im späten 19. Jahrhundert gestaltet war.

Gleisanlagen

Hendschiken liegt an zwei normalspurigen Strecken des SBB-Netzes. Die Hauptachse führt von Lenzburg über Hendschiken und Wohlen in Richtung Rotkreuz und Immensee. Die zweite Strecke verbindet Hendschiken über Othmarsingen mit Brugg.

Richtung Nächster wichtiger Bahnhof Bedeutung
Nordwest Lenzburg Verbindung nach Aarau und Olten
Nord Othmarsingen / Brugg AG Verbindung in Richtung Brugg und Basel
Südost Wohlen AG Verbindung nach Muri und Rotkreuz

Alle Strecken sind normalspurig und elektrifiziert. Neben den für haltende Personenzüge genutzten Gleisen bestehen Anlagen zur Abwicklung und Führung des umfangreichen Durchgangsverkehrs.

Die Verzweigung der Strecken macht den Bahnhof betrieblich deutlich bedeutender, als es die Grösse der Gemeinde vermuten lässt.

Personenverkehr

Im Fahrplanjahr 2026 wird Hendschiken von drei S-Bahn-Linien bedient.[1]

Linie Laufweg Angebot in Hendschiken
S25 Brugg AG – Othmarsingen – Hendschiken – Wohlen – Muri AG regelmässiger Regionalverkehr
S26 OltenAarauLenzburg – Hendschiken – Wohlen – Rotkreuz wichtigste Grunderschliessung
S42 Zürich HB – Dietikon – Mellingen Heitersberg – Othmarsingen – Hendschiken – Wohlen – Muri AG verkehrt zeitweise, insbesondere zu nachfragestarken Zeiten

S25

Die S25 verbindet Muri über Wohlen, Hendschiken und Othmarsingen mit Brugg. Sie schafft damit eine direkte Verbindung aus dem Freiamt zum wichtigen Bahnknoten Brugg.

Für Hendschiken ist die S25 insbesondere deshalb von Bedeutung, weil sie die 1882 eröffnete Verbindung Hendschiken–Brugg im regelmässigen Personenverkehr nutzt.

S26

Die S26 bildet die wichtigste regionale Bahnverbindung des Bahnhofs. Sie verkehrt auf der Achse Lenzburg–Hendschiken–Wohlen–Muri–Rotkreuz und stellt in Lenzburg Anschlüsse in Richtung Aarau, Zürich und Bern her.

Im Grundangebot verkehren zwischen Lenzburg und Rotkreuz zwei Züge pro Stunde. Ein Teil der Verbindungen wird über Lenzburg hinaus in Richtung Aarau und Olten geführt.

Dadurch besitzt Hendschiken sowohl Anschlüsse an das Zentrum des Kantons Aargau als auch an das Freiamt und den Kanton Zug.

S42

Die S42 stellt eine direkte Verbindung von Muri und Wohlen über Hendschiken, Othmarsingen, Mellingen Heitersberg und Dietikon zum Zürcher Hauptbahnhof her.

Sie verkehrt nicht während des gesamten Tages, sondern ergänzt das Grundangebot zeitweise. Im Liniennetzplan der S-Bahnen Aargau für 2026 ist sie als zeitweise verkehrende S-Bahn ausgewiesen.[1]

Die S42 ist insbesondere für Pendlerinnen und Pendler von Bedeutung, da sie eine direkte Fahrt von Hendschiken in den Raum Zürich ermöglicht, ohne dass in Lenzburg oder Othmarsingen umgestiegen werden muss.

Güterverkehr

Eine besondere Bedeutung besitzt Hendschiken im Güterverkehr. Die Strecke Brugg–Hendschiken–Wohlen–Muri–Rotkreuz ist Teil einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung für Güterzüge.

Züge aus Richtung Basel und dem schweizerischen Mittelland können über Brugg und Hendschiken zur Gotthardachse gelangen. Dadurch lässt sich der dicht befahrene Raum Zürich umfahren.

Der Güterverkehr ist entsprechend deutlich stärker, als dies bei einem Bahnhof einer Gemeinde der Grösse Hendschikens normalerweise zu erwarten wäre.

Die Gemeinde Hendschiken wies in einer Publikation über den Bahnübergang beim Bahnhof darauf hin, dass zeitweise rund 250 Personen- und Güterzüge pro Tag den Übergang passierten. Einzelne Güterzüge erreichten dabei Längen von bis zu rund 800 Metern.[4]

Bahnübergang

Unmittelbar beim Bahnhof befindet sich ein niveaugleicher Strassenübergang. Wegen des intensiven Personen- und insbesondere Güterverkehrs sind die Barrieren häufig geschlossen.

Der Bahnübergang entwickelte sich deshalb über viele Jahre zu einem bedeutenden lokalen Verkehrsthema. Die Gemeinde bezeichnete die Anlage in einer eigenen Publikation als eine der bekanntesten Bahnschranken der Schweiz.[4]

Lange Güterzüge sowie unmittelbar aufeinanderfolgende Zugfahrten können zu vergleichsweise langen Schliesszeiten führen. Für den Strassen-, Fuss- und Veloverkehr stellt die Bahnlinie damit zugleich eine wichtige räumliche Trennung innerhalb des Gemeindegebiets dar.

Modernisierung der Bahnhofumgebung

Die Bahnhofanlagen wurden im Laufe der Zeit mehrfach angepasst. Anfang der 2000er-Jahre entstanden unter anderem neue Parkmöglichkeiten auf der Dorfseite sowie verbesserte Abstellanlagen für Velos.

Am 12. Februar 2005 wurde die neu gestaltete Bahnhofsumgebung mit einem Einweihungsfest eröffnet. Zur Anlage gehörten unter anderem neue Parkplätze und gedeckte Veloabstellplätze.[5]

Heute bietet die SBB am Bahnhof P+Rail sowie gedeckte Veloabstellplätze an. Nach Angaben der SBB stehen 16 P+Rail-Parkplätze und 90 gedeckte Veloparkplätze zur Verfügung.[6]

Tarif

Der Bahnhof liegt im Gebiet des Tarifverbunds A-Welle. Hendschiken gehört zur Tarifzone 530.[7]

Neben Fahrausweisen des Tarifverbunds können für entsprechende Fahrten auch nationale Fahrausweise des öffentlichen Verkehrs verwendet werden.

Durch die S42 besteht eine direkte Verbindung in das Gebiet des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV).

Bedeutung für Hendschiken

Die Eröffnung des Bahnhofs veränderte die Entwicklung Hendschikens nachhaltig. Die Station war 1874 ausserhalb des eigentlichen Dorfes angelegt worden. Mit der Zeit entstanden in ihrer Umgebung Gewerbe-, Industrie- und Wohnbauten.[2]

Der Bahnhof bildet heute einen wichtigen Anschluss der Gemeinde an die regionalen Zentren Lenzburg, Wohlen und Brugg. Über die S26 bestehen zudem Verbindungen in Richtung Aarau, Olten und Rotkreuz, während die S42 zu bestimmten Zeiten direkte Fahrten nach Zürich ermöglicht.

Seine überörtliche Bedeutung entsteht jedoch vor allem durch die Kombination von Personen- und Güterverkehr sowie die Funktion als Verzweigungspunkt zweier historischer Strecken der Aargauischen Südbahn.

Bedeutung für die Aargauische Südbahn

Hendschiken nimmt innerhalb der Aargauischen Südbahn eine besondere Stellung ein. Während zahlreiche Stationen lediglich entlang der Nord-Süd-Strecke liegen, verbindet der Bahnhof zwei unterschiedliche Zulaufstrecken.

Über Lenzburg besteht die Verbindung nach Rupperswil und Aarau. Über Othmarsingen führt eine zweite Achse nach Brugg und weiter in Richtung Basel. Beide treffen in Hendschiken auf die Strecke nach Wohlen, Muri und Rotkreuz.

Diese Struktur stammt im Wesentlichen noch aus dem Ausbau der Aargauischen Südbahn im 19. Jahrhundert. Sie ist bis heute für die Organisation des Personen- und Güterverkehrs von Bedeutung.

Historisches Ensemble

Neben seiner verkehrlichen Funktion besitzt der Bahnhof auch baugeschichtliche Bedeutung. Das Aufnahmegebäude zählt zu den noch vergleichsweise gut erhaltenen Beispielen der von Rudolf Fechter für die Aargauische Südbahn entworfenen Stationsbauten.

Die Aargauer Denkmalpflege hebt insbesondere die weitgehend erhaltene Fassadengestaltung, die sorgfältigen Sandsteindetails und die dekorative Dachkonstruktion hervor. Auch das historische hölzerne Perrondach ist erhalten.[2]

Ähnliche Stationsgebäude entstanden entlang der Südbahn unter anderem in Boswil-Bünzen, Oberrüti und Sins. Die einzelnen Bauten wurden allerdings in unterschiedlichen Bauweisen und Materialien ausgeführt.

Damit dokumentiert der Bahnhof Hendschiken neben der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs auch die Architektur kleinerer Schweizer Bahnhöfe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Siehe auch

Einzelnachweise

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Hendschiken