Bahnhof Aathal

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Bahnhof Aathal
Ehemaliges Stationsgebäude des Bahnhofs Aathal
Stationsname Aathal
Gemeinde Seegräben
Kanton Zürich
Bezirk Hinwil
Bauform Durchgangsbahnhof
Perrongleise 2
Abkürzung AAT
IBNR 8503124
Eröffnung 9. November 1857
Neubau 14. Mai 1990
Eigentümer Schweizerische Bundesbahnen
Strecke Bahnstrecke Wallisellen–Uster–Rapperswil
Tarifzone 132 (ZVV)
Linien S14, SN5
Koordinaten 47,335957° N, 8,765611° E

Der Bahnhof Aathal ist eine Bahnstation im Ortsteil Aathal der politischen Gemeinde Seegräben im Bezirk Hinwil des Kantons Zürich. Er liegt an der Bahnstrecke Wallisellen–Uster–Rapperswil zwischen den Bahnhöfen Uster und Wetzikon. Der Bahnhof wird von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betrieben und durch die Linie S14 der S-Bahn Zürich bedient.

Die heutige Station wurde 1990 auf einer neu trassierten Doppelspur eröffnet. Rund 80 Meter von ihr entfernt steht das historische Stationsgebäude, dessen älteste Bauteile aus dem 19. Jahrhundert stammen. Das Gebäude wurde 1992 als Ganzes verschoben und bildet zusammen mit seinen erhaltenen Stellwerkanlagen einen bedeutenden Zeugen der Eisenbahn- und Industriegeschichte des Zürcher Oberlands.[1]

Lage

Der Bahnhof befindet sich im engen Aatal am südlichen Rand des Ortsteils Aathal. Das Tal wird vom Aabach, der Bahnlinie sowie der Hauptstrasse zwischen Uster und Wetzikon geprägt. Die bewaldeten Talhänge steigen auf beiden Seiten steil an. Das Gemeindezentrum von Seegräben liegt oberhalb des Bahnhofs auf einer Geländeterrasse beim Pfäffikersee.

Die moderne Bahnhofsanlage befindet sich südlich der historischen Industriebauten und des ehemaligen Stationsgebäudes. Unmittelbar östlich der Station führt die Bahnstrecke durch den 265 Meter langen Aathaltunnel. In Richtung Wetzikon schliesst eine doppelspurige Strecke an, während der Abschnitt in Richtung Uster weiterhin weitgehend einspurig ist.

Der Bahnhof erschliesst neben dem Ortsteil Aathal auch das Dorf Seegräben, die umliegenden Industrie- und Gewerbegebiete sowie mehrere regional bedeutende Ausflugsziele. Das Sauriermuseum Aathal liegt wenige Gehminuten entfernt. Der Juckerhof in Seegräben ist vom Bahnhof über einen steilen Fussweg in ungefähr 15 Minuten erreichbar.[2]

Geschichte

Entstehung der Bahnverbindung

Die Bahnstrecke von Wallisellen nach Uster wurde am 1. August 1856 durch die Glatthalbahngesellschaft eröffnet. Bereits kurz darauf ging das Unternehmen in den Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) auf. Diese verlängerten die Strecke am 9. November 1857 durch das Aatal nach Wetzikon. Die Fortsetzung nach Rüti und Rapperswil folgte in den Jahren 1858 und 1859.

Bei der damaligen Industriesiedlung Aathal entstand zwischen 1857 und 1859 zunächst ein kleines provisorisches Stationsgebäude. Es enthielt ein Büro, einen Raum für das Bahnpersonal und einen Wartsaal. Die Einrichtung einer Station war vor allem für die im Tal ansässigen Textilbetriebe von Bedeutung. Die Spinnereien und weiteren Fabriken konnten Rohstoffe und Brennmaterial mit der Eisenbahn beziehen und ihre Erzeugnisse überregional versenden.[1]

Im Jahr 1863 wurde die Bahnhofanlage erweitert. 1883 entstand ein grösseres Stationsgebäude, in das ältere Gebäudeteile einbezogen wurden. Der Komplex umfasste Räume für den Bahnbetrieb, einen Wartsaal, Dienstwohnungen sowie Einrichtungen für die Abfertigung von Gütern. Wegen der zahlreichen Fabrikanschlüsse verfügte der Bahnhof zeitweise über mehrere Nebengleise und Weichen.

Mit der Verstaatlichung der Vereinigten Schweizerbahnen ging der Bahnhof 1902 in das Eigentum der neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über. Der Bahnhof blieb sowohl für den Personenverkehr als auch für die zahlreichen Industriebetriebe des Aatals wichtig.

Stellwerke und Güteranlagen

Die zunehmende Zahl der Zug- und Rangierbewegungen machte technische Sicherungsanlagen notwendig. 1912 erhielt der Bahnhof ein mechanisches Stellwerk der Bauform Bruchsal I. Die Stellwerkhebel waren in einem seitlichen Anbau des Stationsgebäudes untergebracht und über Drahtzüge mit den Weichen und Signalen verbunden.

Später kam eine weitere Stellwerkausstattung aus der Mitte des 20. Jahrhunderts hinzu. Die erhaltenen technischen Einrichtungen dokumentieren den Übergang von der mechanischen zur moderneren Sicherungstechnik. Sie gehören heute zu den besonders wertvollen Bestandteilen des historischen Bahnhofensembles.[1]

Die Gleisanlagen dienten insbesondere den Textilfabriken in Unteraathal und Oberaathal. Mehrere Betriebe waren über Anschlussgleise direkt mit der Hauptstrecke verbunden. Nach dem Niedergang der Textilindustrie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor der Bahnhof seine Bedeutung für den Güterverkehr. Zahlreiche Industriegleise wurden stillgelegt oder abgebrochen.

Umbau für die Zürcher S-Bahn

In den 1980er-Jahren wurden die Strecken und Bahnhöfe im Raum Zürich für die Einführung der Zürcher S-Bahn ausgebaut. Zwischen Uster und Wetzikon wurde eine zusätzliche Doppelspurinsel benötigt, damit sich die im Taktfahrplan verkehrenden Züge kreuzen konnten. Wegen der engen Platzverhältnisse im Aatal konnte die bestehende Bahntrasse nicht einfach um ein zweites Gleis ergänzt werden.

Die SBB beschlossen deshalb, die Strecke im Bereich des Bahnhofs zu begradigen und hangwärts zu verschieben. Auf der neuen Trasse entstanden ein zweigleisiger Bahnhof mit Mittelperron, eine Strassenüberführung und der 265 Meter lange Aathaltunnel. Die Kosten der Doppelspurinsel und der damit verbundenen Anlagen beliefen sich auf knapp 19 Millionen Franken.[3]

Am 14. Mai 1990 nahmen die SBB die neue Strecke und die moderne Station fahrplanmässig in Betrieb. Wenige Tage später, am 27. Mai 1990, begann der reguläre Betrieb der Zürcher S-Bahn. Der bisherige Bahnübergang konnte aufgehoben werden. Gleichzeitig wurden die meisten alten Weichen, Industrie- und Abstellgleise entfernt.

Das historische Stationsgebäude stand nach der Verlegung der Strecke ohne unmittelbaren Gleisanschluss. Da es als wichtiges Zeugnis der regionalen Eisenbahn- und Industriegeschichte erhalten werden sollte, wurde es nicht abgebrochen. Im Jahr 1992 setzte man das Gebäude auf Schienen und verschob es als Ganzes um rund 80 Meter an seinen heutigen Standort.[3]

Bahnhofsanlage

Moderne Station

Die heutige Station besitzt zwei Perrongleise an einem Mittelperron. Sie befindet sich auf dem doppelspurigen Abschnitt zwischen Aathal und Wetzikon. Westlich des Bahnhofs geht die Strecke in den einspurigen Abschnitt nach Uster über. Die Anlage ermöglicht deshalb neben dem Fahrgastwechsel auch Zugskreuzungen und ist für die Stabilität des Fahrplans zwischen Uster und Wetzikon von Bedeutung.

Der Bahnhof ist nicht mit einem bedienten Schalter ausgestattet. Billette können über die üblichen digitalen Vertriebskanäle und an einem Automaten bezogen werden. Nach Angaben der SBB stehen 44 gedeckte Veloabstellplätze sowie eine P+Rail-Anlage mit 32 Parkplätzen zur Verfügung.[4]

Die Stationsabkürzung lautet AAT, die internationale Betriebsstellennummer beziehungsweise IBNR ist 8503124.[5]

Historisches Stationsgebäude

Das historische Stationsgebäude steht nordwestlich der modernen Bahnstation. Es besteht aus mehreren in verschiedenen Bauphasen entstandenen Gebäudeteilen. Zum Ensemble gehören das ehemalige Aufnahme- und Dienstgebäude, ein Güterschuppen sowie die Anbauten für die Stellwerktechnik.

Die äussere Gestaltung entspricht einem ländlichen Bahnhof des späten 19. Jahrhunderts. Charakteristisch sind das langgestreckte Bauvolumen, das weit auskragende Satteldach und die Verbindung von gemauerten und hölzernen Bauteilen. Durch die erhaltenen Stellwerke und betrieblichen Einrichtungen lässt sich die frühere Funktionsweise eines regionalen Industrie- und Kreuzungsbahnhofs nachvollziehen.

Die Bahnhofanlage entstand in mehreren Etappen zwischen 1863, 1883 und 1989 beziehungsweise 1992. Sie gilt neben der historischen Lokremise beim Bahnhof Uster als einer der wichtigsten erhaltenen bahngeschichtlichen Zeugen im Zürcher Oberland.[1]

Verkehr

Im Fahrplanjahr 2026 wird Aathal im regulären Tagesverkehr von der Linie S14 der Zürcher S-Bahn bedient:

Die S14 verkehrt grundsätzlich im Halbstundentakt. Sie stellt direkte Verbindungen nach Uster, Zürich, ins Knonaueramt sowie nach Wetzikon und Hinwil her. In Uster und Wetzikon bestehen Umsteigemöglichkeiten auf weitere S-Bahn- und Buslinien.[6]

In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag hält zudem die Nacht-S-Bahn SN5:

Die Nachtverbindung erschliesst Aathal nach Betriebsschluss des regulären Tagesnetzes und verbindet den Bahnhof ohne Umsteigen mit dem Zürcher Stadtzentrum, dem Knonaueramt und dem oberen Zürichseegebiet.[7]

Der Bahnhof liegt in der ZVV-Tarifzone 132. Die unmittelbar bei der Station gelegene Haltestelle Aathal, Bahnhof wird im Jahresfahrplan 2026 nicht von einer regulären Buslinie bedient.

Bedeutung für den Freizeitverkehr

Neben den Einwohnerinnen und Einwohnern des Ortsteils Aathal nutzen zahlreiche Ausflugsgäste die Station. Von besonderer Bedeutung ist das nahe gelegene Sauriermuseum Aathal, das in den Gebäuden einer ehemaligen Spinnerei untergebracht ist. Das Museum zeigt Dinosaurierskelette, Fossilien, Rekonstruktionen und Modelle und gehört zu den bekanntesten Familienmuseen im Kanton Zürich.

Der Bahnhof dient ausserdem als Ausgangspunkt für Wanderungen nach Seegräben, zum Juckerhof und an den Pfäffikersee. Der Weg vom Talboden zum Dorf Seegräben überwindet auf kurzer Strecke einen beträchtlichen Höhenunterschied. Während der stark besuchten Herbstsaison spielt der Bahnhof auch für die Verkehrserschliessung des Juckerhofs und der umliegenden Erholungslandschaft eine wichtige Rolle.

Geplant ist eine Fuss- und Radwegbrücke über das Aatal, die das Dorf Seegräben besser mit dem Bahnhof und den Siedlungsgebieten im Tal verbinden soll. Der Anschluss an den Bahnhof ist über einen Lift vorgesehen.[8]

Geplanter Doppelspurausbau

Der Abschnitt zwischen Uster und Aathal gehört zu den letzten einspurigen Engpässen auf der stark befahrenen Bahnverbindung zwischen Zürich und dem Zürcher Oberland. Im Rahmen des Ausbauschritts 2035 plant der Bund einen Viertelstundentakt zwischen Zürich Hauptbahnhof, Uster und Wetzikon.

Als Voraussetzung dafür soll die Strecke zwischen Uster und Aathal auf einer Länge von 3,5 Kilometern vollständig doppelspurig ausgebaut werden. Das Projekt umfasst neben einem zweiten Gleis den Neubau oder Ersatz von fünf Brücken und Durchlässen, den Bau von Stützmauern, Anpassungen am Kraftwerkskanal sowie die Erneuerung der Signaltechnik zwischen Dübendorf und Uster.

Die SBB beziffern die Kosten auf ungefähr 150 Millionen Franken. Das Plangenehmigungsverfahren wurde im Sommer 2025 eingeleitet. Bei einem Verlauf ohne längere Beschwerdeverfahren ist ein Baubeginn nach dem derzeitigen Planungsstand in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre möglich. Die Bauzeit wird auf rund vier Jahre geschätzt.[9]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Bahnhof Aathal. In: Industriepfad Zürcher Oberland(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  2. Erlebnisbauernhof Juckerhof in Seegräben. In: Jucker Farm(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  3. 3,0 3,1 Christian Brändli: Die bewegte Geschichte des Bahnhofs Aathal. In: Zürcher Oberländer. 2026-01-30(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  4. Bahnhof Aathal. In: Schweizerische Bundesbahnen(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  5. Category: Aathal railway station. In: Wikimedia Commons(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  6. Linienfahrplan S14. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  7. Linienfahrplan SN5. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  8. Seegräben, Fuss- und Radwegbrücke Aathal. In: Kanton Zürich(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  9. Doppelspurausbau Uster–Aathal. In: Schweizerische Bundesbahnen(de). Abgerufen am 2026-08-04.

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