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Die Autobahn [[Autobahn A1 | Die Autobahn [[Autobahn A1|A1]] berührt den westlichen Teil des Bezirks und besitzt bei Effretikon und Kemptthal wichtige Anschlüsse. Sie verbindet den Bezirk mit Zürich, Winterthur, St.Gallen und dem übrigen schweizerischen Nationalstrassennetz. | ||
Kantonsstrassen führen von Effretikon über Fehraltorf und Pfäffikon nach Wetzikon sowie durch das Tösstal von Winterthur über Wila und Bauma nach Rüti. Weitere Strassen verbinden Pfäffikon mit Uster, Hittnau, Russikon und dem Bezirk Hinwil. | Kantonsstrassen führen von Effretikon über Fehraltorf und Pfäffikon nach Wetzikon sowie durch das Tösstal von Winterthur über Wila und Bauma nach Rüti. Weitere Strassen verbinden Pfäffikon mit Uster, Hittnau, Russikon und dem Bezirk Hinwil. | ||
Aktuelle Version vom 24. Juli 2026, 17:26 Uhr
| Bezirk Pfäffikon | |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Zürich |
| Hauptort | Pfäffikon |
| BFS-Nummer | 0108 |
| Fläche | 163,55 km² |
| Einwohner | 63'598 (31. Dezember 2024) |
| Bevölkerungsdichte | 389 Einwohner pro km² |
| Gemeinden | 10 |
| Region | Zürcher Oberland |
| Region-ISO | CH-ZH |
Der Bezirk Pfäffikon ist ein Bezirk im Nordosten des Kantons Zürich. Sein Hauptort ist Pfäffikon. Der Bezirk umfasst den nördlichen Teil des Zürcher Oberlandes und erstreckt sich vom Pfäffikersee und dem Kempttal bis in das Tösstal und zu den Höhenzügen an der Grenze zum Kanton Thurgau.
Der Bezirk ist ländlich geprägt, weist jedoch insbesondere im Westen mit Illnau-Effretikon, Lindau und Fehraltorf auch stark wachsende Siedlungs- und Wirtschaftsgebiete auf. Der Kanton Zürich bezeichnet den Pfäffikersee und das obere Tösstal als zwei der bedeutenden Naturlandschaften des Bezirks.[1]
Mit einer Fläche von rund 164 Quadratkilometern gehört der Bezirk zu den flächenmässig grösseren Bezirken des Kantons Zürich. Die zehn politischen Gemeinden unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Siedlungsstruktur. Während Illnau-Effretikon einen städtischen Charakter besitzt, bestehen Bauma, Hittnau, Russikon, Weisslingen, Wila und Wildberg aus zahlreichen Dörfern, Weilern, Aussenwachten und Einzelhöfen.
Geographie
Lage und Grenzen
Der Bezirk Pfäffikon liegt im nordöstlichen Teil des Kantons Zürich. Im Westen grenzt er an die Bezirke Bülach und Uster, im Süden an den Bezirk Hinwil und im Norden an den Bezirk Winterthur. Im Nordosten berührt das Bezirksgebiet bei Sternenberg die Grenze zum Kanton Thurgau.
Die Landschaft bildet einen Übergangsraum zwischen dem flacheren Zürcher Mittelland und den voralpinen Hügelzügen des Zürcher Oberlandes. Der westliche Bezirksteil um Lindau, Illnau-Effretikon und Fehraltorf gehört zum Kempttal. Die Gegend um Pfäffikon und Hittnau wird vom Pfäffikersee und den umliegenden Moränenlandschaften geprägt. Weiter östlich schliesst das hügelige Tössbergland mit Bauma, Wila und Wildberg an.
Der Hauptort Pfäffikon liegt am Nord- und Ostufer des Pfäffikersees. Illnau-Effretikon befindet sich im westlichen Bezirksteil an wichtigen Verkehrsachsen zwischen Zürich und Winterthur. Bauma und Wila liegen im Tösstal, während Wildberg, Hittnau, Russikon und Weisslingen überwiegend auf erhöhten Hügel- und Plateaulagen liegen.
Landschaft
Die heutige Landschaft wurde wesentlich durch die Eiszeiten geformt. Gletscher hinterliessen Moränenzüge, breite Talräume, Seen, Moore und zahlreiche kleinere Geländeterrassen. Im südlichen Bezirksteil ist der Pfäffikersee das auffälligste Landschaftselement. Der See und die angrenzenden Riedgebiete gehören zu den ökologisch wertvollsten Naturräumen des Zürcher Oberlandes.
Vom Kempttal steigt das Gelände gegen Osten und Nordosten zunehmend an. Das Tösstal wird von bewaldeten Hängen begleitet, die in zahlreiche Seitentäler und Tobel gegliedert sind. Rund um Sternenberg erreicht das Bezirksgebiet voralpinen Charakter. Zu den bekanntesten Erhebungen der Region gehört das Hörnli, dessen Umgebung ein beliebtes Wandergebiet bildet.
Die landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen vor allem im Kempttal, in der Umgebung des Pfäffikersees sowie auf den Hochflächen von Russikon, Weisslingen, Hittnau und Wildberg. Im östlichen Bezirksteil nimmt der Waldanteil deutlich zu.
Gewässer
Die wichtigsten Gewässer des Bezirks sind der Pfäffikersee, die Töss, die Kempt und verschiedene kleinere Bäche. Der Pfäffikersee entwässert über den Aabach in Richtung Greifensee. Die Töss durchfliesst den östlichen Bezirksteil und berührt unter anderem die Gemeinden Bauma und Wila.
Die Kempt entspringt im Zürcher Oberland und fliesst durch das Gebiet von Illnau-Effretikon in Richtung Winterthur. Sie war für die Entwicklung von Mühlen, Spinnereien und anderen frühen Industriebetrieben von Bedeutung.
Die zahlreichen Bäche und Tobel prägen besonders die Gemeinden Bauma, Hittnau, Wila und Wildberg. Viele Gewässer wurden im 19. und 20. Jahrhundert für Gewerbe und Industrie genutzt. Heute besitzen sie zusätzlich eine wichtige Funktion als Lebensräume und Vernetzungskorridore.
Klima
Das Klima entspricht grundsätzlich demjenigen des schweizerischen Mittellands. Aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen bestehen innerhalb des Bezirks jedoch merkliche Unterschiede. Der westliche Bezirksteil ist vergleichsweise mild, während auf den Höhen um Sternenberg, Bauma und Wildberg tiefere Temperaturen und höhere Niederschlagsmengen auftreten.
Im Winter fällt in den höheren Lagen regelmässiger Schnee als im Raum Zürich. Die ausgeprägten Niederschläge des Tössberglands trugen zur Entstehung der zahlreichen Bäche, Tobel und bewaldeten Steilhänge bei.
Gemeinden
Der Bezirk Pfäffikon umfasst zehn politische Gemeinden. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle entsprechen der ständigen Wohnbevölkerung am 31. Dezember 2024.[2]
| Wappen | Gemeinde | Hauptpostleitzahl | Einwohner |
|---|---|---|---|
| Bauma | 8494 | 5'112 | |
| Fehraltorf | 8320 | 6'883 | |
| Hittnau | 8335 | 3'970 | |
| Illnau-Effretikon | 8307 / 8308 | 17'756 | |
| Wappen von Lindau | Lindau | 8315 | 5'871 |
| Pfäffikon | 8330 | 12'750 | |
| Russikon | 8332 | 4'634 | |
| Weisslingen | 8484 | 3'496 | |
| Wila | 8492 | 2'113 | |
| Wappen von Wildberg | Wildberg | 8489 | 1'013 |
| Bezirk Pfäffikon | 63'598 | ||
Illnau-Effretikon ist die bevölkerungsreichste Gemeinde und das grösste städtische Zentrum des Bezirks. Pfäffikon ist die zweitgrösste Gemeinde sowie politischer und administrativer Hauptort. Fehraltorf, Lindau und Bauma bilden weitere regionale Siedlungs- und Versorgungszentren.
Wildberg ist die kleinste Gemeinde des Bezirks. Zahlreiche Gemeinden umfassen neben dem namensgebenden Hauptort weitere Dörfer und Weiler. Zur Gemeinde Bauma gehören unter anderem Saland und Sternenberg. Illnau-Effretikon umfasst unter anderem Effretikon, Illnau, Kyburg, Ottikon und Bisikon. Zur Gemeinde Lindau gehören Tagelswangen, Winterberg, Grafstal und Kleinikon.
Geschichte
Frühgeschichte und römische Zeit
Archäologische Funde belegen eine Besiedlung des Bezirksgebiets seit der Jungsteinzeit. Besonders bedeutend sind die Fundstellen am Pfäffikersee. In den ehemaligen Ufer- und Moorgebieten wurden Spuren prähistorischer Siedlungen gefunden, die zu den prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen gehören.
Die Fundstellen am Pfäffikersee zeigen, dass die günstige Lage zwischen Wasser, Wald und fruchtbaren Böden schon früh genutzt wurde. Aus der Bronze- und Eisenzeit sind weitere Siedlungs- und Grabfunde bekannt.
Während der römischen Zeit verliefen Verkehrswege durch das Gebiet. Das bedeutendste sichtbare Bauwerk aus dieser Epoche ist das Kastell Irgenhausen bei Pfäffikon. Die spätrömische Befestigungsanlage überwachte vermutlich eine Strassenverbindung und diente dem Schutz des umliegenden Gebiets.
Mittelalter
Im frühen Mittelalter entstanden zahlreiche alemannische Siedlungen. Ortsnamen, Gräberfelder und Schenkungsurkunden belegen die Besiedlung seit dem 7. und 8. Jahrhundert. Klöster wie St. Gallen, Einsiedeln, Allerheiligen in Schaffhausen und Rüti verfügten über Grundbesitz und kirchliche Rechte.
Im Hochmittelalter gehörten weite Teile des heutigen Bezirks zum Machtbereich der Grafen von Kyburg. Nach dem Aussterben des Geschlechts im Jahr 1264 fiel ein grosser Teil des kyburgischen Erbes an die Habsburger.
Die Grafschaft Kyburg war eines der wichtigsten Herrschaftsgebiete im nordöstlichen Mittelland. Ihr Zentrum bildete das Schloss Kyburg, das heute innerhalb der Gemeinde Illnau-Effretikon liegt. Die Herrschaft umfasste zahlreiche Dörfer und Gerichtsbezirke des späteren Bezirks Pfäffikon.
Die Stadt Zürich übernahm die Grafschaft Kyburg 1424 zunächst als Pfand. Während des Alten Zürichkriegs gelangte sie zeitweise wieder unter habsburgische Kontrolle. Im Jahr 1452 erwarb Zürich die Herrschaft endgültig. Schloss Kyburg wurde zum Sitz eines zürcherischen Landvogts.[3]
Reformation und frühe Neuzeit
Mit der von Huldrych Zwingli geprägten Zürcher Reformation wurde das Gebiet in den 1520er-Jahren reformiert. Die kirchlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse veränderten sich grundlegend. Klösterlicher Besitz wurde teilweise säkularisiert, während die Stadt Zürich zusätzliche Herrschafts- und Aufsichtsrechte übernahm.
Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von Ackerbau, Viehzucht, Waldwirtschaft und lokalem Handwerk. Ab dem 17. Jahrhundert gewann die textile Heimarbeit zunehmend an Bedeutung. Viele Familien ergänzten ihr landwirtschaftliches Einkommen durch Spinnen und Weben.
Die Landvogtei Kyburg blieb bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft im Jahr 1798 bestehen. Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Abgabenwesen wurden von der Zürcher Obrigkeit und ihren lokalen Amtsträgern bestimmt.
Helvetik und Bezirksgründung
Nach dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurde die alte Landvogtei aufgehoben. Ein Teil des heutigen Bezirks wurde dem Distrikt Fehraltorf zugeteilt. Andere Gemeinden gehörten zeitweise zu benachbarten Distrikten.
Durch die Mediationsakte von 1803 wurde die Verwaltung erneut umgestaltet. Fehraltorf und mehrere umliegende Gemeinden kamen zum Bezirk Uster, während einzelne westliche Gebiete anderen Bezirken zugeteilt wurden.
Im Zuge der Restauration wurde 1814 beziehungsweise 1815 das Oberamt Kyburg eingerichtet. Schloss Kyburg diente als Verwaltungssitz. Das Oberamt umfasste im Wesentlichen das Gebiet des späteren Bezirks Pfäffikon.[4]
Mit der liberalen Kantonsverfassung von 1831 wurden die Oberämter durch Bezirke ersetzt. Der Verwaltungssitz wurde von Kyburg nach Pfäffikon verlegt. Seither besteht der Bezirk Pfäffikon als kantonale Verwaltungseinheit.
Industrialisierung
Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war die textile Heimindustrie im Zürcher Oberland stark verbreitet. Mit der Mechanisierung entstanden entlang der Töss, der Kempt und weiterer Wasserläufe Spinnereien und Webereien. Das Wasser lieferte die Energie für Maschinen und bestimmte die Lage vieler Fabriken.
Bauma, Saland, Wila, Illnau und andere Orte entwickelten sich zu Standorten der Textilindustrie. Neben grossen Fabrikanlagen entstanden Arbeiterhäuser, Kanäle, Speicher und Verkehrswege. Das Industriekultur-Ensemble Neuthal bei Bauma erinnert an diese Epoche.
Die Eisenbahn beschleunigte die wirtschaftliche Entwicklung. Effretikon erhielt 1855 einen Bahnhof an der Strecke Zürich–Winterthur. Mit der Eröffnung weiterer Linien wurde der Ort zu einem wichtigen Eisenbahnknoten. Die Strecke Effretikon–Pfäffikon–Hinwil wurde 1876 eröffnet. Die Tösstalbahn erschloss Bauma und Wila.
Die unterschiedliche Verkehrsanbindung führte zu einer ungleichen Siedlungsentwicklung. Effretikon wuchs im 20. Jahrhundert stark, während viele höher gelegene Dörfer und Weiler ihren ländlichen Charakter bewahrten.[5]
Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bevölkerung in den verkehrsgünstig gelegenen Gemeinden deutlich zu. Besonders Effretikon entwickelte sich zu einem städtischen Wohn- und Arbeitsort. Im Jahr 1974 änderte die Gemeinde Illnau ihren Namen in Illnau-Effretikon.
Auch Pfäffikon, Fehraltorf und Lindau verzeichneten ein starkes Siedlungswachstum. Die Nähe zu Zürich und Winterthur sowie die guten Bahnverbindungen machten den westlichen Bezirksteil zu einem bevorzugten Wohnstandort.
Im ländlicheren Osten gingen zahlreiche Arbeitsplätze in der traditionellen Textilindustrie verloren. Gleichzeitig entwickelten sich neue Gewerbe-, Dienstleistungs- und Freizeitangebote. Ehemalige Industrieanlagen wurden teilweise erhalten und kulturell genutzt.
Am 1. Januar 2015 vereinigten sich die Gemeinden Bauma und Sternenberg zur heutigen Gemeinde Bauma. Am 1. Januar 2016 wurde die frühere Gemeinde Kyburg in Illnau-Effretikon eingegliedert. Dadurch sank die Zahl der Gemeinden des Bezirks von zwölf auf zehn.
Bevölkerung und Siedlung
Die Bevölkerungsentwicklung verlief innerhalb des Bezirks sehr unterschiedlich. Die westlichen Gemeinden Illnau-Effretikon, Lindau und Fehraltorf sind eng mit den Agglomerationsräumen Zürich und Winterthur verbunden. Dort entstanden seit der Mitte des 20. Jahrhunderts grössere Wohnquartiere, Gewerbezonen und Verkehrsanlagen.
Pfäffikon entwickelte sich als Bezirkshauptort, Einkaufszentrum und Dienstleistungsstandort. Die Gemeinde verbindet einen verdichteten Ortskern mit zahlreichen ländlichen Aussenwachten.
Bauma, Hittnau, Russikon, Weisslingen, Wila und Wildberg besitzen eine dezentrale Siedlungsstruktur. Neben den Hauptdörfern bestehen zahlreiche Weiler und Einzelhöfe. Besonders in den hügeligen Gebieten des Tössberglands prägen traditionelle Bauernhäuser und ehemalige Heimarbeiterhäuser das Ortsbild.
Viele Einwohnerinnen und Einwohner arbeiten ausserhalb ihrer Wohngemeinde. Bedeutende Pendlerziele sind Zürich, Winterthur, Uster, Dübendorf und Wetzikon. Gleichzeitig bestehen im Bezirk zahlreiche Arbeitsplätze in Gewerbe, Industrie, Handel, Gesundheitswesen, Bildung und Verwaltung.
Politik und Verwaltung
Der Bezirk ist eine Verwaltungseinheit des Kantons Zürich und besitzt kein eigenes Parlament. Die politischen Rechte werden auf kantonaler und kommunaler Ebene ausgeübt.
Zu den wichtigsten Bezirksbehörden gehören der Bezirksrat, das Statthalteramt und das Bezirksgericht. Der Bezirksrat beaufsichtigt die politischen Gemeinden und weitere öffentlich-rechtliche Körperschaften. Er entscheidet zudem über bestimmte Rechtsmittel gegen kommunale Beschlüsse.
Der Statthalter steht dem Bezirksrat vor und erfüllt Aufgaben in den Bereichen Aufsicht, Sicherheit, Polizei- und Verwaltungsrecht. Das Statthalteramt und die Bezirksratskanzlei befinden sich an der Hörnlistrasse in Pfäffikon.[6]
Das Bezirksgericht Pfäffikon behandelt Zivil- und Strafsachen der ersten kantonalen Instanz. Ihm sind unter anderem das Arbeitsgericht sowie die Schlichtungsbehörde in Miet- und Pachtsachen angegliedert.
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde für den Bezirk hat ihren Sitz in Illnau. Zahlreiche weitere Aufgaben werden durch Zweckverbände oder interkommunale Organisationen wahrgenommen.
Wirtschaft
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft besitzt im Bezirk weiterhin eine grosse landschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung. Viehhaltung, Milchwirtschaft, Ackerbau und Futterbau gehören zu den wichtigsten Betriebszweigen. In den tieferen Lagen werden zusätzlich Gemüse, Obst und Spezialkulturen angebaut.
Viele Landwirtschaftsbetriebe haben ihre Tätigkeit durch Direktverkauf, Hofläden, Gastronomie, soziale Angebote oder Agrotourismus ergänzt. Die bäuerliche Nutzung trägt wesentlich zum Erhalt der offenen Kulturlandschaft bei.
Industrie und Gewerbe
Die Textilindustrie prägte den Bezirk während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Spinnereien und Webereien nutzten die Wasserkraft der Töss, der Kempt und kleinerer Bäche. Mit dem Niedergang der schweizerischen Textilindustrie verloren viele traditionelle Betriebe ihre wirtschaftliche Funktion.
Heute wird die Wirtschaft von kleinen und mittleren Unternehmen getragen. Bedeutende Branchen sind Maschinenbau, Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Baugewerbe, Logistik, Lebensmittelproduktion und spezialisierte Dienstleistungen.
Grössere Gewerbe- und Industriegebiete befinden sich insbesondere in Illnau-Effretikon, Fehraltorf, Lindau und Pfäffikon. Auch Bauma besitzt eine vielfältige Gewerbestruktur.
Dienstleistungen
Der Dienstleistungssektor konzentriert sich vor allem auf Illnau-Effretikon und Pfäffikon. Handel, Verwaltung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Finanzdienstleistungen und persönliche Dienstleistungen stellen einen grossen Teil der Arbeitsplätze.
Pfäffikon erfüllt als Bezirkshauptort zentrale Versorgungsfunktionen für die umliegenden Gemeinden. Illnau-Effretikon profitiert von seiner Lage zwischen Zürich und Winterthur sowie von seiner Funktion als Verkehrsknoten.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Effretikon gehört zu den wichtigsten Verkehrsknoten des Bezirks. Er liegt an der Hauptstrecke Zürich–Winterthur und ist Ausgangspunkt beziehungsweise Verzweigungspunkt weiterer Bahnverbindungen.
Die Bahnstrecke Effretikon–Hinwil erschliesst Illnau, Fehraltorf und Pfäffikon. Sie verbindet den westlichen Bezirksteil mit dem Zürcher Oberland und dem Netz der S-Bahn Zürich.
Die Tösstalbahn führt von Winterthur über Wila, Saland und Bauma weiter in Richtung Rüti. Sie ist für die Erschliessung des östlichen Bezirksgebiets von grosser Bedeutung. Der Bahnhof Bauma dient zudem als Ausgangspunkt historischer Eisenbahnfahrten des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland.
Regionale Buslinien verbinden die Bahnhöfe mit den Dörfern, Weilern und Nachbargemeinden. Besonders in den hügeligen Gebieten übernehmen Busverbindungen eine wichtige Erschliessungsfunktion.
Strassenverkehr
Die Autobahn A1 berührt den westlichen Teil des Bezirks und besitzt bei Effretikon und Kemptthal wichtige Anschlüsse. Sie verbindet den Bezirk mit Zürich, Winterthur, St.Gallen und dem übrigen schweizerischen Nationalstrassennetz.
Kantonsstrassen führen von Effretikon über Fehraltorf und Pfäffikon nach Wetzikon sowie durch das Tösstal von Winterthur über Wila und Bauma nach Rüti. Weitere Strassen verbinden Pfäffikon mit Uster, Hittnau, Russikon und dem Bezirk Hinwil.
Die topografischen Verhältnisse führen im östlichen Bezirksteil zu kurvenreichen Strassen mit teilweise erheblichen Höhenunterschieden.
Langsamverkehr
Der Bezirk verfügt über ein dichtes Netz von Wander- und Velowegen. Beliebte Routen führen um den Pfäffikersee, entlang der Töss, durch das Kempttal und über die Höhenzüge des Tössberglands.
Der Rundweg um den Pfäffikersee verbindet Naturbeobachtung, Erholung und kulturgeschichtliche Sehenswürdigkeiten. Das Hörnli und die Höhen um Sternenberg sind wichtige Ziele für Wandernde und Velofahrende.
Natur und Umweltschutz
Der Pfäffikersee und seine Riedlandschaften gehören zu den bedeutendsten Schutzgebieten des Kantons Zürich. Flachmoore, Schilfgürtel, Feuchtwiesen und offene Wasserflächen bieten Lebensraum für zahlreiche Vogel-, Amphibien-, Pflanzen- und Insektenarten.
Teile der Seeufer sind nur eingeschränkt zugänglich. Wege, Beobachtungsstellen und Badeanlagen sollen die Erholungsnutzung mit dem Schutz empfindlicher Lebensräume vereinbaren.
Im Tösstal bilden naturnahe Flussabschnitte, Tobel und bewaldete Hänge weitere wichtige Lebensräume. Die Töss und ihre Zuflüsse wurden an verschiedenen Stellen ökologisch aufgewertet.
Die wachsende Bevölkerung stellt die Gemeinden vor Herausforderungen in den Bereichen Siedlungsentwicklung, Verkehr, Landschaftsschutz und Biodiversität. Regionale Planungen sollen neue Überbauungen auf geeignete Gebiete konzentrieren und grössere zusammenhängende Landschaftsräume bewahren.
Bildung und Gesundheit
Die Gemeinden führen Kindergärten, Primarschulen und teilweise eigene Sekundarschulen. In verschiedenen Bereichen bestehen gemeinsame Schulorganisationen oder Zweckverbände.
Weiterführende Schulen, Berufsschulen und Hochschulen befinden sich hauptsächlich in den nahe gelegenen Zentren Uster, Wetzikon, Winterthur und Zürich. Dank der Bahnverbindungen sind diese Bildungsstandorte aus grossen Teilen des Bezirks gut erreichbar.
Die medizinische Grundversorgung wird durch Arztpraxen, Apotheken, Therapieangebote, Pflegezentren und Spitex-Organisationen gewährleistet. Für die stationäre Versorgung orientiert sich die Bevölkerung vor allem an den Spitälern in Uster, Wetzikon und Winterthur.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Kyburg
Das Schloss Kyburg gehört zu den bedeutendsten Burganlagen der Schweiz. Es war Stammsitz der Grafen von Kyburg und später Sitz der zürcherischen Landvögte. Die Anlage beherbergt heute ein Museum zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Herrschafts-, Alltags- und Rechtsgeschichte.
Kastell Irgenhausen
Das Kastell Irgenhausen liegt auf einer Anhöhe nahe dem Pfäffikersee. Die sichtbaren Mauern gehören zu einer spätrömischen Befestigungsanlage. Das Kastell ist eines der bedeutendsten römischen Baudenkmäler im Kanton Zürich.
Industriekultur Neuthal
Das Industrieensemble Neuthal bei Bauma dokumentiert die Geschichte der Zürcher Textilindustrie. Historische Spinn-, Web- und Stickmaschinen sowie die erhaltenen Fabrikgebäude vermitteln einen Eindruck von den Produktionsbedingungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Eisenbahnkultur
Bauma ist ein Zentrum der historischen Eisenbahnkultur. Der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland betreibt historische Zugfahrten und bewahrt Fahrzeuge sowie technische Einrichtungen aus verschiedenen Epochen der Schweizer Eisenbahngeschichte.
Ortsbilder und Kirchen
Zahlreiche Dörfer besitzen historische Ortskerne mit Bauernhäusern, Gasthäusern, Mühlen und Kirchen. Besonders ausgeprägte ländliche Ortsbilder finden sich unter anderem in Sternenberg, Kyburg, Wildberg, Wila, Hittnau und Weisslingen.
Die reformierten Kirchen von Pfäffikon, Illnau, Bauma, Wila und weiteren Gemeinden erinnern an die lange kirchliche und politische Geschichte der Region.
Weitere Sehenswürdigkeiten
Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen gehören:
- der Pfäffikersee mit seinen Schutzgebieten und Strandbädern;
- das Hörnli und die Landschaft um Sternenberg;
- die Töss und ihre Wanderwege;
- das Ortsmuseum Pfäffikon;
- der Flugplatz Speck bei Fehraltorf;
- die historischen Dorfkerne von Bauma, Hittnau und Weisslingen;
- die ehemaligen Industrieanlagen entlang der Töss und der Kempt.
Regionale Zusammenarbeit
Die Gemeinden des Bezirks arbeiten in verschiedenen Organisationen und Zweckverbänden zusammen. Gemeinsame Aufgaben bestehen unter anderem in den Bereichen Abfallentsorgung, Wasserversorgung, Feuerwehr, Gesundheitsversorgung, Sozialwesen, öffentlicher Verkehr und Raumplanung.
Der Bezirk gehört zur Planungsregion Zürcher Oberland. Die regionale Zusammenarbeit soll die Interessen der Gemeinden gegenüber dem Kanton vertreten und eine abgestimmte Entwicklung von Siedlung, Landschaft und Verkehr fördern.
Die Bezeichnung Zürcher Oberland ist stärker als der Bezirksname mit einer gemeinsamen kulturellen und touristischen Identität verbunden. Der Bezirk Pfäffikon bildet zusammen mit dem Bezirk Hinwil sowie Teilen der Bezirke Uster und Winterthur einen wesentlichen Bestandteil dieser Region.
Gemeindeveränderungen
Seit der Gründung des Bezirks kam es zu mehreren Veränderungen im Gemeindebestand.
| Datum | Veränderung |
|---|---|
| 1. Januar 1974 | Umbenennung der Gemeinde Illnau in Illnau-Effretikon |
| 1. Januar 2015 | Vereinigung von Bauma und Sternenberg zur Gemeinde Bauma |
| 1. Januar 2016 | Eingemeindung der Gemeinde Kyburg in die Stadt Illnau-Effretikon |
Vor den beiden Gemeindefusionen von 2015 und 2016 bestand der Bezirk aus zwölf politischen Gemeinden. Seit 2016 umfasst er zehn Gemeinden.
Bis in das 20. und frühe 21. Jahrhundert bestanden in mehreren Gemeinden zusätzlich Zivilgemeinden. Diese öffentlich-rechtlichen Körperschaften erfüllten örtliche Aufgaben, bevor ihre Funktionen von den politischen Gemeinden übernommen wurden. Die letzten Zivilgemeinden des Bezirks wurden bis Ende 2009 aufgehoben.
Literatur
- Hans Kläui und Ueli Müller: Illnau-Effretikon. Von den Anfängen bis zum Umbruch des 19. Jahrhunderts. Illnau-Effretikon.
- Ueli Müller: Illnau-Effretikon im 19. und 20. Jahrhundert. Illnau-Effretikon.
- Peter Ziegler: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Zürich 1977.
- Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band 2: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Birkhäuser, Basel.
- Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band 3: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Birkhäuser, Basel.
- Martin Illi: Von der Kameralistik zum New Public Management. Geschichte der Zürcher Kantonsverwaltung von 1803 bis 1998. Regierungsrat des Kantons Zürich, Zürich 2008.
Siehe auch
- Zürcher Oberland
- Pfäffikon ZH
- Pfäffikersee
- Tösstal
- Grafschaft Kyburg
- Schloss Kyburg
- Liste der Bezirke des Kantons Zürich
- Kanton Zürich
Weblinks
- Bezirk Pfäffikon auf der Website des Kantons Zürich
- Zürcher Gemeinden in Zahlen
- Standortförderung Zürioberland
- Website der Gemeinde Pfäffikon
- Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland
- Museum Schloss Kyburg
Einzelnachweise
- ↑ Kanton Zürich: Bezirk Pfäffikon, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Bundesamt für Statistik: Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, 2010–2024, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Ueli Müller: Kyburg – Grafschaft und Burg, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Ueli Müller: Kyburg – Dorf, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 24. November 2016, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Ueli Müller: Illnau-Effretikon, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 18. Mai 2017, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Statthalterämter und Bezirksratskanzleien, abgerufen am 24. Juli 2026.