Bonstetten ZH
| Bonstetten ZH | |
|---|---|
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Affoltern |
| BFS-Nr. | 0003 |
| Postleitzahl | 8906 |
| Höhe | 543 m ü. M. |
| Fläche | 7.43 km² |
| Einwohner | 5'712 |
| Website | bonstetten.ch |
Bonstetten ist eine politische Gemeinde im Bezirk Affoltern des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt im Knonauer Amt südwestlich der Stadt Zürich zwischen dem Albis und dem Reusstal. Die Gemeinde besteht hauptsächlich aus den Siedlungsbereichen Bonstetten-Dorf und Schachen.[1]
Ende 2024 zählte Bonstetten 5'712 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Gemeindefläche beträgt rund 7,43 km².[2]
Geographie
Bonstetten liegt im Westen des Kantons Zürich im Bezirk Affoltern. Das Gemeindegebiet erstreckt sich in einer sanft hügeligen Landschaft zwischen dem Albis im Osten und dem Reusstal im Westen.
Das Dorfzentrum liegt auf rund 543 m ü. M. Die Höhen innerhalb des Gemeindegebiets reichen ungefähr von 502 bis 714 m ü. M.[3]
Die Gemeinde umfasst eine Fläche von rund 7,43 km². Davon entfallen etwa 218 Hektaren auf Wald.[4]
Bonstetten grenzt an folgende Gemeinden:
- Wettswil am Albis im Norden
- Stallikon im Osten
- Hedingen im Süden
- Islisberg im Westen
- Birmensdorf im Nordwesten
Die Grenze zu Islisberg ist gleichzeitig die Kantonsgrenze zwischen Zürich und dem Kanton Aargau.
Siedlungsstruktur
Die Gemeinde besteht im Wesentlichen aus zwei Siedlungsbereichen:
- Bonstetten-Dorf mit dem historischen Dorfkern, der reformierten Kirche und dem Gemeindehaus
- Schachen im nördlichen Teil der Gemeinde mit dem Bahnhof Bonstetten-Wettswil und neueren Wohn- und Gewerbegebieten
Zwischen beiden Teilen entstanden im Verlauf des 20. und frühen 21. Jahrhunderts zahlreiche neue Wohnquartiere. Dadurch entwickelte sich Bonstetten von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer überwiegend suburbanen Wohngemeinde der Agglomeration Zürich.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Die ältesten Spuren menschlicher Anwesenheit auf dem Gebiet von Bonstetten reichen bis in die Bronzezeit zurück.
Drei Grabhügel aus der Bronze- und Hallstattzeit gehören zu den frühesten bekannten archäologischen Zeugnissen. Im Gebiet Gibel wurden ausserdem Überreste eines römischen Wohngebäudes entdeckt.[5]
Eine 1994 entdeckte und 1995 archäologisch untersuchte Fundstelle im Gebiet Buen enthielt Keramikscherben, einen Mühlstein und Knochen. Die Funde werden der frühen Spätbronzezeit um etwa 1000 v. Chr. zugeordnet.
Mittelalter
Bonstetten wird im Jahr 1122 erstmals schriftlich als Boumstettin erwähnt. Die Nennung findet sich in einem Dokument des Bistums Konstanz.[5]
Im gleichen Zusammenhang erscheint mit Henricus de Bonstadin ein Angehöriger der Herren von Bonstetten. Eine kleine mittelalterliche Burganlage, die 1989 archäologisch untersucht wurde, könnte als Stammsitz dieses Adelsgeschlechts gedient haben.
Das Geschlecht von Bonstetten entwickelte sich später zu einer bedeutenden schweizerischen Adelsfamilie mit Besitz und politischen Ämtern in verschiedenen Regionen der Eidgenossenschaft.
Im Mittelalter wechselten die Herrschaftsrechte über Bonstetten mehrfach. Nach den Habsburgern gelangte die hohe Gerichtsbarkeit 1415 an die Stadt Zürich.[5]
Damit wurde Bonstetten langfristig Teil des Zürcher Herrschaftsgebiets.
Reformation und frühe Neuzeit
Mit der Reformation in Zürich im 16. Jahrhundert wurde auch Bonstetten reformiert.
Das Dorf blieb während der frühen Neuzeit vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Die Bevölkerung lebte von Ackerbau, Viehwirtschaft, Waldnutzung und lokalem Handwerk.
1635 wurden 495 Einwohner gezählt, 1712 waren es 612.[6]
Dorfbrand von 1783
Im Jahr 1783 ereignete sich ein schwerer Dorfbrand. Dabei wurden 23 Wohnhäuser zerstört, was ungefähr einem Drittel des damaligen Dorfbestands entsprach.[5]
Die Zürcher Regierung erliess für den Wiederaufbau strenge Bauvorschriften. Dadurch veränderte sich das Erscheinungsbild des Dorfkerns nachhaltig.
Mehrere historische Gebäude des heutigen Bonstetten stammen aus der Zeit des Wiederaufbaus nach diesem Brand.
19. Jahrhundert
1827 wurde die Waldeggstrasse gebaut, die Bonstetten über den Albis besser mit der Stadt Zürich verband. Diese neue Verkehrsachse erleichterte den Personen- und Warenverkehr erheblich.[5]
Einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt brachte 1864 die Eröffnung der Eisenbahn.
Zwischen 1868 und 1871 wurde das grosse Moorgebiet zwischen Bonstetten und Wettswil entwässert. Das Projekt sollte zusätzliche landwirtschaftlich nutzbare Flächen schaffen, belastete die Gemeinde jedoch während Jahrzehnten finanziell.[5]
Die Einwohnerzahl ging im Verlauf des 19. Jahrhunderts zunächst zurück. 1850 lebten 887 Menschen in Bonstetten, 1900 waren es nur noch 691.[6]
Ursache war unter anderem die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten in die wachsenden Industriezentren.
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs wurden weitere Meliorationsarbeiten durchgeführt. Zwischen 1941 und 1946 erfolgten eine umfassende Güterzusammenlegung und die Trockenlegung der letzten grösseren Riedflächen.[5]
Von 1943 bis 1945 bestand in Bonstetten ein Arbeitslager für jüdische Flüchtlinge.
Im Verlauf dieser Jahre wurden weit über tausend Männer im Lager untergebracht. Sie wurden unter anderem für Meliorations- und Rodungsarbeiten eingesetzt.[7]
Die Geschichte dieses Lagers gehört zu den bedeutenden lokalen Aspekten der schweizerischen Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs.
Entwicklung zur Wohngemeinde
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Bonstetten stark zu wachsen.
1950 lebten noch 888 Menschen in der Gemeinde. Bis zum Jahr 2000 stieg die Einwohnerzahl auf etwa 3'850 und bis 2010 auf über 5'100.[6]
Das Wachstum wurde insbesondere durch die Nähe zur Stadt Zürich und die verbesserten Verkehrsverbindungen begünstigt.
Bonstetten wandelte sich dabei von einer bäuerlichen Gemeinde zu einer modernen Wohngemeinde. Zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner pendeln heute zur Arbeit nach Zürich oder in andere Gemeinden der Agglomeration.
Trotz des starken Wachstums sind ausserhalb der Siedlungsgebiete grössere Landwirtschafts- und Waldflächen erhalten geblieben.
Bevölkerung
Die Bevölkerungsentwicklung zeigt den grundlegenden Wandel der Gemeinde:
- 1635: 495 Einwohner
- 1712: 612 Einwohner
- 1850: 887 Einwohner
- 1900: 691 Einwohner
- 1950: 888 Einwohner
- 2000: 3'850 Einwohner
- 2010: 5'164 Einwohner
- 2015: 5'322 Einwohner
- 2020: 5'610 Einwohner
- 2023: rund 5'657 Einwohner
- 2024: 5'712 Einwohner
Die besonders starke Zunahme seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Region Zürich und dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs.
Politik
Die Exekutive der politischen Gemeinde ist der Gemeinderat. Er besteht aus sechs Mitgliedern, die von den Stimmberechtigten für eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt werden.[1]
Die kommunalen Sachgeschäfte werden unter anderem an Gemeindeversammlungen entschieden.
Bonstetten verfügt wie die meisten kleineren Zürcher Gemeinden über kein eigenes Gemeindeparlament.
Bei den Nationalratswahlen 2023 erreichte die SVP in Bonstetten mit 28,14 Prozent den höchsten Wähleranteil. Es folgten die SP mit 17,75 Prozent, die GLP mit 15,75 Prozent und die FDP mit 13,99 Prozent.[8]
Wirtschaft
Die Landwirtschaft spielte in Bonstetten über Jahrhunderte eine zentrale Rolle. Noch heute wird ein erheblicher Teil des Gemeindegebiets landwirtschaftlich genutzt.
Mit dem Bevölkerungswachstum entstanden zusätzliche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Die Gemeinde besitzt jedoch deutlich mehr erwerbstätige Einwohnerinnen und Einwohner als Arbeitsplätze vor Ort und ist deshalb stark vom Pendlerverkehr geprägt.
Viele Berufstätige arbeiten in:
- Zürich
- Birmensdorf
- Affoltern am Albis
- dem Limmattal
- weiteren Gemeinden der Agglomeration Zürich
Die gute S-Bahn- und Strassenanbindung macht Bonstetten besonders als Wohnort attraktiv.
Verkehr
Eisenbahn
Bonstetten ist seit 1864 an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Der heutige Bahnhof Bonstetten-Wettswil liegt im nördlichen Teil der Gemeinde unmittelbar nahe der Grenze zu Wettswil am Albis. Er dient beiden Gemeinden als Bahnstation.
Der Bahnhof liegt an der Bahnstrecke Zürich–Zug und wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient.
Über Zürich Altstetten bestehen direkte beziehungsweise schnelle Verbindungen zum Zürcher Hauptbahnhof. In südlicher Richtung führen die Verbindungen über Hedingen nach Affoltern am Albis und weiter in Richtung Zug.
Der Ausbau des Zürcher S-Bahn-Netzes seit 1990 erhöhte die Attraktivität Bonstettens als Wohngemeinde zusätzlich.
Busverkehr
Mehrere Buslinien verbinden den Bahnhof Bonstetten-Wettswil mit dem Dorfzentrum und den umliegenden Gemeinden.
Der öffentliche Verkehr ist in den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) integriert.
Strassenverkehr
Die wichtigste historische Strassenverbindung nach Zürich führt über die 1827 eröffnete Waldeggstrasse und den Albis.
Heute bestehen Strassenverbindungen insbesondere nach:
- Wettswil am Albis
- Birmensdorf
- Hedingen
- Stallikon
- Islisberg
Der nahe Autobahnanschluss bei Wettswil beziehungsweise Birmensdorf bietet Zugang zur Autobahn A4.
Dadurch ist das Zentrum von Zürich auch mit dem Auto vergleichsweise rasch erreichbar.
Bildung
Bonstetten verfügt über Kindergärten und Primarschulen.
Die Sekundarstufe wird gemeinsam mit benachbarten Gemeinden organisiert. Die Sekundarschule Bonstetten ist eine Kreisschulgemeinde von Bonstetten, Stallikon und Wettswil am Albis.
Die drei beteiligten Gemeinden zählten Mitte der 2020er-Jahre zusammen knapp 15'000 Einwohnerinnen und Einwohner; rund 400 Jugendliche besuchten die Sekundarschule.[9]
Für weiterführende Schulen bestehen gute Verbindungen nach Zürich und in andere Orte des Kantons.
Reformierte Kirche
Die Reformierte Kirche Bonstetten steht im historischen Dorfkern und ist eines der markantesten Bauwerke der Gemeinde.
Sie ist die älteste der heute in Bonstetten bestehenden Kirchen.[1]
Der heutige Bau enthält verschiedene Bauteile aus mehreren Jahrhunderten und bildet zusammen mit den umliegenden historischen Gebäuden einen wichtigen Bestandteil des alten Ortsbilds.
Nach der Zürcher Reformation wurde die Kirche reformiert.
Heute gehört Bonstetten zur reformierten Kirchgemeinde Knonauer Amt.
Katholische Kirche St. Mauritius
In der Nähe des Bahnhofs befindet sich die römisch-katholische Kirche St. Mauritius.
Sie entstand im Zusammenhang mit dem starken Bevölkerungswachstum im 20. Jahrhundert und der zunehmenden Zahl katholischer Einwohnerinnen und Einwohner.
Neben der reformierten und katholischen Kirche bestehen in Bonstetten auch weitere christliche Glaubensgemeinschaften.[1]
Turbinenmuseum
Eine besondere technische Sehenswürdigkeit ist das Turbinenmuseum Bonstetten.
Es besitzt eine vollständig erhaltene historische Wasserkraftanlage, die ursprünglich für einen Landwirtschaftsbetrieb genutzt wurde.[1]
Die Anlage gehört zu den seltenen erhaltenen Beispielen kleiner landwirtschaftlicher Wasserkraftnutzung im Kanton Zürich. Mit ihr verbunden ist eines der letzten historischen Wasserrechte dieser Art im Kanton.
Das Museum dokumentiert damit einen Teil der lokalen Technik- und Landwirtschaftsgeschichte.
Ortsbild
Im historischen Dorfkern sind trotz des starken Bevölkerungswachstums mehrere ältere Bauern- und Wohnhäuser erhalten.
Das Ortsbild wurde wesentlich durch den Wiederaufbau nach dem grossen Brand von 1783 geprägt. Die damals von der Zürcher Regierung erlassenen Vorschriften beeinflussten Lage und Bauweise der neu errichteten Gebäude.[5]
Ausserhalb des alten Dorfkerns dominieren Wohnquartiere des 20. und 21. Jahrhunderts.
Natur und Erholung
Die Umgebung Bonstettens ist durch Wälder, Felder, Wiesen und Obstgärten geprägt.
Rund 218 Hektaren des Gemeindegebiets bestehen aus Wald.[4]
Das Wegenetz bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern und Velofahren. Über die umliegenden Höhen bestehen Verbindungen in Richtung:
Von erhöhten Stellen westlich und südlich des Dorfs öffnen sich bei guten Sichtverhältnissen Ausblicke in Richtung Zentralschweizer Alpen.
Kultur und Vereinsleben
Bonstetten besitzt ein ausgeprägtes Vereinsleben.
Sport-, Musik-, Kultur- und Freizeitvereine organisieren regelmässig Veranstaltungen. Zu den traditionellen Anlässen gehört die Dorfchilbi.
Weitere lokale Veranstaltungen sind Konzerte, Sportwettkämpfe, Wanderveranstaltungen und die Bundesfeier, die in Bonstetten traditionell bereits am 31. Juli durchgeführt wird.[4]
Bonstetten im Film
Bonstetten diente mehrfach als Drehort für Schweizer Filme.
Teile des Filmklassikers Es geschah am hellichten Tag aus dem Jahr 1958 wurden beim damaligen Restaurant Löwen in Bonstetten gedreht.
Auch der Schweizer Spielfilm Polizist Wäckerli in Gefahr von 1967 nutzte Schauplätze im Dorf.
Damit sind einzelne historische Ansichten Bonstettens in bekannten schweizerischen Filmproduktionen dokumentiert.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt in Schwarz mit goldenem Bord drei aneinanderstossende, geschliffene silberne Rauten.
Die Blasonierung lautet:
- In Schwarz mit goldenem Bord drei aneinanderstossende, geschliffene silberne Rauten.
Das Wappen steht in engem Zusammenhang mit dem historischen Adelsgeschlecht der von Bonstetten.
Siehe auch
- Bezirk Affoltern
- Knonauer Amt
- Wettswil am Albis
- Hedingen
- Stallikon
- Birmensdorf ZH
- Bahnhof Bonstetten-Wettswil
- Bahnstrecke Zürich–Zug
- Bonstetten (Adelsgeschlecht)
- Liste der Gemeinden des Kantons Zürich
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Bonstetten
- Gemeindeporträt Bonstetten beim Statistischen Amt des Kantons Zürich
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Kanton Zürich – Gemeinde Bonstetten. In: Gemeinde Bonstetten. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 2,0 2,1 Bezirk Affoltern. In: Helvetia Wiki. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Gemeindeporträt Bonstetten. In: Statistisches Amt des Kantons Zürich. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 Grüezi und herzlich willkommen – Zahlen und Fakten. In: Gemeinde Bonstetten. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 5,6 5,7 Geschichte von Bonstetten. In: Gemeinde Bonstetten. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 Gemeindeporträt Bonstetten. In: Statistisches Amt des Kantons Zürich. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Zuflucht Schweiz im 2. Weltkrieg – Das Arbeitslager für Flüchtlinge Bonstetten 1943–1945. In: Gemeinde Bonstetten. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ National- und Ständeratswahlen 2023. In: Kanton Zürich. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Beleuchtender Bericht zur Gemeindeversammlung 2025. In: Sekundarschule Bonstetten. 2025. Abgerufen am 2026-08-25.
Wikimedia Commons: Medien zu Bonstetten ZH