Bahnstrecke Winterthur–Etzwilen

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Bahnstrecke Winterthur–Etzwilen
Streckenanfang Winterthur
Streckenende Etzwilen
Streckenlänge 31,81 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Anzahl Gleise Winterthur–Oberwinterthur mehrgleisig,
Oberwinterthur–Etzwilen eingleisig
Eröffnung 17. Juli 1875
Ursprüngliche Betreiberin Schweizerische Nationalbahn
Eigentümerin Schweizerische Bundesbahnen
Personenverkehr Thurbo, Linie S29;
bis Seuzach zusätzlich S11
Fahrplanfeld 821

Die Bahnstrecke Winterthur–Etzwilen ist eine normalspurige, elektrifizierte Eisenbahnstrecke in den Kantonen Zürich und Thurgau. Sie führt vom Bahnhof Winterthur über Oberwinterthur, Seuzach, Ossingen und Stammheim zum Bahnhof Etzwilen. Die 31,81 Kilometer lange Strecke wurde am 17. Juli 1875 durch die Schweizerische Nationalbahn eröffnet und gehört heute zum Netz der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).[1]

Die Strecke erschliesst den nördlichen Teil der Stadt Winterthur, die Gemeinde Seuzach und das Zürcher Weinland. Im Personenverkehr wird sie vor allem von der Linie S29 der S-Bahn Zürich befahren, die über Etzwilen hinaus nach Stein am Rhein verkehrt. Zwischen Winterthur und Seuzach wird das Angebot durch einen Ast der S11 ergänzt.[2]

Das bedeutendste Bauwerk der Strecke ist die rund 330 Meter lange Thurbrücke Ossingen, auf der die Bahn zwischen Thalheim-Altikon und Ossingen das tief eingeschnittene Thurtal überquert. Zusammen mit den weitgehend erhaltenen Bahnanlagen von Etzwilen erinnert sie an die Entstehungszeit der Schweizerischen Nationalbahn.

Geschichte

Planung durch die Nationalbahn

In den 1860er- und 1870er-Jahren verfolgten politische und wirtschaftliche Kreise in Winterthur das Ziel, die Stadt zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten auszubauen. Die bestehenden Bahnlinien der Schweizerischen Nordostbahn waren stark auf Zürich ausgerichtet. Vertreter der demokratischen Bewegung in Winterthur planten deshalb eine konkurrierende Ost-West-Verbindung, die als sogenannte Volksbahn von Städten und Gemeinden getragen werden sollte.

1872 entstand die Eisenbahngesellschaft Winterthur–Singen–Kreuzlingen. Sie plante von Winterthur aus eine Strecke nach Etzwilen, wo sich die Linie in Richtung Singen (Hohentwiel) und in Richtung Kreuzlingen beziehungsweise Konstanz verzweigen sollte. Das Unternehmen ging später in der Schweizerischen Nationalbahn auf.

Die Bahnstrecke war Teil einer vorgesehenen durchgehenden Verbindung vom Bodensee über Winterthur, Baden, Lenzburg und Zofingen in die Westschweiz. Im Gegensatz zu den bereits bestehenden Linien sollte sie mehrere regionale Zentren verbinden und den dominierenden Privatbahngesellschaften Konkurrenz machen.

Bau und Eröffnung

Die Strecke Winterthur–Etzwilen wurde am 17. Juli 1875 eröffnet. Am selben Tag nahmen auch die anschliessenden Nationalbahnstrecken von Etzwilen nach Singen sowie von Etzwilen über Stein am Rhein nach Kreuzlingen und Konstanz den Betrieb auf. Etzwilen entwickelte sich dadurch zu einem Eisenbahnknoten mit umfangreichen Gleis- und Rangieranlagen.

Der Bau war wegen des hügeligen Geländes im Zürcher Weinland und der Querung der Thur anspruchsvoll. Besonders aufwendig war die Errichtung der grossen Fachwerkbrücke zwischen Thalheim und Ossingen. Die Bahnstrecke erschloss mehrere bis dahin nur ungenügend an den überregionalen Verkehr angebundene Landgemeinden.

Der wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Die Nationalbahn hatte hohe Baukosten zu tragen, während die Einnahmen aus dem Personen- und Güterverkehr nicht ausreichten. Zudem reagierten die konkurrierenden Bahngesellschaften mit neuen Linien und günstigeren Tarifen.

Konkurs und Übernahme

Bereits 1878 geriet die Schweizerische Nationalbahn in Konkurs. Nach mehreren erfolglosen Versteigerungsversuchen wurden ihre Strecken 1880 von der Schweizerischen Nordostbahn übernommen. Damit gelangte die als Konkurrenz zur Nordostbahn geplante Verbindung in den Besitz ihrer wichtigsten Rivalin.

Mit der Verstaatlichung der grossen schweizerischen Privatbahnen ging die Strecke zu Beginn des 20. Jahrhunderts an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über. Seit 1902 gehört sie zum SBB-Streckennetz.

Trotz des frühen Scheiterns der Nationalbahn erwiesen sich viele ihrer Strecken langfristig als wichtige Bestandteile des schweizerischen Eisenbahnnetzes. Die Linie Winterthur–Etzwilen blieb insbesondere für die Erschliessung des Zürcher Weinlands und als Verbindung nach Stein am Rhein von Bedeutung.

Ausbau und Elektrifizierung

Der Abschnitt zwischen Winterthur und Oberwinterthur wurde 1903 auf Doppelspur ausgebaut. Die weiteren Abschnitte in Richtung Seuzach, Ossingen und Etzwilen blieben dagegen grundsätzlich eingleisig. Zugkreuzungen sind deshalb nur an dafür ausgerüsteten Bahnhöfen möglich.

Am 15. Mai 1928 nahmen die SBB zwischen Winterthur und Oberwinterthur den elektrischen Betrieb mit 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom auf. Der Abschnitt von Oberwinterthur über Etzwilen nach Stein am Rhein folgte am 7. Oktober 1946.[1]

1967 wurde bei Reutlingen eine 63 Meter lange Spannbetonbrücke über die neu gebaute Autobahn A1 errichtet. Im Stadtgebiet von Winterthur kamen später neue Haltestellen hinzu. Die Haltestelle Winterthur Wallrüti wurde 1985/1986 durch die Stadt Winterthur und die SBB erstellt. Reutlingen ging 1991 in Betrieb.[3]

Die beiden Haltestellen befanden sich zunächst im Eigentum der Stadt Winterthur. Reutlingen wurde am 1. Januar 2024 an die SBB übertragen, Wallrüti am 1. Januar 2026.[3]

Im Herbst 1992 wurde auf der Verbindung Winterthur–Stein am Rhein der kondukteurlose Betrieb eingeführt. Im Zuge der Rationalisierung wurden zahlreiche Bahnhöfe automatisiert und örtlich bediente Stellwerke oder Schalter geschlossen. Später erfolgten der Ausbau der Perrons, die Modernisierung der Sicherungsanlagen und schrittweise Anpassungen für einen hindernisfreien Zugang.

Streckenverlauf

Winterthur und Oberwinterthur

Die Strecke beginnt im Bahnhof Winterthur, einem der wichtigsten Eisenbahnknoten der Ostschweiz. Von dort verläuft sie gemeinsam mit anderen Bahnlinien in nordöstlicher Richtung. Im Bereich der Winterthurer Bahnhofsausfahrt liegen die Gleise der Strecken nach Oberwinterthur, Frauenfeld, Wil und St. Gallen sowie der übrigen Zufahrten eng nebeneinander.

Bei Schwalmenacker trennt sich die Verbindung in Richtung Oberwinterthur von anderen Streckenästen. Der Bahnhof Oberwinterthur ist ein Trennungsbahnhof. Hier zweigt die Thurtallinie in Richtung Frauenfeld und Romanshorn von der Strecke nach Etzwilen ab.

Nach Oberwinterthur folgen die Haltestellen Winterthur Wallrüti und Reutlingen. Die Linie führt durch die nördlichen Wohn- und Gewerbegebiete Winterthurs und überquert bei Reutlingen die Autobahn A1.

Seuzach und Thurtal

Nach dem Verlassen des Winterthurer Stadtgebiets erreicht die Bahn den Bahnhof Seuzach. Dieser dient als Endpunkt eines Astes der S11 und als Kreuzungs- beziehungsweise Wendestation. Nördlich von Seuzach führt die Strecke durch weitgehend landwirtschaftlich geprägtes Gebiet nach Dinhard und Thalheim-Altikon.

Der Bahnhof Thalheim-Altikon liegt zwischen den Gemeinden Thalheim an der Thur und Altikon. Von dort nähert sich die Bahn dem tief eingeschnittenen Tal der Thur. Die Linienführung beschreibt mehrere Kurven, bevor sie das südliche Widerlager der Thurbrücke erreicht.

Thurbrücke Ossingen

Zwischen Thalheim-Altikon und Ossingen überquert die Strecke die Thur auf der Thurbrücke Ossingen. Die rund 330 Meter lange und etwa 42 Meter hohe Stahlfachwerkbrücke besteht aus fünf grossen Feldern. Sie gehört zu den markantesten historischen Eisenbahnbrücken der Schweiz und ist das wichtigste Kunstbauwerk der Bahnstrecke.[1]

Die Grundkonstruktion stammt aus der Entstehungszeit der Nationalbahn. Sie wurde im Verlauf ihrer Geschichte mehrfach verstärkt, erneuert und an die Anforderungen moderner Eisenbahnfahrzeuge angepasst. Wegen ihres Alters und ihrer besonderen Konstruktion erfordert die Brücke regelmässige Kontrollen und aufwendige Unterhaltsarbeiten.

Nach der Überquerung der Thur steigt die Strecke zum Bahnhof Ossingen an. Ossingen ist wegen der langen eingleisigen Abschnitte eine wichtige Kreuzungsstation. Der Bahnhof erschliesst neben dem Dorf auch umliegende Gemeinden und Weiler.

Stammertal und Etzwilen

Von Ossingen führt die Strecke durch die offene Kulturlandschaft des Zürcher Weinlands und des Stammertals. Zwischen Ossingen und Stammheim liegt mit rund sieben Kilometern einer der längsten Abschnitte ohne Zwischenstation.

Der Bahnhof Stammheim befindet sich in der Gemeinde Stammheim und dient als regionaler Umsteigepunkt zu mehreren Buslinien. Anschliessend überquert die Bahn die Kantonsgrenze zwischen Zürich und Thurgau und erreicht Etzwilen.

Der Bahnhof Etzwilen war ursprünglich als bedeutender Knoten der Nationalbahn konzipiert. Hier bestehen Verbindungen zur Seelinie in Richtung Stein am Rhein, Schaffhausen und Kreuzlingen sowie zur ehemaligen Hauptbahn nach Singen. Die Bahnstrecke Etzwilen–Singen wird heute hauptsächlich als Museumsbahn genutzt.

Die umfangreichen Gleisanlagen in Etzwilen zeugen von der früheren Bedeutung des Bahnhofs für den Güterverkehr und den Lokomotivwechsel. Im regulären Personenverkehr fahren die Züge der S29 von Winterthur über Etzwilen weiter nach Stein am Rhein.

Betriebsstellen

Bahnhöfe und Haltestellen
Streckenkilometer Betriebsstelle Gemeinde Bemerkung
0,00 Winterthur Winterthur Anschluss an Fernverkehr und zahlreiche S-Bahn-Linien
3,60 Oberwinterthur Winterthur Abzweigung der Thurtallinie
4,63 Winterthur Wallrüti Winterthur Haltestelle, eröffnet 1985/1986
6,30 Reutlingen Winterthur Haltestelle, eröffnet 1991
7,51 Seuzach Seuzach Endpunkt eines Astes der S11
9,97 Dinhard Dinhard Haltestelle
11,84 Thalheim-Altikon Thalheim an der Thur Bahnhof für Thalheim und Altikon
19,47 Ossingen Ossingen Kreuzungsstation
26,88 Stammheim Stammheim Regionaler Umsteigepunkt
31,81 Etzwilen Wagenhausen Anschluss an die Seelinie und die Museumsbahn nach Singen

Die Kilometerangaben beziehen sich auf die Entfernung ab Winterthur. Historische Streckenkilometrierungen können wegen der Einbindung in ältere Bahnlinien und späterer betrieblicher Neuordnungen davon abweichen.[1]

Infrastruktur

Der Abschnitt von Winterthur bis Oberwinterthur ist in die mehrgleisige östliche Bahnhofszufahrt von Winterthur eingebunden. Ab Oberwinterthur ist die Strecke bis Etzwilen eingleisig. Die betriebliche Leistungsfähigkeit wird daher wesentlich durch die Kreuzungsmöglichkeiten in Seuzach, Ossingen, Stammheim und Etzwilen bestimmt.

Die gesamte Strecke ist mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz elektrifiziert. Sie wird durch elektronische Sicherungs- und Zugleitsysteme überwacht. Ein grosser Teil der Weichen und Signale wird aus zentralen Betriebszentralen ferngesteuert.

Die Bahnstrecke besitzt keine Tunnel. Zu den wichtigsten Kunstbauten gehören die Thurbrücke Ossingen, die Autobahnbrücke bei Reutlingen sowie mehrere kleinere Strassen-, Bach- und Geländebrücken.

Die Perrons zahlreicher Stationen wurden im 21. Jahrhundert erneuert. Dazu gehören höhere Perronkanten, verbesserte Zugänge, Fahrgastinformationssysteme und Anpassungen an die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes.

Betrieb

Personenverkehr

Die durchgehende Bedienung der Strecke erfolgt durch die Linie S29 der S-Bahn Zürich. Sie verkehrt von Winterthur über Oberwinterthur, Seuzach, Ossingen, Stammheim und Etzwilen nach Stein am Rhein. Betreiberin der Züge ist die Regionalbahngesellschaft Thurbo.[2][4]

Die S29 bedient sämtliche Stationen der Strecke und bildet die wichtigste öffentliche Verkehrsverbindung des Stammertals mit Winterthur. Im Regelfahrplan besteht zwischen Winterthur und Stein am Rhein ein Halbstundentakt. In Winterthur bestehen Anschlüsse an den Fernverkehr sowie an zahlreiche Linien der Zürcher S-Bahn.

Zwischen Winterthur und Seuzach verkehren zusätzlich Züge der S11. Deren Seuzacher Ast wird in Winterthur mit Verbindungen über Zürich in Richtung Dietikon oder Aarau verknüpft. Dadurch bestehen von Seuzach und den nördlichen Winterthurer Stadtteilen umsteigefreie Verbindungen in die Stadt Zürich.[5]

Zum Einsatz kommen überwiegend elektrische Niederflurtriebzüge. Die Fahrzeuge sind für den Regionalverkehr mit kurzen Haltestellenabständen ausgelegt und verfügen über Mehrzweckabteile für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle.

Güterverkehr

Die Strecke diente früher auch dem regionalen Güterverkehr. Landwirtschaftliche Produkte, Baustoffe und andere Waren wurden an mehreren Bahnhöfen umgeschlagen. Etzwilen besass darüber hinaus eine wichtige Funktion im grenzüberschreitenden Güterverkehr nach Singen.

Mit der Verlagerung des Gütertransports auf die Strasse und der Konzentration des Schienengüterverkehrs auf wenige Bedienpunkte verloren die lokalen Güteranlagen an Bedeutung. Zahlreiche Güterschuppen, Ladegleise und Freiverladeanlagen wurden stillgelegt oder zurückgebaut. Regulärer Güterverkehr findet auf der Strecke nur noch in begrenztem Umfang statt.

Historischer Verkehr

Auf der Strecke kamen im Lauf ihrer Geschichte zahlreiche Fahrzeugtypen zum Einsatz. Nach der Dampflokzeit folgten elektrische Lokomotiven und Triebwagen. Über längere Zeit prägten mehrteilige SBB-Triebwagen den Personenverkehr zwischen Winterthur und Stein am Rhein.

In den 1990er-Jahren wurden unter anderem Pendelzüge mit Triebwagen der Bauart RBDe 4/4 eingesetzt. Später übernahm Thurbo den Regionalverkehr mit modernen Gelenktriebwagen und anschliessend mit Fahrzeugen der neueren Generation.

Historische Züge sind gelegentlich im Zusammenhang mit Sonderfahrten und Veranstaltungen der Museumsbahn Etzwilen–Singen auf Teilen der Strecke zu sehen. Im Jahr 2025 wurde in Etzwilen mit Sonderzügen und einer Fahrzeugausstellung an die Eröffnung der Nationalbahnstrecken vor 150 Jahren erinnert.

Bedeutung für die Region

Die Bahnstrecke ist die wichtigste Schienenverbindung für Seuzach, Dinhard, Thalheim an der Thur, Ossingen und Stammheim. Sie ermöglicht Pendlerinnen und Pendlern den Zugang zum Arbeits-, Bildungs- und Einkaufszentrum Winterthur und über die dortigen Anschlüsse zur Agglomeration Zürich.

Für das Zürcher Weinland besitzt die Strecke auch raumplanerische Bedeutung. Sie verbindet vergleichsweise kleine ländliche Gemeinden mit dem übergeordneten öffentlichen Verkehrsnetz und trägt dazu bei, den motorisierten Individualverkehr auf den regionalen Strassen zu begrenzen.

Im Freizeitverkehr erschliesst sie das Thurtal, das Stammertal und die historische Stadt Stein am Rhein. Mehrere Stationen dienen als Ausgangspunkte für Wander- und Velorouten. Die Mitnahme von Fahrrädern spielt deshalb besonders an Wochenenden und während der warmen Jahreszeit eine wichtige Rolle.

Ausbauplanungen

Die weitgehend eingleisige Infrastruktur schränkt die Möglichkeiten zur Verdichtung des Fahrplans ein. Verspätungen können sich auf entgegenkommende Züge übertragen, wenn planmässige Kreuzungen nicht rechtzeitig erreicht werden. Die Stabilität des Betriebs hängt daher stark von den Kreuzungsstationen und der Fahrplangestaltung ab.

Im Rahmen des Strategischen Entwicklungsprogramms Bahninfrastruktur, Ausbauschritt 2035, sind Massnahmen in Seuzach, Ossingen und Stein am Rhein vorgesehen. Dazu gehören insbesondere ein Wendegleis in Seuzach, der Ausbau der Kreuzungsmöglichkeit in Ossingen und ein Wendegleis in Stein am Rhein.[6]

Nach dem Angebotskonzept für 2035 soll der heutige Korridor Winterthur–Stein am Rhein in Winterthur mit der Linie aus Richtung Bülach verknüpft werden. Dadurch könnten neue Direktverbindungen zwischen dem Zürcher Weinland, Winterthur und dem Zürcher Unterland entstehen. Nach dem Planungsstand von 2023 soll dieser Angebotsausbau ohne zusätzliche Doppelspurabschnitte möglich sein.[6]

Im kantonalen Richtplan ist längerfristig ein Doppelspurausbau zwischen Oberwinterthur und Seuzach eingetragen. Dieser Eintrag dient vor allem der Sicherung des erforderlichen Raums. Eine kurzfristige Realisierung ist nicht vorgesehen, da die für den Ausbauschritt 2035 geplanten Angebote nach damaligem Planungsstand ohne diesen Ausbau umgesetzt werden können.[6]

Diskutiert wurden ausserdem eine Verbindung zwischen der Strecke Winterthur–Etzwilen und der Rheinfallbahn im Raum Andelfingen sowie zusätzliche Haltestellen. Entsprechende Projekte wurden wegen hoher Kosten, Eingriffen in Landschaft und Landwirtschaftsgebiete sowie eines als ungenügend beurteilten verkehrlichen Nutzens bisher nicht weiterverfolgt.

Thurbrücke Ossingen

Die Thurbrücke Ossingen ist nicht nur ein technisches Bauwerk, sondern auch ein bedeutendes Zeugnis der schweizerischen Eisenbahngeschichte des 19. Jahrhunderts. Ihre Lage hoch über dem Fluss macht sie zu einem weithin sichtbaren Bestandteil der Landschaft.

Die Brücke besteht aus genieteten Stahlfachwerkträgern, die auf hohen Pfeilern und Widerlagern aufliegen. Die ursprüngliche Konstruktion wurde im Laufe der Zeit verstärkt und teilweise erneuert, ohne dass ihr charakteristisches Erscheinungsbild grundsätzlich verändert wurde.

Wegen der Bedeutung der Brücke für den einzigen direkten Schienenweg zwischen Winterthur und dem Stammertal können grössere Unterhaltsarbeiten zu längeren Streckensperrungen führen. Während solcher Sperren wird üblicherweise ein Bahnersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Bahnhof Etzwilen

Der Bahnhof Etzwilen wurde für wesentlich umfangreichere Verkehrsaufgaben gebaut, als sie heute bestehen. Neben den Bahnsteigen für den Personenverkehr besitzt das Areal zahlreiche Abstell- und Nebengleise. Früher arbeiteten dort Rangierpersonal, Lokomotivpersonal, Stationsbeamte und Mitarbeitende des Güterverkehrs.

Etzwilen war Ausgangspunkt beziehungsweise Kreuzungspunkt von Bahnlinien nach Winterthur, Schaffhausen, Kreuzlingen, Konstanz und Singen. Für Züge nach Deutschland mussten wegen der unterschiedlichen Betriebsbedingungen und der fehlenden Elektrifizierung der Strecke nach Singen teilweise Lokomotiven gewechselt werden.

Nach der Einstellung des regulären Verkehrs nach Singen verlor der Bahnhof einen grossen Teil seiner betrieblichen Bedeutung. Teile der historischen Anlagen werden heute durch Eisenbahnvereine und die Museumsbahn genutzt. Das Bahnhofsareal gilt als eines der anschaulichsten erhaltenen Zeugnisse der ehemaligen Schweizerischen Nationalbahn.

Literatur

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich 1998, ISBN 3-905111-21-7.
  • Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz. Diplory Verlag, Grafenried 2010.
  • Eisenbahnatlas Schweiz. Schweers + Wall, Köln.
  • 1875–1975. 100 Jahre Eisenbahnlinie Winterthur–Etzwilen–Singen. Gründung und Ende der Nationalbahn. Festschrift der Gemeinden zum Eisenbahnjubiläum, Andelfingen 1975.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Bahnstrecke Winterthur – Stein am Rhein. In: Schienenverkehr-Schweiz.ch. Abgerufen am 2026-08-05.
  2. 2,0 2,1 S29 Winterthur–Stein am Rhein. In: Online-Fahrplan des Zürcher Verkehrsverbunds. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-05.
  3. 3,0 3,1 Übergabe der Bahnhöfe Reutlingen und Wallrüti an die SBB. Hrsg.: Stadt Winterthur. 2024-02-15. Abgerufen am 2026-08-05.
  4. Thurbo Liniennetz. Hrsg.: Thurbo. Abgerufen am 2026-08-05.
  5. S11 (Wila–) Sennhof-Kyburg / Seuzach–Winterthur–Zürich–Dietikon / Aarau. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-05.
  6. 6,0 6,1 6,2 Ausbau der Weinländer Bahnlinien Winterthur–Schaffhausen und Winterthur–Stein am Rhein. Hrsg.: Regierungsrat des Kantons Zürich. 2023-04-19. Abgerufen am 2026-08-05.