Bahnstrecke Thalwil–Zug

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz

Bahnstrecke Thalwil–Zug ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke in den Kantonen Zürich und Zug. Sie verbindet Thalwil am linken Zürichseeufer über Horgen, das Gebiet von Sihlbrugg und Baar mit Zug. Die Strecke wurde am 1. Juni 1897 von der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) eröffnet und bildet seitdem eine wichtige Verbindung zwischen Zürich, Zug, der Zentralschweiz und der Gotthardachse.[1]

Gemeinsam mit der gleichzeitig eröffneten Fortsetzung Zug–Arth-Goldau schuf die Strecke eine deutlich kürzere Eisenbahnverbindung von Zürich zur Gotthardbahn als die ältere Verbindung über Zürich Altstetten, Affoltern am Albis und Zug. Seit der Verstaatlichung der Nordostbahn im Jahr 1902 gehört die Strecke den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Bahnstrecke Thalwil–Zug
Streckenanfang Thalwil
Streckenende Zug
Spurweite 1435 mm
Eröffnung 1. Juni 1897
Ursprüngliche Gesellschaft Schweizerische Nordostbahn
Heutige Eigentümerin SBB
Elektrifizierung 1923
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Wichtige Tunnel Zimmerbergtunnel, Albistunnel
Kantone Zürich, Zug

Geschichte

Frühere Verbindung zwischen Zürich und Zug

Zug verfügte bereits seit 1864 über eine Eisenbahnverbindung nach Zürich. Die damalige Bahnstrecke Zürich–Zug führte jedoch von Zürich Altstetten durch das Knonaueramt über Urdorf, Birmensdorf, Affoltern am Albis und Knonau nach Zug.

Diese Strecke erfüllte zunächst auch eine wichtige Funktion als Zufahrt von Zürich zur 1882 eröffneten Gotthardbahn. Für den Verkehr zwischen Zürich und der Gotthardroute war die Linienführung über das Knonaueramt jedoch vergleichsweise lang.

Bereits während des Ausbaus des schweizerischen Eisenbahnnetzes entstanden daher Pläne für eine direktere Verbindung vom linken Zürichseeufer nach Zug.

Planung der Strecke

Mit der 1875 eröffneten linksufrigen Zürichseebahn verfügte Thalwil bereits über eine leistungsfähige Bahnverbindung nach Zürich.

Die Idee lag deshalb nahe, von Thalwil aus den Zimmerberg und den Albis zu durchqueren und auf möglichst direktem Weg nach Zug zu gelangen.

Die Schweizerische Nordostbahn beschäftigte sich über längere Zeit mit verschiedenen Projekten. Im Archiv der SBB sind unter anderem Unterlagen über ein Baumoratorium der Strecke Thalwil–Zug aus den Jahren 1880 bis 1892 sowie Kostenvoranschläge und Projektvergleiche aus dem Jahr 1890 erhalten.[2]

Zu den wichtigsten technischen Herausforderungen gehörten die Durchquerung des Zimmerbergs und des Albis.

= Bau

Die konkrete Vorbereitung des später ausgeführten Projekts wurde um 1890 wieder aufgenommen. Für Horgen war die Linienführung von besonderer Bedeutung, da die Gemeinde neben ihrem Bahnhof an der Zürichseebahn einen weiteren Eisenbahnanschluss im höher gelegenen Oberdorf erhalten wollte.

Die gewählte Trasse führte von Thalwil über Oberrieden Dorf und Horgen Oberdorf zum Zimmerbergtunnel. Danach erreichte die Bahn das Sihltal bei Sihlbrugg und durchquerte anschliessend im Albistunnel den Albis.

Auf der Zuger Seite führte die Strecke über das Gebiet Litti nach Baar und weiter nach Zug.

Für den Bau waren damit zwei längere Tunnel notwendig, die für die damalige Zeit bedeutende Ingenieurbauwerke darstellten.

Eröffnung 1897

Die Bahnstrecke Thalwil–Zug wurde am 1. Juni 1897 eröffnet.[1]

Am selben Tag ging auch die anschliessende Strecke von Zug nach Arth-Goldau in Betrieb. Dadurch entstand eine neue direkte Zufahrt von Zürich zur Gotthardbahn.

Die Strecke Thalwil–Zug gehörte der Schweizerischen Nordostbahn, während die Verbindung Zug–Arth-Goldau ursprünglich zur Gotthardbahn-Gesellschaft gehörte.

Für den überregionalen Verkehr war die gleichzeitige Eröffnung beider Abschnitte entscheidend. Schnellzüge aus Zürich konnten nun über Thalwil und Zug in Richtung Arth-Goldau und weiter zur Gotthardbahn verkehren.

Die neue Verbindung verkürzte die Strecke zwischen Zürich und Zug gegenüber dem Weg durch das Knonaueramt erheblich.

Bedeutung für Baar

Für Baar stellte die Eröffnung einen wichtigen Wendepunkt dar.

Die bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wachsende Industrie der Gemeinde hatte grosses Interesse an einem direkten Eisenbahnanschluss. Bei den älteren Eisenbahnprojekten war Baar jedoch nicht unmittelbar erschlossen worden.

Erst die Bahnstrecke Thalwil–Zug brachte 1897 einen Bahnhof ins Zentrum von Baar und verband die Gemeinde direkt mit Zürich und Zug.[1]

Der Bahnanschluss verbesserte den Transport von Personen, Rohstoffen und Industrieprodukten und unterstützte damit die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde.

Neuer Bahnhof Zug

Die Eröffnung der Strecken Thalwil–Zug und Zug–Arth-Goldau führte auch zu einer grundlegenden Neuordnung der Bahnanlagen in Zug.

Der frühere Bahnhof war für die seit 1864 bestehenden Verbindungen nach Zürich über das Knonaueramt und nach Luzern angelegt worden.

Mit der neuen Nord-Süd-Verbindung musste der Bahnhof so gestaltet werden, dass durchgehende Züge zwischen Thalwil, Zug und Arth-Goldau verkehren konnten.

Der Bahnhof Zug wurde deshalb im Zusammenhang mit den neuen Strecken verlegt und neu organisiert. Damit entwickelte sich Zug endgültig von einem Endpunkt älterer Bahnlinien zu einem bedeutenden Durchgangs- und Knotenbahnhof.

Verbindung zur Sihltalbahn

Ebenfalls am 1. Juni 1897 erhielt die Sihltalbahn eine Verbindung zum Bahnhof Sihlbrugg.

Die Strecke war 1892 zunächst von Zürich Selnau bis Sihlwald eröffnet worden. 1897 wurde sie bis Sihlbrugg verlängert und erhielt dort Anschluss an die neue NOB-Strecke Thalwil–Zug.[3]

Sihlbrugg wurde dadurch zeitweise zu einem regionalen Eisenbahnknoten, an dem die normalspurigen Strecken der NOB beziehungsweise später der SBB und der Sihltalbahn zusammentrafen.

Heute besitzt Sihlbrugg im regulären Personenverkehr nicht mehr die frühere Bedeutung.

Übergang an die SBB

Die Schweizerische Nordostbahn gehörte zu den grossen privaten Eisenbahngesellschaften, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstaatlicht wurden.

Am 1. Januar 1902 gingen die Nordostbahn und damit die Bahnstrecke Thalwil–Zug an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.

Seitdem ist die Strecke Bestandteil des SBB-Netzes.

Unter den Bundesbahnen wurde die Infrastruktur schrittweise modernisiert, elektrifiziert und auf verschiedenen Abschnitten auf Doppelspur ausgebaut.

Elektrifizierung

Im Zuge der grossen Elektrifizierungsprogramme der SBB wurde auch die Verbindung Zürich–Thalwil–Zug auf elektrischen Betrieb umgestellt.

Die Strecke Thalwil–Zug wurde im Frühjahr 1923 elektrifiziert. Seitdem erfolgt der Betrieb mit dem für das SBB-Netz üblichen Wechselstromsystem.[4]

Heute beträgt die Fahrleitungsspannung 15 Kilovolt bei einer Frequenz von 16,7 Hertz.

Die Elektrifizierung war insbesondere wegen der beiden langen Tunnel von Bedeutung. Der elektrische Betrieb beseitigte die starke Rauch- und Russbelastung, die beim Einsatz von Dampflokomotiven in den Tunneln entstanden war.

Streckenverlauf

= Thalwil

Die Strecke beginnt im Bahnhof Thalwil.

Thalwil liegt an der 1875 eröffneten linksufrigen Zürichseebahn. Mit der Eröffnung der Strecke nach Zug wurde der Bahnhof 1897 zu einem Verzweigungsbahnhof.

Züge aus Richtung Zürich können von Thalwil entweder entlang des Zürichsees in Richtung Wädenswil, Pfäffikon SZ und Ziegelbrücke verkehren oder nach Süden in Richtung Zug abzweigen.

Die Strecke nach Zug verlässt den Bereich des Zürichsees und steigt am Zimmerberg an.

Oberrieden Dorf

Die erste Station nach Thalwil ist Oberrieden Dorf.

Sie darf nicht mit dem Bahnhof Oberrieden an der linksufrigen Zürichseebahn verwechselt werden. Beide Stationen befinden sich in derselben Gemeinde, liegen aber an unterschiedlichen Bahnstrecken und auf deutlich unterschiedlicher Höhe.

Die Station Oberrieden Dorf entstand mit der Strecke Thalwil–Zug und erschliesst die höher gelegenen Teile der Gemeinde.

Horgen Oberdorf

Anschliessend erreicht die Linie Horgen Oberdorf.

Auch Horgen verfügt damit über zwei verschiedene SBB-Bahnhöfe. Der Bahnhof Horgen befindet sich unmittelbar am Zürichsee an der Strecke nach Wädenswil, während Horgen Oberdorf an der Bahnstrecke nach Zug liegt.

Die Verbindung nach Zug war für die Entwicklung des Oberdorfs von grosser Bedeutung. Die Vorbereitung des Projekts wurde um 1890 wieder aufgenommen, wobei Horgen erfolgreich für eine Linienführung mit einer Station im Oberdorf eintrat.

Südlich des Bahnhofs beginnt der historische Zimmerbergtunnel.

Zimmerbergtunnel

Der Zimmerbergtunnel zwischen Horgen Oberdorf und dem Sihltal ist knapp zwei Kilometer lang.

Er unterquert den Horgenberg als Teil des Zimmerbergs und gehört seit der Eröffnung von 1897 zur ursprünglichen Strecke.

Der historische Zimmerbergtunnel darf nicht mit dem wesentlich jüngeren Zimmerberg-Basistunnel zwischen Zürich und Thalwil verwechselt werden.

Der erste Abschnitt des modernen Basistunnels wurde 2003 eröffnet und ermöglicht Fernverkehrszügen eine schnellere Zufahrt von Zürich nach Thalwil. Die historische Linie Thalwil–Zug beginnt jedoch erst in Thalwil.

Der alte Zimmerbergtunnel ist bis heute ein wichtiger Engpass der Strecke, da er nicht durchgehend zweigleisig ausgebaut ist.

Sihlbrugg

Nach dem Zimmerbergtunnel erreicht die Strecke das Tal der Sihl bei Sihlbrugg.

Hier wird die Sihl mit Eisenbahnbrücken überquert.

Der Bahnhof Sihlbrugg hatte historisch besondere Bedeutung, weil dort die Sihltalbahn auf die Strecke Thalwil–Zug traf.[3]

Die Lage fern grösserer Siedlungen begrenzte jedoch die Bedeutung für den lokalen Personenverkehr. Heute halten dort keine regulären Züge der S24; die Station besitzt hauptsächlich betriebliche Bedeutung.[5]

Albistunnel

Unmittelbar südlich von Sihlbrugg beginnt der Albistunnel.

Er unterquert den Albis und stellt die Verbindung vom Sihltal zum Zuger Becken her.

Mit einer Länge von rund 3,4 Kilometern ist er das längste historische Tunnelbauwerk der Strecke. Bei seiner Entstehung gehörte er zu den bedeutenden Eisenbahntunneln der Schweiz.

Der Durchschlag des Tunnels erfolgte bereits mehrere Jahre vor der Eröffnung der Bahnstrecke. Historische Aufnahmen dokumentieren unter anderem eine Durchschlagsfeier im Jahr 1894.

Wie der alte Zimmerbergtunnel ist auch der Albistunnel bis heute ein kapazitätsbestimmender Abschnitt der Verbindung.

Litti

Nach dem Südportal des Albistunnels erreicht die Bahn das Gebiet Litti auf Zuger Kantonsgebiet.

Litti dient als betriebliche Stelle der Strecke. Von hier aus führt die Bahn in Richtung Baar.

Der Abschnitt Litti–Baar wurde im späten 20. Jahrhundert auf Doppelspur ausgebaut. Damit konnte die Kapazität der wichtigen Zufahrt zum Bahnhof Zug erhöht werden.

Baar

Der Bahnhof Baar wurde gemeinsam mit der Strecke 1897 eröffnet.

Für Baar war die Eisenbahn von grosser wirtschaftlicher Bedeutung, da die Gemeinde nun eine direkte Verbindung nach Zürich und Zug erhielt.[1]

Heute ist Baar ein bedeutender Regionalbahnhof. Neben Zügen des Regionalverkehrs halten dort auch ausgewählte überregionale Verbindungen.

Südlich des Bahnhofs führt die Strecke weiter nach Zug.

Lorzequerung

Zwischen Baar und Zug überquert die Bahn die Lorze.

Im Rahmen des Doppelspurausbaus wurde die ältere Eisenbahnbrücke durch eine neue Konstruktion ersetzt. Die moderne Infrastruktur erlaubt einen wesentlich dichteren Verkehr als zur Eröffnung der Strecke im Jahr 1897.

Der Abschnitt zwischen Baar und Zug wurde bereits früh zweigleisig ausgebaut.

Zug

Die Strecke endet im Bahnhof Zug.

Zug ist heute ein bedeutender Eisenbahnknoten der Zentralschweiz. Hier bestehen Verbindungen:

  • in Richtung Arth-Goldau und Gotthard;
  • in Richtung Luzern;
  • über das Knonaueramt nach Zürich;
  • über Thalwil nach Zürich;
  • in Richtung Rotkreuz.

Die Strecke Thalwil–Zug bildet dabei die wichtigste direkte Eisenbahnverbindung von Zug nach Zürich.

Bahnhöfe und Betriebsstellen

Die wichtigsten Stationen und Betriebsstellen der Strecke sind:

Station Kanton Bedeutung
Thalwil Zürich Verzweigung von der linksufrigen Zürichseebahn
Oberrieden Dorf Zürich Regionalverkehr
Horgen Oberdorf Zürich Regionalverkehr
Sihlbrugg Zürich Historischer Anschluss der Sihltalbahn, heute ohne regulären Personenhalt
Litti Zug Betriebsstelle
Baar Zug Regionaler Bahnhof
Zug Zug Grosser Eisenbahnknoten

Doppelspurausbau

Die Strecke wurde ursprünglich weitgehend eingleisig gebaut.

Mit dem zunehmenden Verkehr wurden verschiedene offene Abschnitte schrittweise auf Doppelspur erweitert.

Zwischen Baar und Zug erfolgte der Doppelspurausbau bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Später folgten weitere Abschnitte auf der Zürcher und Zuger Seite.

Die beiden historischen Tunnel stellen jedoch weiterhin eine besondere infrastrukturelle Einschränkung dar. Insbesondere der Zimmerberg- und der Albistunnel lassen sich aufgrund ihres ursprünglichen Querschnitts nicht ohne umfangreiche Neubauten zu vollständig zweigleisigen Tunnelstrecken erweitern.

Dadurch bestehen trotz verschiedener Ausbauprojekte weiterhin Kapazitätsgrenzen.

Personenverkehr

Die Strecke wird von Regional- und Fernverkehrszügen genutzt.

Sie gehört zum wichtigen Korridor Zürich–Zug–Luzern und zugleich zur Nordzufahrt der Gotthardachse über Zug und Arth-Goldau.

Fernverkehrszüge aus Zürich verkehren über Thalwil nach Zug und von dort entweder weiter nach Luzern oder über Arth-Goldau in Richtung Tessin.

Im Fahrplan 2026 gehören unter anderem die Linien IC2, IR46, IR70 und IR75 zum Fernverkehrskorridor zwischen Zürich und Zug beziehungsweise den anschliessenden Strecken.[6]

Die genaue Bedienung kann je nach Fahrplanperiode und Bauarbeiten variieren.

S-Bahn Zürich

Für den Regionalverkehr besitzt insbesondere die Linie S24 der S-Bahn Zürich grosse Bedeutung.

Im Jahresfahrplan 2026 verkehrt die S24 aus Richtung Zürich über:

Zürich HB – Zürich Enge – Zürich Wollishofen – Kilchberg – Rüschlikon – Thalwil – Oberrieden Dorf – Horgen Oberdorf – Baar – Zug.[5]

In der Gegenrichtung fährt sie über Zürich weiter nach Winterthur und je nach Zuglauf nach Schaffhausen beziehungsweise in Richtung Thayngen oder Weinfelden.[5]

Damit stellt die S24 sowohl eine regionale Verbindung zwischen den Gemeinden entlang der Strecke als auch eine durchgehende Verbindung über den Zürcher Hauptbahnhof hinaus her.

Güterverkehr

Neben dem Personenverkehr wird die Strecke auch vom Güter- und Dienstverkehr genutzt.

Aufgrund der eingleisigen Tunnelabschnitte und des dichten Personenverkehrs ist die verfügbare Kapazität jedoch begrenzt.

Die Bedeutung der Strecke liegt heute vor allem im Personenverkehr zwischen den stark wachsenden Wirtschafts- und Wohnregionen Zürich und Zug sowie als Zufahrt zur Zentralschweiz.

Bedeutung als Gotthardzufahrt

Die Strecke wurde von Beginn an als wichtige Zufahrt zur Gotthardbahn konzipiert.

Mit ihrer Eröffnung 1897 verkürzte sich die Verbindung von Zürich nach Zug und Arth-Goldau gegenüber der bisherigen Route durch das Knonaueramt deutlich.

Damit verlagerte sich der wichtigste Zürcher Gotthardverkehr auf die Strecke über Thalwil.

Diese Funktion besitzt die Verbindung bis heute. Fernverkehrszüge zwischen Zürich und dem Tessin benutzen den Korridor Zürich–Thalwil–Zug–Arth-Goldau.

Die Bedeutung wurde durch die Eröffnung der neuen Gotthard- und Ceneri-Basistunnel im 21. Jahrhundert zusätzlich unterstrichen, da leistungsfähige nördliche Zufahrtsstrecken für das Gesamtsystem von grosser Bedeutung sind.

Verbindung Zürich–Luzern

Neben dem Gotthardverkehr gehört Zürich–Thalwil–Zug–Luzern zu den wichtigsten Intercity- und InterRegio-Verbindungen der Zentralschweiz.

Die Strecke Thalwil–Zug ist dabei der zentrale Abschnitt zwischen dem Zürcher und dem Zuger Bahnnetz.

Im Fahrplan 2026 bestehen direkte Fernverkehrsverbindungen von Zürich HB über Thalwil und Zug nach Luzern.[7]

Damit dient die Strecke täglich einem umfangreichen Pendler-, Geschäfts- und Freizeitverkehr.

Zimmerberg-Basistunnel 2

Die langfristig wichtigste geplante Erweiterung der Verbindung ist der Zimmerberg-Basistunnel 2.

Bund und SBB planen eine neue unterirdische Doppelspur zwischen Thalwil und dem Raum Litti beziehungsweise Baar.[8]

Nach dem Projektstand von 2026 soll der neue Tunnel rund 10,8 Kilometer lang sein und aus zwei einspurigen Tunnelröhren bestehen.[8]

Auf der Zürcher Seite soll er unterirdisch an den bereits bestehenden ersten Zimmerberg-Basistunnel anschliessen. Das Südportal ist im Raum Litti bei Baar vorgesehen.[8]

Der neue Tunnel würde die historischen, kurvenreichen und teilweise eingleisigen Abschnitte über Horgen Oberdorf, Sihlbrugg und den Albistunnel für einen grossen Teil des Fernverkehrs umgehen.

Die bestehende Strecke soll dadurch entlastet werden und könnte gleichzeitig stärker für den Regionalverkehr genutzt werden.

Bedeutung des Ausbauprojekts

Die SBB begründen den Zimmerberg-Basistunnel 2 insbesondere mit dem geplanten Ausbau des Bahnangebots zwischen Zürich und Luzern.

Die Nachfrage auf der Achse Zürich–Zug ist hoch, während die bestehende Strecke aufgrund der beiden alten Tunnel nur begrenzt zusätzliche Züge aufnehmen kann.

Die neue Doppelspur soll zusätzliche Kapazität schaffen, die Fahrplanstabilität verbessern und den Ausbau des Fern- und Regionalverkehrs ermöglichen.[8]

Das Projekt zeigt, dass die 1897 eröffnete Linie auch mehr als 125 Jahre später eine strategische Bedeutung für das schweizerische Eisenbahnnetz besitzt.

Bedeutung für die Region

Die Bahnstrecke Thalwil–Zug verbindet mehrere wirtschaftlich bedeutende Regionen.

Thalwil, Horgen und Oberrieden gehören zum dicht besiedelten Raum am Zürichsee, während Baar und Zug in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen sind und heute zu den bedeutenden Wirtschaftsstandorten der Zentralschweiz zählen.

Für Berufspendler stellt die Bahn eine besonders wichtige Verbindung dar. Die Strecke ermöglicht schnelle Fahrten zwischen dem Kanton Zug und dem Wirtschaftsraum Zürich.

Auch für den nationalen Fernverkehr ist sie unverzichtbar, da sie Zürich sowohl mit Luzern als auch mit der Gotthardroute verbindet.

Historische Bedeutung

Die Eröffnung der Strecke Thalwil–Zug im Jahr 1897 gehört zu den wichtigen Ereignissen der Schweizer Eisenbahngeschichte des späten 19. Jahrhunderts.

Die Verbindung war nicht primär als lokale Nebenbahn gedacht, sondern als strategisch bedeutende Zufahrt zur Gotthardbahn.

Die beiden grossen Tunnel, die Umgestaltung des Bahnhofs Zug und die gleichzeitige Inbetriebnahme der Strecke Zug–Arth-Goldau machten das Projekt zu einem bedeutenden Infrastrukturvorhaben seiner Zeit.

Der anschliessende Ausbau zur elektrifizierten und teilweise doppelspurigen Hauptbahn zeigt die Entwicklung des Schweizer Eisenbahnverkehrs vom Dampfbetrieb des 19. Jahrhunderts zum heutigen dichten Taktverkehr.

Siehe auch

Literatur

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich 1998.
  • Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
  • SBB Historic: Archivbestände der Schweizerischen Nordostbahn zur Strecke Thalwil–Zug.
  • Gemeinde Horgen: Das Oberdorf im Umbruch. Horgner Jahrheft 2022.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Einwohnergemeinde Baar: Eröffnung der Eisenbahnlinie Thalwil–Zug, abgerufen am 9. August 2026.
  2. SBB Historic: Archivbestände zur Strecke Thalwil–Zug, abgerufen am 9. August 2026.
  3. 3,0 3,1 Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Die Geschichte der SZU, abgerufen am 9. August 2026.
  4. Gemeinde Horgen: Das Oberdorf im Umbruch, Horgner Jahrheft 2022, Abschnitt zur Elektrifizierung der Linie Thalwil–Zug.
  5. 5,0 5,1 5,2 Zürcher Verkehrsverbund: Linie S24, Jahresfahrplan 2026, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  6. SBB: Direktverbindungen Fernverkehr von Zürich HB nach Zug, Fahrplan 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  7. SBB: Direktverbindungen Fernverkehr von Zürich HB nach Luzern, Fahrplan 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 SBB: Zimmerberg-Basistunnel 2, abgerufen am 9. August 2026.