Bahnhof Wila
| Stationsgebäude des Bahnhofs Wila | |
| Stationsname | Wila |
|---|---|
| Gemeinde | Wila |
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Pfäffikon |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Perrongleise | 2 |
| Abkürzung | WILA |
| IBNR | 8506008 |
| Höhe | 569 m ü. M. |
| Eröffnung | 4. Mai 1875 |
| Eigentümer | Schweizerische Bundesbahnen |
| Strecke | Tösstalbahn |
| Tarifzone | 171 (ZVV) |
| Linien | S11, S26 |
| Koordinaten | 47,41787° N, 8,84865° E |
Der Bahnhof Wila ist ein Bahnhof in der politischen Gemeinde Wila im Bezirk Pfäffikon des Kantons Zürich. Er liegt an der Tösstalbahn zwischen den Bahnhöfen Turbenthal und Saland. Die Station wird von der Linie S26 der S-Bahn Zürich sowie während der Hauptverkehrszeiten von einzelnen Zügen der Linie S11 bedient.
Der Bahnhof bildet den wichtigsten Knoten des öffentlichen Verkehrs in der Gemeinde. Unmittelbar neben der Bahnstation befindet sich die Bushaltestelle Wila, Bahnhof, von der Postautolinien nach Turbenthal, Sitzberg und Pfäffikon ZH verkehren.
Lage
Der Bahnhof befindet sich am südwestlichen Rand des Dorfzentrums von Wila auf 569 Metern über Meer. Die Bahnstrecke verläuft hier ungefähr in Nordwest-Südost-Richtung durch das mittlere Tösstal. Der Fluss Töss liegt wenige hundert Meter westlich der Station.
Das historische Dorfzentrum mit der reformierten Kirche, der Gemeindeverwaltung und verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten ist zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bahnlinie schliessen Wohn- und Gewerbegebiete an. Der Bahnhof erschliesst neben dem Hauptort auch die umliegenden Weiler und Aussenwachten der weitläufigen Gemeinde.
In Richtung Winterthur folgt als nächste Station der Bahnhof Turbenthal. Südöstlich führt die Strecke über Saland weiter nach Bauma, Wald ZH, Rüti ZH und Rapperswil SG.
Der Bahnhof liegt in der Tarifzone 171 des Zürcher Verkehrsverbunds.[1]
Geschichte
Eröffnung durch die Tösstalbahn
In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Tösstal zu einer bedeutenden Industrieregion. Vor allem Textilfabriken nutzten die Wasserkraft der Töss und ihrer Seitenbäche. Der Transport von Baumwolle, Kohle, Maschinen und Fertigwaren erfolgte jedoch weiterhin auf den teilweise schlecht ausgebauten Strassen des Tales.
Am 24. Juni 1865 wurde in Turbenthal ein Komitee zur Planung einer Eisenbahn durch das Tösstal gegründet. Daraus entstand 1871 die Tösstalbahn-Gesellschaft. Die neue Strecke sollte die Gemeinden zwischen Winterthur und Bauma erschliessen und ihre Industriebetriebe mit dem schweizerischen Eisenbahnnetz verbinden.
Die Bauarbeiten begannen 1872. Am 4. Mai 1875 nahm die Tösstalbahn den regulären Betrieb zwischen Winterthur-Grüze und Bauma auf. Gleichzeitig wurden die Bahnhöfe und Haltestellen entlang der Strecke eröffnet, darunter auch der Bahnhof Wila.[2]
Während der ersten Betriebsjahre verkehrten täglich nur wenige Zugpaare. Dennoch verbesserte die Bahn die Erreichbarkeit Wilas grundlegend. Reisende gelangten schneller nach Winterthur, während landwirtschaftliche und gewerbliche Erzeugnisse kostengünstiger transportiert werden konnten.
Bedeutung für die Wirtschaft
Der Eisenbahnanschluss förderte die Ansiedlung und Entwicklung von Gewerbe- und Industriebetrieben in der Umgebung des Bahnhofs. Die Bahn erleichterte sowohl die Anlieferung von Rohstoffen als auch den Versand der fertigen Produkte.
Ein Beispiel dafür war die Korbfabrik, die 1895 aus dem abgelegenen Steinenbachtal in die Nähe des Bahnhofs umzog. Der neue Standort ermöglichte einen einfacheren Import der benötigten Materialien und den direkten Versand der Korbwaren.[3]
Der Bahnhof verfügte ursprünglich über Einrichtungen für den Güterverkehr. Dazu gehörten ein Güterschuppen, Ladeflächen und zusätzliche Gleise für die Bereitstellung von Güterwagen. Befördert wurden unter anderem Holz, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kohle und Produkte der lokalen Gewerbebetriebe.
Verlängerung und Verstaatlichung
Am 15. Oktober 1876 verlängerte die Tösstalbahn-Gesellschaft ihre Strecke von Bauma nach Wald. Über die ebenfalls 1876 eröffnete Wald-Rüti-Bahn entstand eine durchgehende Verbindung nach Rüti und zur dortigen Glatthalbahn.
Die Tösstalbahn litt während langer Zeit unter finanziellen Schwierigkeiten. Der Bau war teurer ausgefallen als vorgesehen, und Hochwasser verursachten bereits in den ersten Betriebsjahren grosse Schäden an der Strecke. Die Gemeinden des Tales und private Geldgeber mussten wiederholt zusätzliches Kapital bereitstellen.
Am 10. Juni 1918 wurde die Tösstalbahn rückwirkend auf den 1. Januar 1918 verstaatlicht. Strecke und Bahnhöfe gingen an die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) über. Der Bahnhof Wila befindet sich seither im Eigentum der SBB.[2]
Elektrifizierung und Sicherungstechnik
Die Tösstalbahn wurde 1951 elektrifiziert. Damit endete der reguläre Einsatz von Dampflokomotiven im Personenverkehr. Die Strecke wird seither mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom betrieben.
Im selben Jahr nahm im Bahnhof Wila ein elektrisches Schalterstellwerk den Betrieb auf. Es diente der Bedienung der Weichen und Signale des Kreuzungsbahnhofs. Ab 1978 wurde die Anlage zeitweise vom Bahnhof Bauma aus fernüberwacht. Das Stellwerk blieb bis Juli 2016 in Betrieb und wurde anschliessend im Rahmen der Erneuerung der Sicherungsanlagen ausser Betrieb genommen.[4]
Modernisierung
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts modernisierten die SBB mehrere Bahnhöfe der Tösstalbahn. Neben Wila betrafen die Arbeiten unter anderem Kollbrunn, Rikon, Turbenthal, Bauma, Fischenthal und Wald.
Im Bahnhof Wila wurden die Perronanlagen erneuert und an die Anforderungen eines zeitgemässen Regionalverkehrs angepasst. Ein zuvor schmaler Bahnsteig wurde durch einen breiteren Perron ersetzt. Die erhöhten Perronkanten erleichtern den Einstieg in die Niederflurzüge. Auch die Zugänge, Beleuchtungs- und Fahrgastinformationsanlagen wurden modernisiert.
Gleichzeitig erneuerten die SBB die Sicherungstechnik der gesamten Strecke. Die Bahnhöfe werden seither zentral ferngesteuert, sodass für die betriebliche Abwicklung kein örtliches Personal mehr erforderlich ist.[5]
Der frühere Güterverkehr verlor im Verlauf des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Die meisten Güter- und Ladegleise wurden entfernt oder ausser Betrieb genommen. Heute dient die Station fast ausschliesslich dem Personenverkehr und als Kreuzungsbahnhof auf der weitgehend einspurigen Tösstalbahn.
Anlagen
Der Bahnhof besitzt zwei Durchgangsgleise mit zwei Aussenperrons. Da die anschliessenden Streckenabschnitte überwiegend einspurig sind, können sich in Wila Züge aus beiden Richtungen kreuzen.
Das historische Stationsgebäude steht auf der Ostseite der Gleise. Der Bau besitzt ein Satteldach, verputzte Fassaden und teilweise holzverschalte Gebäudeteile. An das Aufnahmegebäude schliesst der ehemalige Güterschuppen an. Das Gebäude erinnert an die frühere Funktion des Bahnhofs als bediente Bahnstation und Güterumschlagplatz.
Ein bedienter Billettschalter besteht nicht mehr. Billette können an einem Automaten sowie über die digitalen Verkaufskanäle der Verkehrsunternehmen bezogen werden. Auf dem Bahnhofsgelände befindet sich eine öffentliche Toilette.
Nach Angaben der SBB stehen 54 gedeckte Veloabstellplätze zur Verfügung. Die P+Rail-Anlage umfasst 34 reguläre Parkplätze und einen Parkplatz für Personen mit eingeschränkter Mobilität.[6]
Die internationale Betriebsstellennummer des Bahnhofs lautet 8506008, die betriebliche Abkürzung WILA. Auf Wikimedia Commons sind historische und aktuelle Fotografien des Stationsgebäudes und der Bahnanlagen dokumentiert.[7]
Bahnverkehr
S26
Die wichtigste Verbindung ist die von Thurbo betriebene Linie S26 der Zürcher S-Bahn. Sie verkehrt grundsätzlich im Halbstundentakt auf der Tösstalbahn:
- S26: Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Seen – Sennhof-Kyburg – Kollbrunn – Rikon – Rämismühle-Zell – Turbenthal – Wila – Saland – Bauma – Steg im Tösstal – Fischenthal – Gibswil – Wald ZH – Tann-Dürnten – Rüti ZH – Rapperswil SG
Die S26 stellt die Grunderschliessung des Tösstals sicher. In Winterthur bestehen Anschlüsse an den Fernverkehr sowie an zahlreiche weitere S-Bahn-Linien. In Rüti und Rapperswil bestehen Umsteigemöglichkeiten in Richtung Zürcher Oberland, Zürichsee, Glarnerland und Ostschweiz.[8]
S11
Während der Hauptverkehrszeiten verkehren zusätzliche Züge der Linie S11 bis und ab Wila. Sie schaffen eine direkte Verbindung über Winterthur und den Zürcher Hauptbahnhof ins Limmattal und in den Kanton Aargau:
- S11: Wila – Turbenthal – Rämismühle-Zell – Rikon – Kollbrunn – Sennhof-Kyburg – Winterthur Seen – Winterthur Grüze – Winterthur – Stettbach – Zürich Stadelhofen – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Hardbrücke – Zürich Altstetten – Dietikon – Lenzburg AG – Aarau
Wila ist der Endbahnhof dieses Astes der S11. Die zusätzlichen Verbindungen sind insbesondere auf den Berufsverkehr ausgerichtet und ermöglichen eine umsteigefreie Fahrt nach Zürich und Aarau.[9]
Busverkehr
Die Bushaltestelle Wila, Bahnhof liegt unmittelbar beim Stationsgebäude. Im Fahrplanjahr 2026 wird sie von folgenden Linien bedient:
- 807: Turbenthal, Bahnhof – Wila, Bahnhof – Schmidrüti – Sitzberg, Sternen
- 833: Wila, Bahnhof – Schalchen – Hermatswil – Pfäffikon ZH, Bahnhof
- N82: Wila, Bahnhof – Turbenthal – Hittnau, Industrie
Die Linie 807 erschliesst die östlich des Tösstals gelegenen Weiler und verbindet Wila mit Sitzberg sowie dem Bahnhof Turbenthal. Die Linie 833 führt über die Höhen westlich des Tösstals nach Pfäffikon ZH und stellt dort Anschlüsse an weitere Bahn- und Buslinien her. Die Nachtbuslinie N82 verkehrt in den Nächten des ZVV-Nachtnetzes.[10]
Bedeutung
Der Bahnhof Wila erfüllt eine wichtige Funktion für die Erschliessung des mittleren Tösstals. Er dient der Bevölkerung als Verbindung zu den regionalen Zentren Winterthur, Rüti und Rapperswil. Die zusätzlichen Züge der S11 bieten zu den Hauptverkehrszeiten eine direkte Verbindung nach Zürich und in den Kanton Aargau.
Als Umsteigepunkt zwischen Bahn und Postauto erschliesst der Bahnhof auch kleinere Ortschaften und Weiler, die nicht unmittelbar an der Tösstalbahn liegen. Dies betrifft insbesondere Sitzberg, Schmidrüti, Schalchen und die ländlichen Gebiete zwischen Wila und Pfäffikon ZH.
Der Bahnhof ist zudem Ausgangspunkt für Wanderungen und Velotouren entlang der Töss, nach Sitzberg, auf den Hohenlandenberg sowie in die Seitentäler der Gemeinde. Mehrere von der Gemeinde und vom Verkehrsverein eingerichtete Rundwege beginnen im Zentrum von Wila in der Nähe des Bahnhofs.[11]
Im September 2025 gehörte Wila zu den Veranstaltungsorten des Jubiläums zum 150-jährigen Bestehen der Tösstalbahn. Historische und moderne Extrazüge verbanden Wila mit Winterthur und Bauma.[12]
Siehe auch
- Tösstalbahn
- S-Bahn Zürich
- Wila
- Bahnhof Turbenthal
- Bahnhof Saland
- Liste der Bahnhöfe im Kanton Zürich
Weblinks
- Bahnhof Wila auf der Website der SBB
- Fahrplaninformationen des Zürcher Verkehrsverbunds
- Website der Gemeinde Wila
Einzelnachweise
- ↑ Tarifzonen. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 2,0 2,1 Tösstalbahn Winterthur–Rüti ZH. In: Schienenverkehr Schweiz(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Ein Spaziergang in die Vergangenheit von Wila. In: Der Landbote. 2020-10-25(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Wila. In: Stellwerksdatenbank(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Modernisierung und Angebotsausbau auf der Tösstalbahn. Hrsg.: Regierungsrat des Kantons Zürich. 2009-04-22(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Bahnhof Wila. In: Schweizerische Bundesbahnen(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Category: Wila railway station. In: Wikimedia Commons(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Linienfahrplan S26. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Linienfahrplan S11. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Haltestellenfahrplan Wila und Wila, Bahnhof. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Rundwege Wila. In: Gemeinde Wila(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 150 Jahre Tösstalbahn. In: Gemeinde Wila. 2025-09-07(de). Abgerufen am 2026-08-04.
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Wila