Bahnhof Gibswil

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Bahnhof Gibswil
Ort Gibswil
Gemeinde Fischenthal
Bezirk Hinwil
Kanton Zürich
Betriebsform Haltestelle
Bauform Durchgangsstation
Eröffnung 15. Oktober 1876
Bahnsteiggleise 1
Bahnsteig 1 Seitenperron
Perronlänge rund 170 m
Perronhöhe 55 cm
Spurweite 1435 mm
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Höhe 756 m ü. M.
Abkürzung GIB
IBNR 8503137
Bahnstrecke Tösstalbahn
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 173
Eigentümerin SBB
Zugbetreiberin Thurbo
Personenverkehr S-Bahn Zürich, Linie S26
Anschlussverkehr Buslinie 854
Nachtbuslinie N85
Adresse Tösstalstrasse 461
8498 Gibswil
Website sbb.ch

Der Bahnhof Gibswil ist eine Eisenbahnstation in der Ortschaft Gibswil in der politischen Gemeinde Fischenthal im Bezirk Hinwil des Kantons Zürich. Er liegt an der Tösstalbahn zwischen den Bahnhöfen Fischenthal und Wald.

Die Station wird durch die Linie S26 der S-Bahn Zürich bedient. Diese verbindet Gibswil im Halbstundentakt mit Winterthur, Bauma, Wald, Rüti und Rapperswil. Der unmittelbar neben dem Bahnhof gelegene Busanschluss erschliesst weitere Ortschaften des oberen Tösstals und des Zürcher Oberlands.[1]

Der Bahnhof wurde am 15. Oktober 1876 zusammen mit dem Abschnitt Bauma–Wald der Tösstalbahn eröffnet. Er befindet sich auf rund 756 Metern über Meer und gehört damit zu den höchstgelegenen regelmässig bedienten SBB-Stationen im Kanton Zürich.

Heute besteht die Personenanlage aus einem durchgehenden Streckengleis mit einem Seitenperron. Das historische Stationsgebäude ist erhalten und wird nicht mehr für den Bahnbetrieb benötigt. In einem Teil des Gebäudes befindet sich eine therapeutische Praxis.[2]

Lage

Der Bahnhof liegt am nordöstlichen Rand der Siedlung Gibswil unmittelbar an der Tösstalstrasse. Das Gebiet gehört zur Gemeinde Fischenthal, die aus den drei grösseren Ortsteilen Steg, Fischenthal und Gibswil sowie zahlreichen Weilern und Einzelhöfen besteht.[3]

Obwohl die Bahnlinie als Tösstalbahn bezeichnet wird, befindet sich Gibswil landschaftlich bereits im Übergangsgebiet zwischen dem oberen Tösstal und dem Jonatal. Südöstlich fällt das Gelände über Wald und Rüti in Richtung Zürichsee ab. Nordwestlich führt die Strecke über Fischenthal und Steg zurück in das eigentliche Tal der Töss.

Das Stationsareal liegt zwischen der Tösstalstrasse und dem bewaldeten Hang östlich der Bahnlinie. Westlich und südlich schliessen sich Wohnhäuser, Gewerbebetriebe und landwirtschaftliche Flächen an.

Das Zentrum der Ortschaft Gibswil erstreckt sich entlang der Kantonsstrasse. In der näheren Umgebung des Bahnhofs befinden sich unter anderem:

  • Wohn- und Gewerbebauten;
  • eine Postautohaltestelle;
  • eine kommunale Sammelstelle;
  • Park- und Veloabstellplätze;
  • Wanderwege in Richtung Bachtel und Hörnli;
  • Zugänge zur regionalen Loipe und zu weiteren Freizeitanlagen.

Die Gemeinde Fischenthal bezeichnet sich wegen ihrer Lage auf ungefähr 750 Metern als Wohnort der «höchsten Zürcher». Mit dem Schnebelhorn liegt auch die höchste Erhebung des Kantons Zürich innerhalb des Gemeindegebiets.[3]

Bahnhofanlage

Personenanlage

Der Bahnhof besitzt ein einziges durchgehendes Gleis mit einem Seitenperron. Die Züge beider Fahrtrichtungen halten an derselben Perronkante.

Da keine Weichen und kein zweites durchgehendes Gleis mehr vorhanden sind, können sich Züge in Gibswil nicht kreuzen. Betrieblich handelt es sich deshalb heute um eine Haltestelle und nicht mehr um einen Bahnhof im engeren eisenbahntechnischen Sinn.

Der Perron besitzt eine Länge von rund 170 Metern. Er ist 55 Zentimeter hoch und ermöglicht bei den auf der S26 eingesetzten Niederflurfahrzeugen einen weitgehend niveaugleichen Einstieg.[4]

Zur Ausstattung gehören:

  • ein gedeckter Wartebereich;
  • Sitzgelegenheiten;
  • ein Billettautomat;
  • digitale Fahrgastinformationen;
  • Lautsprecheranlagen;
  • Beleuchtung;
  • taktile Markierungen;
  • ein stufenfreier Zugang vom Bahnhofplatz;
  • Velo- und Autoabstellplätze.

Der Perron liegt auf der Seite des Aufnahmegebäudes. Reisende müssen deshalb kein Gleis überqueren, um zu den Zügen zu gelangen.

Frühere Gleisanlagen

Der Bahnhof besass ursprünglich neben dem Hauptgleis weitere Gleise für Zugskreuzungen, Güterumschlag und Rangierbewegungen. Dazu gehörten ein Ausweichgleis, Ladegleise und Anlagen beim Güterschuppen.

Die zusätzlichen Gleise ermöglichten früher Zugskreuzungen auf dem steilen Abschnitt zwischen Wald und Fischenthal. Gleichzeitig dienten sie der Verladung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, von Holz und von Waren für örtliche Gewerbe- und Industriebetriebe.

Mit dem Rückgang des regionalen Güterverkehrs und der Modernisierung der Sicherungsanlagen wurden die Nebengleise schrittweise entfernt. Die Station wurde auf ein einziges Streckengleis zurückgebaut.

Die Zugskreuzungen der S26 finden heute an anderen Stationen der Tösstalbahn statt. Dazu gehören insbesondere Wald, Fischenthal, Steg, Bauma und die im Rahmen späterer Ausbauten erweiterten Kreuzungsstationen.

Aufnahmegebäude

Das historische Aufnahmegebäude steht unmittelbar an der Tösstalstrasse. Es entstand für die Eröffnung der Bahnstrecke im Jahr 1876.

Gibswil erhielt wie Fischenthal und Steg ein vergleichsweise grosses Stationsgebäude. Diese Ausführung ging auf den bedeutenden Geldgeber der Tösstalbahn, Johannes Schoch, zurück. Der aus Fischenthal stammende und in Italien tätige Industrielle unterstützte die Bahngesellschaft finanziell, stellte dafür aber verschiedene Bedingungen.

Zu seinen Forderungen gehörte, dass die Bahnstrecke die Gemeinde Fischenthal auf ihrer gesamten Länge durchqueren und sowohl Steg als auch Fischenthal und Gibswil einen eigenen Bahnhof erhalten sollten. Die drei Stationsgebäude mussten grösser ausgeführt werden als jene der kleineren Zwischenstationen zwischen Winterthur und Bauma.[5]

Das Gebäude enthielt ursprünglich:

  • einen Wartsaal;
  • einen Billettschalter;
  • Diensträume;
  • Räume für Gepäck und Güter;
  • eine Dienstwohnung für das Bahnhofspersonal.

Nach der Aufhebung der personellen Besetzung verlor das Gebäude seine ursprüngliche Funktion. Es blieb jedoch erhalten und wurde für andere Nutzungen angepasst.

Heute befindet sich unter anderem die «Praxis im Bahnhof» im Gebäude. Die Anschrift lautet Tösstalstrasse 461, 8498 Gibswil.[6]

Ausstattung und kombinierte Mobilität

Nach Angaben der SBB stehen am Bahnhof 15 gedeckte Abstellplätze für Velos zur Verfügung. Die P+Rail-Anlage besitzt elf reguläre Parkplätze und einen Parkplatz für Menschen mit Behinderung.[2]

Ein bedienter Billettschalter, Schliessfächer und grössere Verkaufseinrichtungen bestehen nicht. Billette können am Automaten oder über die digitalen Verkaufskanäle des Zürcher Verkehrsverbunds und der SBB gekauft werden.

Auf dem Bahnhofareal befindet sich ausserdem eine kommunale Sammelstelle für Altglas, Aluminium, Weissblech, Kleinmetall, Textilien und Schuhe.[7]

Die Kombination aus Bahn, Bus, Velo- und Autoabstellplätzen macht Gibswil zu einem kleinen regionalen Umsteigepunkt. Sein Einzugsgebiet umfasst neben dem Dorf auch abgelegene Weiler, Einzelhöfe und Freizeitgebiete an den Hängen des Bachtels und des oberen Tösstals.

Bahnverkehr

S-Bahn Zürich

Im Jahresfahrplan 2026 wird Gibswil durch die Linie S26 der S-Bahn Zürich bedient:[8]

S26: Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Seen – Sennhof-Kyburg – Kollbrunn – Rikon – Rämismühle-Zell – Turbenthal – Wila – Saland – Bauma – Steg im Tösstal – Fischenthal – Gibswil – Wald – Tann-Dürnten – Rüti ZH – Rapperswil SG.

Die Züge verkehren grundsätzlich im Halbstundentakt. Die Linie wird von Thurbo betrieben.

In nordwestlicher Richtung bestehen direkte Verbindungen nach:

  • Fischenthal;
  • Steg im Tösstal;
  • Bauma;
  • Wila;
  • Turbenthal;
  • Kollbrunn;
  • Winterthur Seen;
  • Winterthur.

In südöstlicher Richtung verbindet die S26 Gibswil mit:

  • Wald;
  • Tann-Dürnten;
  • Rüti;
  • Jona;
  • Rapperswil.

Die Fahrzeit nach Wald beträgt nur wenige Minuten. Rüti wird in ungefähr einer Viertelstunde erreicht. Nach Bauma dauert die Fahrt rund 20 Minuten, nach Winterthur ungefähr eine Stunde.

In Rüti und Rapperswil bestehen Anschlüsse in Richtung Zürich, Uster, Pfäffikon SZ, Ziegelbrücke und St. Gallen. In Winterthur kann auf zahlreiche Fernverkehrs- und S-Bahn-Linien umgestiegen werden.

Entwicklung des Angebots

Vor der Einführung der S-Bahn Zürich verkehrten Regionalzüge zwischen Winterthur, Bauma, Wald und Rüti. Der Fahrplan war teilweise unregelmässig und wies längere Taktlücken auf.

Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich am 27. Mai 1990 wurde die Tösstalbahn als Linie S26 in das neue Netz integriert. Die Linie verband Winterthur über Bauma und Wald mit Rüti.

Der Halbstundentakt wurde schrittweise ausgebaut. Seit Dezember 2019 verfügen Steg, Fischenthal und Gibswil während eines grossen Teils des Tages über zwei Verbindungen pro Stunde.[3]

Später wurde die S26 über Rüti hinaus nach Rapperswil verlängert. Dadurch erhielt Gibswil direkte Verbindungen zum regionalen Zentrum am oberen Zürichsee.

Busverkehr

Die Bushaltestelle Gibswil, Bahnhof liegt unmittelbar beim Stationsgebäude. Sie wird im Jahresfahrplan 2026 durch die Buslinie 854 und die Nachtbuslinie N85 bedient.[1]

Linie Streckenführung beziehungsweise Funktion
854 Rüti ZH – Wald – Gibswil – Fischenthal – Steg im Tösstal – Bauma
N85 Nachtverbindung Gibswil – Fischenthal – Steg im Tösstal

Die Linie 854 verkehrt weitgehend parallel zur Bahnlinie. Sie erschliesst jedoch zusätzliche Haltestellen innerhalb der Siedlungen und entlang der Tösstalstrasse.

Der Bus übernimmt mehrere Funktionen:

  • lokale Feinerschliessung;
  • Verbindung zu Quartieren ausserhalb der Gehdistanz des Bahnhofs;
  • Ergänzung des Bahnangebots;
  • Ersatzverkehr bei Streckenunterbrüchen;
  • Erschliessung von Orten zwischen den Bahnstationen.

Die Nachtbuslinie N85 verkehrt in den Nächten vor Samstagen und Sonntagen. Sie stellt nach dem Ende des regulären Bahnverkehrs eine Verbindung zwischen Gibswil, Fischenthal und Steg her.

Geschichte

Planung der Tösstalbahn

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war das Tösstal ein bedeutendes Zentrum der Textilindustrie. Die Fabriken benötigten leistungsfähige Verkehrsverbindungen für Kohle, Baumwolle, Maschinen und Fertigwaren.

1865 wurde in Turbenthal ein Komitee für den Bau einer Tösstalbahn gegründet. Zu den wichtigen Förderern gehörten der Winterthurer Politiker Johann Jakob Sulzer, der Unternehmer Adolf Guyer-Zeller und Vertreter der Tösstaler Gemeinden.

Die ursprünglich geplante Strecke sollte Winterthur mit Bauma verbinden. Die Fortsetzung durch das obere Tösstal nach Wald war zunächst finanziell und politisch nicht gesichert.

Eine entscheidende Rolle spielte Johannes Schoch. Der in Fischenthal geborene Industrielle hatte in Norditalien ein Vermögen erworben und beteiligte sich mit beträchtlichen Mitteln am Eisenbahnprojekt.

Schoch verlangte, dass die Strecke von Bauma nach Wald über Steg, Fischenthal und Gibswil geführt werde. Damit setzte er sich gegen alternative Linienführungen durch, die das Gebiet der heutigen Gemeinde Fischenthal nur teilweise oder gar nicht erschlossen hätten.[5]

Eröffnung 1876

Der erste Abschnitt der Tösstalbahn zwischen Winterthur Grüze und Bauma wurde am 4. Mai 1875 eröffnet.

Die Fortsetzung von Bauma über Steg, Fischenthal und Gibswil nach Wald folgte am 15. Oktober 1876. Die Betriebslänge dieses Abschnitts betrug rund 14,4 Kilometer.[9]

Mit der Eröffnung nahm auch der Bahnhof Gibswil seinen Betrieb auf. Die neue Verbindung erleichterte der Bevölkerung den Zugang zu Wald, Bauma und Winterthur.

Gleichzeitig verbesserten sich die Transportbedingungen für:

  • Textilprodukte;
  • Holz;
  • Vieh;
  • landwirtschaftliche Erzeugnisse;
  • Kohle und Brennstoffe;
  • Maschinen;
  • Baustoffe;
  • Post- und Stückgut.

Der Bahnhof trug zur wirtschaftlichen Entwicklung des Dorfes bei. In seiner Umgebung entstanden Gewerbebetriebe, Wohnhäuser und Einrichtungen für den Güterverkehr.

Verbindung nach Rüti

Die Strecke von Wald nach Rüti wurde von der eigenständigen Wald-Rüti-Bahn gebaut und im September 1876 eröffnet.

Damit bestand kurz nach der Inbetriebnahme der Strecke Bauma–Wald eine durchgehende Schienenverbindung von Winterthur durch das Tösstal bis Rüti. Dort konnten Reisende auf die Bahnlinie nach Zürich, Rapperswil und Chur umsteigen.

Ab 1902 führte die Tösstalbahn den Betrieb auf der Wald-Rüti-Bahn. Die enge betriebliche Zusammenarbeit bereitete die spätere gemeinsame Verstaatlichung vor.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Die Tösstalbahn geriet bereits kurz nach ihrer Eröffnung in finanzielle Schwierigkeiten. Die Baukosten waren höher als erwartet, während die Einnahmen hinter den Hoffnungen zurückblieben.

Hochwasser verursachten 1876 und 1877 zusätzliche Schäden an der Strecke. Mehrere Gemeinden verlangten zeitweise die Rückzahlung ihrer Beteiligungen oder erwogen rechtliche Schritte gegen die Gesellschaft.

Die Bahn konnte ihren Betrieb dennoch fortsetzen. Sie blieb für die Textilindustrie und die Bevölkerung des Tösstals von grosser Bedeutung.

Verstaatlichung

Die Tösstalbahn und die Wald-Rüti-Bahn gehörten zu den letzten grösseren Privatbahnen, die in das Netz der Schweizerischen Bundesbahnen eingegliedert wurden.

Der Bund übernahm beide Unternehmen 1918. Die Verstaatlichung wurde am 10. Juni beschlossen und rückwirkend auf den 1. Januar 1918 vollzogen.

Der Bahnhof Gibswil ging damit in das Eigentum der SBB über. Die Bundesbahnen führten den Personen- und Güterverkehr weiter und modernisierten die Strecke schrittweise.

Elektrifizierung

Die Tösstalbahn wurde 1951 elektrifiziert. Seither wird sie mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16⅔ Hertz betrieben.

Die Umstellung beendete den regulären Dampfbetrieb. Elektrische Triebwagen und Pendelzüge ermöglichten kürzere Fahrzeiten, schnellere Beschleunigung und einen wirtschaftlicheren Betrieb.

Die Elektrifizierung war auf dem steilen Abschnitt zwischen Wald und Gibswil besonders vorteilhaft. Dampflokomotiven hatten dort schwere Züge nur mit grossem Aufwand befördern können.

Kleiner Gotthard

Die Bahnstrecke zwischen Wald und Gibswil weist eine maximale Steigung von 32 Promille auf. Dieser Abschnitt wird deshalb im regionalen Sprachgebrauch als Kleiner Gotthard bezeichnet.[10]

Von Wald steigt die Strecke in zahlreichen Kurven nach Gibswil an. Dabei überwindet sie auf verhältnismässig kurzer Distanz einen beträchtlichen Höhenunterschied.

Der Name erinnert an die historischen Steilstrecken der Gotthardbahn, obwohl die topografischen Dimensionen wesentlich kleiner sind. Die Bezeichnung hat sich dennoch als landschaftlicher und eisenbahngeschichtlicher Begriff etabliert.

Modernisierung

Vereinfachung der Gleisanlagen

Mit dem Rückgang des Güterverkehrs verloren die Lade- und Rangiergleise ihre Bedeutung. Die SBB entfernten die nicht mehr benötigten Anlagen und vereinfachten den Bahnhof zu einer eingleisigen Haltestelle.

Die personelle Besetzung wurde aufgehoben. Billettverkauf, Betriebsleitung und Sicherungsaufgaben wurden automatisiert beziehungsweise zentralisiert.

Das Aufnahmegebäude blieb erhalten, wurde jedoch für private und gewerbliche Nutzungen freigegeben.

Perronumbau

Zwischen 2012 und 2019 wurden mehrere Stationen der Tösstalbahn für das verbesserte S-Bahn-Angebot modernisiert.

In Gibswil wurde der Perron verschoben und auf eine Höhe von 55 Zentimetern gebracht. Der neue Bahnsteig ist rund 170 Meter lang und für Dreifachkompositionen der Thurbo-Triebzüge ausgelegt.[4]

Die Massnahmen verbesserten:

  • den stufenfreien Einstieg;
  • die Sicherheit der Reisenden;
  • die Sichtverhältnisse;
  • die Aufenthaltsqualität;
  • die Fahrgastinformation;
  • den Betrieb längerer Züge.

Der Ausbau war eine Voraussetzung für den weitgehenden Halbstundentakt und die steigenden Fahrgastzahlen auf der S26.

Fahrzeuge

Auf der S26 setzt Thurbo hauptsächlich elektrische Gelenktriebwagen ein. Die Niederflurfahrzeuge wurden speziell für den Regionalverkehr mit kurzen Haltestellenabständen entwickelt.

Die Triebzüge verfügen über:

  • Niederflureinstiege;
  • Mehrzweckbereiche für Velos und Kinderwagen;
  • Fahrgastinformationsanzeigen;
  • Klimaanlagen;
  • behindertengerechte Toiletten;
  • automatische Kupplungen für Mehrfachtraktion.

Durch die 170 Meter langen Perrons können mehrere Triebzüge zu längeren Kompositionen verbunden werden. Dies ist insbesondere während der Hauptverkehrszeiten und an stark frequentierten Ausflugstagen erforderlich.

Güterverkehr

Der Güterverkehr war in der Anfangszeit ein wichtiger Bestandteil des Bahnbetriebs. Über Gibswil wurden landwirtschaftliche und gewerbliche Waren transportiert.

Zu den möglichen Gütern gehörten:

  • Holz aus den umliegenden Wäldern;
  • Textilien und Rohstoffe für die Textilindustrie;
  • Vieh und landwirtschaftliche Erzeugnisse;
  • Kohle und Heizmaterial;
  • Maschinen und Ersatzteile;
  • Baumaterialien;
  • Stückgut für örtliche Händler und Betriebe.

Der Ausbau des Strassennetzes und der Lastwagenverkehr führten nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem starken Rückgang. Die örtliche Güterabfertigung wurde eingestellt und die entsprechenden Gleise wurden entfernt.

Heute dient die Strecke bei Bedarf noch Bau-, Unterhalts- und Überführungsfahrten. Regelmässiger lokaler Güterverkehr findet in Gibswil nicht mehr statt.

Fahrgastaufkommen

Gibswil gehört zu den kleineren Stationen des Zürcher S-Bahn-Netzes. Die SBB erfassten in früheren veröffentlichten Stationsstatistiken ungefähr 240 Ein- und Aussteigende pro durchschnittlichem Tag.[11]

Die Nachfrage verteilt sich hauptsächlich auf:

  • Berufspendlerinnen und Berufspendler;
  • Schülerinnen und Schüler;
  • Fahrgäste zu regionalen Zentren;
  • Wandernde und Ausflugsgäste;
  • Besucherinnen und Besucher der Wintersportangebote;
  • Nutzerinnen und Nutzer des Busanschlusses.

Der seit Dezember 2019 bestehende Halbstundentakt verbesserte die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs deutlich. Besonders wichtig sind die direkten Verbindungen nach Winterthur, Rüti und Rapperswil.

Denkmal für Johann Jakob Keller

In der Nähe des Bahnhofs steht ein Denkmal für den in Gibswil wirkenden Politiker Johann Jakob Keller. Er setzte sich im 19. Jahrhundert wesentlich für die Gründung der Zürcher Kantonalbank ein und wurde im Volksmund als «Bankvater Keller» bezeichnet.

Das Denkmal besteht aus rot gefärbten Betonelementen und wurde von der Künstlerin Charlotte Germann-Jahn geschaffen. Seine Formen sollen an einen Baum erinnern, dessen Ideen und Wirkungen sich über das Land ausbreiten.[12]

Der Standort beim Bahnhof unterstreicht die historische Bedeutung Gibswils als regionaler Verkehrs- und Begegnungsort.

Johann Jakob Keller ist nicht mit Johannes Schoch zu verwechseln. Während Keller vor allem mit der Gründung der Zürcher Kantonalbank verbunden ist, gehörte Schoch zu den wichtigsten Geldgebern der Tösstalbahn.

Bedeutung für die Gemeinde

Die Gemeinde Fischenthal verfügt mit Steg, Fischenthal und Gibswil über drei Bahnstationen. Aufgrund der langgezogenen Siedlungsstruktur ist diese vergleichsweise dichte Erschliessung für den öffentlichen Verkehr besonders wichtig.

Der Bahnhof Gibswil übernimmt mehrere Funktionen:

  • Anschluss der Ortschaft an das regionale Bahnnetz;
  • Verbindung nach Winterthur und Rapperswil;
  • Zugang zu den Arbeits- und Bildungszentren in Wald und Rüti;
  • Umstieg zwischen Bahn und Bus;
  • Ausgangspunkt für Freizeit- und Wanderverkehr;
  • Erschliessung abgelegener Weiler und Einzelhöfe;
  • Standort für Park-and-Ride und Bike-and-Ride.

Die Bahn trägt dazu bei, die Abhängigkeit vom Auto in der flächenmässig grossen und dünn besiedelten Gemeinde zu verringern.

Historisch förderte sie den wirtschaftlichen Austausch und die Entwicklung des örtlichen Gewerbes. Heute steht ihre Bedeutung für den Personen- und Pendlerverkehr im Vordergrund.

Freizeitverkehr

Gibswil liegt in einem bedeutenden Naherholungsgebiet des Zürcher Oberlands. Der Bahnhof dient als Ausgangs- oder Endpunkt zahlreicher Wanderungen und Velotouren.

Beliebte Ziele sind:

  • der Bachtel;
  • das Bachtelspalt;
  • Wald und das Jonatal;
  • der Hüttchopf;
  • das Schnebelhorn;
  • der Hörnli-Raum;
  • Fischenthal und Steg;
  • Girenbad und Wernetshausen;
  • die Höhenwege des Zürcher Oberlands.

Eine bekannte Wanderroute führt vom Bahnhof Gibswil über den Bachtel nach Wald. Sie verbindet den hoch gelegenen Bahnhof mit dem Aussichtspunkt auf dem Bachtel und endet beim Bahnhof Wald.

Im Winter erschliesst der Bahnhof die Panorama-Loipe Gibswil und weitere Wintersportmöglichkeiten. Die vergleichsweise hohe Lage sorgt häufig dafür, dass Gibswil über der Nebelgrenze des Zürcher Unterlands liegt.[3]

Auch für Gleitschirmflieger, Mountainbiker und Schneeschuhwandernde ist die Umgebung von Bedeutung.

Landschaftliche Bedeutung

Die Bahnlinie führt bei Gibswil durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus:

  • offenen Wiesen und Weiden;
  • bewaldeten Hängen;
  • Einzelhöfen;
  • kleinen Weilern;
  • Bachläufen;
  • Aussichtspunkten über das Zürcher Oberland.

Der Bahnhof markiert den höchsten Bereich der durchgehenden Bahnverbindung zwischen Winterthur und Rüti. Von hier fällt die Strecke sowohl in Richtung Wald als auch – weniger ausgeprägt – in Richtung Fischenthal ab.

Die Bahn erschliesst die Landschaft, ohne dass für Ausflüge eine Rückkehr zum Ausgangspunkt erforderlich ist. Wanderungen können beispielsweise in Gibswil beginnen und in Wald, Fischenthal, Steg oder Hinwil enden.

Jubiläum der Tösstalbahn

Im Jahr 2025 wurde das 150-jährige Bestehen des ersten Abschnitts der Tösstalbahn gefeiert. Am 6. und 7. September 2025 fanden entlang der Strecke historische Zugfahrten und Veranstaltungen statt.[13]

Der Abschnitt über Gibswil war zu diesem Zeitpunkt zwar erst 149 Jahre alt, wurde aber in die Feierlichkeiten zur Gesamtgeschichte der Bahn einbezogen.

Historische Fahrzeuge erinnerten an die Entwicklung von der dampfbetriebenen Privatbahn über die SBB-Nebenlinie bis zur modernen S-Bahn-Verbindung.

Siehe auch

Literatur

  • Heinz Gallmann: 125 Jahre Tösstalbahn. Minirex, Luzern 2000.
  • Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
  • Walter Aeschimann, Hugo Wenger: Uerikon-Bauma-Bahn. Rückblick und Ausblick. Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland, Bauma.
  • IG Tösstallinie: ZUGnummer. Verschiedene Ausgaben, Tösstal.
  • Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland: Dampfexpress. Verschiedene Ausgaben, Bauma.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Haltestellenfahrplan Gibswil, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan vom 14. Dezember 2025 bis zum 12. Dezember 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Bahnhof Gibswil, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Porträt der Gemeinde Fischenthal, Gemeinde Fischenthal, abgerufen am 3. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Ausbau der Tösstallinie und neue Haltestellen, IG Tösstallinie, Mai 2021, S. 3–4, abgerufen am 3. August 2026.
  5. 5,0 5,1 Johannes «Schang» Schoch und die Tösstalbahn, in: Dampfexpress 2024, Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland, S. 23, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Gewerbeverzeichnis, Gemeinde Fischenthal, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Entsorgung und Abfall, Gemeinde Fischenthal, abgerufen am 3. August 2026.
  8. S26 Winterthur–Bauma–Rüti–Rapperswil, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Tösstalbahn – Betriebseröffnungen und Geschichte, Festschrift zum Tösstaler-Bahnfest 1997, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Tösstallinie Winterthur–Bauma–Rüti–Rapperswil, IG Tösstallinie, 14. Januar 2021, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Ein- und Aussteigende an SBB-Bahnhöfen, SBB Open Data, Datensatz Gibswil, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Ein Denkmal für Johann Jakob Keller, in: Us eusere Walder Heimet, Nr. 221, September 2005, abgerufen am 3. August 2026.
  13. Rückblick auf das Fest «150 Jahre Tösstalbahn», Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland, abgerufen am 3. August 2026.

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