Oberrieden ZH
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Oberrieden ZH |
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Gemeindedaten |
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Staat |
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Kanton |
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Bezirk |
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BFS-Nummer |
0137 |
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Postleitzahl |
8942 |
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Koordinaten |
47.27805° N, 8.57806° E |
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Höhe |
460 m ü. M. |
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Fläche |
2.79 km² |
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Einwohner |
5'393 |
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Website |
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Oberrieden ist eine politische Gemeinde im Bezirk Horgen des Kantons Zürich in der Schweiz. Die Gemeinde liegt am linken Ufer des Zürichsees auf den östlichen Hängen des Zimmerbergs zwischen Thalwil und Horgen. Mit ihrer Nähe zur Stadt Zürich, der Lage am See und der guten Verkehrsanbindung ist Oberrieden heute vorwiegend eine Wohn- und Agglomerationsgemeinde.
Das Gemeindegebiet reicht vom Zürichsee über mehrere Geländeterrassen bis zum bewaldeten Höhenzug des Zimmerbergs und weiter in Richtung Sihltal. Trotz der dichten Besiedlung entlang des Seeufers und der Verkehrsachsen verfügt Oberrieden über ausgedehnte Waldflächen sowie über Naherholungsgebiete mit Aussicht auf den See, den Pfannenstiel und die Alpen.
Geographie
Oberrieden liegt am linken, westlichen Ufer des Zürichsees, rund elf Kilometer südöstlich des Stadtzentrums von Zürich. Die Gemeinde gehört zur Region Zimmerberg und grenzt im Norden an Thalwil, im Süden an Horgen und im Westen jenseits des Zimmerbergs an das Gebiet des Sihltals. Im Osten verläuft die Gemeindegrenze im Zürichsee.
Das Gemeindegebiet umfasst rund 2,79 Quadratkilometer.[1] Damit gehört Oberrieden zu den flächenmässig kleineren Gemeinden des Kantons Zürich. Die Siedlungsfläche erstreckt sich vom Seeufer bis auf die höher gelegenen Terrassen des Zimmerbergs. Der historische Dorfkern liegt oberhalb der Bahnlinie und der stark befahrenen Seestrasse.
Die Topografie ist durch einen deutlichen Höhenunterschied zwischen dem Zürichsee auf etwa 406 Metern über Meer und den Höhenlagen des Zimmerbergs geprägt. Der in der Infobox angegebene Höhenwert von 460 Metern bezieht sich auf den amtlichen Referenzpunkt der Gemeinde. Die höchsten Gemeindeteile liegen auf über 600 Metern über Meer.
Mehrere Bäche entwässern die Hänge in Richtung Zürichsee. Aufgrund des steilen Geländes verlaufen Strassen, Fusswege und Siedlungsbänder häufig parallel zum Seeufer. Treppen und steile Verbindungswege erschliessen die verschiedenen Geländestufen.
Bodennutzung
Ein erheblicher Teil der Gemeindefläche ist bewaldet. Weitere Flächen werden als Wohn-, Verkehrs- und Landwirtschaftsgebiet genutzt. Die Bebauung konzentriert sich vor allem auf den seeseitigen Hang. In den höher gelegenen Gebieten sind Wald, Wiesen und einzelne Landwirtschaftsflächen erhalten geblieben.
Die starke Nachfrage nach Wohnraum in der Region Zürich führte im 20. und frühen 21. Jahrhundert zu einer fortschreitenden Verdichtung. Grössere zusammenhängende unbebaute Flächen bestehen hauptsächlich am Zimmerberg und in den Waldgebieten.
Landschaft und Aussicht
Von den höher gelegenen Teilen Oberriedens eröffnet sich ein weiter Blick über den Zürichsee zum Pfannenstiel und bei klarer Sicht bis zu den Voralpen und Alpen. Bekannte Aussichtspunkte befinden sich unter anderem im Gebiet Aebnet, bei der Frohen Aussicht und in der Umgebung des Laugerenrieds.
Das Seeufer ist nur teilweise öffentlich zugänglich, da zahlreiche Grundstücke privat genutzt werden. Öffentliche Zugänge bestehen unter anderem bei der Schiffstation, beim Strandbad und entlang einzelner Uferwege.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Das Gebiet von Oberrieden war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Archäologische Funde am Zürichsee belegen eine menschliche Anwesenheit im 4. Jahrtausend vor Christus. Zu den gefundenen Gegenständen gehören Holzreste, Werkzeuge aus Feuerstein, Steinbeilklingen, Spinnwirtel und Keramikscherben.
Die Funde werden teilweise der nach dem benachbarten Horgen benannten Horgener Kultur zugerechnet. Diese jungsteinzeitliche Kultur war zwischen etwa 3400 und 2800 vor Christus im schweizerischen Mittelland und in angrenzenden Regionen verbreitet. Die damaligen Siedlungen lagen häufig unmittelbar am Seeufer oder auf feuchten Uferterrassen.
Auch aus späteren vorgeschichtlichen und römischen Zeiten sind Spuren menschlicher Nutzung in der Region bekannt. Eine kontinuierliche Siedlungsgeschichte lässt sich für Oberrieden jedoch erst für das Mittelalter genauer nachvollziehen.
Mittelalter
Oberrieden wird im Mittelalter unter verschiedenen Namensformen erwähnt. Der Ortsname bezeichnet vermutlich eine höher gelegene Rodung oder ein gerodetes Gebiet. Der Namensbestandteil «Ried» kann sowohl auf gerodetes Land als auch auf feuchten Boden hinweisen.
Politisch und kirchlich war Oberrieden lange eng mit Horgen verbunden. Das Gebiet gehörte zur Herrschaft und später zur zürcherischen Landvogtei Horgen. Die Bewohner lebten hauptsächlich von Landwirtschaft, Viehzucht, Weinbau, Fischerei und der Nutzung des Waldes.
Die Siedlung bestand aus verstreuten Höfen und kleineren Häusergruppen. Der Verkehr zwischen Zürich und den südlich gelegenen Orten verlief teilweise über Wege am Seeufer und über den Zimmerberg. Der Zürichsee war zugleich ein wichtiger Transportweg für Personen und Güter.
Zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Gemeinde gehören Bauernhäuser und Speicher, deren Ursprünge bis ins späte Mittelalter zurückreichen. Ein als besonders alt geltendes Wohnhaus wurde gemäss Überlieferung im Jahr 1294 errichtet.
Frühe Neuzeit
Nach der Reformation im Kanton Zürich im 16. Jahrhundert wurde auch Oberrieden reformiert. Die kirchliche Betreuung erfolgte weiterhin von Horgen aus. Die Bevölkerung war in einer sogenannten Wacht organisiert, die lokale Verwaltungs- und Ordnungsaufgaben wahrnahm.
Im 16. und 17. Jahrhundert entwickelte sich die Siedlung allmählich weiter. Landwirtschaft und Weinbau blieben die wichtigsten Erwerbsgrundlagen. Daneben gewannen Heimarbeit und handwerkliche Tätigkeiten an Bedeutung.
1620 wurde in Oberrieden eine erste eigene Schule eingerichtet. Der Unterricht fand zunächst unter einfachen Bedingungen statt und war stark mit der Kirche verbunden. Die Gründung der Schule war ein wichtiger Schritt zur Entwicklung einer eigenständigen Dorfgemeinschaft.
Der heute als «Spycher im Länz» bekannte Speicher wurde 1553 erbaut. Er gehört zu den bedeutenden historischen Nutzbauten der Gemeinde und erinnert an die landwirtschaftliche Vergangenheit Oberriedens.
Kirchliche Selbstständigkeit
Im 18. Jahrhundert wuchs der Wunsch nach einer eigenen Kirchgemeinde. Der beschwerliche Weg zur Kirche in Horgen und die zunehmende Bevölkerungszahl führten zu Bestrebungen, eine eigene Kirche zu errichten.
Die reformierte Kirche Oberrieden wurde 1760 und 1761 nach Plänen des bekannten Baumeisters Hans Ulrich Grubenmann gebaut. Grubenmann war vor allem für seine weit gespannten Holzkonstruktionen und Brücken bekannt. Die Kirche steht an einer erhöhten Lage und prägt bis heute das Ortsbild.
Mit dem Bau der Kirche erhielt Oberrieden eine stärkere kirchliche Eigenständigkeit. Die Trennung von der Muttergemeinde Horgen bildete zugleich eine wichtige Voraussetzung für die spätere politische Verselbstständigung.
Politische Selbstständigkeit
Am 13. Mai 1773 wurde Oberrieden von Horgen getrennt und als eigenständige politische Gemeinde anerkannt.[2] Zuvor hatte das Dorf als vierte Wacht zu Horgen gehört.
Die neue Gemeinde übernahm eigene Verwaltungsaufgaben und entwickelte selbstständige politische Strukturen. Die Gemeindebildung erfolgte noch vor dem Ende der Alten Eidgenossenschaft und vor der Schaffung des modernen Kantons Zürich.
Während der Helvetischen Republik und der politischen Neuordnung zu Beginn des 19. Jahrhunderts veränderten sich die Verwaltungsstrukturen mehrfach. Oberrieden blieb jedoch als Gemeinde bestehen und wurde dem Bezirk Horgen zugeteilt.
19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert wandelte sich Oberrieden von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer stärker gewerblich und verkehrlich orientierten Gemeinde. Der Weinbau blieb zunächst bedeutend, verlor jedoch durch Rebkrankheiten, wirtschaftliche Veränderungen und die zunehmende Überbauung an Gewicht.
Die Industrialisierung der Region Zürich wirkte sich auch auf Oberrieden aus. Ein Teil der Bevölkerung arbeitete in Gewerbe- und Industriebetrieben in Horgen, Thalwil oder Zürich. Gleichzeitig entstanden in der Gemeinde kleinere Betriebe und Heimarbeitsplätze, besonders im Bereich der Textilproduktion.
Die Eröffnung der linksufrigen Zürichseebahn im Jahr 1875 verbesserte die Verkehrsanbindung grundlegend. Oberrieden erhielt eine Bahnstation und rückte zeitlich näher an Zürich und die übrigen Gemeinden am See. Die Eisenbahn erleichterte den Pendelverkehr und förderte die Entwicklung als Wohnort.
Auch die Dampfschifffahrt auf dem Zürichsee spielte eine wichtige Rolle. Die Schiffsverbindungen ermöglichten den Transport von Personen und Gütern und verbanden Oberrieden mit Zürich, Horgen und weiteren Seeorten.
20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Oberrieden zunehmend zu einer Wohngemeinde der Agglomeration Zürich. Die Bevölkerungszahl nahm stark zu, und frühere Landwirtschaftsflächen wurden mit Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern, Schulen und öffentlichen Einrichtungen überbaut.
Zwischen 1923 und 1935 betrieb der Flugpionier und Flugzeugkonstrukteur Alfred Comte im Gebiet Usser Scheller eine Flugzeugfabrik. Das Unternehmen stellte Sport-, Schul- und Militärflugzeuge her und gehörte zu den frühen schweizerischen Flugzeugproduzenten. Die ehemalige Fabrikanlage gilt als bedeutendes Zeugnis der Industrie- und Luftfahrtgeschichte Oberriedens.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Die gute Verkehrsanbindung und die attraktive Lage am Zürichsee machten die Gemeinde zu einem bevorzugten Wohnort für Personen, die in Zürich oder anderen Zentren der Region arbeiteten.
Neue Wohnquartiere entstanden insbesondere an den Hängen oberhalb des Dorfkerns. Gleichzeitig wurden die Schul- und Sportanlagen erweitert. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe nahm deutlich ab.
1988 wurde die römisch-katholische Kirche Heilig Chrüz eingeweiht. Ihr moderner Rundbau steht neben dem historischen Haus Chrüzbüel und bildet einen architektonischen Kontrast zur reformierten Kirche.
21. Jahrhundert
Im 21. Jahrhundert ist Oberrieden eine dicht besiedelte, finanziell vergleichsweise gut situierte Wohngemeinde innerhalb der Agglomeration Zürich. Die Herausforderungen der Gemeinde liegen insbesondere in der räumlichen Verdichtung, der Erhaltung des Ortsbilds, der Verkehrsbelastung und dem Schutz der verbliebenen Natur- und Erholungsräume.
2023 feierte Oberrieden das 250-jährige Bestehen als selbstständige Gemeinde. Zu diesem Anlass erschienen historische Publikationen und fanden verschiedene Veranstaltungen statt. Die Entwicklung vom Weinbauerndorf zur modernen Wohngemeinde bildete einen Schwerpunkt des Jubiläums.[3]
Bevölkerung
Oberrieden hatte Ende 2024 rund 5'393 Einwohnerinnen und Einwohner.[4] Aufgrund der kleinen Gemeindefläche weist Oberrieden eine hohe Bevölkerungsdichte auf.
Die Bevölkerungsentwicklung war bis ins 19. Jahrhundert vergleichsweise langsam. Mit dem Eisenbahnbau und der zunehmenden Industrialisierung begann ein stärkeres Wachstum. Besonders ausgeprägt war die Zunahme nach 1950, als sich Oberrieden zu einer Wohn- und Pendlergemeinde entwickelte.
Die Bevölkerung ist sprachlich und konfessionell vielfältig. Umgangssprache ist überwiegend Zürichdeutsch, während im schriftlichen und amtlichen Bereich Schweizer Hochdeutsch verwendet wird. Daneben werden zahlreiche weitere Sprachen gesprochen.
Wie in vielen Gemeinden am Zürichsee ist der Anteil der Einpersonenhaushalte und kleiner Haushalte bedeutend. Die hohen Grundstücks- und Wohnungspreise beeinflussen die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung und erschweren teilweise den Zugang zu preisgünstigem Wohnraum.
Politik
Oberrieden ist als politische Gemeinde nach dem Recht des Kantons Zürich organisiert. Die Stimmberechtigten bilden die Legislative und entscheiden an der Gemeindeversammlung über wichtige kommunale Geschäfte.
Die Exekutive ist der Gemeinderat. Er besteht aus mehreren Mitgliedern und wird von einem Gemeindepräsidenten oder einer Gemeindepräsidentin geleitet. Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Alten Landstrasse 32.[5]
Zu den Aufgaben der Gemeinde gehören unter anderem Raumplanung, Bauwesen, Schulwesen, Sozialdienste, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Abfallwesen, Sicherheit, Kultur und der Unterhalt öffentlicher Anlagen.
Neben dem Gemeinderat bestehen verschiedene Behörden und Kommissionen, darunter die Schulpflege, die Rechnungsprüfungskommission, die Sozialbehörde, die Baukommission und die Werkkommission.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt auf blauem Grund eine silberne Rose mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern. Die genaue heraldische Beschreibung lautet sinngemäss:
- In Blau eine silberne Rose mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern.
Die Rose erscheint bereits in älteren Darstellungen als Symbol Oberriedens. Wie bei vielen Zürcher Gemeindewappen wurde die heute gebräuchliche Form im 20. Jahrhundert vereinheitlicht.
Wirtschaft
Oberrieden war historisch von Landwirtschaft, Weinbau, Fischerei und kleinem Gewerbe geprägt. Heute ist die Gemeinde vor allem ein Wohnort. Ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt nach Zürich, Horgen, Thalwil oder in andere Gemeinden der Region.
Das lokale Gewerbe umfasst Handwerksbetriebe, Beratungsunternehmen, Detailhandel, Gastronomie und verschiedene Dienstleistungen. Grössere Industrieunternehmen spielen gegenwärtig nur eine geringe Rolle.
Die Nähe zu Zürich und die Lage am See führen zu hohen Boden- und Immobilienpreisen. Oberrieden gehört zu den begehrten Wohnlagen am linken Zürichseeufer. Der Wohnungsbestand besteht aus Einfamilienhäusern, älteren Dorfhäusern, Villen und Mehrfamilienhäusern unterschiedlicher Bauperioden.
Die Landwirtschaft ist flächenmässig stark zurückgegangen. In den höher gelegenen Gemeindeteilen bestehen jedoch weiterhin Wiesen, Weiden und einzelne landwirtschaftlich genutzte Grundstücke. Der Wald wird forstwirtschaftlich bewirtschaftet und dient zugleich als Naherholungsraum.
Verkehr
Eisenbahn
Oberrieden liegt an der linksufrigen Zürichseebahn von Zürich nach Ziegelbrücke und Chur. Die Gemeinde verfügt über die beiden Bahnhöfe beziehungsweise Haltestellen Oberrieden und Oberrieden Dorf.
Der Bahnhof Oberrieden liegt an der Seelinie nahe dem Seeufer. Er wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient und bietet direkte Verbindungen nach Zürich und in Richtung Horgen beziehungsweise weiter entlang des Zürichsees.
Die Haltestelle Oberrieden Dorf liegt an der Bahnstrecke Thalwil–Arth-Goldau auf einer höheren Geländeterrasse. Sie erschliesst die oberen Wohnquartiere und bietet Verbindungen über Thalwil nach Zürich sowie in Richtung Zug.
Die beiden Bahnlinien verlaufen auf unterschiedlichen Höhen und besitzen innerhalb der Gemeinde keine direkte Gleisverbindung. Zusammen ermöglichen sie eine für die Grösse der Gemeinde ungewöhnlich gute Bahnversorgung.
Busverkehr
Regionale Buslinien verbinden die verschiedenen Quartiere mit den Bahnhöfen und den Nachbargemeinden. Der Busverkehr ist in den Zürcher Verkehrsverbund integriert.
Aufgrund der Hanglage ist der öffentliche Ortsverkehr besonders für die Verbindung zwischen dem Seeufer, dem Dorfzentrum und den höher gelegenen Quartieren von Bedeutung.
Strassenverkehr
Die Seestrasse verbindet Oberrieden mit Thalwil, Horgen und Zürich. Sie gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen am linken Zürichseeufer und ist während der Hauptverkehrszeiten stark belastet.
Die Autobahn A3 verläuft westlich der Gemeinde. Die nächstgelegenen Anschlüsse befinden sich im Raum Horgen und Thalwil. Über die A3 sind Zürich, das Sarganserland und die Zentralschweiz erreichbar.
Die engen Strassen im alten Dorfkern sowie die steile Topografie begrenzen den motorisierten Verkehr. Die Gemeinde fördert Fuss- und Veloverbindungen, wobei die Höhenunterschiede für den Veloverkehr eine Herausforderung darstellen.
Schifffahrt
Oberrieden besitzt eine Schiffstation der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft. Kursschiffe verbinden die Gemeinde saisonal mit Zürich und weiteren Orten am Zürichsee.
Die Schifffahrt hat heute vor allem touristische und freizeitbezogene Bedeutung. Historisch war sie auch für den Gütertransport und den täglichen Personenverkehr wichtig.
Bildung
Oberrieden verfügt über Kindergärten, Primarschulen und eine Sekundarschule. Die kommunalen Schulanlagen befinden sich in verschiedenen Teilen der Gemeinde.
Zu den Schulanlagen gehören unter anderem das Primarschulhaus Pünt sowie die Sekundarschulhäuser an der Kirchstrasse und am Langweg. Ergänzt werden sie durch Sporthallen, Aussenanlagen und eine Lehrschwimmhalle.
Für die nachobligatorische Ausbildung besuchen Jugendliche Schulen in Horgen, Wädenswil, Zürich oder anderen Orten der Region. Berufsfachschulen, Mittelschulen, Fachhochschulen und Hochschulen sind mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar.
Die Gemeinde betreibt eine Bibliothek mit Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Daneben bestehen familienergänzende Betreuungsangebote und Einrichtungen für die offene Kinder- und Jugendarbeit.
Religion
Die Reformierte Kirche Oberrieden wurde 1760 und 1761 von Hans Ulrich Grubenmann errichtet. Sie steht oberhalb des historischen Dorfkerns und ist eines der wichtigsten Baudenkmäler der Gemeinde.
Die reformierte Kirchgemeinde war historisch prägend für das gesellschaftliche Leben. Neben Gottesdiensten organisiert sie soziale, kulturelle und seelsorgerische Angebote.
Die römisch-katholische Bevölkerung gehört zur katholischen Pfarrei und nutzt die Kirche Heilig Chrüz. Der 1988 eingeweihte Rundbau steht im Gebiet Chrüzbüel.
Neben den beiden grossen Landeskirchen leben in Oberrieden Angehörige weiterer christlicher Gemeinschaften, anderer Religionen sowie konfessionslose Personen.
Kultur und Gesellschaft
Das kulturelle Leben wird von Vereinen, Kirchgemeinden, der Bibliothek, dem Ortsmuseum und privaten Initiativen getragen. Musik-, Sport-, Jugend- und Freizeitvereine leisten einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das Ortsmuseum sammelt und dokumentiert Gegenstände, Fotografien und Schriftstücke zur Geschichte der Gemeinde. Es befasst sich unter anderem mit Landwirtschaft, Handwerk, Alltagsleben, Verkehr und der Tätigkeit der Flugzeugfabrik Alfred Comte.
Der Kulturkreis Oberrieden organisiert Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und weitere Veranstaltungen. Regelmässig finden zudem die Oberriedner Chilbi, Vereinsanlässe und Gemeindeversammlungen statt.
Ein überregional bekannt gewordener Anlass war das Open-air Oberrieden. Das Musikfestival wurde von lokalen Organisatoren getragen und fand während mehrerer Jahre in der Gemeinde statt.
Sehenswürdigkeiten
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche wurde 1760 und 1761 nach Plänen von Hans Ulrich Grubenmann errichtet. Der schlichte protestantische Kirchenbau besitzt einen hellen Innenraum und eine für Grubenmann typische Holzkonstruktion.
Die erhöhte Lage macht die Kirche zu einem weithin sichtbaren Bestandteil des Ortsbilds. Zusammen mit dem Pfarrhaus und den umliegenden historischen Gebäuden bildet sie das kirchliche Zentrum der Gemeinde.
Kirche Heilig Chrüz
Die römisch-katholische Kirche Heilig Chrüz wurde 1988 als moderner Rundbau errichtet. Sie steht neben dem Haus Chrüzbüel, das aus dem späten 18. Jahrhundert stammt.
Der kreisförmige Kirchenraum unterscheidet sich deutlich von der traditionellen Architektur der reformierten Kirche. Das Gebäude dient neben Gottesdiensten auch der Begegnung und Gemeindearbeit.
Spycher im Länz
Der «Spycher im Länz» wurde 1553 erbaut und gehört zu den ältesten erhaltenen Wirtschaftsbauten Oberriedens. Speicher dieser Art dienten zur sicheren Lagerung von Getreide, Lebensmitteln, Werkzeugen und wertvollen Gegenständen.
Das Gebäude befindet sich im Eigentum der Gemeinde und steht unter Denkmalschutz. Es erinnert an die bäuerliche Vergangenheit des Orts.
Haus Chrüzbüel
Das Haus Chrüzbüel wurde 1798 errichtet. Es ist ein charakteristisches historisches Wohnhaus und bildet gemeinsam mit der katholischen Kirche Heilig Chrüz ein markantes Gebäudeensemble.
Villen Schönfels und Sonnenbühl
Die Villen Schönfels und Sonnenbühl entstanden als repräsentative Wohnbauten wohlhabender Eigentümer. Sie dokumentieren die Entwicklung des linken Zürichseeufers zu einer bevorzugten Wohnregion im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Die Gebäude und ihre Gartenanlagen prägen das Ortsbild und stehen beispielhaft für die Villenkultur am Zürichsee.
Ehemalige Flugzeugfabrik
Im Gebiet Usser Scheller befinden sich Gebäude der ehemaligen Flugzeugfabrik von Alfred Comte. Der Betrieb produzierte zwischen 1923 und 1935 Flugzeuge und war eng mit der frühen schweizerischen Luftfahrt verbunden.
Die erhaltenen Industriebauten besitzen technik- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung. Sie erinnern an eine kurze Phase, in der Oberrieden ein Standort des schweizerischen Flugzeugbaus war.
Historischer Dorfkern
Im alten Dorfzentrum sind mehrere Bauern- und Wohnhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten erhalten. Sie vermitteln einen Eindruck von Oberrieden vor der starken Überbauung des 20. Jahrhunderts.
Die historische Bebauung konzentriert sich in der Umgebung der reformierten Kirche, der Alten Landstrasse und angrenzender Gassen. Moderne Wohnbauten und Verkehrsanlagen haben das frühere Dorfbild teilweise verändert.
Natur und Freizeit
Das bewaldete Gebiet am Zimmerberg bietet ein dichtes Netz von Spazier- und Wanderwegen. Von den Höhenlagen führen Wege nach Horgen, Thalwil, ins Sihltal und zu verschiedenen Aussichtspunkten.
Der Naturpark Aebnet ist ein lokales Erholungsgebiet mit Grünflächen und Ausblicken über den Zürichsee. Das Gebiet wird für Spaziergänge, Veranstaltungen und die Bundesfeier genutzt.
Am See befindet sich das Strandbad Oberrieden. Es verfügt über Liegewiesen und Zugang zum Zürichsee. Weitere Freizeitangebote umfassen Sportplätze, Turnhallen, eine Lehrschwimmhalle und Vereinsanlagen.
Die Wälder dienen neben der Erholung als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Gemeinde beteiligt sich an der Pflege des Waldes, am Schutz von Naturflächen und an Massnahmen gegen invasive Arten.
Persönlichkeiten
In Oberrieden geboren
- Theo Hotz (1928–2018), Architekt
- Lea Ammann (* 2002), Leichtathletin
Mit Oberrieden verbunden
- John Brack (1950–2006), Countrymusiker
- Alfred Comte (1895–1965), Flugpionier und Flugzeugkonstrukteur; betrieb in Oberrieden eine Flugzeugfabrik
- Max Dünki (1932–2011), Politiker und Nationalrat; wirkte als Gemeindeschreiber in Oberrieden
- Maria Fierz (1878–1956), Sozialarbeiterin und Frauenrechtlerin
- Hannes Gruber (1928–2016), Maler
- Steff Gruber (* 1953), Filmemacher, Fotograf und Autor
- Gerold Hilty (1927–2014), Romanist und Sprachwissenschafter
- Heiri Leuthold (1967–2009), Sozialgeograf
- Fritz Peter (1925–1994), Sänger
- Hans Heinrich Staub (1908–1980), Physiker
- Peter Surava (1912–1995), Journalist
- Dominique Rinderknecht (* 1989), Model und Miss Schweiz 2013
Siehe auch
- Bezirk Horgen
- Liste der Gemeinden im Kanton Zürich
- Zürichsee
- Zimmerberg
- Horgener Kultur
- Alfred Comte
- Reformierte Kirche Oberrieden
Literatur
- Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1943.
- Gemeinde Oberrieden (Hrsg.): Sternstunden – 250 Jahre Oberrieden. Oberrieden 2023.
- Hans Erb: Oberrieden. Geschichte einer Zürichseegemeinde. Oberrieden.
- Heinrich Zeller-Werdmüller: Zürcherische Burgen und Schlösser. Zürich.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Oberrieden
- Oberrieden im Historischen Lexikon der Schweiz
- Zürcher Gemeinden in Zahlen
- Ortsmuseum Oberrieden
Einzelnachweise
- ↑ Bundesamt für Statistik: Geografische Kennzahlen der Schweizer Gemeinden, Stand 31. Dezember 2024, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Oberrieden, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Stutz Medien: Sternstunden – 250 Jahre Oberrieden, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Schweizer Regionen: Gemeinde Oberrieden, Einwohnerzahl mit Stand 2024, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Oberrieden: Oberrieden am Zürichsee, abgerufen am 25. Juli 2026.