Affoltern am Albis
| Blick auf Affoltern am Albis | |
| Staat | Schweiz |
|---|---|
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Affoltern |
| BFS-Nummer | 0002 |
| Postleitzahlen | 8910 Affoltern am Albis 8909 Zwillikon |
| Koordinaten | 47° 16′ 30″ N, 8° 26′ 45″ O |
| Höhe | etwa 494 m ü. M. |
| Fläche | rund 10,6 km² |
| Einwohner | 12'512 |
| Einwohnerbezeichnung | Affoltemer |
| Stadtpräsidentin | Eveline Fenner |
| Ortsteile | Affoltern, Zwillikon, Loo und Ferenbach |
| Website | affoltern-am-albis.ch |
Affoltern am Albis ist eine politische Gemeinde und Stadt im Kanton Zürich. Sie ist der Hauptort des Bezirks Affoltern und das bevölkerungsreichste wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des Knonaueramts. Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort Affoltern die Ortschaft Zwillikon sowie die kleineren Siedlungen Loo und Ferenbach.
Affoltern liegt westlich der Albiskette in einer während der Eiszeiten geformten Moränenlandschaft zwischen dem Albis und dem Reusstal. Durch den Ort fliesst der Jonenbach. Die Stadt liegt ungefähr auf halbem Weg zwischen Zürich und Zug und ist durch die Autobahn A4 sowie die Bahnstrecke Zürich–Zug gut an die beiden Wirtschaftsräume angeschlossen.
Der Ort wurde 1190 als Afiltre erstmals zweifelsfrei schriftlich erwähnt. Seit 1837 ist Affoltern Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Nachdem die Gemeinde bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehr als 10'000 Einwohner gezählt hatte, bezeichnet sie sich seit dem 1. Juli 2018 offiziell als Stadt.[1]
Name
Der Ortsname Affoltern geht auf das althochdeutsche Wort affoltra oder aphaltra zurück, das einen Apfelbaum bezeichnet. Der Name bedeutet sinngemäss «bei den Apfelbäumen» oder «Ort mit Apfelbäumen».
Eine Herkunftsbezeichnung Cuno de Affaltra aus dem Jahr 1044 wird gelegentlich mit Affoltern am Albis in Verbindung gebracht. Die Zuordnung ist jedoch nicht vollständig gesichert. Als eindeutiger Beleg gilt die Nennung Afiltre in einem um 1190 angelegten Verzeichnis von Besitzrechten des Klosters Engelberg. Spätere Formen waren unter anderem Alfeltre, Affoltre und Affoltern.[2]
Der Zusatz am Albis dient zur Unterscheidung von anderen Orten gleichen Namens, insbesondere Affoltern im Emmental im Kanton Bern und dem Zürcher Stadtquartier Affoltern. Im schweizerdeutschen Ortsdialekt wird Affoltern am Albis als Affoltere bezeichnet. In der Region sind ausserdem die umgangssprachlichen Kurzformen Affoltern a. A. und Affoltern gebräuchlich.
Die Einwohnerinnen und Einwohner werden Affoltemerinnen und Affoltemer genannt. Das Knonaueramt wird volkstümlich auch Säuliamt oder in älterer Schreibweise Söiliamt genannt.
Geographie
Lage
Affoltern am Albis liegt im südwestlichen Teil des Kantons Zürich. Das Gemeindegebiet befindet sich westlich des Albis in einer leicht gewellten Landschaft, die sich gegen das Reusstal und den Kanton Aargau öffnet.
Die Stadt grenzt an die Zürcher Gemeinden Aeugst am Albis, Hedingen, Mettmenstetten, Obfelden, Ottenbach und Stallikon sowie an die Gemeinde Jonen im Kanton Aargau.
Das Zentrum liegt auf einer Höhe von ungefähr 494 Metern über Meer. Das Gelände steigt im Osten in Richtung Albis an und fällt im Westen allmählich zur Reussebene ab.
Affoltern liegt rund 15 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Zürich und etwa 13 Kilometer nördlich von Zug. Die Lage zwischen diesen beiden Städten beeinflusst die Bevölkerungs-, Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung stark.
Landschaft
Die Landschaft um Affoltern entstand wesentlich während der letzten Eiszeit. Gletscher hinterliessen Moränenzüge, Geländemulden, Schotterflächen und feuchte Niederungen.
Das Gemeindegebiet umfasst Siedlungsflächen, Landwirtschaftsland, Wälder und kleinere Gewässer. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen prägen vor allem die Randgebiete zwischen Affoltern, Zwillikon und den Nachbargemeinden.
Zu den grösseren Waldgebieten gehören der Hombergwald, der Hedinger Wald und weitere bewaldete Höhenzüge im Osten und Norden der Gemeinde. Die Wälder dienen der Holzproduktion, dem Natur- und Landschaftsschutz sowie als Naherholungsräume.
Jonenbach
Der Jonenbach ist das wichtigste Fliessgewässer der Stadt. Er entspringt im Gebiet des Albis und durchquert Affoltern in westlicher Richtung. Anschliessend fliesst er über Zwillikon und Jonen zur Reuss.
Der Bach war für die Entstehung und Entwicklung der Siedlung von grosser Bedeutung. Sein Wasser wurde für Mühlen, Gewerbebetriebe, Landwirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung genutzt.
Wiederholte Hochwasser führten zu Schutzbauten, Bachkorrektionen und raumplanerischen Massnahmen. In verschiedenen Abschnitten wurde der Jonenbach revitalisiert oder stärker in die Gestaltung des öffentlichen Raums einbezogen.
Ortsteile
Die Stadt besteht aus mehreren historisch gewachsenen Siedlungsteilen.
Unteraffoltern entwickelte sich im Bereich des Jonenbachs und der alten Kirche. Es bildete während Jahrhunderten den kirchlichen und dörflichen Mittelpunkt.
Oberaffoltern entstand südöstlich beziehungsweise oberhalb des älteren Dorfkerns. Zwischen Ober- und Unteraffoltern lagen ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Zwillikon liegt westlich des Hauptorts am Jonenbach. Die Ortschaft wurde 1269 als apud Zwillinkon schriftlich erwähnt. Sie bewahrte trotz der baulichen Entwicklung einen teilweise eigenständigen dörflichen Charakter.
Loo und Ferenbach sind kleinere ländliche Siedlungen im Gemeindegebiet. Sie waren gemeinsam mit Affoltern und Zwillikon zeitweise als besondere lokale Körperschaften beziehungsweise Zivilgemeinden organisiert.
Das starke Wachstum des 20. und frühen 21. Jahrhunderts liess Ober- und Unteraffoltern weitgehend zusammenwachsen. Auch zwischen dem historischen Dorfkern, dem Bahnhof und den neueren Wohnquartieren entstand ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet.
Geschichte
Frühgeschichte und römische Zeit
Archäologische Funde aus der Umgebung zeigen, dass das Knonaueramt bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Einzelne Funde und Geländespuren weisen auf Aktivitäten während der Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit hin.
Während der römischen Epoche verliefen Verkehrswege durch die Region. In der Umgebung von Affoltern wurden Reste römischer Gutshöfe und Siedlungsstellen nachgewiesen. Das Gebiet gehörte zum Hinterland der römischen Zentren Turicum, dem heutigen Zürich, und Vindonissa bei Windisch.
Nach dem Ende der römischen Herrschaft entstanden alemannische Siedlungen. Viele Ortsnamen und Flurbezeichnungen der Region gehen auf das frühe Mittelalter zurück.
Mittelalter
Affoltern wurde 1190 als Afiltre in einem Güterverzeichnis des Klosters Engelberg genannt. Das Dorf bestand wahrscheinlich aus mehreren Hofgruppen entlang des Jonenbachs und an den umliegenden Wegen.
Im Hochmittelalter besassen verschiedene geistliche und weltliche Herren Güter, Zehntenrechte und Gerichtsbefugnisse. Dazu gehörten das Kloster Engelberg, das Kloster Kappel, das Fraumünster in Zürich und regionale Adelsfamilien.
Ein Ministerialengeschlecht, das sich nach Affoltern benannte, ist im Mittelalter bezeugt. Seine genaue Beziehung zur späteren Gemeinde und zum heutigen Gemeindewappen ist jedoch nicht vollständig geklärt.
Das Gebiet gelangte schrittweise unter den Einfluss der Stadt Zürich. 1415 eroberte Zürich Teile des habsburgischen Freiamts. 1512 wurde Affoltern in die neu geschaffene Landvogtei Knonau eingegliedert.
Der Zürcher Landvogt residierte im Schloss Knonau. Affoltern blieb während der gesamten Zeit der Alten Eidgenossenschaft ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf.
Reformation
Die von Huldrych Zwingli ausgehende Zürcher Reformation wurde in den 1520er-Jahren auch in Affoltern eingeführt. Die Kirchgemeinde wurde reformiert und kirchlicher Besitz teilweise neu geordnet.
Die alte Kirche im Unterdorf wurde nach der Reformation mehrfach umgebaut. 1645 entstand eine reformierte Saalkirche, die den liturgischen Vorstellungen der Zürcher Landeskirche entsprach.
Die Nähe zum Kloster Kappel und zu den Schauplätzen der Kappelerkriege verband Affoltern mit den konfessionellen Konflikten des frühen 16. Jahrhunderts. Die eigentlichen Kämpfe fanden jedoch ausserhalb des Gemeindegebiets statt.
Helvetik und Mediationszeit
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 endete die Herrschaft der Stadt Zürich über ihre Landgebiete.
Die Landvogtei Knonau wurde aufgehoben. Affoltern gehörte zunächst zu neuen, mehrfach veränderten Verwaltungsbezirken.
Die Mediationsakte von 1803 stellte den Kanton Zürich wieder her. Das Knonaueramt wurde als Bezirk beziehungsweise Oberamt neu organisiert. Hauptort blieb zunächst Knonau.
Affoltern wird Bezirkshauptort
Nach der liberalen Kantonsverfassung von 1831 wurden die Verwaltungsstrukturen des Kantons Zürich neu geordnet. 1837 verlegte der Kanton den Hauptort des Bezirks von Knonau nach Affoltern.
Ausschlaggebend waren die zentralere Lage Affolterns, seine bessere Erreichbarkeit und die wachsende Bedeutung des Orts. Mit dem Bezirksgericht, der Bezirksverwaltung und weiteren öffentlichen Einrichtungen erhielt Affoltern eine neue politische Funktion.
Die Ernennung zum Bezirkshauptort leitete eine verstärkte bauliche und wirtschaftliche Entwicklung ein. Neue Verwaltungs-, Schul- und Gewerbebauten entstanden.
Eisenbahn und Industrialisierung
Am 1. Juni 1864 nahm die Zürich-Zug-Luzern-Bahn die Strecke durch das Knonaueramt in Betrieb. Affoltern erhielt einen Bahnhof und war nun direkt mit Zürich, Zug und Luzern verbunden.[2]
Der Eisenbahnanschluss veränderte den Ort grundlegend. Landwirtschaftliche Produkte konnten leichter abgesetzt werden, während Baustoffe, Brennstoffe und industrielle Erzeugnisse schneller in die Gemeinde gelangten.
Nach der Eröffnung der Gotthardbahn entwickelte sich die Strecke zeitweise zu einer bedeutenden internationalen Verbindung. Züge zwischen Zürich, Zug und Italien fuhren über Affoltern. Mit der Eröffnung der direkteren Bahnstrecke Thalwil–Zug im Jahr 1897 verlor die Verbindung durch das Knonaueramt wieder an überregionaler Bedeutung.
In Affoltern siedelten sich Gewerbe-, Handels- und Industriebetriebe an. Die traditionelle Heimarbeit und Textilverarbeitung wurden teilweise durch Fabrikproduktion ersetzt. Gleichzeitig blieb die Landwirtschaft bis weit ins 20. Jahrhundert ein wichtiger Erwerbszweig.
Entwicklung im 20. Jahrhundert
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs Affoltern zunächst langsam. Das Ortsbild blieb von den historischen Dorfkernen, einzelnen Fabriken und landwirtschaftlichen Betrieben geprägt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine starke Bautätigkeit ein. Die Nähe zu Zürich und Zug, der Bahnanschluss und die zunehmende Motorisierung machten Affoltern zu einem attraktiven Wohnort.
Neue Wohnquartiere entstanden rund um den Bahnhof, zwischen Ober- und Unteraffoltern sowie an den Ausfallstrassen. Schulen, Sportanlagen, Verwaltungsgebäude und soziale Einrichtungen wurden ausgebaut.
Der Strukturwandel verringerte die Bedeutung der Landwirtschaft. Dienstleistungsunternehmen, Detailhandel, Verwaltung, Gesundheitswesen und Gewerbe gewannen an Gewicht.
Autobahn und jüngere Entwicklung
Die Nationalstrasse A4 wurde im Knonaueramt schrittweise gebaut. Mit der Eröffnung des Autobahnabschnitts durch das Säuliamt im Jahr 2009 verbesserte sich die Strassenverbindung nach Zürich, Zug und in die Zentralschweiz erheblich.
Die Autobahn entlastete mehrere Ortsdurchfahrten vom überregionalen Verkehr, erhöhte jedoch zugleich den Siedlungs- und Entwicklungsdruck.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wuchs Affoltern weiter. Die Bevölkerung überschritt die Grenze von 10'000 Einwohnern. Neue Wohn- und Gewerbegebiete entstanden, während Bahnhofsumgebung, Zentrum und öffentliche Räume verdichtet und aufgewertet wurden.
Seit dem 1. Juli 2018 verwendet Affoltern am Albis die Bezeichnung Stadt. Die politische Organisation mit Gemeindeversammlung wurde dadurch nicht verändert.
Bevölkerung
Affoltern entwickelte sich vom kleinen Bauerndorf zum regionalen Zentrum mit mehr als 12'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Im 19. Jahrhundert führte die Ernennung zum Bezirkshauptort zunächst zu einem moderaten Wachstum. Der stärkste Anstieg setzte nach 1950 ein, als immer mehr Menschen aus Zürich und anderen städtischen Gebieten in das Knonaueramt zogen.
Die Bevölkerung ist sprachlich und kulturell vielfältig. Deutsch ist die wichtigste Alltagssprache. Daneben werden Italienisch, Portugiesisch, Albanisch, Englisch sowie verschiedene südslawische und aussereuropäische Sprachen gesprochen.
Die Stadt weist sowohl ältere Dorfquartiere als auch moderne Wohnsiedlungen auf. Ein bedeutender Teil der Erwerbstätigen pendelt nach Zürich, Zug oder in andere Gemeinden. Gleichzeitig bietet Affoltern selbst mehrere Tausend Arbeitsplätze und ist Ziel zahlreicher Zupendler.
Die offizielle städtische Website wies 2026 insgesamt 12'512 Einwohnerinnen und Einwohner, 5'329 Haushalte und 6'631 Beschäftigte aus.[1]
Politik
Gemeindeorganisation
Affoltern am Albis ist trotz der Bezeichnung Stadt als Versammlungsgemeinde organisiert. Es besteht kein kommunales Parlament.
Das oberste Organ ist die Gemeindeversammlung. Ihr gehören alle stimmberechtigten Schweizer Bürgerinnen und Bürger mit politischem Wohnsitz in Affoltern am Albis oder Zwillikon an.[3]
Die Gemeindeversammlung entscheidet unter anderem über:
- das Budget und den kommunalen Steuerfuss;
- die Jahresrechnung;
- grössere Verpflichtungskredite;
- Bau- und Zonenordnungen;
- kommunale Erlasse;
- weitere Geschäfte, die ihr durch die Gemeindeordnung zugewiesen sind.
Wichtige Beschlüsse können dem obligatorischen oder fakultativen Referendum unterliegen. Wahlen und Abstimmungen werden an der Urne durchgeführt.
Stadtrat
Die Exekutive bildet der siebenköpfige Stadtrat. Seine Mitglieder werden von den Stimmberechtigten gewählt und führen jeweils eine Verwaltungsabteilung.
Zu den politischen Bereichen gehören Präsidiales, Finanzen, Bildung, Sicherheit, Immobilien, Bau und Infrastruktur sowie Soziales und Gesellschaft.
Stadtpräsidentin ist Eveline Fenner von der Evangelischen Volkspartei. Sie wurde 2022 erstmals gewählt und im zweiten Wahlgang der Erneuerungswahlen 2026 im Amt bestätigt.[4]
Bezirksbehörden
Als Bezirkshauptort ist Affoltern Sitz verschiedener regionaler Behörden und Institutionen. Dazu gehören das Bezirksgericht, die Bezirksverwaltung und weitere kantonale oder regionale Stellen.
Die Stadt erfüllt zudem Zentrumsfunktionen für die 14 Gemeinden des Bezirks Affoltern. Viele Angebote in Bildung, Verwaltung, Gesundheit, Handel und Kultur werden von Menschen aus dem gesamten Knonaueramt genutzt.
Wappen
Das Wappen von Affoltern am Albis wird wie folgt beschrieben:
- Gespalten, rechts in Gold ein grüner Apfelzweig mit drei roten Früchten, links von Silber und Schwarz geschacht.
Der Apfelzweig ist ein redendes Symbol und verweist auf die Bedeutung des Ortsnamens als Ort bei den Apfelbäumen.
Das schwarz-silberne Schachmuster geht auf ein historisches Adelswappen zurück. Ein Zusammenhang mit einem mittelalterlichen Ministerialengeschlecht von Affoltern wird angenommen, ist jedoch nicht vollständig belegt.
Um 1837 verwendete die Gemeinde einen ganzen Apfelbaum mit zwei Früchten auf grünem Grund. Das heutige Wappen wurde im Rahmen der Vereinheitlichung der Zürcher Gemeindewappen im frühen 20. Jahrhundert eingeführt.
Wirtschaft
Affoltern ist das wichtigste Arbeitsplatz- und Versorgungszentrum des Knonaueramts. Die lokale Wirtschaft wird vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt.
Zu den bedeutenden Wirtschaftszweigen gehören:
- Detailhandel und persönliche Dienstleistungen;
- Baugewerbe und Handwerk;
- Maschinen-, Metall- und Elektroindustrie;
- Gesundheits- und Sozialwesen;
- öffentliche Verwaltung;
- Bildung;
- Finanz-, Treuhand- und Immobiliendienstleistungen;
- Gastronomie und Hotellerie;
- Verkehr und Logistik.
Fast 1'000 Unternehmen besitzen nach Angaben der Stadt ihren Hauptsitz oder einen Standort in Affoltern. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei über 6'600.[1]
Die Geschäfte im Stadtzentrum, an der Bahnhofstrasse und in mehreren Gewerbegebieten versorgen einen grossen Teil des Bezirks. Wochenmärkte und grössere saisonale Märkte ergänzen den stationären Handel.
Die Landwirtschaft konzentriert sich heute vor allem auf die Aussenbereiche der Gemeinde. Betrieben werden Milchwirtschaft, Viehhaltung, Ackerbau und weitere Formen der gemischten Landwirtschaft.
Viele Einwohnerinnen und Einwohner arbeiten ausserhalb der Gemeinde. Die Nähe zu Zürich und Zug macht Affoltern zu einem bedeutenden Wohnort für Pendlerinnen und Pendler.
Verkehr
Eisenbahn
Affoltern liegt an der Bahnstrecke Zürich–Affoltern am Albis–Zug. Der Bahnhof wurde 1864 eröffnet und bildet heute den wichtigsten Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs im Bezirk.
Der Bahnhof wird durch die Linien S5 und S14 der S-Bahn Zürich bedient. Die S5 verbindet Zug über Affoltern, Zürich Hauptbahnhof und Uster mit Pfäffikon SZ. Die S14 verkehrt von Affoltern über Zürich Altstetten, Zürich Hauptbahnhof und Oerlikon nach Hinwil.[5]
Die Fahrzeit nach Zürich Hauptbahnhof beträgt je nach Verbindung ungefähr eine halbe Stunde. Zug ist ebenfalls ohne Umsteigen erreichbar.
Busverkehr
Der Busbahnhof beim Bahnhof Affoltern ist der zentrale Umsteigepunkt des regionalen Busnetzes.
Postauto- und ZVV-Linien verbinden Affoltern unter anderem mit:
- Aeugst am Albis;
- Bonstetten;
- Hausen am Albis;
- Hedingen;
- Mettmenstetten;
- Obfelden;
- Ottenbach;
- Rifferswil;
- Stallikon;
- Zürich-Wiedikon und Zürich Enge;
- den umliegenden Dörfern des Knonaueramts.
Die Ortschaft Zwillikon ist durch Buslinien mit dem Bahnhof und den Nachbargemeinden verbunden.
Strassenverkehr
Affoltern liegt nahe der Nationalstrasse A4. Die Autobahnanschlüsse Affoltern am Albis und Mettmenstetten erschliessen die Region in Richtung Zürich, Zug, Luzern und Gotthard.
Die wichtigsten Kantonsstrassen führen nach Zürich über den Albis, nach Zug, in das Reusstal und in die umliegenden Gemeinden.
Die Eröffnung der durchgehenden A4 im Knonaueramt im Jahr 2009 verlagerte einen erheblichen Teil des Durchgangsverkehrs aus den Ortszentren auf die Autobahn.
Langsamverkehr
Ein Netz von Wanderwegen, Velorouten und lokalen Fusswegen verbindet Affoltern mit Zwillikon, dem Jonental, dem Albis und den Nachbargemeinden.
Der Jonenbach bildet abschnittsweise eine naturnahe Fuss- und Erholungsachse. Regionale Velowege führen in Richtung Reuss, Zugerland, Zürich und Albis.
Bildung
Die Stadt verfügt über Kindergärten und Primarschulen in mehreren Schuleinheiten. Dazu gehören die Schuleinheiten Butzen–Semper, Chilefeld–Stigeli und Zwillikon.
Mehr als 1'000 Kinder besuchen die städtischen Kindergärten und Primarschulen. Ergänzt wird das Angebot durch schulergänzende Betreuung, Mittagstische, Tagesstrukturen und sonderpädagogische Angebote.[1]
Die Sekundarschule wird auf regionaler Ebene geführt. Jugendliche besuchen anschliessend Mittelschulen, Berufsschulen oder Lehrbetriebe in Affoltern, Zürich, Zug und anderen Orten.
Die Regionalbibliothek Affoltern stellt Bücher, Zeitschriften, Filme und digitale Medien bereit. Sie dient zugleich als kultureller Treffpunkt und Veranstaltungsort.
Kirchen und Religion
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche im Unterdorf steht an einer seit dem Mittelalter kirchlich genutzten Stelle. Der heutige Bau enthält Teile aus verschiedenen Epochen.
1645 wurde die ältere Kirche zu einer reformierten Saalkirche umgebaut. 1861 erfolgte eine weitere tiefgreifende Umgestaltung im neugotischen Stil.
Besonders bekannt ist der Turmabschluss, der nach Plänen des Architekten Gottfried Semper gestaltet wurde. Für seine Arbeit erhielt Semper das Bürgerrecht von Affoltern am Albis.
Die Kirche bildet gemeinsam mit dem Pfarrhaus, dem alten Gemeindehaus und weiteren historischen Gebäuden einen bedeutenden Teil des alten Ortskerns.
Weitere Religionsgemeinschaften
Durch das Bevölkerungswachstum und die Zuwanderung entstanden weitere kirchliche und religiöse Gemeinschaften.
Die römisch-katholische Bevölkerung gehört zur Pfarrei St. Josef. Daneben bestehen evangelische Freikirchen, orthodoxe Gemeinschaften und religiöse Vereinigungen verschiedener Herkunft.
Kultur
Affoltern besitzt ein vielfältiges Kultur- und Vereinsleben. Theater, Musik, bildende Kunst, Literatur und lokale Geschichte werden durch Vereine, private Initiativen und öffentliche Einrichtungen gepflegt.
Zu den bekannten Kulturorten gehört das Kellertheater LaMarotte, das Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und weitere Veranstaltungen organisiert.
Das Dorfmuseum Affoltern–Zwillikon dokumentiert die Geschichte der Gemeinde und ihrer Ortsteile. Es bewahrt historische Fotografien, Werkzeuge, Haushaltsgegenstände, Dokumente und Zeugnisse des lokalen Gewerbes.
Das Kasino und weitere öffentliche Säle werden für Konzerte, Versammlungen, Märkte und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt.
Wiederkehrende Anlässe sind Märkte, Vereinsfeste, Sportveranstaltungen und der Chlauslauf. Die Veranstaltungen ziehen auch Besucherinnen und Besucher aus den umliegenden Gemeinden an.
Sehenswürdigkeiten
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche mit ihrem von Gottfried Semper entworfenen Turmabschluss ist das bekannteste historische Bauwerk der Stadt.
Der neugotische Turm prägt die Silhouette des Unterdorfs. Im Innern und am Baukörper sind Spuren verschiedener Umbauphasen erkennbar.
Altes Gemeindehaus
Das alte Gemeindehaus wurde 1817 errichtet und zunächst als Schulhaus genutzt. Später diente es während mehr als einem Jahrhundert der Gemeindeverwaltung.
Der Bau besitzt eine seitliche Sandsteintreppe und einen in Fachwerk ausgeführten Dachstock. Er gehört zum historischen Ensemble rund um die reformierte Kirche.
Stadthaus und Marktplatz
Das heutige Stadthaus am Marktplatz 1 wurde in der ersten Hälfte der 2000er-Jahre erbaut und 2006 eingeweiht.
Der moderne Verwaltungsbau bündelt die zuvor auf mehrere Gebäude verteilten städtischen Abteilungen. Der vorgelagerte Platz dient als öffentlicher Raum und Marktort.
Bezirksgerichtshaus
Das Bezirksgerichtshaus erinnert an die Funktion Affolterns als Bezirkshauptort. Das Gebäude gehört zu den historisch bedeutenden Verwaltungsbauten der Stadt.
Dorfmuseum Affoltern–Zwillikon
Das Dorfmuseum befindet sich in Zwillikon. Die Sammlung vermittelt Einblicke in Landwirtschaft, Handwerk, Wohnen, Schule und Alltagsleben in Affoltern und Zwillikon.
Jonenbach und Jonental
Der Jonenbach und die westlich anschliessende Landschaft bilden ein beliebtes Naherholungsgebiet.
Wanderwege führen von Affoltern über Zwillikon in Richtung Jonen und Reusstal. Weitere Routen erschliessen den Albis, das Türlerseegebiet und die umliegenden Wälder.
Sport und Freizeit
Affoltern verfügt über Sporthallen, Fussballplätze, Tennisanlagen, Laufstrecken und weitere öffentliche oder private Sporteinrichtungen.
Das Freibad Stigeli bietet während der Sommersaison Schwimm-, Sprung- und Kinderbecken. Die Anlage dient zugleich als Treffpunkt für Familien und Jugendliche.
Die Sportanlage Im Moos wird für Fussball, Leichtathletik und weitere Sportarten genutzt. Zahlreiche Vereine ermöglichen die Teilnahme an Mannschafts-, Einzel- und Breitensport.
Zu den traditionellen Vereinen gehören Schützen-, Musik-, Turn-, Fussball- und Kulturvereine. Die Sektion Am Albis des Schweizer Alpen-Clubs hat ihren Sitz in Affoltern.
Natur und Erholung
Die Wälder und Landwirtschaftsflächen rund um die Stadt bilden einen wichtigen Ausgleich zum verdichteten Siedlungsgebiet.
Beliebte Ausflugsziele in der Umgebung sind:
- die Albiskette;
- der Türlersee;
- das Jonental;
- die Reusslandschaft;
- die Wälder zwischen Affoltern, Hedingen und Stallikon;
- die Höhenzüge bei Aeugst am Albis;
- das Kloster Kappel.
Die Landschaft ist Lebensraum für Rehe, Füchse, Dachse, Feldhasen, Amphibien und zahlreiche Vogelarten. Hecken, Bachufer, Feuchtflächen und Waldränder besitzen eine besondere ökologische Bedeutung.
Die Stadt verfolgt Massnahmen zur Förderung der Biodiversität, zur Aufwertung von Gewässern und zur Vernetzung natürlicher Lebensräume.
Persönlichkeiten
Mit Affoltern am Albis verbunden sind unter anderem:
- Jakob Dubs (1822–1879), Politiker und Bundesrat;
- Josef Leinauer (1831–1891), Opernsänger;
- Ernst Nievergelt (1912–1999), Radrennfahrer;
- Albert Häberling (1919–2012), Komponist und Dirigent;
- René Strehler (geboren 1934), Radrennfahrer;
- Erich Gysling (geboren 1936), Journalist und Publizist;
- Irene Enderli (geboren 1943), Politikerin;
- Giuseppe Reichmuth (geboren 1944), Maler;
- Toni Bortoluzzi (geboren 1947), Politiker;
- Hans-Ulrich Bigler (geboren 1958), Verbandsfunktionär und Politiker;
- Sabine Harbeke (geboren 1965), Bühnenautorin und Regisseurin;
- Roger Fayet (geboren 1966), Kunsthistoriker;
- Yves Netzhammer (geboren 1970), Computerkünstler;
- Monika Bolliger (geboren 1983), Journalistin und Arabistin;
- Marco Maurer (geboren 1988), Eishockeyspieler;
- Cédric Weidmann (geboren 1991), Schriftsteller;
- Silvan Sidler (geboren 1998), Fussballspieler.
Bedeutung für das Knonaueramt
Affoltern am Albis erfüllt für das Knonaueramt zahlreiche zentrale Funktionen. Die Stadt ist Sitz regionaler Behörden, bedeutender Schulen, medizinischer und sozialer Angebote sowie zahlreicher Handels- und Dienstleistungsbetriebe.
Der Bahnhof ist der wichtigste Verkehrsknoten des Bezirks. Viele regionale Buslinien sind auf Affoltern ausgerichtet.
Die Stadt verbindet ländliche Strukturen mit den Merkmalen eines wachsenden regionalen Zentrums. Historische Dorfkerne, moderne Wohnquartiere, Gewerbegebiete und landwirtschaftliche Flächen liegen nahe beieinander.
Das weitere Wachstum stellt Affoltern vor Aufgaben in den Bereichen Wohnungsbau, Verkehr, Schulraum, Energieversorgung, Landschaftsschutz und Gestaltung des Stadtzentrums.
Siehe auch
- Bezirk Affoltern
- Knonaueramt
- Zwillikon
- Albis
- Jonenbach
- Aeugst am Albis
- Hedingen
- Mettmenstetten
- Obfelden
- Ottenbach
- Stallikon
- Liste der Städte in der Schweiz
- Liste der Gemeinden des Kantons Zürich
Literatur
- Hans Peter Treichler: Affoltern am Albis. Aus der Geschichte eines ländlichen Hauptortes. Affoltern am Albis 1993.
- Hans Brandenberger: Das Knonaueramt. Volkstümliche Darstellung seiner geschichtlichen Entwicklung. Affoltern am Albis 1924.
- Emil Rüd: Heimatkundliches aus 14 Gemeinden des Knonaueramtes. 1942.
- Gemeinnützige Gesellschaft des Bezirks Affoltern: Knonaueramt gestern, heute, morgen. Affoltern am Albis 1987.
- Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1938.
- Bernhard Schneider: Als Affoltern am Albis Hauptstadt wurde. In: Heimatspiegel, 1997.
- Kommission Dorfgeschichte Affoltern am Albis: Veröffentlichungen zur Geschichte von Affoltern und Zwillikon.
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Affoltern am Albis
- Geschichte von Affoltern am Albis
- Affoltern am Albis im Historischen Lexikon der Schweiz
- Statistische Angaben des Kantons Zürich
- Affoltern am Albis auf der Landeskarte der Schweiz
- Standortförderung Knonauer Amt
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Stadt Affoltern am Albis. In: Offizielle Website. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ 2,0 2,1 Geschichte. In: Stadt Affoltern am Albis. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Gemeindeversammlung. In: Stadt Affoltern am Albis. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Eveline Fenner. In: Stadt Affoltern am Albis. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Hindernisfreiheit von S-Bahn-Linien. In: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-07-23.
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Affoltern am Albis