Uster

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Uster
Staat Schweiz
Kanton Zürich
Bezirk Uster
BFS-Nummer 0198
Postleitzahlen 8606, 8610, 8614, 8615, 8616
Höhe 464 m ü. M.
Fläche 28,48 km²
Einwohner über 37'000 (2024)
Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP)
Legislative Gemeinderat mit 36 Mitgliedern
Exekutive Stadtrat mit 7 Mitgliedern
Website uster.ch

Uster ist eine Stadt, politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirks Uster im Kanton Zürich. Sie liegt im Zürcher Oberland östlich des Greifensees, rund 12 Bahnminuten vom Zürcher Stadtzentrum entfernt. Mit mehr als 37'000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Uster nach Zürich und Winterthur die drittgrösste Stadt des Kantons Zürich und gehört zu den grösseren Städten der Schweiz.[1]

Uster ist ein bedeutendes Wohn-, Wirtschafts-, Bildungs- und Verwaltungszentrum des Zürcher Oberlands. Die Stadt verbindet dicht bebaute, urbane Quartiere mit ländlich geprägten Aussenwachten, Wäldern, Drumlinlandschaften und weitgehend unverbauten Ufergebieten am Greifensee. Die Stadt bezeichnet sich deshalb auch als Wohnstadt am Wasser.

Das heutige Uster wurde wesentlich durch die Textilindustrie des 18. und 19. Jahrhunderts geprägt. Der entlang des Aabachs entstandene Industriegürtel gehörte zu den bedeutendsten frühen Industrielandschaften der Schweiz. Mit dem Ustertag von 1830 war die Stadt zudem Schauplatz eines entscheidenden Ereignisses in der politischen Entwicklung des Kantons Zürich.

Geographie

Lage

Uster liegt im östlichen Teil des Kantons Zürich, zwischen der Agglomeration Zürich und den Hügelzügen des Zürcher Oberlands. Das Stadtzentrum befindet sich ungefähr vier Kilometer östlich des Greifensees. Durch das Gemeindegebiet fliesst der Aabach, der den Pfäffikersee mit dem Greifensee verbindet.

Das Gemeindegebiet umfasst 28,48 Quadratkilometer. Es reicht von der flachen Ebene am Greifensee über die dicht bebauten Stadtquartiere bis zu den höher gelegenen Aussenwachten Freudwil und Wermatswil. Das Zentrum liegt auf etwa 464 Metern über Meer; das auf dem Burghügel gelegene Schloss Uster erreicht eine Höhe von ungefähr 496 Metern über Meer.[2]

Nachbargemeinden sind Volketswil, Fehraltorf, Pfäffikon, Seegräben, Gossau, Mönchaltorf, Greifensee und Maur. Ein kleiner Teil der Gemeindegrenze verläuft im Greifensee.

Die Landschaft lässt sich in mehrere charakteristische Räume gliedern. Im Westen liegt der Greifensee mit seinen naturnahen Ufern. Daran schliesst sich die Ebene zwischen Niederuster und Riedikon an. Östlich und südöstlich des Stadtkerns befindet sich eine ausgeprägte Drumlinlandschaft. Die Anhöhen bei Freudwil und Wermatswil bilden den Übergang vom Glatttal zur Talmulde des Pfäffikersees.[3]

Stadtteile und Aussenwachten

Uster besteht aus einer zusammengewachsenen Kernstadt und mehreren räumlich eigenständigen Dörfern, die als Aussenwachten bezeichnet werden. Die Kernstadt umfasst insbesondere:

  • Kirchuster;
  • Niederuster;
  • Oberuster;
  • Nossikon;
  • Winikon-Gschwader.

Die sechs Aussenwachten sind:

  • Nänikon;
  • Werrikon;
  • Freudwil;
  • Wermatswil;
  • Sulzbach;
  • Riedikon.

Niederuster liegt nahe dem Greifensee und entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem grossen Wohnquartier. Oberuster war während der Industrialisierung ein wichtiger Standort von Spinnereien und Webereien. Kirchuster bildet mit dem Bahnhof, der Bahnhofstrasse, dem Stadthaus und zahlreichen Geschäften das heutige Stadtzentrum.

Nänikon ist der grösste ausserhalb der Kernstadt gelegene Ortsteil. Es besitzt mit dem Bahnhof Nänikon-Greifensee einen eigenen Anschluss an das Zürcher S-Bahn-Netz. Riedikon liegt unmittelbar am Greifensee und hat seinen ländlichen Dorfcharakter weitgehend bewahrt. Der gesamte historische Dorfkern gehört zu einer kommunalen Ortsschutzzone.[4]

Wermatswil und Freudwil liegen auf einer Anhöhe östlich des Stadtgebiets. Sulzbach befindet sich südöstlich der Kernstadt in einer für das Zürcher Oberland typischen Hügellandschaft. Werrikon liegt nördlich von Uster in Richtung Fehraltorf.

Die unterschiedlichen Stadtteile besitzen eigene Quartier-, Dorf- oder Ortsvereine. Diese vertreten lokale Anliegen und tragen zur Pflege der jeweiligen Identität bei.

Greifensee und Naturräume

Der Greifensee ist das wichtigste natürliche Landschaftselement Usters. Die Uferzone ist auf weiten Strecken unverbaut und gehört zu einem der bedeutendsten Natur- und Landschaftsschutzgebiete des Kantons Zürich. Flachmoore, Riedflächen, Schilfgürtel und Feuchtwiesen bieten Lebensraum für zahlreiche Vogel-, Amphibien-, Fisch- und Pflanzenarten.

Besonders wertvoll sind die Riedlandschaften bei Riedikon und Niederuster. Die Nutzung der Uferbereiche wird so gelenkt, dass Naturschutz, Landwirtschaft und Erholung miteinander vereinbart werden können. Spazier- und Velowege führen rund um den See, während empfindliche Zonen nur eingeschränkt zugänglich sind.

Der Aabach durchquert das Stadtgebiet von Südosten nach Nordwesten. Er war für die wirtschaftliche Entwicklung Usters von herausragender Bedeutung. Seine Wasserkraft wurde über Kanäle und Weiher für Mühlen, Spinnereien und Webereien genutzt. Entlang des Gewässers sind bis heute zahlreiche industriegeschichtliche Bauten erhalten.

Geschichte

Frühgeschichte und erste Erwähnung

Das Gebiet um Uster war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde aus der Umgebung des Greifensees weisen auf Siedlungen der Jungsteinzeit und der Bronzezeit hin. Auch aus der römischen Epoche und dem Frühmittelalter sind Siedlungsspuren bekannt.

Der Ortsname Uster wurde erstmals im Jahr 775 in der lateinischen Form Ustra villa urkundlich erwähnt. Die Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt. Eine verbreitete Deutung führt ihn auf einen alten Gewässernamen zurück, der mit dem heutigen Aabach verbunden sein könnte.[5]

Mehrere heutige Aussenwachten wurden ebenfalls früh erwähnt. Nänikon erscheint bereits 741 als Nancinchova, Freudwil 1264 als Vridenswiler und Niederuster vor 1227 als de Inferiori Ustero.[6]

Mittelalter

Im Mittelalter war das Gebiet der heutigen Stadt auf zahlreiche geistliche und weltliche Grundbesitzer verteilt. Politisch und gerichtlich gehörte Uster über mehrere Jahrhunderte zur Herrschaft Greifensee.

Das Schloss Uster entstand wahrscheinlich im Hochmittelalter. Die auf einem markanten Hügel gelegene Anlage diente als Herrschaftssitz und wechselte im Lauf der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Die mittelalterliche Burg wurde wiederholt umgebaut und erhielt dadurch ihr heutiges, schlossartiges Erscheinungsbild.

Kirchuster entwickelte sich zum kirchlichen Mittelpunkt der umliegenden Dörfer. Eine erste Kirche dürfte bereits im 11. Jahrhundert bestanden haben. Die heutige reformierte Kirche steht zusammen mit dem Schloss auf der weithin sichtbaren Anhöhe über dem Stadtzentrum.

Im Spätmittelalter gelangte die Herrschaft Greifensee und damit auch Uster zunehmend unter die Kontrolle der Stadt Zürich. Nach der Reformation wurde die Bevölkerung reformiert.

Frühe Neuzeit

Bis ins 18. Jahrhundert war Uster vorwiegend landwirtschaftlich und handwerklich geprägt. In den Dörfern bestanden eigene lokale Körperschaften, Genossenschaften und Nutzungsrechte. Landwirtschaft, Viehzucht und Kleinhandwerk bildeten die wichtigsten Erwerbsgrundlagen.

Mit der Ausbreitung der textilen Heimarbeit veränderte sich die Wirtschaftsstruktur. Zahlreiche Familien spannen Garn oder webten Baumwollstoffe in ihren Wohnhäusern. Kaufleute lieferten Rohmaterial und übernahmen den Vertrieb der fertigen Erzeugnisse.

Diese Heimindustrie bereitete den Übergang zur mechanisierten Fabrikproduktion vor. Der wasserreiche Aabach bot günstige Voraussetzungen für den Betrieb von Maschinen.

Industrialisierung

Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich Uster zu einem der wichtigsten Zentren der schweizerischen Textilindustrie. Entlang des Aabachs entstanden in kurzer Folge mechanische Spinnereien, Webereien, Färbereien und weitere Fabrikbetriebe.

Der Abschnitt des Aabachs zwischen dem Pfäffikersee, Wetzikon und Uster wurde wegen der hohen Dichte gewinnbringender Industrieanlagen zeitweise als Millionenbach bezeichnet. Fabrikanten liessen Kanäle, Stauweiher und Turbinenanlagen bauen, um die Wasserkraft möglichst wirkungsvoll zu nutzen.

Die Industrialisierung veränderte das Ortsbild tiefgreifend. Neben den Fabriken entstanden Arbeiterhäuser, Fabrikantenvillen, Lagergebäude und neue Verkehrswege. Uster entwickelte sich vom Handwerker- und Bauerndorf zu einem industriellen Zentrum.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Fabrikbevölkerung waren häufig schwierig. Lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne und fehlende soziale Absicherung prägten den Alltag vieler Arbeiterfamilien. Gleichzeitig verloren zahlreiche Heimspinner und Handweber durch die Mechanisierung ihre wirtschaftliche Grundlage.

Ustertag

Hauptartikel: Ustertag

Am 22. November 1830 versammelten sich auf dem Zimikerhügel bei Uster rund 10'000 Menschen aus der Zürcher Landschaft. Sie protestierten friedlich gegen die politische Bevorzugung der Stadt Zürich und verlangten eine gerechtere Vertretung der Landbevölkerung, die Gleichheit vor dem Gesetz sowie eine neue Kantonsverfassung.

Die Forderungen wurden im sogenannten Memorial von Uster zusammengefasst. Die Versammlung setzte die kantonale Regierung unter erheblichen politischen Druck und leitete die liberale Erneuerung des Kantons Zürich ein. Bereits 1831 trat eine neue Kantonsverfassung in Kraft, welche die politische Gleichstellung von Stadt und Landschaft wesentlich verbesserte.[7]

Der Ustertag gehört zu den bedeutendsten Ereignissen der Zürcher Verfassungsgeschichte. Auf dem Zimiker erinnert ein Gedenkstein an die Volksversammlung. Jedes Jahr findet im November eine offizielle Gedenkfeier statt.

Brand von Uster

Am 22. November 1832, genau zwei Jahre nach dem Ustertag, kam es zum sogenannten Brand von Uster. Eine Gruppe von Heimarbeitern aus dem Zürcher Oberland zog zur mechanischen Spinnerei und Weberei Corrodi & Pfister in Oberuster. Die Heimarbeiter fürchteten, durch die modernen Webmaschinen ihre Existenzgrundlage zu verlieren.

Während der Protestaktion geriet die Fabrik in Brand und wurde weitgehend zerstört. Ob das Feuer absichtlich gelegt wurde oder während der Auseinandersetzungen entstand, blieb umstritten. Zahlreiche Beteiligte wurden später verhaftet und zu teilweise langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Der Brand von Uster gilt als einer der bekanntesten frühen Maschinenstürme der Schweiz. Er veranschaulicht die sozialen Konflikte, welche die Industrialisierung im Zürcher Oberland auslöste.[8]

Eisenbahn und Stadtentwicklung

Mit der Eröffnung der Bahnstrecke von Wallisellen nach Uster im Jahr 1856 erhielt die Gemeinde Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz. Die Strecke wurde bald in Richtung Wetzikon und Rapperswil verlängert.

Der Bahnhof entstand zwischen älteren Siedlungskernen und förderte die Entwicklung eines neuen wirtschaftlichen Zentrums. Rund um die Bahnhofstrasse siedelten sich Geschäfte, Gastbetriebe, Banken und öffentliche Einrichtungen an.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war aus den früher getrennten Dörfern und Fabriksiedlungen eine weitgehend zusammenhängende Stadt geworden. Die Einwohnerzahl lag um 1900 bereits bei rund 8'000 Personen.

20. und 21. Jahrhundert

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor die traditionelle Textilindustrie allmählich an Bedeutung. Mehrere grosse Fabriken schlossen oder verlagerten ihre Produktion. Andere Industrie- und Dienstleistungsunternehmen traten an ihre Stelle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte ein starkes Bevölkerungswachstum ein. Neue Wohnquartiere entstanden insbesondere in Niederuster, Oberuster, Nossikon und im Gschwader. Der Ausbau der S-Bahn und der Autobahn verstärkte die Einbindung Usters in den Grossraum Zürich.

Das politische Gemeindeparlament besteht seit 1927. Die Bezeichnung Stadt setzte sich im 20. Jahrhundert allgemein durch, obwohl Uster kommunalrechtlich weiterhin eine politische Gemeinde ist.

Seit dem späten 20. Jahrhundert wurden zahlreiche ehemalige Industrieanlagen umgenutzt. Fabrikgebäude dienen heute unter anderem als Wohnungen, Büros, Schulen, Kultur- und Gewerberäume. Die Erhaltung der Industriekultur ist ein wichtiges Element der Stadtentwicklung.

Bevölkerung

Uster zählt mehr als 37'000 Einwohnerinnen und Einwohner und ist damit die drittgrösste Stadt des Kantons Zürich. Die Bevölkerung stammt aus mehr als 100 Nationen. Rund drei Viertel der Einwohnerinnen und Einwohner besitzen das Schweizer Bürgerrecht.[1]

Das Bevölkerungswachstum steht in engem Zusammenhang mit der guten Verkehrsanbindung an Zürich, dem regionalen Arbeitsplatzangebot und der hohen Wohn- und Freizeitqualität. Während die Kernstadt zunehmend dichter bebaut wird, bleiben die Aussenwachten weitgehend ländlich geprägt.

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird vorwiegend Zürichdeutsch gesprochen. Durch die internationale Zusammensetzung der Bevölkerung sind zahlreiche weitere Sprachen verbreitet.

Die konfessionelle Zusammensetzung hat sich seit dem Ende des 20. Jahrhunderts stark verändert. Neben der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Kirche bestehen verschiedene Freikirchen, orthodoxe Gemeinschaften, islamische Vereinigungen und weitere Religionsgemeinschaften. Ein wachsender Teil der Bevölkerung gehört keiner Landeskirche an.

Politik

Gemeindeorganisation

Uster ist eine Parlamentsgemeinde. Die politischen Organe sind die Stimmberechtigten, der Gemeinderat als Legislative und der Stadtrat als Exekutive. Hinzu kommen die Primarschulpflege, die Sozialbehörde und weitere kommunale Behörden.

Die Stimmberechtigten entscheiden an der Urne über Wahlen, Gemeindeordnungsänderungen, bedeutende Kredite und weitere Geschäfte, die dem obligatorischen oder fakultativen Referendum unterstehen. Zudem können kommunale Volksinitiativen eingereicht werden.

Gemeinderat

Der Gemeinderat ist das Parlament der Stadt Uster und zugleich die Legislative der Sekundarschulgemeinde Uster. Er besteht seit 1927 und zählt 36 Mitglieder. Diese werden alle vier Jahre nach dem Verhältniswahlverfahren gewählt.[9]

Zu den wichtigsten Aufgaben des Gemeinderats gehören:

  • die Beratung und der Erlass kommunaler Verordnungen;
  • die Genehmigung des Budgets und der Jahresrechnung;
  • die Festsetzung des kommunalen Steuerfusses;
  • die Bewilligung grösserer Kredite;
  • die Behandlung von Vorlagen des Stadtrats;
  • die politische Aufsicht über Stadtrat und Verwaltung.

Die Sitzungen finden in der Regel einmal pro Monat an einem Montagabend im Stadthaus statt und sind öffentlich. Die Vorberatung der Geschäfte erfolgt in Sachkommissionen und in der Rechnungsprüfungskommission.

Stadtrat

Der Stadtrat ist die siebenköpfige Exekutive der Stadt. Seine Mitglieder werden von den Stimmberechtigten im Majorzverfahren für vier Jahre gewählt. Auch das Stadtpräsidium wird direkt durch die Bevölkerung bestimmt.

Für die Amtsdauer 2026–2030 gehören dem Stadtrat Vertreterinnen und Vertreter der SP, FDP, GLP und Grünen an. Stadtpräsidentin ist Barbara Thalmann von der Sozialdemokratischen Partei.[10]

Der Stadtrat leitet die Stadtverwaltung, vollzieht die Beschlüsse des Gemeinderats und der Stimmberechtigten und vertritt die Stadt nach aussen. Die Verwaltungsaufgaben sind auf verschiedene Ressorts verteilt, darunter Präsidiales, Finanzen, Bau, Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Soziales.

Wirtschaft

Uster ist eines der wichtigsten Wirtschaftszentren im Zürcher Oberland. In der Stadt bestehen rund 2'500 Arbeitgeber mit mehr als 17'000 Beschäftigten. Die Wirtschaftsstruktur umfasst Industrie, Gewerbe, Handel, Gesundheitswesen, Bildung, öffentliche Verwaltung und zahlreiche Dienstleistungen.[11]

Die Textilindustrie, welche die Stadt im 19. Jahrhundert geprägt hatte, verlor im Verlauf des 20. Jahrhunderts ihre vorherrschende Stellung. Ihre baulichen Spuren sind jedoch weiterhin entlang des Aabachs sichtbar.

Heute sind Maschinenbau, Elektrotechnik, Präzisionsindustrie, Informationstechnologie, Baugewerbe und unternehmensnahe Dienstleistungen von Bedeutung. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben ihren Sitz in Uster. Zugleich pendelt ein erheblicher Teil der Erwerbsbevölkerung nach Zürich und in andere Gemeinden des Wirtschaftsraums.

Die Bahnhofstrasse und die angrenzenden Quartiere bilden das wichtigste Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. Weitere Gewerbe- und Arbeitsplatzgebiete befinden sich unter anderem in Oberuster, im Loren, im Gschwader und in Nänikon.

Verkehr

Eisenbahn und Busverkehr

Uster ist sehr gut in das Netz des öffentlichen Verkehrs eingebunden. Der Bahnhof Uster gehört zu den wichtigsten Verkehrsknoten des Zürcher Oberlands. Mehrere Linien der S-Bahn Zürich verbinden die Stadt in dichtem Takt mit Zürich, Wetzikon, Rapperswil, Pfäffikon, Winterthur und weiteren Orten der Region.

Das Zürcher Stadtzentrum kann mit schnellen S-Bahn-Verbindungen in ungefähr zwölf Minuten erreicht werden. Neben dem Bahnhof Uster befindet sich mit dem Bahnhof Nänikon-Greifensee eine zweite Bahnstation auf dem Gemeindegebiet.

Ein dichtes Busnetz verbindet den Bahnhof Uster mit den Stadtquartieren, den Aussenwachten und den umliegenden Gemeinden. Die Buslinien werden insbesondere von den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland, den Verkehrsbetrieben Glattal und PostAuto betrieben.

Zwischen Niederuster und Maur verkehren während der Schifffahrtssaison Kursschiffe auf dem Greifensee.[12]

Strassenverkehr

Uster ist über die Autobahn A15 an das nationale Strassennetz angeschlossen. Drei Anschlüsse erschliessen das Stadtgebiet. Die A15 verbindet Uster mit der A1 im Raum Brüttisellen und führt in Richtung Wetzikon und Hinwil.

Mehrere Kantonsstrassen verbinden Uster mit den Nachbargemeinden. Der motorisierte Verkehr belastet insbesondere die zentralen Achsen rund um den Bahnhof, die Zürichstrasse, die Winterthurerstrasse und die Aathalstrasse.

Die Stadt verfolgt das Ziel, einen wachsenden Teil des Verkehrs mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuss oder mit dem Velo abzuwickeln. Dazu werden Velorouten, Fusswege und Verbindungen zwischen den Quartieren schrittweise ausgebaut.

Bildung

Uster besitzt ein breit ausgebautes Bildungsangebot. Die Primarschule Uster führt Kindergärten und Primarschulen in verschiedenen Stadtteilen. Die Sekundarstufe ist in einer eigenständigen Sekundarschulgemeinde organisiert.

Zu den weiterführenden Bildungseinrichtungen gehören die Kantonsschule Uster und die Berufsfachschule Uster. Die Berufsfachschule entstand 2014 aus der Zusammenführung der Gewerblich-Industriellen Berufsfachschule und der Wirtschaftsschule KV Uster. Sie bietet berufliche Grundbildungen in technischen und kaufmännischen Bereichen sowie Berufsmaturitätsangebote an.[13]

Daneben bestehen private Schulen, Musikschulen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung und sonderpädagogische Angebote. Die Stadt- und Regionalbibliothek Uster dient als öffentliches Bildungs-, Informations- und Begegnungszentrum.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schloss Uster

Hauptartikel: Schloss Uster

Das Schloss Uster ist das Wahrzeichen der Stadt. Es steht auf dem rund 496 Meter hohen Burghügel über Kirchuster und ist von weiten Teilen des Stadtgebiets aus sichtbar.

Die Ursprünge der Anlage reichen wahrscheinlich bis ins Hochmittelalter zurück. Das Schloss wurde im Lauf seiner Geschichte mehrfach umgebaut. Sein heutiges Erscheinungsbild mit dem charakteristischen Treppengiebel entstand bei der Restaurierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

1916 erwarb der Textilfabrikant Jakob Heusser-Staub die Anlage. Er liess sie restaurieren und schenkte sie anschliessend der Stadt Uster als Stiftung. Seit 1995 wird ein grosser Teil der Räume von einer privaten Schule genutzt. Teile des Schlosses und die Turmzinne können während bestimmter Öffnungszeiten besichtigt werden.[14]

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche steht unmittelbar unterhalb des Schlosses und bildet zusammen mit diesem das markanteste historische Ensemble Usters. Der heutige Kirchenbau entstand auf dem Platz mehrerer älterer Vorgängerbauten.

Die Kirche war 1830 ein wichtiger Ausgangspunkt der politischen Ereignisse rund um den Ustertag. Noch heute findet dort die jährliche Ustertagsfeier statt.

Industriekultur

Die ehemaligen Fabrikanlagen am Aabach sind bedeutende Zeugnisse der Schweizer Industriegeschichte. Erhalten geblieben sind Fabrikgebäude, Kanäle, Weiher, Turbinenanlagen, Arbeiterhäuser und Fabrikantenvillen.

Ein Kulturpfad zu den industriegeprägten Bauten vermittelt die Entwicklung der Stadt vom Handwerkerdorf zum Industriezentrum. Uster liegt zudem am Industriepfad Zürcher Oberland, der zahlreiche Stätten der Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte miteinander verbindet.[15]

Zu den bekannten Industriebauten gehören die ehemaligen Anlagen der Unternehmen Trümpler, Zellweger und Heusser-Staub. Mehrere dieser Areale wurden für neue Wohn-, Arbeits- und Kulturnutzungen umgestaltet.

Lokremisen

Die beiden historischen Lokremisen beim Bahnhof Uster erinnern an die Anfänge der Eisenbahn im Zürcher Oberland. Das Ensemble gehört zu den bedeutenden eisenbahngeschichtlichen Bauten der Stadt.

Uster-Märt

Der Uster-Märt ist ein traditionsreicher Warenmarkt, der jeweils am letzten Donnerstag im November und am darauffolgenden Freitag stattfindet. Während des Marktes werden grosse Teile des Stadtzentrums für den Verkehr gesperrt.

Hunderte Marktstände, Verpflegungsangebote und Schaustellerbetriebe ziehen Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region an. Der Uster-Märt gehört zu den grössten regelmässigen Märkten des Kantons Zürich.

Ustertagsfeier

Die jährliche Ustertagsfeier erinnert an die Volksversammlung vom 22. November 1830. Die Veranstaltung verbindet historisches Gedenken mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Traditionell hält eine Persönlichkeit aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur die Festansprache.

Sport und Freizeit

Uster verfügt über ein vielfältiges Sportangebot und zahlreiche Vereine. Das Sportzentrum Buchholz umfasst unter anderem Leichtathletik-, Fussball- und Tennisanlagen. Weitere Sporthallen und Plätze befinden sich in verschiedenen Quartieren.

Das Hallenbad Uster und das Dorfbad bieten Schwimm- und Freizeitmöglichkeiten. Das Strandbad Niederuster liegt direkt am Greifensee und verfügt über ein 50-Meter-Becken, ein Nichtschwimmerbecken, Liegewiesen und Zugänge zum See.[16]

Der Greifenseelauf wird seit 1980 durchgeführt und gehört zu den grössten Laufsportveranstaltungen der Schweiz. Die Strecken führen durch Uster und die Landschaft rund um den Greifensee. Jährlich nehmen mehrere tausend Läuferinnen und Läufer teil.

Weitere regelmässige Sportanlässe sind Triathlon-, Radsport- und Schwimmveranstaltungen. Das Seeufer, der Aabachweg und die Wege durch die Drumlinlandschaft werden intensiv für Spaziergänge, Wandern und Velofahren genutzt.

Wappen

Das Wappen der Stadt Uster ist gespalten: heraldisch rechts befindet sich ein silbernes Feld, heraldisch links ein rotes Feld mit zwei silbernen Querbalken.

Die heute verwendete Form wurde 1917 als Gemeindewappen eingeführt. Sie geht auf eine historische Wappendarstellung aus dem späten 15. Jahrhundert zurück und erinnert an die mittelalterliche Herrschaft Uster.

Städtepartnerschaft

Seit dem Jahr 2000 unterhält Uster eine Städtepartnerschaft mit Prenzlau im deutschen Bundesland Brandenburg. Die Partnerschaft umfasst Begegnungen zwischen Behörden, Schulen, Vereinen und kulturellen Organisationen.

Persönlichkeiten

In Uster geboren

Mit Uster verbunden

  • Jakob Heusser-Staub (1862–1941), Textilindustrieller und Stifter des Schlosses Uster
  • Heinrich Grunholzer (1819–1873), Pädagoge und Politiker
  • Barbara Thalmann (* 1966), Architektin und Stadtpräsidentin
  • Werner Vetterli (1929–2008), Sportler, Fernsehmoderator und Politiker

Siehe auch

Literatur

  • Hansruedi Galliker: Uster – Geschichte einer Stadt. Stadt Uster, Uster.
  • Paul Kläui: Geschichte der Gemeinde Uster. Uster.
  • Stadt Uster: Die Geschichte der Wohnstadt am Wasser. Uster.
  • Industriepfad Zürcher Oberland: Industriekultur am Aabach. Wetzikon und Uster.
  • Peter Ziegler: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Zürich 1977.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Uster – Zahlen und Fakten. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Geografie. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Lebensvielfalt. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Usters Aussenwachten. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Uster. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Entstehung der Ustermer Ortsnamen. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Ustertag. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  8. Liberale gegen radikale Demokraten – 1840 bis 1870. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  9. Gemeinderat. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  10. Stadtrat. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  11. Wohnstadt am Wasser. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  12. Öffentlicher Verkehr. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  13. Berufsfachschule Uster, Wirtschaft und Technik. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  14. Schloss Uster. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  15. Ausflugsideen. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.
  16. Strandbad. In: Stadt Uster. Abgerufen am 2026-07-23.