Glacier Express

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 23. Juli 2026, 14:22 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="infobox" style="width:22em; float:right; clear:right; margin:0 0 1em 1em; border:1px solid #a2a9b1; border-collapse:collapse; background:#f8f9fa; font-size:90%; line-height:1.4;" |- ! colspan="2" style="padding:0.6em; background:#cfe8f3; text-align:center; font-size:125%;" | Glacier Express |- | colspan="2" style="padding:0.5em; text-align:center;" | Datei:RhB Ge 4-4 II 614 Glacier Express on Landwasser Viaduct.jpg|frameless|300px|Glacier Expres…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Glacier Express
Glacier Express auf dem Landwasserviadukt
Zuggattung Panorama- und Touristikzug
Erste Fahrt 25. Juni 1930
Ausgangspunkt Zermatt
Endpunkt St. Moritz
Streckenlänge 291 km
Reisezeit rund acht Stunden
Spurweite 1'000 mm
Höchster Punkt Oberalppass, 2'033 m ü. M.
Maximale Steigung 125 ‰
Brücken 291
Tunnel 91
Durchschnittsgeschwindigkeit rund 42 km/h
Betreiberbahnen Matterhorn-Gotthard-Bahn und Rhätische Bahn
Vermarktung Glacier Express AG
Website glacierexpress.ch

Der Glacier Express ist ein touristischer Panoramazug in den Schweizer Alpen. Er verbindet die international bekannten Bergorte Zermatt im Kanton Wallis und St. Moritz im Kanton Graubünden. Die rund 291 Kilometer lange Reise führt über Brig, das Goms, Andermatt, den Oberalppass, Disentis/Mustér, Chur und die Albulabahn ins Engadin.

Der Glacier Express wird häufig als «langsamster Schnellzug der Welt» bezeichnet. Die werbliche Formulierung bezieht sich auf die rund achtstündige Reisezeit und die niedrige Durchschnittsgeschwindigkeit von ungefähr 42 Kilometern pro Stunde. Der Zug ist jedoch kein Schnellzug im herkömmlichen Sinn, sondern ein auf Landschaftserlebnis, Komfort und Gastronomie ausgerichtetes touristisches Angebot.

Auf seiner vollständigen Strecke überquert der Glacier Express 291 Brücken und durchfährt 91 Tunnel. Der höchste Punkt der Reise befindet sich auf dem 2'033 Meter über Meer gelegenen Oberalppass. Zu den bekanntesten Landschaften und Bauwerken entlang der Strecke gehören das Mattertal, das Goms, der Furka-Basistunnel, das Urserental, die Rheinschlucht, der Landwasserviadukt und die Albulalinie.

Der Zug verkehrt auf den Netzen der Matterhorn-Gotthard-Bahn und der Rhätischen Bahn. Beide Bahnen besitzen je die Hälfte der 2017 gegründeten Glacier Express AG, welche für die einheitliche Führung, Vermarktung und Weiterentwicklung des Angebots verantwortlich ist.[1]

Name

Der Name Glacier Express bedeutet auf Deutsch «Gletscher-Express». Er erinnerte ursprünglich besonders an den Rhonegletscher, an dem die historische Furka-Bergstrecke vorbeiführte. Bis zur Eröffnung des Furka-Basistunnels im Jahr 1982 überquerte der Zug den Furkapass auf einer hochalpinen Strecke und fuhr unweit des Gletschers durch den Furka-Scheiteltunnel.

Der heutige Glacier Express durchquert den Furka-Basistunnel und bietet deshalb keinen direkten Blick mehr auf den Rhonegletscher. Dennoch führt die Reise weiterhin durch mehrere stark von Gletschern geformte Landschaften. Kurz nach der Abfahrt in Zermatt ist bei günstigen Sichtverhältnissen unter anderem der Bisgletscher am Weisshornmassiv zu erkennen.

Der Bestandteil Express bezieht sich weniger auf eine hohe Geschwindigkeit als auf die durchgehende Verbindung zwischen zwei weit voneinander entfernten Ferienorten. In den ersten Jahrzehnten unterschied sich der Zug dadurch von Regionalverbindungen, bei denen mehrfach umgestiegen werden musste.

Strecke

Die Strecke des Glacier Express verläuft vollständig auf meterspurigen Bahnlinien. Zwischen Zermatt und Disentis wird der Zug von der Matterhorn-Gotthard-Bahn geführt. In Disentis übernimmt die Rhätische Bahn die Wagen und führt sie über Chur und die Albulalinie nach St. Moritz.

Hauptabschnitte der Strecke
Abschnitt Bahngesellschaft Landschaftliche und technische Merkmale
Zermatt–Visp Matterhorn-Gotthard-Bahn Mattertal, Zahnstangenabschnitte, Kipfenschlucht und Blick auf die Walliser Alpen
Visp–Brig Matterhorn-Gotthard-Bahn Talboden des Oberwallis und Anschluss an das normalspurige Eisenbahnnetz
Brig–Oberwald Matterhorn-Gotthard-Bahn Rhonetal und historische Dörfer des Goms
Oberwald–Realp Matterhorn-Gotthard-Bahn Furka-Basistunnel
Realp–Andermatt–Oberalppass Matterhorn-Gotthard-Bahn Urserental, Zahnstangenbetrieb und höchster Punkt der Reise
Oberalppass–Disentis Matterhorn-Gotthard-Bahn Tujetsch, Vorderrheintal und Kloster Disentis
Disentis–Chur Rhätische Bahn Surselva und Rheinschlucht
Chur–Thusis Rhätische Bahn Bündner Rheintal und Domleschg
Thusis–St. Moritz Rhätische Bahn Albulalinie, Kehrtunnel, Landwasserviadukt und Oberengadin

Die Fahrtrichtung kann auch umgekehrt von St. Moritz nach Zermatt gewählt werden. Je nach Fahrplan verkehren neben den durchgehenden Zügen zusätzliche Verbindungen auf Teilstrecken. Der Glacier Express hält nur an ausgewählten Bahnhöfen und ersetzt nicht das regionale Grundangebot der beiden Betreiberbahnen.

Zermatt und Mattertal

Die Reise beginnt beziehungsweise endet im autofreien Ferienort Zermatt auf 1'604 Metern über Meer. Zermatt liegt am Fuss des 4'478 Meter hohen Matterhorns und ist einer der international bekanntesten Tourismusorte der Schweiz.

Nach der Abfahrt folgt der Zug der Matter Vispa talwärts. Die Strecke führt durch eine von hohen Bergen, Lawinenzügen und tiefen Schluchten geprägte Landschaft. In der Nähe von Randa kann bei günstigen Bedingungen der Bisgletscher gesehen werden.

Bei Kalpetran durchquert die Bahn die enge Kipfenschlucht. Bahntrasse, Strasse und Fluss liegen dort auf engem Raum. Die Strecke wurde wiederholt durch Hochwasser und Lawinen beschädigt und musste mit Mauern, Galerien und weiteren Schutzbauten gesichert werden.

Bei Stalden überquert die Bahn mehrere Brücken und beginnt den steilen Abstieg nach Visp. Auf verschiedenen Abschnitten wird eine Zahnstange nach dem System Abt verwendet. Sie ermöglicht dem Zug, wesentlich grössere Steigungen zu bewältigen als eine reine Adhäsionsbahn.

Visp, Brig und Goms

In Visp erreicht der Glacier Express den Talboden des Oberwallis. Hier bestehen Anschlüsse an die normalspurige Simplonstrecke, an Fernverkehrszüge der Schweizerischen Bundesbahnen sowie an regionale Bus- und Bahnlinien.

Zwischen Visp und Brig verläuft die meterspurige Strecke weitgehend parallel zur normalspurigen Hauptlinie. Brig ist ein bedeutender Eisenbahnknoten am Nordportal des Simplontunnels und Ausgangspunkt für Verbindungen nach Bern, Lausanne, Genf, Basel und Italien.

Östlich von Brig fährt der Glacier Express durch das Goms. Das breite Hochtal der oberen Rhone ist durch traditionelle Holzhäuser, kleine Dörfer, Kirchen, Wiesen und bewaldete Berghänge geprägt. Zu den Orten entlang der Strecke gehören Mörel, Fiesch, Münster, Ulrichen und Oberwald.

Das Goms ist im Sommer ein Wander- und Velogebiet und im Winter ein bedeutendes Zentrum des Langlaufs. Mehrere Orte dienen als Ausgangspunkte für Ausflüge in das UNESCO-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.

Furka-Basistunnel

Zwischen Oberwald im Wallis und Realp im Kanton Uri durchfährt der Glacier Express den 15,4 Kilometer langen Furka-Basistunnel. Der Tunnel wurde am 26. Juni 1982 eröffnet und ersetzte für den regulären Verkehr die alte Furka-Bergstrecke.

Die frühere Linie stieg von Oberwald über Gletsch zum Furkapass an, führte durch den Furka-Scheiteltunnel und erreichte anschliessend Realp. Wegen Lawinengefahr und grosser Schneemengen musste die Bergstrecke während des Winters geschlossen werden. Teile der Fahrleitung und die Steffenbachbrücke wurden jeweils vor Wintereinbruch abgebaut oder eingeklappt.

Der Furka-Basistunnel schuf erstmals eine ganzjährig befahrbare und weitgehend lawinensichere Verbindung zwischen dem Wallis und dem Urserental. Damit wurde auch ein ganzjähriger Betrieb des Glacier Express möglich.[2]

Die historische Bergstrecke wird heute abschnittsweise von der Dampfbahn Furka-Bergstrecke als Museumsbahn betrieben. Sie erschliesst während der Sommersaison erneut die hochalpine Landschaft am Furkapass.

Andermatt und Oberalppass

Nach dem Furka-Basistunnel erreicht der Zug Realp und fährt durch das Urserental nach Andermatt. Der Ort liegt auf 1'444 Metern über Meer am Schnittpunkt historischer Verkehrswege über den Gotthard-, Furka- und Oberalppass.

In Andermatt zweigt die Schöllenenbahn nach Göschenen ab. Sie verbindet das meterspurige Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn mit der normalspurigen Gotthardbahn.

Östlich von Andermatt beginnt der Aufstieg zum Oberalppass. Wegen der starken Steigung verkehren die Züge abschnittsweise mit Zahnstangenantrieb. Die maximale Neigung auf der Gesamtstrecke des Glacier Express beträgt 125 Promille beziehungsweise 12,5 Prozent.

Auf 2'033 Metern über Meer erreicht der Zug den Bahnhof Oberalppass, den höchsten Punkt der Reise. Die Strecke verläuft hier oberhalb der Waldgrenze nahe dem Oberalpsee. Im Winter ist die Landschaft häufig von mehreren Metern Schnee bedeckt.

Unweit des Passes liegt der Tomasee, der traditionell als Quelle des Rheins bezeichnet wird. Ein roter Leuchtturm auf dem Oberalppass verweist symbolisch auf die Verbindung zwischen der Rheinquelle und der Mündung des Flusses in die Nordsee.

Surselva und Rheinschlucht

Vom Oberalppass fährt der Glacier Express durch das Tujetsch nach Sedrun und Disentis/Mustér hinunter. Die Strecke folgt dem jungen Vorderrhein und führt durch ein mehrheitlich rätoromanisch geprägtes Gebiet.

Disentis ist Sitz des im frühen Mittelalter gegründeten Benediktinerklosters Disentis. Am Bahnhof endet das Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Die Rhätische Bahn übernimmt dort die durchgehenden Wagen des Glacier Express. Wegen der technisch kompatiblen Meterspur können die Reisezugwagen ohne Umsteigen weitergeführt werden.

Zwischen Disentis und Chur durchquert der Zug die Surselva. Zu den grösseren Orten gehören Ilanz und Trun. Unterhalb von Ilanz führt die Strecke durch die Rheinschlucht, rätoromanisch Ruinaulta genannt.

Die Schlucht entstand nach dem gewaltigen Flimser Bergsturz vor ungefähr 9'500 Jahren. Der Vorderrhein schnitt sich später durch die mehrere hundert Meter mächtigen Bergsturzmassen. Helle Kalkwände, Felstürme, Waldflächen und der türkisfarbene Fluss prägen die Landschaft.

Die Bahnlinie verläuft in der Rheinschlucht über längere Abschnitte unmittelbar neben dem Fluss. Mehrere Bereiche sind auf der Strasse nicht erreichbar, weshalb die Rhätische Bahn eine wichtige Erschliessungsfunktion besitzt.

Chur und Albulalinie

In Chur erreicht der Glacier Express mit etwa 585 Metern über Meer den tiefsten Punkt des RhB-Abschnitts. Chur ist die Hauptstadt des Kantons Graubünden und gilt als eine der ältesten Städte der Schweiz.

Da sowohl die Strecke aus der Surselva als auch jene in Richtung Thusis westlich des Bahnhofs liegen, wechselt der Zug in Chur die Fahrtrichtung. Anschliessend fährt er durch das Bündner Rheintal und das Domleschg nach Thusis.

In Thusis beginnt der hochalpine Abschnitt der Albulalinie. Die Strecke wurde 1903 bis Celerina und 1904 bis St. Moritz eröffnet. Sie überwindet den grossen Höhenunterschied zwischen dem Hinterrheintal und dem Oberengadin ohne Zahnstange. Dafür wurden zahlreiche Kehrtunnel, Viadukte und künstlich verlängerte Streckenabschnitte angelegt.

Seit 2008 gehören die Albula- und Berninalinie zum UNESCO-Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina». Der Glacier Express befährt dabei die Albulalinie, nicht jedoch die Berninalinie nach Tirano. Die UNESCO würdigt das Bahnensemble als herausragende Verbindung von Ingenieurbau, Architektur und alpiner Kulturlandschaft.[3]

Landwasserviadukt

Der Landwasserviadukt bei Filisur ist das bekannteste Bauwerk auf der Strecke des Glacier Express und eines der Wahrzeichen der Rhätischen Bahn. Die aus dunklem Kalkstein errichtete Bogenbrücke ist rund 142 Meter lang und führt etwa 65 Meter über den Talgrund.

Der Viadukt beschreibt eine Kurve und mündet unmittelbar in eine senkrechte Felswand, in der sich das Portal des Landwassertunnels befindet. Seine sechs Hauptbogen besitzen eine Spannweite von jeweils ungefähr 20 Metern.

Das Bauwerk wurde zwischen 1901 und 1902 errichtet. Eine technische Besonderheit war der Bau der hohen Pfeiler ohne ein vollständiges äusseres Gerüst. Der Landwasserviadukt gehört heute zum UNESCO-Welterbe der Rhätischen Bahn.

Kurz nach Filisur erreicht die Strecke das Albulatal. Über Bergün und Preda gewinnt sie mit Hilfe von Kehrtunneln und Schleifen rasch an Höhe. Der 5'864 Meter lange Albulatunnel führt unter dem Gebirge ins Oberengadin.

Oberengadin und St. Moritz

Nach dem Albulatunnel erreicht der Glacier Express das Hochtal des Engadins. Über Bever, Samedan und Celerina führt die Strecke nach St. Moritz.

Das Oberengadin ist durch breite Täler, Lärchenwälder, Seen und hohe Bergketten geprägt. St. Moritz liegt auf rund 1'775 Metern über Meer und entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem international bekannten Kur- und Wintersportort.

Der Bahnhof St. Moritz ist Endpunkt der Albulabahn und Ausgangspunkt der Berninalinie nach Pontresina, zum Berninapass und ins italienische Tirano. Reisende können dort auf Regionalzüge oder den Bernina Express umsteigen.

Technische Merkmale

Die gesamte Strecke des Glacier Express besitzt eine Spurweite von 1'000 Millimetern. Die durchgehenden Wagen können deshalb sowohl auf dem Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn als auch auf jenem der Rhätischen Bahn eingesetzt werden.

Beide Netze sind mit Wechselstrom von 11 Kilovolt und 16,7 Hertz elektrifiziert. Trotzdem werden in Disentis gewöhnlich die Lokomotiven gewechselt, da die Zugförderung auf dem jeweiligen Netz durch die zuständige Bahngesellschaft erfolgt.

Die Rhätische Bahn betreibt ihre Strecke im reinen Adhäsionsbetrieb. Auf dem Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn befinden sich dagegen mehrere Zahnstangenabschnitte. Die dort eingesetzten Lokomotiven besitzen neben dem gewöhnlichen Radantrieb ein Zahnrad, das in die zwischen den Schienen angebrachte Zahnstange eingreift.

Die Zahnstange ermöglicht sichere Fahrten auf Steigungen, die mit einem gewöhnlichen Adhäsionszug kaum bewältigt werden könnten. Beim Übergang zwischen Adhäsions- und Zahnstangenbetrieb wird die Geschwindigkeit stark reduziert.

Der Glacier Express fährt über 291 Brücken und durch 91 Tunnel. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt ungefähr 42 Kilometer pro Stunde. Darin sind Zwischenhalte, Lokomotivwechsel und die langsame Fahrt auf den Gebirgs- und Zahnstangenabschnitten enthalten.[4]

Fahrzeuge

Der Glacier Express besteht in der Regel aus Panoramawagen der ersten und zweiten Klasse. Die grossen, bis in den Dachbereich reichenden Fenster ermöglichen einen weiten Blick auf Berge, Täler und Kunstbauten.

Die Wagen besitzen Klimaanlage, Tische, Informationssysteme und eine gastronomische Bedienung am Sitzplatz. An den Eingangstüren befinden sich teilweise versenkbare Fenster, die das Fotografieren ohne Spiegelungen der Panoramaverglasung ermöglichen.

Die Wagen werden je nach Streckenabschnitt von Lokomotiven der Matterhorn-Gotthard-Bahn oder der Rhätischen Bahn gezogen. Die Zugkomposition kann abhängig von Saison, Nachfrage, Fahrplan und technischen Anforderungen variieren.

Die äussere Gestaltung der modernen Panoramawagen ist überwiegend rot und weiss. Ein schräges weisses Kreuz greift das Schweizerkreuz auf und dient als wiedererkennbares Markenzeichen des Glacier Express.

Reiseklassen

Der Glacier Express bietet die zweite Klasse, die erste Klasse und auf ausgewählten durchgehenden Verbindungen die Excellence Class an.

In der zweiten Klasse sind gewöhnlich vier Sitzplätze an einem Tisch angeordnet. In der ersten Klasse befinden sich auf einer Seite des Mittelgangs Zweiergruppen und auf der anderen Seite einzelne Sitze beziehungsweise Zweiergruppen mit grosszügigeren Platzverhältnissen.

Die Excellence Class wurde 2019 eingeführt. Sie bietet jedem Gast einen Fensterplatz, Zweiertische, einen Concierge-Service, ein mehrgängiges Menü, eine Bar und ein erweitertes Informationsangebot. Sie kann grundsätzlich nur auf der gesamten Strecke zwischen Zermatt und St. Moritz gebucht werden.[5]

Für alle Klassen ist neben einem gültigen Fahrausweis eine separate Sitzplatzreservierung erforderlich. Anerkannt werden je nach Verbindung unter anderem gewöhnliche Streckenbillette, das Generalabonnement, der Swiss Travel Pass und weitere Fahrausweise des schweizerischen öffentlichen Verkehrs. Die Reservierungsgebühr ist darin nicht enthalten.[6]

Gastronomie

Die gastronomische Bedienung gehört seit der ersten Fahrt zum Konzept des Glacier Express. Bereits 1930 wurden Speisewagen mitgeführt, in denen die Gäste während der langen Reise verpflegt werden konnten.

Heute werden Speisen überwiegend in einer Bordküche zubereitet und direkt am Sitzplatz serviert. Reisende können je nach Angebot einzelne Gerichte oder mehrgängige Menüs vorbestellen. Getränke, kleine Speisen und regionale Produkte werden ebenfalls angeboten.

Zu den bekannten Symbolen des Zuges gehört das sogenannte Schrägglas. Es besitzt einen schräg geformten Fuss und erinnert an die starken Steigungen und die Kurven der Strecke. Das Glas wurde zu einem beliebten Souvenir.

Geschichte

Entstehung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich Zermatt und St. Moritz zu bedeutenden internationalen Ferienorten. Zwischen ihnen bestand jedoch keine durchgehende Bahnverbindung. Erst die Fertigstellung der Furka-Oberalp-Bahn schloss die letzte Lücke zwischen den meterspurigen Netzen des Wallis und Graubündens.

Die Visp-Zermatt-Bahn, die Furka-Oberalp-Bahn und die Rhätische Bahn beschlossen, ein gemeinsames touristisches Zugangebot einzurichten. Am 25. Juni 1930 fuhr der erste Glacier Express von Zermatt nach St. Moritz.[7]

Die damaligen Züge führten Wagen der ersten, zweiten und dritten Klasse sowie einen Speisewagen. Die Reise dauerte länger als heute und war nur während der schneefreien Jahreszeit möglich. Auf Teilen der Furka-Oberalp-Bahn wurden die Züge zunächst noch von Dampflokomotiven gezogen.

Saisonbetrieb auf der Furka-Bergstrecke

Die alte Furka-Bergstrecke war im Winter wegen Lawinen und Schneeverwehungen nicht befahrbar. Nach dem Ende der Sommersaison wurden besonders gefährdete Anlagen abgebaut oder gesichert. Der Glacier Express verkehrte deshalb während Jahrzehnten nur im Sommerhalbjahr.

Der Zug wurde international zunehmend bekannt, blieb jedoch in seiner Kapazität begrenzt. Die aufwendige Gebirgsstrecke, häufige Lokomotivwechsel und die unterschiedlichen betrieblichen Anforderungen der drei beteiligten Bahnen erforderten eine enge Zusammenarbeit.

Ganzjahresbetrieb ab 1982

Mit der Eröffnung des Furka-Basistunnels am 26. Juni 1982 änderte sich der Charakter des Angebots grundlegend. Der Glacier Express konnte nun auch im Winter zwischen Wallis, Uri und Graubünden verkehren.

Der Wegfall der hochalpinen Bergstrecke verkürzte die Reise und erhöhte die Betriebssicherheit. Gleichzeitig verlor der Zug den unmittelbaren Blick auf den Rhonegletscher, der ursprünglich wesentlich zu seinem Namen und seiner touristischen Wirkung beigetragen hatte.

In den folgenden Jahren stieg die internationale Nachfrage stark an. Besonders Gäste aus Deutschland, den Vereinigten Staaten und asiatischen Ländern entdeckten die Panoramareise. Zwischen 1982 und 1996 benutzten nach Angaben des Unternehmens rund 2,75 Millionen Menschen den Glacier Express.

Panoramawagen

1984 wurde eine Einzelplatzreservierung eingeführt. Ab 1985 verkehrten in der Hochsaison zusätzliche Züge, darunter zeitweise auch Verbindungen von und nach Davos.

1993 kamen die ersten Wagen mit grossen Panoramafenstern zum Einsatz. Sie veränderten das Erscheinungsbild und den touristischen Charakter des Zuges. 1994 wurde erstmals innerhalb eines Jahres die Marke von 250'000 Reisenden überschritten.

Zum 75-Jahr-Jubiläum im Jahr 2005 wurden 24 neue Panoramawagen bestellt. Ab 2006 erhielten die Züge die moderne rot-weisse Gestaltung mit dem schrägen Schweizerkreuz. Gleichzeitig wurde die Bedienung mit frisch zubereiteten Speisen am Sitzplatz ausgebaut.

Glacier Express AG

Die Rhätische Bahn und die Matterhorn-Gotthard-Bahn gründeten am 23. August 2017 die Glacier Express AG mit Sitz in Andermatt. Beide Betreiberbahnen beteiligten sich zu je 50 Prozent am Unternehmen.

Die neue Gesellschaft übernahm die gemeinsame Führung und Vermarktung der Marke. Die eigentliche Zugförderung, Infrastruktur und ein bedeutender Teil des Personals blieben Aufgaben der beiden Eisenbahnunternehmen.

2019 wurde die Excellence Class eingeführt. Damit positionierte sich der Glacier Express noch stärker als internationales Premiumangebot des Schweizer Tourismus.

Bedeutung für den Tourismus

Der Glacier Express gehört zusammen mit dem Bernina Express und dem GoldenPass Express zu den bekanntesten touristischen Bahnangeboten der Schweiz. Bilder des roten Zuges auf dem Landwasserviadukt werden weltweit zur Werbung für Bahnreisen und die Schweizer Alpen verwendet.

Die Verbindung erschliesst mehrere bedeutende Ferienregionen. Viele Reisende verbinden die Fahrt mit Aufenthalten in Zermatt, Andermatt, der Surselva, Chur oder dem Engadin. Neben der vollständigen Strecke werden deshalb auch Teilstrecken angeboten.

Der Glacier Express ist zugleich Teil des regulären Eisenbahnsystems. Seine Strecke kann mit Regionalzügen befahren werden, wobei mehrere Umstiege erforderlich sind. Der besondere Wert des Glacier Express liegt in der durchgehenden Panoramafahrt, der reservierten Sitzordnung, dem Informationsangebot und der Bedienung am Platz.

Natur- und Landschaftserlebnis

Die Fahrt durchquert verschiedene Höhen- und Klimastufen. Im Wallis führt sie von hochalpinen Tälern in den trockeneren Talboden bei Visp und anschliessend wieder in die Berglandschaft des Goms.

Zwischen dem Furka-Basistunnel und dem Oberalppass werden die zentralen Alpen überquert. Östlich des Passes folgt der Zug dem Vorderrhein bis in die tieferen Lagen bei Chur, bevor er auf der Albulalinie erneut ins Hochgebirge ansteigt.

Die Bahn ermöglicht den Blick auf Landschaften, die teilweise nur schwer mit anderen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Dazu gehören die Rheinschlucht, die Kehrtunnel der Albulabahn und verschiedene hochalpine Abschnitte.

Die intensive touristische Nutzung steht zugleich im Zusammenhang mit Fragen des Landschaftsschutzes, des Energieverbrauchs und der Auswirkungen des Klimawandels. Der Rückgang der Alpengletscher verändert jene Landschaften, auf die der Name des Zuges verweist.

Unfall von 2010

Am 23. Juli 2010 entgleisten bei Fiesch mehrere Wagen eines Glacier Express. Zwei Wagen kippten um. Eine Reisende kam ums Leben, zahlreiche weitere Personen wurden verletzt.

Die Untersuchung ergab, dass der Zug vor einer engen Kurve zu früh beschleunigt worden war. Dadurch überschritt er die zulässige Geschwindigkeit. Das Ereignis führte zu einer erneuten Diskussion über Geschwindigkeitsüberwachung und betriebliche Sicherheitsmassnahmen auf der Strecke.

Abgrenzung zum Bernina Express

Der Glacier Express wird gelegentlich mit dem Bernina Express verwechselt. Beide sind Panoramazüge der Rhätischen Bahn, verkehren jedoch auf unterschiedlichen Strecken.

Der Glacier Express verbindet Zermatt und St. Moritz und durchquert die Schweiz von Westen nach Osten. Der Bernina Express fährt von Chur oder St. Moritz über die Berninabahn nach Tirano in Italien und überquert den Berninapass.

Beide Züge benutzen Abschnitte des RhB-Netzes und führen Panoramawagen. Der Glacier Express befährt die UNESCO-geschützte Albulalinie, während der Bernina Express neben der Albulalinie auch über die ebenfalls zum Welterbe gehörende Berninalinie fährt.

Kulturelle Wahrnehmung

Der Glacier Express entwickelte sich zu einem Symbol schweizerischer Eisenbahntechnik und touristischer Reisekultur. Sein Name, die roten Panoramawagen und der Landwasserviadukt gehören zu den international verbreiteten Bildern der Schweiz.

Die Bezeichnung «langsamster Schnellzug der Welt» spielt bewusst mit dem Gegensatz zwischen Geschwindigkeit und bewusstem Reisen. Im Mittelpunkt steht nicht die möglichst schnelle Ankunft, sondern die Wahrnehmung der Landschaft während der Fahrt.

Der Zug erscheint in Reisefilmen, Fernsehdokumentationen, Eisenbahnbüchern, Modellbahnkatalogen und touristischer Werbung. Modelle der Lokomotiven und Panoramawagen werden in verschiedenen Modellbahnspurweiten angeboten.

Literatur

  • Hans-Bernhard Schönborn: Glacier Express. Die berühmteste Schweizer Gebirgsbahn von St. Moritz nach Zermatt. GeraMond, München 2005, ISBN 3-7654-7214-X.
  • Robert Bösch: Glacier Express. St. Moritz–Zermatt. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-73-4.
  • Cyrill Seifert: Loks der Matterhorn Gotthard Bahn. Transpress, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-613-71415-3.
  • Rhätische Bahn: Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina. Chur.
  • Glacier Express AG: Glacier Express – Informationen für Bahninteressierte. Andermatt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Rhätische Bahn: Gründung der Glacier Express AG, 23. August 2017, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Glacier Express: Die Strecke, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. UNESCO World Heritage Centre: Rhaetian Railway in the Albula/Bernina Landscapes, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Glacier Express: Geschichte, Technik und exklusive Züge, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Glacier Express: Excellence Class, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Glacier Express: Preise und Sitzplatzreservierung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Glacier Express: Geschichte, abgerufen am 23. Juli 2026.