Kreis 11 (Zürich)
Kreis 11 ist einer der zwölf Stadtkreise der Stadt Zürich. Er liegt im Norden des Stadtgebiets und umfasst die drei Quartiere Affoltern, Oerlikon und Seebach. Mit rund 80'000 Einwohnerinnen und Einwohnern gehört der Kreis 11 zu den bevölkerungsreichsten Teilen Zürichs.
Der Stadtkreis entstand 1934 im Zuge der zweiten Eingemeindung Zürichs. Damals wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Affoltern, Oerlikon, Seebach und Schwamendingen in die Stadt eingegliedert und zum neuen Kreis 11 zusammengefasst. Seit 1971 bildet Schwamendingen den eigenständigen Kreis 12. Die Kreise 11 und 12 werden heute häufig gemeinsam als Zürich Nord bezeichnet.
| Kreis 11 | |
|---|---|
| Stadt | Zürich |
| Kanton | Zürich |
| Land | Schweiz |
| Quartiere | Affoltern Oerlikon Seebach |
| Entstehung | 1934 |
| Fläche | ca. 13,4 km² |
| Einwohner | rund 80'000 |
| Postleitzahlen | 8046, 8050, 8052, 8057 |
| Region | Zürich Nord |
Geografie
Der Kreis 11 bildet den nördlichsten Teil der Stadt Zürich. Er erstreckt sich vom Käferberg und den angrenzenden Wohngebieten im Süden bis an die Gemeindegrenzen von Regensdorf, Rümlang, Opfikon und weiteren Gemeinden im Norden und Nordosten.
Landschaftlich weist der Stadtkreis grosse Unterschiede auf. Während Oerlikon stark urbanisiert und dicht bebaut ist, besitzt Affoltern am nordwestlichen Stadtrand noch grössere Freiflächen und Übergänge zur offenen Landschaft. Seebach verbindet ausgedehnte Wohngebiete mit Gewerbe- und Entwicklungsarealen, insbesondere im Gebiet Leutschenbach.
Der Käferberg trennt Teile von Affoltern und Oerlikon topografisch von den südlich gelegenen Stadtquartieren. Im Norden von Affoltern liegen Grün- und Landwirtschaftsflächen in Richtung Katzensee, die zu den bedeutenden Naherholungsräumen im Norden Zürichs zählen.
Quartiere
Der Kreis 11 besteht aus drei statistischen Quartieren.
| Quartier | Charakter | Fläche | Einwohner Ende 2024 |
|---|---|---|---|
| Affoltern | Wohnquartier mit ausgedehnten Neubaugebieten und Übergang zur offenen Landschaft | ca. 6,04 km² | 27'337 |
| Oerlikon | dicht bebautes urbanes Zentrum von Zürich Nord mit bedeutendem Bahnhof, Arbeitsplätzen und Veranstaltungsstätten | ca. 2,67 km² | 24'005 |
| Seebach | grosses Wohnquartier mit Gewerbegebieten und dem Entwicklungsgebiet Leutschenbach | ca. 4,72 km² | 28'336 |
Affoltern
Affoltern liegt im westlichen Teil des Kreises 11. Das ehemalige Bauerndorf bestand historisch unter anderem aus Oberaffoltern und Unteraffoltern. Noch heute sind Spuren der alten Dorfstrukturen vorhanden.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Affoltern zu einem grossen Wohnquartier. Besonders seit Beginn des 21. Jahrhunderts entstanden zahlreiche neue Wohnüberbauungen. Zu den wichtigen Entwicklungsgebieten gehören unter anderem Ruggächern und Gebiete entlang der Wehntalerstrasse.
Eine Besonderheit Affolterns ist seine Lage am Stadtrand. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilen Zürichs geht die Bebauung hier teilweise unmittelbar in Felder und andere offene Landschaftsräume über.[1]
Zu den wichtigen Verkehrsknoten innerhalb des Quartiers gehören der Bahnhof Zürich Affoltern sowie die Wehntalerstrasse.
Oerlikon
Oerlikon bildet das urbane Zentrum des Kreises 11 und von Zürich Nord. Die Entwicklung des Quartiers ist eng mit der Eisenbahn und der Industrialisierung verbunden. Mit der Eröffnung der Bahnverbindungen im 19. Jahrhundert siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe in der Umgebung des Bahnhofs an.
Zu den bekanntesten Unternehmen gehörte die Maschinenfabrik Oerlikon, deren Name weit über Zürich hinaus bekannt wurde. Im Verlauf des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts verloren viele traditionelle Industrieareale ihre ursprüngliche Funktion.
Nördlich des Bahnhofs Oerlikon entstand auf ehemaligen Industrieflächen das Gebiet Neu-Oerlikon. Es umfasst Wohnhäuser, Bürogebäude, öffentliche Räume und mehrere moderne Parkanlagen. Der Wandel von einem industriell geprägten Gebiet zu einem gemischten Wohn- und Arbeitsquartier zählt zu den bedeutenden städtebaulichen Veränderungen Zürichs der jüngeren Vergangenheit.[2]
Oerlikon verfügt über ein ausgeprägtes Stadtteilzentrum mit Geschäften, Gastronomie, Büros und öffentlichen Einrichtungen. Zu den bekannten Veranstaltungsorten gehören das Hallenstadion, die Messe Zürich und das Theater 11.
Seebach
Seebach liegt im Nordosten des Kreises. Das ehemalige Dorf verlor insbesondere ab dem späten 19. Jahrhundert zunehmend seinen ländlichen Charakter. Einen wichtigen Einfluss auf diese Entwicklung hatte die Industrialisierung im benachbarten Oerlikon.[3]
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Seebach zahlreiche Wohnsiedlungen. Die Stadtplanung orientierte sich teilweise am Konzept der durchgrünten Gartenstadt. Charakteristisch sind deshalb in mehreren Gebieten Wohnbauten, die von zusammenhängenden Grünflächen umgeben werden.
Im Osten und Südosten des Quartiers befindet sich das Gebiet Leutschenbach. Das früher stark von Gewerbe und Industrie geprägte Areal hat sich seit den 1990er- und 2000er-Jahren zu einem gemischt genutzten Stadtgebiet mit Wohnungen, Bürogebäuden, Schulen und öffentlichen Freiräumen entwickelt.[4]
Geschichte
Zeit vor der Eingemeindung
Affoltern, Oerlikon und Seebach waren bis 1933 selbständige politische Gemeinden. Ihre Entwicklung verlief zunächst weitgehend unabhängig voneinander.
Affoltern und Seebach waren lange landwirtschaftlich geprägt. Oerlikon entwickelte sich dagegen im 19. Jahrhundert aufgrund seiner günstigen Eisenbahnverbindungen zu einem bedeutenden Industrieort. Die wirtschaftliche Entwicklung Oerlikons beeinflusste zunehmend auch die umliegenden Gemeinden.
Mit dem starken Bevölkerungswachstum im Raum Zürich nahmen die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Verflechtungen zwischen der Stadt und ihren Vororten zu. Fragen der Verkehrsplanung, Wasserversorgung, Kanalisation, Schulorganisation und anderer öffentlicher Aufgaben machten eine stärkere Zusammenarbeit erforderlich.
Zweite Eingemeindung 1934
Am 1. Januar 1934 wurden acht zuvor selbständige Gemeinden in die Stadt Zürich eingegliedert. Dazu gehörten Albisrieden, Altstetten, Affoltern, Höngg, Oerlikon, Seebach, Schwamendingen und Witikon.
Affoltern, Oerlikon, Seebach und Schwamendingen wurden zum neuen Kreis 11 zusammengefasst. Die vier Gemeinden lagen im Glattal beziehungsweise am Übergang zwischen Glattal und Furttal.[5]
Die Eingemeindung veränderte die Entwicklung der ehemaligen Gemeinden nachhaltig. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, neue Wohnsiedlungen und öffentliche Infrastruktur führten in den folgenden Jahrzehnten zu einem starken Bevölkerungswachstum.
Abtrennung von Schwamendingen
Der ursprüngliche Kreis 11 war wesentlich grösser als der heutige Stadtkreis. Wegen des starken Wachstums wurde die administrative Gliederung Zürichs 1971 angepasst. Schwamendingen wurde aus dem Kreis 11 herausgelöst und bildet seither den Kreis 12.
Der Kreis 11 umfasst seitdem ausschliesslich Affoltern, Oerlikon und Seebach.[5]
Bevölkerung
Der Kreis 11 gehört zu den bevölkerungsreichsten Stadtkreisen Zürichs. Ende 2024 lebten in den drei Quartieren zusammen knapp 80'000 Menschen.
Die Bevölkerungsentwicklung wird wesentlich durch die intensive Bautätigkeit beeinflusst. Insbesondere Affoltern und Seebach verfügen über grössere Entwicklungsgebiete, während in Oerlikon ehemalige Industrie- und Gewerbeareale verdichtet und umgenutzt wurden.
Die Bevölkerungsstruktur des Kreises ist international geprägt. Die Nähe zu grossen Arbeitsplatzgebieten, zum Flughafen Zürich und zu wichtigen Verkehrsachsen sowie das umfangreiche Wohnungsangebot tragen zur hohen Bevölkerungsdynamik bei.
Statistik Stadt Zürich erwartet auch für die kommenden Jahrzehnte weiteres Bevölkerungswachstum in allen drei Quartieren. Besonders starke Veränderungen werden für Seebach und die dortigen Entwicklungsgebiete erwartet.[6]
Wirtschaft
Der Kreis 11 ist nicht nur ein bedeutendes Wohngebiet, sondern auch einer der wichtigen Arbeitsplatzstandorte Zürichs.
Oerlikon entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der Maschinen- und Elektroindustrie. Die klassische industrielle Produktion verlor später an Bedeutung, doch zahlreiche Areale wurden durch Dienstleistungsbetriebe, Büros und neue Wohnnutzungen ersetzt.
Heute befinden sich besonders in Oerlikon und im Gebiet Leutschenbach zahlreiche Unternehmensstandorte. Die Nähe zum Flughafen und die sehr gute Anbindung an das nationale Eisenbahnnetz machen Zürich Nord für Unternehmen attraktiv.
Gleichzeitig besitzt der Kreis ausgedehnte Wohngebiete. Besonders Affoltern ist im Vergleich zu Oerlikon stärker durch Wohnnutzung geprägt.
Verkehr
Der Kreis 11 besitzt eine wichtige Funktion im Zürcher Verkehrsnetz.
Eisenbahn
Der bedeutendste Bahnhof ist der Bahnhof Zürich Oerlikon. Er gehört zu den wichtigsten Bahnhöfen der Stadt und ist ein zentraler Knoten der S-Bahn Zürich. Zahlreiche S-Bahn-, Regional- und Fernverkehrsverbindungen führen über Oerlikon.
Die Bahnstrecken verbinden den Kreis unter anderem mit dem Zürich Hauptbahnhof, dem Bahnhof Zürich Flughafen, Winterthur, dem Glattal sowie weiteren Teilen des Kantons und der Schweiz.
Weitere Bahnhöfe beziehungsweise Haltestellen im Kreis sind:
Tram und Bus
Mehrere Linien der Verkehrsbetriebe Zürich erschliessen Oerlikon, Seebach und Affoltern. Das Tramnetz verbindet insbesondere Oerlikon und Seebach mit der Innenstadt, dem Glattal und weiteren Stadtteilen.
Ergänzt wird das Netz durch zahlreiche Buslinien. Wichtige Umsteigepunkte befinden sich beim Bahnhof Oerlikon und in den Zentren der einzelnen Quartiere.
Strassenverkehr
Zu den wichtigen Verkehrsachsen gehören die Wehntalerstrasse, Schaffhauserstrasse, Thurgauerstrasse und Hofwiesenstrasse. Über das übergeordnete Strassennetz bestehen Verbindungen zur Autobahn und zum Flughafen.
Stadtentwicklung
Der Kreis 11 gehört zu den Gebieten Zürichs mit besonders ausgeprägter städtebaulicher Dynamik.
In Oerlikon wurden seit den 1990er-Jahren grosse ehemalige Industrieareale umgenutzt. Das bekannteste Beispiel ist Neu-Oerlikon nördlich des Bahnhofs. Neben Wohnungen und Arbeitsplätzen entstanden hier öffentliche Freiräume wie der MFO-Park, der Oerliker Park und der Louis-Häfliger-Park.
Auch Leutschenbach entwickelte sich von einem Gewerbegebiet zu einem gemischten Stadtteil. Neben Bürogebäuden entstanden Wohnüberbauungen, das Schulhaus Leutschenbach und neue Grün- und Freiräume.
Affoltern erlebt ebenfalls ein starkes Wachstum. Neue Wohnsiedlungen verändern insbesondere die Gebiete nördlich und westlich des historischen Siedlungsgebiets. Gleichzeitig soll der Übergang zur offenen Landschaft als besondere Qualität des Quartiers erhalten bleiben.[1]
Bildung
Der Kreis 11 gehört zum Schulkreis Glattal der Stadt Zürich. Dieser umfasst die Quartiere Affoltern, Oerlikon und Seebach.[7]
Im Stadtkreis befinden sich zahlreiche Kindergarten-, Primar- und Sekundarschulanlagen. Aufgrund des Bevölkerungswachstums werden bestehende Schulstandorte laufend erweitert und neue Anlagen geplant oder gebaut.
Zu den architektonisch bekannten Schulbauten gehört das 2008 eröffnete Schulhaus Leutschenbach.
Kultur, Sport und Freizeit
Oerlikon ist ein wichtiges Veranstaltungszentrum Zürichs. Das Hallenstadion gehört zu den grössten Mehrzweckhallen der Schweiz und wird für Sportveranstaltungen, Konzerte und Shows genutzt. Unmittelbar daneben befinden sich die Messe Zürich und das Theater 11.
Für die Naherholung spielen die zahlreichen Parks und Grünräume eine wichtige Rolle. Zu ihnen gehören unter anderem:
- MFO-Park
- Oerliker Park
- Louis-Häfliger-Park
- Leutschenpark
- Grünräume entlang des Katzenbachs
- Käferberg
- Gebiete beim Katzensee
Der Kreis verfügt zudem über zahlreiche Sportanlagen, Quartierzentren und Freizeitangebote.
Bedeutung innerhalb Zürichs
Der Kreis 11 bildet gemeinsam mit dem Kreis 12 den Raum Zürich Nord. Dieser Teil der Stadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem stark industriell und suburban geprägten Gebiet zu einem bedeutenden zweiten urbanen Schwerpunkt Zürichs entwickelt.
Besonders Oerlikon übernimmt dabei eine Zentrumsfunktion. Der Bahnhof, die zahlreichen Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten sowie Kultur- und Veranstaltungsangebote machen das Quartier zu einem wichtigen Zentrum ausserhalb der historischen Innenstadt.
Affoltern und Seebach gehören gleichzeitig zu den wichtigen Wohngebieten für das weitere Bevölkerungswachstum der Stadt. Die Entwicklung des Kreises wird daher stark von Wohnungsbau, Verdichtung, Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und der Sicherung von Grün- und Freiräumen geprägt.
Siehe auch
- Stadtkreise der Stadt Zürich
- Kreis 12 (Zürich)
- Zürich Nord
- Affoltern (Stadt Zürich)
- Oerlikon
- Seebach (Stadt Zürich)
- Geschichte der Stadt Zürich
- Öffentlicher Verkehr in Zürich
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Zürich-Affoltern, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Quartierspiegel Oerlikon, Statistik Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Quartierspiegel Seebach, Statistik Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Seebach / Leutschenbach, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Brunnenguide Kreise 11, 12, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Kreis 11 – Statistik und Daten, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Schulkreis Glattal, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.