Rhonetal
| Rhonetal | |
|---|---|
| Das Rhonetal im Mittelwallis | |
| Französischer Name | Vallée du Rhône |
| Oberwalliser Name der Rhone | Rotten |
| Lage | Kanton Wallis und westlicher Rand des Kantons Waadt |
| Staat | Schweiz |
| Hauptfluss | Rhone |
| Verlauf | Vom Rhonegletscher über das Goms, Brig-Glis, Visp, Siders, Sitten, Martigny und das Chablais zum Genfersee |
| Angrenzende Gebirge | Berner Alpen, Walliser Alpen, Lepontinische Alpen, Waadtländer Alpen |
| Bedeutende Orte | Brig-Glis, Visp, Siders, Sitten, Martigny, Saint-Maurice, Monthey |
| Sprachen | Deutsch und Französisch |
| Koordinaten | 46,225° N, 7,360° E |
Das Rhonetal ist das vom Oberlauf der Rhone durchflossene Haupttal des Kantons Wallis und eines der bedeutendsten inneralpinen Längstäler der Schweiz. Es erstreckt sich vom Gebiet des Rhonegletschers und des Goms im Nordosten über Brig-Glis, Visp, Siders, Sitten und Martigny bis zum Genfersee. Im Unterwallis setzt sich die breite Talebene durch das Chablais bis zur Rhonemündung bei Le Bouveret fort.
Im Oberwallis wird der Fluss traditionell Rotten genannt. Entsprechend ist dort auch die Bezeichnung Rottental anzutreffen, während im französischsprachigen Unterwallis von der Vallée du Rhône beziehungsweise der plaine du Rhône gesprochen wird.
Das Rhonetal bildet den wichtigsten Siedlungs-, Wirtschafts- und Verkehrsraum des Wallis. Die meisten grösseren Walliser Orte, Industriegebiete und Verkehrsanlagen liegen auf dem Talboden oder auf den angrenzenden Schwemmkegeln. Gleichzeitig ist das Tal durch Weinberge, Obstkulturen, Gemüsebau, Trockenrasen, Auenreste und steile Gebirgsflanken geprägt.
Im weiteren geografischen Sinn bezeichnet «Rhonetal» auch die vom Fluss durchzogenen Landschaften unterhalb des Genfersees in Frankreich. Der vorliegende Artikel behandelt vorwiegend das schweizerische Rhonetal vom Quellgebiet bis zum Genfersee.
Geographie
Verlauf
Die Rhone entspringt im nordöstlichen Wallis im Gebiet des Rhonegletschers nahe dem Furkapass. Von dort fliesst sie zunächst durch das Goms in südwestlicher Richtung. Zwischen Brig und Martigny verläuft das Haupttal überwiegend von Ostnordost nach Westsüdwest und bildet ein ausgeprägtes alpines Längstal.
Bei Martigny beschreibt die Rhone einen markanten Bogen nach Nordwesten. Anschliessend fliesst sie durch das Unterwalliser und Waadtländer Chablais bis zu ihrer Mündung in den Genfersee.
Das Rhonetal wird auf fast seiner gesamten Länge von hohen Gebirgsketten begleitet. Nördlich erheben sich die Berner und Waadtländer Alpen, südlich die Lepontinischen und Walliser Alpen. Zahlreiche Seitentäler münden nahezu rechtwinklig in das Haupttal.
Gliederung
Das schweizerische Rhonetal lässt sich in mehrere Landschaftsräume unterteilen:
| Abschnitt | Ungefähre Ausdehnung | Merkmale |
|---|---|---|
| Oberstes Rhonetal | Rhonegletscher bis Oberwald | Hochalpines Quellgebiet mit Gletschern, steilen Hängen und jungen Flusslandschaften |
| Goms | Oberwald bis Grengiols beziehungsweise Mörel | Hoch gelegenes, vergleichsweise schmales Tal mit historischen Dörfern und traditioneller Kulturlandschaft |
| Oberwalliser Haupttal | Brig bis Leuk | Breitere Talebene mit den Zentren Brig-Glis und Visp, Industrie, Verkehrsanlagen und intensiver Landwirtschaft |
| Mittelwallis | Leuk/Siders bis Martigny | Breite Rhoneebene mit Siders, Sitten und Martigny, Weinbau an den Hängen sowie Obst- und Gemüsebau in der Ebene |
| Unterwallis und Chablais | Martigny bis Genfersee | Nach Nordwesten gerichtetes Tal mit Saint-Maurice, Monthey und der gemeinsamen Rhoneebene der Kantone Wallis und Waadt |
Die Übergänge zwischen diesen Abschnitten sind fliessend. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird häufig zwischen Oberwallis und Unterwallis unterschieden. Die Sprachgrenze liegt im Raum Siders und Salgesch.
Goms
Das Goms bildet den obersten dauerhaft besiedelten Abschnitt des Rhonetals. Der Talboden liegt zwischen ungefähr 1200 Metern bei Oberwald und rund 800 Metern bei Grengiols.
Die Rhone besitzt hier stellenweise einen vergleichsweise naturnahen Lauf mit Kiesbänken, Auenresten und verzweigten Nebengerinnen. Historische Dörfer wie Oberwald, Münster, Reckingen und Ernen weisen dicht gebaute Siedlungskerne und zahlreiche traditionelle Holzhäuser auf.
Die Landwirtschaft ist wegen der Höhenlage und kurzen Vegetationsperiode hauptsächlich auf Viehzucht, Milchwirtschaft und Grünlandnutzung ausgerichtet. Tourismus, Wasserkraft und Dienstleistungen bilden weitere wichtige Erwerbszweige.
Talweitung von Brig bis Sitten
Bei Brig weitet sich das Tal deutlich. In diesem Abschnitt münden bedeutende Seitentäler wie das Mattertal, das Saastal, das Lötschental, das Turtmanntal und das Val d’Anniviers in das Haupttal.
Die Zuflüsse haben grosse Schwemmkegel aufgeschüttet. Auf diesen leicht erhöhten und vergleichsweise hochwassersicheren Flächen entstanden zahlreiche Siedlungen, darunter Visp, Raron, Leuk, Siders und Teile von Sitten.
Zwischen Leuk und Sitten erreicht die Rhoneebene eine beträchtliche Breite. Der Fluss ist weitgehend kanalisiert und wird von Dämmen, Landwirtschaftsflächen, Strassen, Bahnlinien und Industriegebieten begleitet.
Unterwallis und Chablais
Bei Martigny ändert die Rhone ihre Fliessrichtung. Die Talebene führt nun nach Nordwesten und wird zwischen dem Dent-du-Midi-Massiv im Westen und den Waadtländer Alpen im Osten zunehmend breiter.
Bei Saint-Maurice verengt sich das Tal vorübergehend zu einer strategisch bedeutenden Engstelle. Nördlich davon öffnet sich das Chablais mit den Städten Monthey und Aigle.
Im untersten Abschnitt bildet die Rhone auf längeren Strecken die Grenze zwischen den Kantonen Wallis und Waadt. Bei Le Bouveret mündet sie in den Genfersee und bildet ein Delta mit ökologisch wertvollen Feuchtgebieten.
Entstehung und Geologie
Das Rhonetal folgt über weite Strecken einer bedeutenden geologischen Schwächezone innerhalb der Alpen. Seine Anlage steht mit tektonischen Strukturen in Verbindung, die während der Entstehung des Alpengebirges gebildet wurden.
Die heutige Talform entstand vor allem durch die wiederholte Vergletscherung während des Quartärs. Der Rhonegletscher und seine Zuflüsse schürften ein tiefes Trogtal aus. Während der grössten Eiszeiten reichte das Rhone-Eis weit über den heutigen Genfersee hinaus bis in das französische Rhonebecken.
Nach dem Rückzug der Gletscher war der Felsuntergrund an mehreren Stellen deutlich tiefer als der heutige Talboden. Flüsse, Bergstürze und Gletscher lagerten grosse Mengen Kies, Sand, Schluff und Ton ab. Das Rhonetal ist deshalb mit einer mächtigen Folge aus Lockergesteinen und stellenweise mit ehemaligen Seesedimenten verfüllt.[1]
Zahlreiche Schwemmkegel ragen von den Seitentälern in die Ebene. Sie zwangen die Rhone wiederholt zu Änderungen ihres Laufs und boten zugleich günstigere Standorte für Siedlungen, Verkehrswege und Landwirtschaft.
Die steilen Talflanken zeigen unterschiedliche Gesteinszonen. Dazu gehören kristalline Gneise und Granite, Kalkgesteine, Schiefer, Flysch und weitere alpine Deckeneinheiten. Ihre unterschiedliche Widerstandsfähigkeit beeinflusst die Form der Hänge und die Verteilung von Naturgefahren.
Klima
Das zentrale Rhonetal besitzt ein ausgeprägt inneralpines Klima. Die hohen Gebirgsketten schirmen es teilweise gegen feuchte Luftmassen aus Norden, Westen und Süden ab.
MeteoSchweiz zählt das Walliser Rhonetal zu den typischen Trockentälern der Schweiz. In besonders trockenen Talabschnitten beträgt die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge nur ungefähr 550 bis 700 Millimeter.[2]
Charakteristisch sind:
- viele Sonnenstunden
- geringe Niederschlagsmengen im zentralen Wallis
- heisse Sommer auf dem Talboden
- kalte Winter mit möglichen Inversionslagen
- grosse Temperaturunterschiede zwischen sonnigen und schattigen Hängen
- häufige Tal- und Bergwindsysteme
- zeitweise kräftiger Föhn
Das trockene und sonnige Klima begünstigt Weinbau, Obstkulturen und wärmeliebende Pflanzen. Gleichzeitig macht es eine künstliche Bewässerung erforderlich. Seit Jahrhunderten wird Wasser aus Bergbächen und Gletschern über Suonen zu Wiesen, Äckern und Rebbergen geleitet.
Im unteren Chablais nehmen die Niederschlagsmengen wegen der Nähe zum Genfersee und der stärkeren Einwirkung westlicher Luftströmungen deutlich zu.
Gewässer
Rhone
Die Rhone ist die zentrale Landschafts- und Entwässerungsachse des Tals. Ihr Abfluss wird von Schnee- und Gletscherschmelze, Niederschlägen sowie den zahlreichen alpinen Zuflüssen bestimmt.
Im Oberlauf weist der Fluss ein starkes saisonales Abflussregime auf. Im Sommer führen Schnee- und Gletscherschmelze zu hohen Wassermengen. Im Winter ist der Abfluss deutlich geringer.
Wasserkraftwerke und Stauseen beeinflussen den natürlichen Abfluss. Wasser wird in den Seitentälern gespeichert, durch Stollen zu Kraftwerken geleitet und teilweise erst an anderer Stelle in die Rhone zurückgeführt.
Zuflüsse
Zu den bedeutenden Zuflüssen des schweizerischen Rhonetals gehören:
- Massa aus dem Gebiet des Aletschgletschers
- Saltina bei Brig
- Vispa bei Visp
- Baltschiederbach und Bietschbach
- Dala bei Leuk
- Navisence bei Siders
- Borgne bei Bramois
- Morge westlich von Sitten
- Lizerne
- Dranse bei Martigny
- Vièze bei Monthey
- Grande Eau bei Aigle
Diese Gewässer transportieren bei Hochwasser grosse Mengen Geschiebe und Schwemmholz. Die Mündungsbereiche und Schwemmkegel gehören deshalb zu den besonders dynamischen Landschaftsräumen.
Grundwasser
Die mächtigen Kies- und Sandablagerungen der Rhoneebene bilden bedeutende Grundwasserleiter. Das Grundwasser wird für Trinkwasser, Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie genutzt.
Der Grundwasserspiegel steht in enger Wechselwirkung mit der Rhone. Flussregulierungen, Kiesentnahme, Bewässerung und Hochwasserschutzmassnahmen können die Grundwasserverhältnisse verändern. Bei der Planung der dritten Rhonekorrektion spielt dieser Zusammenhang eine wichtige Rolle.
Naturgefahren
Das Rhonetal ist zahlreichen Naturgefahren ausgesetzt. Dazu gehören Hochwasser, Murgänge, Lawinen, Steinschlag, Bergstürze und Erdbeben.
Die Rhone und ihre Zuflüsse können nach intensiven Niederschlägen oder starker Schneeschmelze über die Ufer treten. Besonders gefährlich sind Situationen, in denen gleichzeitig hohe Abflüsse, Geschiebeeintrag und Grundwasseranstieg auftreten.
Die steilen Talflanken weisen zahlreiche instabile Felspartien und Rutschgebiete auf. Siedlungen und Verkehrswege werden durch Schutzwälder, Dämme, Galerien, Steinschlagschutznetze und Überwachungsanlagen gesichert.
Das Wallis gehört ausserdem zu den erdbebengefährdetsten Gebieten der Schweiz. Starke historische Erdbeben verursachten wiederholt Schäden im Rhonetal.
Besiedlungsgeschichte
Ur- und Frühgeschichte
Das Rhonetal bildete bereits in vorgeschichtlicher Zeit einen wichtigen Siedlungs- und Verkehrsraum. Archäologische Funde belegen menschliche Anwesenheit seit dem Ende der letzten Eiszeit.
Während des Neolithikums entstanden dauerhaft bewohnte Siedlungen. Die sonnigen Hänge, Flussterrassen und Schwemmkegel boten günstigere Bedingungen als die häufig überschwemmte Talebene.
Aus der Bronze- und Eisenzeit sind Gräberfelder, Siedlungen und Handelsbeziehungen über die Alpen bekannt. Das Tal verband das Schweizer Mittelland mit Oberitalien und dem westlichen Alpenraum.
Römische Zeit
Nach der Eingliederung des Wallis in das Römische Reich gewann das Rhonetal als Verkehrsachse weiter an Bedeutung. Die Hauptstrasse führte von Octodurus, dem heutigen Martigny, über Sedunum bei Sitten und Vibiscum bei Visp in Richtung der Alpenpässe.
Martigny entwickelte sich unter dem Namen Forum Claudii Vallensium zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum des römischen Wallis. Weitere Siedlungen, Gutshöfe und Heiligtümer lagen entlang der Talroute.
Die Übergänge über den Grossen St. Bernhard, Simplon und weitere Pässe ermöglichten Verbindungen nach Italien. Der Verkehr umging dabei nach Möglichkeit die sumpfigen und hochwassergefährdeten Bereiche des Talbodens.
Mittelalter
Im Mittelalter bildeten sich zahlreiche Dörfer auf Schwemmkegeln, Hangterrassen und leicht erhöhten Standorten. Burgen, Türme und befestigte Anlagen kontrollierten Wege, Brücken und Engstellen.
Die politische Geschichte des Tals war durch das Verhältnis zwischen dem Bischof von Sitten, lokalen Adelsfamilien, den Zenden des Oberwallis und dem savoyischen Einfluss im Unterwallis geprägt.
Das deutschsprachige Oberwallis dehnte seinen politischen Einfluss im Spätmittelalter nach Westen aus. Das Unterwallis blieb bis zum Ende des Ancien Régime teilweise ein Untertanengebiet der sieben oberen Zenden.[3]
Die Bevölkerung lebte von Viehzucht, Ackerbau, Weinbau, Handel und dem Verkehr über die Alpenpässe. Die Talebene blieb wegen Überschwemmungen, Sümpfen und Krankheiten nur eingeschränkt nutzbar.
Rhonekorrektionen
Zustand vor der Regulierung
Vor den grossen Flusskorrektionen besass die Rhone einen breiteren und wechselnden Lauf. Sie bildete Seitenarme, Kiesflächen, Sümpfe und Auenwälder.
Hochwasser verlagerten das Flussbett und überschwemmten ausgedehnte Teile der Ebene. Dadurch wurden Siedlungen, Wege und Landwirtschaftsflächen wiederholt beschädigt. Gleichzeitig bildete die natürliche Flusslandschaft einen vielfältigen Lebensraum.
Erste Rhonekorrektion
Die erste systematische Rhonekorrektion begann im 19. Jahrhundert. Nach schweren Hochwassern beschlossen der Kanton Wallis und der Bund, den Fluss durch Dämme und Buhnen zu regulieren.
Die wichtigsten Arbeiten wurden ab den 1860er-Jahren ausgeführt und bis in das frühe 20. Jahrhundert fortgesetzt. Die Rhone erhielt ein klar begrenztes Bett, während Dämme die angrenzenden Flächen schützen sollten.
Die Regulierung ermöglichte die Entwässerung und landwirtschaftliche Nutzung grosser Teile der Talebene. Gleichzeitig entstanden neue Strassen, Eisenbahnlinien, Siedlungen und Industrieanlagen.
Zweite Rhonekorrektion
Die zweite Rhonekorrektion begann 1936. Ihr Hauptziel war es, die Transportfähigkeit des Flusses für Kies und anderes Geschiebe zu erhöhen.
Das Flussbett wurde teilweise verengt, während die Dämme verstärkt und erhöht wurden. Seit den 1960er-Jahren trugen Kieswerke dazu bei, das von den Seitenbächen eingebrachte überschüssige Material zu entfernen.[4]
Die ersten beiden Korrektionen veränderten die Landschaft grundlegend. Die Rhone wurde zu einem weitgehend geradlinigen und eingedämmten Fluss. Die gewonnenen Flächen ermöglichten das wirtschaftliche und demografische Wachstum des Wallis.[5]
Dritte Rhonekorrektion
Trotz der früheren Massnahmen besteht in der Rhoneebene weiterhin ein erhebliches Hochwasserrisiko. Die dichte Bebauung und die Konzentration von Industrie, Verkehrswegen und Infrastruktur haben das mögliche Schadensausmass stark erhöht.
Die dritte Rhonekorrektion ist das grösste Hochwasserschutzprojekt der Schweiz. Sie umfasst in den Kantonen Wallis und Waadt rund 162 Kilometer Flusslauf. Das Projekt soll mehr als 100'000 Menschen schützen und mögliche Schäden von geschätzten zehn Milliarden Franken verhindern.[6]
Zu den vorgesehenen Massnahmen gehören:
- Verbreiterung des Flussbetts an geeigneten Stellen
- Verstärkung oder Verlegung von Dämmen
- Verbesserung der Abflusskapazität
- Anpassung von Brücken und Leitungen
- Renaturierung von Uferabschnitten
- Schaffung neuer Lebens- und Erholungsräume
- Neuordnung und Verbesserung landwirtschaftlicher Flächen
- Schutz von Siedlungen, Industrieanlagen und Verkehrswegen
Das Generelle Projekt wurde 2016 von den Kantonen Wallis und Waadt genehmigt. Die Umsetzung erfolgt abschnittsweise und wird mehrere Jahrzehnte dauern. Die Kosten wurden in der ursprünglichen Gesamtsicht auf rund 3,6 Milliarden Franken geschätzt.[6]
Landwirtschaft
Die Rhoneebene gehört zu den produktivsten Landwirtschaftsräumen der Alpen. Das trockene Klima, die intensive Sonneneinstrahlung und die fruchtbaren Schwemmböden ermöglichen vielfältige Kulturen.
Typische Erzeugnisse sind:
- Aprikosen
- Äpfel und Birnen
- Kirschen und Zwetschgen
- Erdbeeren und weitere Beeren
- Spargel
- Tomaten und anderes Gemüse
- Rebtrauben
- Kräuter und Spezialkulturen
Obst- und Gemüsebau konzentrieren sich vor allem auf die Talebene. Die Rebberge liegen überwiegend auf den sonnigen Hängen oberhalb des Talbodens.
Der Weinbau reicht von Visp über Leuk, Siders und Sitten bis nach Fully und Martigny. Trockenmauern, Terrassen und Suonen prägen die historische Kulturlandschaft.
Die Landwirtschaft ist auf Bewässerung angewiesen. Neben traditionellen Suonen kommen moderne Leitungs-, Tropf- und Beregnungssysteme zum Einsatz.
Die Ausdehnung von Siedlungen, Verkehrsflächen und Industriegebieten führt zu einem zunehmenden Druck auf hochwertige Böden. Auch die dritte Rhonekorrektion muss Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Siedlungsentwicklung und Naturschutz miteinander abstimmen.
Wirtschaft
Das Rhonetal ist der wichtigste Wirtschaftsraum des Kantons Wallis. In der Talebene konzentrieren sich Industrie, Gewerbe, Handel, Logistik, Gesundheitswesen, Bildung und öffentliche Verwaltung.
Bedeutende Wirtschaftszentren sind:
- Brig-Glis als Verkehrs-, Bildungs- und Dienstleistungszentrum des Oberwallis
- Visp mit Chemie-, Pharma- und Biotechnologieindustrie
- Siders mit Industrie, Dienstleistungen und Weinwirtschaft
- Sitten als Kantonshauptstadt und Verwaltungszentrum
- Martigny als Handels-, Kultur- und Verkehrsknoten
- Monthey als bedeutender Industriestandort
Die Wasserkraft aus den Seitentälern liefert einen grossen Teil der im Wallis erzeugten Elektrizität. Im Rhonetal befinden sich Kraftwerke, Umspannwerke und energieintensive Industriebetriebe.
Tourismus spielt vor allem als Verbindung zwischen den grossen Ferienregionen eine Rolle. Die Talstädte dienen als Ausgangspunkte für Seitentäler und Bergorte wie Zermatt, Saas-Fee, Crans-Montana, Verbier und Champéry.
Verkehr
Das Rhonetal bildet eine der wichtigsten alpinen Verkehrsachsen der Schweiz. Bahn, Autobahn und Hauptstrassen verlaufen über grosse Strecken parallel zum Fluss.
Eisenbahn
Die Simplonstrecke verbindet den Genferseeraum über Martigny, Sitten, Siders, Visp und Brig mit dem Simplontunnel und Norditalien.
In Visp und Brig bestehen Anschlüsse an die Matterhorn-Gotthard-Bahn nach Zermatt, ins Goms und über den Oberalppass nach Graubünden. Martigny ist Ausgangspunkt von Bahnlinien nach Orsières, Le Châble und Chamonix.
Der Lötschberg-Basistunnel verbindet das Oberwallis mit dem Berner Oberland und der Deutschschweiz. Visp entwickelte sich dadurch zu einem bedeutenden Umsteigebahnhof.
Strassenverkehr
Die Autobahn A9 folgt dem Rhonetal vom Genferseegebiet in Richtung Brig. Mehrere Abschnitte im Oberwallis befinden sich weiterhin im Ausbau.
Von der Talachse zweigen Strassen zu bedeutenden Alpenpässen und Seitentälern ab. Dazu gehören die Verbindungen zum Grossen St. Bernhard, Simplonpass, Furkapass, Nufenenpass und Grimselpass.
Langsamverkehr
Die nationale Rhone-Route folgt dem Fluss von seinem Quellgebiet über das Wallis bis nach Genf. Innerhalb des Kantons verläuft sie von Oberwald über Brig, Siders, Sitten und Martigny bis nach Le Bouveret.[7]
Die Dämme und Uferwege der Rhone werden vielerorts zum Velofahren, Spazieren, Joggen und für den Alltagsverkehr genutzt. Im Rahmen der dritten Rhonekorrektion sollen zusätzliche Verbindungen und Erholungsräume entstehen.
Siedlungen und Sprachen
Die grössten Orte des Wallis liegen im Rhonetal oder unmittelbar an dessen Rand.
| Ort | Sprachregion | Bedeutung |
|---|---|---|
| Brig-Glis | Deutsch | Verkehrs-, Bildungs- und Dienstleistungszentrum des Oberwallis |
| Visp | Deutsch | Industrie-, Verkehrs- und Arbeitsplatzzentrum |
| Siders | Französisch mit deutschsprachiger Minderheit | Regionalzentrum und Übergangsraum an der Sprachgrenze |
| Sitten | Französisch | Hauptstadt des Kantons Wallis |
| Martigny | Französisch | Verkehrs-, Handels- und Kulturzentrum |
| Saint-Maurice | Französisch | Historische Stadt an einer strategischen Talenge |
| Monthey | Französisch | Industrie- und Regionalzentrum des Chablais |
Zwischen dem Ober- und Unterwallis verläuft eine historische Sprachgrenze. Im Oberwallis werden höchstalemannische Dialekte gesprochen. Das Mittel- und Unterwallis ist überwiegend französischsprachig.
Siders und die umliegenden Gemeinden bilden einen Übergangsraum. Durch Binnenwanderung, Tourismus und wirtschaftliche Verflechtungen sind beide Landessprachen heute in mehreren Teilen des Tals präsent.
Natur und Landschaft
Die ursprüngliche Rhonelandschaft bestand aus einem Mosaik aus Flussarmen, Kiesbänken, Auenwäldern, Sümpfen und periodisch überschwemmten Flächen.
Durch die Korrektionen, Entwässerungen und Überbauungen gingen viele dieser Lebensräume verloren. Verbliebene Auen und Feuchtgebiete besitzen deshalb eine grosse ökologische Bedeutung.
Zu den charakteristischen Lebensräumen gehören:
- alpine Fluss- und Kiesufer
- Weichholz- und Hartholzauen
- Trockenwiesen und Felsensteppen an den sonnigen Hängen
- Feuchtgebiete und ehemalige Flussarme
- Rebterrassen und traditionelle Bewässerungslandschaften
- Landwirtschaftsflächen der Rhoneebene
Das zentrale Wallis beherbergt wegen seines trockenen Klimas zahlreiche wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten. Dazu gehören seltene Orchideen, Steppenpflanzen, Reptilien und spezialisierte Insektenarten.
Die dritte Rhonekorrektion soll neben dem Hochwasserschutz auch die ökologische Vernetzung verbessern und dem Fluss an ausgewählten Stellen wieder mehr Raum geben.
Klimawandel
Der Klimawandel wirkt sich in mehrfacher Weise auf das Rhonetal aus. Steigende Temperaturen verändern Schnee- und Gletscherschmelze, Wasserverfügbarkeit, Landwirtschaft und Naturgefahren.
Kurz- und mittelfristig kann verstärkte Gletscherschmelze den sommerlichen Abfluss erhöhen. Langfristig ist jedoch mit geringeren Wasserreserven in Schnee und Eis zu rechnen.
Häufigere Hitzeperioden belasten Bevölkerung, Landwirtschaft und Ökosysteme. Auf dem dicht bebauten Talboden entstehen lokale Wärmeinseln.
Gleichzeitig können intensive Niederschlagsereignisse und instabile Hänge das Hochwasser-, Murgang- und Steinschlagrisiko erhöhen. Hochwasserschutz, Wasserspeicherung und Bewässerung müssen deshalb langfristig angepasst werden.[8]
Tourismus und Freizeit
Das Rhonetal verbindet zahlreiche touristische Regionen des Wallis. Historische Städte, Burgen, Museen, Rebberge und Naturlandschaften ergänzen die alpinen Ferienorte der Seitentäler.
Bedeutende Ziele sind:
- der Rhonegletscher und das Goms
- der Stockalperpalast in Brig
- die Burgen von Sitten
- die Weinregionen um Salgesch, Siders, Sitten und Fully
- das römische Erbe von Martigny
- die Abtei Saint-Maurice
- die Rhone-Route
- Auen- und Naturschutzgebiete im Chablais
- Thermalbäder in Brigerbad, Saillon und Lavey-les-Bains
Wander- und Velowege entlang der Rhone bieten weitgehend flache Verbindungen durch eine ansonsten stark gebirgige Region.
Kulturelle Bedeutung
Das Rhonetal bildet die räumliche und kulturelle Hauptachse des Wallis. Es verbindet die deutsch- und französischsprachigen Landesteile und dient als gemeinsamer Wirtschafts- und Verkehrsraum.
Der Gegensatz zwischen trockenen Rebbergen, intensiv bewirtschafteter Ebene, kanalisiertem Fluss und hochalpinen Gebirgen prägt das Bild des Kantons.
Die Rhone erscheint in zahlreichen Gemälden, Fotografien, literarischen Werken und regionalen Überlieferungen. Die Flusskorrektionen wurden sowohl als technische Voraussetzung des modernen Wallis als auch als tiefgreifender Eingriff in eine natürliche Flusslandschaft dargestellt.
Siehe auch
- Rhone
- Kanton Wallis
- Goms
- Chablais
- Rhonegletscher
- Genfersee
- Dritte Rhonekorrektion
- Walliser Alpen
- Berner Alpen
- Weinbau im Kanton Wallis
- Geschichte des Kantons Wallis
Literatur
- Historisches Lexikon der Schweiz: Wallis. Bern.
- Kanton Wallis: Dritte Rhonekorrektion – Generelles Projekt. Sitten.
- Bundesamt für Umwelt: Die dritte Rhonekorrektion. Bern.
- Jean-Henry Papilloud: Le Rhône et les hommes. Histoire d’un fleuve et de ses riverains. Sitten.
- Alain Dubois: Die Rhone im Wallis. Landschaft, Hochwasser und Flussbau. Sitten.
- Bundesamt für Landestopografie swisstopo: Geologischer Atlas der Schweiz. Verschiedene Blätter zum Rhonetal.
Weblinks
- Dritte Rhonekorrektion beim Kanton Wallis
- Informationen des Bundesamts für Umwelt
- Wallis im Historischen Lexikon der Schweiz
- Kartenviewer des Bundes
- Wallis Tourismus
- Rhone-Route bei SchweizMobil
Einzelnachweise
- ↑ Geologischer Atlas der Schweiz: Blatt Raron, Bundesamt für Landestopografie swisstopo, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Klima der Schweiz, Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Wallis, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Die zweite Rhonekorrektion, Kanton Wallis, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Die Rhone oder die schrittweise Zähmung eines Flusses, Kanton Wallis, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Die dritte Rhonekorrektion, Bundesamt für Umwelt, Stand 7. Mai 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Rhone-Route, Wallis Tourismus, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft der Schweiz, Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 3. August 2026.