Martigny
| Martigny | |
|---|---|
| Stadt und politische Gemeinde | |
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Wallis |
| Bezirk | Martigny |
| BFS-Nummer | 6136 |
| Postleitzahlen | 1920 Martigny 1906 Charrat |
| Koordinaten | 46° 06′ 00″ N, 7° 04′ 22″ O |
| Höhe | 471 m ü. M. |
| Fläche | 32,59 km² |
| Einwohner | 23'849 |
| Einwohnerstand | Juni 2026[1] |
| Bevölkerungsdichte | rund 732 Einwohner pro km² |
| Amtssprache | Französisch |
| Einwohnerbezeichnung | Martignerains und Martigneraines |
| Stadtpräsidentin | Anne-Laure Couchepin Vouilloz |
| Website | www.martigny.ch |
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Lage von Martigny im Bezirk Martigny
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Martigny (historisch deutsch Martinach) ist eine Stadt und politische Gemeinde im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis in der Schweiz. Sie ist der Hauptort des gleichnamigen Bezirks Martigny und das wirtschaftliche, kulturelle und verkehrstechnische Zentrum des Rhoneknies.
Die Stadt liegt an der Mündung der Dranse in die Rhone, wo sich die Verkehrswege durch das Rhonetal mit den Routen über den Grossen Sankt Bernhard nach Italien und über den Col de la Forclaz nach Frankreich kreuzen. Diese strategische Lage machte Martigny bereits in der Antike zu einem wichtigen Handels- und Verwaltungszentrum. Die römische Stadt Forum Claudii Vallensium hinterliess zahlreiche archäologische Zeugnisse, darunter ein Amphitheater, Thermenanlagen, Tempel und Wohngebäude.
Martigny ist heute insbesondere für die Fondation Pierre Gianadda, das römische Erbe, das Château de la Bâtiaz, den Kultur- und Messebetrieb sowie den Wein- und Obstbau bekannt. Seit dem 1. Januar 2021 gehört auch das ehemalige Gemeindegebiet von Charrat zu Martigny.
Geographie
Martigny liegt im Unterwallis am markanten, nahezu rechtwinkligen Knick des Rhonetals. Die Rhone fliesst aus östlicher Richtung durch das Wallis und wendet sich bei Martigny nach Nordwesten in Richtung Saint-Maurice und Genfersee. Südlich des Stadtzentrums mündet die aus dem Val d’Entremont kommende Dranse in die Rhone.
Das historische Zentrum befindet sich auf dem Schwemmkegel der Dranse. Im Westen erhebt sich der Mont d’Ottan mit der weithin sichtbaren Burg La Bâtiaz, im Süden beginnt das Tal der Dranse. Östlich und nordöstlich der Stadt erstrecken sich die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Rhoneebene. Seit der Eingemeindung von Charrat reicht das Gemeindegebiet weiter nach Osten und umfasst auch ausgedehnte Rebberge, Obstkulturen, Felder, Wälder und Alpweiden.
Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 32,59 Quadratkilometer. Nach Angaben der Stadt entfallen rund 16,47 Quadratkilometer auf Grünflächen, Wald und Weideland, rund 9,99 Quadratkilometer auf Felder, Wiesen und Rebberge sowie rund 4,76 Quadratkilometer auf Gebäude, Strassen, Plätze und andere Verkehrsflächen.[1]
Zur Gemeinde gehören neben dem eigentlichen Stadtgebiet unter anderem die Quartiere und Ortsteile Martigny-Ville, Martigny-Bourg, La Bâtiaz, Le Guercet und Charrat. Die einzelnen Ortsteile besitzen teilweise eine ausgeprägte historische und kulturelle Identität.
Martigny grenzt an Dorénaz, Fully, Saxon, Val de Bagnes, Bovernier, Martigny-Combe, Salvan und Vernayaz. Die Stadt liegt rund 30 Kilometer westlich von Sitten, etwa 40 Kilometer südöstlich von Montreux und rund 75 Kilometer von Lausanne entfernt.
Klima und Landschaft
Martigny besitzt ein trockenes inneralpines Klima. Die hohen Gebirgsketten schirmen das zentrale Rhonetal teilweise vor feuchten Luftmassen ab. Die Sommer sind häufig warm und sonnig, während die Winter in der Talebene vergleichsweise mild ausfallen können. Eine wichtige Rolle spielt der Föhn, der zeitweise starke Winde und rasche Temperaturanstiege verursacht.
Das milde und trockene Klima begünstigt den Anbau von Wein, Aprikosen, Birnen und anderem Obst. Die Rebberge liegen vor allem an den sonnenexponierten Hängen bei La Bâtiaz, Charrat und am Rand der Rhoneebene. Der Weinbau ist sowohl für das Landschaftsbild als auch für die regionale Wirtschaft von Bedeutung.
Trotz der städtischen Entwicklung besitzt Martigny grössere Natur- und Erholungsräume. Dazu gehören die Wälder am Mont d’Ottan, die Ufergebiete von Rhone und Dranse, die landwirtschaftlichen Flächen bei Charrat sowie die Seen und Freizeitanlagen von Les Îles und Les Gouilles du Rosel.
Geschichte
Vorgeschichte und keltische Zeit
Die günstige Lage am Schnittpunkt mehrerer Alpentransitrouten führte bereits in vorgeschichtlicher Zeit zur Besiedlung der Ebene von Martigny. Archäologische Funde weisen auf menschliche Aktivitäten während der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit hin.
Vor der römischen Eroberung lebten in der Region die keltischen Veragrer. Ihr Hauptort wurde von den Römern Octodurus genannt. Die Siedlung lag an der Dranse und kontrollierte den Zugang zum Grossen Sankt Bernhard, der in der Antike als Mons Poeninus bezeichnet wurde.[2]
Im Jahr 57 v. Chr. überwinterte eine von Servius Sulpicius Galba geführte römische Legion in Octodurus. Veragrer und Seduner griffen das befestigte Lager an, wurden jedoch nach schweren Kämpfen zurückgeschlagen. Das als Schlacht von Octodurus bekannte Ereignis wurde von Gaius Iulius Caesar in seinem Werk über den Gallischen Krieg beschrieben.
Forum Claudii Vallensium
Unter Kaiser Claudius wurde um 47 n. Chr. in der Ebene eine neue römische Stadt gegründet. Sie erhielt den Namen Forum Claudii Vallensium und wurde zum Hauptort der Provinz beziehungsweise Verwaltungsregion Vallis Poenina.
Die planmässig angelegte Stadt verfügte über ein Strassennetz, ein Forum, eine Basilika, Thermen, Tempel, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude. Ihre wirtschaftliche Bedeutung beruhte auf dem Handel über den Grossen Sankt Bernhard und auf ihrer Funktion als Verwaltungszentrum. Der Pass verband das Rhonetal mit Augusta Praetoria, dem heutigen Aosta, und damit mit Norditalien.[3]
Zu Beginn des 2. Jahrhunderts entstand am südlichen Rand der Stadt ein Amphitheater. Es bot ungefähr 5'000 Zuschauern Platz und wurde für Tierhetzen, Gladiatorenkämpfe und andere öffentliche Veranstaltungen genutzt.[4]
Martigny war in der Spätantike ein frühes Zentrum des Christentums im Alpenraum. Spätestens im 4. Jahrhundert befand sich hier ein Bischofssitz. Der Bischofssitz wurde im frühen Mittelalter nach Sitten verlegt. Mit dem Niedergang der römischen Verwaltung verlor Forum Claudii Vallensium an Bedeutung. Die antike Stadt wurde nach und nach aufgegeben, und die Bevölkerung siedelte sich stärker an den geschützteren Rändern der Ebene an.
Mittelalter
Im Mittelalter entwickelten sich mehrere voneinander getrennte Siedlungskerne. Martigny-Bourg entstand am Eingang zum Dransetal, Martigny-Ville in der Ebene und La Bâtiaz am Fuss des Mont d’Ottan. Die Region stand unter dem Einfluss der Bischöfe von Sitten, der Abtei Saint-Maurice und des Hauses Savoyen.
Das Château de la Bâtiaz wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts auf einem Felssporn über der Stadt errichtet. Die Burg kontrollierte den Verkehr durch das Rhonetal und zu den Pässen. Wegen ihrer strategischen Lage wechselte sie mehrfach den Besitzer und war in die Auseinandersetzungen zwischen den Bischöfen von Sitten und den Grafen von Savoyen einbezogen.[5]
Martigny erhielt im Mittelalter verschiedene Markt- und Freiheitsrechte. Seit dem 14. Jahrhundert sind regelmässige Jahrmärkte belegt. Die Märkte stärkten Martigny-Bourg als regionalen Handelsplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, Vieh, Wein, Handwerkswaren und Güter aus den angrenzenden Alpentälern.
Neuzeit und Naturkatastrophen
Bis ins 19. Jahrhundert bildeten die verschiedenen Siedlungen und Dörfer der Region eine grössere kommunale Gemeinschaft, die als Grand-Martigny bezeichnet wurde. Politische, wirtschaftliche und konfessionelle Spannungen führten im 19. Jahrhundert zur Aufteilung dieses Gemeinwesens.
Eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte der Region ereignete sich am 16. Juni 1818. Nach dem Bruch eines durch den Giétro-Gletscher aufgestauten Sees ergossen sich rund 20 Millionen Kubikmeter Wasser durch das Val de Bagnes und das Dransetal. Die Flutwelle verwüstete Teile von Martigny und La Bâtiaz, zerstörte Gebäude und Brücken und forderte in der Region zahlreiche Todesopfer.[6]
Im Jahr 1835 löste sich Martigny-Ville aus der bisherigen Grossgemeinde. Charrat wurde 1836 eine eigenständige Gemeinde. La Bâtiaz trennte sich 1845 von Martigny und bestand bis 1956 als selbstständige Gemeinde.[7]
Eisenbahn und Stadtentwicklung
Mit der Eröffnung der Eisenbahnverbindung durch das Rhonetal erreichte die Bahn 1859 Martigny. Der Bahnhof wurde zu einem wichtigen Umsteigepunkt zwischen der Hauptlinie Lausanne–Brig und den regionalen Verbindungen in die Seitentäler.
1906 nahm die Bahnstrecke von Martigny über das Trienttal nach Le Châtelard und zur französischen Grenze den Betrieb auf. 1910 folgte die Bahn nach Orsières. Die beiden Unternehmen wurden im Jahr 2000 zu den Transports de Martigny et Régions zusammengeschlossen.[8]
Die verkehrsgünstige Lage förderte die Ansiedlung von Gewerbe-, Handels- und Industriebetrieben. Das Stadtgebiet wuchs vor allem in der Ebene rund um den Bahnhof und entlang der Hauptstrassen. Gleichzeitig blieb Martigny ein bedeutendes Zentrum für den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten aus dem Unterwallis.
Am 1. Februar 1964 stimmten die Bürger von Martigny-Ville und Martigny-Bourg einer Wiedervereinigung zu. Damit endete eine 129 Jahre dauernde Phase kommunaler Trennung. Bereits 1956 war La Bâtiaz mit Martigny-Ville vereinigt worden.[9]
Fusion mit Charrat
Am 1. Januar 2021 fusionierten Martigny und Charrat. Durch den Zusammenschluss vergrösserte sich das Gemeindegebiet deutlich und die Einwohnerzahl überschritt die Marke von 20'000. Charrat behielt seinen Ortsnamen, seine Postleitzahl und einen Teil seiner lokalen Identität.
Die Fusion knüpfte historisch an die frühere Zugehörigkeit Charrats zum Grand-Martigny an. Vor dem Zusammenschluss hatten die beiden Gemeinden bereits in mehreren Bereichen zusammengearbeitet, darunter Zivilschutz, Sozialwesen, Wasserversorgung und technische Infrastruktur.[10]
Bevölkerung
Im Juni 2026 zählte Martigny 23'849 Einwohner. Davon waren 11'986 Frauen und 11'863 Männer. Das durchschnittliche Alter betrug 42 Jahre. In der Gemeinde lebten Angehörige von 113 Nationalitäten.[1]
Die Bevölkerungsentwicklung wurde im 19. und 20. Jahrhundert durch den Eisenbahnbau, die Industrialisierung, den Ausbau des Dienstleistungssektors und die Zuwanderung geprägt. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden in der Rhoneebene zahlreiche Wohn- und Gewerbequartiere.
Französisch ist die Amtssprache und die mit Abstand wichtigste Alltagssprache. Aufgrund der internationalen Zusammensetzung der Bevölkerung werden daneben insbesondere Portugiesisch, Italienisch, Albanisch, Deutsch, Spanisch und weitere Sprachen gesprochen.
Die Bevölkerung ist traditionell mehrheitlich römisch-katholisch. Daneben bestehen reformierte, orthodoxe, muslimische und weitere religiöse Gemeinschaften sowie ein wachsender Anteil konfessionsloser Einwohner.
Politik und Verwaltung
Martigny ist der Hauptort des Bezirks Martigny. Die kommunale Exekutive bildet der neunköpfige Conseil municipal. Seine Mitglieder werden von der Bevölkerung für jeweils vier Jahre gewählt. Seit 2016 steht Anne-Laure Couchepin Vouilloz von der FDP der Stadt als Präsidentin vor. Sie wurde auch für die Legislaturperiode 2025–2028 bestätigt.[11]
Die Legislative ist der Conseil général mit 60 Mitgliedern. Für die Legislaturperiode 2025–2028 verfügt die FDP über 27 Sitze, Die Mitte über 16 Sitze, die Sozialistische Partei über 9 Sitze und die SVP über 8 Sitze.[12]
Neben der politischen Gemeinde besteht eine Burgergemeinde, die Bourgeoisie de Martigny. Sie verwaltet eigenes Vermögen, Grundstücke und historische Rechte.
Martigny arbeitet in den Bereichen Raumplanung, öffentlicher Verkehr, Energie, Schule, Kultur, Sicherheit und Wirtschaftsförderung eng mit den umliegenden Gemeinden zusammen. Als regionales Zentrum beherbergt die Stadt verschiedene Bezirks- und Kantonsstellen.
Wirtschaft
Martigny ist das wichtigste Wirtschafts- und Dienstleistungszentrum des westlichen Mittelwallis. Der Einzugsbereich umfasst das Rhoneknie, das Val d’Entremont, das Val de Bagnes, das Trienttal und Teile des Bezirks Saint-Maurice.
Der Dienstleistungssektor stellt den grössten Teil der Arbeitsplätze. Bedeutend sind Detailhandel, Gesundheitswesen, Bildung, Tourismus, Gastronomie, Finanzdienstleistungen, Verwaltung, Bauwesen und Unternehmensdienstleistungen. Industrie- und Gewerbezonen befinden sich vor allem in der Rhoneebene und entlang der Verkehrsachsen.
Die Landwirtschaft bleibt in den Ortsteilen Charrat und La Bâtiaz sichtbar. Angebaut werden vor allem Wein, Aprikosen, Birnen, Äpfel, Beeren, Gemüse und Getreide. Martigny ist zudem ein Zentrum der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.
Zu den bekannten Unternehmen der Stadt gehört die 1889 gegründete Distillerie Morand. Sie produziert Obstbrände, Liköre und Sirupe. Besonders bekannt sind der Birnenbrand Williamine und der aus Walliser Aprikosen hergestellte Abricotine.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Forschung und Technologie. Das 1991 gegründete Idiap Research Institute ist eine unabhängige, nicht gewinnorientierte Forschungseinrichtung mit Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz. Zu seinen Arbeitsgebieten gehören maschinelles Lernen, Sprach- und Bilderkennung, Robotik, Biometrie und Mensch-Maschine-Interaktion.[13]
Das Centre d’Expositions et de Réunions de Martigny, kurz CERM, dient als Messe-, Kongress- und Veranstaltungszentrum. Dort findet unter anderem die jährlich durchgeführte Foire du Valais statt, eine der grössten Publikums- und Wirtschaftsmessen der Westschweiz.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Martigny liegt an der Simplonstrecke Lausanne–Brig. Er wird von InterRegio- und Regionalzügen bedient und bietet direkte Verbindungen in Richtung Sitten, Visp, Brig, Montreux, Lausanne, Genf und Genf Flughafen.
Martigny ist Ausgangspunkt zweier regionaler Schmalspurbahnen. Der Mont-Blanc Express verkehrt durch das Trienttal über Salvan, Les Marécottes, Finhaut und Le Châtelard zur französischen Grenze. Von dort führen französische Züge über Vallorcine und Chamonix bis Saint-Gervais-les-Bains.
Der Saint-Bernard Express verbindet Martigny mit Sembrancher. Dort verzweigt sich die Strecke nach Orsières und nach Le Châble im Val de Bagnes. Le Châble dient als Talstation für die Weiterreise nach Verbier. Von Orsières bestehen Busverbindungen zum Grossen Sankt Bernhard, nach Champex-Lac, La Fouly und ins Val Ferret.[14]
Auf dem Gemeindegebiet befinden sich neben dem Hauptbahnhof mehrere Haltestellen der Regionalbahnen, darunter Martigny-Bourg und Martigny-Ville.
Busverkehr
Die Transports de Martigny et Régions betreiben Stadt- und Regionalbuslinien. Die städtischen Linien verbinden den Bahnhof mit Martigny-Bourg, Martigny-Croix, Le Guercet, den Finettes und weiteren Quartieren. Regionale Busse verkehren unter anderem nach Aosta, zum Grossen Sankt Bernhard sowie in die umliegenden Täler.[15]
Strassenverkehr
Martigny ist ein wichtiger Strassenknoten. Die Autobahn A9 verbindet die Stadt mit Lausanne, Montreux, Sitten und Brig. Die Hauptstrasse 21 führt durch das Val d’Entremont zum Grossen Sankt Bernhard und weiter nach Aosta. Die Hauptstrasse 203 verläuft über den Col de la Forclaz nach Chamonix.
Die Lage an den internationalen Nord-Süd- und West-Ost-Verbindungen führt zu einem hohen Verkehrsaufkommen. Die Stadt fördert deshalb den öffentlichen Verkehr, den Veloverkehr und die Aufwertung der Strassenräume für Fussgänger.
Bildung und Forschung
Martigny verfügt über mehrere Primarschulen, Orientierungsschulen und Einrichtungen der beruflichen Bildung. Zu den Bildungsstandorten gehören die Schulzentren von Martigny-Ville, Martigny-Bourg, La Bâtiaz und Charrat.
In der Stadt befindet sich die Hotelfachschule Vatel Switzerland. Sie bietet international ausgerichtete Ausbildungen im Hotel- und Tourismusmanagement an. Daneben bestehen verschiedene private und kantonale Bildungsangebote.
Das Idiap Research Institute arbeitet mit der École polytechnique fédérale de Lausanne, Schweizer Hochschulen und internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Die Präsenz des Instituts hat zur Entwicklung eines lokalen Netzwerks aus Forschungsgruppen, Start-ups und Technologieunternehmen beigetragen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Römisches Martigny
Die archäologischen Überreste von Forum Claudii Vallensium gehören zu den bedeutendsten römischen Fundstätten der Schweiz. Sichtbar oder zugänglich sind unter anderem das Amphitheater, die Überreste des Forums, Thermen, Tempelanlagen und römische Wohnhäuser.
Das Amphitheater wurde zu Beginn des 2. Jahrhunderts errichtet und konnte ungefähr 5'000 Besucher aufnehmen. Heute wird es für kulturelle Veranstaltungen, Freiluftkino und traditionelle Ringkuhkämpfe genutzt.[4]
Die archäologischen Funde werden teilweise im gallorömischen Museum der Fondation Pierre Gianadda präsentiert. Ein archäologischer Rundgang verbindet mehrere Fundstellen im Stadtgebiet.
Fondation Pierre Gianadda
Die Fondation Pierre Gianadda wurde 1978 von Léonard Gianadda zum Gedenken an seinen bei einem Flugzeugunglück verstorbenen Bruder Pierre eröffnet. Der Bau entstand über den Resten eines gallorömischen Tempels.
Die Stiftung veranstaltet international beachtete Kunstausstellungen und Konzerte. Zur Anlage gehören ein gallorömisches Museum, ein Automobilmuseum, ein Skulpturenpark und verschiedene permanente Kunstsammlungen. Seit ihrer Eröffnung verzeichnete die Fondation Pierre Gianadda mehr als zehn Millionen Besucher.[16]
Château de la Bâtiaz
Das Château de la Bâtiaz steht auf einem Felssporn westlich des Stadtzentrums. Die im 13. Jahrhundert errichtete Burg besteht aus Ringmauern, Wohn- und Wirtschaftsbauten sowie einem mächtigen Rundturm. Von dessen Plattform bietet sich ein weiter Blick über Martigny, das Rhoneknie und die umliegenden Berge.
Auf dem Burggelände werden mittelalterliche Belagerungsmaschinen gezeigt. Die Anlage dient zudem als Veranstaltungsort und beherbergt während der Besuchssaison eine Taverne.[5]
Historische Quartiere
Martigny-Bourg besitzt einen historischen Strassenzug mit traditionellen Wohnhäusern, Gasthöfen, Geschäften und Laubengängen. Die Rue du Bourg folgt einer alten Verkehrsroute in Richtung Grosser Sankt Bernhard. Zu den bemerkenswerten Gebäuden gehören das ehemalige Rathaus von Martigny-Bourg und die Kirche Notre-Dame-de-la-Visitation.
La Bâtiaz entwickelte sich am Fuss der Burg und bewahrte Teile seines dörflichen Charakters. Ein gedeckter Steinbogenübergang über die Dranse erinnert an die historische Bedeutung der Verkehrswege zwischen dem Stadtzentrum und dem Burgquartier.
In Martigny-Ville bilden die Place Centrale und die Avenue de la Gare den städtischen Mittelpunkt. Die von Platanen gesäumte Place Centrale ist von Restaurants, Cafés und Geschäftshäusern umgeben.
Museen und Kulturhäuser
Das Manoir de la Ville de Martigny ist ein kommunales Zentrum für zeitgenössische Kunst. Es zeigt wechselnde Ausstellungen und organisiert kulturelle Vermittlungsprogramme. Die Médiathèque Valais – Martigny bewahrt Fotografien, audiovisuelle Medien, Plakate und weitere Dokumente zum kulturellen Erbe des Wallis.
Weitere Einrichtungen sind das Musée des sciences de la Terre, die Fondation Louis Moret, das Théâtre du Martolet und die Maison de la musique. Zusammen mit der Fondation Pierre Gianadda bilden sie ein für eine Stadt dieser Grösse aussergewöhnlich dichtes kulturelles Angebot.
Barryland
Barryland ist ein Erlebnis- und Begegnungszentrum, das der Geschichte und Gegenwart der Bernhardiner gewidmet ist. Die neue Anlage wurde im Sommer 2025 in der Nähe des römischen Amphitheaters und der Fondation Pierre Gianadda eröffnet.
Das Zentrum verbindet eine Ausstellung über den Grossen Sankt Bernhard und die Geschichte der Rettungshunde mit der Zucht und Haltung lebender Bernhardiner. Die Besucher können die Tiere beobachten und sich über ihre Pflege, Ausbildung und gesellschaftliche Bedeutung informieren.[17]
Veranstaltungen
Die Foire du Valais findet jährlich im Herbst auf dem Gelände des CERM statt. Sie verbindet eine Publikumsmesse mit Wirtschaftsveranstaltungen, Gastronomie, Konzerten und gesellschaftlichen Anlässen. Mit rund 230'000 Besuchern gehört sie zu den grössten regelmässigen Veranstaltungen im Kanton Wallis.[18]
Weitere wiederkehrende Veranstaltungen sind das Festival des 5 Continents, der Carnaval du Bourg, die Foire au Lard, Wochenmärkte, Weinveranstaltungen, Konzerte sowie Sport- und Kulturveranstaltungen im römischen Amphitheater.
Die traditionellen Ringkuhkämpfe mit Eringerkühen sind eng mit der Walliser Kultur verbunden. Einzelne Wettkämpfe und Vorführungen finden im Amphitheater oder auf anderen Veranstaltungsflächen in Martigny statt.
Wappen
Das Wappen von Martigny zeigt auf rotem Grund einen aufgerichteten silbernen Löwen mit gespaltenem und gekreuztem Schwanz. Der Löwe hält in seinen Vorderpranken einen goldenen Hammer.
Die Blasonierung lautet: In Rot ein silberner Löwe mit gespaltenem und gekreuztem Schwanz, einen goldenen Hammer haltend.[19]
Persönlichkeiten
- Pascal Couchepin (geboren 1942), Politiker und Mitglied des Schweizer Bundesrates
- Léonard Gianadda (1935–2023), Ingenieur, Unternehmer, Journalist und Mäzen
- Pierre Gianadda (1938–1976), Ingenieur, nach dem die Fondation Pierre Gianadda benannt ist
- François Couchepin (1935–2023), Jurist und Bundeskanzler
- Benjamin Roduit (geboren 1962), Politiker
- Noémie Schmidt (geboren 1990), Schauspielerin
- Sébastien Reichenbach (geboren 1989), Radrennfahrer
Literatur
- Louis Blondel: Le château de la Bâtiaz. In: Vallesia, Band 5, 1950.
- François Wiblé: Martigny-la-Romaine. Fondation Pierre Gianadda, Martigny.
- Anouk Crozzoli und Joanna Vanay: Noces d’or d’un mariage de raison. Martigny-Ville und Martigny-Bourg 1964–2014. Martigny 2014.
- Bernard Truffer: Martigny. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Martigny
- Martigny Tourismus
- Martigny. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
- Fondation Pierre Gianadda
- Transports de Martigny et Régions
- Barryland
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 La Ville en chiffres, Stadt Martigny, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Octodurus, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Forum Claudii Vallensium, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Amphithéâtre romain, Martigny Tourisme, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Bâtiaz Castle, Martigny Tourisme, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ A la découverte de la Bâtiaz, Kanton Wallis, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Bâtiaz, La, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Unser Unternehmen, Transports de Martigny et Régions, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Martigny, 50 ans d’une fusion-passion, Stadt Martigny, 2014.
- ↑ Budget 2021 der Stadt Martigny, Stadt Martigny, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Autorités, Stadt Martigny, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Conseil général, Stadt Martigny, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Missions & Values, Idiap Research Institute, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Mobilität, Transports de Martigny et Régions, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Unsere Fahrpläne, Transports de Martigny et Régions, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Pierre Gianadda Foundation, Martigny Tourisme, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Barryland, Fondation Barry, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Martigny Région, Martigny Tourisme, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Wappen von Martigny, Wikimedia Commons, abgerufen am 6. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Martigny