Glattal

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Glattal bezeichnet eine Landschafts- und Siedlungsregion im Kanton Zürich. Sie erstreckt sich entlang der Glatt vom Greifensee in nordwestlicher Richtung über Dübendorf, Wallisellen, Opfikon und Kloten bis in das Zürcher Unterland. Das Glattal gehört zur Metropolregion Zürich und ist einer der bedeutendsten Wohn-, Wirtschafts- und Verkehrsräume der Schweiz.

Die Bezeichnung wird nicht immer einheitlich verwendet. Im geografischen Sinn umfasst das Glattal das Tal und das Einzugsgebiet der Glatt. Im engeren wirtschaftlichen und raumplanerischen Sinn bezeichnet es vor allem die stark urbanisierte Region zwischen dem Greifensee, der Stadt Zürich und dem Flughafen Zürich. Die Zürcher Planungsgruppe Glattal definiert darüber hinaus eine aus 14 politischen Gemeinden bestehende Planungsregion.

Geografie

Das Glattal liegt nordöstlich der Stadt Zürich. Sein landschaftliches Rückgrat bildet die Glatt, die den Greifensee bei Schwerzenbach verlässt und danach in weitgehend nordwestlicher Richtung durch den Kanton Zürich fliesst. Der Fluss durchquert oder berührt unter anderem die Gemeinden Dübendorf, Wallisellen, Opfikon, Kloten, Rümlang und Oberglatt. Weiter nördlich fliesst er über Niederglatt und Glattfelden dem Rhein zu.

Der südöstliche Teil des Glattals wird durch den Greifensee und die ihn umgebenden Hügelzüge geprägt. Im Westen grenzt die Region an das Gebiet der Stadt Zürich, im Norden geht sie in das Zürcher Unterland über. Nach Osten bestehen fliessende Übergänge zum Zürcher Oberland und zum Raum Winterthur.

Das Tal ist über weite Strecken relativ flach. Diese topografischen Voraussetzungen begünstigten den Bau von Verkehrswegen, Industrieanlagen, Wohnquartieren und grossen Infrastruktureinrichtungen. Gleichzeitig sind zwischen den Siedlungsgebieten landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wälder, Gewässerräume und Naturschutzgebiete erhalten geblieben.

Abgrenzung

Eine allgemein verbindliche geografische Grenze des Glattals besteht nicht. Je nach Zusammenhang werden unterschiedliche Gemeinden zur Region gezählt. Zum engeren urbanen Glattal gehören insbesondere Dübendorf, Wallisellen, Dietlikon, Wangen-Brüttisellen, Opfikon, Kloten, Bassersdorf und Rümlang.

Die Zürcher Planungsgruppe Glattal umfasst die 14 politischen Gemeinden:

Diese Gemeinden bilden einen regionalen Planungsverband nach dem Zürcher Planungs- und Baugesetz. Die Planungsregion ist damit weiter gefasst als das eigentliche Tal der Glatt. So liegen beispielsweise Teile der Gemeinden Maur und Fällanden am Greifensee und an den angrenzenden Hängen.

Die Gemeinden Bassersdorf, Dietlikon, Dübendorf, Kloten, Opfikon, Rümlang, Wallisellen und Wangen-Brüttisellen arbeiten zudem unter der Bezeichnung «glow. das Glattal» zusammen. Dieser Zusammenschluss dient insbesondere der gemeinsamen Standortentwicklung und der gemeindeübergreifenden Koordination.

Geschichte

Das Glattal war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Am Greifensee und in dessen Umgebung wurden Spuren früher Siedlungen entdeckt. Während der römischen Zeit lag die Region im Einflussbereich der Verkehrswege und Siedlungen rund um Turicum, das heutige Zürich.

Im Mittelalter entstanden entlang der Gewässer und Verkehrsverbindungen zahlreiche Dörfer. Landwirtschaft, Viehzucht und die Nutzung der Wasserkraft prägten die lokale Wirtschaft. Die Glatt und ihre Zuflüsse dienten dem Betrieb von Mühlen und anderen gewerblichen Anlagen. Wiederkehrende Überschwemmungen beeinträchtigten jedoch die landwirtschaftliche Nutzung und die Siedlungen.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Glatt in mehreren Abschnitten korrigiert, begradigt und eingedämmt. Die Gewässerkorrektionen verbesserten den Hochwasserschutz und ermöglichten eine intensivere Nutzung der Talebene. Gleichzeitig gingen natürliche Flussläufe, Feuchtgebiete und Auenlandschaften verloren.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinien im 19. Jahrhundert begann eine stärkere Industrialisierung. Dübendorf, Wallisellen, Kloten und weitere Gemeinden entwickelten sich zu bedeutenden Gewerbe- und Industriestandorten. Die Nähe zu Zürich beschleunigte das Bevölkerungswachstum und führte zur Entstehung neuer Wohnquartiere.

Einen entscheidenden Entwicklungsschub brachte der 1948 eröffnete Flughafen Zürich bei Kloten. In seinem Umfeld siedelten sich Unternehmen aus der Luftfahrt, Logistik, Hotellerie, Gastronomie und zahlreichen Dienstleistungsbranchen an. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich das Glattal von einer überwiegend ländlichen Landschaft zu einem dicht besiedelten Teil der Agglomeration Zürich.

Bevölkerung und Siedlungsentwicklung

Das Glattal gehört zu den dynamischsten Wachstumsräumen des Kantons Zürich. Besonders stark entwickelten sich die Gemeinden in der Nähe der Stadt Zürich, des Flughafens und der grossen Verkehrsachsen. Frühere Dörfer wurden zu städtisch geprägten Gemeinden, deren Siedlungsgebiete teilweise nahezu zusammengewachsen sind.

Dübendorf, Kloten und Opfikon besitzen den Status einer Stadt. Auch Wallisellen, Volketswil und andere Gemeinden weisen dichte Wohn- und Arbeitsplatzgebiete auf. Zwischen Zürich-Oerlikon, Glattbrugg, Wallisellen und Dübendorf ist ein zusammenhängender urbaner Raum entstanden, der sich nur noch teilweise an den politischen Gemeindegrenzen erkennen lässt.

Die starke Bautätigkeit führte zu einer erheblichen Nachfrage nach Wohnungen, Schulraum, öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsinfrastruktur. Gleichzeitig bemühen sich Kanton und Gemeinden, die Siedlungsentwicklung auf bereits erschlossene Gebiete zu konzentrieren und zusammenhängende Landschaftsräume zu erhalten.

Das Glattal ist durch eine international zusammengesetzte Bevölkerung geprägt. Dazu tragen die Nähe zum Flughafen, die zahlreichen internationalen Unternehmen sowie die gute Erreichbarkeit der Stadt Zürich bei.

Wirtschaft

Die Region ist einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte des Kantons Zürich. Zu den bedeutenden Branchen gehören Luftverkehr, Logistik, Informations- und Kommunikationstechnologie, Finanzdienstleistungen, Detailhandel, Maschinenbau, Forschung und weitere unternehmensbezogene Dienstleistungen.

Der Flughafen Zürich ist der grösste internationale Flughafen der Schweiz und einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Rund um den Flughafen entstanden grosse Geschäfts-, Hotel- und Dienstleistungszentren. Dazu gehören das Gebiet am Balsberg, das Zentrum von Glattbrugg und die unmittelbar beim Flughafen gelegenen Büro- und Gewerbezonen.

In Wallisellen, Opfikon und Dübendorf befinden sich Niederlassungen zahlreicher schweizerischer und internationaler Unternehmen. Das Einkaufszentrum Glattzentrum in Wallisellen zählt zu den grössten Einkaufszentren der Schweiz. In Volketswil und Dietlikon entstanden ebenfalls ausgedehnte Gewerbe- und Einkaufsgebiete.

Dübendorf ist zudem ein bedeutender Forschungsstandort. Auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes und in dessen Umgebung befinden sich Einrichtungen der Empa, der Eawag und weitere Forschungs- und Innovationsprojekte. Die künftige Nutzung des Flugplatzareals ist Gegenstand langfristiger Planungen.

Verkehr

Das Glattal ist durch seine Lage zwischen der Stadt Zürich, dem Flughafen Zürich, Winterthur und dem Zürcher Oberland ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Mehrere Autobahnen, Hauptstrassen und Eisenbahnlinien durchqueren die Region.

Die Autobahn A1 verbindet das Glattal mit Zürich, Winterthur, der Ostschweiz und der übrigen Schweiz. Bei Wallisellen, Opfikon und Kloten bestehen Verbindungen zu weiteren Autobahnabschnitten und wichtigen Zufahrtsstrassen. Die hohe Verkehrsdichte führt besonders zu den Hauptverkehrszeiten regelmässig zu Belastungen des Strassennetzes.

Mehrere Linien der S-Bahn Zürich erschliessen die Region. Bedeutende Bahnhöfe befinden sich unter anderem in Dübendorf, Wallisellen, Stettbach, Dietlikon, Kloten, Glattbrugg, Opfikon, Schwerzenbach und am Flughafen Zürich. Der Bahnhof Zürich Flughafen bietet direkte Fernverkehrsverbindungen in zahlreiche Teile der Schweiz.

Die zwischen 2006 und 2010 etappenweise eröffnete Glattalbahn verbesserte die Feinerschliessung des dicht bebauten Gebiets. Sie verbindet Zürich-Oerlikon über Glattpark, Glattbrugg und den Balsberg mit dem Flughafen Zürich. Eine weitere Strecke führt von Zürich-Oerlikon über Wallisellen zum Bahnhof Stettbach. Die Glattalbahn wird in das Zürcher Tram- und Verkehrsnetz integriert betrieben.

Neben Bahn, Tram und Bus gewinnt der Veloverkehr an Bedeutung. Kanton und Gemeinden planen durchgehende Veloverbindungen zwischen der Stadt Zürich, den Arbeitsplatzgebieten, den Bahnhöfen und dem Flughafen. Entlang der Glatt bestehen abschnittsweise beliebte Fuss- und Velowege.

Natur und Landschaft

Trotz der dichten Besiedlung besitzt das Glattal bedeutende Natur- und Erholungsräume. Der Greifensee mit seinen Uferlandschaften, Riedflächen und Schutzgebieten bildet eines der wichtigsten Naherholungsgebiete der Region. Er ist Lebensraum zahlreicher Vogel-, Fisch- und Pflanzenarten.

Auch der Flussraum der Glatt erfüllt eine wichtige ökologische Funktion. Die früher stark begradigte Glatt soll an geeigneten Stellen naturnäher gestaltet werden. Revitalisierungsprojekte dienen der Verbesserung der Lebensräume, dem Hochwasserschutz und der Aufwertung des Flusses als Erholungsraum.

Zu den weiteren Landschaftselementen gehören Wälder, Moränenhügel, Landwirtschaftsflächen und kleinere Bäche. Diese Gebiete bilden ökologische Verbindungen zwischen dem Greifensee, dem Zürcher Oberland, dem Flughafenraum und dem Unterland.

Das Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsflächen stellt die Landschaftsplanung vor grosse Herausforderungen. Besonders im Umfeld des Flughafens müssen wirtschaftliche Interessen, Lärmschutz, Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Biodiversität und Erholungsnutzung aufeinander abgestimmt werden.

Raumplanung

Die gemeindeübergreifende Planung besitzt im Glattal eine besondere Bedeutung, da Siedlungs- und Verkehrsgebiete über die politischen Grenzen hinaus zusammengewachsen sind. Die Zürcher Planungsgruppe Glattal erarbeitet regionale Grundlagen und wirkt am regionalen Richtplan mit.

Zu den zentralen Themen gehören die Abstimmung von Siedlung und Verkehr, die Entwicklung der Arbeitsplatzgebiete, die Erhaltung von Freiräumen, die Förderung des öffentlichen Verkehrs sowie die Planung von Fuss- und Veloverbindungen. Ein weiteres Ziel besteht darin, das Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum auf gut erschlossene Gebiete zu konzentrieren.

Im Flughafenraum arbeiten der Kanton Zürich, die betroffenen Gemeinden, die Stadt Zürich und die Flughafen Zürich AG an gemeinsamen Entwicklungskonzepten. Die sogenannte Airport-Region erstreckt sich insbesondere über Teile von Kloten, Opfikon, Rümlang und Zürich. Aufgrund ihrer grossen Zahl an Arbeitsplätzen, Verkehrsverbindungen und Entwicklungsflächen besitzt sie kantonale und nationale Bedeutung.

Kultur und Freizeit

Das Glattal verfügt über ein vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot. Historische Ortskerne, lokale Museen, Kulturhäuser und Veranstaltungsräume stehen neben modernen Einkaufs-, Sport- und Freizeitanlagen.

Zu den bekannten historischen Orten zählt das Städtchen Greifensee mit seinem Schloss und seinem weitgehend erhaltenen Ortsbild. In Dübendorf befindet sich das Flieger-Flab-Museum, das sich der Geschichte der schweizerischen Militäraviatik und Fliegerabwehr widmet.

Der Greifensee, die Wege entlang der Glatt und die umliegenden Wälder werden zum Wandern, Velofahren, Joggen und zur Naturbeobachtung genutzt. Ergänzt wird das Angebot durch Hallen- und Freibäder, Sportzentren, Eissportanlagen und zahlreiche Vereine.

Bedeutung

Das Glattal verbindet mehrere für die Schweiz bedeutende Funktionen. Es ist Wohnregion, Wirtschaftsstandort, Verkehrsdrehscheibe, Flughafenregion und Forschungsraum. Seine Entwicklung steht beispielhaft für den Wandel ehemaliger Dörfer und Landwirtschaftsgebiete zu einer urbanen Netzstadt.

Die Region ist eng mit Zürich verflochten, besitzt jedoch eigene Zentren und lokale Identitäten. Die künftige Entwicklung wird wesentlich davon abhängen, wie das weitere Wachstum mit leistungsfähigen Verkehrssystemen, bezahlbarem Wohnraum, hochwertigen Freiräumen und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verbunden werden kann.

Siehe auch

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