Geschichte des Kantons Nidwalden: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 30. Juli 2026, 21:11 Uhr

Geschichte des Kantons Nidwalden
Historischer Name Unterwalden nid dem Wald
Hauptort Stans
Erste Siedlungsspuren Jungsteinzeit, etwa 4000–3100 v. Chr.
Ausbildung des Landorts schrittweise seit dem 14. Jahrhundert
Teil von Unterwalden zusammen mit Obwalden
Franzosenkrieg 9. September 1798
Beitritt zum Bundesstaat 1848
Heutige Kantonsverfassung 10. Oktober 1965
Abschaffung der Landsgemeinde 1996

Die Geschichte des Kantons Nidwalden umfasst die Entwicklung des Gebietes zwischen Vierwaldstättersee, Pilatus, Stanserhorn, Buochserhorn und den nördlichen Ausläufern der Urner Alpen. Der heutige Kanton Nidwalden entstand nicht durch eine einmalige Gründung oder eine klar belegte Teilung Unterwaldens, sondern entwickelte sich während des späten Mittelalters schrittweise zu einem eigenständigen eidgenössischen Landort.

Zusammen mit Obwalden bildete Nidwalden den historischen Stand Unterwalden. Beide Landorte verfügten jedoch über eigene politische Institutionen, eigene Landsgemeinden und unterschiedliche territoriale Interessen. In der Alten Eidgenossenschaft teilten sie sich eine Standesstimme. Bis zum Inkrafttreten der Bundesverfassung von 1999 wurden sie offiziell als Halbkantone bezeichnet. Seither gilt Nidwalden staatsrechtlich als Kanton, besitzt jedoch weiterhin nur eine halbe Kantonsstimme bei eidgenössischen Verfassungsabstimmungen und einen Sitz im Ständerat.[1]

Die Geschichte Nidwaldens wurde über Jahrhunderte von Vieh- und Alpwirtschaft, genossenschaftlicher Bodennutzung, katholischer Kultur, direkter Demokratie und einer starken lokalen Identität geprägt. Zu den einschneidendsten Ereignissen zählen die Entstehung des Landorts im 14. Jahrhundert, die konfessionellen Auseinandersetzungen der frühen Neuzeit, der Franzosenkrieg von 1798, der Widerstand gegen die eidgenössische Neuordnung von 1815, der Sonderbundskrieg sowie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung des 20. Jahrhunderts.[2]

Urgeschichte und Altertum

Jungsteinzeit und Bronzezeit

Die ältesten bekannten Spuren menschlicher Anwesenheit im heutigen Kantonsgebiet stammen aus der Jungsteinzeit. Bei Kehrsiten in der Gemeinde Stansstad wurden Überreste einer Seeufersiedlung entdeckt, die ungefähr zwischen 4000 und 3100 v. Chr. bewohnt war. Die Lage am Vierwaldstättersee ermöglichte Fischfang, Jagd, Landwirtschaft und den Verkehr auf dem Wasser.

Eine weitere jungsteinzeitliche Siedlung befand sich bei der sogenannten Loppburg oberhalb von Stansstad. Der strategisch gelegene Platz wurde auch während der späten Bronzezeit zwischen etwa 1400 und 1100 v. Chr. genutzt. Weitere bronzezeitliche Fundstellen sind vom Renggpass bei Hergiswil und von der Rotzburg bei Ennetmoos bekannt.[2]

Die archäologischen Funde zeigen, dass bereits früh Wege zwischen dem Vierwaldstättersee, dem Luzerner Raum, dem Brüniggebiet und den inneralpinen Tälern bestanden. Eine dichte oder politisch organisierte Besiedlung lässt sich für diese frühe Epoche jedoch nicht nachweisen.

Keltische und römische Zeit

Aus der Eisenzeit sind im Vergleich zu anderen Regionen der Schweiz nur wenige Funde erhalten. Ein in Stans entdecktes Grab eines Kindes wird der Latènezeit zugerechnet. Keltische Orts- und Flurnamen weisen darauf hin, dass Teile des Tales bereits vor der römischen Herrschaft dauerhaft oder saisonal genutzt wurden.

Während der römischen Epoche lag das Gebiet abseits der grossen städtischen Zentren, war aber über regionale Verkehrswege mit dem Mittelland und den Alpenpässen verbunden. Brandgräber in Buochs und Oberdorf belegen eine gallorömische Bevölkerung während der ersten Jahrhunderte nach Christus. Orts- und Geländenamen mit lateinischen Wurzeln lassen vermuten, dass die Bevölkerung nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches nicht vollständig verschwand.[2]

Eine römische Stadt bestand im heutigen Nidwalden nicht. Die Siedlungsstruktur setzte sich vermutlich aus kleineren Höfen, Weidegebieten und Stationen an lokalen Verkehrswegen zusammen.

Frühmittelalter

Alemannische Einwanderung

Ab dem 8. Jahrhundert wanderten alemannischsprachige Bevölkerungsgruppen in das Gebiet ein. Die Einwanderung verlief nicht als plötzliche Verdrängung der romanisierten Bevölkerung, sondern als länger dauernder Prozess. Romanische und alemannische Ortsnamen bestanden nebeneinander und zeugen von der kulturellen Vermischung.

Die alemannischen Siedler liessen sich zunächst bevorzugt in tieferen und landwirtschaftlich günstigen Gebieten nieder. Die höher gelegenen Täler, Alpen und Rodungsflächen wurden erst im Verlauf des Hochmittelalters intensiver erschlossen.

Das Christentum war bereits vor der alemannischen Einwanderung bekannt, wurde im Frühmittelalter jedoch durch die kirchliche Organisation und die Tätigkeit von Klöstern gefestigt. Nidwalden gehörte kirchlich bis 1815 zum Bistum Konstanz. Später wurde es dem Bistum Chur zugeteilt.[3]

Grundherrschaften und Klöster

Im Hochmittelalter verfügten verschiedene geistliche und weltliche Herrschaften über Besitz und Rechte im Tal. Von besonderer Bedeutung waren die Klöster Murbach-Luzern und Engelberg. Daneben besassen Beromünster, Muri und weitere kirchliche Einrichtungen einzelne Güter.

Die Grundherren überliessen Bauern Höfe gegen Abgaben und Dienste. Ihre Rechte umfassten nicht nur Grundeigentum, sondern teilweise auch Gerichtsbarkeit, Abgaben, Nutzungsrechte und die Einsetzung lokaler Verwalter. Weltliche Adelsfamilien übten im Auftrag grösserer Herrschaften Vogteirechte aus.

Im 13. Jahrhundert gingen zahlreiche kleinere Adelsbesitzungen durch Verkauf, Schenkung oder Tausch an die Klöster über. Als bedeutende Herrschaftsträger verblieben insbesondere das Kloster Engelberg, das Kloster Murbach-Luzern und das Haus Habsburg.

Entstehung von Unterwalden

Bedeutung des Namens

Die Bezeichnung Unterwalden ist älter als die Namen Obwalden und Nidwalden. Sie erschien im 12. Jahrhundert in der lateinischen Form inter silvas, was ungefähr «zwischen den Wäldern» oder «im Wald gelegen» bedeutete. Zunächst bezeichnete der Ausdruck klösterliche Besitzungen und später einen rechtlich-geografischen Raum.

Der namensgebende Wald wird gewöhnlich mit dem Kernwald zwischen dem Sarner und dem Stanser Tal in Verbindung gebracht. Aus der Perspektive der mittelalterlichen Verkehrswege lag Obwalden oberhalb und Nidwalden unterhalb beziehungsweise nördlich dieses Waldgebietes.

Unterwalden war ursprünglich kein einheitlicher Kanton mit gemeinsamen Behörden. Der Begriff bezeichnete vielmehr unterschiedliche Herrschaftsrechte in den beiden Tälern, die zeitweise unter einer gemeinsamen reichsvogteilichen Ordnung zusammengefasst wurden.[1]

Habsburgische Herrschaftsrechte

König Rudolf I. von Habsburg erwarb 1291 die Besitzungen des Klosters Murbach-Luzern in den Tälern von Ob- und Nidwalden. Dazu gehörten insbesondere grundherrliche Rechte über die Klosterhöfe von Stans, Alpnach und Giswil.

Zusammen mit Vogteirechten über weitere Klöster entstand damit ein habsburgischer Herrschaftsanspruch über grosse Teile Unterwaldens. Die tatsächliche Kontrolle blieb jedoch begrenzt. Lokale Dienstadlige, bäuerliche Führungsschichten und genossenschaftliche Organisationen verfügten weiterhin über beträchtliche Handlungsspielräume.

Nach dem Tod König Albrechts I. fasste König Heinrich VII. die Reichsrechte 1309 unter der Bezeichnung Unterwalden zusammen, bestätigte die Reichsfreiheit und gliederte den Raum in die Reichsvogtei Waldstätte ein. Diese Massnahme richtete sich politisch gegen die Habsburger. Unterwalden war dabei noch keine selbstständige Gemeinde und kein moderner Staat.[1]

Verhältnis zum Bundesbrief von 1291

Der Bundesbrief von 1291 nennt neben Uri und Schwyz eine Gemeinschaft «der Leute des unteren Tales». Die genaue Zuordnung dieser Formulierung und die politische Organisation Unterwaldens zu diesem Zeitpunkt sind in der historischen Forschung umstritten.

Die spätere Tradition betrachtete Unterwalden zusammen mit Uri und Schwyz als einen der drei Gründungsorte der Eidgenossenschaft. Die Entstehung selbstständiger politischer Institutionen in Nidwalden lässt sich jedoch erst für das 14. Jahrhundert eindeutig nachweisen. Die Vorstellung eines bereits 1291 vollständig organisierten Kantons entspricht daher eher der späteren eidgenössischen Erinnerungskultur als den nachweisbaren mittelalterlichen Verhältnissen.

Ausbildung des Landorts Nidwalden

Nach dem Niedergang der Reichsvogtei Waldstätte und dem Rückzug der habsburgischen Herrschaft entwickelten sich Obwalden und Nidwalden seit den 1330er-Jahren zunehmend selbstständig. Beide Landorte integrierten sich in das Bündnissystem der entstehenden Alten Eidgenossenschaft, ohne einen gemeinsamen Staat zu bilden.

Eine wichtige Grundlage der politischen Organisation waren die Ürten. Dabei handelte es sich um örtliche Genossenschaften, die gemeinschaftlich genutzte Wälder, Alpen, Weiden, Wege und Gewässer verwalteten. Sie legten fest, wer Nutzungsrechte besass, wie viele Tiere aufgetrieben werden durften und wer als neuer Dorfgenosse aufgenommen wurde.

Im Zuge der zunehmenden Grossviehhaltung und des Käseexports gewannen die Ürten an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Sie entwickelten sich zu Vorläufern der späteren Gemeinden und blieben bis ins 19. Jahrhundert tragende Elemente der Nidwaldner Staatsordnung.[2]

Im Jahr 1382 wurden mehrere Dienstadelsfamilien aus Nidwalden verbannt. Damit verlor die traditionelle adelige Führungsschicht entscheidend an Einfluss. Wohlhabende Grossbauern und Vertreter der Ürten übernahmen zunehmend die politische Leitung.

Seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert sind zentrale kantonale Institutionen in den Quellen belegt. Ein Rat und eine Landsgemeinde erscheinen ab 1398. Ein aus Vertretern der Ürten zusammengesetztes Neunergericht ist seit 1389, ein Elfergericht seit 1400 nachweisbar. Im Jahr 1417 erhielt der Landort den Blutbann und damit das Recht, über schwere Verbrechen bis hin zur Todesstrafe zu urteilen.[2]

Im 15. Jahrhundert erweiterte Nidwalden seine Nutzungs- und Herrschaftsrechte im Titlisgebiet auf Kosten des Klosters Engelberg. Gemeinsam mit Uri und Schwyz beteiligte es sich zudem an der eidgenössischen Expansion südlich der Alpen. Einnahmen aus Untertanengebieten, Soldbündnissen und französischen Pensionen stärkten im 16. Jahrhundert den noch jungen Landort.

Nidwalden in der Alten Eidgenossenschaft

Gemeinsame Standesstimme mit Obwalden

Obwohl Nidwalden und Obwalden eigene Landsgemeinden, Gerichte und Räte besassen, erschienen sie in eidgenössischen Bündnissen als gemeinsamer Stand Unterwalden. An der Tagsatzung verfügten sie zusammen über eine einzige Stimme.

Die Gesandten wurden abwechselnd von den beiden Landorten gestellt oder mussten sich auf eine gemeinsame Haltung einigen. Diese Regelung führte regelmässig zu Konflikten über die Verteilung der politischen Rechte, Ämter und Einkünfte.

Eine förmliche Teilung eines zuvor einheitlichen Kantons fand nicht statt. Vielmehr entstanden innerhalb des historischen Raums Unterwalden zwei selbstständige Landorte, die das überlieferte Stimmrecht miteinander teilten.[1]

Winkelried und die historische Erinnerung

Zu den bekanntesten Gestalten der Nidwaldner Erinnerungskultur gehört Arnold von Winkelried. Der Überlieferung zufolge soll er sich 1386 in der Schlacht bei Sempach in die Speere der habsburgischen Truppen geworfen und den Eidgenossen damit eine Lücke für den Angriff geöffnet haben.

Zeitgenössische Quellen erwähnen diese Tat nicht. Die Erzählung erschien erst im 16. Jahrhundert in Chroniken und Heldenliedern. Ob eine historische Person hinter der Legende stand, ist ungeklärt; die neuere Forschung beurteilt die überlieferte Heldentat überwiegend als spätere Ausschmückung.

Für Nidwalden gewann Winkelried dennoch grosse identitätsstiftende Bedeutung. Der Mythos verkörperte Opferbereitschaft, Freiheit und eidgenössische Treue. Das 1865 in Stans eingeweihte Winkelrieddenkmal machte die Figur zu einem sichtbaren Symbol des Kantons.

Wappen und Doppelschlüssel

Das Nidwaldner Wappen zeigt einen weissen Doppelschlüssel auf rotem Grund. Seine Entstehung wurde später mit der Legende verbunden, Nidwaldner hätten dem Papst militärische Hilfe geleistet und dafür den Schlüssel des Apostels Petrus als Wappenzeichen erhalten.

Papst Julius II. gestattete Nidwalden 1512, den Doppelschlüssel in seinem Wappen zu führen. Die Verleihung stand im Zusammenhang mit den eidgenössischen Feldzügen in Italien und wurde später als Bestätigung einer angeblich weit älteren Tradition dargestellt.[2]

Reformation und Gegenreformation

Während der Reformation blieb Nidwalden wie die übrigen Länderorte der Innerschweiz beim katholischen Glauben. Es unterstützte die katholischen Orte in den Kappelerkriegen und widersetzte sich einer Ausbreitung der reformierten Lehre.

Eine zentrale Persönlichkeit der katholischen Erneuerung war der Nidwaldner Landammann Melchior Lussi. Er nahm 1562 und 1563 als Gesandter der katholischen Orte am Konzil von Trient teil und pflegte enge Beziehungen zu Karl Borromäus, dem Erzbischof von Mailand.

Die Umsetzung der tridentinischen Reformen stiess zunächst auch in Nidwalden auf Widerstand. Die Bevölkerung wollte traditionelle religiöse Bräuche und lokale Mitspracherechte bewahren. Einen wichtigen Beitrag zur Gegenreformation leisteten die Kapuziner, die Melchior Lussi 1582 nach Stans holte.

Der katholische Glaube blieb in den folgenden Jahrhunderten ein wesentlicher Bestandteil der politischen und gesellschaftlichen Identität. Geistliche besassen grossen Einfluss auf Schule, Armenfürsorge, Moralvorstellungen und öffentliche Entscheidungen.

Wirtschaft und Gesellschaft der frühen Neuzeit

Die Nidwaldner Wirtschaft beruhte hauptsächlich auf Viehzucht, Alpwirtschaft, Käseproduktion und Handel. Seit dem Spätmittelalter hatte sich die Landwirtschaft zunehmend von der Selbstversorgung zur exportorientierten Grossviehhaltung entwickelt. Käse und Vieh wurden über regionale Handelswege bis nach Norditalien und in andere Teile Europas verkauft.

Ackerbau war aufgrund der topografischen und klimatischen Bedingungen nur begrenzt möglich. Viele Familien ergänzten ihr Einkommen durch Handwerk, Transportdienste, saisonale Arbeit oder den Solddienst in ausländischen Armeen.

Im Rotzloch bei Stansstad entstanden seit dem Ende des 16. Jahrhunderts erste gewerbliche Betriebe. Neben einer Papierfabrik bestanden dort zeitweise eine Sägerei, eine Ölmühle, eine Gerberei, eine Pulvermühle und eine Eisenschmelze. Von einer umfassenden Industrialisierung konnte jedoch noch nicht gesprochen werden.

Ausländische Soldbündnisse mit Frankreich, Spanien, Savoyen und anderen Mächten brachten Geld in den Kanton. Besonders die führenden Familien profitierten von Pensionen, Offiziersstellen und der Vermittlung von Söldnern.

Politische Ordnung des Ancien Régime

Nidwalden verstand sich im Ancien Régime als demokratischer Landsgemeindestaat. Die männlichen Landleute konnten bereits in vergleichsweise jungem Alter an der Landsgemeinde teilnehmen. Dort wurden Gesetze beschlossen und wichtige Ämter besetzt.

Die tatsächliche Macht war jedoch auf wenige miteinander verwandte Familien konzentriert. Geschlechter wie die Zelger, Lussi, Trachsler, Leu, Achermann und Keyser besetzten über Generationen wichtige Regierungsämter. Sie bestimmten, welche Vorlagen der Landsgemeinde unterbreitet wurden, und profitierten überdurchschnittlich von ausländischen Pensionen und politischen Verbindungen.

Die Landsgemeinde verband damit direkte Volksbeteiligung mit oligarchischen Strukturen. Politische Abweichungen wurden nur begrenzt geduldet. Obrigkeit und Kirche regelten das gesellschaftliche Leben streng. Dazu gehörten Sittenmandate, Zensur, religiöse Vorschriften und die Verfolgung vermeintlicher Hexerei.

Das Bildungswesen blieb schwach entwickelt. In den Gemeinden bestanden hauptsächlich Winterschulen. Eine höhere Ausbildung war fast nur für Knaben aus wohlhabenden Familien zugänglich. Im Jahr 1749 wurde in Stans eine Lateinschule gegründet, die 1788 von den Kapuzinern übernommen wurde.[2]

Franzosenkrieg von 1798

Ablehnung der Helvetischen Republik

Der französische Einmarsch von 1798 führte zum Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft und zur Errichtung der zentralistisch organisierten Helvetischen Republik. Die neue Verfassung hob die traditionellen Vorrechte der Orte auf und führte die rechtliche Gleichheit der Bürger ein.

In Nidwalden stiess die helvetische Ordnung auf besonders starken Widerstand. Viele Einwohner betrachteten sie als Angriff auf die katholische Religion, die Landsgemeinde, die kantonale Selbstständigkeit und die überlieferte Gesellschaftsordnung. Ultrakonservative Geistliche und Politiker verstärkten die Ablehnung und überzeugten die Bevölkerung, den verlangten Verfassungseid zu verweigern.[4]

Kämpfe vom 9. September

Am 9. September 1798 griff eine französische Armee unter General Balthasar Alexis Henri Antoine von Schauenburg Nidwalden an. Die zahlenmässig und militärisch unterlegenen Nidwaldner versuchten, die Zugänge bei Stansstad, am Allweg, im Drachenried und an weiteren Stellen zu verteidigen.

Die Kämpfe endeten mit einer vollständigen Niederlage. Rund 100 Nidwaldner und ungefähr ebenso viele französische Soldaten fielen in den Gefechten. Bei den anschliessenden Gewalttaten kamen mehr als 300 weitere Einwohner ums Leben, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen. Stans, Buochs, Stansstad und Ennetmoos wurden schwer verwüstet, zahlreiche Häuser geplündert oder niedergebrannt.[4]

Die Bezeichnung «Franzosenüberfall» ist in Nidwalden bis heute verbreitet. Die neuere Geschichtsschreibung spricht auch vom Franzosenkrieg oder vom Nidwaldner Aufstand und berücksichtigt sowohl die Gewalt der französischen Truppen als auch die Verantwortung der einheimischen Führung für den aussichtslosen militärischen Widerstand.

Folgen und Pestalozzis Waisenhaus

Nach den Kämpfen herrschten Hunger, Obdachlosigkeit und grosse materielle Not. In der gesamten Schweiz wurden Hilfsgüter und Geld für die Bevölkerung gesammelt. Die militärische Besetzung, Verhaftungen und Deportationen verschärften die Lage zusätzlich.

Der Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi richtete 1799 im ehemaligen Kloster St. Klara in Stans eine Anstalt für Kinder ein, die durch Krieg und Verwüstung ihre Eltern oder ihr Zuhause verloren hatten. Sein Aufenthalt dauerte nur wenige Monate, wurde aber zu einem wichtigen Abschnitt in der Entwicklung seiner pädagogischen Vorstellungen.

Die Ereignisse von 1798 hinterliessen ein tiefes kollektives Trauma. Sie verstärkten in Nidwalden über Jahrzehnte das Misstrauen gegenüber zentralistischen Reformen, liberalen Ideen und politischem Druck von aussen.

Mediation und Restauration

Nach dem Zusammenbruch der Helvetischen Republik stellte die Mediationsakte von 1803 die kantonale Selbstständigkeit weitgehend wieder her. Nidwalden erhielt erneut eine Landsgemeinde und seine traditionellen Behörden. Das Klostergebiet Engelberg wurde dem Landort Nidwalden zugeteilt.

Nach Napoleons Niederlage sollte der Bundesvertrag von 1815 die Eidgenossenschaft neu ordnen. Nidwalden verweigerte als einziger Kanton die Zustimmung und erklärte zeitweise seinen Austritt aus dem Bund. Die Regierung hoffte auf eine vollständige Rückkehr zur alten Ordnung und lehnte die Anerkennung der neuen eidgenössischen Verhältnisse ab.

Nachdem eidgenössische Truppen einmarschiert waren, musste Nidwalden nachgeben. Als Folge seines Widerstands verlor es Engelberg, das dem Kanton Obwalden zugeteilt wurde. Die erzwungene Unterwerfung und der Gebietsverlust verschärften die Spannungen zwischen konservativen und reformorientierten Kräften.[2]

Liberalismus und wirtschaftliche Reformen

Seit den 1830er-Jahren gewannen liberale und eidgenössisch orientierte Persönlichkeiten an Einfluss. Sie trafen sich unter anderem in der nach ihrem Versammlungsort benannten Rotzloch-Gesellschaft und im Vaterländischen Verein.

Das liberale Nidwaldner Wochenblatt wurde 1844 auf Betreiben konservativer und kirchlicher Kreise nach kurzer Zeit verboten. Dennoch entstanden neue wirtschaftliche, soziale und bildungspolitische Initiativen. Dazu gehörten Sekundarschulen, die erste Bank des Kantons und Vorarbeiten für ein Kantonsspital.

Die Reformbewegung blieb gegenüber der konservativen Mehrheit zunächst schwach. Viele Einwohner fürchteten, eine stärkere Einbindung in die Eidgenossenschaft könne die katholische Religion, die Landsgemeinde und die kantonale Selbstständigkeit gefährden.

Sonderbund und Bundesstaat

Nidwalden trat 1845 dem Sonderbund der katholisch-konservativen Kantone bei. Dieses Bündnis richtete sich gegen die liberalen Mehrheiten in der Tagsatzung und gegen eine stärkere Zentralisierung der Eidgenossenschaft.

Im Sonderbundskrieg von 1847 wurden die verbündeten Kantone innerhalb weniger Wochen von den eidgenössischen Truppen unter General Guillaume Henri Dufour besiegt. Anders als 1815 fügte sich Nidwalden anschliessend dem Mehrheitsentscheid der Kantone.

Die Bundesverfassung von 1848 schuf den modernen schweizerischen Bundesstaat. Nidwalden entsandte fortan Vertreter in National- und Ständerat, behielt aber innerhalb des Bundes seine kantonale Selbstständigkeit.

Die Kantonsverfassung von 1850 führte grundlegende Neuerungen ein. Die neu geschaffenen Bezirksgemeinden, aus denen die heutigen politischen Gemeinden hervorgingen, übernahmen politische Aufgaben der Ürten. Presse-, Vereins-, Niederlassungs- und Meinungsfreiheit wurden anerkannt und die Amtszeiten der Behörden begrenzt.

Eine vollständige Gewaltentrennung bestand noch nicht. Der Landammann hatte weiterhin richterliche Funktionen, und auch der Landrat war an Strafverfahren beteiligt. Die Verfassungsrevision von 1877 baute die kommunale Organisation weiter aus und anerkannte Schul- und Armengemeinden als selbstständige Körperschaften.[2]

Wirtschaft im 19. Jahrhundert

Nidwalden blieb bis weit ins 20. Jahrhundert ein vorwiegend landwirtschaftlich geprägter Kanton. Viehzucht, Käsehandel, Obstbau und die Bewirtschaftung von Alpen und Wäldern dominierten. Grössere Industriebetriebe waren selten.

Die verkehrsgeografische Lage erschwerte die wirtschaftliche Entwicklung. Vor dem Bau moderner Strassen und Brücken war Nidwalden vom Luzerner Raum aus hauptsächlich über den Vierwaldstättersee erreichbar. Die erste Achereggbrücke von 1860 verbesserte die Landverbindung nach Hergiswil und Luzern.

Zu den wenigen grösseren Betrieben gehörten die Papierfabrik im Rotzloch und eine Seidenspinnerei in Buochs. Viele Nidwaldner wanderten zeitweise oder dauerhaft aus, arbeiteten ausserhalb des Kantons oder suchten im Fremdendienst ein Einkommen.

Aufstieg des Tourismus

Seit den 1870er-Jahren entwickelte sich der Tourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Internationale Gäste besuchten den Bürgenstock, das Stanserhorn, Fürigen, Emmetten, Beckenried und weitere Orte am Vierwaldstättersee.

Die Hotels auf dem Bürgenstock wurden zu einem Zentrum des schweizerischen Luxustourismus. Neue Bergbahnen, Schiffsverbindungen und Strassen erschlossen Aussichtspunkte und Höhenkurorte. Auch die Stanserhornbahn trug zur internationalen Bekanntheit der Region bei.

Vom Tourismus profitierten Hotels, Landwirtschaft, Gewerbe, Transportunternehmen und Lebensmittelhandel. Frauen fanden neue Erwerbsmöglichkeiten in Hotellerie und Gastwirtschaft. Elektrizität, Telefonanschlüsse, Wasserversorgungen und Verkehrswege wurden häufig zuerst für touristische Anlagen geschaffen, kamen später jedoch auch der einheimischen Bevölkerung zugute.

Der Erste Weltkrieg beendete die Belle Époque des Tourismus. Viele Hotels verloren ihre ausländischen Gäste und wurden zeitweise zur Unterbringung internierter Soldaten genutzt.

Erster Weltkrieg

Obwohl die Schweiz militärisch neutral blieb, wirkte sich der Erste Weltkrieg deutlich auf Nidwalden aus. Der Aktivdienst entzog der Landwirtschaft und dem Gewerbe zahlreiche Arbeitskräfte. Gleichzeitig verteuerten sich Lebensmittel, Brennstoffe und andere Güter.

Seit 1916 wurden deutsche und österreichisch-ungarische Kriegsgefangene in leerstehenden Hotels untergebracht. Die Internierten wurden zunächst freundlich empfangen, doch die lange Dauer des Krieges und die zunehmende Versorgungskrise führten zu Spannungen.

Im Jahr 1918 begann ein grosses Meliorations- und Entwässerungsprojekt in den Gebieten von Stans, Buochs und Ennetbürgen. Die gewonnenen Flächen wurden später für den Flugplatz und industrielle Anlagen genutzt.

Die Spanische Grippe forderte in Nidwalden etwa 90 Todesopfer. Schulen wurden zeitweise geschlossen und öffentliche Versammlungen eingeschränkt.[2]

Bannalp-Streit

In den 1930er-Jahren führte der geplante Bau eines eigenen Elektrizitätswerks auf der Bannalp zu einer aussergewöhnlich heftigen politischen Auseinandersetzung. Regierung und Landrat bevorzugten zunächst andere Lösungen, während eine Volksbewegung auf die Nutzung der einheimischen Wasserkraft drängte.

An der Landsgemeinde von 1934 setzte sich die Bannalp-Bewegung durch. Der Konflikt verlief quer durch die traditionellen Parteien und war von scharfer Propaganda, persönlichen Angriffen und einer starken Mobilisierung der Bevölkerung begleitet.

Das Kraftwerk wurde schliesslich gebaut und erwies sich wirtschaftlich als erfolgreich. Die Einnahmen aus der Elektrizitätsversorgung erleichterten später die Finanzierung von Strassen-, Bahn- und anderen Infrastrukturprojekten.

Politisch schwächte der Bannalp-Streit die bisherigen Führungseliten und förderte einen stärker wirtschaftsorientierten Konservativismus. Die Erinnerung an die Auseinandersetzung blieb lange Teil der politischen Kultur Nidwaldens.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs war Nidwalden aufgrund seiner Lage innerhalb des schweizerischen Réduits militärisch bedeutend. Festungen, Artilleriestellungen, Geländesperren und Schutzanlagen wurden errichtet oder ausgebaut.

Der 1935 angelegte Militärflugplatz Buochs erhielt eine wichtige Funktion für die Schweizer Luftwaffe. Im Rahmen der Anbauschlacht wurden zusätzliche Flächen für die landwirtschaftliche Produktion erschlossen. Vorgärten, Grünflächen und Sportplätze dienten zeitweise dem Anbau von Lebensmitteln.

Die lange Abwesenheit der Männer im Aktivdienst erhöhte die Arbeitsbelastung der Frauen in Landwirtschaft, Gewerbe und Familien. Rationierung und staatliche Vorschriften bestimmten den Alltag.

Industrialisierung und Verkehrsausbau

Die 1939 gegründeten Pilatus Flugzeugwerke entwickelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum grössten Industriebetrieb Nidwaldens. Gemeinsam mit dem Flugplatz Buochs lösten sie einen starken Zuzug von Arbeitskräften aus und veränderten die Wirtschaftsstruktur des Kantons.

Im Jahr 1954 stimmte die Landsgemeinde umfangreichen Bahn- und Strassenprojekten zu. Die neue Achereggbrücke, der Ausbau der Bahnverbindungen und die Nationalstrasse überwanden die frühere verkehrliche Abgeschiedenheit.

Die verbesserten Verbindungen machten Nidwalden zu einem attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort im Einzugsgebiet von Luzern. Besonders die Seegemeinden Stansstad und Ennetbürgen wuchsen stark. Auch Hergiswil entwickelte sich aufgrund seiner Verkehrslage und Steuerpolitik zu einer bevorzugten Wohngemeinde.

Der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft sank erheblich. Industrie, Bauwirtschaft und vor allem der Dienstleistungssektor gewannen an Bedeutung. Gleichzeitig blieben viele kleine und mittlere Unternehmen ein charakteristisches Element der Nidwaldner Wirtschaft.[5]

Verfassung von 1965

Am 10. Oktober 1965 nahm die Landsgemeinde eine vollständig überarbeitete Kantonsverfassung an. Sie gehörte damals zu den moderneren kantonalen Verfassungen der Schweiz und ersetzte die in mehreren Schritten veränderte Ordnung des 19. Jahrhunderts.

Die Verfassung schrieb die Trennung von gesetzgebender, vollziehender und richterlicher Gewalt ausdrücklich fest. Sie ordnete die Aufgaben von Landsgemeinde, Landrat, Regierungsrat, Gerichten und Gemeinden neu und stärkte den individuellen Rechtsschutz.[6]

Trotz zahlreicher Teilrevisionen blieb die Verfassung von 1965 in Kraft. Die Abschaffung der Landsgemeinde und weitere institutionelle Reformen wurden durch Änderungen dieses Verfassungstextes umgesetzt.

Frauenstimmrecht

Die Einführung des Frauenstimmrechts erfolgte in mehreren Schritten. Im Jahr 1970 erhielten Frauen politische Rechte auf Gemeindeebene. Bei der eidgenössischen Abstimmung vom 7. Februar 1971 stimmte Nidwalden als einziger Kanton der Urschweiz der Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene zu.

Am 30. April 1972 nahm die Landsgemeinde mit deutlicher Mehrheit das kantonale Frauenstimm- und -wahlrecht an. Frauen konnten damit erstmals vollständig an kantonalen Abstimmungen, Wahlen und an der Landsgemeinde teilnehmen.[7]

Die ersten Frauen wurden später in den Landrat, in Gemeindebehörden und in Gerichte gewählt. Im Jahr 2002 zogen erstmals zwei Frauen gleichzeitig in den Nidwaldner Regierungsrat ein.

Wellenberg und Abschaffung der Landsgemeinde

Seit den 1980er-Jahren wurde über ein mögliches Lager für radioaktive Abfälle im Wellenberg bei Wolfenschiessen diskutiert. Das Projekt der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle löste einen langjährigen politischen Konflikt aus.

Befürworter verwiesen auf technische Gutachten, wirtschaftliche Vorteile und die Verantwortung Nidwaldens innerhalb der nationalen Entsorgungspolitik. Gegner warnten vor geologischen Risiken, einer langfristigen Belastung der Region und einem Verlust demokratischer Kontrolle.

Die Bevölkerung lehnte das Projekt in mehreren Abstimmungen ab. Der Streit mobilisierte aussergewöhnlich viele Stimmberechtigte und machte zugleich Schwächen der Landsgemeinde sichtbar. Bei grossen Teilnehmerzahlen waren geheime Stimmabgaben nicht möglich, Mehrheiten mussten durch Handerheben geschätzt werden und komplexe Sachvorlagen konnten nur begrenzt differenziert entschieden werden.[5]

Im Jahr 1996 stimmte die Bevölkerung an der Urne mit deutlicher Mehrheit für die Abschaffung der kantonalen Landsgemeinde. Gesetzgebung, Wahlen und Sachabstimmungen wurden vollständig auf geheime Urnenabstimmungen beziehungsweise auf den Landrat übertragen.

Mit dem Ende der Landsgemeinde verschwand eine Institution, die seit dem späten 14. Jahrhundert nachweisbar gewesen war. Direktdemokratische Rechte wie Initiative und Referendum blieben jedoch bestehen.

Institutionelle Reformen

Nach der Abschaffung der Landsgemeinde wurden Regierung und Verwaltung neu organisiert. Die Zahl der Mitglieder des Regierungsrates wurde von neun auf sieben reduziert. Der Landrat blieb das kantonale Parlament und umfasst 60 Mitglieder.

Auch die kommunalen Strukturen wandelten sich. Die traditionellen Ürten bestehen teilweise als Korporationen weiter und verwalten gemeinschaftliches Eigentum, Wälder und Alpen. Ihre früheren politischen Aufgaben gingen jedoch an die politischen Gemeinden über.

Die früher selbstständigen Schulgemeinden wurden in zahlreichen Orten mit den politischen Gemeinden vereinigt. Damit verschwanden schrittweise institutionelle Besonderheiten, die auf die genossenschaftliche Ordnung des Mittelalters zurückgingen.

Nidwalden seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert

Nidwalden entwickelte sich zu einem wirtschaftlich starken, gut erschlossenen und bevölkerungsmässig wachsenden Kanton. Die Nähe zu Luzern, gute Verkehrsverbindungen, vergleichsweise tiefe Steuern und eine hohe Wohnqualität förderten die Ansiedlung von Unternehmen und den Zuzug von Privatpersonen.

Die gesellschaftliche Zusammensetzung wurde vielfältiger. Der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten sank weiter, während Industrie, Technologie, Finanzdienstleistungen, Tourismus, Gesundheitswesen und öffentliche Dienstleistungen an Bedeutung gewannen.

Trotz des Wandels blieben Dorfleben, Vereine, Schützenwesen, Musik, Fasnacht, Älplerchilbi und kirchliche Traditionen wichtige Bestandteile der kantonalen Kultur. Veranstaltungen wie die Stanser Musiktage entwickelten zugleich eine Ausstrahlung über die Region hinaus.

Politisch verloren die früher dominierenden katholisch-konservativen und freisinnigen Milieus ihre nahezu ausschliessliche Stellung. Neue Parteien und politische Bewegungen erweiterten das Parteiensystem. Sachfragen, Raumplanung, Verkehr, Energie, Steuern und Umweltschutz traten stärker in den Vordergrund.[5]

Historische Identität

Die Nidwaldner Identität verbindet die Erinnerung an bäuerliche Selbstverwaltung, katholische Tradition, direkte Demokratie und eidgenössische Freiheit. Historische Ereignisse wurden dabei häufig in Legenden, Denkmälern, Festspielen und politischen Erzählungen verarbeitet.

Arnold von Winkelried verkörpert den Mythos des selbstlosen Opfers für die Gemeinschaft. Der Franzosenkrieg von 1798 erinnert an die verheerenden Folgen militärischen Widerstands und politischer Radikalisierung. Der Bannalp-Streit steht für die Fähigkeit einer Volksbewegung, sich gegen etablierte Behörden durchzusetzen.

Die moderne Geschichtsschreibung betrachtet diese Überlieferungen zunehmend kritisch. Sie unterscheidet zwischen historischen Quellen und späterer Legendenbildung und untersucht neben Politik und Krieg auch Wirtschaft, Alltag, Geschlechterrollen, Migration und soziale Ungleichheit.

Nidwalden ist heute ein eigenständiger Kanton, bleibt historisch und verfassungsrechtlich aber eng mit Obwalden verbunden. Die gemeinsame Bezeichnung Unterwalden erinnert an mittelalterliche Herrschaftsverhältnisse und an die besondere Stellung beider Kantone innerhalb der Eidgenossenschaft.

Siehe auch

Literatur

  • Kanton Nidwalden (Hrsg.): Geschichte des Kantons Nidwalden. Von der Urzeit bis in die Gegenwart. 2 Bände, Stans 2014.
  • Aloys Businger: Der Kanton Unterwalden, historisch, geographisch, statistisch geschildert. St. Gallen und Bern 1836.
  • Joseph Businger: Die Geschichten des Volkes von Unterwalden ob und nid dem Wald. 2 Bände, Luzern 1827–1828.
  • Robert Durrer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden. Unveränderter Nachdruck, Basel 1971.
  • Historischer Verein Nidwalden (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte Nidwaldens. Stans, seit 1884.
  • Staatsarchiv Nidwalden: Die Geschichte des Kantons Nidwalden. Überblick und Bibliografie. Stans 2024.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Kanton Nidwalden, Staatsarchiv: Unterwalden, Ob- und Nidwalden, abgerufen am 30. Juli 2026.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 Staatsarchiv Nidwalden: Die Geschichte des Kantons Nidwalden. Überblick und Bibliografie, Version vom Juli 2024, abgerufen am 30. Juli 2026.
  3. Hansjakob Achermann u. a.: Nidwalden. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 30. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Kanton Nidwalden, Staatsarchiv: Der Franzosenkrieg von 1798, abgerufen am 30. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 Kanton Nidwalden, Staatsarchiv: Politischer und gesellschaftlicher Wandel nach 1945, abgerufen am 30. Juli 2026.
  6. Kanton Nidwalden: Verfassung des Kantons Nidwalden vom 10. Oktober 1965, Stand 1. Januar 2026.
  7. Landrat des Kantons Nidwalden: Protokoll der Sitzung vom 4. Februar 2009, Abschnitt zur Einführung des Frauenstimmrechts.