Bahnhof Aadorf: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 4. August 2026, 22:51 Uhr

Bahnhof Aadorf
Bahnhof Aadorf
Gemeinde Aadorf
Bezirk Münchwilen
Kanton Thurgau
Staat Schweiz
Betriebliche Art Durchgangsbahnhof
Eigentümerin SBB
Infrastrukturbetreiberin SBB Infrastruktur
Bahnverkehr SBB und Thurbo
Strecke Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur
Linien S12, S35 und SN22
Perrongleise 2
Eröffnung 14. Oktober 1855
Heutiges Aufnahmegebäude 1912
Architekt Heinrich Ditscher
Elektrifizierung 15. Mai 1927
Höhenlage 527 m ü. M.
Tarifzone 917 (OSTWIND)
DiDok-Nummer 6013
UIC-Nummer 8506013
Betriebsstellenkürzel AD
Nachbarstationen Elgg und Guntershausen

Der Bahnhof Aadorf ist ein Bahnhof in der politischen Gemeinde Aadorf im Bezirk Münchwilen des Kantons Thurgau. Er liegt an der Bahnstrecke zwischen Winterthur, Wil und St. Gallen und bildet den wichtigsten Knoten des öffentlichen Verkehrs in der Gemeinde.

Im Fahrplanjahr 2026 wird der Bahnhof von den Linien S12 und S35 bedient. Beide Linien verkehren zwischen Winterthur und Wil zeitlich versetzt, sodass Aadorf während des grössten Teils des Tages zwei Zugverbindungen pro Stunde in beide Richtungen besitzt. Die S12 stellt darüber hinaus eine direkte Verbindung über Zürich nach Baden und Brugg her. In den Wochenendnächten halten Züge der Nachtlinie SN22.

Unmittelbar beim Aufnahmegebäude befindet sich ein Bushof. Die Postautolinie 834 verbindet den Bahnhof mit Ettenhausen, Hagenbuch, Häuslenen und Frauenfeld. Dadurch dient die Station nicht nur dem Ort Aadorf, sondern auch mehreren umliegenden Siedlungen als Zugang zum Bahnnetz.

Der Bahnhof wurde 1855 eröffnet. Das heutige, denkmalgeschützte Aufnahmegebäude entstand 1912 nach Plänen des Architekten Heinrich Ditscher. Es wurde im Hinblick auf den damaligen Staatsbesuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. besonders repräsentativ gestaltet und gehört zu den architektonisch bedeutenden historischen Bahnhofsgebäuden des Kantons Thurgau.

Lage

Der Bahnhof befindet sich südöstlich des historischen Dorfkerns von Aadorf an der Bahnhofstrasse. Das Gemeindezentrum mit Geschäften, Gemeindeverwaltung, Kirchen und weiteren öffentlichen Einrichtungen ist zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar.

Die Bahnstrecke verläuft im Bahnhofbereich ungefähr von Nordwesten nach Südosten. In Richtung Nordwesten folgt der Bahnhof Elgg im Kanton Zürich, in Richtung Südosten die ebenfalls zur Gemeinde Aadorf gehörende Station Guntershausen.

Der Bahnhof liegt auf einer Höhe von 527 Metern über Meer. Die geografischen Koordinaten betragen ungefähr 47,4881 Grad nördlicher Breite und 8,9033 Grad östlicher Länge.

Die Lage nahe der Kantonsgrenze verleiht dem Bahnhof eine regionale Bedeutung. Aadorf gehört politisch zum Kanton Thurgau, ist verkehrlich jedoch stark auf Winterthur und den Wirtschaftsraum Zürich ausgerichtet. Gleichzeitig bestehen gute Verbindungen nach Wil und in die übrige Ostschweiz.

Die Bahnlinie bildet im Siedlungsgebiet eine räumliche Trennung zwischen dem älteren Dorfkern im Norden und den südlich gelegenen Wohn-, Gewerbe- und Sportgebieten. Eine Personenunterführung verbindet beide Seiten des Bahnhofareals und erschliesst zugleich das Mittelperron.

Bahnhofanlage

Der Bahnhof besitzt zwei durchgehende Hauptgleise. Beide Gleise liegen an einem Mittelperron und dienen dem regelmässigen Personenverkehr.

Gleis Übliche Fahrtrichtung Linien
1 Guntershausen, Sirnach und Wil SG S35 und einzelne weitere Verbindungen
2 Elgg, Winterthur, Zürich und Brugg S12 und weitere Verbindungen

Die tatsächliche Gleisbenutzung kann aus betrieblichen Gründen abweichen. Fahrgäste müssen deshalb die Anzeigen und Lautsprecherdurchsagen beachten.

Das Mittelperron ist über eine Personenunterführung erreichbar. Der Zugang erfolgt über Treppen und eine überdachte Rampe. Die Perronkanten wurden auf eine Höhe von 55 Zentimetern über Schienenoberkante angehoben. Dadurch ist bei geeigneten Niederflurfahrzeugen ein weitgehend stufenfreier Ein- und Ausstieg möglich.

Der Bahnhof wird ferngesteuert. Die Weichen, Signale und übrigen Sicherungsanlagen werden nicht mehr von örtlichem Personal bedient. Ein historisches mechanisches Stellwerk beziehungsweise dessen Hebelbank ist beim Aufnahmegebäude erhalten geblieben, besitzt jedoch keine betriebliche Funktion mehr.

Neben den beiden Hauptgleisen bestanden früher zusätzliche Lade-, Abstell- und Gütergleise. Sie dienten dem Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse, von Brennstoffen, Baustoffen und Industrieprodukten. Mit dem Rückgang des örtlichen Güterverkehrs wurden diese Anlagen weitgehend zurückgebaut.

Ausstattung

Der Bahnhof wird im Selbstbedienungsbetrieb geführt. Ein SBB-Reisezentrum besteht nicht. Billette können an Automaten, über digitale Vertriebskanäle und bei anderen bedienten Verkaufsstellen erworben werden.

Zur Ausstattung gehören:

  • Billettautomaten,
  • elektronische Abfahrtsanzeigen,
  • Lautsprecheranlagen,
  • eine neue Wartehalle auf dem Mittelperron,
  • Sitzgelegenheiten,
  • Beleuchtung,
  • ein öffentlich zugängliches und hindernisfreies WC,
  • gedeckte Veloabstellplätze,
  • P+Rail-Parkplätze,
  • Kurzzeitparkplätze und eine Vorfahrt.

Nach Angaben der SBB stehen 176 gedeckte Veloabstellplätze zur Verfügung. Die P+Rail-Anlage umfasst 61 reguläre Parkplätze und einen Parkplatz für Menschen mit Behinderung.[1]

Die grosse Zahl von Veloabstellplätzen unterstreicht die Bedeutung des Bahnhofs für die kombinierte Mobilität. Zahlreiche Fahrgäste erreichen die Station mit dem Velo aus den Wohnquartieren von Aadorf sowie aus umliegenden Weilern.

Bahnverkehr

S12

Die S12 der S-Bahn Zürich verbindet Aadorf direkt mit Winterthur, Zürich, dem Limmattal und dem Kanton Aargau. Östlich von Winterthur fährt jeder zweite Zug der Linie nach Wil SG, während die übrigen Züge über das Zürcher Weinland nach Schaffhausen verkehren.

Die Aadorf bedienenden Züge verkehren auf folgender Verbindung:

  • S12: Brugg AG – Turgi – Baden AG – Wettingen – Neuenhof – Killwangen-Spreitenbach – Dietikon – Glanzenberg – Schlieren – Zürich Altstetten – Zürich Hardbrücke – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Stadelhofen – Stettbach – Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Hegi – Räterschen – Schottikon – Elgg – Aadorf – Guntershausen – Eschlikon TG – Sirnach – Wil SG

Die S12 hält in Aadorf grundsätzlich einmal pro Stunde. Sie bietet eine umsteigefreie Verbindung nach Zürich und Brugg. In Winterthur verkehrt sie ohne längeren Aufenthalt weiter in Richtung Zürich.[2]

Auf der S12 kommen hauptsächlich doppelstöckige Triebzüge des Typs RABe 511 Regio-Dosto zum Einsatz. Die Fahrzeuge besitzen Niederflureinstiege, Mehrzweckbereiche, eine erste und zweite Klasse sowie eine rollstuhlgängige Toilette.

S35

Die S35 verkehrt zwischen Winterthur und Wil SG und wird von der Regionalbahngesellschaft Thurbo betrieben:

  • S35: Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Hegi – Räterschen – Schottikon – Elgg – Aadorf – Guntershausen – Eschlikon TG – Sirnach – Wil SG

Die Linie hält an allen Stationen und verkehrt grundsätzlich einmal pro Stunde. Zusammen mit der S12 ergibt sich zwischen Winterthur, Aadorf und Wil ein Halbstundentakt.[3]

Auf der S35 werden vor allem elektrische Niederflurtriebzüge von Thurbo eingesetzt. Die kurzen Haltestellenabstände und die hohe Beschleunigung der Fahrzeuge ermöglichen einen effizienten Regionalverkehr.

Nachtverkehr

In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag wird Aadorf von der Nacht-S-Bahn SN22 bedient. Die Linie verkehrt zwischen Winterthur und Sirnach und hält unter anderem in Elgg, Aadorf, Guntershausen und Eschlikon.

Die Nachtverbindung ergänzt die Nachtbusangebote und ermöglicht eine späte Rückreise aus Winterthur in die Gemeinden des Eulachtals und des westlichen Thurgaus.[4]

Busverkehr

Der Bushof befindet sich unmittelbar nördlich des Aufnahmegebäudes. Im Fahrplanjahr 2026 wird er von der Postautolinie 834 bedient:

  • 834: Ettenhausen TG, Elggerstrasse – Aadorf, Bahnhof – Aadorf, Zentrum – Hagenbuch ZH – Häuslenen – Frauenfeld, Aumühle – Frauenfeld, Marktplatz – Frauenfeld, Bahnhof

Die Linie verbindet den Bahnhof mit dem Aadorfer Ortsteil Ettenhausen, dem zürcherischen Hagenbuch und der Thurgauer Kantonshauptstadt Frauenfeld.

Während der Hauptverkehrszeiten verkehren auf einzelnen Abschnitten zwei Busse pro Stunde. Ausserhalb dieser Zeiten besteht grundsätzlich ein Stundentakt. Die Abfahrtszeiten sind auf die Bahnanschlüsse in Aadorf und Frauenfeld abgestimmt.[5]

Der Bushof besitzt erhöhte Haltekanten und gedeckte Wartebereiche. Die Fahrbahn ist für den allgemeinen motorisierten Individualverkehr gesperrt, damit Busse, zu Fuss Gehende und Velofahrende den Platz sicher benutzen können.

Tarif

Der Bahnhof liegt in der Tarifzone 917 des Tarifverbunds OSTWIND. Innerhalb der gelösten Zonen können Bahn- und Busverbindungen des Verbunds benutzt werden.

Für Fahrten in das Gebiet des Zürcher Verkehrsverbunds stehen verbundübergreifende Fahrausweise und Billette des nationalen Direkten Verkehrs zur Verfügung. Das Generalabonnement und das Halbtax werden auf sämtlichen Bahn- und Busverbindungen anerkannt.[6]

Geschichte

Bau der Bahnstrecke

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Pläne für eine Eisenbahnverbindung von Winterthur über Wil nach St. Gallen und Rorschach. Die Strecke sollte die Ostschweiz mit dem aufstrebenden Eisenbahnknoten Winterthur und dem Wirtschaftsraum Zürich verbinden.

Der Abschnitt Winterthur–Wil wurde durch die Sankt Gallisch-Appenzellische Eisenbahn gebaut. Die Arbeiten waren wegen der hügeligen Landschaft zwischen Elgg, Aadorf und Wil technisch anspruchsvoll. Dämme, Einschnitte, Brücken und enge Kurven waren erforderlich.

Die Bahnlinie und der Bahnhof Aadorf wurden am 14. Oktober 1855 eröffnet.[7]

Der Bahnanschluss war für Aadorf von grosser wirtschaftlicher Bedeutung. Er erleichterte den Transport von Personen, Rohstoffen und Fertigwaren und unterstützte die Entwicklung des Dorfes zu einem regionalen Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungszentrum.[8]

Erste Bahnhofsgebäude

Der erste Bahnhof entstand in den 1850er-Jahren. Nach den Angaben des kantonalen Hinweisinventars wurde 1857 ein erstes Stationsgebäude errichtet. Dieses wurde 1902 erweitert.

Zur historischen Anlage gehörten neben dem Aufnahmegebäude mehrere Gleise, Ladeanlagen, ein Güterschuppen, ein WC-Häuschen und weitere Nebenbauten.

Im Personenverkehr diente der Bahnhof als Zugang zu den Zügen nach Winterthur, Wil und St. Gallen. Im Güterverkehr wurden unter anderem Textilien, landwirtschaftliche Produkte, Holz, Brennstoffe und Baumaterialien umgeschlagen.

Vereinigte Schweizerbahnen

Die Sankt Gallisch-Appenzellische Eisenbahn ging 1857 gemeinsam mit weiteren Gesellschaften in den Vereinigten Schweizerbahnen auf.

Die Vereinigten Schweizerbahnen betrieben die Strecke bis zu ihrer Verstaatlichung. Aadorf blieb ein bedeutender Zwischenbahnhof auf der Hauptverbindung zwischen Winterthur und St. Gallen.

Im Jahr 1902 wurden die Vereinigten Schweizerbahnen in die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen eingegliedert. Seither befinden sich die Bahnstrecke und der Bahnhof im Eigentum der SBB.

Neubau von 1912

Das heutige Aufnahmegebäude wurde 1912 nach Plänen des Architekten Heinrich Ditscher errichtet. Der Neubau stand im Zusammenhang mit dem Ausbau der Bahnstrecke und dem geplanten Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. in der Schweiz.

Das Gebäude war bewusst repräsentativer gestaltet als viele andere ländliche Bahnhöfe. Es sollte den Staatsgast bei seiner Fahrt durch die Ostschweiz in einem würdigen Umfeld empfangen.

Im selben Jahr wurde die Bahnstrecke im Raum Aadorf auf Doppelspur ausgebaut. Der Doppelspurausbau erhöhte die Leistungsfähigkeit und erlaubte Zugkreuzungen ohne längere Aufenthalte.[9]

Elektrifizierung

Am 15. Mai 1927 wurde der elektrische Betrieb zwischen Winterthur, Wil und St. Gallen aufgenommen. Die Strecke erhielt das bei den SBB übliche Stromsystem mit 15 Kilovolt Wechselstrom bei 16⅔ Hertz, heute 16,7 Hertz.

Bereits am 13. Mai 1927 erreichte im Rahmen einer Probefahrt ein erster elektrischer Zug den Bahnhof Aadorf.[10]

Mit der Elektrifizierung endete der reguläre Dampfbetrieb. Elektrische Lokomotiven und Triebwagen ermöglichten kürzere Fahrzeiten, höhere Zuggewichte und einen wirtschaftlicheren Betrieb.

Entwicklung des Bahnhofbetriebs

Der Bahnhof war während eines grossen Teils des 20. Jahrhunderts mit örtlichem Personal besetzt. Die Mitarbeitenden verkauften Billette, fertigten Gepäck und Güter ab, bedienten Weichen und Signale und überwachten die Zugfahrten.

Die mechanische Stellwerkanlage befand sich teilweise unter dem Vordach auf der Bahnseite des Aufnahmegebäudes. Die historische Hebelbank blieb nach ihrer Ausserbetriebnahme erhalten.

Ab den 1980er-Jahren wurde die Sicherungsanlage schrittweise in die Fernsteuerung einbezogen. Heute erfolgt die Betriebsführung aus der SBB-Betriebszentrale Ost.

Der lokale Güterverkehr verlor nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend an Bedeutung. Der Güterschuppen wurde 2003 abgebrochen. Der Personenverkehr entwickelte sich dagegen durch die wachsende Zahl von Pendlerinnen und Pendlern weiter.

Integration in die S-Bahn-Netze

Mit dem Ausbau des regionalen Bahnverkehrs wurde Aadorf in die Liniennetze der Zürcher und der Ostschweizer S-Bahn integriert.

Die Linienbezeichnungen und Endpunkte änderten sich im Verlauf der Fahrplanperioden mehrfach. Heute bilden die S12 und die S35 gemeinsam den halbstündlichen Regionalverkehr zwischen Winterthur und Wil.

Die S12 schuf eine direkte Verbindung über Zürich in den Kanton Aargau. Die S35 übernimmt gemeinsam mit ihr die Feinerschliessung der Stationen zwischen Winterthur und Wil.

Aufnahmegebäude

Das Aufnahmegebäude befindet sich auf der Nordseite der Gleisanlage an der Bahnhofstrasse 26. Es handelt sich um einen stattlichen verputzten Bau mit Walmdach, Quergiebeln und Dachhäuschen.

Die Fassaden sind sorgfältig und ungewöhnlich reich gestaltet. Zu den architektonischen Einzelheiten gehören:

  • Rundbogenfenster,
  • ornamental bemalte Dachuntersichten,
  • Wetterfahnen,
  • reich ausgeführte Regenrinnen,
  • ein grosses korbbogiges Nordportal,
  • ein Oberlichtgitter,
  • ein geschweifter schmiedeeiserner Laternenhalter,
  • erkerartige Vorbauten an der Nord- und Westfassade,
  • ein säulengestütztes Vordach auf der Bahnseite.

Das Gebäude diente ursprünglich nicht nur dem Bahnbetrieb. In den oberen Geschossen befanden sich zeitweise Wohnungen für Bahnpersonal.

Die historische Bausubstanz ist weitgehend erhalten. Eine zurückhaltende Renovation erfolgte 1982. Bei einer Modernisierung des Wartesaals ging allerdings ein dort angebrachtes Bild von Ferdinand Hodler verloren.

Das Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau stuft das Gebäude als «wertvoll» ein. Es steht rechtskräftig unter Schutz und ist als Kulturgut von regionaler Bedeutung verzeichnet.[11]

Hindernisfreier Ausbau

Im Jahr 2020 erneuerten die SBB das Mittelperron. Die Perronkanten der Gleise 1 und 2 wurden auf 55 Zentimeter erhöht.

Gleichzeitig entstanden:

  • eine neue Wartehalle,
  • neue Perronmöbel,
  • eine angepasste Beleuchtungsanlage,
  • erneuerte Sicherheitsmarkierungen,
  • verbesserte Zugänge.

Die Arbeiten ermöglichten bei geeigneten Niederflurzügen stufenfreie Wege vom Bahnhofzugang bis in das Fahrzeug.[12]

Die vollständige selbstständige Benutzbarkeit kann vom eingesetzten Fahrzeugtyp und vom Abstand zwischen Perron und Zug abhängen. Bei einzelnen Verbindungen ist weiterhin Personalhilfe erforderlich.

Neugestaltung des Bahnhofplatzes

Die Gemeinde Aadorf verband den hindernisfreien Ausbau mit einer umfassenden Neugestaltung des Bahnhofplatzes.

Das Projekt umfasste:

  • einen neuen hindernisfreien Bushof,
  • erhöhte Buskanten,
  • eine neue Linienführung für die Postautos,
  • eine überdachte Rampe zur Personenunterführung,
  • neue gedeckte Veloabstellplätze,
  • ein öffentlich zugängliches hindernisfreies WC,
  • eine Verlegung des Kioskes,
  • zusätzliche Wartebereiche,
  • eine Neuordnung der Fuss- und Veloverbindungen,
  • eine Sperrung des Bushofs für den allgemeinen Autoverkehr.

Das denkmalgeschützte Aufnahmegebäude blieb als Mittelpunkt des Areals erhalten. Die moderne Platzgestaltung wurde so angeordnet, dass der historische Bau weiterhin deutlich wahrnehmbar ist.

Die Hauptarbeiten wurden bis 2023 abgeschlossen. Der Bahnhofplatz dient seither zugleich als Verkehrsanlage, Zugang zum Ortszentrum und öffentlicher Begegnungsraum.[13]

Bedeutung

Der Bahnhof ist der wichtigste Verkehrsknoten der Gemeinde Aadorf. Er verbindet den Ort direkt mit den regionalen Zentren Winterthur und Wil sowie mit Zürich, Baden und Brugg.

Für Pendlerinnen und Pendler bietet die Bahn eine schnelle Alternative zum motorisierten Individualverkehr. Winterthur und Wil sind ohne Umsteigen erreichbar, Zürich wird mit der S12 direkt bedient.

Der Bahnhof besitzt ausserdem Bedeutung für den Ausbildungsverkehr. Schulen, Hochschulen und Berufsbildungszentren in Winterthur, Wil, Zürich und St. Gallen sind mit der Bahn gut erreichbar.

Die Postautolinie 834 erweitert das Einzugsgebiet auf Ettenhausen, Tänikon, Hagenbuch und weitere Ortschaften. Reisende aus diesen Gebieten können in Aadorf auf die Bahnlinien nach Winterthur und Wil umsteigen.

Historisch war der Bahnanschluss ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche und bauliche Entwicklung Aadorfs. Er förderte die Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben und stärkte die Funktion des Ortes als regionales Zentrum.

Das Aufnahmegebäude von 1912 dokumentiert zugleich die Entwicklung der Schweizer Bahnhofsarchitektur und die repräsentative Rolle der Eisenbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Siehe auch

Literatur

  • Albert Knoepfli: Geschichte von Aadorf. Festschrift zum 1100-Jahr-Jubiläum, Aadorf/Frauenfeld 1987.
  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983.
  • Hans-Peter Bärtschi: SBB-Bahnhofinventar Thurgau. Bern 1984.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
  • Politische Gemeinde Aadorf: Neugestaltung Bahnhofplatz Aadorf. Aadorf 2021.

Einzelnachweise

  1. Bahnhof Aadorf. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-04.
  2. S12 Brugg–Zürich–Winterthur–Wil. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
  3. S35 Winterthur–Wil SG. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
  4. Linienfahrpläne ab Aadorf, Fahrplanjahr 2026. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
  5. Fahrplanjahr 2026: Linie 834 Frauenfeld–Aadorf–Ettenhausen. Hrsg.: PostAuto AG. 2025-10-30. Abgerufen am 2026-08-04.
  6. OSTWIND-Zonenplan 2026. Hrsg.: Tarifverbund OSTWIND. Abgerufen am 2026-08-04.
  7. Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen. In: Schienenverkehr-Schweiz.ch. Abgerufen am 2026-08-04.
  8. Geschichte von Aadorf. Hrsg.: Politische Gemeinde Aadorf. Abgerufen am 2026-08-04.
  9. Die Vergangenheit in Kürze. Hrsg.: Politische Gemeinde Aadorf. Abgerufen am 2026-08-04.
  10. Ankunft des ersten elektrischen Zuges in Aadorf, Probefahrt vom 13. Mai 1927. Hrsg.: SBB Historic. Abgerufen am 2026-08-04.
  11. Aadorf, Bahnhofstrasse 26: Bahnhof Aadorf. Hrsg.: Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau. Abgerufen am 2026-08-04.
  12. Bahnhof Aadorf: Bauarbeiten für stufenfreie Wege zu den Zügen starten. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. 2020-04-21. Abgerufen am 2026-08-04.
  13. Neugestaltung Bahnhofplatz Aadorf. Hrsg.: Politische Gemeinde Aadorf. Abgerufen am 2026-08-04.

47,48812° N, 8,90327° E