Kappelerkriege

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Kappelerkriege
Zeitraum 1529 und 1531
Schauplätze Kappel am Albis, Zugerland, Gubel
Konfliktparteien Reformierte Orte unter Führung von Zürich und Bern
Fünf katholische Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug
Ursache Konfessionelle und politische Gegensätze während der Reformation in der Schweiz
Erster Krieg Verhandlungen ohne offene Feldschlacht; Erster Kappeler Landfriede vom 26. Juni 1529
Zweiter Krieg Sieg der katholischen Orte; Zweiter Kappeler Landfriede vom 20. November 1531
Folgen Festigung der konfessionellen Teilung der Alten Eidgenossenschaft

Die Kappelerkriege waren zwei bewaffnete Konflikte zwischen reformierten und katholischen Orten der Alten Eidgenossenschaft während der frühen Reformation in der Schweiz. Sie ereigneten sich 1529 und 1531 und wurden hauptsächlich im Grenzgebiet zwischen dem reformierten Zürich und dem katholischen Zug ausgetragen. Namengebend war der Ort Kappel am Albis im heutigen Bezirk Affoltern.

Der Erste Kappelerkrieg von 1529 endete nach Vermittlungsverhandlungen, noch bevor es zu einer offenen Feldschlacht kam. Mit ihm ist die überlieferte Kappeler Milchsuppe verbunden, bei der Soldaten beider Lager gemeinsam aus einem Topf gegessen haben sollen. Der am 26. Juni 1529 geschlossene Erste Kappeler Landfriede begünstigte zunächst die reformierten Orte.

Die grundlegenden Gegensätze blieben jedoch bestehen. Im Zweiten Kappelerkrieg von 1531 besiegten die fünf katholischen Orte das ungenügend vorbereitete Zürcher Heer in der Schlacht bei Kappel. Unter den mehr als 500 gefallenen Zürchern befand sich der Reformator Huldrych Zwingli. Eine weitere Niederlage der reformierten Truppen in der Schlacht am Gubel führte zum Zweiten Kappeler Landfrieden.

Der Friedensvertrag von 1531 beendete die weitere Ausbreitung der Reformation in der deutschsprachigen Eidgenossenschaft weitgehend und festigte die konfessionelle Teilung des Staatenbundes. Die katholischen Orte gewannen innerhalb der eidgenössischen Politik ein Übergewicht, das erst durch den Zweiten Villmergerkrieg von 1712 grundlegend verändert wurde.[1]

Historischer Hintergrund

Aufbau der Alten Eidgenossenschaft

Die Eidgenossenschaft des frühen 16. Jahrhunderts war kein zentral regierter Staat, sondern ein Bündnis weitgehend selbstständiger Orte. Jeder Ort besass eine eigene Regierung, eigene Gerichte, eigene Untertanengebiete und eine eigene Aussenpolitik.

Gemeinsame Angelegenheiten wurden an der Tagsatzung beraten. Die Beschlüsse der Tagsatzung waren jedoch häufig von der Zustimmung der einzelnen Orte abhängig. Es gab weder eine zentrale Regierung noch eine eidgenössische Armee, die unabhängig von den Orten hätte handeln können.

Neben den vollberechtigten Orten bestanden zugewandte Orte und gemeinsam verwaltete Untertanengebiete. Diese sogenannten Gemeinen Herrschaften wurden von mehreren Orten abwechselnd durch Landvögte regiert. Zu ihnen gehörten unter anderem der Thurgau, die Grafschaft Baden, die Freien Ämter, das Gaster und die Herrschaft Uznach.

Gerade in diesen Gebieten führte die Reformation zu schwierigen Konflikten. Die reformierten Orte verlangten, dass die einzelnen Gemeinden selbst über ihr Bekenntnis entscheiden sollten. Die katholischen Orte beriefen sich dagegen auf die Rechte der gemeinsam regierenden eidgenössischen Orte.

Reformation in Zürich

Unter dem Einfluss von Huldrych Zwingli begann die Stadt Zürich seit den frühen 1520er-Jahren, kirchliche Lehre und religiöses Leben grundlegend zu verändern.

Nach den Zürcher Disputationen von 1523 unterstützte der Rat die reformatorische Bewegung. Heiligenbilder und Altäre wurden aus den Kirchen entfernt, Klöster aufgehoben und die katholische Messe durch einen reformierten Gottesdienst ersetzt.

Zürich betrachtete die Reformation nicht nur als innerkirchliche Angelegenheit. Die städtische Obrigkeit wollte die neue Lehre auch in ihren ländlichen Herrschaftsgebieten und in weiteren Teilen der Eidgenossenschaft durchsetzen.

Bis 1528 führten auch Bern, Basel, Schaffhausen und weitere Städte die Reformation ein. Daneben entstanden reformierte Bewegungen in St. Gallen, im Thurgau, im Toggenburg und in mehreren Gemeinen Herrschaften.[2]

Katholische Orte

Die fünf Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug hielten am katholischen Glauben fest. Sie betrachteten die Reformation als Gefahr für die kirchliche Ordnung, die überlieferten Bündnisse und ihre politische Stellung in der Eidgenossenschaft.

Die katholischen Orte waren in den Gemeinen Herrschaften häufig an der Regierung beteiligt. Eine Ausbreitung der Reformation hätte deshalb nicht nur religiöse, sondern auch politische und wirtschaftliche Folgen gehabt.

Gleichzeitig standen die ländlichen Orte der von Städten getragenen reformierten Bewegung mit Misstrauen gegenüber. Der Konflikt verband somit konfessionelle Unterschiede mit älteren Gegensätzen zwischen städtischen und ländlichen Orten.

Christliches Burgrecht

Zürich schloss zur Sicherung der Reformation Bündnisse mit gleichgesinnten Städten und Gebieten. Diese Bündnisse wurden als Christliches Burgrecht bezeichnet.

Zu den Bündnispartnern gehörten zeitweise:

  • Zürich;
  • Bern;
  • Konstanz;
  • St. Gallen;
  • Basel;
  • Schaffhausen;
  • Biel;
  • Mülhausen.

Das Christliche Burgrecht sollte den reformierten Orten gegenseitige politische und militärische Unterstützung gewährleisten. Es stärkte Zürichs Einfluss, wurde von den katholischen Orten jedoch als Bedrohung des eidgenössischen Gleichgewichts wahrgenommen.

Bündnis der katholischen Orte mit Österreich

Als Reaktion auf das reformierte Burgrecht schlossen die fünf katholischen Orte am 22. April 1529 in Waldshut ein Bündnis mit dem späteren Kaiser Ferdinand I. aus dem Haus Habsburg.

Das sogenannte Ferdinandische Bündnis beziehungsweise die Christliche Vereinigung sah gegenseitige Unterstützung gegen Angriffe und gegen die Ausbreitung der Reformation vor.

Die Zusammenarbeit mit den Habsburgern war innerhalb der Eidgenossenschaft besonders umstritten. Zürich und Bern warfen den fünf Orten vor, mit einer traditionellen Gegnerin der Eidgenossen ein Sonderbündnis abgeschlossen zu haben.[3]

Erster Kappelerkrieg

Zuspitzung der Spannungen

In den Gemeinen Herrschaften verbreiteten reformierte Prediger die neue Lehre. Katholische Obrigkeiten versuchten dagegen, reformatorische Gottesdienste, Bilderstürme und die Tätigkeit nicht zugelassener Prediger zu verhindern.

Beide Seiten verbreiteten polemische Schriften und beschuldigten einander, den eidgenössischen Bund zu verletzen. Religiöse Streitfragen verbanden sich mit Auseinandersetzungen um Gerichtsrechte, Landvogteien und politischen Einfluss.

Besonders angespannt war die Lage in den gemeinsam verwalteten Gebieten der Ostschweiz. Dort bestanden innerhalb einzelner Dörfer und Regionen reformierte und katholische Parteien nebeneinander.

Hinrichtung von Jakob Kaiser

Unmittelbarer Anlass des Ersten Kappelerkriegs war die Hinrichtung des reformierten Pfarrers Jakob Kaiser, der auch Jakob Schlosser genannt wurde.

Kaiser war früher katholischer Priester gewesen und hatte sich der Reformation angeschlossen. Im Frühjahr 1529 sollte er eine Pfarrstelle in Oberkirch bei Kaltbrunn in der Gemeinen Herrschaft Uznach übernehmen.

Auf einer Reise wurde er auf schwyzerischem Gebiet festgenommen. Die Schwyzer Obrigkeit warf ihm vor, in einem katholischen Gebiet reformatorisch gepredigt und gegen den alten Glauben gehandelt zu haben.

Jakob Kaiser wurde als Ketzer verurteilt und am 29. Mai 1529 in Schwyz verbrannt. Seine Hinrichtung löste in Zürich grosse Empörung aus. Zwingli und ein Teil des Zürcher Rats betrachteten das Vorgehen als Angriff auf die Reformation und als Verletzung der Rechte eines Zürcher Untertanen.[4]

Zürcher Kriegsvorbereitungen

Zürich begann nach der Hinrichtung Kaisers mit der Mobilisierung seiner Truppen. Der Rat forderte von den katholischen Orten unter anderem die Auflösung ihres Bündnisses mit Österreich, die Entschädigung der Familie Kaisers und eine stärkere Duldung der reformierten Bewegung in den Gemeinen Herrschaften.

Als diese Forderungen nicht erfüllt wurden, erklärte Zürich den fünf katholischen Orten den Krieg. Bern unterstützte Zürich, drängte jedoch zugleich auf eine verhandelte Lösung.

Das Zürcher Heer zog Anfang Juni 1529 über das Knonaueramt nach Kappel am Albis. Auf der anderen Seite der Grenze sammelten die katholischen Orte ihre Truppen im Zuger Gebiet.

Das reformierte Heer war zahlenmässig deutlich überlegen. Die katholischen Orte befanden sich in einer schwierigen militärischen Lage, waren jedoch bereit, ihr Gebiet und ihren Glauben zu verteidigen.

Vermittlung durch Hans Aebli

Kurz vor dem erwarteten Zusammenstoss griff der Glarner Landammann Hans Aebli als Vermittler ein. Der Ort Glarus war konfessionell gespalten und nahm im Konflikt eine vermittelnde Stellung ein.

Am 10. Juni 1529 überzeugte Aebli die Kriegsparteien, die Kampfhandlungen aufzuschieben und Verhandlungen aufzunehmen. Weitere neutrale Orte und eidgenössische Vertreter beteiligten sich an der Vermittlung.

Die Beratungen dauerten mehr als zwei Wochen. Während die politischen und militärischen Führungen über die Bedingungen eines Friedens stritten, lagen sich die Soldaten beider Seiten in der Umgebung von Kappel gegenüber.

Trotz der konfessionellen Feindschaft kam es zwischen den einfachen Kriegsteilnehmern zu Gesprächen, Begegnungen und zum Austausch von Lebensmitteln. Viele Männer kannten sich aus früheren eidgenössischen Feldzügen oder aus dem Söldnerdienst.

Kappeler Milchsuppe

Nach einer späteren Überlieferung stellten Soldaten beider Lager einen grossen Topf genau auf die Grenze zwischen Zürich und Zug. Die Zuger beziehungsweise katholischen Truppen sollen Milch beigesteuert haben, während die Zürcher Brot brachten.

Die gemeinsam gegessene Suppe wurde als Kappeler Milchsuppe bekannt. Während des Essens sollen die Soldaten darauf geachtet haben, dass niemand mit seinem Löffel zu weit auf die andere Seite des Topfs griff.

Ob das gemeinsame Mahl genau in dieser Form stattfand, lässt sich anhand zeitgenössischer Quellen nicht zweifelsfrei feststellen. Die Geschichte wurde jedoch bereits im frühen 17. Jahrhundert bildlich dargestellt und entwickelte sich zu einem Symbol eidgenössischer Verständigung.

Die Milchsuppe steht für die Vorstellung, dass politische und religiöse Gegner trotz schwerer Konflikte durch persönliche Begegnung, Verhandlung und gemeinsame Traditionen einen Krieg verhindern können.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Erzählung häufig als Sinnbild des schweizerischen Kompromisses und der Versöhnungsfähigkeit verwendet. Besonders bekannt ist das 1869 entstandene Gemälde Die Kappeler Milchsuppe von Albert Anker.[4]

Erster Kappeler Landfriede

Am 26. Juni 1529 schlossen die Kriegsparteien den Ersten Kappeler Landfrieden. Da es nicht zu einer offenen Feldschlacht gekommen war, endete der Konflikt ohne grössere militärische Verluste.

Der Vertrag enthielt unter anderem folgende Bestimmungen:

  • Die Orte sollten einander wegen Glaubensfragen nicht beleidigen oder provozieren.
  • Die fünf katholischen Orte mussten ihr Sonderbündnis mit Ferdinand I. aufgeben.
  • Den katholischen Orten wurde die Verantwortung für den Krieg zugeschrieben.
  • Sie wurden zur Übernahme eines erheblichen Teils der Kriegskosten verpflichtet.
  • In den Gemeinen Herrschaften sollten die einzelnen Kirchgemeinden durch Mehrheitsentscheid über ihr Bekenntnis bestimmen können.
  • Die reformierten und katholischen Orte sollten einander in ihrem jeweiligen Glauben dulden.

Der Vertrag begünstigte insgesamt das reformierte Lager. Besonders das Mehrheitsprinzip in den Gemeinen Herrschaften ermöglichte eine weitere Ausbreitung der Reformation.

Der Friedensschluss war jedoch in mehreren Punkten unklar. Er regelte nicht abschliessend, wie konfessionelle Minderheiten geschützt werden sollten und ob eine Gemeinde nach einem einmaligen Bekenntnisentscheid später erneut abstimmen durfte.[5]

Zwischen den beiden Kriegen

Fortbestehende Konflikte

Der Erste Kappeler Landfriede verhinderte zwar den Krieg, beseitigte aber die Ursachen des Konflikts nicht. Beide Lager warfen einander vor, die Friedensbestimmungen zu verletzen.

In den Gemeinen Herrschaften kam es weiterhin zu Streitigkeiten über Gottesdienste, Kirchengebäude, kirchliches Eigentum und die Einsetzung von Pfarrern. In einigen Gemeinden wechselte die konfessionelle Mehrheit, während Minderheiten die Wiederherstellung ihres Gottesdienstes verlangten.

Zürich unterstützte reformierte Bewegungen im Toggenburg, im Gebiet der Fürstabtei St. Gallen und in weiteren ostschweizerischen Herrschaften. Die katholischen Orte betrachteten dies als politische Expansion Zürichs.

Politik Zwinglis

Huldrych Zwingli war überzeugt, dass die Reformation ohne eine Veränderung der eidgenössischen Machtverhältnisse gefährdet blieb. Er wollte den politischen Einfluss der katholischen Orte einschränken und die reformierten Bündnisse stärken.

Zwingli befürwortete notfalls ein militärisches Vorgehen. Er konnte sich mit dieser Haltung jedoch nicht vollständig durchsetzen.

Bern unterstützte zwar die Reformation und das Christliche Burgrecht, verfolgte aber eine vorsichtigere Politik. Die Berner Regierung wollte einen Bürgerkrieg vermeiden und konzentrierte sich gleichzeitig auf ihre Interessen in der Westschweiz.

Auch Basel, Schaffhausen und weitere reformierte Verbündete waren nicht bereit, jeden von Zürich vorgeschlagenen Schritt mitzutragen. Die Uneinigkeit innerhalb des reformierten Lagers wurde 1531 zu einem entscheidenden Nachteil.

Lebensmittelsperre

Da die reformierten Orte einen direkten Angriff ablehnten, beschlossen sie 1531 eine wirtschaftliche Blockade gegen die fünf katholischen Orte.

Die Sperre umfasste insbesondere die Lieferung von Getreide und Salz. Da die Innerschweiz für ihre Versorgung auf Einfuhren angewiesen war, sollte die Massnahme die katholischen Orte zur Annahme der Zürcher Forderungen zwingen.

Zwingli selbst bevorzugte zunächst ein rasches militärisches Vorgehen und warnte vor einer lang dauernden Blockade. Die Sperre traf nicht nur die politischen Führungen, sondern die gesamte Bevölkerung der katholischen Orte.

Anstatt die Gegenseite zum Nachgeben zu bewegen, verstärkte die Massnahme den Widerstandswillen. In der katholischen Innerschweiz wurde sie als ungerechte Aushungerungspolitik und als Angriff auf die Freiheit der Orte wahrgenommen.[6]

Zweiter Kappelerkrieg

Angriff der fünf Orte

Im Oktober 1531 beschlossen die fünf katholischen Orte, die Lebensmittelsperre mit militärischen Mitteln zu beenden.

Die katholischen Truppen wurden rasch mobilisiert und sammelten sich im Zuger Gebiet. Zürich erhielt zwar Nachrichten über die Vorbereitungen, reagierte jedoch langsam und uneinheitlich.

Ein Teil der Zürcher Führung hoffte weiterhin auf Verhandlungen. Die Mobilmachung war schlecht koordiniert, und die Aufgebote aus den verschiedenen Teilen des Zürcher Herrschaftsgebiets trafen nicht gleichzeitig ein.

Bern und die anderen reformierten Bündnispartner entsandten nicht rechtzeitig ausreichende Unterstützung. Zürich musste sich deshalb zunächst allein gegen das Heer der fünf Orte stellen.

Zürcher Heer bei Kappel

Ein erstes Zürcher Aufgebot unter Georg Göldli bezog bei Kappel am Albis Stellung. Es umfasste ungefähr 1'500 bis 2'000 Mann.

Weitere Zürcher Truppen wurden in der Stadt und auf der Landschaft mobilisiert. Unter ihnen befand sich Huldrych Zwingli, der das Heer als Feldprediger begleitete.

Das katholische Heer war mit mindestens 7'000 Kämpfern deutlich stärker. Seine Truppen verfügten über erfahrene Hauptleute und zahlreiche Männer mit militärischer Erfahrung aus dem europäischen Söldnerwesen.

Die Zürcher Stellung war ungenügend vorbereitet. Zwischen den einzelnen Abteilungen bestand keine klare Koordination, und das erwartete Hauptaufgebot traf zu spät ein.

Schlacht bei Kappel

Am 11. Oktober 1531 griffen die katholischen Truppen das Zürcher Heer bei Kappel am Albis an.

Die Zürcher versuchten, ihre Stellung auf einer Anhöhe zu halten. Nach heftigem Kampf durchbrachen die Angreifer jedoch ihre Ordnung. Teile des reformierten Heers wurden eingeschlossen, während andere in Richtung Albis und Zürich flohen.

Mehr als 500 Zürcher kamen ums Leben. Zu den Gefallenen gehörten zahlreiche Mitglieder des Grossen und Kleinen Rats, Geistliche, Offiziere und Bannerträger.

Die Niederlage schwächte die politische und militärische Führung Zürichs schwer. Auch mehrere Gemeinden der Zürcher Landschaft verloren einen erheblichen Teil ihrer aufgebotenen Männer.[6]

Tod Huldrych Zwinglis

Huldrych Zwingli wurde während der Schlacht verwundet. Nach katholischen Berichten wurde er noch lebend auf dem Schlachtfeld gefunden.

Da er sich geweigert habe, zu beichten oder die katholische Glaubensformel anzunehmen, sei er getötet worden. Sein Leichnam wurde später erkannt, gevierteilt und verbrannt. Die Asche wurde nach der Überlieferung mit der Asche von Schweinen vermischt.

Die genauen Umstände seines Todes sind durch konfessionell geprägte Berichte überliefert und lassen sich nicht in allen Einzelheiten sicher rekonstruieren.

Für die reformierte Seite wurde Zwingli zum Glaubenszeugen und Märtyrer. Katholische Darstellungen interpretierten seinen Tod dagegen als Strafe für die Verbindung von geistlichem Amt und kriegerischer Politik.

Zwinglis Tod beendete seine führende Rolle in der schweizerischen Reformation. Sein Nachfolger Heinrich Bullinger führte die Zürcher Kirche vorsichtiger und legte grösseres Gewicht auf theologische Verständigung und kirchliche Stabilisierung.

Folgen der Schlacht für Zürich

Nach der Niederlage bereitete sich Zürich auf einen möglichen Angriff auf sein eigenes Herrschaftsgebiet vor. Befestigungen wurden verstärkt und neue Truppen aufgeboten.

Die katholischen Orte nutzten ihren Sieg jedoch nicht zu einem unmittelbaren Vorstoss auf die Stadt Zürich. Ihr Heer blieb zunächst im Grenzraum und sicherte seine Stellung.

In Zürich kam es zu heftigen Auseinandersetzungen über die Verantwortung für die Niederlage. Zwinglis Politik, die unzureichende Mobilisierung und die Haltung einzelner Heerführer wurden kritisiert.

Die Stadt musste ihre bisherige expansive Konfessionspolitik aufgeben. Gleichzeitig bestand weiterhin die Gefahr, dass auch Bern und die anderen reformierten Orte in den Krieg eintraten.

Reformiertes Bundesheer

Nach der Schlacht bei Kappel mobilisierten Bern und weitere reformierte Gebiete ihre Truppen.

Ein reformiertes Heer mit Kontingenten aus Bern, Zürich, Schaffhausen, St. Gallen, dem Thurgau und dem Toggenburg sammelte sich. Es umfasste mehrere Tausend Mann und war zahlenmässig stärker als die katholischen Verbände.

Die reformierten Truppen zogen durch das Reusstal und näherten sich dem Zuger Gebiet. Ein Teil des Heers plünderte Dörfer und Höfe, was den Widerstand der lokalen Bevölkerung verstärkte.

Die katholischen Truppen vermieden zunächst eine offene Schlacht gegen die Übermacht. Sie nutzten ihre Kenntnis des Geländes und zogen sich auf strategisch günstige Höhen zurück.

Schlacht am Gubel

In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober 1531 lagerte ein grosser Teil des reformierten Heers auf dem Gubel, einer Anhöhe bei Menzingen.

Eine wesentlich kleinere katholische Abteilung näherte sich dem Lager in der Dunkelheit. Die genaue Zahl der Angreifer ist umstritten; in der Überlieferung werden häufig ungefähr 600 bis 700 Männer genannt.

Der nächtliche Überraschungsangriff löste im reformierten Lager Unordnung und Panik aus. Viele Soldaten konnten ihre Waffen nicht rechtzeitig ergreifen oder wussten nicht, aus welcher Richtung der Angriff erfolgte.

Trotz ihrer zahlenmässigen Überlegenheit wurden die reformierten Truppen geschlagen. Die Angaben zu den Verlusten unterscheiden sich erheblich; wahrscheinlich kamen mehrere Hundert Männer ums Leben.

Die Niederlage am Gubel nahm dem reformierten Lager die Möglichkeit, das Ergebnis der Schlacht bei Kappel militärisch zu korrigieren. Beide Seiten begannen daraufhin ernsthafte Friedensverhandlungen.[7]

Zweiter Kappeler Landfriede

Am 20. November 1531 schlossen Vertreter der katholischen und reformierten Orte im Weiler Deinikon bei Baar den Zweiten Kappeler Landfrieden.

Der Vertrag ersetzte einen grossen Teil der Bestimmungen von 1529 und fiel deutlich zugunsten der katholischen Sieger aus.

Zu den wichtigsten Regelungen gehörten:

  • Jeder selbstständige eidgenössische Ort durfte in seinem eigenen Herrschaftsgebiet die Konfession bestimmen.
  • Die katholischen Orte wurden in ihrem Glauben und in ihren politischen Rechten bestätigt.
  • Die reformierten Orte mussten das Christliche Burgrecht auflösen.
  • Zürich und seine Verbündeten mussten einen Teil der Kriegskosten übernehmen.
  • Die reformierte Expansion in den Gemeinen Herrschaften wurde begrenzt.
  • Katholische Minderheiten erhielten in mehreren gemeinsam verwalteten Gebieten das Recht, die Wiederherstellung des katholischen Gottesdienstes zu verlangen.
  • Die Rechte der Fürstabtei St. Gallen wurden weitgehend wiederhergestellt.
  • Die fünf katholischen Orte erhielten in mehreren umstrittenen Gebieten eine stärkere Stellung.

In den selbstständigen reformierten Orten wurde die Reformation nicht rückgängig gemacht. Zürich, Bern, Basel und Schaffhausen blieben reformiert.

In den Gemeinen Herrschaften entstanden dagegen komplizierte Regelungen. Einige Gebiete blieben konfessionell gemischt, während andere rekatholisiert wurden.[8]

Konfessionelle Folgen

Rekatholisierung einzelner Gebiete

Nach dem Zweiten Kappeler Landfrieden wurde die Reformation in mehreren Gebieten vollständig oder teilweise rückgängig gemacht.

Zu den rekatholisierten Gebieten gehörten insbesondere:

  • Teile der Freien Ämter;
  • das Gaster;
  • Uznach;
  • Rapperswil;
  • weite Teile des Herrschaftsgebiets der Fürstabtei St. Gallen.

In anderen Regionen, darunter der Thurgau und das Toggenburg, blieben reformierte Gemeinden bestehen. Katholische Minderheiten konnten jedoch unter bestimmten Voraussetzungen eigene Gottesdienste und kirchliche Einrichtungen verlangen.

Dadurch entstanden zahlreiche paritätische Gemeinden, in denen reformierte und katholische Einwohner dieselbe Kirche gemeinsam oder zu unterschiedlichen Zeiten nutzten.

Festigung der Konfessionsgrenzen

Der Zweite Kappeler Landfriede legte die konfessionelle Grundstruktur der deutschsprachigen Eidgenossenschaft für lange Zeit fest.

Reformiert blieben insbesondere:

  • Zürich;
  • Bern;
  • Basel;
  • Schaffhausen;
  • Teile von Glarus;
  • Teile von Appenzell;
  • zahlreiche Gemeinden im Thurgau und Toggenburg.

Katholisch blieben insbesondere:

  • Luzern;
  • Uri;
  • Schwyz;
  • Unterwalden;
  • Zug;
  • Freiburg;
  • Solothurn;
  • grosse Teile der zentralen und östlichen Voralpengebiete.

Die konfessionellen Grenzen verliefen teilweise durch einzelne Landschaften, Dörfer und sogar Kirchgemeinden. Sie prägten Politik, Schulwesen, Ehe, Armenfürsorge und Alltagsleben bis ins 19. Jahrhundert.

Politisches Übergewicht der katholischen Orte

Der Sieg von 1531 stärkte die katholischen Orte innerhalb der Tagsatzung und in der Verwaltung der Gemeinen Herrschaften.

Obwohl die reformierten Städte wirtschaftlich und bevölkerungsmässig zunehmend an Bedeutung gewannen, verfügten die katholischen Orte in den eidgenössischen Gremien häufig über eine Mehrheit.

Dieses Ungleichgewicht führte im 17. Jahrhundert zu neuen Spannungen. Die Konflikte entluden sich im Ersten Villmergerkrieg von 1656 und im Zweiten Villmergerkrieg von 1712.

Erst der Sieg Zürichs und Berns im Jahr 1712 veränderte die politischen Machtverhältnisse zugunsten der reformierten Orte.

Bedeutung für die Eidgenossenschaft

Verhinderung eines Zerfalls

Die Kappelerkriege brachten die Eidgenossenschaft an den Rand einer dauerhaften Spaltung. Dennoch verliessen weder die katholischen noch die reformierten Orte den gemeinsamen Bund.

Die alten Bündnisse blieben grundsätzlich bestehen. Die Orte nahmen weiterhin gemeinsam an Tagsatzungen teil, verwalteten Untertanengebiete und regelten aussenpolitische Fragen.

Der Zweite Kappeler Landfriede war kein moderner Toleranzvertrag. Er schuf jedoch Regeln, die ein Nebeneinander der Konfessionen innerhalb des lockeren Staatenbundes ermöglichten.

Entwicklung konfessioneller Lager

Nach 1531 bestanden innerhalb der Eidgenossenschaft zwei konfessionelle Blöcke. Sie führten teilweise getrennte Tagsatzungen durch und schlossen eigene Bündnisse mit ausländischen Mächten.

Die katholischen Orte orientierten sich häufiger an katholischen Mächten wie Frankreich, Spanien, Savoyen und dem Papsttum. Die reformierten Orte pflegten Beziehungen zu protestantischen Städten und Staaten.

Trotzdem blieben beide Lager durch gemeinsame Herrschaften, wirtschaftliche Interessen, Verkehrswege und militärische Verpflichtungen miteinander verbunden.

Zurückhaltende Aussenpolitik

Die konfessionelle Teilung erschwerte eine gemeinsame Beteiligung der Eidgenossenschaft an den europäischen Religionskriegen.

Eine eindeutige Parteinahme für eine katholische oder protestantische Macht hätte den inneren Zusammenhalt gefährdet. Die Orte entwickelten deshalb langfristig eine vorsichtigere gemeinsame Aussenpolitik.

Diese Entwicklung darf nicht mit der späteren schweizerischen Neutralität gleichgesetzt werden. Die konfessionelle Spaltung trug jedoch dazu bei, dass die Eidgenossenschaft während des Dreissigjährigen Kriegs nicht geschlossen auf einer Seite eingriff.

Ende von Zwinglis politischem Reformationsmodell

Mit Zwinglis Tod scheiterte der Versuch, die Reformation durch eine Verbindung von kirchlicher Erneuerung, städtischer Politik und militärischem Druck in der gesamten Eidgenossenschaft durchzusetzen.

Heinrich Bullinger stabilisierte die Zürcher Reformation und bemühte sich um theologische Bündnisse mit anderen reformierten Kirchen. Unter seiner Leitung wurde Zürich zu einem bedeutenden Zentrum des europäischen Protestantismus.

Die reformierte Kirche blieb in der Eidgenossenschaft dauerhaft verankert, musste jedoch die Existenz der katholischen Orte anerkennen.

Erinnerungskultur

Kappeler Milchsuppe als Friedenssymbol

Die Kappeler Milchsuppe entwickelte sich zum bekanntesten Erinnerungsbild des Ersten Kappelerkriegs.

Sie wurde in Chroniken, Gemälden, Schulbüchern, Festspielen und politischen Reden dargestellt. Das gemeinsame Essen symbolisierte den Vorrang des Gesprächs vor der Gewalt.

Die historische Erinnerung konzentrierte sich lange stärker auf die versöhnliche Milchsuppe als auf die politischen Konflikte, die nur zwei Jahre später zum Krieg führten.

In der Gegenwart wird die Erzählung häufig bei ökumenischen, politischen und interkantonalen Anlässen verwendet. Sie steht für Dialog, Kompromiss und friedliche Konfliktlösung.

Schlachtfeld von Kappel

Das Schlachtfeld liegt südlich von Kappel am Albis nahe der Grenze zum Kanton Zug.

An Huldrych Zwingli und die gefallenen Zürcher erinnert das Zwinglidenkmal. Es wurde im 19. Jahrhundert errichtet, als Zwingli zunehmend als bedeutende Persönlichkeit der Zürcher und schweizerischen Geschichte verehrt wurde.

Die Inschrift des Denkmals entspricht dem damaligen heroischen Geschichtsbild. Neuere Darstellungen betonen stärker das Leid der Kriegsteilnehmer, die konfessionelle Gewalt und die Notwendigkeit der Versöhnung.

Erinnerung am Gubel

Auf katholischer Seite wurde der Sieg am Gubel während Jahrhunderten religiös gedeutet. Die geringe Zahl der Angreifer und ihr unerwarteter Erfolg galten als Zeichen göttlicher Hilfe.

Auf dem Gubel entstand eine Kapelle, die zu einem Wallfahrtsort wurde. Später wurde dort das Kloster Maria Hilf auf dem Gubel gegründet.

Die katholische Erinnerungskultur stellte den Sieg als Verteidigung des überlieferten Glaubens dar. Reformierte Darstellungen betonten dagegen den nächtlichen Überfall und die Unordnung des eigenen Heers.

Wandel der Deutung

Bis weit ins 20. Jahrhundert wurden die Kappelerkriege häufig aus konfessionell geprägter Perspektive beschrieben. Reformierte und katholische Darstellungen unterschieden sich deutlich in der Bewertung Zwinglis, der Lebensmittelsperre und der Schlachten.

Die moderne Geschichtswissenschaft untersucht die Konflikte stärker im Zusammenhang mit Politik, Herrschaft, Wirtschaft, Kommunikation und militärischer Organisation.

Heute gelten die Kappelerkriege als Beispiel dafür, wie eng religiöse Überzeugungen und politische Machtinteressen während der Reformationszeit miteinander verbunden waren.

Chronologie

Wichtige Ereignisse der Kappelerkriege
Datum Ereignis
1523 Zürcher Disputationen und Durchsetzung der Reformation in Zürich
1527–1529 Ausbau des reformierten Christlichen Burgrechts
1528 Einführung der Reformation in Bern
22. April 1529 Bündnis der fünf katholischen Orte mit Ferdinand I. in Waldshut
29. Mai 1529 Hinrichtung des reformierten Pfarrers Jakob Kaiser in Schwyz
Anfang Juni 1529 Zürcher Truppen ziehen nach Kappel am Albis
10. Juni 1529 Beginn der Vermittlung durch den Glarner Landammann Hans Aebli
Juni 1529 Überlieferte gemeinsame Kappeler Milchsuppe
26. Juni 1529 Abschluss des Ersten Kappeler Landfriedens
1531 Reformierte Orte verhängen eine Lebensmittelsperre gegen die fünf katholischen Orte
Oktober 1531 Mobilisierung und Einmarsch der katholischen Truppen
11. Oktober 1531 Schlacht bei Kappel und Tod Huldrych Zwinglis
23./24. Oktober 1531 Schlacht am Gubel und erneute Niederlage der reformierten Truppen
20. November 1531 Abschluss des Zweiten Kappeler Landfriedens in Deinikon bei Baar
1712 Zweiter Villmergerkrieg verändert die seit 1531 bestehenden Machtverhältnisse

Siehe auch

Literatur

  • Leonhard von Muralt: Zwingli und die Kappeler Kriege. Zürich 1931.
  • Gottfried W. Locher: Die Zwinglische Reformation im Rahmen der europäischen Kirchengeschichte. Göttingen 1979.
  • Helmut Meyer: Die kleine grosse Stadt. Zürich im Mittelalter und zur Zeit der Reformation. Zürich 2011.
  • Jonas Briner: Milchsuppe oder Blutbad? Die Reformationskriege in der Zuger Erinnerungskultur. Chronos, Zürich 2013, ISBN 978-3-0340-1162-4.
  • Peter Niederhäuser und Regula Schmid: Querblicke. Zürcher Reformationsgeschichten. Chronos, Zürich 2019.
  • Bruce Gordon: The Swiss Reformation. Manchester University Press, Manchester 2002.
  • Thomas Maissen: Geschichte der Schweiz. Hier und Jetzt, Baden 2010.

Einzelnachweise

  1. Kappelerkriege. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. Reformation. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. Landfriedensbünde. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Andrej Abplanalp: Der erste Kappeler Landfrieden. Blog des Schweizerischen Nationalmuseums, 26. Juni 2019, aktualisiert am 17. Dezember 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. Erster Kappeler Landfriede vom 26. Juni 1529. Digitale Quellenedition, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 Andrej Abplanalp: Der Zweite Kappelerkrieg. Blog des Schweizerischen Nationalmuseums, 11. Oktober 2021, aktualisiert am 17. Dezember 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Die Schlacht auf dem Gubel entscheidet den Kappelerkrieg. Einwohnergemeinde Oberägeri, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Zweiter Kappeler Landfriede vom 20. und 24. November 1531. Digitale Quellenedition, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, abgerufen am 24. Juli 2026.