Freiherren von Regensberg
| Freiherren von Regensberg | |
|---|---|
| Stand | Hochfreier Adel |
| Wirkungszeit | 11. bis frühes 14. Jahrhundert |
| Stammsitz | Burg Alt-Regensberg bei Regensdorf |
| Späterer Hauptsitz | Burg und Städtchen Regensberg |
| Herrschaftsgebiet | vor allem Zürichgau, Aargau, Thurgau und Gebiete nördlich des Rheins |
| Bedeutende Gründungen | Kloster Fahr, Kloster Rüti, Regensberg, Glanzenberg, Grüningen und Kaiserstuhl |
| Verbundene Geschlechter | Kyburg, Habsburg, Toggenburg und weitere Adelsfamilien |
| Erlöschen | um 1331 in männlicher Linie |
| Letzter männlicher Vertreter | Lütold IX. von Regensberg |
| Wappen | in Silber drei blaue Pfähle, überdeckt von einem roten Balken |
Die Freiherren von Regensberg waren ein bedeutendes hochadliges Geschlecht des mittelalterlichen Zürichgaus. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert verfügten sie über ausgedehnte Besitzungen, Herrschaftsrechte, Burgen, Städte und Vogteien im Gebiet des heutigen Kantons Zürich sowie in angrenzenden Teilen des Aargaus, Thurgaus und des süddeutschen Raums. Ihre Stammburg war Alt-Regensberg beim heutigen Regensdorf. Im 13. Jahrhundert errichtete die Familie mit Burg und Städtchen Regensberg auf der Lägern einen zweiten repräsentativen Herrschaftsmittelpunkt.
Die Regensberger gehörten neben den Grafen von Kyburg, den Habsburgern, den Grafen von Rapperswil und den Toggenburgern zu den einflussreichsten weltlichen Herrschaftsträgern der Region. Ihre Politik beruhte auf Burgenbau, Stadtgründungen, Klosterstiftungen, Vogteirechten, Heiratsverbindungen und der Kontrolle wichtiger Verkehrswege. Nach einer Phase besonders intensiver territorialer Expansion geriet das Geschlecht in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wirtschaftlich und politisch unter Druck. Um 1331 erlosch es in männlicher Linie.[1]
Name und Herkunft
Die genaue Herkunft der Freiherren von Regensberg ist nicht abschliessend geklärt. Ältere genealogische Darstellungen versuchten, das Geschlecht mit burgundischen Grafenfamilien oder mit den Herren von Affoltern in Verbindung zu bringen. Solche Abstammungsreihen gelten in der neueren Forschung teilweise als hypothetisch oder nachträglich konstruiert.
Als früher Vertreter erscheint ein Lütold, der sich nach der im 11. Jahrhundert erbauten Burg Regensberg nannte. Ein Lütold I. gilt als erster sicher fassbarer Angehöriger, der den Namen «von Regensberg» führte. Die wiederkehrenden Namen Lütold und Ulrich erschweren jedoch die Rekonstruktion der Familie. Die Nummerierung einzelner Angehöriger ist in der älteren und neueren Literatur nicht einheitlich.[1]
Die Bezeichnung «Freiherren» verweist auf den hochfreien Stand der Familie. Anders als Ministerialen waren die Regensberger ursprünglich nicht als unfreie Dienstleute eines anderen Adelshauses eingeordnet. Sie verfügten über eigenes Herrschaftsvermögen und konnten als Stifter, Gerichtsherren, Vögte und Bündnispartner selbstständig auftreten.
Stammburg Alt-Regensberg
Die erste Burg der Familie entstand um die Mitte des 11. Jahrhunderts auf einem Moränenhügel beim heutigen Weiler Altburg in der Gemeinde Regensdorf. Die Anlage wird heute als Alt-Regensberg bezeichnet. Sie lag unweit der Katzenseen und überblickte Teile des Furttals sowie die Verkehrswege nordwestlich von Zürich.
Archäologische Untersuchungen ergaben, dass der älteste Hauptturm, eine Zisterne und eine hölzerne Befestigung bereits zur ersten Bauphase gehörten. Die Anlage wurde später mehrfach erweitert. Neben dem Turm bestanden Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Stallungen, Speicher und eine Umfassungsmauer.[1]
Alt-Regensberg war nicht nur Wohnsitz, sondern auch Verwaltungs- und Gerichtsmittelpunkt. Von hier aus kontrollierte die Familie ihren weit verstreuten Besitz. Hochadlige Familien des Mittelalters lebten nicht dauerhaft an einem einzigen Ort. Die Regensberger reisten zwischen ihren Burgen, Höfen und kirchlichen Stiftungen, hielten Gericht, nahmen an Versammlungen teil und pflegten Beziehungen zu anderen Herrschaftsträgern.
Nach der Gründung von Neu-Regensberg auf der Lägern erhielt die ältere Burg zur Unterscheidung den Namen Alt-Regensberg. Sie blieb vermutlich Sitz eines Familienzweigs und wurde noch im frühen 14. Jahrhundert von Angehörigen des Geschlechts genutzt.
Aufstieg im Zürichgau
Die Machtstellung der Regensberger beruhte nicht auf einem geschlossenen Territorium. Wie bei vielen mittelalterlichen Adelsgeschlechtern bestand ihr Besitz aus einem Geflecht unterschiedlicher Rechte. Dazu gehörten Eigengüter, Lehen, Vogteien, Zehnten, Patronatsrechte, Gerichte, Höfe, Kirchen und Nutzungsrechte.
Der Schwerpunkt lag im Gebiet um Zürich, im Furttal, im Limmattal, im Zürcher Unterland und im Zürcher Oberland. Weitere Güter und Rechte lagen im Aargau, Thurgau, Klettgau und nördlich des Rheins. Eine genaue Rekonstruktion des gesamten Besitzes ist schwierig, da Rechte häufig geteilt, verpfändet, getauscht oder an Klöster übertragen wurden.
Die Familie sicherte ihre Stellung durch Heiratsverbindungen mit anderen bedeutenden Geschlechtern. Beziehungen bestanden unter anderem zu den Kyburgern, den Habsburgern und den Toggenburgern. Solche Ehen dienten nicht nur familiären Interessen, sondern waren ein wichtiges Instrument der mittelalterlichen Territorialpolitik.[1]
Zu den Regensbergern gehörten zahlreiche ritterliche Dienstleute. Diese verwalteten Burgen, Höfe und Gerichtsrechte, traten als Zeugen in Urkunden auf und leisteten militärische Dienste. Im Raum Zürich bestanden auch Beziehungen zu städtischen Rittergeschlechtern wie den Mülnern.[2]
Kirchliche Stiftungen
Kirchliche Stiftungen waren im Mittelalter Ausdruck von Frömmigkeit, familiärer Erinnerung und Herrschaftspolitik. Die Regensberger förderten Klöster und Kirchen, übertrugen ihnen Grundbesitz und behielten teilweise Vogtei- oder Schutzrechte.
Kloster Fahr
Im Jahr 1130 schenkte Lütold II. von Regensberg seinen Grundbesitz «Vare» an der Limmat dem Kloster Einsiedeln. Mit der Schenkung war die Verpflichtung verbunden, dort eine Gemeinschaft von Benediktinerinnen einzurichten. Daraus entstand das Kloster Fahr.[3]
Die Stiftung stärkte die Verbindung zwischen der Familie und dem Kloster Einsiedeln. Gleichzeitig blieb das Kloster Fahr eng mit dem Herrschaftsraum der Regensberger im Limmattal verbunden. Die Vogtei über klösterliche Besitzungen konnte dem Stiftergeschlecht politischen Einfluss und wirtschaftliche Rechte sichern.
Kloster Rüti
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts gründeten die Freiherren von Regensberg das Kloster Rüti im Zürcher Oberland. Es wurde mit Prämonstratenser-Chorherren besiedelt. Um den Klosterbezirk und seine Wirtschaftsbetriebe entwickelte sich später die Siedlung Rüti.[4]
Die Gründung lag an einem regionalen Verkehrsweg und unterstützte die wirtschaftliche Erschliessung des Gebiets. Das Kloster entwickelte sich später zu einer bedeutenden geistlichen und grundherrschaftlichen Institution des Zürcher Oberlands.
Kirchen und Patronatsrechte
Neben den grossen Klosterstiftungen verfügten die Regensberger über Rechte an verschiedenen Pfarrkirchen. Dazu gehörten Patronatsrechte, Zehnten und die Befugnis, Geistliche vorzuschlagen. Solche Rechte konnten verkauft oder an geistliche Orden übertragen werden.
In Buchs gingen beispielsweise Patronatsrechte und Zehnten 1314 von den Freiherren von Regensberg an das Johanniterhaus Bubikon über.[5]
Städte- und Burgenpolitik
Im 13. Jahrhundert versuchten die Regensberger, ihren verstreuten Besitz zu einer stärker organisierten Landesherrschaft auszubauen. Burgen sicherten Verkehrswege und Gerichtsbezirke. Kleine Städte dienten als Markt-, Verwaltungs- und Befestigungsorte.
Zu den mit der Familie verbundenen Stadt- und Burggründungen gehören:
| Ort oder Anlage | Funktion | Weitere Entwicklung |
|---|---|---|
| Alt-Regensberg | Stammburg und früher Herrschaftsmittelpunkt | blieb nach der Gründung von Neu-Regensberg Sitz eines Familienzweigs |
| Regensberg | befestigtes Burgstädtchen und repräsentativer Herrschaftssitz | 1302 an Habsburg verkauft |
| Glanzenberg | befestigtes Städtchen und Handelsplatz an der Limmat | Entwicklung durch die Nähe zu Zürich und die Regensberger Fehde beeinträchtigt |
| Grüningen | Burg und befestigter Mittelpunkt im Zürcher Oberland | 1269 an Habsburg gelangt |
| Kaiserstuhl | befestigte Stadt am Rhein | 1294 an das Hochstift Konstanz verkauft |
| Burg Alt-Lägern | Kontrolle des Lägerngebiets | Anlage im Mittelalter aufgegeben |
Nicht jede dieser Anlagen wurde vollständig neu auf unbesiedeltem Boden errichtet. Teilweise bauten die Regensberger ältere Burgen oder Siedlungen aus. Auch die Zuordnung einzelner Anlagen zur Familie ist in der Forschung unterschiedlich sicher.
Gründung von Neu-Regensberg
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts liess Lütold V. auf einem östlichen Ausläufer der Lägern eine neue Burg mit befestigtem Städtchen errichten. Der Bau begann nach Angaben der Gemeinde Regensberg 1244 und dürfte um 1248 weitgehend abgeschlossen gewesen sein.[6]
Die Anlage bestand aus der Oberburg mit dem runden Bergfried, einer Kirche, Wohnhäusern, Toren und einem tiefen Sodbrunnen. Der ovale Grundriss und der Rundturm unterscheiden Neu-Regensberg von vielen älteren Burganlagen der Region. In der lokalen Überlieferung wird dieser Baustil mit Berta von Neuenburg, der Ehefrau Lütolds V., und ihrem savoyischen Umfeld in Verbindung gebracht.[6]
Neu-Regensberg sollte als Zentrum einer zusammenhängenden Territorialherrschaft dienen. Seine Lage ermöglichte die Kontrolle des Zürcher Unterlands, des Wehntals und wichtiger Wege zwischen Zürich, dem Rhein und der Nordwestschweiz.
Mit der Errichtung des neuen Herrschaftssitzes wurde die ältere Anlage bei Regensdorf als Alt-Regensberg bezeichnet. Innerhalb der Familie bildeten sich Linien, die mit den beiden Burgen verbunden waren. Die genaue Zuordnung einzelner Familienmitglieder zu Alt- oder Neu-Regensberg ist wegen der wechselnden Namensformen und der unsicheren Genealogie nicht in allen Fällen eindeutig.
Verhältnis zur Stadt Zürich
Die Regensberger besassen Burgen, Zölle und Gerichtsrechte in der Umgebung Zürichs. Ihre territorialen Interessen standen deshalb in einem Spannungsverhältnis zur wirtschaftlichen und politischen Expansion der Stadt.
Zürich erhielt nach dem Aussterben der Zähringer 1218 eine stärkere reichsunmittelbare Stellung. Die Stadt bemühte sich zunehmend, ihre Handelswege zu sichern und ihren Einfluss auf die Umgebung auszudehnen. Die Regensberger kontrollierten dagegen wichtige Zugänge im Limmattal, Furttal, Glatttal und Zürcher Oberland.
Besonders das Städtchen Glanzenberg lag an einer empfindlichen Stelle. Es befand sich an der Limmat westlich von Zürich und hätte sich zu einem konkurrierenden Markt- und Zollort entwickeln können. Seine Gründung war Teil des Versuchs, den Verkehr zwischen Zürich, Baden und dem Aargau zu kontrollieren.
Die Vorstellung, die Stadt Zürich sei vollständig von einem systematisch errichteten Ring regensbergischer Burgen eingeschlossen gewesen, gehört teilweise zur späteren Geschichtsschreibung. Tatsächlich verfügte die Familie über zahlreiche Stützpunkte im weiteren Umfeld der Stadt. Nicht bei allen Burgen ist jedoch sicher, ob sie zur gleichen Zeit unter direkter regensbergischer Herrschaft standen.
Kyburger Erbe und Habsburg
Mit dem Tod Hartmanns IV. von Kyburg im Jahr 1264 erlosch die ältere Linie der Grafen von Kyburg. Das umfangreiche kyburgische Erbe führte zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen verwandten und benachbarten Herrschaftsträgern.
Graf Rudolf von Habsburg, der spätere römisch-deutsche König Rudolf I., konnte einen grossen Teil des Erbes übernehmen. Auch die Regensberger besassen familiäre Verbindungen zu den Kyburgern und erhoben Ansprüche auf einzelne Rechte und Güter.
Die habsburgische Expansion veränderte das politische Gleichgewicht im Zürichgau. Rudolf von Habsburg ging zugleich ein Bündnis mit der Stadt Zürich ein. Für die Regensberger entstand dadurch eine gefährliche Verbindung zweier Mächte, deren Interessen sich gegen ihre Herrschaftsbildung richteten.
Regensberger Fehde
Als Regensberger Fehde wird ein Konflikt bezeichnet, der gewöhnlich in die Jahre 1267 und 1268 datiert wird. Auf der einen Seite standen die Freiherren von Regensberg und wahrscheinlich mit ihnen verbundene Adlige, auf der anderen Seite Rudolf von Habsburg und die Stadt Zürich.
Ursachen, Verlauf und Umfang des Konflikts lassen sich aus den erhaltenen Quellen nur unvollständig rekonstruieren. Die spätere Chronistik schilderte einen grossen Feldzug, bei dem zahlreiche Burgen und das Städtchen Glanzenberg zerstört worden seien. Archäologische und schriftliche Befunde erlauben jedoch nicht, alle überlieferten Zerstörungen eindeutig mit einem einzigen Kriegsereignis zu verbinden.
Besonders bekannt ist die Erzählung von der Zerstörung Glanzenbergs. Die Stadtanlage verlor tatsächlich ihre Bedeutung und wurde nicht zu einem dauerhaften städtischen Zentrum. Ob sie 1267 vollständig militärisch zerstört wurde, ist nicht sicher belegt.[7]
Unabhängig vom genauen militärischen Verlauf markierte der Konflikt einen Wendepunkt. Die Regensberger konnten ihre expansive Territorialpolitik nicht fortsetzen. Habsburg und Zürich gewannen im Raum des heutigen Kantons Zürich weiter an Einfluss.
Wirtschaftlicher Niedergang
Der Niedergang der Familie hatte nicht nur militärische Ursachen. Burgenbau, Stadtgründungen, Hofhaltung und politische Bündnisse verursachten hohe Kosten. Zugleich war das regensbergische Herrschaftsgebiet räumlich zersplittert und schwer dauerhaft zu kontrollieren.
In der zweiten Hälfte des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts verkauften oder verpfändeten Angehörige der Familie zunehmend Besitzungen, Rechte und Einkünfte. Einige Verkäufe dienten möglicherweise der Begleichung von Schulden, andere der Versorgung von Familienmitgliedern oder geistlichen Einrichtungen.
Zu den bedeutenden Besitzübergängen gehörten:
- Grüningen gelangte 1269 an die Habsburger;
- Kaiserstuhl wurde 1294 an das Hochstift Konstanz verkauft;
- das Gebiet von Glanzenberg wurde 1301 dem Kloster Fahr übertragen;
- Burg und Herrschaft Neu-Regensberg wurden 1302 an Habsburg verkauft;
- weitere Patronats-, Gerichts- und Vogteirechte gingen an Klöster, Ritterorden und lokale Adelsfamilien.
Lütold von Neu-Regensberg stellte noch 1285 Urkunden aus. Sein Siegel zeigt das Familienwappen mit einem Balken über drei Pfählen. Die Universität Zürich weist darauf hin, dass die Nummerierung dieses Lütolds in der älteren und neueren Forschung unterschiedlich ist. Er verkaufte zahlreiche Besitzungen und 1317 sogar sein Wappenkleinod, ein Brackenhaupt.[8]
Erlöschen des Geschlechts
Als letzter männlicher Vertreter der Familie gilt gewöhnlich Lütold IX. von Regensberg. Er stellte im frühen 14. Jahrhundert noch Urkunden auf Alt-Regensberg aus. Mit seinem Tod um 1331 erlosch das Geschlecht in männlicher Linie.[1]
Besitzungen, die noch nicht verkauft worden waren, gelangten durch Erbschaft oder spätere Übertragungen an andere Adelsfamilien. Alt-Regensberg kam im 14. Jahrhundert an die Herren von Landenberg-Greifensee.
Die Herrschaft Neu-Regensberg blieb zunächst habsburgisch. 1409 verpfändete Herzog Friedrich IV. von Österreich sie an die Stadt Zürich. 1417 ging sie vollständig an Zürich über. Die Stadt richtete eine Obervogtei Regensberg ein, zu der mehrere Gemeinden des Zürcher Unterlands gehörten.[6]
Wappen
Das Wappen der Freiherren von Regensberg zeigte in Silber drei blaue Pfähle, die von einem roten waagrechten Balken überdeckt wurden. Es ist auf mittelalterlichen Siegeln und in Wappenrollen überliefert.
Der Helmschmuck bestand zeitweise aus dem Kopf einer Bracke, eines mittelalterlichen Jagdhundes. Ein Angehöriger der Neu-Regensberger Linie verkaufte dieses Wappenkleinod 1317, was in der Forschung häufig als sichtbares Zeichen des wirtschaftlichen Niedergangs der Familie erwähnt wird.[8]
Das Regensberger Familienwappen wirkte in späteren Gemeindewappen fort. Die Gemeinde Regensdorf übernahm die drei blauen Pfähle mit dem roten Balken. Das heutige Wappen der Gemeinde Regensberg zeigt dagegen einen Regenbogen und bezieht sich als redendes Wappen auf den Ortsnamen.
Bedeutende Angehörige
Aufgrund der wiederkehrenden Vornamen und unterschiedlicher genealogischer Zählweisen ist eine eindeutige Nummerierung nicht immer möglich.
| Name | Zeit | Bedeutung |
|---|---|---|
| Lütold I. von Regensberg | 11. Jahrhundert | erster bekannter Angehöriger, der sich nach der Burg Regensberg nannte |
| Lütold II. von Regensberg | frühes 12. Jahrhundert | schenkte 1130 das Gut Fahr an das Kloster Einsiedeln |
| Lütold V. von Regensberg | 13. Jahrhundert | gilt als Gründer von Burg und Städtchen Neu-Regensberg |
| Lütold VI. von Regensberg | Mitte des 13. Jahrhunderts | Angehöriger der Familie zur Zeit des kyburgischen Erbkonflikts und der Regensberger Fehde |
| Ulrich von Regensberg | gestorben um 1280 | Vertreter der Neu-Regensberger Linie nach dem politischen Rückschlag der 1260er Jahre |
| Lütold von Neu-Regensberg | spätes 13. und frühes 14. Jahrhundert | verkaufte zahlreiche Güter; in älterer Literatur oft als Lütold VIII. bezeichnet |
| Lütold IX. von Regensberg | gestorben um 1331 | letzter bekannter männlicher Vertreter des Geschlechts |
Herrschaft und Verwaltung
Die regensbergische Herrschaft war nicht mit einem modernen Staat vergleichbar. Herrschaft wurde über Personen, Güter und einzelne Rechte ausgeübt. Ein Dorf konnte gleichzeitig verschiedenen Grund-, Gerichts- und Kirchenherren verpflichtet sein.
Die Freiherren bezogen Einkünfte aus:
- Grundzinsen und Pachten;
- Zehnten und kirchlichen Rechten;
- Gerichtsgebühren und Bussen;
- Zöllen und Marktabgaben;
- Mühlen, Wäldern und Fischereirechten;
- Abgaben ihrer Höfe und Dienstleute.
Für die Verwaltung waren Meier, Vögte, Schultheissen, Priester und ritterliche Dienstleute zuständig. Schriftliche Urkunden gewannen während des 12. und 13. Jahrhunderts an Bedeutung. Sie dokumentierten Schenkungen, Verkäufe, Lehen, Streitbeilegungen und Bündnisse.
Die Regensberger erscheinen deshalb in zahlreichen Urkunden geistlicher Institutionen. Solche Quellen zeigen die Familie meist nicht in einer zusammenhängenden Erzählung, sondern bei einzelnen Rechtsgeschäften. Die Rekonstruktion ihrer Geschichte beruht auf der Verbindung dieser verstreuten Belege mit archäologischen Untersuchungen.
Archäologische Erforschung
Die Ruine Alt-Regensberg wurde ab den 1950er Jahren wissenschaftlich untersucht. Erste Sondierungen im Jahr 1953 wiesen umfangreiche Kulturschichten nach. Anschliessend führte das Schweizerische Landesmuseum grössere Ausgrabungen durch.
Die Untersuchungen ermöglichten die Unterscheidung mehrerer Bauphasen. Fundstücke geben Hinweise auf Bauweise, Ernährung, Bewaffnung, Handwerk und Alltagsleben der Burgbewohner. Die Ruine wurde konserviert und ist öffentlich zugänglich.[1]
Auch in Regensberg, Glanzenberg und an weiteren ehemaligen Herrschaftsorten wurden archäologische Befunde dokumentiert. Besonders Glanzenberg ist als mittelalterliche Stadtwüstung bedeutend. Mauerreste, Gräben und Geländestrukturen zeigen den Grundriss der nicht voll entwickelten Stadt.
Historische Bewertung
In der älteren Geschichtsschreibung wurde der Niedergang der Regensberger häufig als dramatischer Zusammenbruch nach einer einzigen verlorenen Fehde dargestellt. Rudolf von Habsburg erschien dabei als listiger Sieger, der gemeinsam mit Zürich sämtliche Burgen seiner Gegner zerstört habe.
Die moderne Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild. Der politische Misserfolg der 1260er Jahre war wichtig, aber nicht die einzige Ursache. Ebenso entscheidend waren die Konkurrenz mächtiger Nachbarn, die Zersplitterung des Besitzes, hohe Ausgaben, Erbteilungen und langfristige wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Auch die Genealogie wird heute vorsichtiger behandelt. Frühere Stammbäume verbanden einzelne Namen teilweise ohne ausreichende urkundliche Grundlage. Gesichert sind vor allem jene Personen, die in zeitgenössischen Urkunden als Aussteller, Zeugen, Ehepartner oder Besitzer genannt werden.
Nachwirkung
Die Freiherren von Regensberg prägten die Siedlungs- und Kulturlandschaft des Kantons Zürich nachhaltig. Mehrere ihrer Gründungen bestehen bis heute als Gemeinden, historische Ortskerne, Klosteranlagen oder archäologische Denkmäler.
Besonders sichtbar ist ihr Erbe in:
- der Burgruine Alt-Regensberg bei Regensdorf;
- dem mittelalterlichen Städtchen Regensberg mit seinem Rundturm;
- dem Kloster Fahr an der Limmat;
- der ehemaligen Klosteranlage Rüti;
- der Stadtwüstung Glanzenberg;
- den historischen Ortskernen von Grüningen und Kaiserstuhl;
- verschiedenen Gemeinde- und Ortswappen.
Das Geschlecht ist ein wichtiges Beispiel für den hochmittelalterlichen Landesausbau. Seine Geschichte zeigt zugleich die Grenzen adliger Territorialpolitik in einer Region, in der Städte, Klöster und konkurrierende Dynastien zunehmend eigene Herrschaftsräume bildeten.
Siehe auch
- Regensberg
- Regensdorf
- Glanzenberg
- Grüningen
- Kloster Fahr
- Kloster Rüti
- Grafen von Kyburg
- Habsburg
- Geschichte des Kantons Zürich
Literatur
- Adolf Nabholz: Geschichte der Freiherren von Regensberg. Zürich 1894.
- Emil Eugster: Adlige Territorialpolitik in der Ostschweiz. Kirchliche Stiftungen im Spannungsfeld früher landesherrlicher Verdrängungspolitik. Chronos, Zürich 1991.
- Bruno Meier, Dominik Sauerländer: Regensberg. Geschichte von Burg, Stadt und Stiftung Schloss Regensberg. Hier und Jetzt, Baden 2009.
- Hugo Schneider: Die Burgruine Alt-Regensberg. Bericht über die Forschungen 1955–1957. Schweizerisches Landesmuseum, Zürich.
- Roger Sablonier: Adel im Wandel. Eine Untersuchung zur sozialen Situation des ostschweizerischen Adels um 1300. Chronos, Zürich 2000.
- Daniel Reicke: «Von starken und grossen flüejen». Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquadermauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein. Schweizerischer Burgenverein, Basel 1995.
Weblinks
- Alt-Regensberg bei der Archäologie des Kantons Zürich
- Geschichte der Gemeinde Regensberg
- Geschichte der Gemeinde Regensdorf
- Glanzenberg im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums
- Urkunde Lütolds von Regensberg bei Ad fontes
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Archäologie und Denkmalpflege Kanton Zürich: Alt-Regensberg – eine Burgruine erzählt, 18. März 2024, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Franziska Hälg-Steffen: «Mülner», in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 13. November 2009, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Klosterarchiv Einsiedeln: Zur Geschichte des Klosters Fahr, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Rüti: Geschichte der Gemeinde Rüti, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Martin Illi: «Buchs (ZH)», in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 29. Januar 2003, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Gemeinde Regensberg: Geschichte, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Benedikt Meyer: Die verschwundene Stadt, Blog des Schweizerischen Nationalmuseums, 14. Januar 2019, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ 8,0 8,1 Walter Bersorger: Urkunde Lütolds von Regensberg vom 29. Mai 1285, Ad fontes, Universität Zürich, abgerufen am 28. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Freiherren von Regensberg