Maur

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Maur

Maur

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Bezirk

Uster

BFS-Nummer

0195

Postleitzahl

8122–8124

Koordinaten

47.34083° N, 8.66861° E

Höhe

478 m ü. M.

Fläche

14.77 km²

Einwohner

10851
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.maur.ch

Maur ist eine politische Gemeinde im Bezirk Uster des Kantons Zürich. Sie erstreckt sich vom Westufer des Greifensees über die Hänge des Pfannenstiels bis an die Grenze der Stadt Zürich. Die Gemeinde besteht aus den fünf Dörfern Maur, Uessikon, Aesch, Ebmatingen und Binz sowie aus den Siedlungen Forch, Scheuren, Hinteregg, Neugut und mehreren Weilern und Einzelhöfen.

Der namensgebende Ort Maur liegt unmittelbar am Greifensee. Die grössten Bevölkerungsschwerpunkte befinden sich jedoch in Aesch beziehungsweise im Gebiet Forch, in Ebmatingen und in Binz. Aufgrund ihrer landschaftlich attraktiven Lage, der Nähe zur Stadt Zürich und der guten Verkehrsverbindungen entwickelte sich die frühere Landwirtschafts- und Heimarbeitergemeinde seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer bevorzugten Wohngemeinde.

Geographie

Maur liegt im südwestlichen Teil des Bezirks Uster zwischen dem Greifensee und dem Höhenzug des Pfannenstiels. Das Gemeindegebiet steigt vom Seeufer auf etwa 435 Metern über Meer bis auf mehr als 780 Meter im Bereich der Forch und des Pfannenstiels an.

Die Landschaft ist durch den Greifensee, bewaldete Hänge, Bachtobel, Landwirtschaftsflächen und die auf verschiedenen Höhenstufen gelegenen Siedlungen geprägt. Zwischen dem Seeufer bei Maur und Uessikon und den höher gelegenen Ortsteilen besteht ein Höhenunterschied von mehr als 300 Metern.

Das Gemeindegebiet umfasst 14,77 Quadratkilometer. Rund die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Etwa ein Viertel ist bewaldet, während der übrige Teil auf Siedlungen, Verkehrsflächen und Gewässer entfällt.

Nachbargemeinden sind Fällanden im Norden, Greifensee und Uster auf der gegenüberliegenden Seite des Greifensees, Egg im Südosten, Küsnacht und Zumikon im Westen sowie die Stadt Zürich im Nordwesten.

Der höchste Punkt der Gemeinde liegt im Gebiet Aesch auf rund 782 Metern über Meer. Der tiefste Punkt befindet sich am Ufer des Greifensees. Von den Höhenlagen reicht die Aussicht über den See und das Zürcher Oberland bis zu den Glarner und Zentralschweizer Alpen.

Mehrere Bäche entwässern die Hänge zum Greifensee. Der Dorfbach von Maur durchquert den historischen Siedlungskern und betrieb früher Mühlen und eine Sägerei.

Ortsteile

Maur

Das Dorf Maur liegt am Westufer des Greifensees. Es bildet den historischen und administrativen Mittelpunkt der Gemeinde. Hier befinden sich das Gemeindehaus, die reformierte Kirche, die Burg Maur, die Mühle, die historische Sägerei und die Schifflände.

Der alte Dorfkern entwickelte sich entlang des Dorfbachs und der Verbindung zwischen Seeufer und Pfannenstiel. Historische Bauernhäuser und öffentliche Gebäude erinnern an die frühere Bedeutung der Landwirtschaft, der Mühlenwirtschaft und der lokalen Gerichtsherrschaft.

Zum Ortsteil werden statistisch auch Uessikon, Neugut und Hinteregg gerechnet. Ende 2025 lebten in diesem Gebiet insgesamt 2358 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]

Uessikon

Uessikon liegt südöstlich von Maur unmittelbar am Greifensee. Das kleine Dorf ist von Landwirtschaftsflächen und den geschützten Uferlandschaften des Sees umgeben.

Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war. Im Bereich des heutigen Seeufers bestanden prähistorische Ufersiedlungen. Uessikon bewahrte seinen ländlichen Charakter stärker als die übrigen Ortsteile der Gemeinde.

Aesch und Forch

Aesch liegt auf einer Hochfläche südwestlich von Maur. Zusammen mit Scheuren und dem zur Gemeinde gehörenden Teil der Forch bildet es den bevölkerungsreichsten Gemeindeteil. Ende 2025 lebten dort 3453 Personen.[1]

Der Ortsname Aesch weist auf eine mit Eschen bestandene Landschaft hin. Der Ort bestand ursprünglich aus einzelnen Bauernhöfen und kleineren Hofgruppen. Erst im 20. Jahrhundert entstanden ausgedehntere Wohnquartiere.

Die Siedlung Forch liegt auf dem gleichnamigen Passübergang zwischen dem Zürichseegebiet und dem Glatttal. Sie erstreckt sich über die Gemeindegrenze zwischen Maur und Küsnacht. Die Forchbahn und die Forchstrasse verbinden den Ort mit Zürich und dem Zürcher Oberland.

Ebmatingen

Ebmatingen liegt auf einer Terrasse über dem Greifensee und westlich des Dorfes Maur. Der Ort wurde 946 als Egimoutinga erstmals urkundlich erwähnt. Seine frühe Geschichte war eng mit dem Fraumünster in Zürich verbunden.[2]

Bis ins 20. Jahrhundert bestand Ebmatingen aus wenigen grossen Bauernhöfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte ein starkes Siedlungswachstum ein. Die Nähe zu Zürich und die gute Busverbindung machten das Dorf zu einem attraktiven Wohnort. Ende 2025 zählte Ebmatingen 2817 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]

Binz

Binz bildet den nordwestlichen Teil des Gemeindegebiets und grenzt an Zürich-Witikon und Fällanden. Das Dorf liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Glatttals und ist heute baulich eng mit den umliegenden Siedlungsräumen verbunden.

Die frühere Zivilgemeinde Binz wurde 1927 aufgehoben. Seither werden ihre Aufgaben vollständig durch die politische Gemeinde Maur wahrgenommen. Ende 2025 lebten in Binz 2223 Personen.[1]

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Das Gebiet um den Greifensee zählt zu den früh besiedelten Landschaften des Kantons Zürich. Funde von Steinbeilklingen, Harpunen und weiteren Geräten belegen eine menschliche Anwesenheit seit der Jungsteinzeit.

Reste von Ufersiedlungen wurden bei den Weierwiesen, an der Schifflände Maur, in der Nähe der Kläranlage und bei Uessikon entdeckt. Die Bewohner nutzten den See zum Fischfang und als Verkehrsweg. Landwirtschaft und Viehhaltung wurden auf den angrenzenden Flächen betrieben.[3]

Aus der Bronze- und Eisenzeit stammen eine Wallanlage beim Bänkelsteg sowie Grabhügel im Maurholz und bei der Rossweid. Auch während der Römerzeit war die Gegend besiedelt. Archäologische Untersuchungen in Maur und Ebmatingen brachten Gebäudereste und Gebrauchsgegenstände zum Vorschein.

Zu den frühmittelalterlichen Funden gehören eine merowingische Goldmünze aus dem Dorfbach, Gräber unter der Kirche Maur und am Eggenberg bei Aesch sowie Schwerter aus dem Rainholz bei Ebmatingen.[3]

Mittelalter

Die Kirche von Maur wurde 963 erstmals urkundlich erwähnt. Die frühe Kirche stand wahrscheinlich an der Stelle eines bereits im 7. Jahrhundert genutzten Bestattungs- oder Kultplatzes.[4]

Grosse Teile des Gemeindegebiets gehörten im Mittelalter dem Zürcher Fraumünster. Die Abtei besass Grund und Boden, bezog Abgaben und setzte einen Meier zur Verwaltung ihrer Güter ein. Der Meier übte im Auftrag der Äbtissin wirtschaftliche und gerichtliche Funktionen aus.

Um 1250 entstand die heutige Burg Maur als Wohnturm des Meiers. Sie war kein ausgedehnter Adelssitz mit Ringmauer, sondern ein befestigtes Verwaltungs- und Wohngebäude. In der Nähe lagen die Kirche, der Meierhof und die vom Dorfbach angetriebenen Mühlen.

Die Mühlen von Maur wurden 1306 erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehörten zum wirtschaftlichen Zentrum der fraumünsterlichen Grundherrschaft. Bauern aus der Umgebung waren verpflichtet, ihr Getreide in der zuständigen Mühle mahlen zu lassen.

Die niederen Gerichtsrechte lagen zunächst beim Fraumünster und seinen Amtsträgern. Die hohe Gerichtsbarkeit wurde von den jeweiligen Landesherren ausgeübt und gelangte später an die Stadt Zürich.

Gerichtsherrschaft Maur

Von 1424 bis 1775 bestand eine private Gerichtsherrschaft Maur. Ihr Gebiet umfasste allerdings nicht die gesamte heutige Gemeinde. Die Gerichtsherren verfügten über das niedere Gericht, Twing und Bann sowie verschiedene wirtschaftliche Rechte.

Nach der Aufhebung des Fraumünsterklosters während der Reformation gingen dessen weltliche Rechte 1524 an die Stadt Zürich über. Die Gerichtsherrschaft blieb dennoch als besondere lokale Herrschaftseinheit bestehen.

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte sie mehrfach den Besitzer. Von 1676 bis 1740 befanden sich Burg und Herrschaft im Besitz der Zürcher Familie Cramer. Später erwarb der Kupferstecher, Verleger und Gerichtsherr David Herrliberger die Herrschaft.

Herrliberger lebte von 1749 bis 1775 in der Burg Maur. Er liess das Gebäude 1750 erweitern und betrieb dort zeitweise seine verlegerische Tätigkeit. Bekannt wurde er vor allem durch seine topografischen Ansichten schweizerischer Städte, Dörfer, Schlösser und Landschaften.[5]

Reformation

Mit der von Huldrych Zwingli geprägten Reformation wurde Maur in den 1520er-Jahren evangelisch-reformiert. Kirchliche Güter und Herrschaftsrechte des Fraumünsters gingen an die Stadt Zürich über.

Die Pfarrei Maur umfasste neben dem Dorf weitere Siedlungen auf den Hängen des Pfannenstiels. Die Kirche blieb über Jahrhunderte ein wichtiger religiöser und gesellschaftlicher Mittelpunkt.

Der heutige spätgotische Kirchenbau entstand zwischen 1507 und 1511. Während einer Renovation von 1874 und 1875 erhielt die Kirche neugotische Elemente, darunter Fialen und farbige Glasziegel auf dem Dach.[4]

Gründung der politischen Gemeinde

Mit dem französischen Einmarsch und der Gründung der Helvetischen Republik wurden 1798 die bisherigen Herrschafts- und Gerichtsrechte aufgehoben. Die Dörfer Maur, Uessikon, Aesch, Ebmatingen und Binz wurden zur politischen Gemeinde Maur zusammengeschlossen.

Die einzelnen Dörfer behielten zunächst als Zivilgemeinden eigene Aufgaben und Vermögen. Sie verwalteten beispielsweise Strassen, Brunnen, Wälder und gemeinschaftlich genutzte Grundstücke. Im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gingen diese Aufgaben schrittweise auf die politische Gemeinde über.

Das Zürcher Gemeindegesetz von 1926 vereinheitlichte die kommunalen Strukturen. Die Zivilgemeinde Binz wurde 1927 aufgehoben. Auch die übrigen örtlichen Sonderorganisationen verloren später ihre frühere Bedeutung.

Landwirtschaft und Heimindustrie

Bis ins 20. Jahrhundert bildete die Landwirtschaft die Grundlage der lokalen Wirtschaft. Angebaut wurden Getreide, Kartoffeln, Obst und Futterpflanzen. Viehzucht und Milchwirtschaft waren ebenfalls von Bedeutung.

Wegen der begrenzten landwirtschaftlichen Nutzflächen waren viele Familien auf einen zusätzlichen Verdienst angewiesen. Seit der Frühen Neuzeit verbreitete sich deshalb die textile Heimarbeit. In Bauernhäusern wurde Baumwolle oder Seide gesponnen und verwoben.

Um 1798 gehörte Maur zu den am dichtesten besiedelten Gemeinden des Kantons Zürich. Mehr als drei Fünftel der Erwerbstätigen waren damals in der textilen Heimindustrie beschäftigt.[6]

Im Gegensatz zu mehreren Gemeinden im Töss- und Glatttal entstanden in Maur kaum grosse Fabriken. Die Mechanisierung der Textilproduktion führte daher im 19. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen Rückgang. Viele Einwohner suchten Arbeit in Zürich oder in industrialisierten Nachbargemeinden.

Entwicklung zur Wohngemeinde

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieb Maur eine ländlich geprägte Gemeinde. Die Siedlungen bestanden hauptsächlich aus Bauernhöfen, Handwerkerhäusern und kleineren Dorfkernen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein tiefgreifender Wandel. Die Nähe zur wachsenden Stadt Zürich, der Ausbau der Strassen und der öffentlichen Verkehrsmittel sowie die landschaftlich attraktive Lage führten zu einer starken Bautätigkeit.

Besonders schnell wuchsen Binz, Ebmatingen und Aesch-Forch. Neue Einfamilienhausquartiere und später auch Mehrfamilienhäuser entstanden. Die Bevölkerungszahl stieg von weniger als 4000 Personen um die Mitte des 20. Jahrhunderts auf mehr als 10'000 im 21. Jahrhundert.

Maur entwickelte sich zu einer Pendlergemeinde mit engem wirtschaftlichem Bezug zu Zürich, dem Glatttal und Uster. Gleichzeitig blieben grosse Landwirtschafts- und Waldflächen sowie die geschützte Landschaft am Greifensee erhalten.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:

In Schwarz ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei schwarzen Rosen mit goldenen Butzen und grünen Kelchblättern.

Das Wappen geht auf das Siegel eines Meiers von Maur aus dem Jahr 1363 zurück. Es wurde später von der Gemeinde übernommen und in seiner heutigen Form festgelegt.

Die drei Rosen erscheinen auch in historischen Darstellungen der lokalen Amtsträger. Das Gemeindewappen gehört damit zu den älteren überlieferten Wappenmotiven der Zürcher Landschaft.

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2025 lebten 10'851 Einwohnerinnen und Einwohner in Maur. Der Ausländeranteil betrug 22,5 Prozent.[1]

Die Bevölkerung verteilte sich wie folgt auf die Gemeindeteile:

Bevölkerung nach Ortsteilen, 31. Dezember 2025
Ortsteil Einwohnerinnen und Einwohner
Forch, Aesch und Scheuren 3453
Ebmatingen 2817
Maur, Uessikon, Neugut und Hinteregg 2358
Binz 2223
Gesamte Gemeinde 10'851

Die Bevölkerungsstruktur ist wesentlich durch die Nähe zur Agglomeration Zürich geprägt. Viele Einwohner arbeiten ausserhalb der Gemeinde. Gleichzeitig verfügt Maur über einen vergleichsweise hohen Anteil an Einfamilienhäusern und Wohneigentum.

Die Alltagssprache ist überwiegend Schweizerdeutsch. In Verwaltung und Schule wird Schweizer Hochdeutsch verwendet. Aufgrund der internationalen Bevölkerung werden daneben zahlreiche weitere Sprachen gesprochen.

Historisch war Maur fast vollständig reformiert. Heute gehören die Einwohner verschiedenen christlichen und nichtchristlichen Religionsgemeinschaften an oder sind konfessionslos.

Politik und Verwaltung

Die Legislative der politischen Gemeinde ist die Gemeindeversammlung. Die Stimmberechtigten entscheiden dort über das Budget, die Jahresrechnung, kommunale Erlasse, Bauvorhaben und weitere wichtige Geschäfte.

Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Er führt die Gemeinde, bereitet die Geschäfte der Gemeindeversammlung vor und beaufsichtigt die Gemeindeverwaltung.

Das Gemeindehaus befindet sich an der Zürichstrasse 8 im Dorf Maur. Wegen der dezentralen Siedlungsstruktur werden öffentliche Einrichtungen und Dienstleistungen auf mehrere Ortsteile verteilt.

Die Schulgemeinde wurde mit der politischen Gemeinde vereinigt. Für einzelne regionale Aufgaben arbeitet Maur mit Nachbargemeinden und Zweckverbänden zusammen. Dazu gehören die Abwasserentsorgung, der öffentliche Verkehr, die Feuerwehr, soziale Einrichtungen und die Regionalplanung.

Wirtschaft

Die Landwirtschaft prägt weiterhin einen bedeutenden Teil des Gemeindegebiets. Betrieben werden vor allem Milchwirtschaft, Viehhaltung, Ackerbau, Obstbau und Futterproduktion. Landwirtschaftliche Betriebe liegen insbesondere bei Uessikon, Aesch, Scheuren und auf den Höhen des Pfannenstiels.

In Maur bestehen zahlreiche kleine und mittlere Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen. Dazu gehören Bau- und Handwerksbetriebe, Beratungsunternehmen, Detailhandel, Gastronomie und medizinische Dienstleistungen.

Grössere zusammenhängende Industriegebiete fehlen. Die Gemeinde ist wirtschaftlich stark auf die umliegenden Zentren ausgerichtet. Ein erheblicher Teil der Erwerbstätigen pendelt nach Zürich, Uster, Dübendorf oder in andere Gemeinden des Glattals.

Der Greifensee, die Schifflände und die Landschaft am Pfannenstiel besitzen eine gewisse Bedeutung für Naherholung, Gastronomie und Ausflugstourismus.

Verkehr

Maur verfügt über keinen Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen. Die einzelnen Ortsteile werden durch Buslinien und die Forchbahn erschlossen.

Die Forchbahn verbindet den zur Gemeinde gehörenden Teil der Forch direkt mit Zürich-Stadelhofen und Esslingen. Sie ist in das Netz der S-Bahn Zürich und des Zürcher Verkehrsverbunds eingebunden.

Busverbindungen führen von Maur, Ebmatingen, Binz und den übrigen Ortsteilen nach Zürich, Stettbach, Fällanden, Forch und weiteren Orten der Region. Wegen der verstreuten Siedlungsstruktur besitzt der Busverkehr eine besondere Bedeutung.

Die Forchstrasse verbindet Zürich mit der Forch und dem Zürcher Oberland. Weitere regionale Strassen führen entlang des Greifensees sowie nach Fällanden, Uster, Egg, Zumikon und Küsnacht.

An der Schifflände Maur legen die Kursschiffe der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee an. Die Schifffahrt verbindet Maur unter anderem mit Greifensee und Niederuster. Neben den regulären Motorschiffen verkehrt auf dem See das historische Dampfschiff Greif.

Für Wandernde und Velofahrende bestehen zahlreiche markierte Wege. Der rund 16,5 Kilometer lange Seeuferweg führt um den Greifensee. Weitere Routen verbinden Maur mit dem Pfannenstiel, der Forch, Küsnacht, Zumikon, Fällanden und Uster.[7]

Bildung

Die Schule Maur führt Kindergärten, Primarschulen und die Sekundarstufe. Schulhäuser befinden sich in mehreren Gemeindeteilen, darunter Maur, Aesch, Ebmatingen und Binz.

Das Schul- und Sportzentrum Looren liegt zwischen Aesch und Forch. Dort befinden sich Schulanlagen, Sporthallen, Aussenplätze und weitere öffentliche Einrichtungen.

Zum Bildungsangebot gehören schulergänzende Betreuung, Tagesstrukturen, Schulsozialarbeit und sonderpädagogische Angebote. Gymnasien und Berufsfachschulen werden vor allem in Zürich, Uster und Küsnacht besucht.

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Bibliothek. Musikunterricht wird in Zusammenarbeit mit regionalen Musikschulen angeboten.

Religion

Reformierte Kirche Maur

Die reformierte Kirche Maur wurde 963 erstmals urkundlich erwähnt. Archäologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Standort bereits im 7. Jahrhundert als Begräbnis- oder Kultplatz genutzt wurde.[4]

Vom romanischen Vorgängerbau sind Fundament- und Mauerreste erhalten. Die heutige spätgotische Kirche entstand zwischen 1507 und 1511. Ihr Erscheinungsbild wurde bei der neugotischen Renovation von 1874 und 1875 verändert.

Der erhöhte Standort über dem Greifensee und das mit Fialen und farbigen Ziegeln geschmückte Dach machen die Kirche zu einem Wahrzeichen des Dorfes.

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Maur umfasst das gesamte Gemeindegebiet. Für die katholische Bevölkerung bestehen kirchliche Einrichtungen in der Region.

Sehenswürdigkeiten

Burg Maur

Die Burg Maur wurde um 1250 als Wohnturm für den Meier des Fraumünsters errichtet. Sie diente als Verwaltungsgebäude der Grundherrschaft und zeitweise als Sitz der privaten Gerichtsherren von Maur.

Von 1749 bis 1775 lebte David Herrliberger in der Burg. Er liess 1750 einen Anbau errichten und nutzte das Gebäude als Wohn- und Arbeitsort.

Im 19. Jahrhundert wurde die Burg erneut erweitert. Seit 1962 gehört sie der Gemeinde Maur. Nach einer Restaurierung wurde sie 1976 zum Hauptsitz der Museen Maur.[8]

Das Museum zeigt Ausstellungen zur Ortsgeschichte, zur Druckgrafik und zum Werk David Herrlibergers. Zudem beherbergt die Burg wechselnde Sonderausstellungen.

Mühle Maur

Am Dorfbach bestanden seit dem Mittelalter zwei Mühlen. Sie wurden 1306 erstmals urkundlich erwähnt und von der Fraumünsterabtei verwaltet.

Das erhaltene Gebäude der oberen Mühle wurde 1701 für den Müller Hans Bernhard Zolliker-Gujer errichtet. Eine Bauinschrift berichtet vom Neubau. Im Jahr 1822 wurde der Mühlentrakt zu einem zeitgemässen Gewerbebau umgestaltet.

Der Mühlenbetrieb endete um 1900, das Wasserrad wurde 1912 entfernt. Die Gemeinde erwarb das Gebäude 1971 und liess es 1987 und 1988 restaurieren. Seit 1991 befindet sich darin das Ortsmuseum Mühle Maur.[9]

Das Museum dokumentiert die bäuerliche und handwerkliche Geschichte der Gemeinde. Die Treichler-Stube enthält Möbel, Kunstwerke und Erinnerungsstücke aus dem Nachlass von Marie Treichler-Pétua.

Sagi Maur

Die Sägerei von Maur wurde 1569 erstmals urkundlich erwähnt. Sie nutzte das Wasser des Mühleweihers als Antrieb.

Ein Hochwasser zerstörte die Anlage 1778. Anschliessend wurde sie neu aufgebaut. Im 20. Jahrhundert ersetzte ein Elektromotor zeitweise den Wasserantrieb.

Nach der Übernahme durch die Gemeinde wurden das Gebäude, die Säge und das Wasserrad restauriert. Seit 1991 ist die historische Anlage wieder funktionsfähig. Sie wird bei Vorführungen und am Schweizer Mühlentag in Betrieb gesetzt.[3]

Greifensee

Der Greifensee ist der zweitgrösste See des Kantons Zürich. Sein weitgehend unverbautes Ufer steht zu grossen Teilen unter Natur- und Landschaftsschutz.

Riedwiesen, Flachmoore, Schilfgürtel und Feuchtgebiete bieten Lebensraum für zahlreiche Vogel-, Fisch-, Amphibien- und Pflanzenarten. Der See besitzt deshalb eine grosse ökologische Bedeutung.

Die Schifflände Maur, das Strandbad und die umliegenden Wege bilden ein beliebtes Naherholungsgebiet. Baden, Segeln, Rudern und die motorlose Kleinschifffahrt sind wichtige Freizeitaktivitäten. Für den motorisierten Schiffsverkehr gelten strenge Einschränkungen.

Wallanlage Bänkelsteg

Beim Bänkelsteg zwischen Ebmatingen und Binz befinden sich Reste einer Wallanlage. Sie wird möglicherweise in die Bronzezeit datiert und könnte als befestigter Zufluchtsort gedient haben.

Die bewaldete Anlage ist im Gelände noch erkennbar. Ihre genaue Entstehungszeit und Funktion sind nicht abschliessend geklärt.

Forchdenkmal

In der Nähe der Gemeindegrenze steht das Forchdenkmal, das an die im Ersten Weltkrieg verstorbenen Zürcher Wehrmänner erinnert. Das 1922 eingeweihte Denkmal liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Küsnacht, ist jedoch eng mit dem Siedlungs- und Erholungsraum der Forch verbunden.

Natur und Erholung

Maur verfügt über ein ausgedehntes Netz von Spazier-, Wander- und Velowegen. Beliebte Ziele sind das Greifenseeufer, die Wälder des Pfannenstiels, die Guldenen, der Bänkelsteg und die Aussichtspunkte oberhalb von Aesch und Ebmatingen.

Der Seeuferweg führt durch geschützte Naturlandschaften. Besucherinnen und Besucher müssen insbesondere in den Ried- und Vogelschutzgebieten die markierten Wege benutzen.

Die Sportanlage Looren bildet das grösste Sportzentrum der Gemeinde. Sie umfasst Hallen, Spielfelder, Leichtathletikanlagen und weitere Einrichtungen.

Am Greifensee befinden sich das Strandbad Maur, Bootsplätze und öffentliche Erholungsflächen. Das Ufer ist zugleich ein wichtiges Ziel für Naturbeobachtung und Umweltbildung.

Kultur und Gemeindeleben

In Maur bestehen zahlreiche Sport-, Kultur-, Musik-, Jugend- und Quartiervereine. Wegen der räumlichen Trennung der Ortsteile besitzen lokale Veranstaltungen eine wichtige Bedeutung für den Zusammenhalt der Gemeinde.

Zu den wiederkehrenden Anlässen gehören die Chilbi Maur, die Bundesfeier, Konzerte, Märkte, Sportveranstaltungen und Vorführungen in der historischen Sägerei.

Die Maurmer Post berichtet über Politik, Vereine, Schulen, Kultur und das gesellschaftliche Leben. Sie dient zugleich als amtliches Publikationsorgan und lokale Zeitung.

Die Museen Maur betreiben die Burg, das Ortsmuseum in der Mühle und die historische Sägerei. Ein Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung der Ortsgeschichte und der Bewahrung technischer und kulturgeschichtlicher Zeugnisse.

Persönlichkeiten

  • David Herrliberger (1697–1777), Kupferstecher, Verleger und Gerichtsherr von Maur
  • Johannes Aeppli (1815–1886), Mathematiker und Pädagoge
  • Heinrich Zollinger (1818–1859), Botaniker und Forschungsreisender
  • Hans Fischer (1909–1958), Maler, Grafiker und Kinderbuchillustrator, lebte zeitweise in der Gemeinde
  • Hans Aeschbacher (1906–1980), Bildhauer und Maler, lebte und arbeitete in Russikon und Maur

Literatur

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Birkhäuser, Basel 1943.
  • Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Neue Ausgabe, Band III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1978.
  • Ueli Müller: Maur. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Gemeinde Maur: Maur – fünf Dörfer, eine Gemeinde. Maur.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Gemeinde Maur: Zahlen und Fakten, Stand 31. Dezember 2025, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. Felix Aeppli: Ebmatingen, in: Historisches Lexikon der Schweiz, 26. Juli 2004.
  3. 3,0 3,1 3,2 Gemeinde Maur: Fünf Dörfer – eine Gemeinde, abgerufen am 26. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 Gemeinde Maur: Kirche Maur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  5. Bruno Weber: David Herrliberger, in: Historisches Lexikon der Schweiz, 30. August 2006.
  6. Ueli Müller: Maur, in: Historisches Lexikon der Schweiz.
  7. Gemeinde Maur: Wanderwege, abgerufen am 26. Juli 2026.
  8. Gemeinde Maur: Burg Maur, abgerufen am 26. Juli 2026.
  9. Gemeinde Maur: Das Ortsmuseum Mühle Maur und die Treichler-Stube, abgerufen am 26. Juli 2026.

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