Fraumünster

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Fraumünster
Ort Zürich
Lage Zürcher Altstadt, linkes Limmatufer
Adresse Münsterhof 2, 8001 Zürich
Konfession evangelisch-reformiert
Kirchliche Zugehörigkeit Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich, Kirchenkreis eins
Ursprüngliche Funktion Kirche der Fraumünsterabtei
Gründung der Abtei 853
Weihe eines frühen Kirchenbaus 874
Aufhebung der Abtei 1524
Patrozinium Felix und Regula
Baustile Romanik und Gotik, spätere Umbauten
Bedeutende Kunstwerke Glasfenster von Augusto Giacometti, Marc Chagall und Clement Heaton; Fresken von Paul Bodmer
Kulturgüterschutz Kulturgut von nationaler Bedeutung
Website fraumuenster.ch

Das Fraumünster ist eine evangelisch-reformierte Kirche in der Zürcher Altstadt. Sie steht am Münsterhof auf der linken Seite der Limmat, gegenüber dem Grossmünster. Mit ihrem hohen, spitzen Turm gehört sie zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Zürich.

Die Kirche entstand aus der im Jahr 853 gegründeten Fraumünsterabtei, einem königlichen Frauenstift für Angehörige des europäischen Hochadels. Die Äbtissinnen verfügten im Mittelalter über umfangreiche Besitzungen und politische Rechte. Zeitweise galten sie als Stadtherrinnen von Zürich und nahmen als Reichsfürstinnen eine bedeutende Stellung im Heiligen Römischen Reich ein.

Während der Zürcher Reformation übergab die letzte Äbtissin Katharina von Zimmern die Abtei am 30. November 1524 mit ihren Gütern und Rechten an den Rat der Stadt Zürich. Das Kloster wurde aufgehoben, während die Kirche fortan dem reformierten Gottesdienst diente.

Das heutige Bauwerk vereint romanische, gotische und neuzeitliche Bauteile. Zu den bedeutendsten Teilen gehören der romanische Chor, das hoch aufragende gotische Querhaus, das dreischiffige Langhaus, die Krypta und der Kreuzgang. Internationale Bekanntheit besitzt das Fraumünster vor allem durch die Glasfenster von Augusto Giacometti und Marc Chagall.

Name

Der Name Fraumünster bezieht sich auf das Frauenstift, zu dem die Kirche gehörte. Das Wort Münster bezeichnete ursprünglich eine bedeutende Kloster- oder Stiftskirche.

In mittelalterlichen Quellen trug das Kloster unterschiedliche lateinische und deutsche Bezeichnungen. Es wurde unter anderem als Kloster der Heiligen Felix und Regula, als Zürcher Kloster und als Gotteshaus zu Fraumünster bezeichnet.

Die Bezeichnung Fraumünster ist seit dem späten Mittelalter belegt. Sie unterschied die Frauenabtei vom auf der gegenüberliegenden Limmatseite gelegenen Männerstift des Grossmünsters.

Lage

Das Fraumünster befindet sich im historischen Zentrum Zürichs zwischen Münsterhof, Stadthausquai, Fraumünsterstrasse und Stadthaus.

Die Kirche liegt unmittelbar westlich der Limmat. Über die Münsterbrücke besteht eine direkte Verbindung zum Grossmünster und zur rechtsufrigen Altstadt.

In der Umgebung befinden sich:

  • der Münsterhof;
  • das Zürcher Stadthaus;
  • die Kirche St. Peter;
  • der Paradeplatz;
  • die Bahnhofstrasse;
  • das Zunfthaus zur Meisen;
  • der Bürkliplatz;
  • der Stadthausquai.

Im Mittelalter nahm die Klosteranlage ein wesentlich grösseres Gebiet ein. Sie reichte vom Limmatufer bis in den Bereich der heutigen Bahnhofstrasse und umfasste Kirche, Kreuzgang, Konventgebäude, Wirtschaftsgebäude, Gärten, Friedhof und Wohnräume der Stiftsfrauen.

Gründung

Königliche Stiftung

Am 21. Juli 853 stattete König Ludwig der Deutsche, ein Enkel Karls des Grossen, ein bereits bestehendes Frauenkloster in Zürich mit umfangreichen Gütern und Rechten aus. Er übertrug die Leitung seiner Tochter Hildegard, die als erste namentlich bekannte Äbtissin gilt.

Zur Ausstattung gehörten unter anderem:

  • der Königshof in Zürich;
  • Besitzungen im heutigen Kanton Zürich;
  • Land im Urnerland;
  • der Hof Cham;
  • der Albis- und Sihlwald;
  • weitere Güter und Nutzungsrechte.

Das Kloster wurde unter königlichen Schutz gestellt und weitgehend von der gewöhnlichen gräflichen Gerichtsbarkeit befreit. Es war damit ein königliches Eigenkloster und eng mit dem karolingischen Herrscherhaus verbunden.[1]

Erste Kirche

Archäologische Untersuchungen weisen einen grossen Kirchenbau aus dem 9. Jahrhundert nach. Er besass ein Querhaus, mehrere Apsiden und eine Krypta.

Im Jahr 874 weihte der Konstanzer Bischof Gebhard einen frühen Kirchenbau zu Ehren der Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula. Reliquien der beiden Heiligen wurden vom Gebiet des Grossmünsters zum Fraumünster überführt.

Die Verehrung von Felix und Regula verband die beiden grossen Zürcher Stifte und spielte eine zentrale Rolle für die religiöse Identität der mittelalterlichen Stadt.

Gründungslegende

Nach einer mittelalterlichen Legende lebten die Königstöchter Hildegard und Berta auf der Burg Baldern am Albis.

Die beiden Schwestern sollen regelmässig nach Zürich gegangen sein, um an der Stelle des späteren Fraumünsters zu beten. Ein Hirsch mit leuchtenden Kerzen auf seinem Geweih habe ihnen den Weg durch den Wald gewiesen.

Der Hirsch führte die Schwestern zu einem Platz an der Limmat. Dort habe ein vom Himmel herabgespanntes grünes Seil den Ort bezeichnet, an dem die Kirche errichtet werden sollte.

Die Legende verbindet die göttliche Bestimmung des Klosterstandorts mit dem königlichen Ursprung der Abtei. Hirsch und leuchtendes Geweih erscheinen in verschiedenen Darstellungen der Fraumünstergeschichte.

Paul Bodmer griff die Gründungslegende im 20. Jahrhundert in seinem Freskenzyklus im Kreuzgang auf.

Fraumünsterabtei

Frauenstift des Hochadels

Das Fraumünster war eine Gemeinschaft adeliger Frauen. Die Mitglieder stammten überwiegend aus hochrangigen Familien des süddeutschen, schweizerischen und österreichischen Raums.

Die Stiftsfrauen lebten ursprünglich nach der Regel des heiligen Benedikt. Im Verlauf des Mittelalters entwickelte sich die Gemeinschaft jedoch zunehmend zu einem weltlichen Damenstift.

Die Frauen verfügten über eigene Einkünfte und Wohnräume. Sie konnten das Stift unter bestimmten Voraussetzungen verlassen und heiraten. Die Zahl der Mitglieder war meist klein.

Nach Angaben der Kirchgemeinde wurde die Abtei im Verlauf ihrer Geschichte von insgesamt 29 Äbtissinnen geleitet.[2]

Besitzungen

Die Fraumünsterabtei besass umfangreiche Güter in und ausserhalb Zürichs.

Zu ihren Besitzungen gehörten Höfe, Wälder, Kirchenrechte, Zehnten, Gerichte und Nutzungsrechte in verschiedenen Teilen der heutigen Kantone Zürich, Uri, Zug und Aargau.

Die Einkünfte stammten unter anderem aus:

  • Landwirtschaft;
  • Grundzinsen;
  • Zehnten;
  • Waldnutzung;
  • Mühlen;
  • Markt- und Zollrechten;
  • Gerichtsbarkeit;
  • Münzprägung.

Der Besitz wurde durch lokale Beamte, Meier und Vögte verwaltet.

Reichsunmittelbarkeit

Das Fraumünster stand unmittelbar unter dem König beziehungsweise Kaiser. Die Reichsvogtei wurde zeitweise von den Herzögen von Zähringen und anderen bedeutenden Adelsgeschlechtern ausgeübt.

Nach dem Aussterben der Zähringer im Jahr 1218 übernahm König Friedrich II. die Reichsvogtei erneut. Das Stift erhielt dadurch grösseren politischen Handlungsspielraum.

Im 13. Jahrhundert wurden die Äbtissinnen als Reichsfürstinnen anerkannt. Sie gehörten damit zum hohen politischen und geistlichen Adel des Reichs.

Herrschaft über Zürich

Kaiser Heinrich III. übertrug der Fraumünsterabtei im 11. Jahrhundert bedeutende Hoheitsrechte. Dazu gehörten Markt-, Zoll- und Münzrechte.

Die Äbtissin besass ausserdem Einfluss auf:

  • die Ernennung des Schultheissen;
  • die niedere Gerichtsbarkeit;
  • die Bestätigung städtischer Rechte;
  • den Markt;
  • den Münzbetrieb;
  • die wirtschaftliche Ordnung.

Sie galt deshalb zeitweise als eigentliche Stadtherrin von Zürich.

Die politische Macht der Abtei erreichte im 13. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Besonders bedeutend war Äbtissin Elisabeth von Wetzikon, die das Stift von 1270 bis 1298 leitete.

Machtverlust

Die Bürgerschaft Zürichs gewann seit dem Hochmittelalter zunehmend wirtschaftliche und politische Selbstständigkeit.

Im 13. Jahrhundert entwickelten sich eigene städtische Rats- und Verwaltungsstrukturen. Während der Brunischen Zunftrevolution von 1336 verlor die Abtei weitere Herrschaftsrechte.

Im Jahr 1400 erwarb die Stadt Zürich die Reichsvogtei. Damit schwand die politische Macht der Äbtissin weiter.

Die Abtei blieb jedoch bis zur Reformation eine wohlhabende geistliche und grundherrschaftliche Institution.

Bedeutende Äbtissinnen

Äbtissin Amtszeit Bedeutung
Hildegard 9. Jahrhundert Tochter Ludwigs des Deutschen und erste namentlich bekannte Äbtissin
Berta 9. Jahrhundert Schwester Hildegards und nach der Überlieferung frühe Äbtissin
Judenta von Hagenbuch 13. Jahrhundert Eine der ersten als Reichsfürstin bezeichneten Äbtissinnen
Elisabeth von Wetzikon 1270–1298 Führte die Abtei auf dem Höhepunkt ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung
Elisabeth von Spiegelberg 1298–1308 Leitete die Abtei während wichtiger Bauphasen der Kirche
Anna von Bussnang 1398–1404 Wirkte während des zunehmenden Machtübergangs an die Stadt Zürich
Katharina von Zimmern 1496–1524 Letzte Äbtissin; übergab die Abtei während der Reformation an die Stadt

Katharina von Zimmern

Katharina von Zimmern trat 1491 gemeinsam mit ihrer Schwester in das Fraumünster ein. 1496 wurde sie zur Äbtissin gewählt.

Sie entstammte einem bedeutenden süddeutschen Adelsgeschlecht und galt als gebildete, politisch erfahrene und kulturell interessierte Persönlichkeit.

Während ihrer Amtszeit liess sie Teile der Klosteranlage erneuern und pflegte Kontakte zu Humanisten und führenden Persönlichkeiten Zürichs.

Die Reformation stellte die Abtei vor eine grundlegende Krise. Unter dem Einfluss Huldrych Zwinglis wurden kirchliche Einrichtungen, Gottesdienst und Klosterwesen neu geordnet.

Am 30. November 1524 übergab Katharina von Zimmern die Abtei mit allen Rechten, Gütern und Einkünften dem Rat der Stadt Zürich. Nach der überlieferten Begründung wollte sie damit Unruhe und Konflikte in der Stadt vermeiden.

Die Übergabe ermöglichte eine weitgehend friedliche Aufhebung des Stifts. Katharina erhielt das Zürcher Bürgerrecht und heiratete später Eberhard von Reischach.[3]

Reformation

Nach der Übergabe von 1524 wurde die Fraumünsterabtei aufgehoben.

Die Klostergüter gingen an die Stadt Zürich. Sie wurden durch das Fraumünsteramt verwaltet und dienten unter anderem der Finanzierung öffentlicher Aufgaben.

Die Kirche wurde für den reformierten Wortgottesdienst eingerichtet. Altäre, Heiligenbilder, Reliquien und andere Teile der mittelalterlichen Ausstattung wurden entfernt oder zerstört.

Der Bildersturm veränderte den Innenraum grundlegend. Wände wurden übertüncht, und die Kirche erhielt die für den reformierten Gottesdienst typische schlichte Gestaltung.

Seit der Reformation wirkten im Fraumünster zahlreiche bedeutende Pfarrer. Predigt, Bibelauslegung und Kirchenmusik entwickelten sich zu den zentralen Bestandteilen des Gemeindelebens.

Baugeschichte

Karolingischer Bau

Der früheste archäologisch nachgewiesene Kirchenbau entstand im 9. Jahrhundert.

Er war für seine Zeit ungewöhnlich gross und besass:

  • ein Langhaus;
  • ein Querhaus;
  • drei Apsiden;
  • eine Krypta;
  • einen angrenzenden Friedhof.

Im 11. Jahrhundert wurde die Krypta umgebaut. Sie diente wahrscheinlich der Aufbewahrung von Reliquien und möglicherweise als Begräbnisort bedeutender Personen.

Romanischer Neubau

Im 12. Jahrhundert wurden Teile der Kirche und der Klosteranlage erneuert.

In dieser Zeit entstanden unter anderem:

  • der Südturm;
  • Teile des Kreuzgangs;
  • Konventgebäude;
  • weitere Klosterbauten.

Der ältere Südturm blieb zunächst bestehen, als im 13. Jahrhundert ein umfassender Neubau begann.

Neubau im 13. und 14. Jahrhundert

Nach dem Aussterben der Zähringer wurde die Kirche in mehreren Etappen neu gebaut.

In den 1220er-Jahren begannen die Arbeiten an:

  • Chor;
  • Querhaus;
  • Nordturm.

Der Chor wurde wahrscheinlich in den 1260er-Jahren vollendet. Er zeigt noch weitgehend romanische Formen.

Um 1270 wurden die Arbeiten am Querhaus wieder aufgenommen. Die Vierung erhielt um 1300 ihr Gewölbe. Die Querhausflügel wurden im frühen 14. Jahrhundert vollendet.

Der Bau des Langhauses begann um 1280. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde er in vereinfachter Form weitergeführt.

Der Kirchenbau zeigt deshalb einen Übergang von der Romanik zur Gotik. Der Chor wirkt schwer und geschlossen, während Querhaus und Gewölbe zunehmend gotische Formen aufweisen.[4]

Veränderungen nach der Reformation

Nach 1524 wurden zahlreiche Klosterräume weltlich genutzt.

Die Kirche blieb erhalten, wurde jedoch mehrfach an die Bedürfnisse der reformierten Gemeinde angepasst.

Eine schwere Limmatüberschwemmung führte 1664 dazu, dass der Boden der Kirche und des Kreuzgangs angehoben wurde.

Im 18. Jahrhundert wurde der Nordturm erhöht. Der Südturm wurde ab 1728 bis auf die Höhe des Querhauses abgetragen. Der heutige Turmabschluss des Nordturms entstand 1732.

Umbauten des 19. Jahrhunderts

Der Bau der Münsterbrücke und der Durchbruch der Poststrasse in den Jahren 1836 bis 1838 veränderten die Umgebung der Kirche.

Die Klosteranlage verlor zunehmend ihre geschlossene mittelalterliche Struktur.

Im Jahr 1853 erhielt das Fraumünster als erste reformierte Kirche der Stadt Zürich nach der Reformation wieder eine Orgel.

Umbau von 1898 bis 1901

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden grosse Teile der ehemaligen Klostergebäude abgebrochen.

Stadtbaumeister Gustav Gull errichtete an ihrer Stelle das Stadthaus und einen neuen, öffentlich zugänglichen Kreuzgang.

Im Jahr 1900 wurden unter dem Chor Überreste der mittelalterlichen Krypta wiederentdeckt.

Der Umbau öffnete die Kirche stärker zum Stadthausquai und veränderte ihre Verbindung mit der Umgebung.

Restaurierung von 1911 und 1912

Gustav Gull leitete 1911 und 1912 eine umfassende Restaurierung.

Dabei erhielt das Fraumünster:

  • eine neue Westfassade;
  • einen neuen Eingang auf der Seite des Paradeplatzes;
  • ein erhöhtes Mittelschiff;
  • die heutigen Gewölbe im Langhaus;
  • neue Masswerkfenster;
  • eine historisierende Neugestaltung verschiedener Bauteile.

Die Restaurierung prägte das heutige Erscheinungsbild wesentlich. Sie entsprach dem damaligen Bestreben, ein möglichst einheitlich mittelalterlich wirkendes Kirchenbild zu schaffen.

Restaurierungen des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen 1965 und 1970 wurden Chor und Querhaus restauriert. Diese Arbeiten bildeten eine wichtige Voraussetzung für die späteren Chagall-Fenster.

Eine umfassende Innenrenovation wurde 2007 abgeschlossen. Dabei wurden Oberflächen, Glasfenster, Beleuchtung und technische Einrichtungen erneuert.

Im Jahr 2013 wurde das mittelalterliche Nordportal wieder zum Haupteingang am Münsterhof.

Architektur

Grundriss

Das Fraumünster ist eine dreischiffige Basilika mit Querhaus, Chor und Turm.

Der Bau besteht aus:

  • Langhaus;
  • nördlichem und südlichem Seitenschiff;
  • Querhaus;
  • Vierung;
  • Chor;
  • Krypta;
  • Nordturm;
  • Resten des ehemaligen Südturms;
  • angebautem Kreuzgang.

Die Bauformen spiegeln die lange Entstehungs- und Umbaugeschichte.

Chor

Der Chor gehört zu den bedeutendsten romanischen Bauteilen der Kirche.

Er besitzt hohe Rundbogenfenster und eine klare, zurückhaltende Architektur. Seit 1970 wird der Raum durch die fünf Glasfenster Marc Chagalls geprägt.

Unter dem Chor befindet sich die Krypta.

Querhaus

Das Querhaus besitzt hohe gotische Gewölbe.

Besonders bedeutend sind die Gewölbeschlusssteine. Der Schlussstein über der Vierung zeigt die Krönung Mariens.

Das nördliche Querhaus enthält das Giacometti-Fenster. Im südlichen Querhaus befindet sich die von Chagall geschaffene Rosette.

Langhaus

Das dreischiffige Langhaus erscheint heute als schlichter gotischer Raum.

Seine heutige Höhe und die Gewölbe gehen wesentlich auf die Restaurierung von 1911 und 1912 zurück.

Die helle Gestaltung entspricht der reformierten Tradition und bildet einen deutlichen Gegensatz zu den farbintensiven Glasfenstern.

Turm

Der einzelne hohe Nordturm prägt die Silhouette der linksufrigen Altstadt.

Ursprünglich besass die Kirche zwei Türme. Der ältere Südturm wurde im 18. Jahrhundert bis auf die Höhe des Querhauses abgetragen.

Der Nordturm wurde erhöht und 1732 mit dem heutigen Turmabschluss versehen. Sein schlanker grüner Spitzhelm ist weithin sichtbar.

Glasfenster

Heaton-Fenster

Das grosse Westfenster hinter der Hauptorgel schuf der britische Glasmaler Clement Heaton im Jahr 1914.

Heaton lebte zeitweise in Neuenburg und später in den Vereinigten Staaten. Sein Fenster gehört zu den frühen modernen Glasmalereien des Fraumünsters.

Ein Teil des Fensters wird durch die grosse Orgel verdeckt.

Giacometti-Fenster

Das monumentale Fenster im nördlichen Querhaus stammt von Augusto Giacometti.

Es trägt den Titel Das himmlische Paradies und wurde 1945 eingesetzt. Die Einweihung fand am 9. Oktober 1945 in Anwesenheit des Künstlers statt.

Das Fenster ist ungefähr neun Meter hoch und umfasst eine Fläche von rund 27 Quadratmetern.

Dargestellt sind:

  • Gottvater mit der Weltkugel;
  • Jesus Christus;
  • acht alttestamentliche Propheten;
  • die vier Evangelisten;
  • anbetende Engel.

Das Werk ist durch dichte, kräftig leuchtende Farben geprägt. Es war Giacomettis letztes grosses Glasgemälde.[5]

Chagall-Fenster

Der fünfteilige Fensterzyklus im Chor wurde 1970 von Marc Chagall vollendet.

Chagall arbeitete dabei mit dem Glasmaler Charles Marq und dem Atelier Simon-Marq in Reims zusammen.

Die Initiative ging wesentlich vom damaligen Fraumünsterpfarrer Peter Vogelsanger aus. Finanziert wurden die Fenster durch das zunächst ungenannte Stifterpaar Lou und Heinrich Hatt-Bucher.

Die fünf Fenster behandeln zentrale biblische Themen:

Fenster Hauptthema
Prophetenfenster Der Prophet Elija und seine Aufnahme in den Himmel
Jakobsfenster Jakobs Kampf mit dem Engel und Szenen aus seinem Leben
Christusfenster Das Leben Christi von der Geburt bis zur Kreuzigung und Auferstehung
Zionsfenster Das himmlische Jerusalem, König David und die Vollendung der Schöpfung
Gesetzesfenster Moses, die Gesetzestafeln, menschliches Leiden und die Friedensbotschaft Jesajas

Die Farbgestaltung ist ein wesentlicher Teil der Bildwirkung. Figuren, Tiere, Pflanzen und architektonische Formen gehen ineinander über und verbinden Erzählungen des Alten und Neuen Testaments.

Im Jahr 1978 ergänzte Chagall den Zyklus durch eine Rosette im südlichen Querhaus. Sie zeigt die Schöpfung, die Arche Noah und die Bewahrung des Lebens.[6]

Die Chagall-Fenster gehören zu den bekanntesten modernen Glasmalereien der Schweiz und ziehen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an.

Krypta

Die Überreste der Krypta wurden während der Umbauarbeiten im Jahr 1900 wiederentdeckt.

Die Mauern stammen teilweise aus dem 9. Jahrhundert und gehören zu den ältesten sichtbaren Bauresten des Fraumünsters.

Im 11. Jahrhundert wurde die Krypta stark umgebaut. Sie diente wahrscheinlich der Aufbewahrung von Reliquien.

Nach ihrer Wiederentdeckung wurde sie zunächst als Lagerraum verwendet. Seit 2016 ist sie nach einer fachkundigen Restaurierung öffentlich zugänglich.

Das Krypta-Museum behandelt:

  • die Gründung der Abtei;
  • die Baugeschichte;
  • das mittelalterliche Klosterleben;
  • die Reformation;
  • die Geschichte der Pfarrkirche;
  • archäologische Funde.

Zu den Ausstellungsstücken gehören Faksimiles historischer Dokumente, Modelle, Animationen und der beschädigte Kopf einer mittelalterlichen Marienfigur, der als Zeugnis des reformatorischen Bildersturms gilt.[7]

Kreuzgang

Der heutige Kreuzgang liegt zwischen dem Fraumünster und dem Stadthaus.

Teile des mittelalterlichen Kreuzgangs wurden beim Abbruch der ehemaligen Klostergebäude um 1900 beseitigt. Gustav Gull schuf anschliessend einen neuen kreuzgangartigen Durchgang.

Der Kreuzgang ist öffentlich zugänglich und verbindet Münsterhof und Stadthausquai.

An diesem Ort befand sich früher ein Teil des Klosterfriedhofs.

Fresken von Paul Bodmer

Der Zürcher Künstler Paul Bodmer schuf zwischen 1924 und 1941 einen umfangreichen Freskenzyklus im Kreuzgang.

Die Wandbilder behandeln:

  • die Gründungslegende des Fraumünsters;
  • die Geschichte der Stadtheiligen Felix und Regula;
  • die Entwicklung der Abtei;
  • wichtige Ereignisse der Zürcher Stadtgeschichte;
  • die Reformation.

Der Freskenzyklus gilt als Hauptwerk Paul Bodmers. Er verbindet historische Ereignisse, religiöse Legenden und symbolische Darstellungen.

Die Fresken wurden im 21. Jahrhundert gereinigt und restauriert.[8]

Orgeln

Nach der Reformation besass das Fraumünster während mehrerer Jahrhunderte keine Orgel.

Zum tausendjährigen Jubiläum der Abtei erhielt die Kirche 1853 als erste reformierte Kirche Zürichs wieder ein solches Instrument.

Die heutige Hauptorgel wurde 1953 von der Orgelbau Genf AG erbaut. Ihr Gehäuse entwarf der Architekt Robert Fässler.

Die Hauptorgel besitzt vier Manuale und 79 Register.

Eine zusätzliche Chororgel wurde im 20. Jahrhundert eingebaut. Seit 1998 beziehungsweise 1999 können Haupt- und Chororgel elektrisch miteinander gekoppelt werden.

Durch diese Verbindung besitzt das Fraumünster eine der grössten Orgelanlagen des Kantons Zürich. Insgesamt umfasst die Anlage mehrere Tausend Pfeifen.

Orgelmusik, Chorgesang und Konzerte spielen im kirchlichen Leben eine bedeutende Rolle.

Glocken

Im Nordturm befindet sich ein mehrstimmiges Geläut.

Die Glocken dienen dem Gottesdienst, dem täglichen Zeitläuten und besonderen kirchlichen sowie städtischen Anlässen.

Wie bei den anderen grossen Altstadtkirchen ist das Geläut des Fraumünsters Teil der traditionellen Zürcher Klanglandschaft.

An hohen Feiertagen werden die Glocken der Altstadtkirchen gemeinsam geläutet.

Kirchliche Nutzung

Das Fraumünster gehört heute zur Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich und zum Kirchenkreis eins.

Es dient als:

  • Gottesdienstkirche;
  • Ort für Taufen, Trauungen und Abdankungen;
  • Raum für Andachten und Gebet;
  • Konzertkirche;
  • Ort theologischer und kultureller Veranstaltungen;
  • touristische Sehenswürdigkeit.

Die Kirche legt besonderen Wert auf die Verbindung von Predigt, Liturgie, Musik und bildender Kunst.

Neben den Sonntagsgottesdiensten finden Orgelandachten, Evensongs, Konzerte, Führungen und Bildungsveranstaltungen statt.

Tourismus

Das Fraumünster gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Zürichs.

Hauptanziehungspunkte sind:

  • die Chagall-Fenster;
  • das Giacometti-Fenster;
  • die romanisch-gotische Architektur;
  • die Krypta;
  • der Kreuzgang;
  • die Fresken von Paul Bodmer;
  • die Lage am Münsterhof.

Für touristische Besichtigungen wird eine Informations- und Eintrittsgebühr erhoben. Der Zugang zu Gottesdiensten, Gebet und stiller Einkehr bleibt kostenfrei.

Audioguides und gedruckte Informationen werden in mehreren Sprachen angeboten.

Die Chagall-Fenster sind urheberrechtlich geschützt. Für Fotografien und deren Veröffentlichung gelten besondere Regeln.

Bedeutung für Zürich

Das Fraumünster besitzt religiöse, politische, kunsthistorische und stadtgeschichtliche Bedeutung.

Die Abtei war während Jahrhunderten:

  • königliches und kaiserliches Stift;
  • Zentrum weiblicher geistlicher Herrschaft;
  • Grossgrundbesitzerin;
  • Inhaberin von Markt-, Zoll- und Münzrechten;
  • wichtiger Faktor bei der Entstehung der Stadt Zürich;
  • religiöser Mittelpunkt am linken Limmatufer.

Die Geschichte der Äbtissinnen zeigt, dass Frauen im mittelalterlichen Zürich bedeutende politische und wirtschaftliche Macht ausüben konnten.

Die Übergabe durch Katharina von Zimmern war ein entscheidendes Ereignis der Zürcher Reformation.

Die moderne Kirche verbindet heute mittelalterliche Architektur mit bedeutender Kunst des 20. Jahrhunderts.

Frauen- und Erinnerungsgeschichte

Die Geschichte der Abtei wird seit dem späten 20. Jahrhundert verstärkt als Teil der Zürcher Frauen- und Geschlechtergeschichte wahrgenommen.

Die 1988 gegründete Gesellschaft zu Fraumünster erinnert an die Äbtissinnen und an bedeutende Frauen der Stadtgeschichte.

Im Kreuzgang befindet sich ein Denkmal für Katharina von Zimmern.

Im Jahr 2024 wurde anlässlich des 500. Jahrestags der Übergabe der Abtei mit Veranstaltungen, Ausstellungen und der temporären Kunstinstallation Katharinen-Turm an die letzte Äbtissin erinnert.

Die Installation stand an der Stelle des ehemaligen Südturms und trug die Namen von 500 Frauen, die Zürich geprägt haben.

Kulturgüterschutz

Das Fraumünster mit Kreuzgang ist im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung als Objekt von nationaler Bedeutung eingetragen.

Geschützt sind nicht nur die sichtbare Architektur, sondern auch:

  • archäologische Reste;
  • historische Mauern;
  • Gewölbe;
  • Glasmalereien;
  • Fresken;
  • Orgeln;
  • liturgische Ausstattung;
  • Dokumente und Kunstgegenstände.

Restaurierungen erfolgen in Zusammenarbeit mit Denkmalpflege, Archäologie, Kirchgemeinde und spezialisierten Fachpersonen.

Zeittafel

Jahr oder Zeitraum Ereignis
Vor 853 Bestehen einer kleinen geistlichen Frauengemeinschaft in Zürich
21. Juli 853 Ludwig der Deutsche stattet das Fraumünster als königliches Frauenkloster aus
874 Weihe eines frühen Kirchenbaus zu Ehren von Felix und Regula
9. Jahrhundert Bau einer grossen Kirche mit Querhaus, Apsiden und Krypta
11. Jahrhundert Umbau der Krypta und Übertragung bedeutender Markt-, Zoll- und Münzrechte
12. Jahrhundert Bau des Südturms, des Kreuzgangs und weiterer Klostergebäude
1218 Die Abtei gelangt wieder unter unmittelbaren königlichen Schutz
Vor 1234 Die Äbtissin wird als Reichsfürstin bezeichnet
1220er-Jahre Beginn des Neubaus von Chor, Querhaus und Nordturm
1260er-Jahre Vollendung des Chors
Ab etwa 1270 Weiterbau des Querhauses
Um 1280 Beginn des Neubaus des Langhauses
Um 1300 Einwölbung der Vierung
1336 Verlust weiterer politischer Rechte während der Brunischen Zunftrevolution
1400 Die Stadt Zürich erwirbt die Reichsvogtei
1496 Katharina von Zimmern wird Äbtissin
30. November 1524 Übergabe und Aufhebung der Abtei während der Reformation
1664 Erhöhung des Kirchenbodens nach einer schweren Limmatüberschwemmung
1728–1732 Abtragung des Südturms und Erhöhung des Nordturms
1836–1838 Bau der Münsterbrücke und Veränderung der Umgebung
1853 Einbau der ersten nachreformatorischen Orgel
1898–1901 Abbruch grosser Teile der Klostergebäude und Bau des Stadthauses
1900 Wiederentdeckung der Krypta
1911–1912 Umfassende Restaurierung und Neugestaltung durch Gustav Gull
1914 Einbau des Heaton-Fensters
1924–1941 Entstehung der Fresken Paul Bodmers im Kreuzgang
1945 Einbau des Giacometti-Fensters
1953 Einbau der heutigen Hauptorgel
1965–1970 Restaurierung von Chor und Querhaus
1970 Vollendung der fünf Chagall-Fenster im Chor
1978 Einbau der Chagall-Rosette im südlichen Querhaus
1998/1999 Elektrische Verbindung von Haupt- und Chororgel
2007 Abschluss einer umfassenden Innenrenovation
2013 Das mittelalterliche Nordportal wird wieder Haupteingang
2016 Eröffnung des Krypta-Museums
2024 Gedenkjahr zum 500. Jahrestag der Übergabe durch Katharina von Zimmern

Siehe auch

Literatur

  • Regine Abegg und Christine Barraud Wiener: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Neue Ausgabe, Band II.I: Die Stadt Zürich II.I. Altstadt links der Limmat, Sakralbauten. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2002.
  • Peter Vogelsanger: Zürich und sein Fraumünster. Eine elfhundertjährige Geschichte 853–1956. Zürich 1994.
  • Regine Abegg: Das Fraumünster in Zürich. Schweizerische Kunstführer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2018.
  • Judith Steinmann: Fraumünster. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Margrit Eugster: Die Äbtissinnen des Fraumünsters. Zürich.
  • Stadt Zürich: Archäologie und Denkmalpflege im Fraumünsterquartier. Zürich.
  • Paul Bodmer: Die Fresken im Fraumünsterkreuzgang. Zürich.
  • Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich: Das Fraumünster. Geschichte, Bauwerk und Kunst. Zürich.

Einzelnachweise

  1. Judith Steinmann: Fraumünster, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich: Führung: Das Fraumünster, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Veronika Feller-Vest: Katharina von Zimmern, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Dölf Wild: Zürichs Münsterhof – ein städtischer Platz des 13. Jahrhunderts?, Stadt Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich: Giacometti-Fenster, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich: Chagall-Fenster, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich: Krypta-Museum, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Stadt Zürich: Der Freskenzyklus von Paul Bodmer im Fraumünsterkreuzgang, abgerufen am 23. Juli 2026.