Universität Neuenburg

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Universität Neuenburg
Französischer Name Université de Neuchâtel
Lateinischer Name Universitas Neocomensis
Abkürzung UniNE
Hochschultyp Öffentliche Universität
Gründung der ersten Akademie 1838
Gründung der zweiten Akademie 1866
Erhebung zur Universität 18. Mai 1909
Trägerschaft Kanton Neuenburg
Rechtsform Autonome kantonale öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit
Sitz Neuenburg, Schweiz
Rektorin Deniz Gyger Gaspoz
Fakultäten 4
Studierende 4'549 im Studienjahr 2025/26
Mitarbeitende 1'107 Personen Ende 2025
Unterrichtssprache überwiegend Französisch, teilweise Englisch und weitere Sprachen
Hauptstandorte UniLac und UniMail
Adresse Avenue du 1er-Mars 26, 2000 Neuenburg
Website unine.ch

Die Universität Neuenburg ist eine öffentliche Universität in der französischsprachigen Stadt Neuenburg. Ihr offizieller französischer Name lautet Université de Neuchâtel. Sie wird meist mit UniNE abgekürzt.

Die Hochschule geht auf eine 1838 gegründete Akademie zurück. Nach deren Aufhebung im Revolutionsjahr 1848 wurde 1866 eine zweite Akademie eröffnet. Am 18. Mai 1909 erhob der Grosse Rat des Kantons Neuenburg die Institution offiziell zur Universität.[1]

Die Universität umfasst vier Fakultäten: die Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften, die Rechtswissenschaftliche Fakultät, die Naturwissenschaftliche Fakultät sowie die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät. Die frühere Theologische Fakultät wurde 2015 geschlossen.

Im Studienjahr 2025/26 waren 4'549 Studierende eingeschrieben, davon 2'706 Frauen und 1'843 Männer. Ende 2025 beschäftigte die Universität 1'107 Mitarbeitende auf 774,5 Vollzeitstellen.[2]

Die Universität gehört zu den kleineren kantonalen Universitäten der Schweiz. Sie versteht ihre überschaubare Grösse als Vorteil für eine persönliche Betreuung, kurze Entscheidungswege und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten. Rund die Hälfte der Studierenden stammt aus anderen Schweizer Kantonen, ein bedeutender Teil aus dem Ausland.[3]

Besondere wissenschaftliche Schwerpunkte bestehen unter anderem in den Bereichen Migration und Mobilität, Hydrologie und Geothermie, Zeit- und Frequenzmessung, chemische Ökologie, Pflanzenwissenschaften, Kognitionswissenschaften, Datenwissenschaften, Sportrecht, Gesundheitsrecht und Wirtschaftsforschung.

Name

Der offizielle Name in der Unterrichts- und Verwaltungssprache lautet Université de Neuchâtel.

Auf Deutsch wird die Hochschule als Universität Neuenburg bezeichnet. Weitere Namen sind:

  • italienisch: Università di Neuchâtel;
  • rätoromanisch: Universitad da Neuchâtel;
  • englisch: University of Neuchâtel;
  • lateinisch: Universitas Neocomensis.

Die gebräuchliche Abkürzung lautet UniNE. Sie wird in der institutionellen Kommunikation, in Internetadressen, Publikationen und Logos verwendet.

Der Ausdruck Académie de Neuchâtel bezeichnet die Vorgängerinstitutionen von 1838 bis 1848 und von 1866 bis 1909.

Geschichte

Wissenschaftliches Umfeld vor 1838

Neuenburg besass bereits vor der Gründung der Akademie eine ausgeprägte Bildungs- und Wissenschaftstradition.

Die Reformation hatte im 16. Jahrhundert die Entwicklung reformierter Schulen gefördert. Im 18. Jahrhundert entstanden private Lehranstalten, Bibliotheken, naturwissenschaftliche Sammlungen und gelehrte Gesellschaften.

Die Uhrenindustrie, der Buchdruck, der internationale Handel und die engen Beziehungen zu Frankreich, Deutschland und Preussen begünstigten ein geistig offenes Umfeld.

Bedeutende Neuenburger Gelehrte waren unter anderem:

  • der Naturrechtler Emer de Vattel;
  • der Mathematiker und Physiker Louis Bourguet;
  • der Geograf Jean-Frédéric Ostervald;
  • der Botaniker Jean-Frédéric Chaillet;
  • der Naturforscher Louis Coulon.

Im frühen 19. Jahrhundert wuchs der Wunsch nach einer eigenen höheren Lehranstalt.

Politische Lage Neuenburgs

Neuenburg gehörte seit 1707 zum Königreich Preussen, blieb zugleich aber ein eigenständiges Fürstentum.

Nach der französischen Herrschaft von 1806 bis 1814 wurde Neuenburg 1815 als Kanton in die Schweizerische Eidgenossenschaft aufgenommen. Der preussische König blieb dennoch Fürst von Neuenburg.

Diese Doppelstellung als Schweizer Kanton und preussisches Fürstentum beeinflusste auch die Gründung der Akademie.

Louis Agassiz

Eine zentrale Rolle bei der Gründung spielte der Naturforscher Louis Agassiz.

Agassiz kam 1832 nach Neuenburg und wurde Professor für Naturgeschichte. Er baute ein international beachtetes Forschungszentrum für Geologie, Paläontologie, Zoologie und Gletscherkunde auf.

Seine Vorlesungen, Publikationen und Expeditionen verschafften Neuenburg wissenschaftliches Ansehen.

Agassiz setzte sich für eine Akademie ein, die nicht nur der beruflichen Ausbildung dienen, sondern auch wissenschaftliche Forschung ermöglichen sollte.

Erste Akademie von 1838

Die erste Akademie von Neuenburg wurde 1838 unter König Friedrich Wilhelm III. von Preussen gegründet.

Sie entstand sowohl auf Initiative Louis Agassiz' als auch aufgrund des politischen Willens, dem Fürstentum eine hochwertige Bildungsinstitution zu geben.[1]

Die Akademie umfasste Lehrgebiete wie:

  • Geisteswissenschaften;
  • Philosophie;
  • Geschichte;
  • klassische Sprachen;
  • Mathematik;
  • Naturwissenschaften;
  • Recht;
  • Theologie.

Sie war klein, zog jedoch mehrere bedeutende Wissenschaftler an.

Die Ausbildung verband wissenschaftliche Lehre mit der Vorbereitung auf Berufe in Verwaltung, Kirche und Bildung.

Aufhebung im Jahr 1848

Am 1. März 1848 stürzten republikanische Kräfte die monarchische Regierung des Fürstentums Neuenburg.

Die neue republikanische Kantonsregierung betrachtete die Akademie als eng mit der früheren preussischen Herrschaft verbunden.

Am 17. Juni 1848 wurde die Akademie aufgehoben.

Die Schliessung erfolgte nicht nur aus politischen, sondern auch aus finanziellen und bildungspolitischen Gründen. Die Regierung wollte das höhere Bildungswesen neu ordnen und stärker an den Bedürfnissen der jungen Republik ausrichten.

Einige Lehrangebote und wissenschaftliche Aktivitäten wurden ausserhalb der aufgehobenen Akademie weitergeführt.

Neuenburgerhandel

Die politische Trennung von Preussen war erst nach dem Neuenburgerhandel von 1856 und 1857 vollständig gesichert.

Nach einem gescheiterten royalistischen Aufstand verzichtete König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen im Vertrag von Paris von 1857 endgültig auf seine Herrschaftsrechte über Neuenburg.

Damit waren die Voraussetzungen für den Aufbau einer republikanisch getragenen höheren Lehranstalt verbessert.

Zweite Akademie von 1866

Im Jahr 1866 eröffnete der Kanton eine zweite Akademie.

Sie umfasste zunächst:

  • die Fakultät für Geisteswissenschaften;
  • die Naturwissenschaftliche Fakultät;
  • die Rechtswissenschaftliche Fakultät;
  • gymnasiale Abteilungen.

Die neue Akademie war stärker in das kantonale Bildungswesen eingebunden als ihre Vorgängerin.

Sie sollte wissenschaftliche Ausbildung, Lehrerbildung und die Vorbereitung auf akademische Berufe miteinander verbinden.

Theologische Fakultät

1873 wurde eine Theologische Fakultät eingerichtet.

Sie diente der Ausbildung reformierter Pfarrer und der wissenschaftlichen Erforschung von Bibel, Kirchengeschichte, systematischer Theologie und praktischer Theologie.

Die Fakultät entwickelte ein eigenständiges Profil innerhalb der reformierten Hochschultheologie der französischsprachigen Schweiz.

Sie blieb bis 2015 Teil der Universität.

Ausbau im späten 19. Jahrhundert

Die zweite Akademie wurde schrittweise erweitert.

Neue Lehrstühle entstanden unter anderem in:

  • Geschichte;
  • Literatur;
  • Philosophie;
  • Archäologie;
  • Geografie;
  • Mathematik;
  • Physik;
  • Chemie;
  • Biologie;
  • Rechtswissenschaft.

Die Nähe zur Uhrenindustrie förderte insbesondere Forschungen in Physik, Präzisionsmessung, Mechanik und Zeitbestimmung.

Die Akademie arbeitete mit kantonalen Museen, Bibliotheken und wissenschaftlichen Gesellschaften zusammen.

Frauenstudium

Die erste Frau schrieb sich 1894 an der damaligen Akademie ein.

Um 1900 nahm die Zahl der Studentinnen deutlich zu. Viele kamen aus dem Ausland, da Frauen in ihren Herkunftsländern teilweise keinen Zugang zu Universitäten hatten.

Die stärkere Beteiligung von Frauen an Studium und Forschung entwickelte sich in Neuenburg ähnlich wie an anderen Schweizer Universitäten schrittweise.

Eine wichtige Persönlichkeit war die Mathematikerin Sophie Piccard. Sie begann 1936 in Neuenburg zu unterrichten, wurde 1938 ausserordentliche Professorin und 1943 ordentliche Professorin. Damit war sie die erste ordentliche Professorin in der französischsprachigen Schweiz und eine der ersten Frauen in der Schweiz mit einer solchen Stellung.[4]

Erhebung zur Universität 1909

Am 18. Mai 1909 beschloss der Grosse Rat des Kantons Neuenburg, die Akademie offiziell in die Université de Neuchâtel umzuwandeln.

Die neue Universität erhielt eine modernisierte Organisation und erweiterte akademische Rechte.

Ab 1910 bestand zusätzlich eine Abteilung für Handelswissenschaften. Zugleich erhielt die Universität die Möglichkeit, in allen Fakultäten Doktorgrade zu verleihen.[5]

Als erster Rektor der Universität amtierte der Historiker Arthur Piaget.

Handelswissenschaften

Die 1910 eingerichtete Abteilung für Handelswissenschaften reagierte auf die wirtschaftliche Bedeutung Neuenburgs als Standort von Uhrenindustrie, Handel, Banken und Exportwirtschaft.

Aus ihr entwickelte sich später die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät.

Das Lehrangebot wurde um:

  • Volkswirtschaftslehre;
  • Betriebswirtschaftslehre;
  • Statistik;
  • Finanzwissenschaft;
  • Handel;
  • Wirtschaftsgeschichte

erweitert.

Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs litt die Universität unter Mobilmachungen, finanziellen Schwierigkeiten und einer geringeren internationalen Mobilität.

Zugleich beteiligten sich Wissenschaftler an gesellschaftlichen und politischen Debatten über Neutralität, nationale Identität und internationale Zusammenarbeit.

Nach dem Krieg nahm die Zahl der Studierenden wieder zu.

Zwischenkriegszeit

In den 1920er- und 1930er-Jahren geriet die kleine Universität wiederholt unter finanziellen Druck.

Es wurde diskutiert, einzelne Fächer oder ganze Fakultäten aufzugeben oder zwischen den westschweizerischen Universitäten aufzuteilen.

Die Kantonsregierung bekannte sich 1925 ausdrücklich zu einer humanistischen und allgemein ausgerichteten Universität, deren verschiedene Fachgebiete miteinander verbunden bleiben sollten.[1]

Die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre erschwerte jedoch den Ausbau.

Sophie Piccard

Sophie Piccard wurde 1904 in Sankt Petersburg geboren und emigrierte nach der Russischen Revolution in die Schweiz.

Sie arbeitete in den Bereichen Algebra, Geometrie, Zahlentheorie und Gruppentheorie.

1938 wurde sie ausserordentliche und 1943 ordentliche Professorin für Mathematik in Neuenburg.

Ihre Berufung war ein bedeutender Schritt für die Stellung von Frauen in der schweizerischen Wissenschaft.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs war der internationale Austausch stark eingeschränkt.

Die Universität beteiligte sich an der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit:

  • Krieg;
  • Neutralität;
  • Demokratie;
  • Flüchtlingspolitik;
  • humanitären Fragen;
  • Wiederaufbau Europas.

Mehrere Studierende und Mitarbeitende leisteten Aktivdienst.

Ausbau nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Universität stark.

Die zunehmende Nachfrage nach akademischer Ausbildung führte zu neuen Professuren, Instituten, Laboratorien und Studienprogrammen.

Der Kanton plante ab den 1960er-Jahren umfangreiche Bauvorhaben.

Dazu gehörten:

  • neue naturwissenschaftliche Institute;
  • Ausbau des Hauptgebäudes;
  • studentische Wohnmöglichkeiten;
  • zusätzliche Bibliotheken;
  • neue Gebäude für die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Naturwissenschaften am Mail

Die Naturwissenschaften wurden schrittweise auf dem höher gelegenen Mail-Areal konzentriert.

Dort entstanden moderne Gebäude und Laboratorien für:

  • Biologie;
  • Chemie;
  • Physik;
  • Geologie;
  • Hydrologie;
  • Mathematik;
  • Informatik.

Der Standort wird heute als UniMail bezeichnet.

Wachstum der Studierendenzahlen

Die Studierendenzahl stieg im Verlauf des 20. Jahrhunderts kontinuierlich an.

Die Hochschule entwickelte sich von einer kleinen regionalen Akademie zu einer national und international vernetzten Universität.

Das Wachstum wurde durch die Einführung neuer Studienrichtungen, die stärkere Beteiligung von Frauen und den Zuzug aus anderen Kantonen und Staaten gefördert.

Bologna-Reform

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden die Studiengänge nach dem Bologna-Modell neu organisiert.

Die bisherigen Lizenziats- und Diplomstudiengänge wurden weitgehend durch:

  • Bachelorstudiengänge;
  • Masterstudiengänge;
  • strukturierte Doktoratsprogramme

ersetzt.

Die Abschlüsse wurden dadurch international vergleichbarer.

Schliessung der Theologischen Fakultät

Die Theologische Fakultät wurde am 31. Juli 2015 geschlossen.

Der Entscheid war Teil einer politischen und finanziellen Neuausrichtung der Universität.

Den bereits eingeschriebenen Studierenden wurden Übergangslösungen angeboten. Teile der theologischen Ausbildung wurden in Zusammenarbeit mit den Universitäten Lausanne und Genf weitergeführt.[6]

Seitdem besitzt die Universität vier Fakultäten.

Neues Universitätsgesetz

Das neue Gesetz über die Universität Neuenburg trat am 1. Januar 2017 in Kraft.

Es definiert die Universität als autonome kantonale öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit.[7]

Das Gesetz stärkte:

  • institutionelle Autonomie;
  • strategische Steuerung;
  • Mitwirkung der Universitätsgemeinschaft;
  • Qualitätskontrolle;
  • Verantwortung des Rektorats.

Neu geschaffen wurde unter anderem die Universitätsversammlung.

Rektorat Deniz Gyger Gaspoz

Deniz Gyger Gaspoz trat am 1. Februar 2026 das Amt der Rektorin an.

Sie hatte zuvor während zehn Jahren als Vizerektorin für Forschung und dokumentarische Ressourcen an der Pädagogischen Hochschule BEJUNE gearbeitet.

Gyger Gaspoz promovierte in Sozialanthropologie an der Universität Bern. Sie war zudem am Schweizerischen Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien sowie am Ethnologischen Institut der Universität Neuenburg tätig.[8]

Organisation

Rechtsstellung

Die Universität ist eine autonome öffentlich-rechtliche Anstalt des Kantons Neuenburg.

Sie besitzt eine eigene Rechtspersönlichkeit und handelt innerhalb der kantonalen gesetzlichen Vorgaben selbstständig.

Zu ihren Aufgaben gehören:

  • wissenschaftliche Lehre;
  • Forschung;
  • Weiterbildung;
  • Verleihung akademischer Grade;
  • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses;
  • Wissens- und Technologietransfer;
  • Dienstleistungen für Gesellschaft und Staat;
  • Beitrag zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung des Kantons.

Die strategischen Ziele werden in mehrjährigen Leistungs- und Zielvereinbarungen zwischen Universität und Kanton festgelegt.

Rektorat

Das Rektorat ist das ausführende Leitungsorgan.

Es besteht aus der Rektorin oder dem Rektor und mehreren Vizerektorinnen und Vizerektoren.

Das Rektorat:

  • bestimmt die strategischen Grundrichtungen;
  • verabschiedet Budget und Rechnung;
  • führt Berufungsverfahren;
  • koordiniert Fakultäten und zentrale Dienste;
  • vertritt die Universität nach aussen;
  • entwickelt Forschung und Lehre;
  • überwacht die Qualitätssicherung.

Universitätsrat

Der Universitätsrat begleitet und beaufsichtigt die Universität auf strategischer Ebene.

Er besteht aus neun Mitgliedern.

Fünf Mitglieder werden vom Staatsrat gewählt. Vier weitere werden von der Universitätsversammlung vorgeschlagen, wobei mindestens eines dieser Mitglieder nicht der Universitätsgemeinschaft angehören muss.[9]

Der Universitätsrat prüft unter anderem:

  • Strategie;
  • Zielvereinbarungen;
  • Finanzplanung;
  • institutionelle Entwicklung;
  • Tätigkeit des Rektorats.

Universitätsversammlung

Die Universitätsversammlung wurde mit dem Universitätsgesetz von 2016 geschaffen.

Sie vertritt die verschiedenen Gruppen der Hochschule:

  • Professorinnen und Professoren;
  • wissenschaftliche Mitarbeitende;
  • administratives und technisches Personal;
  • Studierende.

Die Versammlung nimmt Stellung zu:

  • langfristiger Strategie;
  • mehrjährigem Entwicklungsplan;
  • Budgetrahmen;
  • Statuten;
  • institutionellen Reformen.

Sie schlägt zudem einen Teil der Mitglieder des Universitätsrats vor.[10]

Fakultäten

Die Universität umfasst vier Fakultäten:

Fakultät Französischer Name Wichtige Fachgebiete
Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften Faculté des lettres et sciences humaines Sprachen, Geschichte, Philosophie, Archäologie, Sozialwissenschaften, Psychologie und Kulturwissenschaften
Rechtswissenschaftliche Fakultät Faculté de droit Schweizerisches, europäisches und internationales Recht
Naturwissenschaftliche Fakultät Faculté des sciences Biologie, Mathematik, Physik, Informatik, Umweltwissenschaften, Hydrologie und Medizin
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Faculté des sciences économiques Wirtschaft, Finanzen, Management, Statistik, Journalismus und Informationssysteme

Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften

Die Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften ist mit mehr als 2'000 Studierenden die grösste Fakultät der Universität.[11]

Zu ihren Fachgebieten gehören:

  • Archäologie;
  • Geschichte;
  • Kunstgeschichte;
  • klassische Philologie;
  • Philosophie;
  • französische Sprache und Literatur;
  • Germanistik;
  • Anglistik;
  • Hispanistik;
  • Linguistik;
  • Ethnologie;
  • Soziologie;
  • Geografie;
  • Politikwissenschaft;
  • Psychologie und Erziehungswissenschaft;
  • Kommunikationswissenschaft;
  • Museumswissenschaft;
  • Kognitionswissenschaft;
  • digitale Geisteswissenschaften.

Der Bachelor of Arts erlaubt die Kombination mehrerer Studienfächer, die als piliers bezeichnet werden.

Die Fakultät besitzt eine ausgeprägte interdisziplinäre Tradition. Besonders bekannt ist die Verbindung von Ethnologie, Geografie, Soziologie, Psychologie, Geschichte und Migrationsforschung.

Rechtswissenschaftliche Fakultät

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät führt die seit der Gründung der ersten Akademie bestehende juristische Tradition fort.

Sie bietet:

  • Bachelor of Law;
  • Master of Law;
  • Doktorat;
  • Weiterbildungsprogramme.

Zu den Forschungs- und Lehrgebieten gehören:

  • Privatrecht;
  • öffentliches Recht;
  • Strafrecht;
  • Wirtschaftsrecht;
  • internationales Recht;
  • Europarecht;
  • Sozialrecht;
  • Steuerrecht;
  • Gesundheitsrecht;
  • Migrationsrecht;
  • Sportrecht;
  • geistiges Eigentum;
  • Mietrecht.

Die Fakultät ist für ihre persönliche Betreuung und spezialisierte Masterangebote bekannt.

Institut für Gesundheitsrecht

Das Institut für Gesundheitsrecht untersucht rechtliche Fragen rund um:

  • medizinische Behandlungen;
  • Patientenrechte;
  • Krankenversicherung;
  • Biomedizin;
  • öffentliche Gesundheit;
  • medizinische Forschung;
  • Datenschutz;
  • Fortpflanzungsmedizin.

Migrationsrecht

Das Zentrum für Migrationsrecht verbindet juristische Forschung mit Sozialwissenschaften.

Es arbeitet mit den Universitäten Bern und Freiburg sowie mit weiteren Partnerinstitutionen zusammen.

Untersucht werden:

  • Asylrecht;
  • Aufenthaltsrecht;
  • Personenfreizügigkeit;
  • Staatsangehörigkeit;
  • Grenzregime;
  • internationale Migration.

Sportrecht

Die Universität besitzt eine besondere Stellung im Sportrecht.

Sie arbeitet mit dem in Neuenburg ansässigen Internationalen Zentrum für Sportstudien zusammen.

Das Zentrum wurde gemeinsam von der Universität, der Stadt Neuenburg und dem Weltfussballverband FIFA gegründet.

Zu seinen Tätigkeiten gehören Forschung und Weiterbildung in:

  • Sportmanagement;
  • Sportrecht;
  • Sportökonomie;
  • Geschichte und Soziologie des Sports.

Naturwissenschaftliche Fakultät

Die Naturwissenschaftliche Fakultät befindet sich hauptsächlich im UniMail-Komplex.

Sie umfasst Institute und Forschungsgruppen in:

  • Biologie;
  • Chemie;
  • Physik;
  • Mathematik;
  • Informatik;
  • Statistik;
  • Geologie;
  • Hydrologie;
  • Geothermie;
  • Umweltwissenschaften;
  • Sportwissenschaft;
  • Medizin.

Die Fakultät beherbergt sieben grössere Institute mit Laboratorien und spezialisierten Professuren.[12]

Zu den besonderen Studienangeboten gehören:

  • Biologie und Ethnologie;
  • natürliche Systeme;
  • Datenwissenschaft;
  • Wissenschaft und Sport;
  • Biogeowissenschaften;
  • Biodiversitätsschutz;
  • Hydrologie und Geothermie.

Humanmedizin

An der Universität kann das erste Jahr des Bachelorstudiums in Humanmedizin absolviert werden.

Nach dem erfolgreichen Auswahlverfahren am Ende des ersten Jahres setzen die Studierenden das Studium an der Universität Lausanne oder der Universität Genf fort.[13]

Das erste Studienjahr vermittelt Grundlagen in:

  • Biologie;
  • Chemie;
  • Physik;
  • Anatomie;
  • Physiologie;
  • medizinischen Wissenschaften.

Biologie

Die biologische Forschung beschäftigt sich unter anderem mit:

  • Pflanzenkommunikation;
  • chemischer Ökologie;
  • Bodenorganismen;
  • Mikrobiologie;
  • Evolutionsbiologie;
  • Biodiversität;
  • nachhaltiger Landwirtschaft.

Die Universität ist international bekannt für Forschungen darüber, wie Pflanzen auf Schädlinge reagieren und chemische Signale austauschen.

Hydrologie und Geothermie

Das Zentrum für Hydrologie und Geothermie gehört zu den bedeutenden europäischen Ausbildungs- und Forschungsstätten auf seinem Gebiet.

Es untersucht:

  • Grundwasserströmungen;
  • Karstsysteme;
  • Trinkwasserressourcen;
  • Schadstofftransport;
  • Geothermie;
  • unterirdische Wärmespeicherung;
  • Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserressourcen.

Der Master in Hydrologie und Geothermie ist eidgenössisch anerkannt und international ausgerichtet.[14]

Zeit und Frequenz

Das Labor für Zeit und Frequenz erforscht hochpräzise Zeitmessung.

Zu den Themen gehören:

  • Atomuhren;
  • Laserphysik;
  • Frequenzstandards;
  • optische Messtechnik;
  • Satellitennavigation;
  • Telekommunikation;
  • Synchronisierung technischer Systeme.

Die Forschung ist eng mit der Neuenburger Tradition der Präzisions- und Uhrenindustrie verbunden.

Datenwissenschaft

Die Universität bietet Studiengänge und Forschungsprojekte in Datenwissenschaft und Informatik an.

Zu den Bereichen gehören:

  • maschinelles Lernen;
  • künstliche Intelligenz;
  • statistische Modellierung;
  • Datenbanken;
  • Informationssysteme;
  • digitale Gesellschaft;
  • ethische und rechtliche Folgen der Digitalisierung.

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät entstand aus der 1910 gegründeten Abteilung für Handelswissenschaften.

Zu ihren Fachbereichen gehören:

  • Volkswirtschaftslehre;
  • Betriebswirtschaftslehre;
  • Finanzwissenschaft;
  • Statistik;
  • Wirtschaftsinformatik;
  • Management;
  • Journalismus;
  • Medienwissenschaft;
  • Regionalwirtschaft.

Die Fakultät befindet sich hauptsächlich an der Rue Abram-Louis Breguet nahe dem See.

Volkswirtschaft

Die volkswirtschaftliche Forschung beschäftigt sich unter anderem mit:

  • Arbeitsmarkt;
  • Migration;
  • Regionalentwicklung;
  • internationalem Handel;
  • öffentlichen Finanzen;
  • Wirtschaftspolitik;
  • Industrie und Innovation;
  • Umweltökonomie.

Management und Finanzen

Betriebswirtschaftliche Forschungsschwerpunkte sind:

  • Unternehmensführung;
  • Rechnungswesen;
  • Finanzmärkte;
  • Bankwesen;
  • Unternehmertum;
  • Marketing;
  • Organisation;
  • strategisches Management.

Journalismus und Medien

Die Akademie für Journalismus und Medien bietet Studien- und Weiterbildungsprogramme für Journalismus und Medienberufe an.

Sie untersucht:

  • journalistische Arbeitsweisen;
  • digitale Medien;
  • Medienökonomie;
  • politische Kommunikation;
  • Desinformation;
  • Medienethik;
  • Wandel der Öffentlichkeit.

Studium

Studienangebot

Die Universität bietet zahlreiche Bachelorprogramme, rund dreissig Masterprogramme, Doktoratsstudien und Weiterbildungen an.[15]

Die Studiengänge sind nach dem Bologna-System organisiert.

Studienstufe Üblicher Umfang Abschluss
Bachelor 180 ECTS-Punkte Bachelor of Arts, Bachelor of Science oder Bachelor of Law
Master 90 oder 120 ECTS-Punkte Master of Arts, Master of Science oder Master of Law
Doktorat eigenständige Forschungsarbeit Doktorgrad oder PhD
Weiterbildung je nach Programm CAS, DAS, MAS oder Zertifikat

Bachelorstudium

Ein Bachelorstudium dauert bei Vollzeitstudium gewöhnlich sechs Semester.

Es vermittelt:

  • fachliche Grundlagen;
  • wissenschaftliche Methoden;
  • analytische Fähigkeiten;
  • erste Spezialisierungen.

In den Geistes- und Humanwissenschaften können mehrere Fächer kombiniert werden.

Masterstudium

Ein Masterstudium dauert gewöhnlich drei oder vier Semester.

Es dient der:

  • fachlichen Vertiefung;
  • Spezialisierung;
  • Vorbereitung auf wissenschaftliche Forschung;
  • Qualifikation für anspruchsvolle Berufsfelder.

Mehrere Masterprogramme werden gemeinsam mit anderen Schweizer Universitäten angeboten.

Doktorat

Nach einem Masterabschluss kann in allen vier Fakultäten ein Doktorat absolviert werden.

Doktorierende arbeiten häufig in:

  • Forschungsprojekten;
  • Graduiertenschulen;
  • Instituten;
  • interuniversitären Netzwerken;
  • vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Programmen.

Der Graduate Campus unterstützt den wissenschaftlichen Nachwuchs durch Kurse, Beratung und Vernetzung.

Unterrichtssprachen

Die wichtigste Unterrichtssprache ist Französisch.

In verschiedenen Master- und Doktoratsprogrammen wird Englisch verwendet.

Einzelne Veranstaltungen finden auf:

  • Deutsch;
  • Italienisch;
  • Spanisch;
  • Englisch

oder in weiteren Fachsprachen statt.

Sprachkurse unterstützen Studierende bei der Verbesserung ihrer Französisch- und Fremdsprachenkenntnisse.

Studierende

Im Studienjahr 2025/26 waren 4'549 Personen eingeschrieben.

Merkmal Anzahl oder Anteil
Studierende insgesamt 4'549
Frauen 2'706
Männer 1'843
Frauenanteil 59 %
Männeranteil 41 %
Verliehene Abschlüsse 2025 1'065
Bachelorabschlüsse 2025 451
Masterabschlüsse 2025 508
Doktorate 2025 68

Die Universität zieht zahlreiche Studierende aus anderen Kantonen an. Die Lage zwischen der Genferseeregion, Bern, dem Jurabogen und der Deutschschweiz begünstigt ihre überregionale Bedeutung.

Die kleine Grösse ermöglicht vergleichsweise niedrige Betreuungsverhältnisse und einen direkten Kontakt zu den Lehrenden.

Forschung

Die Universität beschäftigt rund 900 Personen in Lehre, Forschung und wissenschaftlicher Mitarbeit.

Das jährliche Budget liegt bei mehr als 130 Millionen Franken. Rund ein Drittel der Mittel für Forschung wird über wettbewerblich vergebene Drittmittel eingeworben.[16]

Die Forschung verbindet regionale Themen mit internationalen Fragestellungen.

Zu den strategischen Kompetenzfeldern gehören:

  • Datenwissenschaften;
  • chemische Ökologie und Umweltbiotechnologie;
  • Hydrologie und Geothermie;
  • Migration;
  • Kognitionswissenschaften;
  • Zeit und Frequenz.

Weitere wichtige Themen sind:

  • soziale Transformation;
  • Digitalisierung;
  • natürliche Ressourcen;
  • Gesundheit;
  • Innovation;
  • nachhaltige Wirtschaft;
  • Sprache und Kommunikation.

Migration und Mobilität

Die Universität Neuenburg gehört zu den wichtigsten schweizerischen Zentren der Migrationsforschung.

Die Maison d'analyse des processus sociaux verbindet Forschende aus:

  • Ethnologie;
  • Geografie;
  • Soziologie;
  • Geschichte;
  • Psychologie;
  • Wirtschaft;
  • Recht;
  • Politikwissenschaft.

Untersucht werden unter anderem:

  • internationale Migration;
  • Arbeitsmobilität;
  • Flucht und Asyl;
  • Integration;
  • Staatsangehörigkeit;
  • Grenzen;
  • transnationale Familien;
  • Mobilität von Wissen und Kapital;
  • soziale Ungleichheit.

Das an der Universität angesiedelte Schweizerische Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien berät staatliche Stellen und führt wissenschaftliche Untersuchungen durch.

Von 2014 bis 2026 war die Universität führende Institution des Nationalen Forschungsschwerpunkts nccr – on the move, der Migration und Mobilität interdisziplinär erforschte.

Chemische Ökologie

Die chemische Ökologie untersucht chemische Wechselwirkungen zwischen Organismen.

Forschungsgruppen beschäftigen sich mit:

  • Abwehrmechanismen von Pflanzen;
  • Kommunikation zwischen Pflanzen und Insekten;
  • Bodenmikrobiologie;
  • natürlichen Duftstoffen;
  • biologischer Schädlingsbekämpfung;
  • nachhaltiger Landwirtschaft.

Ein bekanntes Forschungsgebiet betrifft Pflanzen, die bei Schädlingsbefall Duftstoffe freisetzen und dadurch natürliche Feinde der Schädlinge anlocken.

Kognitionswissenschaften

Die Universität besitzt eine lange Tradition in Psychologie und Kognitionsforschung.

Sie reicht unter anderem auf Jean Piaget zurück, der in Neuenburg studierte und von 1925 bis 1929 Psychologie und Wissenschaftsgeschichte lehrte.

Heutige Forschungsthemen sind:

  • Lernen;
  • Gedächtnis;
  • Sprache;
  • Entwicklung des Denkens;
  • soziale Interaktion;
  • kulturelle Einflüsse auf Wissen;
  • Mensch-Maschine-Interaktion;
  • Entscheidungsprozesse.

Jean Piaget

Jean Piaget wurde 1896 in Neuenburg geboren.

Er studierte Naturwissenschaften an der Universität und promovierte 1918 mit einer Arbeit über Weichtiere.

Von 1925 bis 1929 war er Professor für Psychologie, Soziologie und Wissenschaftsgeschichte in Neuenburg.[17]

Später entwickelte er in Genf seine international einflussreiche Theorie der kognitiven Entwicklung.

Sein wissenschaftliches Erbe wird in Neuenburg durch Forschung in Entwicklungspsychologie, soziokultureller Psychologie und Erkenntnistheorie weitergeführt.

Innovation und Wissenstransfer

Die Universität arbeitet eng mit:

  • Unternehmen;
  • kantonalen Behörden;
  • Bundesstellen;
  • Kliniken;
  • Museen;
  • Schulen;
  • Forschungsinstituten;
  • internationalen Organisationen

zusammen.

Die Region Neuenburg besitzt eine starke industrielle Basis in:

  • Uhrenindustrie;
  • Mikrotechnik;
  • Präzisionsmechanik;
  • Medizintechnik;
  • Elektronik;
  • Informationsverarbeitung.

Forschungsprojekte in Physik, Informatik, Materialwissenschaften und Datenanalyse ergänzen die Tätigkeiten der technischen Hochschulen und Industrieunternehmen des Kantons.

Standorte

Die Universitätsgebäude befinden sich hauptsächlich an zwei Standorten:

  • UniLac am See;
  • UniMail auf den Höhen der Stadt.

Die meisten Gebäude liegen nahe dem Stadtzentrum und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.[18]

UniLac

UniLac liegt am Ufer des Neuenburgersees.

Zum Standort gehören:

  • Hauptgebäude;
  • Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften;
  • Rechtswissenschaftliche Fakultät;
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät;
  • Bibliotheken;
  • Hörsäle;
  • Verwaltungsdienste;
  • studentische Einrichtungen.

Die Lage am See prägt das Erscheinungsbild der Universität.

Hauptgebäude

Das Hauptgebäude befindet sich an der Avenue du 1er-Mars 26.

Es enthält unter anderem:

  • Rektorat;
  • zentrale Verwaltung;
  • Hörsäle;
  • Veranstaltungsräume;
  • Teile der Rechtswissenschaftlichen Fakultät;
  • studentische Dienste.

Die Nähe zum See, Bahnhof und Stadtzentrum macht es zu einem zentralen Punkt des Hochschullebens.

Espace Tilo-Frey

Die Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften befindet sich hauptsächlich im Espace Tilo-Frey.

Der Name erinnert an die Neuenburger Politikerin Tilo Frey, die 1971 zu den ersten Frauen im Nationalrat gehörte.

Das Gebäude umfasst:

  • Seminarräume;
  • Hörsäle;
  • Institute;
  • Fachbibliotheken;
  • Arbeitsplätze;
  • Cafeteria.

Breguet-Gebäude

An der Rue Abram-Louis Breguet befinden sich Einrichtungen der Rechtswissenschaftlichen und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Der Strassenname erinnert an den in Neuenburg geborenen Uhrmacher Abraham-Louis Breguet.

UniMail

UniMail liegt an der Rue Emile-Argand auf den Höhen der Stadt.

Dort befinden sich:

  • Naturwissenschaftliche Fakultät;
  • Laboratorien;
  • Gewächshäuser;
  • wissenschaftliche Sammlungen;
  • Bibliothek der Naturwissenschaften;
  • Sportanlagen;
  • technische Werkstätten.

Der Standort bietet Platz für experimentelle Forschung und naturwissenschaftliche Lehre.

Bibliotheken

Das wissenschaftliche Bibliothekssystem umfasst zwölf Fakultäts- und Institutsbibliotheken.[19]

Zu den wichtigsten gehören:

  • Bibliothek für Geistes- und Humanwissenschaften;
  • Rechtsbibliothek;
  • Bibliothek der Naturwissenschaften;
  • Wirtschaftsbibliothek;
  • Bibliothek für Ethnologie;
  • Bibliothek für Archäologie;
  • Bibliothek für Kunstgeschichte und Museumswissenschaft;
  • Bibliothek für Linguistik.

Die Bestände sind über Swisscovery zugänglich.

Die Bibliotheken bieten:

  • Bücher;
  • wissenschaftliche Zeitschriften;
  • Datenbanken;
  • elektronische Publikationen;
  • Forschungsdatenberatung;
  • Open-Access-Unterstützung;
  • Arbeitsplätze;
  • Schulungen zur Informationskompetenz.

Die 1938 gegründete Rechtsbibliothek besitzt rund 100'000 Werke und mehr als 700 Zeitschriften.[20]

Studentisches Leben

Die überschaubare Grösse der Universität und ihre Lage in einer mittelgrossen Stadt prägen das studentische Leben.

Die Universität bietet:

  • Hochschulsport;
  • Theatergruppen;
  • Chöre;
  • Filmklub;
  • Sprachkurse;
  • Beratungsstellen;
  • Karriereberatung;
  • Austauschprogramme;
  • kulturelle Veranstaltungen;
  • studentische Vereine.

Die Nähe von See, Jura und Stadtzentrum ermöglicht zahlreiche Freizeitaktivitäten.

Hochschulsport

Das Sportangebot umfasst mehrere Dutzend Disziplinen.

Dazu gehören:

  • Mannschaftssport;
  • Fitness;
  • Schwimmen;
  • Segeln;
  • Wintersport;
  • Tanz;
  • Kampfsport;
  • Wandern;
  • Klettern.

Die Universität besitzt die Auszeichnung Healthy Campus Platine der International University Sports Federation.

Studierendenverband

Die immatrikulierten Studierenden bilden die Fédération des étudiant-e-s neuchâtelois.

Sie ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit.

Der Verband vertritt studentische Interessen gegenüber:

  • Rektorat;
  • Fakultäten;
  • Universitätsrat;
  • Kanton;
  • Öffentlichkeit.

Er unterstützt Fachvereine, kulturelle Aktivitäten und soziale Projekte.

Internationale Zusammenarbeit

Die Universität unterhält Partnerschaften mit Hochschulen in Europa und weiteren Weltregionen.

Die Zusammenarbeit umfasst:

  • Studierendenaustausch;
  • gemeinsame Masterprogramme;
  • Forschungsprojekte;
  • Doktoratsnetzwerke;
  • Gastprofessuren;
  • internationale Sommerschulen.

Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit den Universitäten der Westschweiz.

Gemeinsame Programme bestehen unter anderem mit:

  • Universität Lausanne;
  • Universität Genf;
  • Universität Freiburg;
  • Universität Bern;
  • Fachhochschulen und Forschungszentren des Jurabogens.

Verhältnis zum Kanton Neuenburg

Die Universität ist eine zentrale Bildungs-, Forschungs- und Kulturinstitution des Kantons.

Sie bildet Fachpersonen für:

  • Schulen;
  • Verwaltung;
  • Justiz;
  • Wirtschaft;
  • Forschung;
  • Medien;
  • Kulturinstitutionen;
  • Umwelt- und Gesundheitswesen.

Sie unterstützt den Kanton durch:

  • wissenschaftliche Gutachten;
  • Wirtschaftsforschung;
  • Migrationsstudien;
  • Umweltdaten;
  • Weiterbildungsangebote;
  • öffentliche Veranstaltungen;
  • Zusammenarbeit mit Unternehmen.

Die Hochschule trägt zudem zur Attraktivität Neuenburgs als Wohn-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort bei.

Verhältnis zur Stadt Neuenburg

Die Universität ist räumlich eng in die Stadt integriert.

Die Standorte liegen nicht in einem abgeschlossenen Campus, sondern zwischen:

  • Wohnquartieren;
  • Seeufer;
  • Bahnhof;
  • Altstadt;
  • Kulturinstitutionen;
  • öffentlichen Anlagen.

Studierende und Mitarbeitende prägen:

  • Wohnungsmarkt;
  • Gastronomie;
  • Kulturleben;
  • öffentlichen Verkehr;
  • internationale Zusammensetzung der Stadt.

Öffentliche Vorträge, Ausstellungen und wissenschaftliche Veranstaltungen schaffen Verbindungen zwischen Universität und Bevölkerung.

Bekannte Persönlichkeiten

Louis Agassiz

Louis Agassiz war einer der wichtigsten Initiatoren der ersten Akademie.

Er wurde durch Forschungen zu fossilen Fischen und zur Eiszeittheorie bekannt.

Seine späteren rassentheoretischen Auffassungen werden heute kritisch beurteilt.

Jean Piaget

Jean Piaget studierte und promovierte in Neuenburg.

Er lehrte von 1925 bis 1929 an der Universität und wurde später einer der einflussreichsten Entwicklungspsychologen des 20. Jahrhunderts.

Sophie Piccard

Sophie Piccard war Mathematikerin und die erste ordentliche Professorin in der französischsprachigen Schweiz.

Sie wirkte in Algebra, Geometrie und Zahlentheorie.

Mohammad Mossadegh

Der spätere iranische Ministerpräsident Mohammad Mossadegh studierte von 1911 bis 1914 Rechtswissenschaft in Neuenburg und erwarb dort den Doktorgrad.[21]

Er wurde international bekannt durch die Verstaatlichung der iranischen Erdölindustrie und seinen Sturz im Jahr 1953.

Denis de Rougemont

Der Schriftsteller und europäische Denker Denis de Rougemont studierte an der Universität Neuenburg.

Er befasste sich mit europäischer Kultur, Föderalismus und der Geschichte der Liebe.

Claude Nicollier

Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier studierte Physik an der Universität Neuenburg.

Er nahm an vier Missionen des Space Shuttle teil und war der erste Schweizer im Weltraum.

Didier Burkhalter

Der spätere Bundesrat Didier Burkhalter schloss an der Universität ein Studium der Wirtschaftswissenschaften ab.

Er gehörte von 2009 bis 2017 dem Bundesrat an und war 2014 Bundespräsident.

Alain Berset

Der spätere Bundesrat Alain Berset promovierte in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Neuenburg.

Er war von 2012 bis 2023 Mitglied des Bundesrats und Bundespräsident in den Jahren 2018 und 2023.

Michel Egloff

Der Archäologe Michel Egloff war Professor für prähistorische Archäologie.

Er gründete das Laténium, das kantonale archäologische Museum in Hauterive.

Auszeichnungen und akademische Traditionen

Dies academicus

Der Dies academicus ist die wichtigste jährliche akademische Feier.

Dabei werden:

  • Ehrendoktorate;
  • akademische Preise;
  • Auszeichnungen;
  • Reden der Universitätsleitung

verliehen beziehungsweise gehalten.

Ehrendoktorate

Die Fakultäten können Persönlichkeiten für besondere wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Leistungen mit einem Ehrendoktorat auszeichnen.

Akademische Preise

Die Universität und private Stiftungen vergeben Preise für:

  • Bachelorarbeiten;
  • Masterarbeiten;
  • Dissertationen;
  • herausragende Studienleistungen;
  • innovative Forschung;
  • gesellschaftliches Engagement.

Finanzierung

Die Universität wird aus mehreren Quellen finanziert:

Finanzierungsquelle Funktion
Kanton Neuenburg Grundfinanzierung von Lehre, Forschung und Infrastruktur
Schweizerische Eidgenossenschaft Beiträge nach dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz
Andere Kantone Abgeltungen für ausserkantonale Studierende
Schweizerischer Nationalfonds Wettbewerbliche Forschungsförderung
Europäische Programme Internationale Forschungsprojekte
Stiftungen und Unternehmen Projektbezogene Drittmittel
Studiengebühren Beiträge der Studierenden
Weiterbildung Gebühren für berufsbegleitende Programme

Die kleine Grösse der Universität und die begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Kantons führen regelmässig zu Diskussionen über Prioritäten und Fächerangebot.

Qualitätssicherung

Die Universität unterhält ein institutionelles Qualitätssicherungssystem.

Überprüft werden:

  • Studienprogramme;
  • Lehrveranstaltungen;
  • Forschung;
  • Dienstleistungen;
  • Führung;
  • strategische Zielerreichung.

Zu den Instrumenten gehören:

  • Evaluationen;
  • Studierendenbefragungen;
  • externe Begutachtungen;
  • Akkreditierungen;
  • Kennzahlen;
  • Peer Reviews.

Die Ergebnisse dienen der Weiterentwicklung von Studium, Forschung und Organisation.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist in den grundlegenden Dokumenten der Universität verankert.[22]

Zu den Handlungsfeldern gehören:

  • Klimaschutz;
  • Energieverbrauch;
  • nachhaltige Mobilität;
  • Biodiversität;
  • Abfallvermeidung;
  • verantwortungsvolle Beschaffung;
  • soziale Gerechtigkeit;
  • nachhaltige Forschung;
  • Integration von Nachhaltigkeit in die Lehre.

Die Lage der Gebäude in einem kompakten Stadtgebiet und die gute Erreichbarkeit mit Bahn, Bus, Fahrrad und zu Fuss unterstützen eine nachhaltige Mobilität.

Herausforderungen

Zu den langfristigen Herausforderungen gehören:

  • Sicherung der kantonalen Finanzierung;
  • internationale Konkurrenz;
  • Erhalt eines breiten Fächerangebots;
  • Gewinnung qualifizierter Forschender;
  • Ausbau digitaler Infrastruktur;
  • Sanierung und Erweiterung der Gebäude;
  • Zugang zu europäischen Forschungsprogrammen;
  • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses;
  • Gleichstellung;
  • Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf;
  • Umgang mit künstlicher Intelligenz;
  • nachhaltiger Hochschulbetrieb.

Die Universität muss ihre überschaubare Grösse mit dem Anspruch verbinden, in ausgewählten Forschungsfeldern international sichtbar zu bleiben.

Bedeutung

Die Universität Neuenburg ist eine der wichtigsten Institutionen des Kantons und des Jurabogens.

Sie besitzt besondere Bedeutung für:

  • akademische Bildung in der französischsprachigen Schweiz;
  • Migrations- und Mobilitätsforschung;
  • Hydrologie und Geothermie;
  • Uhren-, Zeit- und Frequenzforschung;
  • Rechtswissenschaft;
  • Natur- und Umweltwissenschaften;
  • Wirtschaft und Regionalentwicklung;
  • Kultur und gesellschaftliche Debatten.

Ihre Geschichte spiegelt zentrale Entwicklungen des Kantons Neuenburg wider: die preussische Herrschaft, die republikanische Revolution von 1848, die Industrialisierung, den Ausbau des Bildungswesens und die internationale Öffnung.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1832 Louis Agassiz beginnt seine wissenschaftliche Tätigkeit in Neuenburg
1838 Gründung der ersten Akademie von Neuenburg
1. März 1848 Republikanische Revolution im Kanton Neuenburg
17. Juni 1848 Aufhebung der ersten Akademie
1857 Ende der preussischen Herrschaftsansprüche nach dem Neuenburgerhandel
1866 Eröffnung der zweiten Akademie
1873 Einrichtung der Theologischen Fakultät
1894 Immatrikulation der ersten Studentin
18. Mai 1909 Erhebung der Akademie zur Universität Neuenburg
1910 Einrichtung der Handelswissenschaften und Einführung des Promotionsrechts in allen Fakultäten
1911–1914 Mohammad Mossadegh studiert und promoviert in Neuenburg
1925–1929 Jean Piaget lehrt Psychologie und Wissenschaftsgeschichte
1938 Sophie Piccard wird ausserordentliche Professorin
1943 Sophie Piccard wird ordentliche Professorin
1960er-Jahre Starker Ausbau der Universitätsgebäude und naturwissenschaftlichen Institute
Ende des 20. Jahrhunderts Wachstum auf mehrere Tausend Studierende
Beginn des 21. Jahrhunderts Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge nach dem Bologna-Modell
31. Juli 2015 Schliessung der Theologischen Fakultät
1. Januar 2017 Inkrafttreten des neuen Universitätsgesetzes
2025 4'549 Studierende und 1'107 Mitarbeitende
1. Februar 2026 Deniz Gyger Gaspoz tritt das Amt der Rektorin an

Siehe auch

Literatur

  • Université de Neuchâtel: Histoire de l'Université de Neuchâtel. Neuenburg.
  • Jean Courvoisier: La première Académie, 1838–1848. Neuenburg.
  • Jean-Paul Schaer: L'Université de Neuchâtel, 1909–2009. Neuenburg.
  • Université de Neuchâtel: Un siècle d'ambition et de talents. Neuenburg 2009.
  • Université de Neuchâtel: Rapport de gestion 2025. Neuenburg 2026.
  • Université de Neuchâtel: Vision stratégique 2027. Neuenburg.
  • République et Canton de Neuchâtel: Loi sur l'Université de Neuchâtel. Neuenburg.
  • Société académique neuchâteloise: Chroniques universitaires. Neuenburg.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Universität Neuenburg: Geschichte der Universität Neuenburg, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Universität Neuenburg: Zahlen und Fakten, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Universität Neuenburg: Portrait, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Universität Neuenburg: Geschichte der Frauen und der Universität Neuenburg, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Universität Neuenburg: Die Universität Neuenburg in Kürze, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Universität Neuenburg: Schliessung der Theologischen Fakultät, 2. Juni 2015, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Kanton Neuenburg: Gesetz über die Universität Neuenburg, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Universität Neuenburg: Rektorat, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Universität Neuenburg: Universitätsrat, abgerufen am 23. Juli 2026.
  10. Universität Neuenburg: Universitätsversammlung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  11. Universität Neuenburg: Die Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften, abgerufen am 23. Juli 2026.
  12. Universität Neuenburg: Institute und Forschung der Naturwissenschaftlichen Fakultät, abgerufen am 23. Juli 2026.
  13. Universität Neuenburg: Bachelor in Humanmedizin, abgerufen am 23. Juli 2026.
  14. Universität Neuenburg: Master in Hydrologie und Geothermie, abgerufen am 23. Juli 2026.
  15. Universität Neuenburg: Studienangebot, abgerufen am 23. Juli 2026.
  16. Universität Neuenburg: Forschung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  17. Universität Neuenburg: Universität Neuenburg – hundert Jahre, abgerufen am 23. Juli 2026.
  18. Universität Neuenburg: Zugang und Pläne, abgerufen am 23. Juli 2026.
  19. Universität Neuenburg: Bibliothekskataloge, abgerufen am 23. Juli 2026.
  20. Universität Neuenburg: Rechtsbibliothek, abgerufen am 23. Juli 2026.
  21. Universität Neuenburg: Mohammad Mossadegh, abgerufen am 23. Juli 2026.
  22. Universität Neuenburg: Werte, abgerufen am 23. Juli 2026.