Bundeshaus

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Bundeshaus
Das Parlamentsgebäude am Bundesplatz in Bern
Standort Bern, Schweiz
Gebäudeteile Bundeshaus West
Parlamentsgebäude
Bundeshaus Ost
Bauzeiten 1852–1857
1888–1892
1894–1902
Architekten Jakob Friedrich Studer
Hans Wilhelm Auer
Baustil Historismus, vorwiegend Neorenaissance
Nutzung Sitz der Bundesversammlung, des Bundesrats, der Bundeskanzlei und von Teilen der Bundesverwaltung
Einweihung des Parlamentsgebäudes 1. April 1902
Bauherrschaft Schweizerische Eidgenossenschaft
Schutzstatus Kulturgut von nationaler Bedeutung
Adresse des Parlamentsgebäudes Bundesplatz 3, 3003 Bern
Website www.parlament.ch

Das Bundeshaus in Bern ist der Sitz des schweizerischen Parlaments und der Landesregierung. Der mehr als 300 Meter lange Gebäudekomplex befindet sich am südwestlichen Rand der Berner Altstadt zwischen dem Bundesplatz und der hoch über der Aare gelegenen Bundesterrasse. Er besteht aus dem Bundeshaus West, dem zentralen Parlamentsgebäude und dem Bundeshaus Ost.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird häufig nur das 1902 eröffnete Parlamentsgebäude mit seiner weithin sichtbaren grün patinierten Kuppel als Bundeshaus bezeichnet. Im engeren baugeschichtlichen Sinn umfasst der Begriff jedoch alle drei miteinander verbundenen Gebäudeteile. Das Bundeshaus West wurde von 1852 bis 1857 errichtet, das Bundeshaus Ost von 1888 bis 1892 und das dazwischenliegende Parlamentsgebäude von 1894 bis 1902.[1]

Das Parlamentsgebäude beherbergt die Sitzungssäle des Nationalrats und des Ständerats sowie die Kuppelhalle, die Wandelhalle, Kommissionszimmer, Arbeitsräume und Besuchertribünen. Im Bundeshaus West befinden sich unter anderem die Sitzungs- und Empfangsräume des Bundesrates. Die beiden Seitenbauten dienen darüber hinaus der Bundeskanzlei, den Parlamentsdiensten und verschiedenen Departementen der Bundesverwaltung.

Das Bundeshaus gilt als eines der bedeutendsten historistischen Bauwerke der Schweiz. Architektur, Baumaterialien, Skulpturen, Wandbilder, Glasmalereien und Inschriften bilden ein umfangreiches politisches Bildprogramm. Dieses stellt den Bundesstaat, die Kantone, die Landessprachen, die Wirtschaft, die Geschichte und die landschaftliche Vielfalt der Schweiz dar. Der Architekt Hans Wilhelm Auer verstand das Parlamentsgebäude als Gesamtkunstwerk und Nationaldenkmal, in dem die politische Idee der Eidgenossenschaft sichtbar werden sollte.[2]

Begriff

Die Bezeichnung Bundeshaus wird in mehreren Bedeutungen verwendet. Umgangssprachlich bezeichnet sie meistens das zentrale Parlamentsgebäude am Bundesplatz. Dieses ist mit seiner grossen Kuppel, der monumentalen Nordfassade und den beiden kleineren Seitenkuppeln der bekannteste Teil des Komplexes.

Amtlich und baugeschichtlich wird zwischen drei Gebäuden unterschieden:

  • dem Bundeshaus West, dem ehemaligen Bundes-Rathaus von 1857,
  • dem Parlamentsgebäude von 1902,
  • dem Bundeshaus Ost von 1892.

Die drei Bauten sind durch Übergänge miteinander verbunden und erscheinen von aussen als weitgehend einheitlicher, symmetrisch gegliederter Komplex. Das Parlamentsgebäude bildet den hervorgehobenen Mittelbau, während die beiden älteren Seitenflügel einander in Grösse und Fassadengliederung annähernd entsprechen.

Die französische Bezeichnung lautet Palais fédéral, auf Italienisch wird der Komplex Palazzo federale und auf Rätoromanisch Chasa federala genannt. Die Bezeichnung «Bundespalast» wurde besonders während der Planungs- und Bauzeit des Parlamentsgebäudes verwendet, setzte sich im deutschsprachigen Alltag jedoch nicht dauerhaft durch.

Lage

Das Bundeshaus steht am südlichen Rand der Berner Altstadt auf einer Geländeterrasse oberhalb des Marziliquartiers und der Aare. Die Nordfassade des Parlamentsgebäudes richtet sich zum Bundesplatz und zur Altstadt. Auf der Südseite öffnet sich der Komplex über die Bundesterrasse zum Aaretal, zum Gurten und bei klarer Sicht zu den Berner Alpen.

Der Standort verbindet politische Repräsentation mit einer städtebaulich hervorgehobenen Lage. Von der Unterstadt und dem Marzili aus erscheint das Bundeshaus als monumentale Bekrönung des Aarehangs. Von der Altstadtseite bildet die Nordfassade den Abschluss des Bundesplatzes.

Westlich des Bundeshauses befinden sich der Bernerhof und die Kleine Schanze. Östlich schliessen sich weitere Gebäude der Bundesverwaltung sowie die Schweizerische Nationalbank an. Die Bundesgasse verläuft entlang der Nordseite von Bundeshaus West und Bundeshaus Ost.

Die heute offene Platzanlage vor dem Parlamentsgebäude entstand erst schrittweise. Das Gebiet diente lange als Verkehrs- und Parkplatzfläche. Zwischen 2003 und 2004 wurde der Bundesplatz neu gestaltet. Die rechteckige Platzfläche erhielt ein Wasserspiel mit 26 Fontänen, die für die Kantone der Schweiz stehen.

Vorgeschichte

Gründung des Bundesstaates

Mit der Bundesverfassung von 1848 wurde die Schweiz von einem Staatenbund zu einem Bundesstaat. Die neuen Bundesbehörden benötigten einen dauerhaften Sitz. Mehrere Städte bewarben sich um die Funktion als Bundesstadt, darunter Bern, Zürich und Luzern.

Am 28. November 1848 entschied sich die Bundesversammlung für Bern. Die Stadt wurde damit Sitz des Bundesrates, der Bundesversammlung und der zentralen Bundesverwaltung. In der Bundesverfassung wurde Bern jedoch nicht ausdrücklich als Hauptstadt bezeichnet. Bis heute trägt die Stadt deshalb offiziell die Bezeichnung Bundesstadt.

Zum Zeitpunkt des Entscheids bestand in Bern kein Gebäude, das Regierung, Parlament und Verwaltung gemeinsam aufnehmen konnte. Die Bundesbehörden mussten zunächst auf verschiedene bestehende Gebäude verteilt werden.

Der Bundesrat bezog den Erlacherhof an der Junkerngasse. Der Nationalrat tagte hauptsächlich im damaligen Casino und bei Bedarf im Berner Rathaus. Der Ständerat versammelte sich im Rathaus zum Äusseren Stand an der Zeughausgasse.[3]

Die räumliche Trennung erschwerte die Zusammenarbeit zwischen den Behörden. Bereits kurz nach der Wahl Berns zur Bundesstadt begannen deshalb Planungen für ein gemeinsames Bundesgebäude.

Wahl des Bauplatzes

Im Februar 1849 beauftragte der Bundesrat die Berner Stadtbehörden, einen geeigneten Standort für ein Bundes-Rathaus zu suchen. Das Gebäude sollte die Sitzungssäle beider Parlamentskammern, Räume für den Bundesrat, zahlreiche Verwaltungsbüros und eine Wohnung für den Bundeskanzler umfassen.

Als Standort wurde das Areal des städtischen Holzwerkhofs gewählt. Es lag neben dem damaligen Casino an der Oberkante des Aarehangs. Die Lage bot genügend Raum für einen repräsentativen Neubau und ermöglichte eine spätere Erweiterung.

Am 8. April 1850 schrieb die Stadt Bern einen Architektenwettbewerb aus. Da die Jury mit den eingereichten Entwürfen nicht vollständig zufrieden war, erhielt der Berner Architekt Jakob Friedrich Studer den Auftrag, Elemente der besten Projekte zu einem neuen Entwurf zu verbinden.[3]

Bundeshaus West

Bau des Bundes-Rathauses

Das heutige Bundeshaus West entstand von 1852 bis 1857 nach Plänen von Jakob Friedrich Studer. Das Gebäude wurde ursprünglich als Bundes-Rathaus bezeichnet.

Der Bau war als gemeinsamer Sitz sämtlicher zentraler Bundesbehörden vorgesehen. Er enthielt die Säle des Nationalrates und des Ständerates, das Sitzungszimmer des Bundesrates, Räume der Bundeskanzlei und Büros der damals noch kleinen Bundesverwaltung.

Am 5. Juni 1857 wurde das Bundes-Rathaus feierlich eingeweiht. Zu diesem Zeitpunkt war der Bundesstaat erst neun Jahre alt. Der Neubau war das bedeutendste bauliche Symbol der jungen Eidgenossenschaft.[4]

Die Architektur orientierte sich an der italienischen Renaissance. Der langgestreckte Bau besass einen hervorgehobenen Mittelteil, regelmässige Fensterachsen und einen weitgehend symmetrischen Grundriss. Die zurückhaltende Gestaltung entsprach dem politischen Selbstverständnis des jungen Bundesstaates, der Repräsentation mit republikanischer Bescheidenheit verbinden wollte.

Erste Ratssäle

Der erste Nationalratssaal befand sich im westlichen Teil des Gebäudes. Fünf grosse Rundbogenfenster öffneten den Raum zur Aareseite. Die Sitze waren in halbkreisförmigen Reihen angeordnet.

Der ursprüngliche Ständeratssaal lag im östlichen Gebäudeteil. Zwischen den beiden Ratssälen befanden sich Räume des Bundesrates und der Bundesverwaltung.

Bei gemeinsamen Sitzungen mussten die Mitglieder beider Kammern im Nationalratssaal zusammenkommen. Der begrenzte Raum führte zunehmend zu Schwierigkeiten. Auch für Kommissionen, Verwaltung und Medien fehlten geeignete Arbeitsplätze.

Nach dem Umzug des Parlaments in den 1902 eröffneten Mittelbau wurde der ehemalige Nationalratssaal umgenutzt. Heute befindet sich dort die Parlamentsbibliothek. Die fünf grossen Rundbogenfenster an der Südfassade erinnern weiterhin an seine ursprüngliche Funktion.

Räume des Bundesrates

Der Bundesrat besitzt im ersten Obergeschoss des Bundeshauses West mehrere Sitzungs- und Empfangsräume. Das wichtigste Zimmer ist das Bundesratssitzungszimmer, das gelegentlich als «Chalet fédéral» bezeichnet wird.

Hier finden gewöhnlich die wöchentlichen Sitzungen der sieben Mitglieder des Bundesrates statt. Der Raum ist im Stil der Renaissance gestaltet. Die Stuckdecke und ein historischer Leuchter stammen noch aus dem Jahr 1857. Wandtäfer und Mobiliar wurden 1889 erneuert.[5]

Zum Raumensemble gehören ausserdem das Vorzimmer, der Salon de la Présidence und das sogenannte Zimmer 027. Diese Räume dienen Besprechungen, Empfängen, Akkreditierungen ausländischer Botschafterinnen und Botschafter sowie weiteren offiziellen Anlässen.

Das Vorzimmer wurde 1930 teilweise im Stil des Art déco umgestaltet. Im Salon de la Présidence empfängt der Bundesrat unter anderem Gäste und neu gewählte Mitglieder der Landesregierung.

Heutige Nutzung

Das Bundeshaus West dient weiterhin als Regierungs- und Verwaltungsgebäude. Es beherbergt unter anderem Teile der Bundeskanzlei, der Parlamentsdienste, des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten und des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements.

Im Verlauf seiner Geschichte wurde das Gebäude wiederholt umgebaut. Neue technische Anlagen, zusätzliche Arbeitsplätze und veränderte Sicherheitsanforderungen mussten in die historische Struktur integriert werden.

Im Dachgeschoss entstand eine Cafeteria mit dem Namen «Guardaval». Von ihrer Terrasse aus reicht der Blick über das Marziliquartier, das Aaretal und die Alpen.

Ausbau der Bundesverwaltung

Die Aufgaben des Bundes nahmen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich zu. Die Bundesverfassung von 1874 stärkte die Kompetenzen des Bundes in zahlreichen Bereichen. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung.

Das Bundes-Rathaus von 1857 wurde bald zu klein. Büros mussten in umliegende Gebäude ausgelagert werden. Auch die beiden Ratssäle entsprachen nicht mehr den Bedürfnissen eines wachsenden Parlaments.

Mehrere Erweiterungsprojekte wurden untersucht. Schliesslich setzte sich die Idee eines dreiteiligen Gebäudekomplexes durch. Das bestehende Bundes-Rathaus sollte einen symmetrischen Gegenbau erhalten. Zwischen beiden Verwaltungsgebäuden war ein neues, eigenständiges Parlamentsgebäude vorgesehen.

Bundeshaus Ost

Das Bundeshaus Ost wurde von 1888 bis 1892 nach Plänen von Hans Wilhelm Auer errichtet. Auer hatte an der Eidgenössischen Polytechnischen Schule in Zürich studiert und war unter anderem von Gottfried Semper geprägt worden.

Der Neubau wurde dem Bundeshaus West weitgehend symmetrisch gegenübergestellt. Zwischen beiden Gebäuden blieb zunächst eine Lücke bestehen, in die später das Parlamentsgebäude eingefügt wurde.

Das Bundeshaus Ost war von Anfang an als Verwaltungsgebäude bestimmt. Es nahm unter anderem das Industrie- und Landwirtschaftsdepartement sowie das Militärdepartement auf. Aus diesen Behörden entwickelten sich später das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung und das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.

Die Architektur übernahm wesentliche Merkmale des älteren Westbaus. Auer passte Proportionen, Geschosshöhen und Fassadengliederung an, ohne eine genaue Kopie zu schaffen. Dadurch entstand eine gestalterische Grundlage für den späteren symmetrischen Gesamtkomplex.

Das Gebäude beherbergt heute unter anderem Büros von Departementsvorsteherinnen und Departementsvorstehern, Generalsekretariate und Teile der Parlamentsdienste.[6]

Planung des Parlamentsgebäudes

Platzmangel und politische Anforderungen

Bereits vor der Fertigstellung des Bundeshauses Ost war klar, dass für das Parlament ein neues Gebäude notwendig war. Die Ratssäle im Bundeshaus West waren zu klein, und für Kommissionen, Medien, Besucherinnen und Besucher sowie parlamentarische Dienste fehlten geeignete Räume.

Das neue Gebäude sollte die gleichberechtigte Stellung von Nationalrat und Ständerat ausdrücken. Gleichzeitig sollte es die gewachsene Bedeutung des Bundesstaates repräsentieren.

Die Frage nach der äusseren Erscheinung war politisch umstritten. Ein Teil der Verantwortlichen wünschte ein zurückhaltendes, funktionales Gebäude. Andere verlangten einen monumentalen Bau, der mit den Parlamentsgebäuden anderer Staaten vergleichbar sein sollte.

Architekturwettbewerb

Für das Parlamentsgebäude wurden verschiedene Projekte ausgearbeitet. Zu den bedeutenden Entwürfen gehörten jene von Hans Wilhelm Auer und Alfred Friedrich Bluntschli.

Bluntschli bevorzugte eine stärker klassizistische und international geprägte Monumentalarchitektur. Auer entwickelte dagegen ein umfassendes nationales Bildprogramm. Sein Projekt sollte nicht nur ein funktionierendes Parlamentshaus, sondern eine Darstellung der Schweiz in Architektur, Kunst und Material sein.

Der Bundesrat entschied sich 1891 für Auers Pläne. Der Nationalrat genehmigte den Baukredit 1893, der Ständerat folgte 1894. Auer wurde auch mit der Bauleitung betraut.

Bau von 1894 bis 1902

Die Bauarbeiten begannen 1894. Das Parlamentsgebäude wurde in die Lücke zwischen Bundeshaus West und Bundeshaus Ost eingefügt. Die Verbindung der drei Bauten erforderte genaue Anpassungen an die bereits vorhandenen Geschosshöhen und Verkehrswege.

Am Bau waren 173 Schweizer Unternehmen und 33 Künstler beteiligt. Rund 95 Prozent der verwendeten Materialien stammten aus der Schweiz. Gesteine, Hölzer und weitere Werkstoffe aus unterschiedlichen Regionen sollten die geografische und wirtschaftliche Vielfalt des Landes veranschaulichen.[2]

Die Arbeiten dauerten acht Jahre. Die Baukosten beliefen sich auf 5'795'900 Franken. Davon wurde ein erheblicher Anteil für die künstlerische Ausstattung verwendet.[7]

Am 1. April 1902 weihte die Vereinigte Bundesversammlung das Parlamentsgebäude feierlich ein. Mit der Fertigstellung war der während eines halben Jahrhunderts entstandene Komplex abgeschlossen.

Architektur

Gesamtanlage

Der Gebäudekomplex ist symmetrisch aufgebaut. Im Westen und Osten stehen die langgestreckten Verwaltungsbauten. Dazwischen erhebt sich das deutlich höhere Parlamentsgebäude mit der grossen Mittelkuppel und zwei kleineren Seitenkuppeln.

Das Parlamentsgebäude bildet sowohl funktional als auch optisch das Zentrum. Seine Kuppel markiert die Mitte des mehr als 300 Meter langen Komplexes. Hans Wilhelm Auer begründete die Kuppel unter anderem damit, dass sie die Gleichberechtigung der beiden Parlamentskammern sichtbar machen und den gesamten Baukörper zusammenfassen sollte.[8]

Stilistisch gehört das Bundeshaus zum Historismus. Es verbindet vor allem Formen der Renaissance mit Elementen des Klassizismus, des Barocks und des Jugendstils. Die Fassaden sind regelmässig gegliedert und reich mit Säulen, Pilastern, Gesimsen, Figuren und Reliefs ausgestattet.

Nordfassade

Die repräsentative Hauptfassade des Parlamentsgebäudes richtet sich zum Bundesplatz. Ein weit vorspringender Mittelteil wird durch eine Säulenordnung und einen Dreiecksgiebel betont.

Unterhalb des Giebels befindet sich die lateinische Inschrift:

Curia Confoederationis Helveticae

Die Inschrift kann als «Rathaus der Schweizerischen Eidgenossenschaft» oder «Versammlungshaus der Schweizerischen Eidgenossenschaft» übersetzt werden.

Drei grosse Rundbogenportale führen in das Gebäude. Die Schlusssteine über den Eingängen verkörpern Mut, Weisheit und Kraft. In den seitlichen Nischen befinden sich allegorische Figuren der Freiheit und des Friedens.

Auf dem Giebel steht eine von Rodo de Niederhäusern geschaffene Figurengruppe. Die aufrecht stehende zentrale Frauenfigur stellt die politische Unabhängigkeit dar. Sie wird von zwei sitzenden Figuren flankiert, welche die Exekutive und die Legislative verkörpern.

An den Enden des Giebels stehen Greifen. Sie symbolisieren Kraft und Intelligenz. Weitere Figuren stellen Geschichtsschreiber der Vergangenheit und der Gegenwart dar.

Kunstwerk Tilo

Das Dreiecksfeld des Giebels blieb nach der Eröffnung des Gebäudes während mehr als 120 Jahren leer, obwohl Auer dort ursprünglich eine künstlerische Gestaltung vorgesehen hatte.

2023 wurde das Kunstwerk Tilo von Renée Levi und Marcel Schmid eingesetzt. Es besteht aus 246 dreieckigen Keramikkacheln, deren Rillen und Oberflächen das Tages- und Kunstlicht unterschiedlich reflektieren.

Das Werk entstand zum 175-jährigen Jubiläum der Bundesverfassung von 1848. Es ist der Neuenburger Politikerin Tilo Frey gewidmet, die 1971 zu den ersten zwölf Frauen gehörte, die in das schweizerische Bundesparlament gewählt wurden.[9]

Mit dem zeitgenössischen Kunstwerk wurde das historische Bildprogramm erstmals dauerhaft durch einen sichtbaren Beitrag des 21. Jahrhunderts ergänzt.

Südfassade

Die Südfassade richtet sich zur Bundesterrasse und zum Aaretal. Sie ist weniger bekannt als die Hauptfassade am Bundesplatz, besitzt aber eine ähnlich monumentale Wirkung.

Die Hanglage macht den Gebäudekomplex von Süden her besonders eindrucksvoll. Das Bundeshaus erhebt sich hoch über dem Marziliquartier und ist von zahlreichen Punkten im Aaretal sichtbar.

An der Südseite befinden sich die hohen Fenster des Nationalratssaals und der Wandelhalle. Seit der Sanierung von 2006 bis 2008 liegt hier auch der zentrale Besuchereingang.

Die Bundesterrasse dient als öffentlicher Aussichtspunkt und Grünraum. Von dort reicht der Blick über die Aare, das Marzili, den Gurten und die Alpen.

Kuppel

Die grosse Kuppel ist das auffälligste architektonische Merkmal des Bundeshauses. Sie besteht aus einem Stahlgerüst und einer Kupferverkleidung. Das ursprünglich kupferfarbene Metall entwickelte durch Oxidation seine charakteristische grüne Patina.

Über der Kuppel befindet sich eine Laterne mit einem vergoldeten Schweizerkreuz. Auch die beiden kleineren Seitenkuppeln sind mit Kupfer gedeckt.

Während der Planung war die Hauptkuppel umstritten. Kritiker hielten sie für zu teuer, zu monumental und praktisch nutzlos. Auer betrachtete sie dagegen als unverzichtbares Symbol. Sie sollte die Halle zwischen den beiden Ratssälen krönen und die Einheit des Bundes über der Gleichberechtigung der beiden Kammern darstellen.

Der Tambour der Kuppel besitzt 22 Öffnungen. Diese entsprachen den 22 Kantonen, aus denen die Schweiz während der Bauzeit bestand. Die Kuppel selbst hat keine gewöhnliche Raumnutzung, ist jedoch für Wartungsarbeiten zugänglich.

Die grüne Kuppel entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zum Wahrzeichen des Bundeshauses, der Bundesstadt und der schweizerischen Bundespolitik.

Kuppelhalle

Kuppelhalle des Parlamentsgebäudes

Die Kuppelhalle ist das räumliche und symbolische Zentrum des Parlamentsgebäudes. Sie liegt zwischen dem Nationalratssaal im Süden und dem Ständeratssaal im Norden.

Ihr kreuzförmiger Grundriss erinnert an das Schweizerkreuz. Von der Eingangsebene führen breite Treppen zu den beiden Ratssälen und den angrenzenden Räumen.

In der Glaskuppel befindet sich ein Schweizerkreuz, das von den Wappen der 22 Kantone umgeben ist, die bei der Eröffnung des Gebäudes bestanden. Das Wappen des 1978 gegründeten Kantons Jura wurde später separat ergänzt.

Die Anordnung stellt das Verhältnis zwischen den Kantonen und dem Bund dar. Die Vielfalt der Kantone gruppiert sich um das gemeinsame Symbol der Eidgenossenschaft. Die Darstellung wird durch den Grundsatz «Einer für alle, alle für einen» ergänzt.

Vier grosse Bogenfenster zeigen Szenen aus dem Arbeitsleben und stehen für verschiedene Landesregionen und Wirtschaftszweige. Dargestellt werden unter anderem Landwirtschaft, Textilproduktion, Metallindustrie und Handel.

Vier Medaillons von Antonio Soldini symbolisieren das Militärwesen, das Bildungswesen, die Justiz und das Bauwesen.

Die drei Eidgenossen

Auf dem Hauptpodest der Kuppelhalle steht die monumentale Figurengruppe Die drei Eidgenossen von James André Vibert.

Dargestellt sind Werner Stauffacher, Walter Fürst und Arnold von Melchtal. Nach der nationalen Gründungserzählung schworen sie auf dem Rütli den Bund der drei Waldstätten.

Die drei Männer halten gemeinsam den Bundesbrief von 1291. Die aus Stein geschaffene Gruppe wiegt rund 24 Tonnen.

Das Denkmal bezieht sich auf den Rütlischwur, der als schweizerischer Nationalmythos eine zentrale Rolle in der Geschichtskultur des 19. Jahrhunderts spielte. Die Platzierung unmittelbar gegenüber dem Haupteingang macht die Gruppe zu einem der wichtigsten Kunstwerke des Gebäudes.

Die vier Landsknechte

An den Treppenaufgängen stehen vier Landsknechte, die ebenfalls von James André Vibert geschaffen wurden.

Sie bilden symbolisch eine Ehrengarde für die drei Eidgenossen. Zugleich repräsentieren sie die vier Landesteile und die vier Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.

Ihre Kleidung und Ausrüstung sind historisierend gestaltet. Die Figuren verbinden militärische Tradition mit sprachlicher und regionaler Vielfalt.

Weitere Figuren

In der Kuppelhalle befinden sich Darstellungen von Arnold Winkelried und Niklaus von Flüe. Beide Figuren gehörten zum historischen und nationalen Bildkanon der Schweiz um 1900.

Ein Relief gegenüber der Gruppe der drei Eidgenossen behandelt die sagenhafte Herkunft der Schweizer. Das Bildprogramm verbindet damit Geschichte, Legende, Religion und politische Symbolik.

Die Halle dient nicht nur als Durchgangsraum. Während der Sessionen ist sie ein zentraler Treffpunkt für Ratsmitglieder, Medienschaffende, Mitarbeitende und Gäste.

Nationalratssaal

Der Nationalratssaal befindet sich im südlichen Teil des Parlamentsgebäudes. Er ist der Sitzungssaal des 200 Mitglieder zählenden Nationalrates, der die Bevölkerung der Schweiz vertritt.

Der Raum ist ähnlich wie ein Theater angelegt. Die Sitze der Ratsmitglieder steigen in halbkreisförmigen Reihen an. An der Stirnseite befinden sich das Präsidium, das Rednerpult und die Plätze der Bundesratsmitglieder.

Über dem Saal liegen Zuschauertribünen und Arbeitsplätze für Medienschaffende. Die Öffentlichkeit kann die Debatten von den Tribünen aus verfolgen.

Bei Sitzungen der Vereinigten Bundesversammlung kommen die Mitglieder von Nationalrat und Ständerat im Nationalratssaal zusammen. Dort werden unter anderem die Mitglieder des Bundesrates, die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler, die Bundesrichterinnen und Bundesrichter sowie die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident gewählt.

Wandbild Die Wiege der Eidgenossenschaft

Die Stirnwand des Nationalratssaals wird von einem grossen Gemälde des Westschweizer Malers Charles Giron beherrscht. Das Werk ist etwa fünf Meter hoch und zwölf Meter breit.

Es zeigt die Rütliwiese am Vierwaldstättersee. Im Hintergrund erheben sich die beiden Mythen. Die Landschaft wird als «Wiege der Eidgenossenschaft» dargestellt.

Das Gemälde verbindet politische Geschichte mit einer idealisierten Alpenlandschaft. Es entspricht der im 19. Jahrhundert verbreiteten Vorstellung, die Freiheit und Eigenständigkeit der Schweiz seien eng mit ihrer Bergwelt verbunden.

Links und rechts des Bildes stehen die Figuren Wilhelm Tells und der Stauffacherin. Beide gehören zur nationalen Gründungserzählung, obwohl ihre historische Existenz nicht belegt ist.

Kantonswappen und Sitzordnung

An der Rückwand des Nationalratssaals befinden sich die Kantonswappen. Bei Sitzungen der Vereinigten Bundesversammlung nehmen die Mitglieder des Ständerates in diesem Bereich Platz.

Die Nationalratsmitglieder sitzen nach Fraktionen geordnet. Die Sitzordnung verändert sich nach Wahlen und bei Veränderungen der Fraktionsstärken.

Elektronische Abstimmungsanlagen ermöglichen die Erfassung und Anzeige der Stimmen. Die Resultate der meisten Abstimmungen werden namentlich festgehalten und veröffentlicht.

Ständeratssaal

Der Ständeratssaal liegt im nördlichen Teil des Parlamentsgebäudes. Er dient den 46 Mitgliedern des Ständerates als Sitzungssaal.

Der Raum ist kleiner und intimer gestaltet als der Nationalratssaal. Die Sitze bilden ein Halbrund um einen zentralen Bereich. Holzverkleidungen, Kassettendecke und ein grosser Leuchter verleihen dem Saal einen repräsentativen Charakter.

Die unterschiedliche Grösse der beiden Säle entspricht der Mitgliederzahl der Räte, nicht ihrer politischen Bedeutung. Nationalrat und Ständerat sind in der Gesetzgebung gleichberechtigt.

Der Ständerat vertritt die Kantone. Die meisten Kantone entsenden zwei Mitglieder, während die sechs früher als Halbkantone bezeichneten Stände je einen Sitz besitzen.

Landsgemeindebild

Die Rückwand des Saals zeigt eine Landsgemeinde. Das monumentale Wandbild wurde von Albert Welti entworfen und nach dessen Tod von Wilhelm Balmer ausgeführt.

Bei der Eröffnung des Parlamentsgebäudes 1902 war die Wand noch leer. Erst um 1908 wurde Albert Welti mit der Gestaltung beauftragt.

Welti und Balmer besuchten Landsgemeinden in der Innerschweiz und fertigten zahlreiche Skizzen an. Der Entwurf enthält rund 175 dargestellte Personen.

Albert Welti starb 1912 unerwartet. Wilhelm Balmer übertrug den Entwurf anschliessend auf die Wand und vollendete das Werk im März 1914.[10]

Die Landsgemeinde wird als historische Form unmittelbarer demokratischer Beratung dargestellt. Das Bild schafft damit eine Verbindung zwischen kantonaler Selbstständigkeit, direkter Demokratie und parlamentarischem Bundesstaat.

Wandelhalle

Die Wandelhalle umgibt den Nationalratssaal auf der Südseite. Sie dient als Verbindungs- und Aufenthaltsraum.

Während der Sessionen treffen sich hier Ratsmitglieder, Medienschaffende, Lobbyistinnen und Lobbyisten, Delegationen und Gäste. Die Wandelhalle gehört deshalb zu den wichtigsten informellen politischen Räumen des Bundeshauses.

Zahlreiche Gespräche, Verhandlungen und Medieninterviews finden ausserhalb der eigentlichen Ratssäle statt. Der Begriff «Wandelhalle» bezeichnet damit sowohl einen architektonischen Raum als auch einen besonderen Bereich des parlamentarischen Betriebs.

Die Decke und die Wände besitzen eine reiche künstlerische Ausstattung. Zu den beteiligten Künstlern gehörte Antonio Barzaghi-Cattaneo. Seine Darstellungen nehmen Bezug auf Geschichte, Wirtschaft und Landschaften der Schweiz.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Wandelhalle mehrfach verändert. Spätere Anstriche, technische Installationen und Reparaturen überdeckten teilweise die ursprüngliche Gestaltung. Bei Restaurierungen wurden historische Farbfassungen und dekorative Elemente wieder freigelegt.

Kommissions- und Arbeitsräume

Ein grosser Teil der parlamentarischen Arbeit findet nicht in den Ratssälen, sondern in Kommissionen statt. Das Parlamentsgebäude und die angrenzenden Bundeshausflügel enthalten deshalb zahlreiche Sitzungszimmer.

Die parlamentarischen Kommissionen bereiten Gesetze, Budgets, Staatsverträge und weitere Geschäfte vor. Ihre Beratungen sind grundsätzlich nicht öffentlich.

Zusätzliche Räume stehen Fraktionen, Ratspräsidien, Sekretariaten, Übersetzungsdiensten und der Parlamentsverwaltung zur Verfügung.

Die Platzverhältnisse im historischen Komplex sind begrenzt. Verschiedene Dienste und Arbeitsplätze befinden sich deshalb auch in benachbarten Bundesgebäuden.

Baumaterialien

Hans Wilhelm Auer wollte die Schweiz nicht nur durch Bilder und Figuren, sondern auch durch die verwendeten Materialien darstellen.

Für das Parlamentsgebäude kamen Natursteine aus elf Kantonen zum Einsatz. Dazu gehörten verschiedene Sandsteine, Kalksteine, Marmore und Granite. Holzarten und weitere Materialien stammten ebenfalls aus unterschiedlichen Landesregionen.

Treppen, Säulen, Böden, Wandverkleidungen und Schmuckelemente wurden gezielt aus verschiedenen Gesteinen gefertigt. Die geologische Vielfalt sollte als Sinnbild der politischen Einheit in der Verschiedenheit dienen.

Rund 95 Prozent der Baumaterialien stammten aus der Schweiz. Auch Unternehmen und Kunstschaffende aus unterschiedlichen Sprachregionen wurden am Bau beteiligt.[1]

Die Materialwahl besass zugleich wirtschaftspolitische Bedeutung. Der Bau wurde als Leistung des schweizerischen Gewerbes und der einheimischen Industrie präsentiert.

Kunst und politisches Bildprogramm

Das Parlamentsgebäude wurde als Gesamtkunstwerk konzipiert. Architektur, Skulptur, Malerei, Glasgestaltung und Kunsthandwerk sollten eine zusammenhängende Erzählung bilden.

Zu den wiederkehrenden Themen gehören:

  • die Entstehung der Eidgenossenschaft,
  • die Einheit von Bund und Kantonen,
  • die vier Landessprachen,
  • die Volkssouveränität,
  • die Gewaltenteilung,
  • die Landschaften und Wirtschaftszweige,
  • militärische Verteidigung,
  • Bildung, Justiz und öffentliche Infrastruktur.

Viele Darstellungen beruhen auf dem Geschichtsverständnis des späten 19. Jahrhunderts. Sagenhafte Figuren wie Wilhelm Tell, Arnold Winkelried und die drei Eidgenossen werden neben historischen Persönlichkeiten und modernen staatlichen Institutionen gezeigt.

Frauen erscheinen im ursprünglichen Bildprogramm häufig als allegorische Figuren, etwa als Freiheit, Frieden oder politische Unabhängigkeit. Als das Gebäude 1902 eröffnet wurde, besassen Frauen auf Bundesebene weder das Stimm- noch das Wahlrecht.

Mit neueren Kunstwerken wie Tilo wurde das Bildprogramm um Perspektiven ergänzt, die bei der Erbauung nicht vertreten waren.

Politische Nutzung

Bundesversammlung

Das Parlamentsgebäude ist der ordentliche Sitz der Schweizerischen Bundesversammlung.

Die Bundesversammlung besteht aus zwei gleichberechtigten Kammern:

  • dem Nationalrat mit 200 Mitgliedern,
  • dem Ständerat mit 46 Mitgliedern.

Beide Räte beraten Gesetze, Bundesbeschlüsse, Budgets, Volksinitiativen, Staatsverträge und weitere Geschäfte. Ein Erlass kommt grundsätzlich nur zustande, wenn beide Kammern ihm in derselben Fassung zustimmen.

Die Räte tagen gewöhnlich getrennt in ihren jeweiligen Sälen. Für bestimmte Wahlen, Begnadigungen, Kompetenzkonflikte und besondere Erklärungen vereinigen sie sich zur Vereinigten Bundesversammlung im Nationalratssaal.

Bundesrat

Der Bundesrat ist die Regierung der Schweiz. Seine sieben Mitglieder leiten jeweils ein Departement.

Die ordentlichen Regierungssitzungen finden im Bundesratssitzungszimmer des Bundeshauses West statt. Die Beratungen sind nicht öffentlich.

Der Bundesrat empfängt im Bundeshaus ausländische Staats- und Regierungsmitglieder, diplomatische Vertretungen und andere offizielle Gäste. Grössere Staatsempfänge werden jedoch auch in anderen Gebäuden des Bundes durchgeführt.

Bundeskanzlei und Verwaltung

Die Bundeskanzlei unterstützt den Bundesrat und koordiniert die Regierungsgeschäfte. Teile ihrer Büros befinden sich im Bundeshaus West.

Auch verschiedene Departementsleitungen und Generalsekretariate nutzen Räume in den beiden Seitenflügeln. Der grösste Teil der Bundesverwaltung ist jedoch auf zahlreiche Gebäude in Bern und anderen Gemeinden verteilt.

Die Parlamentsdienste unterstützen Nationalrat, Ständerat, Kommissionen und Ratsmitglieder. Sie betreiben unter anderem Sekretariate, Übersetzung, Dokumentation, Kommunikation, Sicherheit und technische Dienste.

Medien und Öffentlichkeit

Das Bundeshaus ist ein zentraler Ort der politischen Berichterstattung. Während der Sessionen arbeiten zahlreiche akkreditierte Medienschaffende im und um das Parlamentsgebäude.

Interviews finden häufig in der Wandelhalle, in den Vorzimmern oder vor dem Gebäude statt. Die Kuppel und die Nordfassade dienen als wiedererkennbare Kulisse für Fernsehübertragungen und politische Berichte.

Das eigentliche Medienzentrum Bundeshaus befindet sich seit 2006 nicht im Hauptkomplex, sondern in einem gegenüberliegenden Gebäude an der Bundesgasse. Dort werden Medienkonferenzen des Bundesrates, des Parlaments, der Parteien und weiterer politischer Organisationen durchgeführt.

Die Debatten in beiden Räten sind grundsätzlich öffentlich. Besucherinnen und Besucher können sie von den Tribünen aus verfolgen. Die Sitzungen werden ausserdem im Internet übertragen und im Amtlichen Bulletin dokumentiert.

Bundesplatz

Der Bundesplatz liegt unmittelbar vor der Nordfassade des Parlamentsgebäudes. Er ist sowohl ein repräsentativer Vorplatz als auch ein öffentlicher politischer Raum.

Auf dem Platz finden Kundgebungen, Demonstrationen, Gedenkveranstaltungen, Empfänge und kulturelle Anlässe statt. Während der Sessionen treffen dort politische Gruppen, Interessensverbände und Medien aufeinander.

Der traditionelle Wochenmarkt macht den Bundesplatz zugleich zu einem alltäglichen städtischen Ort. Die Verbindung von Markt, Protest, Tourismus und staatlicher Repräsentation entspricht der offenen politischen Bedeutung des Platzes.

Das 2004 eröffnete Wasserspiel besteht aus 26 Fontänen. Diese stehen symbolisch für die 26 Kantone. Da die Düsen bündig in den Boden eingelassen sind, bleibt die Fläche ausserhalb des Wasserbetriebs für Veranstaltungen nutzbar.

Bundesterrasse

Die Bundesterrasse erstreckt sich südlich des Gebäudekomplexes. Sie liegt hoch über der Aare und bildet einen beliebten Aussichtspunkt.

Die Terrasse verbindet die Altstadt mit der Kleinen Schanze und den südlich gelegenen Verwaltungs- und Hotelbauten. Treppen und die nahe gelegene Marzilibahn führen hinunter in das Marziliquartier.

Unter Teilen der Terrasse und des Parlamentsgebäudes befinden sich Technik-, Lager- und Schutzräume.

Seit dem Umbau von 2006 bis 2008 gelangen Besuchergruppen über einen Eingang auf der Südseite in das Parlamentsgebäude. Dadurch konnte der öffentliche Zugang vom politischen und administrativen Haupteingang am Bundesplatz getrennt werden.

Technische Ausstattung

Das Parlamentsgebäude verfügte bereits 1902 über eine für die damalige Zeit fortschrittliche Heizungs- und Lüftungsanlage.

Die Gebrüder Sulzer aus Winterthur entwickelten ein System, das mit Dampf-, Warmwasser- und Warmluftheizung arbeitete. Frischluft wurde im Untergeschoss angesaugt, gefiltert, befeuchtet, erwärmt oder gekühlt und in die Ratssäle geleitet.

Die Abluft strömte durch Öffnungen in der Kuppel nach aussen. Das System nutzte damit die gesamte vertikale Struktur des Gebäudes.

Die Anlage kostete 183'000 Franken. Sie galt bei der Eröffnung als technische Pionierleistung.[7]

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden Elektrizität, Telefon, Radio, Fernsehen, elektronische Abstimmungssysteme, Informatik und moderne Sicherheitstechnik eingebaut. Die historischen Räume mussten dafür wiederholt angepasst werden.

Umbauten und Sanierungen

Veränderungen im 20. Jahrhundert

Seit der Eröffnung wurden die Räume des Bundeshauses laufend an neue Anforderungen angepasst.

Die wachsende Verwaltung benötigte mehr Büros. Technische Leitungen, Beleuchtung, Kommunikationsanlagen und Sicherheitsvorkehrungen wurden schrittweise ergänzt.

Manche Eingriffe veränderten die ursprüngliche Raumwirkung. Historische Farbschichten wurden überstrichen, Dekorationen entfernt oder technische Einbauten vor bestehende Bauteile gesetzt.

Gleichzeitig fanden regelmässige Restaurierungen an Fassaden, Dächern, Kuppeln und Kunstwerken statt. Der empfindliche Berner Sandstein ist durch Feuchtigkeit, Frost und Luftverschmutzung besonders gefährdet.

Sanierung des Parlamentsgebäudes 2006–2008

Zwischen 2006 und 2008 wurde das Parlamentsgebäude erstmals umfassend saniert und umgebaut. Ziel war es, die historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig Brandschutz, Sicherheit, Energieeffizienz und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Während der Arbeiten wurde die Gebäudehülle restauriert. Natursteinflächen, Figuren, Dächer und Kuppeln wurden gereinigt und repariert. Vorpatinierte Kupferbleche verhinderten auffällige Farbunterschiede an den Kuppeln.

Im Innern wurden historische Farbgebungen und Raumstrukturen teilweise wiederhergestellt. Beleuchtung, Lüftung, Heizung, Informatik und Sicherheitssysteme wurden erneuert.

Auf der Südseite entstand ein neuer Besuchereingang. Unter ihm wurde eine zweigeschossige Technikzentrale eingerichtet.

Die Sanierung wurde 2008 abgeschlossen. Die Gesamtkosten beliefen sich einschliesslich zusätzlicher Arbeiten und Teuerung auf rund 103 Millionen Franken.[11]

Die neue Lüftung gewinnt rund 70 Prozent der in der Abluft enthaltenen Wärme zurück. Gegenüber der früheren Anlage konnten Energieverbrauch und Emissionen deutlich reduziert werden.

Sanierung des Ständeratssaals

Nach der Gesamtsanierung wurde auch der Ständeratssaal nochmals eingehend restauriert. Dabei standen historische Oberflächen, Raumakustik, Beleuchtung und technische Einrichtungen im Mittelpunkt.

Holzverkleidungen, Gemälde und Mobiliar wurden konserviert. Neue technische Elemente mussten möglichst unauffällig in die historische Ausstattung integriert werden.

Sanierung des Bundeshauses West

Das Bundeshaus West wurde im frühen 21. Jahrhundert umfassend erneuert. Neben der Restaurierung historischer Räume wurden Arbeitsplätze neu organisiert und Begegnungszonen geschaffen.

Dach und Fassaden waren durch jahrzehntelange Verwitterung beschädigt. Einzelne Sandsteinteile mussten ergänzt oder ersetzt werden.

Die Massnahmen erfolgten in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Ziel war es, die langfristige Nutzung durch Regierung, Bundeskanzlei und Verwaltung zu sichern.

Sanierung des Bundeshauses Ost

Das Bundeshaus Ost wurde von 2012 bis 2016 nachhaltig saniert. Die Bauphase dauerte von September 2012 bis April 2015, die schrittweise Inbetriebnahme bis 2016.

Die Raumstruktur wurde bereinigt, technische und sicherheitsbezogene Anlagen wurden erneuert und die Gebäudehülle energetisch verbessert. Unter dem Gebäude entstand zusätzlicher Raum für die Haustechnik.

Bei den Bauarbeiten kamen Reste älterer Kelleranlagen zum Vorschein. Sie gehörten teilweise zum früheren Inselspital, das vor dem Bau des Bundeshauses Ost auf dem Areal gestanden hatte.[6]

Denkmalpflege

Der gesamte Bundeshauskomplex steht unter Denkmalschutz und ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft.

Der Schutz umfasst nicht nur die Fassaden und repräsentativen Säle, sondern auch historische Grundrisse, Treppenanlagen, Türen, Möbel, Leuchten, Kunstwerke und technische Bestandteile.

Umbauten erfordern deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Bauten und Logistik, den Nutzerorganisationen und der Denkmalpflege der Stadt Bern.

Die wichtigste Herausforderung besteht darin, ein historisches Nationaldenkmal als modernen Arbeitsort zu erhalten. Parlament und Regierung benötigen zeitgemässe Sicherheit, Kommunikation, Barrierefreiheit, Energieversorgung und Arbeitsbedingungen.

Nicht alle Veränderungen lassen sich rückgängig machen. Die Sanierungen verfolgen daher das Ziel, wertvolle Originalsubstanz zu bewahren und neue Eingriffe möglichst klar, dauerhaft und zurückhaltend zu gestalten.

Besichtigung

Das Parlamentsgebäude ist teilweise öffentlich zugänglich. Ausserhalb der Sessionen werden regelmässig kostenlose Führungen in mehreren Sprachen angeboten.

Die Rundgänge führen gewöhnlich durch die Kuppelhalle, den Nationalratssaal, den Ständeratssaal und die Wandelhalle. Je nach Betrieb und Sicherheitslage können einzelne Räume geschlossen sein.

Während der Sessionen können Besucherinnen und Besucher die Debatten von den Tribünen aus verfolgen. Der Zutritt erfolgt nach einer Sicherheits- und Identitätskontrolle.

An bestimmten Tagen finden offene Besichtigungen, Kinderführungen und besondere Themenführungen zu Architektur, Geschichte und Kunst statt.[12]

Eine Audioführung vermittelt Informationen zu den Gebäuden und ihrer Umgebung. Die Kuppel selbst und zahlreiche Verwaltungsräume sind aus Sicherheits- und Betriebsgründen nicht öffentlich zugänglich.

Politische und kulturelle Bedeutung

Das Bundeshaus ist das wichtigste bauliche Symbol des schweizerischen Bundesstaates. Es steht für das Zusammenspiel von Bevölkerung, Kantonen, Parlament und Regierung.

Die beiden gleichberechtigten Ratssäle verdeutlichen das Zweikammersystem. Der Nationalrat vertritt die Bevölkerung, der Ständerat die Kantone. Die Kuppelhalle verbindet beide Kammern räumlich und symbolisch.

Die künstlerische Gestaltung vermittelt ein Geschichtsbild, das während der Entstehungszeit des modernen Nationalstaates entwickelt wurde. Es stellt die Schweiz als traditionsreiche, wehrhafte, demokratische und kulturell vielfältige Gemeinschaft dar.

Viele dieser Darstellungen sind nationalromantisch geprägt. Sie verbinden historische Ereignisse mit Sagen, idealisierten Landschaften und allegorischen Figuren.

Das Gebäude ist zugleich ein alltäglicher Arbeitsort. Ratsmitglieder, Regierungsmitglieder, Mitarbeitende, Medienschaffende und Gäste nutzen es regelmässig. Damit unterscheidet sich das Bundeshaus von einem reinen Denkmal oder Museum.

Seine öffentliche Zugänglichkeit soll den Anspruch unterstreichen, dass Parlament und Regierung im Dienst der Bevölkerung stehen. Die Besuchertribünen, Führungen und politischen Veranstaltungen auf dem Bundesplatz schaffen eine direkte Verbindung zwischen staatlichen Institutionen und Öffentlichkeit.

Das Bundeshaus als nationales Symbol

Die Silhouette des Parlamentsgebäudes erscheint häufig in Medien, Publikationen, politischen Kampagnen und touristischen Darstellungen.

Besonders die grüne Kuppel dient als allgemein verständliches Symbol für die Bundespolitik. In der Berichterstattung wird «Bern» oder «das Bundeshaus» oft als verkürzte Bezeichnung für Regierung, Parlament oder Bundesverwaltung verwendet.

Das Gebäude erscheint auf Briefmarken, Gedenkmünzen, Plakaten und amtlichen Publikationen. Seine Räume bilden die Kulisse für Vereidigungen, Wahlen, Staatsbesuche und politische Erklärungen.

Anders als zahlreiche europäische Regierungs- und Parlamentspaläste besitzt das Bundeshaus keine lange monarchische Vorgeschichte. Es wurde unmittelbar für die Institutionen eines republikanischen Bundesstaates errichtet.

Der Komplex dokumentiert zugleich das Wachstum dieses Staates. Das zurückhaltendere Bundes-Rathaus von 1857 steht für die frühe Eidgenossenschaft von 1848. Das monumentale Parlamentsgebäude von 1902 verkörpert das stärkere nationale Selbstverständnis am Ende des 19. Jahrhunderts.

Chronologie

Jahr Ereignis
1848 Annahme der ersten Bundesverfassung und Wahl Berns zur Bundesstadt
1849 Der Bundesrat beauftragt Bern mit der Suche nach einem Standort für ein gemeinsames Bundesgebäude
1850 Architektenwettbewerb für das Bundes-Rathaus
1852 Beginn der Bauarbeiten am heutigen Bundeshaus West
5. Juni 1857 Einweihung des Bundes-Rathauses
1888 Baubeginn des Bundeshauses Ost
1892 Fertigstellung des Bundeshauses Ost
1894 Beginn der Bauarbeiten am Parlamentsgebäude
1. April 1902 Feierliche Einweihung des Parlamentsgebäudes durch die Vereinigte Bundesversammlung
1908 Auftrag für das Landsgemeindebild im Ständeratssaal
1914 Fertigstellung des Landsgemeindebildes durch Wilhelm Balmer nach einem Entwurf Albert Weltis
1978 Gründung des Kantons Jura; dessen Wappen wird später in der Kuppelhalle ergänzt
2003–2004 Neugestaltung des Bundesplatzes mit 26 Wasserfontänen
2006–2008 Umfassende Sanierung und Umbau des Parlamentsgebäudes
2012–2016 Gesamtsanierung des Bundeshauses Ost
2023 Einbau des Kunstwerks Tilo in das Giebelfeld der Nordfassade

Siehe auch

Literatur

  • Monica Bilfinger: Das Bundeshaus in Bern. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2021, ISBN 978-3-03797-690-6.
  • Johannes Stückelberger: Das Bundeshaus in Bern. Schweizerische Kunstführer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern.
  • Toni P. Labhart: Steinführer Bundeshaus Bern. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern.
  • Parlamentsdienste (Hrsg.): Das Parlamentsgebäude. Vision einer idealen Schweiz. Bern.
  • Bundesamt für Bauten und Logistik (Hrsg.): Bundeshaus. Umbau und Sanierung Parlamentsgebäude Bern 2006–2008. Bern 2008.
  • Martin Fröhlich: Das Bundeshaus in Bern. Schweizerische Kunstführer, Bern.
  • Schweizerische Bundesversammlung: Das neue Schweizerische Bundeshaus in Bern. Bern 1902.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 «Das Parlamentsgebäude», Schweizer Parlament, abgerufen am 27. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 «Das Parlamentsgebäude in Bern, Schweiz», Parlamentsdienste, abgerufen am 27. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 «Wie aus dem Nationalratssaal eine Bibliothek wurde», Schweizer Parlament, 20. August 2018, abgerufen am 27. Juli 2026.
  4. «Bundeshaus West», Bundesamt für Bauten und Logistik, abgerufen am 27. Juli 2026.
  5. «Räume des Bundesrates im Bundeshaus», Schweizerischer Bundesrat, abgerufen am 27. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 «Bundeshaus Ost, Bern», Bundesamt für Bauten und Logistik, abgerufen am 27. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 «Die Klimatisierung des Parlamentsgebäudes: im Jahr 1902 bahnbrechend, heute umweltschonend», Schweizer Parlament, abgerufen am 27. Juli 2026.
  8. «Die Bundeshauskuppel», Schweizer Parlament, 3. November 2021, abgerufen am 27. Juli 2026.
  9. «Das Kunstwerk Tilo aus nächster Nähe», Schweizer Parlament, abgerufen am 27. Juli 2026.
  10. «Weshalb die Wand im Ständeratssaal zwölf Jahre leer blieb», Schweizer Parlament, 30. Juli 2018, abgerufen am 27. Juli 2026.
  11. «Umbau und Sanierung Parlamentsgebäude 2006–2008», Schweizer Parlament, abgerufen am 27. Juli 2026.
  12. «Führungen durchs Bundeshaus», Schweizer Parlament, abgerufen am 27. Juli 2026.