Bezirk Kulm

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Bezirk Kulm
Karte des Bezirks Kulm
Kanton Aargau
Hauptort Unterkulm
BFS-Nummer 1905
Fläche 101,35 km²
Einwohner 47'235
Stand 31. Dezember 2025
Bevölkerungsdichte rund 466 Einwohner pro km²
Gemeinden 16

Der Bezirk Kulm ist einer der elf Bezirke des Kantons Aargau in der Schweiz. Er umfasst das Wynental, das Ruedertal, einen Teil des Suhrentals sowie die Landschaft westlich des Hallwilersees. Hauptort und Sitz des Bezirksgerichts ist Unterkulm. Die bevölkerungsreichste Gemeinde ist Reinach.

Der Bezirk besitzt die BFS-Nummer 1905 und besteht seit der Eingemeindung von Burg in Menziken im Jahr 2023 aus 16 Einwohnergemeinden.[1] Ende 2025 lebten im Bezirk 47'235 Einwohnerinnen und Einwohner.[2]

Die Region ist durch einen Gegensatz zwischen den dicht besiedelten und industrialisierten Gemeinden des oberen Wynentals, den Wohn- und Gewerbeorten im mittleren Wynental und Suhrental sowie den ländlichen Dörfern auf den umliegenden Höhen geprägt.

Geographie

Der Bezirk Kulm liegt im Süden des Kantons Aargau. Im Norden grenzt er an den Bezirk Aarau, im Nordosten und Osten an den Bezirk Lenzburg und im Westen an den Bezirk Zofingen. Im Süden bildet die Kantonsgrenze zu Luzern zugleich die Bezirksgrenze.

Das Gebiet erstreckt sich vom Suhrental im Westen über das Ruedertal und das Wynental bis zum westlichen Ufer des Hallwilersees. Die Landschaft gehört zum überwiegenden Teil zum hügeligen Schweizer Mittelland und wurde während der Eiszeiten durch die Gletscher und ihre Schmelzwässer geformt.

Die wichtigsten Siedlungsachsen verlaufen in Nord-Süd-Richtung entlang der Flüsse Wyna und Suhre. Dazwischen und an den Rändern des Bezirks liegen bewaldete Höhenzüge, landwirtschaftlich genutzte Terrassen und kleinere Seitentäler.

Wynental

Das Wynental bildet den bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich bedeutendsten Teil des Bezirks. Die Wyna kommt aus dem Kanton Luzern und fliesst über Menziken, Reinach, Leimbach, Zetzwil, Gontenschwil, Oberkulm, Unterkulm und Teufenthal in Richtung Aarau. Ausserhalb des Bezirks mündet sie bei Suhr in die Suhre.

Im oberen Wynental sind die Siedlungsgebiete von Menziken und Reinach nahezu zusammengewachsen. Zusammen mit dem luzernischen Pfeffikon und dem früher selbständigen Burg bilden sie einen grösseren, kantonsübergreifenden Siedlungsraum.

Das mittlere Wynental zwischen Gontenschwil und Teufenthal ist stärker durch lang gezogene Strassendörfer geprägt. Wohnquartiere, Gewerbebauten und Landwirtschaftsflächen wechseln sich dort ab.

Suhrental und Ruedertal

Der westliche Teil des Bezirks umfasst einen Abschnitt des Suhrentals mit Schöftland und Holziken. Die Suhre durchfliesst Schöftland von Süden nach Norden und verlässt den Bezirk in Richtung Hirschthal.

Das Ruedertal zweigt bei Schöftland nach Südwesten ab. Es wird von der Ruederche entwässert und umfasst vor allem die Gemeinden Schlossrued und Schmiedrued. Das Tal besitzt einen ländlichen Charakter mit Weilern, Einzelhöfen, Wiesen und ausgedehnten Waldflächen.

Die Besiedlung ist im Ruedertal wesentlich lockerer als im Wynental. Schmiedrued besteht neben dem Hauptdorf aus zahlreichen Weilern und Streusiedlungen, darunter Walde, Schiltwald und Kirchrued.

Seetal und Hallwilersee

Im Osten reicht der Bezirk bis an den Hallwilersee. Beinwil am See und Birrwil liegen unmittelbar am westlichen Seeufer. Leutwil und Dürrenäsch befinden sich auf den westlich anschliessenden Höhen.

Der Hallwilersee ist ein wichtiges Naherholungsgebiet. Uferwege, Badeanlagen, Schiffsanlegestellen und Aussichtspunkte ziehen Besucherinnen und Besucher aus dem gesamten Mittelland an. Teile der Seefläche gehören zu den Gemeinden des Bezirks Kulm.

Die erhöhten Lagen westlich des Sees bieten Ausblicke über den Hallwilersee, den Baldeggersee und bei klarer Sicht bis zu den Alpen.

Höhenzüge

Der höchste Punkt des Bezirks ist der 872 Meter hohe Stierenberg an der Grenze zwischen Menziken und dem Kanton Luzern. Er gilt zugleich als höchster Berggipfel des Kantons Aargau. Der höchste Punkt des Kantons liegt allerdings mit 908 Metern auf dem Geissfluegrat im Jura.[3]

Ein weiterer markanter Höhenzug ist der Homberg zwischen Reinach, Birrwil und Beinwil am See. Sein höchster Punkt erreicht 788 Meter. Der Hombergturm bietet ein Panorama über das Seetal, das Wynental, den Jura und die Alpen. Der Berg wird deshalb auch als «Aargauer Rigi» bezeichnet.[4]

Gemeinden

Der Bezirk Kulm besteht seit dem 1. Januar 2023 aus 16 Einwohnergemeinden. Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2025.[2]

Gemeinde Einwohner Lage und Besonderheiten
Beinwil am See 3'688 Gemeinde am westlichen Ufer des Hallwilersees
Birrwil 1'421 Hanggemeinde oberhalb des Hallwilersees
Dürrenäsch 1'394 Wohngemeinde auf den Höhen zwischen Wynental und Seetal
Gontenschwil 2'238 Gemeinde im mittleren Wynental mit zahlreichen Weilern
Holziken 1'770 Wohngemeinde am nördlichen Rand des Suhrentals
Leimbach 515 Flächenmässig kleine Gemeinde zwischen Reinach und Zetzwil
Leutwil 759 Ländliche Gemeinde auf einer Anhöhe westlich des Hallwilersees
Menziken 8'901 Industrie-, Gewerbe- und Wohnzentrum im oberen Wynental
Oberkulm 3'009 Lang gezogenes Strassendorf im mittleren Wynental
Reinach 9'886 Bevölkerungsreichste Gemeinde und regionales Zentrum
Schlossrued 878 Ländliche Gemeinde im unteren Ruedertal
Schmiedrued 1'144 Weitläufige Gemeinde im oberen Ruedertal
Schöftland 4'659 Regionalzentrum im Suhrental
Teufenthal 1'778 Gemeinde im unteren Wynental unterhalb der Trostburg
Unterkulm 3'794 Bezirkshauptort im mittleren Wynental
Zetzwil 1'401 Wohn- und Gewerbegemeinde im Wynental
Gesamt 47'235 16 Gemeinden

Reinach und Menziken vereinen zusammen fast zwei Fünftel der Bezirksbevölkerung. Die kleinste Gemeinde ist Leimbach mit etwas mehr als 500 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Das Gebiet des heutigen Bezirks war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Am Hallwilersee wurden Spuren jungsteinzeitlicher und bronzezeitlicher Seeufersiedlungen gefunden. Weitere Funde aus der Bronze- und Eisenzeit stammen von erhöhten Geländelagen im Wynental und Seetal.

Während der römischen Epoche lag die Region im Hinterland der bedeutenden Siedlungen Vindonissa und Aventicum. Das Wynental bildete einen natürlichen Verkehrsraum zwischen dem Aaretal und dem Gebiet des heutigen Kantons Luzern.

Überreste römischer Gutshöfe wurden unter anderem bei Unterkulm, Oberkulm, Reinach und Beinwil am See entdeckt. Die landwirtschaftlichen Betriebe versorgten wahrscheinlich grössere Siedlungen und militärische Anlagen im Schweizer Mittelland.

Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich Alemannen in den Tälern nieder. Zahlreiche Ortsnamen mit den Endungen «-wil», «-ikon» und «-iken» gehen auf die frühmittelalterliche Besiedlung zurück.

Mittelalter

Im Hochmittelalter gehörten grosse Teile der Region zunächst zum Einflussbereich der Grafen von Lenzburg. Nach deren Aussterben gelangten verschiedene Rechte an die Kyburger und später an die Habsburger. Daneben besassen Klöster, Stifte und lokale Adelsfamilien umfangreichen Grundbesitz.

Der Name Kulm ist erstmals 1045 in der Form «Chulenbare» belegt. Später wurde zwischen Oberkulm und Unterkulm unterschieden. Die Bezeichnung des Bezirks leitet sich von diesen beiden benachbarten Dörfern ab.[5]

Im Ruedertal herrschten die Herren von Rued. Ihr Sitz war eine mittelalterliche Burg, an deren Stelle später das Schloss Rued entstand. Die Herrschaft umfasste weite Teile des Tals und wechselte im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer.

Über dem Wynental entstanden die Trostburg und die Liebegg. Die Trostburg liegt auf dem heutigen Gemeindegebiet von Teufenthal. Schloss Liebegg befindet sich unmittelbar nördlich der Bezirksgrenze in der Gemeinde Gränichen.

Berner Herrschaft

Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den habsburgischen Aargau. Der überwiegende Teil des heutigen Bezirks Kulm gelangte unter die Herrschaft der Stadt Bern und wurde dem Amt Lenzburg zugeteilt.

Bern führte 1528 die Reformation ein. Die Bevölkerung wurde reformiert, Klosterbesitz ging teilweise an den Staat über und das kirchliche Leben wurde neu organisiert. Die alte Pfarrei Kulm umfasste neben Unterkulm und Oberkulm auch Teufenthal sowie zeitweise weitere umliegende Dörfer.[6]

Die bernische Verwaltung förderte Landwirtschaft, Strassenbau und Schule, kontrollierte jedoch zugleich das politische und wirtschaftliche Leben der Untertanengebiete. Lokale Gerichte und Dorfgemeinden regelten einen grossen Teil des Alltags.

Seit dem 16. Jahrhundert liessen sich im oberen Wynental und im Ruedertal auch Angehörige der Täuferbewegung nieder. Einige waren aus dem Zürcher Herrschaftsgebiet vertrieben worden. Die abgelegenen Höfe und Seitentäler boten ihnen zeitweise Schutz vor Verfolgung.[7]

Gründung des Bezirks

Mit dem Einmarsch französischer Truppen endete 1798 die bernische Herrschaft. Die Region wurde Teil des helvetischen Kantons Aargau. Durch die Mediationsakte von 1803 entstand der heutige Kanton Aargau aus dem Berner Aargau, dem Kanton Baden und dem Fricktal.

Der neue Kanton wurde in elf Bezirke eingeteilt. Unterkulm wurde zum Hauptort des Bezirks Kulm bestimmt, obwohl das Dorf diese Funktion zunächst nur widerwillig übernahm.[8]

Die verschiedenen Bezirksbehörden waren zunächst in mehreren Gebäuden untergebracht. Gerichtssaal und Sitzungszimmer befanden sich zeitweise in einem Gasthaus, während Teile des Archivs im Schloss Rued gelagert wurden. Ein gemeinsames Bezirksgebäude in Unterkulm konnte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezogen werden.

Der Bezirk übernahm Aufgaben in der Verwaltung, Rechtspflege, Polizei, Aufsicht und Durchführung von Wahlen. Das Bezirksamt bestand von 1803 bis zur Neuorganisation der Strafverfolgung im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert.[9]

Industrialisierung

Bis ins 18. Jahrhundert lebte die Mehrheit der Bevölkerung von Landwirtschaft und Heimarbeit. In zahlreichen Haushalten wurden Baumwolle und andere Textilien gesponnen oder gewebt. Die Produktion war häufig über Verleger organisiert, welche Rohstoffe lieferten und die fertigen Waren verkauften.

Im 19. Jahrhundert setzte im Wynental eine starke Industrialisierung ein. Wasserläufe wurden zum Betrieb von Mühlen, Sägereien und frühen Fabriken genutzt. Mit der Mechanisierung entstanden Spinnereien, Webereien und metallverarbeitende Betriebe.

Besondere Bedeutung gewann die Tabakindustrie. Samuel Weber begann 1838 in Menziken mit der gewerblichen Verarbeitung von Tabak. In den folgenden Jahrzehnten entstanden in Menziken, Reinach und weiteren Gemeinden zahlreiche Zigarrenfabriken.[10]

Das obere Wynental entwickelte sich zu einem Zentrum der schweizerischen Zigarrenproduktion und erhielt den volkstümlichen Namen «Stumpenland». Ein erheblicher Teil der Arbeit wurde zeitweise von Frauen in Fabriken oder als Heimarbeit ausgeführt.

Neben der Tabakindustrie gewannen die Metallverarbeitung, der Maschinenbau, die Herstellung von Armaturen und später die Aluminiumindustrie an Bedeutung. Diese Branchen prägen die Wirtschaftsstruktur der Region teilweise bis heute.

Verkehrsentwicklung

Der Ausbau der Talstrassen im frühen 19. Jahrhundert erleichterte den Warenverkehr nach Aarau und Luzern. Einen entscheidenden Entwicklungsschub brachte die Eröffnung der elektrischen Wynentalbahn im Jahr 1904. Sie ersetzte die Postkutschenverbindung zwischen dem oberen Wynental und Aarau.[11]

Die Bahn förderte den Transport von Arbeitskräften und Industriegütern. Die Siedlungsgebiete dehnten sich zunehmend entlang der Bahnlinie und der Hauptstrasse aus. Im Suhrental bestand bereits seit 1901 eine Bahnverbindung zwischen Aarau und Schöftland.

Seit dem späten 20. Jahrhundert entwickelte sich der Bezirk verstärkt zu einer Wohnregion. Viele Einwohnerinnen und Einwohner pendeln nach Aarau, Lenzburg, Zofingen, Sursee, Luzern oder in den Grossraum Zürich.

Eingemeindung von Burg

Die Gemeinde Burg war fast vollständig vom Siedlungsgebiet Menzikens umgeben und arbeitete bereits seit längerer Zeit eng mit der Nachbargemeinde zusammen. Am 1. Januar 2023 wurde Burg in Menziken eingemeindet.

Menziken übernahm das Gebiet, die Bevölkerung und die Aufgaben der bisherigen Gemeinde Burg. Durch die Eingemeindung sank die Zahl der Gemeinden im Bezirk Kulm von 17 auf 16.[12]

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2025 lebten 47'235 Personen im Bezirk Kulm. Zu Beginn des Jahres waren es 46'687 gewesen. Innerhalb eines Jahres nahm die Bevölkerung damit um 548 Personen zu.[2]

Die Bevölkerung konzentriert sich stark auf das obere Wynental. Reinach und Menziken zählten Ende 2025 zusammen 18'787 Einwohnerinnen und Einwohner. Weitere regionale Zentren sind Schöftland, Unterkulm und Beinwil am See.

Die ländlichen Gemeinden des Ruedertals und der Höhen zwischen Wynental und Hallwilersee weisen deutlich geringere Bevölkerungsdichten auf. Leimbach, Leutwil und Schlossrued gehören zu den kleinsten Gemeinden des Kantons Aargau.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs der Bezirk durch neue Wohnquartiere, Zuwanderung und die Verbesserung der Verkehrsverbindungen. Besonders stark entwickelte sich die zusammenhängende Siedlungszone Reinach–Menziken.

Die Alltagssprache ist überwiegend Schweizerdeutsch. In Verwaltung, Schule und schriftlicher Kommunikation wird Schweizer Hochdeutsch verwendet. Durch die Zuwanderung ist die sprachliche und kulturelle Zusammensetzung der Bevölkerung vielfältiger geworden.

Die Region war aufgrund der langen bernischen Herrschaft traditionell reformiert geprägt. Im 20. Jahrhundert entstanden katholische Kirchgemeinden und Sakralbauten für die zugezogene katholische Bevölkerung. Gleichzeitig nahm der Anteil konfessionsloser Menschen zu.

Wirtschaft

Der Bezirk Kulm besitzt eine vielfältige Wirtschaftsstruktur aus Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft, Handel und Dienstleistungen.

Industrie und Gewerbe

Die grössten Industrie- und Gewerbegebiete befinden sich im Wynental, vor allem in Reinach, Menziken, Unterkulm, Oberkulm, Gontenschwil und Teufenthal. Weitere Arbeitsplatzschwerpunkte liegen in Schöftland und Beinwil am See.

Wichtige Wirtschaftszweige sind die Metall- und Aluminiumverarbeitung, der Maschinen- und Anlagenbau, die Kunststoffindustrie, die Herstellung technischer Produkte, die Lebensmittelverarbeitung, das Baugewerbe und die Logistik.

Die frühere Zigarrenindustrie verlor im Verlauf des 20. Jahrhunderts stark an Bedeutung. Mehrere Fabriken wurden geschlossen oder einer neuen Nutzung zugeführt. Historische Fabrikgebäude in Reinach und Menziken erinnern jedoch weiterhin an die industrielle Vergangenheit des «Stumpenlands».[13]

Reinach und Menziken bilden gemeinsam das wichtigste Einkaufs- und Dienstleistungszentrum des oberen Wynentals. Schöftland übernimmt eine vergleichbare Funktion für das obere Suhrental.

Landwirtschaft und Forstwirtschaft

Ausserhalb der Siedlungsachsen spielen Landwirtschaft und Forstwirtschaft weiterhin eine wichtige Rolle. Angebaut werden Getreide, Mais, Raps, Gemüse und Futterpflanzen. Daneben bestehen Milchvieh-, Rinder-, Schweine- und Geflügelbetriebe.

Obstgärten mit Kirsch-, Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäumen prägen Teile der Kulturlandschaft. An günstigen Hängen wurde früher auch Wein angebaut. Die zahlreichen Waldflächen liefern Holz und dienen zugleich als Erholungsraum und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Im Ruedertal und in den höher gelegenen Gebieten sind Einzelhöfe und kleinere Landwirtschaftsbetriebe besonders verbreitet.

Regionale Zusammenarbeit

Ein grosser Teil des Wynentals arbeitet im Regionalverband aargauSüd zusammen. Der Verband befasst sich mit Raumplanung, Standortförderung, Landschaftsentwicklung und regionalen Projekten.

Die Grenzen der Region aargauSüd stimmen nicht vollständig mit den Grenzen des Bezirks Kulm überein. Gemeinden des Suhren- und Ruedertals orientieren sich teilweise an anderen regionalen Organisationen, während das luzernische Pfeffikon eng mit dem oberen Wynental verbunden ist.

Verkehr

Öffentlicher Verkehr

Die wichtigste Verbindung des öffentlichen Verkehrs ist die Wynental- und Suhrentalbahn. Sie wird von der Aargau Verkehr AG betrieben und ist als Linie S14 in das Netz der Aargauer S-Bahn eingebunden.

Die Strecke verbindet Menziken über Reinach, Leimbach, Zetzwil, Gontenschwil, Oberkulm, Unterkulm und Teufenthal mit Aarau. Der zweite Ast führt von Aarau über das Suhrental nach Schöftland. Insgesamt besitzt die Linie 32 Haltestellen.[14]

Beinwil am See und Birrwil liegen an der Seetalbahn zwischen Lenzburg und Luzern. Der Bahnhof Beinwil am See ist ein wichtiger Umsteigepunkt für den regionalen Busverkehr.

Postauto- und Regionalbuslinien erschliessen die Gemeinden und Weiler ohne eigenen Bahnanschluss. Verbindungen bestehen unter anderem ins Ruedertal, nach Dürrenäsch, Leutwil, Holziken und in die benachbarten Luzerner Gemeinden.

Strassenverkehr

Die Hauptstrasse durch das Wynental verbindet Aarau mit Beromünster und dem Raum Luzern. Eine weitere wichtige Nord-Süd-Achse verläuft durch das Suhrental über Schöftland.

Querverbindungen führen vom Wynental über die Höhen zum Hallwilersee und ins Seetal sowie von Schöftland durch das Ruedertal in Richtung Sursee. Der Bezirk besitzt keinen eigenen Autobahnanschluss. Die Autobahn A1 ist über Aarau, Kölliken und Sursee erreichbar.

Die lang gezogenen Siedlungen und die teilweise direkt neben der Hauptstrasse verlaufende Bahn stellen besondere Anforderungen an Verkehrssicherheit, Lärmschutz und Ortsplanung.

Fuss- und Veloverkehr

Ein Netz aus Wander- und Velowegen verbindet die Täler, Höhenzüge und Seeufer. Der Höhenweg aargauSüd führt in mehreren Etappen über aussichtsreiche Höhen entlang des Wynentals. Zu seinen wichtigsten Punkten gehören der Homberg und der Stierenberg.[15]

Der Rundweg um den Hallwilersee gehört zu den bekanntesten Spazier- und Wanderwegen der Region. Nationale und regionale Velorouten führen durch das Wynental, das Suhrental und das Seetal.

Verwaltung und Politik

Der Bezirk Kulm ist eine Verwaltungseinheit und ein Wahlkreis des Kantons Aargau. Er besitzt keine eigene Regierung und kein Bezirksparlament.

Unterkulm ist der amtliche Bezirkshauptort. Das Bezirksgericht und das Familiengericht befinden sich im Bezirksgebäude am Zentrumsplatz 1.[16]

Das Bezirksgericht beurteilt erstinstanzlich Zivil- und Strafsachen, soweit diese nicht einer anderen Instanz zugewiesen sind. Das Familiengericht nimmt zusätzlich die Aufgaben der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde wahr.

Bei den Wahlen in den Grossen Rat des Kantons Aargau bildet der Bezirk einen eigenen Wahlkreis. Die Zahl der Mandate richtet sich nach der Bevölkerungszahl.

Die Gemeinden arbeiten bei Schulen, Sozialdiensten, Altersversorgung, Feuerwehr, Zivilschutz, Abfallentsorgung, öffentlichem Verkehr und Regionalplanung über die Gemeindegrenzen hinweg zusammen.

Bildung

Alle Gemeinden verfügen über Kindergärten und Primarschulangebote oder sind an regionalen Schulorganisationen beteiligt. Oberstufenzentren befinden sich insbesondere in Reinach, Menziken, Unterkulm und Schöftland.

Die Kreisschule aargauSüd führt Oberstufenangebote an mehreren Standorten im Wynental. Die Bezirksschule wird unter anderem in Reinach und Unterkulm angeboten.

Weiterführende Mittelschulen befinden sich ausserhalb des Bezirks, insbesondere in Aarau, Zofingen, Wohlen, Baden und Beromünster. Berufslernende besuchen je nach Fachrichtung Schulen in Aarau, Lenzburg, Zofingen, Sursee oder anderen regionalen Bildungszentren.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Hallwilersee

Der Hallwilersee ist das bedeutendste Natur- und Freizeitziel im Osten des Bezirks. Beinwil am See verfügt über eine Schiffsanlegestelle, Badeanlagen und einen Bahnhof in Seenähe.

Kursschiffe verbinden Beinwil am See mit weiteren Orten rund um den See. Der weitgehend ufernahe Rundweg wird zum Wandern, Joggen und Velofahren genutzt.

Hombergturm

Der Hombergturm steht auf der Hochwacht des Hombergs oberhalb von Reinach. Der Aussichtsturm ermöglicht einen weiten Blick über den Hallwilersee, den Baldeggersee, das Wynental und die Alpen.

Die Umgebung ist durch Wanderwege von Reinach, Birrwil, Beinwil am See, Zetzwil und Leimbach aus erreichbar. Feuerstellen und Waldwege machen den Homberg zu einem beliebten Naherholungsgebiet.

Trostburg

Die Trostburg erhebt sich auf einem Felsvorsprung oberhalb von Teufenthal. Die mittelalterliche Burg wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert errichtet und später mehrfach umgebaut.

Sie bildete zusammen mit der nahe gelegenen Liebegg einen wichtigen Adelssitz im Wynental. Die Anlage befindet sich in Privatbesitz und ist nicht allgemein öffentlich zugänglich.

Schloss Rued

Schloss Rued liegt oberhalb von Schlossrued. Der heutige Bau entstand im 18. Jahrhundert an der Stelle einer älteren Burganlage.

Das Schloss erinnert an die frühere Herrschaft Rued, die einen grossen Teil des Ruedertals umfasste. Das Gebäude und seine Umgebung prägen das Ortsbild von Schlossrued.

Tabak- und Zigarrenmuseum

Das Tabak- und Zigarrenmuseum aargauSüd in Menziken dokumentiert die Geschichte des Tabakanbaus, der Zigarrenherstellung und der Fabrikarbeit im Wynen- und Seetal.

Die Sammlung umfasst Maschinen, Werkzeuge, Verpackungen, Werbemittel und historische Erzeugnisse. Sie erinnert an eine Industrie, die im 19. und 20. Jahrhundert Tausende Arbeitsplätze in der Region bot.[17]

Historische Bauten

In den Dörfern des Bezirks sind zahlreiche Bauernhäuser, Speicher, Mühlen, Kirchen und ehemalige Fabrikbauten erhalten. Zu den bekannten Bauwerken gehört ein strohgedeckter Kornspeicher aus dem 16. Jahrhundert in Oberkulm.

Die reformierten Kirchen von Unterkulm, Reinach, Schöftland und weiteren Gemeinden besitzen teilweise ältere Bauteile oder stehen an mittelalterlichen Kirchenstandorten.

In Unterkulm erinnert das historische Bezirksgebäude an die Entwicklung des Ortes zum Verwaltungszentrum. Die Gemeinde besitzt seit 1818 das Marktrecht und führt bis heute regelmässige Warenmärkte durch.[18]

Regionale Identität

Die Bevölkerung identifiziert sich häufig stärker mit den Landschaftsräumen Wynental, Suhrental, Ruedertal und Seetal als mit dem Bezirk als Verwaltungseinheit.

Das obere Wynental ist wirtschaftlich und baulich eng mit dem angrenzenden Kanton Luzern verbunden. Zwischen Reinach, Menziken und Pfeffikon bestehen gemeinsame Verkehrs-, Einkaufs-, Schul- und Arbeitsbeziehungen.

Die Bezeichnung «Stumpenland» erinnert an die Zeit der Zigarrenindustrie. Sie wird heute vor allem im historischen und kulturellen Zusammenhang verwendet.

Der Begriff «aargauSüd» dient als moderne regionale Bezeichnung für einen grossen Teil des Wynentals und der westlichen Hallwilerseeregion. Er ist jedoch nicht vollständig mit dem Bezirk Kulm gleichzusetzen.

Wappen

In Darstellungen des Bezirks wird üblicherweise das Wappen des Hauptortes Unterkulm verwendet. Es zeigt in Blau einen weissen Dreiberg, der von zwei weissen Sternen begleitet wird.

Der Dreiberg wird als redendes Element für die Bezeichnung «Kulm» verstanden. Die Sterne ergänzen das seit dem 19. Jahrhundert verwendete Gemeindewappen.

Literatur

  • Anne-Marie Dubler: Kulm. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Max Byland: Alt-Kulm. Die Geschichte einer Landschaft und ihrer Gemeinden. Reinach.
  • Rolf Bolliger, Markus Widmer-Dean: Trostburg – Liebegg. Zwei Burgen und ihre Bewohner. Verlag Widmer-Dean, 2005.
  • Peter Steiner: Geschichte des Wynentals. Historische Vereinigung Wynental.
  • Urs Merz: Tabak und Zigarren im Wynen- und Seetal. Menziken.

Einzelnachweise

  1. Dekret über die Bezirks- und Kreiseinteilung, Kanton Aargau, Stand 1. Januar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Kantonale Bevölkerungsstatistik 2025, Statistik Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Raum und Umwelt: Höchste und tiefste Punkte, Statistik Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Über den Homberg, Aargau Tourismus, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Geschichte, Gemeinde Unterkulm, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Kirchen- und Baugeschichte Unterkulm, Reformierte Kirchen Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Berner Aargau, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Kulm, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Bezirksamt und Bezirksverwaltung Kulm, 1803–1993, Staatsarchiv Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Geschichte, Gemeinde Menziken, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Geschichte der Gemeinde Menziken, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Eingemeindung von Burg in Menziken, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 3. August 2026.
  13. Zigarrenfabrik H. Hediger und Söhne, Kantonale Denkmalpflege Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
  14. S14 Menziken–Aarau–Schöftland, Aargau Verkehr AG, abgerufen am 3. August 2026.
  15. Höhenweg aargauSüd, Aargau Tourismus, abgerufen am 3. August 2026.
  16. Bezirksgericht Kulm, Kanton Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
  17. Tabak- und Zigarrenmuseum, Gemeinde Reinach, abgerufen am 3. August 2026.
  18. Markt, Gemeinde Unterkulm, abgerufen am 3. August 2026.