Bellevueplatz
| Bellevue | |
|---|---|
| Offizielle Bezeichnung | Bellevueplatz |
| Ort | Zürich |
| Stadtkreis | Kreis 1 |
| Quartier | Hochschulen |
| Postleitzahl | 8001 |
| Lage | am Ausfluss des Zürichsees in die Limmat |
| Namensgeber | ehemaliges Grandhotel Bellevue |
| Grandhotel Bellevue erbaut | 1856–1858 |
| Bedeutender Ausbau des Platzraums | 19. Jahrhundert |
| Quaibrücke eröffnet | 1884 |
| Nutzung | Verkehrs-, Geschäfts- und Begegnungsplatz |
| ÖV-Haltestelle | Bellevue |
| Tramlinien | 2, 4, 5, 8, 9, 11, 15 |
| Buslinien | 912, 916 |
Das Bellevue, offiziell Bellevueplatz, ist ein zentraler Platz und einer der wichtigsten Verkehrsknoten der Stadt Zürich. Er liegt im Kreis 1 am nordöstlichen Ende des Zürichsees, unmittelbar beim Übergang des Sees in die Limmat. Administrativ gehört das Bellevue zum statistischen Quartier Hochschulen.[1]
Der Platz verbindet die Altstadt, das Zürichseeufer, den Sechseläutenplatz, den Bahnhof Zürich Stadelhofen und die östlichen Stadtquartiere. Mehrere stark frequentierte Strassen- und Tramachsen treffen hier zusammen. Die Haltestelle Bellevue gehört deshalb zu den wichtigsten Knotenpunkten im Netz der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ).[2]
Der Name geht auf das im 19. Jahrhundert errichtete Grandhotel Bellevue zurück. Dessen Gebäude steht noch heute an der Nordseite des Platzes. Das französische Wort Bellevue bedeutet «schöne Aussicht» und verweist auf die damals freie Sicht über den Zürichsee.
Im Zürcher Sprachgebrauch bezeichnet «Bellevue» häufig nicht nur den eigentlichen Bellevueplatz, sondern auch den angrenzenden Sechseläutenplatz und den gesamten Bereich zwischen Rämistrasse, Theaterstrasse, Opernhaus, Utoquai und Quaibrücke.
Lage
Das Bellevue befindet sich am südlichen Ende der rechtsufrigen Zürcher Altstadt.
Unmittelbar westlich beginnt die Quaibrücke, die über den Ausfluss des Zürichsees führt und Bellevue mit dem Bürkliplatz sowie der linksufrigen Innenstadt verbindet.
Im Norden schliesst das Limmatquai an. Nach Osten führt die Rämistrasse in Richtung Kunsthaus Zürich, Universität Zürich, ETH Zürich und Universitätsspital Zürich.
Im Südosten beginnt das Utoquai, das entlang des Zürichsees in Richtung Riesbach und Tiefenbrunnen führt.
Direkt südlich liegt der Sechseläutenplatz mit dem Opernhaus Zürich.
In unmittelbarer Umgebung befinden sich:
- Sechseläutenplatz
- Opernhaus Zürich
- Bahnhof Zürich Stadelhofen
- Quaibrücke
- Limmatquai
- Zürichsee
- Limmat
- Kunsthaus Zürich
- Grossmünster
- Bürkliplatz
Durch diese Lage bildet das Bellevue eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen Zürcher Altstadt und Seeufer.
Name
Der Platz erhielt seinen heute gebräuchlichen Namen vom ehemaligen Grandhotel Bellevue.
Das Hotel wurde ab 1856 nach Plänen des Zürcher Architekten Leonhard Zeugheer errichtet und in mehreren Etappen vollendet. Es entstand an einer damals aussergewöhnlich attraktiven Lage mit freiem Blick über den Zürichsee.[3]
Die zunehmende Bedeutung des Hotels führte dazu, dass der Name «Bellevue» auf die gesamte Umgebung übertragen wurde.
Ältere Bezeichnungen des Platzbereichs standen teilweise mit dem dortigen Salzhaus und der späteren Tonhalle in Verbindung. Im Laufe des späten 19. Jahrhunderts setzte sich jedoch die Bezeichnung Bellevue durch.
Landschaft vor der Entstehung des Platzes
Der heutige Bellevueplatz ist wesentlich jünger als die Zürcher Altstadt.
Im Mittelalter reichte der Zürichsee deutlich weiter nach Norden und Osten als heute. Grosse Teile der heutigen Platzfläche lagen im Wasser oder unmittelbar am Seeufer.[4]
Die heutige Landfläche entstand schrittweise durch Aufschüttungen.
Der wachsende Platzbedarf der Stadt, die Erweiterung der Befestigungen, neue Hafenanlagen und später der Ausbau der Quaianlagen führten dazu, dass die Uferlinie immer weiter in Richtung See verschoben wurde.
Das heutige Bellevue ist deshalb teilweise ein künstlich geschaffener Stadtraum.
Mittelalterliche Stadtgrenze
Im Mittelalter lag der Bereich ausserhalb beziehungsweise unmittelbar an der südöstlichen Stadtbefestigung.
Die befestigte Stadt Zürich endete ungefähr im Bereich des heutigen Oberdorfs und der Rämistrasse.
Ein Stadtgraben schützte diesen Abschnitt der Stadt. Die heutige Rämistrasse folgt teilweise dem Verlauf dieses ehemaligen Befestigungsbereichs.[4]
Die Lage am Zürichsee besass militärische Bedeutung, weil Angriffe nicht nur auf dem Landweg, sondern auch vom See her möglich waren.
Bollwerk «Auf Dorf»
Im 16. Jahrhundert verstärkte Zürich seine Befestigung am heutigen Bellevue.
Zwischen 1558 und 1562 entstand das sogenannte Bollwerk «Auf Dorf».[4]
Es handelte sich um eine Rundbastion, die für den Einsatz schwerer Artillerie ausgelegt war. Das Bollwerk war mit dem sogenannten Langenöhrlisturm verbunden und lag ursprünglich grösstenteils im Wasser.
Die Anlage bestand aus einer massiven Befestigung mit:
- einem geschlossenen Kasemattenraum;
- Schiessscharten;
- einer Plattform für Geschütze;
- starken Sandsteinmauern.
Das Bollwerk sollte insbesondere Angriffe vom Zürichsee abwehren.
Salzhaus
Mit dem Bau der grossen barocken Stadtbefestigung im 17. Jahrhundert verlor das ältere Bollwerk seine ursprüngliche militärische Bedeutung.
Um 1700 war es mit einem Dach versehen und wurde als Salzhaus genutzt.[4]
Salz war in der frühen Neuzeit ein wirtschaftlich wichtiges Gut. Der Staat kontrollierte den Handel und die Lagerung in erheblichem Umfang.
Der Bereich des späteren Bellevue wurde deshalb zeitweise auch mit dem Salzhandel in Verbindung gebracht.
Kohlepörtli
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Seeufer weiter ausgebaut.
An einer neuen Ufermauer befand sich das sogenannte Kohlepörtli. Über diesen kleinen Hafen beziehungsweise Durchlass wurden Güter vom See in die Stadt transportiert.[4]
Historische Darstellungen aus der Zeit um 1795 zeigen das Gebiet noch als vergleichsweise ruhigen Stadtrand.
Vom heutigen dicht bebauten und stark frequentierten Verkehrsknoten war damals kaum etwas zu erkennen.
Schleifung der Stadtbefestigungen
Nach dem Ende des Ancien Régime verlor die Zürcher Stadtbefestigung zunehmend ihre militärische Funktion.
In den 1830er-Jahren begann der systematische Abbruch grosser Teile der Schanzen.
Die Schleifung der Befestigungen eröffnete neue Möglichkeiten für die städtebauliche Entwicklung. Strassen konnten verbreitert und neue Bauflächen geschaffen werden.
Besonders die spätere Rämistrasse entwickelte sich dadurch von einer Randlage zu einer bedeutenden Verkehrsachse zwischen Innenstadt, Hochschulgebiet und östlichen Vororten.
Seeaufschüttungen des 19. Jahrhunderts
Eine entscheidende Veränderung erfolgte zwischen 1837 und 1840.
Im Gebiet des heutigen Bellevue wurde Land aufgeschüttet, um den städtischen Hafen zu verlegen und zusätzliche Nutzflächen zu gewinnen.[1]
Weitere Aufschüttungen folgten im Verlauf des 19. Jahrhunderts.
Der Bellevueplatz liegt daher heute auf künstlichem Untergrund, der in mehreren Etappen in den ehemaligen See eingebracht wurde.[4]
Mit den Landgewinnungen verschob sich die Uferlinie erheblich nach Süden.
Grandhotel Bellevue
Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich das Gebiet zu einer repräsentativen Adresse zu entwickeln.
Das Grandhotel Bellevue wurde ab 1856 nach Plänen des Architekten Leonhard Zeugheer errichtet.[3]
Das Hotel entstand zunächst als freistehender repräsentativer Bau an einer städtebaulich besonders exponierten Stelle.
Von den Hotelzimmern und Terrassen bestand damals weitgehend freie Sicht auf den Zürichsee und die Alpen.
Die Eröffnung fiel in eine Zeit, in der der Tourismus in der Schweiz stark zunahm. Eisenbahnen, Dampfschiffe und bessere Strassen machten Zürich für internationale Reisende leichter erreichbar.
Das Grandhotel gehörte zu einer Reihe neuer grosser Hotels, die während des 19. Jahrhunderts in der Stadt entstanden.
Der Name des Hotels übertrug sich schliesslich auf den gesamten Platz.[5]
Haus Bellevue
Das Gebäude des ehemaligen Grandhotels ist erhalten.
Es wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach umgebaut. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten grössere Veränderungen.
Nachdem die Hotelnutzung aufgegeben worden war, dienten Teile des Hauses unter anderem als Büro- und Geschäftsräume sowie für ein Kino.
Zwischen 2006 und 2009 wurde das Gebäude umfassend revitalisiert.[3]
Dabei wurden unter anderem:
- die historische Fassade restauriert;
- die ursprüngliche Farbgebung wiederhergestellt;
- eine Arkade auf der Limmatseite wieder geöffnet;
- der historische Hoteleingang rekonstruiert;
- moderne Büro-, Gewerbe- und Wohnräume eingerichtet.
Das Gebäude gehört heute zu den markanten historischen Bauten am Bellevue.
Entwicklung der Rämistrasse
Die städtebauliche Entwicklung des Bellevue war eng mit der Rämistrasse verbunden.
Nach dem Abbruch der Stadtbefestigungen wurde die zuvor wenig bedeutende Verbindung verbreitert.
Eine besonders wichtige Ausbauphase erfolgte 1881.[5]
Die Rämistrasse entwickelte sich anschliessend zu einer wichtigen Umfahrungs- und Verbindungsachse entlang der östlichen Altstadt.
Vom Bellevue führt sie bis heute über Heimplatz, Universität und ETH in Richtung Zürichberg.
Quaianlagen
Zwischen den 1880er-Jahren und dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Ufer des Zürichsees umfassend neu gestaltet.
Die sogenannten Quaibauten gehören zu den bedeutendsten städtebaulichen Projekten Zürichs im 19. Jahrhundert.
Neue Ufermauern, Promenaden, Strassen und Grünanlagen entstanden. Das Gebiet um Bellevue wurde dadurch vollständig in die moderne Stadtstruktur integriert.
Der ehemalige Hafen beim Bellevue wurde um 1880 weitgehend zugeschüttet.[1]
Zwischen 1882 und 1884 wurde das Gebiet im Zusammenhang mit dem Bau der Quaibrücke und des Utoquais erneut umfassend verändert.
Quaibrücke
Die Quaibrücke wurde 1884 eröffnet.
Sie überspannt den Ausfluss des Zürichsees in die Limmat und verbindet Bellevue mit dem Gebiet des heutigen Bürkliplatzes.
Die Brücke war von grosser Bedeutung für die Entwicklung des Zürcher Verkehrsnetzes. Erstmals bestand eine leistungsfähige direkte Verbindung zwischen den beiden Seiten des unteren Seebeckens, ohne durch die engen Strassen der Altstadt fahren zu müssen.
Gemeinsam mit der ausgebauten Rämistrasse machte die Quaibrücke das Bellevue zu einem zentralen Strassenknoten.
Auch für den öffentlichen Verkehr besitzt die Brücke bis heute eine zentrale Bedeutung.
Alte Tonhalle
Unmittelbar südlich des heutigen Bellevue befand sich im 19. Jahrhundert ein grosses Kornhaus.
Das Gebäude wurde in den 1860er-Jahren zu einem Konzert- und Veranstaltungsgebäude umgebaut und als Tonhalle genutzt.
Dort fanden Konzerte, Vereinsveranstaltungen, Vorträge und gesellschaftliche Anlässe statt.
Nach dem Bau der neuen Tonhalle am heutigen General-Guisan-Quai verlor das Gebäude seine Funktion und wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen.
Die freigewordene Fläche entwickelte sich später zum heutigen Sechseläutenplatz.
Opernhaus
Am südöstlichen Rand des Bellevue steht das Opernhaus Zürich.
Das Gebäude entstand 1890 und 1891 als neues Stadttheater und bildete einen repräsentativen Abschluss des Platzraums.[1]
Seit 1964 trägt die Institution den Namen Opernhaus Zürich.
Die Lage des Opernhauses verstärkte die kulturelle Bedeutung des Bellevue. Heute bildet das Gebäude gemeinsam mit Sechseläutenplatz und Bellevue eine der bekanntesten städtebaulichen Situationen der Zürcher Innenstadt.
Entstehung des Verkehrsknotens
Der Ausbau des Bellevue zu einem Verkehrsknoten begann im späten 19. Jahrhundert.
Die neue Quaibrücke, die Rämistrasse, das Limmatquai und die Verkehrsachsen entlang des Zürichsees trafen hier zusammen.
Mit der Einführung der Strassenbahn gewann der Platz zusätzlich an Bedeutung.
Während zunächst Pferdetrams verkehrten, wurde das Zürcher Tramnetz um die Wende zum 20. Jahrhundert zunehmend elektrifiziert.
Das Bellevue entwickelte sich zu einer Drehscheibe, an der verschiedene Linien zusammengeführt und in unterschiedliche Stadtteile verteilt wurden.
Tramknoten Bellevue
Heute gehört die Haltestelle Bellevue zu den wichtigsten Haltestellen der Verkehrsbetriebe Zürich.
Regulär wird sie von den Tramlinien
- 2
- 4
- 5
- 8
- 9
- 11
- 15
bedient.[2]
Hinzu kommen regionale Busverbindungen, darunter die Linien 912 und 916 in Richtung Zollikon und Küsnacht.
Die Linien verbinden Bellevue unter anderem mit:
- Zürich Hauptbahnhof
- Paradeplatz
- Bahnhof Zürich Stadelhofen
- Kunsthaus Zürich
- Oerlikon
- Altstetten
- Tiefenbrunnen
- Wollishofen
- Fluntern
- Hottingen
- Klusplatz
- Rehalp
Bei einer Erhebung im Zusammenhang mit der Sanierung von 2015 bezeichnete die Stadt Zürich Bellevue mit damals rund 76'000 Ein- und Aussteigenden pro Tag als höchstfrequentierte Haltestelle der VBZ.[6]
Tramwartehalle
Ein charakteristisches Bauwerk des Bellevue ist die zentrale Tramwartehalle.
Die heutige historische Anlage entstand Ende der 1930er-Jahre nach Plänen des damaligen Zürcher Stadtbaumeisters Hermann Herter.
Das langgestreckte, teilweise gerundete Gebäude verbindet Funktionen als Wartehalle, Kiosk und Dienstgebäude.
Seine zurückhaltende moderne Architektur gehört heute fest zum Erscheinungsbild des Platzes.
Das sogenannte Rondell steht unter Denkmalschutz.
Bei späteren Erneuerungen der Haltestellen wurde darauf geachtet, neue Wartedächer gestalterisch auf das historische Rondell abzustimmen.[7]
Strassenverkehr
Neben dem öffentlichen Verkehr ist Bellevue ein wichtiger Knoten des städtischen Strassennetzes.
Hier treffen mehrere Hauptachsen aufeinander:
| Verkehrsachse | Richtung |
|---|---|
| Limmatquai | Altstadt, Central |
| Rämistrasse | Kunsthaus, Hochschulen, Zürichberg |
| Theaterstrasse | Stadelhofen |
| Utoquai | Riesbach, Tiefenbrunnen |
| Quaibrücke | Bürkliplatz, westliche Innenstadt |
Die Kombination aus Tram-, Auto-, Velo- und Fussverkehr macht Bellevue zu einem verkehrstechnisch anspruchsvollen Stadtbereich.
Verkehrsbelastung im 20. Jahrhundert
Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte Bellevue zu den verkehrsreichsten Plätzen Zürichs.
Eine städtische Verkehrszählung von 1931 registrierte während einer rund 14-stündigen Beobachtungszeit mehr als 20'000 Fahrzeuge, darunter 3640 Strassenbahnwagen.[8]
Neben Motorfahrzeugen spielten damals Fahrräder eine ausserordentlich wichtige Rolle. Auch Pferdefuhrwerke und Handwagen waren noch Teil des Strassenbildes.
Mit der Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Verkehrsbelastung weiter stark zu.
Sanierung 2015
Im Jahr 2015 wurde der gesamte Verkehrsknoten umfassend saniert.
Die Arbeiten umfassten unter anderem:
- Ersatz der Tramgleise;
- Erneuerung von Werkleitungen;
- Erneuerung des Strassenbelags;
- hindernisfreien Ausbau von sechs Tramhaltekanten;
- Bau neuer Wartedächer;
- Anpassung der Verkehrsführung;
- neue Fussgängerschutzinseln;
- Verbesserungen für den Veloverkehr.[6]
Die Arbeiten dauerten rund acht Monate.
Ende November 2015 waren die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen.[9]
Archäologische Untersuchungen 2015
Die Bauarbeiten boten zugleich Gelegenheit für archäologische Untersuchungen.
Im März 2015 kamen bei Werkleitungsarbeiten Reste des historischen Bollwerks «Auf Dorf» zum Vorschein.[4]
Entdeckt wurden Teile der massiven Mauer zwischen dem früheren Langenöhrlisturm und der Rundbastion.
Besonders auffällig waren grosse bossierte Sandsteinquader.
Die Funde bestätigten historische Darstellungen und ermöglichten eine genauere Rekonstruktion der Befestigungsanlage.
Da die heutigen Verkehrsanlagen unmittelbar über historischen Strukturen liegen, werden grössere Tiefbauarbeiten am Bellevue regelmässig archäologisch begleitet.
Bellevue und Sechseläutenplatz
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden Bellevue und Sechseläutenplatz häufig als ein zusammenhängender Ort wahrgenommen.
Städtebaulich handelt es sich jedoch um unterschiedliche Flächen.
Der eigentliche Bellevueplatz wird wesentlich durch Tramhaltestellen, Verkehrsflächen und das historische Rondell geprägt.
Der südlich anschliessende Sechseläutenplatz ist dagegen eine grosse, weitgehend offene Veranstaltungs- und Aufenthaltsfläche.
Seit dessen Neugestaltung und Eröffnung im Jahr 2014 bilden beide Plätze jedoch stärker als zuvor ein zusammenhängendes innerstädtisches Ensemble.
Sechseläuten
Das traditionelle Zürcher Sechseläuten ist eng mit dem Gebiet verbunden.
Der Zunftumzug führt durch die Zürcher Innenstadt und erreicht schliesslich den Sechseläutenplatz unmittelbar beim Bellevue.
Dort wird der Böögg verbrannt.
Während des Sechseläutens werden Bellevue und die angrenzenden Verkehrsachsen teilweise gesperrt beziehungsweise für den öffentlichen Verkehr umorganisiert.
Zehntausende Zuschauerinnen und Zuschauer halten sich während des Festes im Gebiet auf.
Street Parade
Das Bellevue gehört auch zu den zentralen Bereichen der Street Parade.
Die Route der Veranstaltung führt rund um das Zürcher Seebecken.
Am Veranstaltungstag werden die Strassen und Tramstrecken in der Umgebung des Bellevue grossräumig gesperrt. Die VBZ leiten zahlreiche Linien um.[10]
Während der Street Parade gehört das Bellevue zu den am stärksten frequentierten Bereichen der Innenstadt.
Zürich Marathon und weitere Veranstaltungen
Auch andere Grossveranstaltungen beeinflussen den Verkehr am Bellevue.
Beim Zürich Marathon führt die Laufstrecke durch das Gebiet rund um das Seebecken. Bellevue, Quaibrücke und Utoquai werden dafür teilweise für den normalen Strassen- und Tramverkehr gesperrt.[11]
Auch beim Züri Fäscht, beim Zurich Film Festival und anderen Veranstaltungen besitzt das Bellevue eine wichtige Rolle als Zugang und Verkehrsdrehscheibe.
Bahnhof Zürich Stadelhofen
Nur wenige Gehminuten vom Bellevue entfernt liegt der Bahnhof Zürich Stadelhofen.
Der Bahnhof gehört zu den wichtigsten Stationen der S-Bahn Zürich und schafft gemeinsam mit dem Tramknoten Bellevue einen leistungsfähigen Umsteigebereich.
Fahrgäste können zwischen zahlreichen S-Bahn-, Tram-, Bus- und Forchbahnverbindungen wechseln.
Die enge Verbindung zwischen Bellevue und Stadelhofen ist insbesondere für den öffentlichen Verkehr der östlichen Stadtteile von grosser Bedeutung.
Bellevue und Zürichsee
Die Nähe zum Zürichsee gehört zu den wichtigsten Eigenschaften des Platzes.
Vom südlichen Bereich des Bellevue öffnet sich der Blick über das untere Seebecken.
Die Uferpromenaden führen vom Bellevue entlang des Utoquais nach Süden und über die Quaibrücke zum Bürkliplatz.
Damit ist der Platz nicht nur Verkehrsknoten, sondern auch ein Eingang zu den öffentlichen Seeanlagen.
Bei klarem Wetter reicht der Blick über den See bis zu den Voralpen und Alpen.
Bellevuebrunnen
Zum Platzbild gehört auch ein Brunnen mit einer Möwenskulptur.
Der Brunnen greift mit seinem Motiv die unmittelbare Nähe zum Zürichsee auf.
Wie andere Brunnen in der Innenstadt erfüllt er neben seiner gestalterischen Funktion auch die traditionelle Rolle der öffentlichen Trinkwasserversorgung.
Café Odeon
Unmittelbar beim Bellevue befindet sich das historische Café Odeon.
Das Kaffeehaus wurde 1911 eröffnet und entwickelte sich zu einem bekannten Treffpunkt von Kunstschaffenden, Schriftstellern, Intellektuellen und politischen Emigranten.
Zu den Personen, die mit dem Odeon in Verbindung gebracht werden, gehören zahlreiche bekannte Persönlichkeiten des frühen 20. Jahrhunderts.
Durch seine Lage gegenüber dem Bellevue wurde das Café zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in diesem Teil der Innenstadt.
Das Odeon-Gebäude bildet gleichzeitig einen markanten Abschluss der Rämistrasse zum Platz.
Gastronomie und Stadtleben
Bellevue gehört zu den lebendigsten Bereichen der Zürcher Innenstadt.
In der unmittelbaren Umgebung befinden sich zahlreiche:
- Restaurants;
- Cafés;
- Bars;
- Geschäfte;
- Hotels;
- Kinos und Kulturangebote.
Die Kombination aus Verkehrsknoten, Opernhaus, Seeufer und Altstadt sorgt während des gesamten Tages für eine hohe Besucherfrequenz.
Auch am Abend bleibt das Gebiet stark belebt.
Fussverkehr
Bellevue besitzt eine zentrale Funktion für den Fussverkehr.
Von hier führen direkte Wege:
- über die Quaibrücke zum Bürkliplatz;
- über das Limmatquai in die Altstadt;
- zum Grossmünster;
- über den Sechseläutenplatz zum Opernhaus;
- zum Bahnhof Stadelhofen;
- entlang des Utoquais zum Zürichsee;
- über die Rämistrasse zum Kunsthaus.
Die zahlreichen Verkehrsströme machen sichere Fussgängerquerungen besonders wichtig.
Bei der Sanierung von 2015 wurden deshalb mehrere Übergänge neu gestaltet und Schutzinseln eingerichtet.[7]
Veloverkehr
Bellevue ist auch ein wichtiger Knoten im Zürcher Velonetz.
Die Verbindung über die Quaibrücke gehört zu den bedeutenden Querungen zwischen der linken und rechten Seite des Seebeckens.
Weitere Veloverbindungen führen über Utoquai, Rämistrasse und Limmatquai.
Der begrenzte Strassenraum und die Vielzahl von Tramgleisen stellen für den Veloverkehr besondere Herausforderungen dar.
Im Rahmen von Sanierungen wurden deshalb verschiedene Radstreifen und Verkehrsführungen angepasst.
Bellevue als Stadtraum
Anders als klassische repräsentative Plätze wie Paradeplatz oder Sechseläutenplatz wird das Bellevue stark vom Verkehr geprägt.
Die eigentliche Platzfläche wird von Tramgleisen, Haltestellen, Verkehrsinseln und Strassen durchzogen.
Trotzdem besitzt das Bellevue eine ausgeprägte räumliche Identität.
Dazu tragen insbesondere bei:
- das historische Haus Bellevue;
- das Tramrondell;
- die Sicht zum Zürichsee;
- das Opernhaus;
- der angrenzende Sechseläutenplatz;
- die Quaibrücke;
- das Odeon-Haus.
Das Bellevue funktioniert deshalb weniger als geschlossener Platz und stärker als urbanes Gelenk zwischen mehreren Stadträumen.
Bedeutung für Zürich
Das Bellevue gehört zu den bekanntesten Orten Zürichs.
Seine Bedeutung beruht auf der Verbindung verschiedener Funktionen.
Es ist gleichzeitig:
- einer der wichtigsten Tramknoten der Stadt;
- Eingang zur Zürcher Altstadt;
- Verbindung zwischen Altstadt und Zürichsee;
- Zugang zum Opernhaus und Sechseläutenplatz;
- wichtiger Fuss- und Veloverkehrsknoten;
- historischer Standort der Zürcher Stadtbefestigung;
- Bestandteil der im 19. Jahrhundert entstandenen Quaianlagen.
Die Geschichte des Bellevue dokumentiert exemplarisch den Wandel Zürichs.
Aus einem teilweise im Zürichsee gelegenen Randbereich der mittelalterlichen Stadt wurde zunächst ein Befestigungs- und Hafenareal, im 19. Jahrhundert ein repräsentativer Hotel- und Verkehrsstandort und schliesslich einer der am stärksten frequentierten öffentlichen Räume der modernen Stadt.
Zeittafel
| Zeitraum/Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Mittelalter | Gebiet liegt teilweise im Zürichsee und vor der Stadtbefestigung |
| 1558–1562 | Bau des Bollwerks «Auf Dorf» |
| um 1700 | ehemaliges Bollwerk wird als Salzhaus genutzt |
| um 1795 | Kohlepörtli und ausgebaute Ufermauer |
| 1830er-Jahre | Abbruch grosser Teile der Zürcher Stadtbefestigung |
| 1837–1840 | umfangreiche Landaufschüttungen im Gebiet Bellevue |
| ab 1856 | Bau des Grandhotels Bellevue |
| 1880 | ehemaliger Hafen wird weitgehend aufgeschüttet |
| 1881 | Ausbau der Rämistrasse |
| 1882–1884 | Neugestaltung im Zusammenhang mit den Quaibauten |
| 1884 | Eröffnung der Quaibrücke |
| 1890–1891 | Bau des heutigen Opernhauses |
| frühes 20. Jahrhundert | Ausbau zum bedeutenden Tramknoten |
| 1930er-Jahre | Bau der charakteristischen Tramwartehalle |
| 2006–2009 | Revitalisierung des Hauses Bellevue |
| 2014 | Eröffnung des neugestalteten Sechseläutenplatzes |
| 2015 | umfassende Sanierung der Tram- und Strassenanlagen; archäologische Funde |
Siehe auch
- Sechseläutenplatz
- Hochschulen (Zürich)
- Kreis 1 (Zürich)
- Altstadt (Zürich)
- Quaibrücke
- Opernhaus Zürich
- Bahnhof Zürich Stadelhofen
- Limmatquai
- Zürichsee
- Limmat
- Verkehrsbetriebe Zürich
- Sechseläuten
- Street Parade
- Geschichte der Stadt Zürich
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Stadt Zürich, Statistik: Quartierspiegel Hochschulen, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Verkehrsbetriebe Zürich: VBZ-Beratungsstelle Bellevue, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 SPPA Architekten: Revitalisierung Haus Bellevue Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 Stadt Zürich, Archäologie: Bellevueplatz, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Stadt Zürich, Statistik: Quartierspiegel Rathaus, Ausgabe 2025.
- ↑ 6,0 6,1 Stadt Zürich: Sanierungsarbeiten Bellevue: Start der Hauptarbeiten am 14. April, 7. April 2015.
- ↑ 7,0 7,1 Stadt Zürich: Behindertengerechter Um- und Ausbau des Bellevues, 7. Februar 2014.
- ↑ Statistisches Amt der Stadt Zürich: Zürcher Verkehrszählungen 1931.
- ↑ Stadt Zürich: Abschluss der Bauarbeiten am Bellevue, 23. November 2015.
- ↑ Verkehrsbetriebe Zürich: Street Parade 2026, 8. August 2026.
- ↑ Verkehrsbetriebe Zürich: Zürich Marathon 2026.
Literatur
- Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Hochschulen. Zürich.
- Stadt Zürich, Archäologie: Dokumentationen zum Bellevueplatz und zum Bollwerk «Auf Dorf».
- Stadt Zürich, Tiefbauamt: Dokumentationen zur Sanierung Bellevue und Quaibrücke.
- Stadtarchiv Zürich: Pläne und Bilddokumente zu den Zürcher Quaianlagen.
- Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich: Dokumentationen zum Bellevue und zum Haus Bellevue.
Weblinks
- Stadt Zürich: Archäologie Bellevueplatz
- Quartierspiegel Hochschulen
- Verkehrsbetriebe Zürich
- Stadt Zürich
Wikimedia Commons: Medien zu Bellevueplatz