Kunsthaus Zürich

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Kunsthaus Zürich
Art Kunstmuseum und Ausstellungshaus
Gründung 1787 als Zürcher Künstlergesellschaft
Eröffnung am Heimplatz 17. April 1910
Trägerschaft Zürcher Kunstgesellschaft
Direktorin Ann Demeester
Präsident der Kunstgesellschaft Philipp Hildebrand
Architekten Karl Moser, Gebrüder Pfister, Erwin Müller, David Chipperfield
Sammlung Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart
Bestand Rund 4'000 Gemälde und Skulpturen sowie rund 95'000 grafische Werke
Besuchende 539'953 Eintritte im Jahr 2025
Adresse Heimplatz, 8001 Zürich
Website kunsthaus.ch

Das Kunsthaus Zürich ist ein Kunstmuseum und Ausstellungshaus am Heimplatz in der Stadt Zürich. Es wird von der Zürcher Kunstgesellschaft getragen und vereinigt eine umfangreiche öffentliche Sammlung mit wechselnden Ausstellungen. Die Bestände reichen von mittelalterlicher Kunst über Schweizer Malerei, den französischen Impressionismus, die klassische Moderne und den Dadaismus bis zur internationalen Gegenwartskunst.

Mit dem 2021 eröffneten Erweiterungsbau des britischen Architekten David Chipperfield wurde die Ausstellungsfläche des Museums wesentlich vergrössert. Zusammen mit den älteren Gebäuden bildet die Anlage nach Angaben des Kunsthauses das flächenmässig grösste Kunstmuseum der Schweiz.[1]

Das Kunsthaus besitzt rund 4'000 Gemälde und Skulpturen sowie ungefähr 95'000 grafische Werke. Etwa 1'000 Werke werden dauerhaft oder in wechselnden Sammlungspräsentationen gezeigt.[2] Neben dem eigenen Bestand präsentiert das Museum bedeutende private Dauerleihgaben, darunter die Sammlungen von Gabriele und Werner Merzbacher, Hubert Looser, Karin und Ferdinand Knecht sowie die Sammlung Emil Bührle.

Trägerschaft und Auftrag

Das Kunsthaus wird von der Zürcher Kunstgesellschaft betrieben. Der privatrechtlich organisierte Kunstverein entstand aus einer 1787 gegründeten Vereinigung von Künstlern und Kunstfreunden. Mit mehr als 22'000 Mitgliedern gehört die Zürcher Kunstgesellschaft zu den grössten Kunstvereinen Europas.[3]

Im Vorstand der Kunstgesellschaft sind private Mitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Hand tätig. Der Vorstand bestimmt die strategische Ausrichtung und wählt die Direktion.

Das Kunsthaus versteht sich gleichzeitig als:

  • Museum mit eigener Sammlung;
  • Ausstellungshaus für nationale und internationale Kunst;
  • Forschungs- und Dokumentationsstätte;
  • Zentrum für Kunstvermittlung und kulturelle Bildung;
  • öffentlicher Begegnungsort.

Anders als zahlreiche historische Kunstmuseen entstand das Kunsthaus nicht aus einer fürstlichen oder staatlichen Sammlung. Sein Aufbau beruhte wesentlich auf dem Engagement von Künstlern, Kunstfreunden, Sammlern, Stiftungen und der Zürcher Bevölkerung.

Die Liegenschaften werden von der rechtlich eigenständigen Stiftung Zürcher Kunsthaus erhalten und verwaltet. Sie ist von der Zürcher Kunstgesellschaft als Betreiberin des Museums zu unterscheiden.[3]

Geschichte

Anfänge der Zürcher Künstlergesellschaft

Die Geschichte des Kunsthauses begann 1787 mit einem Kreis von Zürcher Künstlern und Kunstliebhabern. Die Mitglieder trafen sich regelmässig zum Austausch über Kunst und zur gegenseitigen Förderung.

1794 begann die Gesellschaft mit dem Aufbau einer eigenen Sammlung. Für ein sogenanntes Malerbuch stifteten die Mitglieder Zeichnungen oder grafische Blätter. Daraus entstand ein wachsender Bestand an Arbeiten auf Papier.

1812 erwarb die Künstlergesellschaft auf Kredit ein Anwesen, das als Gesellschaftshaus, Versammlungsort und Wirtschaft diente. Das Gebäude wurde als Künstlergüetli bekannt.

Durch eine internationale Sammelaktion gelang es 1818, das Gessnerische Gemählde-Cabinet für Zürich zu sichern. Es enthielt Gouachen und Zeichnungen des Zürcher Dichters und Malers Salomon Gessner.[4]

Erstes Museumsgebäude

Die seit 1840 vom Schweizerischen Kunstverein veranstalteten Turnusausstellungen zeigten, dass die bestehenden Räume nicht mehr ausreichten. 1847 wurde das Künstlergüetli deshalb durch einen kleinen Galerietrakt des Architekten Gustav Albert Wegmann erweitert.

Eine wichtige frühe Schenkung war die 1854 übergebene Sammlung des Obersten Keller zum Mohrenkopf. Sie bot einen Überblick über die Zürcher Malerei von Hans Asper bis ins 18. Jahrhundert.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wuchs die Sammlung durch Käufe, Schenkungen und Nachlässe. Zugleich veranstaltete die Kunstgesellschaft immer häufiger Ausstellungen zeitgenössischer Schweizer und ausländischer Kunst.

Moser-Bau am Heimplatz

Zwischen 1907 und 1910 entstand am Heimplatz nach Plänen von Karl Moser ein neues Museumsgebäude. Die feierliche Eröffnung fand am 17. April 1910 statt.[5]

Der sogenannte Moser-Bau verband repräsentative Architektur mit funktionalen Ausstellungssälen. Seine Natursteinfassade, die monumentale Eingangssituation und die geometrische Gliederung prägten das Erscheinungsbild des Kunsthauses.

Erster Konservator und späterer Direktor des neuen Museums war Wilhelm Wartmann, der das Kunsthaus von 1909 bis 1949 leitete. Wegen der zunächst begrenzten finanziellen Mittel setzte er Schwerpunkte bei Schweizer Kunst, spätgotischer Malerei und Werken von Johann Heinrich Füssli.

1917 gründete Alfred Rüetschi die Vereinigung Zürcher Kunstfreunde. Anlass war eine grosse Ausstellung von Ferdinand Hodler, bei der deutlich wurde, dass die Ankaufsmittel des Kunsthauses für bedeutende Erwerbungen nicht ausreichten. Die Vereinigung unterstützt die Sammlung seither durch Ankäufe, Schenkungen und Dauerleihgaben.

1920 gelangte durch das Legat von Hans Schuler erstmals eine bedeutende Gruppe französischer Impressionisten und Postimpressionisten in das Kunsthaus. Dazu gehörten Werke von Pierre-Auguste Renoir, Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Pierre Bonnard.

1922 organisierte Wartmann eine Ausstellung von Edvard Munch. Daraus entwickelte sich ein bedeutender Bestand an Werken des norwegischen Künstlers.

1925 erweiterte Karl Moser das Museumsgebäude um zusätzliche Säle, Arbeitsräume, Depots und einen Lesesaal.

Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg

René Wehrli übernahm 1950 die Leitung des Kunsthauses. Unter ihm wurde besonders die französische Kunst seit Claude Monet ausgebaut. Nach einer Monet-Retrospektive erwarb das Museum zwei grossformatige Seerosenbilder.

1958 wurde ein von den Brüdern Hans und Kurt Pfister entworfener Erweiterungsbau eröffnet. Er umfasste einen grossen, frei unterteilbaren Ausstellungssaal, ein Auditorium und ein Restaurant. Die Realisierung wurde wesentlich durch finanzielle Unterstützung des Industriellen und Kunstsammlers Emil Georg Bührle ermöglicht.[6]

1976 folgte ein weiterer Anbau des Architekten Erwin Müller. Im selben Jahr übernahm Felix Baumann die Direktion.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Sammlung durch zahlreiche Schenkungen, Legate und Stiftungen erweitert. Dazu gehörten unter anderem:

  • die Sammlung niederländischer Malerei des Chemikers Leopold Ružička;
  • die Sammlung moderner Kunst von Erna und Curt Burgauer;
  • die Sammlung Johanna und Walter L. Wolf;
  • die Sammlung alter Meister von Betty und David Koetser;
  • zwölf Gemälde von Monet bis René Magritte aus der Sammlung Walter Haefner;
  • bedeutende Werkgruppen des Dadaismus und der zeitgenössischen Kunst.

Zwischen 2001 und 2005 wurden die bestehenden Museumsgebäude umfassend saniert.

Erweiterungsprojekt

Im Jahr 2002 stellte die Zürcher Kunstgesellschaft erstmals öffentlich Pläne für eine grosse Erweiterung am Heimplatz vor. Ziel war es, mehr Raum für die wachsende Sammlung, internationale Wechselausstellungen und private Dauerleihgaben zu schaffen.

Aus einem Architekturwettbewerb ging das Projekt von David Chipperfield hervor. Die Finanzierung beruhte auf Beiträgen von Stadt und Kanton Zürich sowie umfangreichen privaten Spenden. Fast die Hälfte der Baukosten wurde nach Angaben des Kunsthauses von privater Seite getragen.[1]

Die Bauarbeiten begannen nach vorbereitenden archäologischen Untersuchungen und dem Rückbau bestehender Gebäude. Der Neubau wurde 2020 fertiggestellt und im Herbst 2021 für das Publikum eröffnet.

Architektur

Das Kunsthaus besteht aus mehreren in unterschiedlichen Epochen errichteten Gebäudeteilen.

Moser-Bau

Der 1910 eröffnete Bau von Karl Moser bildet den historischen Kern des Museums. Er steht an der Westseite des Heimplatzes und ist durch eine helle Natursteinfassade, grosse Rundbogenfenster und eine repräsentative Eingangshalle gekennzeichnet.

Der Moser-Bau wurde 1925 durch denselben Architekten erweitert. Er beherbergt heute insbesondere Teile der älteren Sammlung, Schweizer Kunst sowie Werke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Vor dem Haupteingang befindet sich der Bronzeguss von Auguste Rodins monumentaler Skulpturengruppe Das Höllentor.

Pfister-Bau

Der 1958 eröffnete Pfister-Bau ergänzte das Museum um einen grossen, flexibel nutzbaren Ausstellungssaal. Seine Entstehung war eng mit dem wachsenden internationalen Ausstellungsprogramm des Kunsthauses verbunden.

Der Bau enthielt neben Ausstellungssälen ein Auditorium und gastronomische Räume. Seine sachlich-moderne Architektur unterscheidet sich deutlich vom älteren Moser-Bau.

Müller-Bau

Der 1976 eröffnete Anbau von Erwin Müller schuf weitere Ausstellungs-, Depot- und Arbeitsflächen. Er wurde in das bestehende Gebäudeensemble integriert und diente besonders der Präsentation moderner und zeitgenössischer Kunst.

Chipperfield-Bau

Der von David Chipperfield entworfene Erweiterungsbau steht dem historischen Kunsthaus auf der gegenüberliegenden Seite des Heimplatzes gegenüber. Der klare, kubische Baukörper ist mit vertikalen Elementen aus hellem Kalkstein gegliedert.

Im Innern bildet eine hohe, lichtdurchflutete Eingangshalle das räumliche Zentrum. Von ihr aus werden die Ausstellungsgeschosse, Veranstaltungsräume, Museumsshops und gastronomischen Angebote erschlossen.

Die wichtigsten inhaltlichen Schwerpunkte des Neubaus sind:

  • Kunst seit den 1960er-Jahren;
  • mittelgrosse Wechselausstellungen;
  • private Dauerleihgaben;
  • die Sammlung Emil Bührle;
  • grosszügige Räume für Kunstvermittlung und Veranstaltungen.

Mit dem Neubau wurde der Anteil der dauerhaft gezeigten Sammlungswerke zunächst auf etwa 700 verdoppelt. Gemeinsam mit wechselnden Präsentationen können heute rund 1'000 Werke aus den Beständen gezeigt werden.[1][2]

Der Chipperfield-Bau wurde sowohl für seine ruhige Monumentalität und die Qualität seiner Innenräume gelobt als auch wegen seiner Grösse, Kosten und städtebaulichen Wirkung diskutiert.

Sammlung

Die Sammlung des Kunsthauses umfasst mehr als acht Jahrhunderte Kunstgeschichte. Sie enthält Gemälde, Skulpturen, Installationen, Fotografien, Videos, digitale Arbeiten und einen umfangreichen Bestand an Zeichnungen und Druckgrafik.[7]

Mittelalter und alte Meister

Der ältere Sammlungsbestand umfasst spätmittelalterliche Tafelmalerei, Skulpturen und Werke europäischer Meister vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.

Zu den vertretenen Künstlern gehören unter anderem:

Die Sammlung niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts wurde insbesondere durch die Stiftung von Leopold Ružička und die Sammlung Koetser erweitert.

Schweizer Kunst

Das Kunsthaus besitzt einen der bedeutendsten Bestände schweizerischer Kunst. Ein Schwerpunkt liegt auf Werken des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Vertreten sind unter anderem:

Zu den bekanntesten Schweizer Gemälden gehört Rudolf Kollers Die Gotthardpost von 1873.

Das Kunsthaus arbeitet eng mit der Alberto-Giacometti-Stiftung zusammen. Dadurch befindet sich in Zürich eine aussergewöhnlich umfangreiche Werkgruppe des Bündner Bildhauers und Malers.

Impressionismus und klassische Moderne

Der Bestand französischer Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gehört zu den international bekanntesten Bereichen des Kunsthauses.

Er umfasst Werke von:

  • Édouard Manet;
  • Claude Monet;
  • Pierre-Auguste Renoir;
  • Paul Cézanne;
  • Vincent van Gogh;
  • Paul Gauguin;
  • Edgar Degas;
  • Henri Matisse;
  • Pablo Picasso;
  • Georges Braque;
  • Marc Chagall.

Die eigene Sammlung wird durch bedeutende Dauerleihgaben ergänzt. Dadurch können wichtige Entwicklungen vom Impressionismus über den Fauvismus und Expressionismus bis zum Kubismus gezeigt werden.

Edvard Munch

Das Kunsthaus besitzt eine bedeutende Werkgruppe von Edvard Munch. Sie wurde seit der von Wilhelm Wartmann organisierten Ausstellung des Jahres 1922 systematisch aufgebaut.

Der Bestand umfasst Gemälde und grafische Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen. Er gehört zu den umfangreichsten Munch-Sammlungen ausserhalb Skandinaviens.[4]

Dadaismus

Zürich war während des Ersten Weltkriegs ein Zentrum des Dadaismus. 1916 entstand im Cabaret Voltaire eine internationale Bewegung, welche traditionelle Vorstellungen von Kunst, Sprache und Gesellschaft infrage stellte.

Das Kunsthaus baute besonders seit 1980 eine umfangreiche Dada-Sammlung auf. Sie enthält Werke und Dokumente von:

Kunst nach 1945

Die Sammlung der Nachkriegskunst reicht vom abstrakten Expressionismus und der Pop Art bis zu Minimal Art, Konzeptkunst, Fotografie, Video und Installation.

Vertreten sind unter anderem:

Der Erweiterungsbau bietet seit 2021 wesentlich mehr Raum für grossformatige Arbeiten, Installationen und zeitbasierte Medien.

Grafische Sammlung

Die Grafische Sammlung umfasst rund 95'000 Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien und weitere Arbeiten auf Papier.

Wegen ihrer Lichtempfindlichkeit können diese Werke meist nur für begrenzte Zeit ausgestellt werden. Wechselnde Präsentationen und digitale Angebote ermöglichen den Zugang zu ausgewählten Beständen.

Zur Einrichtung gehören Fachbibliothek, Archiv und Lesesaal. Sie dienen sowohl der wissenschaftlichen Forschung als auch interessierten Besucherinnen und Besuchern.

Private Sammlungen und Dauerleihgaben

Private Sammlungen haben für das Kunsthaus eine aussergewöhnlich grosse Bedeutung. Schenkungen, Legate und Dauerleihgaben ergänzen die eigenen Bestände.

Sammlung Merzbacher

Die Sammlung von Gabriele und Werner Merzbacher umfasst besonders farbintensive Werke des Fauvismus, Expressionismus und des Blauen Reiters.

Vertreten sind unter anderem Wassily Kandinsky, Franz Marc, Alexej von Jawlensky, André Derain und Henri Matisse. Ein Teil der Sammlung wird seit der Eröffnung des Chipperfield-Baus dauerhaft im Kunsthaus gezeigt.

Sammlung Looser

Die Sammlung Hubert Looser konzentriert sich auf internationale Kunst nach 1945. Sie enthält bedeutende Werkgruppen amerikanischer und europäischer Abstraktion sowie Skulpturen.

Zu den vertretenen Künstlern gehören Willem de Kooning, Cy Twombly, Ellsworth Kelly, Agnes Martin und John Chamberlain.

Sammlung Knecht

Die Sammlung Karin und Ferdinand Knecht ergänzt den Bereich der alten Meister. Sie enthält insbesondere europäische Gemälde vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.

Sammlung Emil Bührle

Die Sammlung Emil Bührle umfasst 205 Werke und konzentriert sich auf den französischen Impressionismus und Postimpressionismus. Hinzu kommen ältere Meister, Werke des Fauvismus, Kubismus und der klassischen Moderne.[8]

Seit 2021 wird ein grosser Teil der Sammlung als Dauerleihgabe im Kunsthaus gezeigt. Zu den vertretenen Künstlern gehören Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Pablo Picasso und Amedeo Modigliani.

Sammlung Bührle und öffentliche Kontroverse

Die Präsentation der Sammlung Emil Bührle löste eine intensive öffentliche Debatte aus. Emil Georg Bührle war nicht nur Kunstsammler und Mäzen, sondern auch Eigentümer eines Rüstungsunternehmens, das insbesondere während des Zweiten Weltkriegs grosse Gewinne mit Waffenlieferungen erzielte.

Umstritten sind zudem die Herkunft und die Erwerbsumstände einzelner Kunstwerke. Ein Teil der Sammlung wurde während der Zeit des Nationalsozialismus und in den unmittelbaren Nachkriegsjahren aufgebaut. Dabei stellen sich Fragen nach Raubkunst, Fluchtgut und Verkäufen jüdischer Sammlerinnen und Sammler unter dem Druck der Verfolgung.

Kritisiert wurden insbesondere:

  • die anfängliche historische Einordnung der Sammlung im Erweiterungsbau;
  • die institutionelle Abhängigkeit von den Angaben der Eigentümerstiftung;
  • die Transparenz der Provenienzforschung;
  • die Darstellung von Bührles Rüstungsgeschäften;
  • die Verantwortung eines öffentlich unterstützten Museums gegenüber den früheren Eigentümern und deren Nachkommen.

Das Kunsthaus überarbeitete die Präsentation ab 2023 grundlegend. Unter dem Titel Eine Zukunft für die Vergangenheit – Sammlung Bührle: Kunst, Kontext, Krieg und Konflikt wurden Kunstwerke, Provenienzen und historische Zusammenhänge gemeinsam thematisiert.

2023 verabschiedete die Zürcher Kunstgesellschaft eine neue Provenienzstrategie. Sie orientiert sich an den Washingtoner Prinzipien von 1998, der Erklärung von Terezín von 2009 und den ethischen Richtlinien des Internationalen Museumsrats.[9]

Seit dem 1. April 2026 führt das Kunsthaus ein auf fünf Jahre angelegtes Forschungsprojekt zu den 205 Werken der Stiftung Sammlung E. G. Bührle durch. Dazu gehören:

  • die erneute Prüfung der Provenienzen;
  • die Digitalisierung und Erschliessung des Stiftungsarchivs;
  • Untersuchungen zu den Schicksalen früherer Eigentümer;
  • Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich;
  • öffentliche Vermittlung der Forschungsergebnisse.[8]

Die Auseinandersetzung mit der Sammlung Bührle gilt als Beispiel für die veränderte gesellschaftliche Erwartung an Museen, Herkunftsgeschichten ihrer Werke transparent zu erforschen und bei NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern faire und gerechte Lösungen zu suchen.

Provenienzforschung

Das Kunsthaus untersucht die Herkunft seiner eigenen Bestände sowie von Dauerleihgaben. Ein Schwerpunkt liegt auf Werken, die zwischen 1933 und 1945 den Besitzer wechselten.

Die Provenienzforschung stützt sich unter anderem auf:

  • Inventare und Ankaufsakten;
  • Korrespondenzen;
  • Auktionskataloge;
  • Händlerarchive;
  • Fotografien und Etiketten auf den Rückseiten von Gemälden;
  • staatliche und private Archive;
  • internationale Datenbanken zu NS-Raubkunst.

Im Jahr 2025 wurden rund 80 Werke neu oder vertieft untersucht. Von den etwa 1'400 Gemälden und Skulpturen, die wegen möglicher Bezüge zum nationalsozialistischen Kunstraub überprüft werden müssen, waren Ende 2025 noch rund 300 zu erforschen.[10]

Die Ergebnisse werden zunehmend in der Online-Sammlung und durch Hinweise in den Ausstellungsräumen veröffentlicht.

Ausstellungen

Das Kunsthaus veranstaltet jährlich mehrere grosse und kleinere Wechselausstellungen. Diese widmen sich historischen Künstlerinnen und Künstlern, Kunstbewegungen, kulturgeschichtlichen Themen und zeitgenössischen Positionen.

Zu den in der Geschichte des Hauses gezeigten Künstlern und Künstlerinnen gehören unter anderem:

  • Ferdinand Hodler;
  • Edvard Munch;
  • Claude Monet;
  • Pablo Picasso;
  • Alberto Giacometti;
  • Marc Chagall;
  • Joan Miró;
  • Marina Abramović;
  • Pipilotti Rist.

Das Ausstellungsprogramm verbindet international bekannte Namen mit weniger bekannten oder neu zu entdeckenden Positionen. Neben monografischen Retrospektiven werden thematische Ausstellungen, Sammlungsinterventionen und interdisziplinäre Projekte gezeigt.

Das digitale Ausstellungarchiv dokumentiert mehr als 1'000 Ausstellungen seit der Eröffnung des Museumsgebäudes im Jahr 1910.

Kunstvermittlung und Bildung

Das Kunsthaus bietet Führungen, Workshops, Vorträge, Gespräche, Schulprogramme und Familienangebote an. Die Vermittlung richtet sich an unterschiedliche Altersgruppen und berücksichtigt verschiedene Bildungs- und Zugangsbedürfnisse.

Zu den Angeboten gehören:

  • Führungen durch Sammlung und Wechselausstellungen;
  • Workshops für Schulklassen;
  • Ferienprogramme;
  • Angebote für Familien und Jugendliche;
  • Veranstaltungen für Menschen mit Demenz;
  • barrierearme Vermittlungsformate;
  • Programme zu Kunst und Gesundheit;
  • digitale Museumsführer.

Im Jahr 2025 nahmen 10'463 Kinder und Jugendliche an 516 Führungen und Workshops teil.[11]

Mit frei zugänglichen Kunstwerken, Veranstaltungen und dem Garten der Kunst versucht das Museum, auch Menschen anzusprechen, die keinen regulären Museumsbesuch planen.

Organisation und Leitung

Die Zürcher Kunstgesellschaft wird von einem Vorstand geleitet. Präsident ist seit Juli 2022 der frühere Präsident der Schweizerischen Nationalbank Philipp Hildebrand.

Direktorin des Kunsthauses ist seit dem 1. Oktober 2022 die belgische Kunsthistorikerin Ann Demeester. Sie folgte auf Christoph Becker, der das Museum seit 2000 geleitet hatte.[4]

Die Geschäftsleitung umfasst die Bereiche Kunst, Betrieb und Publikum. Mehr als 200 Mitarbeitende sind in Sammlung, Ausstellungen, Restaurierung, Forschung, Technik, Sicherheit, Verwaltung, Kommunikation und Kunstvermittlung tätig.[3]

Zu den früheren Direktoren gehörten:

  • Wilhelm Wartmann, 1909–1949;
  • René Wehrli, 1950–1975;
  • Felix Baumann, 1976–2000;
  • Christoph Becker, 2000–2022.

Finanzierung

Das Kunsthaus wird durch eine Kombination aus öffentlichen und privaten Mitteln finanziert. Zu den Einnahmen gehören:

  • Beiträge der Stadt Zürich;
  • Beiträge des Kantons Zürich;
  • Eintrittsgelder;
  • Mitgliederbeiträge;
  • Sponsoring;
  • Spenden und Legate;
  • Erträge aus Veranstaltungen, Shops und Gastronomie;
  • private Stiftungs- und Fördermittel.

Das Museum bezeichnet seine Struktur als öffentlich-private Partnerschaft. Rund die Hälfte der laufenden Kosten wird nach eigenen Angaben durch selbst erwirtschaftete oder private Mittel gedeckt.[12]

Die Erweiterung von 2021 führte zu deutlich höheren Betriebs-, Personal-, Energie-, Sicherheits- und Unterhaltskosten. Trotz hoher Besucherzahlen entstanden strukturelle Defizite.

Am 27. September 2026 entscheiden die Stimmberechtigten der Stadt Zürich über eine Erhöhung der jährlichen Beiträge an die Zürcher Kunstgesellschaft und die Stiftung Zürcher Kunsthaus um 7,3 Millionen Franken auf insgesamt 25,8 Millionen Franken.[12]

Besucherzahlen

Seit der Eröffnung des Chipperfield-Baus verzeichnet das Kunsthaus regelmässig mehr als 500'000 Eintritte pro Jahr.

Im Jahr 2025 wurden an 314 geöffneten Museumstagen 539'953 Eintritte registriert. Es war eines der besucherstärksten Jahre in der Geschichte des Museums. Rund 247'857 Besuche entfielen auf die Sammlung.[11]

Zu den besucherstarken Ausstellungen gehörte die Retrospektive von Marina Abramović mit insgesamt 118'903 Besuchen.

Bedeutung für Zürich und die Schweiz

Das Kunsthaus ist eine der wichtigsten Kulturinstitutionen Zürichs und gehört zu den international bekanntesten Kunstmuseen der Schweiz.

Es prägt den Heimplatz gemeinsam mit dem Schauspielhaus Zürich, der Universität Zürich, der ETH Zürich und der Altstadt als kulturelles und städtebauliches Zentrum.

Für die schweizerische Kunstgeschichte ist das Museum besonders wegen seiner Bestände von Füssli, Böcklin, Hodler, Segantini, Vallotton und Giacometti von Bedeutung.

International bekannt ist das Kunsthaus vor allem für:

  • die Sammlung von Werken Edvard Munchs;
  • den französischen Impressionismus;
  • die Alberto-Giacometti-Sammlung;
  • die Dada-Bestände;
  • private Sammlungen der klassischen Moderne;
  • Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst.

Die Geschichte des Museums zeigt zugleich die grosse Bedeutung privaten Mäzenatentums für das schweizerische Kulturleben. Die Debatte um die Sammlung Bührle verdeutlicht jedoch auch die politischen, historischen und ethischen Probleme, die mit privaten Kunstsammlungen verbunden sein können.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1787 Gründung einer Zürcher Künstlergesellschaft durch Künstler und Kunstfreunde
1794 Beginn des systematischen Aufbaus einer Kunstsammlung
1812 Erwerb des Künstlergüetlis als Gesellschafts- und Ausstellungsort
1818 Erwerb des Gessnerischen Gemählde-Cabinets
1847 Eröffnung eines kleinen Galerietrakts von Gustav Albert Wegmann
1854 Schenkung der Sammlung Keller zum Mohrenkopf
1907 Beginn des Baus des neuen Kunsthauses am Heimplatz
17. April 1910 Eröffnung des Moser-Baus
1917 Gründung der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde
1920 Legat Hans Schuler mit Werken des französischen Impressionismus und Postimpressionismus
1922 Erste grosse Ausstellung von Edvard Munch im Kunsthaus
1925 Erweiterung des Museums durch Karl Moser
1958 Eröffnung des Erweiterungsbaus der Gebrüder Pfister
1976 Eröffnung des Anbaus von Erwin Müller
1980 Ausbau der Dada-Sammlung
2001–2005 Umfassende Sanierung der bestehenden Museumsgebäude
2002 Vorstellung der Pläne für eine grosse Erweiterung am Heimplatz
2020 Fertigstellung des Chipperfield-Baus
2021 Eröffnung des Erweiterungsbaus und Einzug bedeutender privater Dauerleihgaben
2022 Ann Demeester übernimmt die Direktion
2023 Verabschiedung einer neuen Provenienzstrategie und Eröffnung der überarbeiteten Präsentation der Sammlung Bührle
2025 539'953 registrierte Eintritte
1. April 2026 Beginn eines fünfjährigen Forschungsprojekts zu den Provenienzen der Sammlung Emil Bührle
27. September 2026 Vorgesehene Volksabstimmung über eine Erhöhung der städtischen Beiträge

Siehe auch

Literatur

  • Zürcher Kunstgesellschaft: Kunsthaus Zürich. Gesamtkatalog der Gemälde und Skulpturen. Zürich.
  • Felix Baumann: Das Kunsthaus Zürich. Schweizerische Kunstführer, Zürich.
  • Christoph Becker: Kunsthaus Zürich. Die Meisterwerke. Zürich.
  • Lukas Gloor: Die Sammlung Emil Bührle. Geschichte, Gesamtkatalog und 70 Meisterwerke. Hirmer, München 2021.
  • Raphael Gross: Überprüfung der Provenienzforschung der Stiftung Sammlung E. G. Bührle. Bericht im Auftrag von Stadt und Kanton Zürich sowie der Zürcher Kunstgesellschaft, 2024.
  • David Chipperfield Architects: Kunsthaus Zürich Extension. Zürich und London.
  • Esther Tisa Francini, Anja Heuss und Georg Kreis: Fluchtgut – Raubgut. Der Transfer von Kulturgütern in und über die Schweiz 1933–1945 und die Frage der Restitution. Chronos, Zürich 2001.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Kunsthaus Zürich: Erweiterung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Kunsthaus Zürich: Die Sammlung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Kunsthaus Zürich: Organisation, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 Kunsthaus Zürich: Geschichte des Kunsthaus, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Kunsthaus Zürich: Architekturführung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Kunsthaus Zürich: Architekturführung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Kunsthaus Zürich: Die Sammlung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. 8,0 8,1 Kunsthaus Zürich: Sammlung Emil Bührle, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Kunsthaus Zürich: Provenienzforschung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  10. Kunsthaus Zürich: Jahresbericht 2025: Provenienzforschung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  11. 11,0 11,1 Kunsthaus Zürich: Jahresbericht 2025: Kunsthaus-Besuch, abgerufen am 23. Juli 2026.
  12. 12,0 12,1 Kunsthaus Zürich: Volksabstimmung über die städtischen Beiträge, abgerufen am 23. Juli 2026.