Opernhaus Zürich

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Opernhaus Zürich
Frühere Bezeichnung Stadttheater Zürich
Art Opern-, Ballett- und Konzerthaus
Ort Zürich, Kanton Zürich, Schweiz
Adresse Falkenstrasse 1, 8008 Zürich
Lage Sechseläutenplatz, nahe Bellevue
Vorgänger Actien-Theater am Hirschengraben
Eröffnung 30. September 1891
Eröffnungswerk Lohengrin von Richard Wagner
Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer
Baustil Historismus mit neobarocken und neoklassizistischen Elementen
Plätze ungefähr 1'100 bis 1'200, abhängig von der Grösse des Orchestergrabens
Renovation und Erweiterung 1982–1984
Trägerschaft Opernhaus Zürich AG
Hauptsubventionsgeber Kanton Zürich
Intendant Matthias Schulz
Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda
Ballettdirektorin Cathy Marston
Kaufmännischer Direktor Marc Meyer
Orchester Orchester der Oper Zürich
Ballettkompanie Ballett Zürich
Website opernhaus.ch

Das Opernhaus Zürich ist ein Opern-, Ballett- und Konzerthaus in der Schweizer Stadt Zürich. Es steht am Sechseläutenplatz zwischen dem Bellevue, dem Bahnhof Zürich Stadelhofen und dem Ufer des Zürichsees. Das Haus zählt zu den bedeutendsten Musiktheatern Europas und ist die grösste Kulturinstitution der Schweiz.

Das heutige Gebäude wurde 1890 und 1891 nach Plänen des Wiener Architekturbüros Fellner und Helmer errichtet. Es wurde am 30. September 1891 als Stadttheater Zürich eröffnet und trägt seit 1964 den Namen Opernhaus Zürich. Der Zuschauerraum bietet je nach Grösse des Orchestergrabens ungefähr 1'100 bis 1'200 Plätze.

Zum künstlerischen Betrieb gehören die Oper, das Ballett Zürich, das Orchester der Oper Zürich, der Opernchor, das Barockensemble La Scintilla sowie verschiedene Nachwuchs-, Vermittlungs- und Ausbildungsprogramme. Das Repertoire reicht von der Barockoper über Werke der Klassik und Romantik bis zum zeitgenössischen Musiktheater.

Trägerin und Eigentümerin der Institution ist die Opernhaus Zürich AG. Die Aktiengesellschaft geht auf die 1830 gegründete Theater-Actiengesellschaft zurück. Hauptsubventionsgeber ist seit 1995 der Kanton Zürich.[1]

Lage

Das Opernhaus befindet sich im Zürcher Stadtkreis 1 am nordöstlichen Ende des Zürichsees.

Die Hauptfassade ist auf den Sechseläutenplatz ausgerichtet. Unmittelbar östlich des Gebäudes verlaufen die Falkenstrasse und die Bahnlinie zum Bahnhof Zürich Stadelhofen. Südlich liegt das Utoquai, westlich befinden sich Bellevue und das untere Seebecken.

Das Gebiet gehört zu den wichtigsten öffentlichen Räumen der Stadt. Der Sechseläutenplatz dient als Veranstaltungsort für das Sechseläuten, Filmvorführungen, Festivals, politische Kundgebungen und weitere Grossanlässe.

Das Opernhaus ist durch den Bahnhof Stadelhofen, den Verkehrsknoten Bellevue sowie zahlreiche Tram-, Bus- und Schiffsverbindungen gut erreichbar.

Vorgeschichte

Theaterleben vor 1834

Zürich verfügte im Vergleich mit anderen europäischen Städten lange über kein dauerhaftes öffentliches Theater.

Theateraufführungen fanden in Zunfthäusern, Gasthöfen, privaten Gebäuden und zeitweilig errichteten Bühnen statt. Wandertruppen zeigten Schauspiel, Singspiel und Oper, ohne dass ihnen ein festes Ensemble oder ein dauerhaft eingerichteter Theaterbau zur Verfügung stand.

Der Aufbau eines stehenden Theaters wurde zunächst durch religiöse Vorbehalte, begrenzte finanzielle Mittel und die geringe Grösse der Stadt erschwert.

Im frühen 19. Jahrhundert gewann das städtische Bürgertum wirtschaftlich und kulturell an Bedeutung. Der Wunsch nach einem regelmässigen Theaterbetrieb führte schliesslich zur Gründung einer privaten Aktiengesellschaft.

Actien-Theater

1830 wurde die Theater-Actiengesellschaft gegründet. Sie liess die ehemalige Kirche des aufgehobenen Barfüsserklosters am Hirschengraben in ein Theater umbauen.

Das Actien-Theater wurde am 10. November 1834 mit Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Zauberflöte eröffnet. Der Zuschauerraum bot ungefähr 800 Plätze.

Das Haus war das erste dauerhaft betriebene Theater der Stadt Zürich. Auf dem Spielplan standen:

  • Schauspiel;
  • Oper;
  • Singspiel;
  • Operette;
  • Ballett;
  • Konzerte;
  • Gastspiele ausländischer Ensembles.

Das Actien-Theater besass zunächst kein mit grossen Hoftheatern vergleichbares festes Ensemble. Der Betrieb beruhte teilweise auf wechselnden Gesellschaften und Gastkünstlern.

Richard Wagner in Zürich

Der deutsche Komponist Richard Wagner lebte nach seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand von 1849 im politischen Exil in Zürich.

Während seines fast zehnjährigen Aufenthalts trat er wiederholt als Dirigent im Actien-Theater auf. Er leitete eigene Werke und Kompositionen anderer Musiker und war eng mit dem Zürcher Musikleben verbunden.

In Zürich arbeitete Wagner unter anderem an den theoretischen Schriften Das Kunstwerk der Zukunft und Oper und Drama. Ausserdem entstanden wesentliche Teile der Konzeption seines Zyklus Der Ring des Nibelungen.

Seine Tätigkeit gehört zu den bedeutendsten Episoden in der Geschichte des Zürcher Actien-Theaters.

Brand des Actien-Theaters

In der Silvesternacht vom 31. Dezember 1889 auf den 1. Januar 1890 brach im Actien-Theater ein Feuer aus.

Das Gebäude brannte vollständig aus. Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten das Theater rechtzeitig verlassen, sodass keine grosse Personentragödie entstand. Vom Bau blieb jedoch nur eine Ruine zurück.

Bereits am 18. Januar 1890 beschloss die Generalversammlung der Theater-Actiengesellschaft, ein neues Theater zu errichten.

Als Standort wurde ein Gelände am damaligen Theaterplatz nahe dem Zürichsee ausgewählt. Der Standort lag ausserhalb des mittelalterlichen Stadtkerns, aber in unmittelbarer Nähe der neuen repräsentativen Seeanlagen und der wachsenden Stadtquartiere.

Bau des Stadttheaters

Architekten

Mit der Planung wurde das Wiener Büro von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer beauftragt.

Fellner und Helmer gehörten zu den erfolgreichsten Theaterarchitekten Europas. Das Büro entwarf zahlreiche Opern- und Schauspielhäuser in der Habsburgermonarchie und in anderen europäischen Staaten.

Zu seinen Bauten gehören Theater in:

  • Wien;
  • Prag;
  • Budapest;
  • Zagreb;
  • Wiesbaden;
  • Odessa;
  • Karlsbad;
  • Brünn;
  • Augsburg.

Der für Zürich verwendete Entwurf war ursprünglich für ein Theaterprojekt in Krakau ausgearbeitet worden. Durch die bereits weit fortgeschrittene Planung konnte der Neubau in ungewöhnlich kurzer Zeit verwirklicht werden.

Baugrund

Die Nähe zum Zürichsee stellte hohe Anforderungen an die Gründung des Gebäudes.

Der Untergrund bestand aus weichen, wassergesättigten Ablagerungen. Das Fundament wurde deshalb auf 1'868 Eichenpfählen errichtet, die in den Untergrund gerammt wurden.

Solange die Holzpfähle vollständig unterhalb des Grundwasserspiegels bleiben und nicht mit Sauerstoff in Kontakt kommen, können sie über sehr lange Zeiträume tragfähig bleiben.

Bauzeit und Finanzierung

Das Theater wurde in nur 16 Monaten errichtet.

Die Baukosten betrugen knapp zwei Millionen Franken. Der Neubau wurde grösstenteils durch private Aktionäre und Spender finanziert.

Das Gebäude verfügte bereits bei seiner Eröffnung über elektrische Beleuchtung und einen Telefonanschluss. Diese technischen Einrichtungen waren für ein europäisches Theater des späten 19. Jahrhunderts fortschrittlich.[2]

Eröffnung

Das neue Stadttheater wurde am 30. September 1891 feierlich eröffnet.

Als Eröffnungsoper wurde Richard Wagners Lohengrin gespielt. Die Wahl erinnerte an die enge Verbindung des Komponisten mit Zürich.

Das Stadttheater war zunächst ein Mehrspartentheater. Es zeigte sowohl Musiktheater als auch Schauspiel, Operette, Ballett und Konzerte.

Das neue Gebäude entwickelte sich rasch zu einem wichtigen gesellschaftlichen Treffpunkt des Zürcher Bürgertums. Theaterbesuche dienten nicht nur dem Kunstgenuss, sondern auch der öffentlichen Repräsentation und gesellschaftlichen Begegnung.

Architektur

Äusseres Erscheinungsbild

Das Gebäude ist ein historistischer Theaterbau mit neobarocken und neoklassizistischen Elementen.

Die Hauptfassade ist symmetrisch aufgebaut. Ein repräsentativer Mittelteil mit Säulen, Bogenfenstern und reichem Figurenschmuck wird von niedrigeren Seitenflügeln begleitet.

Die helle Fassade hebt sich deutlich von den dunkleren Dächern und den begrünten Anlagen der Umgebung ab.

Die plastische Ausstattung verweist auf Musik, Dichtung und Theater. Figuren, Büsten und allegorische Darstellungen stellen Künstler und Musen dar und unterstreichen den repräsentativen Charakter des Hauses.

Das Gebäude steht im kantonalen Inventar der Denkmalpflege.

Zuschauerraum

Der Zuschauerraum folgt dem traditionellen Typus eines europäischen Rangtheaters.

Er gliedert sich in:

  • Parkett;
  • Parkettgalerie;
  • ersten Rang;
  • zweiten Rang;
  • seitliche Logen und Rangbereiche.

Die Sitzreihen und Ränge sind auf die zentrale Guckkastenbühne ausgerichtet.

Je nach Grösse des Orchestergrabens stehen ungefähr 1'100 bis 1'200 Sitzplätze zur Verfügung. Die vergleichsweise geringe Grösse ermöglicht eine räumliche Nähe zwischen Bühne und Publikum.

Der Zuschauerraum ist reich mit vergoldeten Ornamenten, rotem Stoff, Stuck und dekorativen Malereien ausgestattet.

Bühne

Das Opernhaus besitzt eine klassische Guckkastenbühne. Der Bühnenraum und der Zuschauerraum können durch einen eisernen Vorhang voneinander getrennt werden.

Die Hauptbühne ist ungefähr 34 Meter breit, 23 Meter tief und 18 Meter hoch. Die unmittelbar bespielbare Fläche misst etwa 16 mal 20 Meter.

Zur technischen Ausstattung gehören:

  • Drehbühne;
  • verstellbare Bühnenelemente;
  • Ober- und Untermaschinerie;
  • Seitenbühnen;
  • Hinterbühne;
  • Schnürboden;
  • moderne Beleuchtungs-, Ton- und Videotechnik;
  • Orchestergraben mit veränderbarer Grösse.

Die Bühne wird häufig mehrmals am Tag vollständig umgebaut. Während vormittags oder nachmittags Proben stattfinden, kann am Abend eine andere Produktion gespielt werden.

Erweiterungsbau

Zwischen 1982 und 1984 wurde das Opernhaus grundlegend renoviert und erweitert.

Am Utoquai entstand ein Erweiterungsbau mit zusätzlichen Betriebs-, Proben- und Verwaltungsräumen. Darin wurde auch eine kleinere Studiobühne eingerichtet.

Der Erweiterungsbau sollte die Arbeitsbedingungen verbessern, ohne das denkmalgeschützte Erscheinungsbild des historischen Hauptgebäudes grundlegend zu verändern.

Opernhauskrawalle von 1980

Die geplante Renovation des Opernhauses wurde zum Ausgangspunkt der Zürcher Jugendunruhen von 1980.

Die Stadt plante einen hohen öffentlichen Kredit für die Instandsetzung und Erweiterung des Hauses. Gleichzeitig beklagten Jugendliche und Kulturschaffende, dass für alternative Kultur, Konzerträume und ein autonomes Jugendzentrum kaum Mittel zur Verfügung stünden.

Am 30. Mai 1980 versammelten sich mehrere hundert Menschen vor dem Opernhaus. Zwischen Demonstrierenden und Polizei kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Der sogenannte Opernhauskrawall löste eine monatelange Protestbewegung aus. Die Jugendbewegung verlangte unter anderem:

  • selbstverwaltete Kulturzentren;
  • bezahlbare Veranstaltungsräume;
  • grössere kulturelle Freiräume;
  • weniger polizeiliche Repression;
  • eine breiter ausgerichtete öffentliche Kulturförderung.

Die Ereignisse beeinflussten die Zürcher Kulturpolitik nachhaltig. Sie beschleunigten unter anderem die Entwicklung der Roten Fabrik zu einem dauerhaft subventionierten Kulturzentrum.

Das Opernhaus wurde dabei zum Symbol für die als einseitig empfundene Förderung etablierter Hochkultur, obwohl das Haus selbst nicht der eigentliche Verursacher der gesellschaftlichen Konflikte war.[3]

Entwicklung zum Opernhaus

Trennung von Schauspiel und Musiktheater

Das Stadttheater diente zunächst sowohl dem Schauspiel als auch dem Musiktheater.

Ab 1921 entwickelten sich Schauspiel und Oper institutionell zunehmend getrennt. Das Schauspiel konzentrierte sich später auf das Theater am Pfauen, aus dem das heutige Schauspielhaus Zürich hervorging.

Das Stadttheater am See spezialisierte sich auf:

  • Oper;
  • Operette;
  • Ballett;
  • Konzert.

1964 wurde die Bezeichnung Opernhaus Zürich offiziell eingeführt.

Orchester

Die Musiker des Opernhauses und der Tonhalle bildeten lange einen gemeinsamen Klangkörper.

1985 wurden Opern- und Konzertorchester organisatorisch getrennt. Das Opernhaus erhielt ein eigenes Orchester, das später unter dem Namen Philharmonia Zürich auftrat und heute als Orchester der Oper Zürich bezeichnet wird.

Das Orchester begleitet Opern- und Ballettvorstellungen und veranstaltet eigene Sinfonie-, Kammer- und Sonderkonzerte.

Seit der Spielzeit 2021/22 ist Gianandrea Noseda Generalmusikdirektor. Er leitet zentrale Opernproduktionen und Konzerte und prägt die musikalische Entwicklung des Orchesters.

Für die Spielzeit 2028/29 ist der Schweizer Dirigent Lorenzo Viotti als Nachfolger vorgesehen.[4]

La Scintilla

1995 gründeten Mitglieder des Opernorchesters das Barockensemble La Scintilla.

Das Ensemble spielt auf historischen Instrumenten oder entsprechenden Nachbauten. Es widmet sich insbesondere der historisch informierten Aufführungspraxis des 17. und 18. Jahrhunderts.

La Scintilla begleitet Barockopern und konzertante Programme. Das Ensemble arbeitete mit zahlreichen international bekannten Dirigenten und Sängerinnen zusammen.

Oper

Die Oper bildet den grössten künstlerischen Bereich des Hauses.

Das Repertoire umfasst Werke von:

  • Claudio Monteverdi;
  • Georg Friedrich Händel;
  • Wolfgang Amadeus Mozart;
  • Gioachino Rossini;
  • Gaetano Donizetti;
  • Giuseppe Verdi;
  • Richard Wagner;
  • Giacomo Puccini;
  • Richard Strauss;
  • Leoš Janáček;
  • Alban Berg;
  • Benjamin Britten;
  • zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten.

Das Opernhaus arbeitet im sogenannten Semi-Stagione-System. Verschiedene Produktionen werden innerhalb einer Spielzeit in Aufführungsserien gezeigt. Dadurch können mehrere Werke gleichzeitig geprobt und in rascher Folge gespielt werden.

Neue Inszenierungen wechseln mit Wiederaufnahmen aus dem Repertoire. Zahlreiche Produktionen entstehen als Koproduktionen mit anderen internationalen Opernhäusern.

Zum Ensemble gehören fest engagierte Sängerinnen und Sänger. Für einzelne Produktionen werden internationale Gäste verpflichtet.

Bedeutende Uraufführungen

Das Zürcher Opernhaus war Schauplatz mehrerer bedeutender Ur- und Erstaufführungen.

Auswahl bedeutender Uraufführungen und Erstaufführungen
Jahr Werk Komponist Bedeutung
1933 Der Kreidekreis Alexander von Zemlinsky Uraufführung
1937 Lulu Alban Berg Uraufführung der damals aufführbaren zweiaktigen Fassung
1938 Mathis der Maler Paul Hindemith Uraufführung
1957 Moses und Aron Arnold Schönberg erste szenische Aufführung

Die Uraufführung von Lulu war besonders bedeutend. Alban Berg hatte die Oper bei seinem Tod 1935 nicht vollständig instrumentiert. In Zürich wurden die ersten beiden Akte sowie ergänzende Teile gespielt. Die vervollständigte dreiaktige Fassung wurde erst 1979 in Paris uraufgeführt.

Die Aufführung von Hindemiths Mathis der Maler fand in Zürich statt, weil das Werk im nationalsozialistischen Deutschland politisch unerwünscht war.

Diese Produktionen festigten den Ruf Zürichs als Aufführungsort für moderne und politisch umstrittene Musik.

Ballett Zürich

Das Ballett Zürich ist die grösste professionelle Ballettkompanie der Schweiz.

Eine ständige Ballettkompanie besteht am Opernhaus seit 1964. Das Repertoire umfasst klassische Handlungsballette, neoklassische Werke und zeitgenössischen Tanz.

Zu den prägenden Ballettdirektoren der jüngeren Geschichte gehörten:

  • Uwe Scholz;
  • Bernd Roger Bienert;
  • Heinz Spoerli;
  • Christian Spuck;
  • Cathy Marston.

Heinz Spoerli leitete die Kompanie von 1996 bis 2012. Er verband das klassische Repertoire mit eigenen Choreografien und machte das Zürcher Ballett international bekannt.

Christian Spuck war von 2012 bis 2023 Ballettdirektor. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche neue abendfüllende Ballette und internationale Koproduktionen.

Seit der Spielzeit 2023/24 leitet die schweizerisch-britische Choreografin Cathy Marston das Ballett Zürich. Ihr Vertrag wurde bis zur Spielzeit 2029/30 verlängert.[5]

Zur Kompanie gehört ein Nachwuchsensemble, das jungen Tänzerinnen und Tänzern den Übergang von der Ausbildung in den professionellen Bühnenbetrieb ermöglicht.

Chor

Der Chor der Oper Zürich wirkt in Opern, Konzerten und besonderen Bühnenprojekten mit.

Das Repertoire stellt hohe sprachliche und musikalische Anforderungen. Die Chormitglieder singen unter anderem auf:

  • Deutsch;
  • Italienisch;
  • Französisch;
  • Englisch;
  • Russisch;
  • Tschechisch;
  • Latein.

Für besonders grosse Werke wird der feste Chor durch Zusatzchöre, Kinderchöre oder externe Ensembles erweitert.

Nachwuchsförderung

Das Opernhaus unterhält verschiedene Programme zur Förderung junger Künstlerinnen und Künstler.

Dazu gehören:

  • Internationales Opernstudio;
  • Orchesterakademie;
  • Nachwuchsangebote des Balletts;
  • Kinderopernorchester;
  • Meisterkurse;
  • Hospitanzen und Ausbildungsplätze;
  • Zusammenarbeit mit Musikhochschulen und Musikschulen.

Das Internationale Opernstudio ermöglicht jungen Sängerinnen und Sängern, kleinere und mittlere Rollen in professionellen Produktionen zu übernehmen. Sie erhalten musikalische, sprachliche und szenische Weiterbildung.

Die Orchesterakademie bereitet junge Instrumentalistinnen und Instrumentalisten auf eine Tätigkeit in professionellen Opern- und Sinfonieorchestern vor.

Vermittlung und Angebote für junges Publikum

Das Opernhaus bietet ein umfangreiches Vermittlungsprogramm an.

Dazu gehören:

  • Kinderopern;
  • Familienkonzerte;
  • Workshops;
  • Schulvorstellungen;
  • Probenbesuche;
  • Führungen durch das Haus;
  • Einführungen vor Vorstellungen;
  • Projekte mit Schulklassen;
  • mobile Produktionen;
  • Ferienangebote;
  • digitale Unterrichtsmaterialien.

Kinder- und Jugendproduktionen finden sowohl auf der Hauptbühne als auch in kleineren Spielstätten statt.

Die Vermittlungsarbeit soll Hemmschwellen gegenüber Oper, klassischer Musik und Ballett abbauen und neue Bevölkerungsgruppen erreichen.

Künstlerische Leitung

Die Gesamtverantwortung liegt beim Intendanten.

Seit dem 1. August 2025 ist Matthias Schulz Intendant des Opernhauses Zürich. Er folgte auf Andreas Homoki, der das Haus seit 2012 geleitet hatte.

Zur Leitung gehören ausserdem der kaufmännische Direktor, der Generalmusikdirektor und die Ballettdirektorin.

Leitung des Opernhauses, Stand Juli 2026
Bereich Person
Intendanz Matthias Schulz
Kaufmännische Direktion und Stellvertretung des Intendanten Marc Meyer
Generalmusikdirektion Gianandrea Noseda
Ballettdirektion und Chefchoreografie Cathy Marston
Präsidium des Verwaltungsrates Markus Notter

Matthias Schulz war vor seinem Wechsel nach Zürich Intendant der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.[6]

Intendanten der jüngeren Geschichte

Intendant Amtszeit
Claus Helmut Drese 1975–1986
Christoph Groszer 1986–1991
Alexander Pereira 1991–2012
Andreas Homoki 2012–2025
Matthias Schulz seit 2025

Alexander Pereira baute die internationale Stellung des Hauses aus, verstärkte die Zusammenarbeit mit bekannten Sängerinnen, Sängern, Dirigenten und Regisseuren und führte ein breit angelegtes Repertoiresystem.

Andreas Homoki setzte einen Schwerpunkt auf Regietheater, Ensemblepflege und die Erneuerung zentraler Werke des Opernrepertoires.

Matthias Schulz kündigte für seine Intendanz eine Verbindung aus klassischem Repertoire, zeitgenössischem Musiktheater, neuen Vermittlungsformaten und stärkerer Öffnung des Hauses an.

Trägerschaft

Das Opernhaus wird von der Opernhaus Zürich AG getragen.

Die Aktiengesellschaft ist nicht börsenkotiert und zahlt keine Dividenden aus. Privatpersonen können Aktien erwerben und damit ihre Verbundenheit mit dem Haus ausdrücken.

Die Gesellschaft besitzt das Opernhausgebäude und ist Arbeitgeberin der künstlerischen, technischen und administrativen Mitarbeitenden.

Der Verwaltungsrat besteht aus elf Mitgliedern. Sechs Mitglieder werden durch den Regierungsrat des Kantons Zürich gewählt und abgeordnet. Seit 2013 wird der Verwaltungsrat von Markus Notter präsidiert.[7]

Finanzierung

Der Betrieb eines Repertoiretheaters mit eigenem Orchester, Chor, Ballett, Werkstätten und technischer Infrastruktur ist kostenintensiv.

Die Finanzierung setzt sich zusammen aus:

  • kantonalen Subventionen;
  • Ticketeinnahmen;
  • Sponsoring;
  • Spenden;
  • Stiftungsbeiträgen;
  • Vermietungen;
  • gastronomischen und weiteren Nebenerträgen;
  • privaten Fördervereinigungen.

Seit 1995 ist der Kanton Zürich der wichtigste öffentliche Subventionsgeber.

Die öffentlichen Mittel werden durch Leistungsvereinbarungen geregelt. Das Opernhaus muss dabei künstlerische, organisatorische, finanzielle und gesellschaftliche Vorgaben erfüllen.

Die staatliche Finanzierung ist regelmässig Gegenstand politischer Diskussionen. Befürworter verweisen auf den kulturellen, wirtschaftlichen, bildungspolitischen und touristischen Nutzen. Kritiker beanstanden die hohen Beiträge an eine einzelne Institution oder fordern eine breitere Verteilung der Kulturförderung.

Beschäftigte und Berufe

Am Opernhaus arbeiten rund 800 Personen. Umgerechnet auf Vollzeitstellen sind es ungefähr 600 Beschäftigte.

Ein Drittel der Mitarbeitenden ist unmittelbar künstlerisch tätig, etwa im Orchester, Chor, Opernensemble oder Ballett.

Insgesamt werden rund 146 verschiedene Berufe ausgeübt.[8]

Zu den Berufsgruppen gehören:

  • Sängerinnen und Sänger;
  • Tänzerinnen und Tänzer;
  • Orchestermusiker;
  • Dirigenten;
  • Korrepetitoren;
  • Dramaturgen;
  • Bühnenhandwerker;
  • Maschinisten;
  • Beleuchter;
  • Tontechniker;
  • Videotechniker;
  • Schneiderinnen und Schneider;
  • Maskenbildner;
  • Bühnenmaler;
  • Theaterplastiker;
  • Schreiner;
  • Schlosser;
  • Requisiteure;
  • Disponenten;
  • Marketing- und Kommunikationsfachleute;
  • Verwaltungsangestellte;
  • Mitarbeitende der Billettkasse und des Publikumsdienstes.

Ein grosser Teil der Bühnenbilder, Kostüme und Requisiten wird in eigenen Werkstätten hergestellt.

Weitere Standorte

Nicht alle Abteilungen können im historischen Gebäude am Sechseläutenplatz untergebracht werden.

Das Opernhaus nutzt deshalb weitere Standorte in Zürich.

Dazu gehören:

  • Werkstätten an der Seerosenstrasse;
  • Probebühnen an der Hardturmstrasse;
  • Orchesterproberäume;
  • Büros und Proberäume an der Kreuzstrasse;
  • Lagerflächen für Bühnenbilder, Kostüme und Technik.

Die räumliche Verteilung erschwert teilweise Arbeitsabläufe und verursacht Transporte zwischen Werkstätten, Proberäumen, Lagern und Hauptbühne.

Sechseläutenplatz und Archäologie

Beim Bau des unterirdischen Parkhauses Opéra wurden ab 2010 bedeutende archäologische Funde entdeckt.

Unter dem heutigen Sechseläutenplatz lagen mehr als 5'000 Jahre alte Kulturschichten prähistorischer Seeufersiedlungen.

Die feuchten Bodenverhältnisse hatten Holz, Pflanzenreste und andere organische Materialien aussergewöhnlich gut erhalten.

Die Fundstellen gehören zum Umfeld der UNESCO-Welterbestätte Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen. Ein archäologisches Fenster im Parkhaus zeigt Teile der Funde und erläutert die Besiedlungsgeschichte des Zürcher Seeufers.[9]

Internationale Bedeutung

Das Opernhaus besitzt trotz seiner vergleichsweise kleinen Zuschauerzahl eine grosse internationale Ausstrahlung.

Dazu tragen bei:

  • ein umfangreicher Spielplan;
  • zahlreiche Neuproduktionen;
  • ein festes Sängerensemble;
  • international bekannte Gäste;
  • das eigene Orchester und Ballett;
  • Koproduktionen mit anderen Opernhäusern;
  • Ton- und Bildaufzeichnungen;
  • Gastspiele und Tourneen;
  • Ur- und Erstaufführungen.

Produktionen aus Zürich werden in andere Städte übernommen oder für Fernsehen, Kino und Streaming aufgezeichnet.

Das Opernhaus arbeitet regelmässig mit bedeutenden Bühnen, Festivals, Orchestern und Medienunternehmen zusammen.

Auszeichnungen

Das Opernhaus und seine Künstler erhielten zahlreiche internationale Auszeichnungen.

2014 wurde das Haus bei den International Opera Awards als Opernkompanie des Jahres ausgezeichnet.

Mehrere Dirigenten, Regisseure, Sängerinnen, Sänger, Bühnenbildner und Produktionen wurden von Fachzeitschriften und internationalen Jurys geehrt.

Gianandrea Noseda erhielt 2023 einen International Opera Award als bester Dirigent.

Zukunft Oper

Das historische Gebäude und die über mehrere Standorte verteilten Betriebsräume entsprechen nur teilweise den Anforderungen eines modernen Musiktheaters.

Unter dem Titel Zukunft Oper untersucht die Opernhaus Zürich AG eine umfassende bauliche Weiterentwicklung.

Zu den Zielen gehören:

  • Erneuerung der Bühnentechnik;
  • Verbesserung von Arbeitssicherheit und Brandschutz;
  • zeitgemässe Produktionsbedingungen;
  • bessere Arbeitsplätze;
  • Zusammenführung von Betriebsbereichen;
  • zusätzliche Proben- und Werkstatträume;
  • grössere öffentliche Zugänglichkeit;
  • bessere Verbindung zum Sechseläutenplatz;
  • energetische Sanierung;
  • langfristiger Schutz des historischen Gebäudes.

Die Opernhaus Zürich AG tritt als Bauherrin auf. Zur Unterstützung privater Beiträge wurde die Stiftung Zukunft Opernhaus Zürich gegründet.

Das Vorhaben befindet sich in einem langfristigen politischen, städtebaulichen und architektonischen Planungsprozess.[10]

Bedeutung für Zürich

Das Opernhaus ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Selbstverständnisses Zürichs.

Es verbindet:

  • lokale Theatergeschichte;
  • internationale Musiktradition;
  • öffentliche Kulturförderung;
  • Tourismus;
  • Ausbildung;
  • Handwerk;
  • Stadtentwicklung;
  • gesellschaftliche Debatten.

Das Haus zieht Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Schweiz und aus dem Ausland an. Vorstellungen tragen zur Belebung der Innenstadt, der Gastronomie und der Hotellerie bei.

Zugleich erinnert die Geschichte der Opernhauskrawalle daran, dass etablierte Kulturinstitutionen immer wieder in Auseinandersetzungen über gesellschaftliche Teilhabe, öffentliche Finanzierung und kulturelle Vielfalt einbezogen werden.

Kritik und Herausforderungen

Zu den wiederkehrenden Herausforderungen gehören:

  • hoher öffentlicher Finanzierungsbedarf;
  • begrenzte Platzverhältnisse;
  • denkmalpflegerische Einschränkungen;
  • technisch anspruchsvoller Repertoirebetrieb;
  • räumlich getrennte Werkstätten und Proberäume;
  • Konkurrenz um internationale Künstler;
  • steigende Produktions- und Personalkosten;
  • Gewinnung eines jüngeren und vielfältigeren Publikums;
  • ökologische Auswirkungen internationaler Produktionen;
  • Vereinbarkeit von künstlerischem Anspruch und wirtschaftlicher Planung.

Kritiker werfen dem traditionellen Opernbetrieb teilweise gesellschaftliche Abschottung und hohe Eintrittspreise vor.

Das Opernhaus begegnet solchen Vorwürfen mit günstigen Angeboten für junge Menschen, Volksvorstellungen, öffentlichen Proben, Vermittlungsprogrammen, Übertragungen auf den Sechseläutenplatz und kostenlosen Veranstaltungen.

Chronologie

Wichtige Ereignisse
Jahr Ereignis
1830 Gründung der Theater-Actiengesellschaft.
10. November 1834 Eröffnung des Actien-Theaters mit Mozarts Die Zauberflöte.
1849–1858 Richard Wagner lebt in Zürich und wirkt wiederholt als Dirigent am Actien-Theater.
31. Dezember 1889 Das Actien-Theater wird durch einen Brand zerstört.
18. Januar 1890 Die Theater-Actiengesellschaft beschliesst den Bau eines neuen Theaters.
1890–1891 Bau des heutigen Gebäudes nach Plänen von Fellner und Helmer.
30. September 1891 Eröffnung des Stadttheaters Zürich.
1933 Uraufführung von Zemlinskys Der Kreidekreis.
1937 Uraufführung der zweiaktigen Fassung von Alban Bergs Lulu.
1938 Uraufführung von Hindemiths Mathis der Maler.
1957 Erste szenische Aufführung von Schönbergs Moses und Aron.
1964 Umbenennung des Stadttheaters in Opernhaus Zürich; Aufbau einer ständigen Ballettkompanie.
30. Mai 1980 Der Opernhauskrawall bildet den Auftakt der Zürcher Jugendunruhen.
1982–1984 Umfassende Renovation und Erweiterung des Gebäudes.
1985 Organisatorische Trennung des Opernorchesters vom Tonhalle-Orchester.
1991 Alexander Pereira übernimmt die Intendanz.
1995 Der Kanton Zürich wird Hauptsubventionsgeber; Gründung des Barockensembles La Scintilla.
2012 Andreas Homoki wird Intendant; Christian Spuck übernimmt die Leitung des Balletts Zürich.
2014 Auszeichnung als Opernkompanie des Jahres bei den International Opera Awards.
2021 Gianandrea Noseda wird Generalmusikdirektor.
2023 Cathy Marston übernimmt die Leitung des Balletts Zürich.
1. August 2025 Matthias Schulz wird Intendant.
2026 Das Projekt «Zukunft Oper» wird als langfristige bauliche Weiterentwicklung des Hauses vorangetrieben.

Siehe auch

Literatur

  • Opernhaus Zürich: Das Opernhaus Zürich stellt sich vor. Zürich 2021.
  • Theater-Actiengesellschaft Zürich: 175 Jahre Theater-Actiengesellschaft Zürich. Zürich 2010.
  • Opernhaus Zürich: 100 Jahre Opernhaus Zürich 1891–1991. Zürich 1991.
  • Werner Oechslin: Fellner und Helmer und der europäische Theaterbau. Zürich.
  • Thomas Meyer: Oper in Zürich. Geschichte einer Institution. Zürich.
  • Stadtarchiv Zürich: Opernhauskrawall und Jugendunruhen in Zürich 1980–1982. Zürich.
  • Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Stadt Zürich. Bern.

Einzelnachweise

  1. Geschichte und Architektur des Opernhauses Zürich. In: Opernhaus Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Das Opernhaus Zürich stellt sich vor. In: Opernhaus Zürich. 2021. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Opernhauskrawall und Jugendunruhen in Zürich 1980–1982. In: Stadtarchiv Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Lorenzo Viotti wird neuer Generalmusikdirektor. In: Opernhaus Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Vertragsverlängerung für Ballettdirektorin Cathy Marston. In: Opernhaus Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Matthias Schulz wird neuer Intendant. In: Opernhaus Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Opernhaus Zürich AG. In: Opernhaus Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
  8. Arbeiten am Opernhaus Zürich. In: Opernhaus Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
  9. Pfahlbau Parkhaus Opéra. In: Stadt Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
  10. Stiftung Zukunft Opernhaus Zürich. In: Opernhaus Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.