Bahnstrecke Zofingen–Wettingen

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz

Bahnstrecke Zofingen–Wettingen ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke im Kanton Aargau. Sie wurde 1877 von der Schweizerischen Nationalbahn (SNB) erbaut und verband Zofingen über Suhr, Lenzburg, Othmarsingen, Mellingen und Baden Oberstadt mit Wettingen. Die 41,5 Kilometer lange Strecke war Teil des ehrgeizigen Projekts der Nationalbahn, eine neue Ost-West-Verbindung durch das Schweizer Mittelland zu schaffen und den etablierten Privatbahnen Konkurrenz zu machen.[1]

Der Abschnitt Zofingen–Baden Oberstadt wurde am 6. September 1877 eröffnet. Wegen Verzögerungen beim Bau der Limmatbrücke konnte der letzte Abschnitt von Baden Oberstadt nach Wettingen erst am 15. Oktober 1877 in Betrieb genommen werden. Die Nationalbahn geriet bereits 1878 in Konkurs.[1]

Heute besitzt die historische Gesamtstrecke keine einheitliche Funktion mehr. Zwischen Zofingen und Lenzburg verkehrt die Linie S28 der S-Bahn Aargau, während der Abschnitt östlich von Lenzburg teilweise Bestandteil der stark befahrenen Heitersbergachse ist. Auf dem alten Streckenast von Gruemet über Mellingen und Baden Oberstadt nach Wettingen wurde der reguläre Personenverkehr im Dezember 2004 eingestellt.[2]

Bahnstrecke Zofingen–Wettingen
Streckenanfang Zofingen
Streckenende Wettingen
Länge 41,5 km
Spurweite 1435 mm
Eröffnung Zofingen–Baden Oberstadt 6. September 1877
Eröffnung Baden Oberstadt–Wettingen 15. Oktober 1877
Ursprüngliche Gesellschaft Schweizerische Nationalbahn
Heutige Eigentümerin SBB
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Zweigleisig Lenzburg–Abzweigung Gruemet
Personenverkehr Zofingen–Lenzburg S28
Regulärer Personenverkehr Gruemet–Wettingen seit 2004 eingestellt

Vorgeschichte

In den 1860er und 1870er Jahren war das schweizerische Eisenbahnnetz von mehreren grossen privaten Bahngesellschaften geprägt. In der Nord- und Ostschweiz dominierte insbesondere die Schweizerische Nordostbahn (NOB), während die Schweizerische Centralbahn (SCB) wichtige Verbindungen im Raum Basel, Olten und in der Zentralschweiz kontrollierte.

Politische und wirtschaftliche Kreise in Winterthur und mehreren anderen Städten sahen diese Machtkonzentration kritisch. Sie planten deshalb eine neue Eisenbahnverbindung, die möglichst unabhängig von den bestehenden Gesellschaften eine Ost-West-Achse durch das Mittelland schaffen sollte.

Aus mehreren Vorgängerprojekten entstand 1875 die Schweizerische Nationalbahn.[1]

Ihr langfristiges Ziel war eine Verbindung vom Bodensee über Winterthur, das Zürcher Unterland, Wettingen, Lenzburg und Zofingen weiter in Richtung Solothurn und Westschweiz. Die Bahn wurde als Gegenprojekt zu den bestehenden grossen Privatbahnen verstanden und politisch teilweise als eine Art «Volksbahn» dargestellt.[1]

Schweizerische Nationalbahn

Die Nationalbahn wurde stark von Städten und Gemeinden entlang der geplanten Strecke finanziert. Besonders Winterthur spielte eine zentrale Rolle.

Anders als die etablierten Gesellschaften verfügte die SNB jedoch über keine bereits bestehenden Hauptachsen, auf denen sie hohe Einnahmen erzielen konnte. Zudem mussten ihre Strecken teilweise ungünstige Linienführungen nehmen, weil wichtige Verkehrswege bereits von konkurrierenden Eisenbahngesellschaften besetzt waren.

Der westliche Teil des Nationalbahnnetzes sollte von Winterthur über Effretikon, Seebach, Regensdorf, Wettingen, Baden Oberstadt, Lenzburg und Suhr nach Zofingen führen.

In Suhr entstand zusätzlich eine kurze Verbindung nach Aarau.

Die Strecke Zofingen–Wettingen bildete damit einen wesentlichen Bestandteil der geplanten Nationalbahn-Transversale.

Bau und Eröffnung

Die Strecke wurde ursprünglich eingleisig angelegt.

Am 6. September 1877 nahm die Schweizerische Nationalbahn den Verkehr zwischen Zofingen und Baden Oberstadt auf. Gleichzeitig wurde die Zweigstrecke von Suhr nach Aarau eröffnet.

Der letzte Abschnitt zwischen Baden Oberstadt und Wettingen konnte zunächst nicht benutzt werden, da die neue Eisenbahnbrücke über die Limmat noch nicht fertiggestellt war.

Erst am 15. Oktober 1877 wurde die Verbindung Baden Oberstadt–Wettingen eröffnet. Am selben Tag nahm die Nationalbahn auch den anschliessenden Streckenabschnitt von Wettingen über das Furttal und den Raum Zürich nach Effretikon in Betrieb.

Damit bestand für kurze Zeit eine durchgehende Nationalbahnverbindung von Zofingen über Wettingen und den Norden Zürichs nach Winterthur.

Konkurrenz zur Nordostbahn

Die neue Linie war insbesondere als Konkurrenz zur bestehenden NOB-Verbindung zwischen Baden und Aarau konzipiert.

Während die Nordostbahn durch das Aaretal über Brugg und Aarau führte, wählte die Nationalbahn eine südlichere Route über Mellingen und Lenzburg.

Auch weiter östlich vermied die SNB das Zentrum von Zürich. Ihre Züge verkehrten von Wettingen durch das Furttal über Regensdorf und Seebach nach Effretikon und Winterthur.

Gerade dieser Umstand erwies sich wirtschaftlich als schwerer Nachteil. Zürich war bereits damals das wichtigste Verkehrs- und Wirtschaftszentrum der Region, doch die Nationalbahn besass keine attraktive direkte Verbindung zum Zürcher Hauptbahnhof.

Die etablierten Bahngesellschaften reagierten zudem mit eigenen Angeboten und Infrastrukturprojekten auf den neuen Konkurrenten.

Konkurs der Nationalbahn

Das Nationalbahnprojekt geriet schon kurz nach der Eröffnung des vollständigen Netzes in schwere finanzielle Schwierigkeiten.

Die Baukosten waren hoch, während die Einnahmen aus Personen- und Güterverkehr deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Gleichzeitig belastete die wirtschaftliche Krise nach dem Gründerkrach das Unternehmen.[1]

Bereits 1878 musste die Schweizerische Nationalbahn zwangsliquidiert werden.[1]

Der Konkurs hatte erhebliche Folgen für die beteiligten Städte und Gemeinden. Zahlreiche öffentliche Körperschaften hatten grosse Summen in die Nationalbahn investiert und mussten die daraus entstandenen Schulden teilweise während Jahrzehnten abzahlen.

Besonders bekannt wurden die finanziellen Folgen in Winterthur, doch auch verschiedene Aargauer Gemeinden waren betroffen.

Die Nordostbahn konnte grosse Teile des ehemaligen Nationalbahnnetzes später zu einem Bruchteil der ursprünglichen Baukosten übernehmen.

Aufteilung nach dem Konkurs

Die ehemalige Konkurrenzbahn wurde nach der Liquidation in das Netz der bisherigen Konkurrenten integriert.

Die Nordostbahn übernahm einen grossen Teil des ehemaligen SNB-Netzes. Der Abschnitt Zofingen–Suhr gelangte schliesslich zur Centralbahn, während andere Abschnitte der ehemaligen Nationalbahn von der NOB betrieben wurden.

Damit verlor die Bahnstrecke Zofingen–Wettingen bereits wenige Jahre nach ihrer Eröffnung ihren Charakter als durchgehend von einem einzigen Unternehmen betriebene Nationalbahnstrecke.

1902 wurden sowohl die Nordostbahn als auch die Centralbahn im Rahmen der Verstaatlichung der grossen Privatbahnen Teil der neu geschaffenen Schweizerischen Bundesbahnen.

Damit befand sich die Strecke wieder unter einer gemeinsamen Eigentümerin.

Elektrifizierung

Die Elektrifizierung erfolgte nicht auf der gesamten Strecke gleichzeitig.

Der Abschnitt Lenzburg–Gexi wurde im Zusammenhang mit der Elektrifizierung der Aargauischen Südbahn 1927 mit Fahrleitung ausgerüstet.

1932 folgte der Abschnitt von Gexi nach Othmarsingen.

Der westliche Streckenteil Zofingen–Suhr wurde 1946 elektrifiziert. Am 17. Dezember 1946 folgten schliesslich Suhr–Lenzburg sowie Othmarsingen–Wettingen.

Seitdem ist die gesamte historische Strecke für elektrischen Betrieb mit dem bei den SBB üblichen System von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom ausgerüstet.

Streckenverlauf

= Zofingen

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Zofingen.

Der Bahnhof war bereits 1856 an der Strecke Olten–Luzern eröffnet worden. Mit der Nationalbahn erhielt Zofingen 1877 eine weitere Bahnverbindung nach Nordosten.

Die Nationalbahnstrecke verlässt den Bahnhof in Richtung Norden und trennt sich von der Hauptstrecke in Richtung Olten.

Heute beginnt hier die Linie S28 der S-Bahn Aargau.

Küngoldingen

Die erste Station ist Küngoldingen, ein Ortsteil der Gemeinde Oftringen.

Die Haltestelle dient vor allem dem lokalen Pendlerverkehr. Von hier führt die Strecke weiter in Richtung Striegel und Safenwil.

Walterswil-Striegel

Die Station Walterswil-Striegel erschliesst unter anderem die nahe solothurnische Gemeinde Walterswil.

Die Bahn selbst verläuft in diesem Bereich auf aargauischem Gebiet. Dadurch bleibt die historische Strecke Zofingen–Wettingen im Wesentlichen eine Bahnlinie des Kantons Aargau.

Safenwil

Anschliessend erreicht die Strecke Safenwil.

Safenwil liegt zwischen dem Wiggertal und dem Raum Kölliken und besitzt seit der Eröffnung der Nationalbahn einen Eisenbahnanschluss.

Die Bahn ist heute insbesondere für den regionalen Pendlerverkehr in Richtung Zofingen, Suhr und Lenzburg von Bedeutung.

Kölliken

In Kölliken bestehen zwei Zugangsstellen zur Bahn: Kölliken Oberdorf und der Bahnhof Kölliken.

Die Strecke führt hier durch das dicht besiedelte Suhrental.

Kölliken ist zudem für den Güterverkehr von Bedeutung, unter anderem durch industrielle und logistische Anschlüsse im Umfeld der Bahn.

Oberentfelden

Weiter nordöstlich erreicht die Nationalbahnstrecke Oberentfelden.

Hier kreuzt sie die meterspurige Strecke der heutigen Aargau Verkehr AG zwischen Aarau und Schöftland.

Historisch stellte die Kreuzung zweier Bahnsysteme mit unterschiedlichen Stromarten besondere technische Anforderungen an die Fahrleitungsanlagen.

Suhr

Der Bahnhof Suhr war von Beginn an ein wichtiger Punkt der Nationalbahn.

Von hier führte die 1877 gleichzeitig eröffnete Zweigstrecke nach Aarau. Dadurch war Aarau trotz der südlich an der Stadt vorbeiführenden Nationalbahn an das neue Netz angeschlossen.

Die frühere Normalspurstrecke Suhr–Aarau wurde 2004 für den SBB-Personenverkehr aufgegeben. Ihre Trasse wurde später für den Ausbau der meterspurigen Wynentalbahn verwendet.

Heute treffen in Suhr die normalspurige SBB-Strecke Zofingen–Lenzburg und das Netz von Aargau Verkehr zusammen.

Hunzenschwil

Zwischen Suhr und Lenzburg befindet sich der Bahnhof Hunzenschwil.

Die Station erschliesst die gleichnamige Gemeinde und ist Bestandteil der heutigen S28.

Von Hunzenschwil führt die Strecke weiter zum wichtigen Bahnknoten Lenzburg.

Lenzburg

Der Bahnhof Lenzburg ist einer der wichtigsten Eisenbahnknoten des Kantons Aargau.

Hier kreuzt beziehungsweise berührt die ehemalige Nationalbahn mehrere weitere Eisenbahnverbindungen.

Von Lenzburg bestehen heute direkte Verbindungen unter anderem nach Aarau, Zürich, Brugg, Wohlen und Luzern.

Für die historische Bahnstrecke Zofingen–Wettingen besitzt Lenzburg heute eine besondere Bedeutung, weil hier der reguläre durchgehende Personenverkehr auf der ehemaligen Nationalbahn endet.

Die Linie S28 verkehrt zwischen Zofingen und Lenzburg.[3]

Lenzburg–Othmarsingen

Östlich von Lenzburg führt die historische Nationalbahnstrecke in Richtung Othmarsingen.

Dieser Abschnitt wurde später eng mit anderen Hauptbahnverbindungen verknüpft.

Im Raum Gexi bestehen Verbindungen zur Aargauischen Südbahn in Richtung Wohlen und Rotkreuz.

Der Ausbau des schweizerischen Eisenbahnnetzes veränderte die Bedeutung dieses Streckenabschnitts grundlegend. Aus der ursprünglich als Konkurrenzbahn errichteten Nebenachse wurde teilweise ein Bestandteil wichtiger nationaler Verkehrsverbindungen.

Othmarsingen

Der Bahnhof Othmarsingen ist ein Verzweigungspunkt verschiedener Bahnstrecken.

Von hier bestehen Bahnverbindungen in Richtung Lenzburg, Brugg, Wohlen und Mägenwil.

Der Abschnitt von Lenzburg über Othmarsingen in Richtung Gruemet wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Heitersbergstrecke wesentlich ausgebaut.

Mägenwil und Reussbrücke

Östlich von Othmarsingen führt die Strecke über Mägenwil in Richtung Reusstal.

Zu den bedeutendsten Kunstbauten der ursprünglichen Nationalbahn gehörte die Eisenbahnbrücke bei Mellingen über die Reuss.

Die von der SNB errichtete erste Brücke war ein Stahlfachwerkbau und gehörte zu den frühen grösseren Konstruktionen der Maschinenfabrik Bell.

Im Zusammenhang mit dem Bau des Heitersbergtunnels wurde die ursprüngliche Brücke 1973 durch eine neue Verbundkonstruktion ersetzt.

Gleichzeitig wurde der Abschnitt von Lenzburg bis zur Abzweigung Gruemet zu einer zweigleisigen Hauptstrecke ausgebaut.

Abzweigung Gruemet

Die Abzweigung Gruemet ist für die heutige Funktion der ehemaligen Nationalbahnstrecke besonders wichtig.

Hier trennt sich die moderne Hauptstrecke in Richtung Heitersbergtunnel und Killwangen-Spreitenbach von der alten Nationalbahntrasse in Richtung Mellingen, Baden Oberstadt und Wettingen.

Die 1975 eröffnete Heitersbergstrecke entwickelte sich zu einer der wichtigsten Eisenbahnachsen zwischen dem Raum Zürich und dem Mittelland.

Dadurch erhielt der Abschnitt Lenzburg–Gruemet eine wesentlich grössere Bedeutung, während der alte Nationalbahnast in Richtung Wettingen langfristig an Bedeutung verlor.

Mellingen

Die historische Nationalbahn besass einen Bahnhof in Mellingen.

Dieser lag nicht am Standort der heutigen Station Mellingen Heitersberg. Die heutige Haltestelle entstand erst im Zusammenhang mit dem modernen Verkehrsangebot auf der Heitersbergachse und wurde im Dezember 2004 eröffnet.

Der alte Nationalbahnhof gehörte dagegen zur Strecke über Baden Oberstadt nach Wettingen.

Nach der Einstellung des Personenverkehrs auf diesem Abschnitt verlor er seine Funktion als regulärer Personenbahnhof.

Dättwil

Von Mellingen führt die alte Trasse weiter über den Raum Dättwil.

Dättwil entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Wohn-, Gewerbe- und Arbeitsplatzgebiet der Stadt Baden.

Trotz dieses Wachstums konnte sich der Personenverkehr auf der alten Nationalbahnstrecke langfristig nicht gegen die konkurrierenden Bahn- und Busverbindungen behaupten.

Baden Oberstadt

Baden Oberstadt war der wichtigste Bahnhof der Nationalbahn im Raum Baden.

Baden besass damit ab 1877 zwei unterschiedliche Eisenbahnzugänge: den bereits bestehenden Bahnhof an der NOB-Hauptstrecke im Zentrum und den Bahnhof der Nationalbahn in der Oberstadt.[4]

Die Lage des Bahnhofs Oberstadt war für den überregionalen Verkehr weniger günstig als jene des zentralen Bahnhofs Baden.

Nach der Übernahme der Nationalbahn durch die Konkurrenz verlor diese Trennung zunehmend ihren ursprünglichen Zweck.

Der Bahnhof Baden Oberstadt wurde bis 2004 im regionalen Personenverkehr bedient.

Limmatbrücke und Wettingen

Zwischen Baden Oberstadt und Wettingen überquert die Bahn die Limmat.

Der Bau dieser Verbindung verzögerte 1877 die vollständige Eröffnung der Nationalbahn. Während Zofingen–Baden Oberstadt bereits am 6. September in Betrieb ging, konnte der letzte Abschnitt erst am 15. Oktober eröffnet werden.

Die Eisenbahnbrücke verbindet die Hochlage bei Baden Oberstadt mit dem Bahnknoten Wettingen.

Der Bahnhof Wettingen war für die Nationalbahn besonders wichtig. Hier traf ihre Ost-West-Strecke auf andere Bahnlinien und führte in Richtung Furttal weiter.

Die Nationalbahn setzte sich von Wettingen über Würenlos, Otelfingen, Regensdorf, Seebach und Effretikon bis Winterthur fort.

Bahnhöfe und Haltestellen

Zu den wichtigen Stationen und Betriebsstellen der historischen Strecke gehören:

Station oder Betriebsstelle Heutiger Personenverkehr Bemerkung
Zofingen ja Ausgangspunkt der S28
Küngoldingen ja S28
Walterswil-Striegel ja S28
Safenwil ja S28
Kölliken Oberdorf ja S28
Kölliken ja S28
Oberentfelden ja S28
Suhr ja S28, Anschluss an Aargau Verkehr
Hunzenschwil ja S28
Lenzburg ja Grosser Bahnknoten, Endpunkt der S28
Othmarsingen ja Heute Teil weiterer Hauptbahnverbindungen
Mägenwil ja Regionalverkehr auf der modernen Hauptachse
Gruemet nein Abzweigung zur Heitersbergstrecke
Mellingen nein Historischer Nationalbahnhof
Dättwil nein Früher Regionalverkehr
Baden Oberstadt nein Historischer Bahnhof der Nationalbahn
Wettingen ja Bahnknoten, aber kein regulärer Personenverkehr mehr über den alten Nationalbahnast

Heitersbergstrecke

Der Bau des Heitersbergtunnels und der neuen Hauptstrecke zwischen dem Raum Lenzburg und dem Limmattal veränderte die Nationalbahnstrecke grundlegend.

Der Tunnel wurde 1975 eröffnet.

Für die neue Verbindung wurde die bestehende Infrastruktur zwischen Lenzburg und Gruemet ausgebaut und teilweise zweigleisig angelegt.

Bei Gruemet zweigt die Heitersbergstrecke in Richtung Killwangen-Spreitenbach ab. Fernverkehrs- und Regionalzüge können dadurch auf direkterem Weg in Richtung Zürich fahren.

Die alte Strecke von Gruemet über Mellingen und Baden Oberstadt nach Wettingen wurde dagegen zu einer Nebenverbindung.

Einstellung des Personenverkehrs östlich von Lenzburg

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde das regionale Bahnangebot im Kanton Aargau grundlegend neu organisiert.

Der Kanton und die SBB beschlossen, den Personenverkehr der eigentlichen Nationalbahn künftig auf den Abschnitt Zofingen–Lenzburg zu konzentrieren.[2]

Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2004 wurde der reguläre Personenverkehr auf der alten Verbindung von Lenzburg über Mellingen, Dättwil und Baden Oberstadt nach Wettingen eingestellt.

Gleichzeitig wurden andere Bahn- und Busverbindungen in der Region ausgebaut. Dazu gehörte die neue Haltestelle Mellingen Heitersberg an der Hauptachse nach Zürich.

Damit endete nach 127 Jahren der durchgehende regionale Personenverkehr auf dem östlichen Teil der historischen Nationalbahnstrecke.

Heutige S28

Der westliche Abschnitt zwischen Zofingen und Lenzburg blieb dagegen im Personenverkehr erhalten.

Im Fahrplanjahr 2026 wird er von der Linie S28 der S-Bahn Aargau bedient.[3]

Die S28 verbindet:

Zofingen – Küngoldingen – Walterswil-Striegel – Safenwil – Kölliken Oberdorf – Kölliken – Oberentfelden – Suhr – Hunzenschwil – Lenzburg.

Die Verbindung besitzt insbesondere für den regionalen Pendlerverkehr eine wichtige Funktion. In Zofingen, Suhr und Lenzburg bestehen Anschlüsse an weitere Bahn- und Buslinien.

Der Korridor Zofingen–Lenzburg ist vollständig in den Tarifverbund A-Welle integriert.[5]

«Nazeli»

Die Bahn zwischen Zofingen und Lenzburg wird regional auch «Nazeli» genannt.

Der volkstümliche Name leitet sich von der ehemaligen Nationalbahn ab und erinnert damit bis heute an die ursprüngliche Bahngesellschaft.

Obwohl die Schweizerische Nationalbahn nur wenige Jahre existierte, hat sich ihr Name im regionalen Sprachgebrauch über Generationen erhalten.

Die Bezeichnung wird insbesondere für den heutigen Regionalverkehr auf dem Abschnitt Zofingen–Lenzburg verwendet.

Güterverkehr

Die ehemalige Nationalbahn besitzt auch nach der Einstellung des Personenverkehrs auf ihrem östlichen Abschnitt weiterhin Bedeutung für den Güterverkehr.

Auf verschiedenen Abschnitten bestehen Anschlüsse zu Industrie-, Logistik- und Lageranlagen.

Der alte Streckenast zwischen Gruemet und Wettingen kann zudem für Güterzüge und betriebliche Fahrten verwendet werden.

Damit ist die Strecke östlich von Gruemet nicht vollständig stillgelegt, obwohl dort seit 2004 keine regulären Personenzüge mehr verkehren.

Umleitungsstrecke

Eine zusätzliche betriebliche Bedeutung besitzt der alte Nationalbahnabschnitt als mögliche Umleitungsroute.

Wenn die direkte Verbindung durch den Heitersbergtunnel wegen Bauarbeiten oder Störungen nicht zur Verfügung steht, können geeignete Züge über Teile der historischen Strecke umgeleitet werden.

Dadurch besitzt die im regulären Personenverkehr kaum noch sichtbare Verbindung weiterhin einen strategischen Wert für die Eisenbahninfrastruktur.

Bedeutung für die Region

Die Bahnstrecke hat die Entwicklung mehrerer Gemeinden zwischen Zofingen und Lenzburg beeinflusst.

Safenwil, Kölliken, Oberentfelden, Suhr und Hunzenschwil erhielten durch die Bahn eine direkte Verbindung zu wichtigen regionalen Zentren.

Im 20. und 21. Jahrhundert gewann insbesondere der Pendlerverkehr an Bedeutung.

Heute verbindet die S28 mehrere stark gewachsene Gemeinden und schafft Anschlüsse an die Hauptachsen in Lenzburg und Zofingen.

Bedeutung für Mellingen und Baden

Auch im östlichen Teil der Strecke hatte die Nationalbahn erhebliche Auswirkungen.

Mellingen erhielt 1877 einen Eisenbahnanschluss, der jedoch ausserhalb der später wichtigsten Verkehrsströme lag.

Baden erhielt mit Baden Oberstadt einen zweiten Bahnhof.[4]

Nach dem Zusammenbruch der Nationalbahn und der Zusammenführung der Strecken unter grösseren Bahngesellschaften verlor die ursprüngliche Konkurrenzsituation ihre Bedeutung. Der zentrale Bahnhof Baden blieb langfristig wesentlich wichtiger.

Diese historische Entwicklung trug dazu bei, dass der Personenverkehr über Baden Oberstadt 2004 schliesslich eingestellt wurde.

Wirtschaftliche Folgen des Nationalbahnkonkurses

Die Geschichte der Strecke ist eng mit einem der spektakulärsten wirtschaftlichen Fehlschläge der frühen Schweizer Eisenbahngeschichte verbunden.

Die Nationalbahn sollte die Macht der etablierten Eisenbahngesellschaften brechen. Stattdessen führten hohe Baukosten, ungünstige Streckenführungen, starke Konkurrenz und zu geringe Einnahmen innerhalb kürzester Zeit zum finanziellen Zusammenbruch.[1]

Da zahlreiche Gemeinden Aktien gezeichnet oder Garantien übernommen hatten, wurde aus dem Konkurs nicht nur ein Problem privater Investoren.

Kommunale Haushalte wurden teilweise über Jahrzehnte belastet. Die Nationalbahn wurde dadurch zu einem bekannten Beispiel für die Risiken des weitgehend privatwirtschaftlich organisierten Eisenbahnbaus des 19. Jahrhunderts.

Historische Bedeutung

Die Bahnstrecke Zofingen–Wettingen ist ein bedeutendes Zeugnis der sogenannten Eisenbahnkrise der 1870er Jahre.

Sie zeigt, wie intensiv die privaten Bahngesellschaften um Verkehrsgebiete, Konzessionen und wirtschaftlich attraktive Verbindungen konkurrierten.

Das Scheitern der Nationalbahn trug zugleich zur weiteren Konzentration des schweizerischen Eisenbahnwesens bei. Ihre Strecken gelangten zu den grossen Konkurrenzgesellschaften und wurden 1902 schliesslich Teil der SBB.

Trotz des Scheiterns der ursprünglichen Gesellschaft blieb ein grosser Teil ihrer Infrastruktur erhalten.

Der Abschnitt Zofingen–Lenzburg wird fast 150 Jahre nach seiner Eröffnung weiterhin täglich im Personenverkehr genutzt. Der Abschnitt Lenzburg–Gruemet wurde sogar Teil einer wichtigen nationalen Hauptachse, während die alte Verbindung nach Wettingen als Güter- und Reserveinfrastruktur erhalten blieb.

Damit hat die Nationalbahn ihre ursprüngliche Funktion als durchgehende Konkurrenztransversale zwar verloren, ihr bauliches Erbe prägt das Aargauer Eisenbahnnetz jedoch bis heute.

Siehe auch

Literatur

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. Ein technisch-historischer Atlas. AS Verlag, Zürich 1998.
  • Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
  • Hans-Peter Bärtschi: «Schweizerische Nationalbahn (SNB)». In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Schlussbericht über die Zwangsliquidation der Schweizerischen Nationalbahn, 19. Jahrhundert.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Historisches Lexikon der Schweiz: «Schweizerische Nationalbahn (SNB)», abgerufen am 9. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Kanton Aargau: «Neues Konzept für die Nationalbahn», 5. August 2002, abgerufen am 9. August 2026.
  3. 3,0 3,1 SBB: Liniennetzplan S-Bahnen Aargau 2026, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 9. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Historisches Lexikon der Schweiz: «Baden (AG, Gemeinde)», abgerufen am 9. August 2026.
  5. Tarifverbund A-Welle: A-Welle Zonenpläne, Fahrplan- und Tarifperiode 2026, abgerufen am 9. August 2026.