Wettingen
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Wettingen |
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Gemeindedaten |
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Staat |
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Kanton |
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Bezirk |
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BFS-Nummer |
4045 |
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Postleitzahl |
5430 |
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Koordinaten |
47.46586° N, 8.32666° E |
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Höhe |
395 m ü. M. |
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Fläche |
10.59 km² |
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Einwohner |
22'040
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Website |
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Wettingen (schweizerdeutsch Wettige) ist eine Einwohnergemeinde im Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Baden und liegt im mittleren Limmattal unmittelbar östlich der Stadt Baden. Mit mehr als 22'000 Einwohnerinnen und Einwohnern gehört Wettingen zu den bevölkerungsreichsten Gemeinden des Kantons.[1]
Die Gemeinde erstreckt sich zwischen der Limmat im Süden und Westen, dem Höhenzug der Lägern im Norden und dem Sulperg im Osten. Der grösste Teil des Siedlungsgebiets liegt auf dem nahezu ebenen Wettingerfeld. Das Gemeindegebiet ist heute weitgehend mit jenem der benachbarten Stadt Baden zusammengewachsen und bildet einen bedeutenden Wohn-, Bildungs- und Wirtschaftsstandort innerhalb der Agglomeration Baden–Brugg.
Das kulturhistorisch wichtigste Bauwerk ist das 1227 gegründete Kloster Wettingen, eine ehemalige Zisterzienserabtei auf einer Halbinsel in der Limmat. In den früheren Klostergebäuden befindet sich die Kantonsschule Wettingen. Die öffentlich zugänglichen Teile der Anlage gehören seit 2022 zu Museum Aargau.
Geographie
Lage
Wettingen liegt am rechten Ufer der Limmat kurz vor der Badener Klus. Der Fluss umschliesst im Südwesten die Klosterhalbinsel und bildet über weite Strecken die Gemeindegrenze zu Neuenhof und Baden.
Der grösste Teil des bebauten Gebiets befindet sich auf dem Wettingerfeld, einer flachen Schotterebene. Sie entstand durch Ablagerungen von Flüssen und Gletschern während der Eiszeiten. Die Ebene bot im 19. und 20. Jahrhundert grosse zusammenhängende Flächen für die Siedlungsentwicklung.
Natürliche Grenzen des Wettingerfelds sind:
- im Westen und Südwesten die Limmat;
- im Norden der steile Südhang der Lägern;
- im Osten der Sulperg;
- im Süden die Limmat und die Verkehrsachsen des unteren Limmattals.
Der alte Dorfkern liegt im Nordosten des Wettingerfelds am Fuss der Lägern. Er entwickelte sich entlang des Dorfbachs und der historischen Strasse nach Würenlos. Das moderne Gemeindezentrum mit Rathaus, Bezirksschule und Einkaufsgebieten entstand dagegen in der Mitte des Wettingerfelds.
Lägern
Hauptartikel: Lägern
Die Lägern ist der östlichste Ausläufer des Faltenjuras. Ihr bewaldeter Höhenzug erhebt sich unmittelbar nördlich des Siedlungsgebiets. Die steilen Kalkschichten sind an mehreren Stellen gut sichtbar und machen die Lägern zu einem bedeutenden geologischen Landschaftselement.
Der höchste Punkt des Gemeindegebiets liegt auf dem 859 Meter hohen Burghorn. Der tiefste Punkt befindet sich auf ungefähr 360 Metern an der Limmat. Vom Lägerngrat bieten sich Ausblicke über Wettingen, Baden, das Limmattal und bei klarer Sicht bis zu den Alpen.
Am sonnenreichen Südhang der Lägern wird Weinbau betrieben. Die Rebflächen bilden heute nur noch einen kleinen Teil der früheren Kulturlandschaft, sind aber für das Ortsbild und die lokale Identität von Bedeutung.
Sulperg und Eigital
Der 569 Meter hohe Sulperg begrenzt das Siedlungsgebiet im Osten. Er ist grösstenteils bewaldet und dient als Naherholungsgebiet. An seinem Hang befinden sich die Marienkapelle und ein historischer Kreuzweg.
Zwischen Sulperg und Lägern liegt das weitgehend unbebaute Eigital. Es bildet eine wichtige Landschaftsverbindung zwischen Wettingen und dem Furttal. Wiesen, Äcker, Waldränder und kleinere Gewässer prägen das Gebiet.
Das Eigital trennt zugleich den geschlossenen Siedlungsraum von Wettingen von den Zürcher Gemeinden Otelfingen und Niederweningen.
Gewässer
Das wichtigste Gewässer ist die Limmat. Sie wird südwestlich von Wettingen durch das Kraftwerk Wettingen zum Stausee Wettingen aufgestaut. Das Kraftwerk wird vom Elektrizitätswerk der Stadt Zürich betrieben.
Der Dorfbach entspringt am Fuss der Lägern und durchquert das Wettingerfeld. Teile seines Laufs wurden im Verlauf der Siedlungsentwicklung kanalisiert oder eingedolt. Andere Abschnitte wurden später wieder offengelegt und naturnäher gestaltet. Über den Gottesgraben gelangt das Wasser in die Limmat.
Kleinere Bäche und Entwässerungsgräben befinden sich insbesondere im Eigital und im Gebiet Tägerhard.
Bodennutzung
Das Gemeindegebiet umfasst 1059 Hektaren. Nach Angaben der Gemeinde entfielen davon 2026:
| Nutzung | Fläche |
|---|---|
| Acker- und Wiesland | 217 ha |
| Wald | 386 ha |
| Überbaute Fläche | 353 ha |
| Übrige Flächen, Gewässer und Verkehrsflächen | 103 ha |
Die Waldflächen liegen vor allem auf der Lägern, am Sulperg und entlang der steileren Limmatufer. Das Landwirtschaftsgebiet konzentriert sich auf das Eigital, die höheren Lagen am Siedlungsrand und einzelne Flächen im Tägerhard.[1]
Nachbargemeinden
Wettingen grenzt an:
- Baden im Westen;
- Ennetbaden im Nordwesten;
- Ehrendingen im Norden;
- Niederweningen im Nordosten;
- Otelfingen im Osten;
- Würenlos im Südosten;
- Neuenhof im Süden.
Die Grenzen zu Niederweningen und Otelfingen verlaufen über die Lägern beziehungsweise durch das Eigital und bilden zugleich die Kantonsgrenze zwischen Aargau und Zürich.
Siedlungsstruktur
Wettingen besitzt keinen einzelnen, historisch gewachsenen Stadtkern. Die heutige Siedlung entstand aus mehreren räumlich getrennten Bereichen, die im 20. Jahrhundert zusammenwuchsen.
Zu den wichtigsten Siedlungsgebieten gehören:
- der alte Dorfkern am Fuss der Lägern;
- das Bahnhof- und Klosterquartier;
- Altenburg und Langenstein an der Grenze zu Baden;
- das zentrale Wettingerfeld mit Rathaus und Bezirksschule;
- die Wohnquartiere Margeläcker und Zehntenhof;
- das Tägerhard im Südosten;
- die Klosterhalbinsel an der Limmat.
Der historische Dorfkern ist durch Bauernhäuser, ehemalige Handwerkerhäuser, Gasthäuser und kirchliche Bauten geprägt. Im Wettingerfeld entstand dagegen ein regelmässiges, teilweise schachbrettartiges Strassennetz.
Die starke Bautätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg führte zu ausgedehnten Wohnquartieren mit Einfamilienhäusern, Reihenhäusern und Mehrfamilienhäusern. Wettingen wurde deshalb in der Ortsplanung wiederholt als Gartenstadt oder gartenstadtähnliche Flächensiedlung bezeichnet.[2]
Heute bestehen nur noch wenige grössere unbebaute Flächen innerhalb des Siedlungsgebiets. Die räumliche Entwicklung konzentriert sich deshalb zunehmend auf die Erneuerung bestehender Quartiere, die Umnutzung ehemaliger Gewerbegebiete und eine verdichtete Bauweise an gut erschlossenen Standorten.
Geschichte
Urgeschichte und Römerzeit
Auf dem Gemeindegebiet wurden Gräber aus der Jungsteinzeit entdeckt. Weitere Funde belegen, dass die Gegend auch während der Bronze- und Eisenzeit begangen oder besiedelt war.
In römischer Zeit führte eine bedeutende Strassenverbindung durch das Wettingerfeld. Sie verband das Legionslager Vindonissa bei Windisch über den Kurort Aquae Helveticae, das heutige Baden, mit Vitudurum bei Oberwinterthur.
In Wettingen bestand eine kleine römische Siedlung. Der bedeutendste Fund ist eine steinerne Bauinschrift, die zu einem Heiligtum der ägyptisch-römischen Göttin Isis gehörte. Die Inschrift ist heute im Eingangsbereich der katholischen Pfarrkirche St. Sebastian eingemauert.
Im Jahr 1633 wurde in der Nähe des Klosters ein römischer Silberschatz entdeckt. Er enthielt mehrere Silbergefässe und zahlreiche Münzen aus dem 3. Jahrhundert. Vertreter der eidgenössischen Orte teilten den Fund unter sich auf. Vor der Einschmelzung wurden einzelne Stücke zeichnerisch dokumentiert.
Alamannische Besiedlung
Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich im 6. Jahrhundert alamannische Siedler im Gebiet nieder. Ihre Höfe entstanden wahrscheinlich in der Nähe der aufgegebenen römischen Siedlung und an den wasserreichen Hängen unterhalb der Lägern.
Wettingen wurde 1045 erstmals als Wettingun urkundlich erwähnt. Der Ortsname geht vermutlich auf einen althochdeutschen Personennamen wie Wetti oder Watto zurück und bedeutet «bei den Leuten des Wetti».
Im Hochmittelalter gehörte die Gegend zunächst zum Einflussbereich der Grafen von Lenzburg. Nach deren Aussterben 1173 gelangten ihre Rechte an die Grafen von Kyburg. 1273 gingen die kyburgischen Besitzungen an die Habsburger über.
Gründung des Klosters
Hauptartikel: Kloster Wettingen
Der Freiherr Heinrich II. von Rapperswil erwarb nach 1220 Güter in Wettingen und das Patronatsrecht über die Dorfkirche. Nach einer überlieferten Errettung aus Seenot stiftete er seinen Wettinger Besitz dem Zisterzienserorden.
Mönche aus der Reichsabtei Salem am Bodensee gründeten am 14. Oktober 1227 in einer Limmatschlaufe das Kloster Maris Stella, auf Deutsch «Meerstern». Der Name bezog sich auf die Jungfrau Maria und auf die Rettungslegende des Stifters.[3]
Das Kloster entwickelte sich zum wichtigsten Grundherrn der Region. Es besass Höfe, Wälder, Reben, Mühlen und Fischereirechte in zahlreichen Orten des heutigen Kantons Aargau und der angrenzenden Gebiete. Seit dem 14. Jahrhundert übte es in Wettingen auch die niedere Gerichtsbarkeit aus.
Das Dorf und das Kloster waren wirtschaftlich eng miteinander verbunden. Gleichzeitig kam es wiederholt zu Streitigkeiten über Abgaben, Weiderechte, Waldnutzung und die Besetzung kirchlicher Ämter.
Grafschaft Baden
Nach der eidgenössischen Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 wurde Wettingen Teil der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft mehrerer eidgenössischer Orte. Das Dorf bildete den Mittelpunkt eines gleichnamigen Amts.
Die hohe Gerichtsbarkeit lag beim Landvogt in Baden. Das Kloster behielt jedoch wichtige grundherrschaftliche Rechte und seine Stellung als lokaler Gerichtsherr.
Während der Reformation bekannten sich 1529 der Wettinger Dorfpfarrer, Abt Georg Müller und die Mehrheit der Mönche zur neuen Konfession. Auch ein grosser Teil der Dorfbevölkerung trat zum reformierten Glauben über.
Nach der Niederlage der reformierten Orte im Zweiten Kappelerkrieg von 1531 wurden Dorf und Kloster rekatholisiert. Das Kloster entwickelte sich in der Folge zu einem Zentrum der katholischen Reform.
Im Zweiten Villmergerkrieg von 1712 besetzten Zürcher und Berner Truppen das Wettingerfeld. Von dort beschossen sie die Badener Festung Stein. Nach dem Sieg der reformierten Orte veränderten sich die Herrschaftsverhältnisse in der Grafschaft Baden.
Helvetik und Kantonsgründung
Im März 1798 besetzten französische Truppen die alte Eidgenossenschaft. Wettingen wurde eine Gemeinde des neu geschaffenen Kantons Baden innerhalb der Helvetischen Republik.
Während der Koalitionskriege mussten die Einwohner französische, österreichische und russische Truppen einquartieren und versorgen. Die militärischen Durchzüge belasteten die Gemeinde wirtschaftlich stark.
Mit der Mediationsakte von 1803 wurde der Kanton Baden aufgelöst. Wettingen kam zum neu gegründeten Kanton Aargau und wurde dem Bezirk Baden zugeteilt.
Aufhebung des Klosters
Am 13. Januar 1841 beschloss der Grosse Rat des Kantons Aargau die Aufhebung aller Klöster im Kanton. Die Massnahme war eine Reaktion auf konfessionelle und politische Konflikte und führte zum Aargauer Klosterstreit.
Die Wettinger Mönche mussten die Abtei innerhalb von 48 Stunden verlassen. Das Klostervermögen ging an den Kanton. Grosse Teile der Bibliothek wurden in die Kantonsbibliothek nach Aarau überführt.
Die Gemeinschaft liess sich 1854 im ehemaligen Benediktinerkloster Mehrerau bei Bregenz nieder. Daraus entstand die heutige Territorialabtei Wettingen-Mehrerau.
In den ehemaligen Klostergebäuden eröffnete der Kanton 1847 ein Lehrerseminar. Es bildete während mehr als eines Jahrhunderts Lehrer für die aargauische Volksschule aus. 1976 wurde das Seminar durch die neu gegründete Kantonsschule Wettingen ersetzt.
Industrialisierung
Nach der Klosteraufhebung entstanden auf der Klosterhalbinsel neue gewerbliche Nutzungen. Der Unternehmer Johann Wild errichtete 1857 und 1858 eine grosse Baumwollspinnerei. Später kamen eine Weberei, Werkstätten, Verwaltungsgebäude und Arbeiterhäuser hinzu.[4]
Die Fabrik nutzte zunächst die Wasserkraft der Limmat. Das mehrgeschossige Spinnereigebäude und weitere Industriebauten sind bis heute erhalten und bilden einen wichtigen Bestandteil der Klosterhalbinsel.
Der Bahnhof Wettingen nahm 1877 seinen Betrieb auf. Er lag zwischen dem alten Dorf, der Klosterhalbinsel und den Fabrikanlagen. Die Bahnverbindungen nach Zofingen, Winterthur, Baden und Bülach förderten die industrielle und bauliche Entwicklung.[5]
Die Bahnlinie nach Bülach durch das Furttal wurde 1877 eröffnet. Der Personenverkehr zwischen Wettingen und Otelfingen wurde 1937 vorübergehend eingestellt und später im Rahmen der Zürcher S-Bahn wieder aufgenommen.
Wachstum als Vorort von Baden
Die 1891 in Baden gegründete Brown, Boveri & Cie., die spätere ABB, entwickelte sich zu einem bedeutenden Industriekonzern. Da Baden wegen seiner Lage in der engen Limmatklus nur über begrenztes Bauland verfügte, liessen sich zahlreiche Beschäftigte in Wettingen nieder.
Zwischen dem alten Dorf, dem Bahnhof und der Stadtgrenze zu Baden entstanden neue Wohnquartiere. Wettingen wandelte sich von einem katholisch geprägten Bauerndorf zu einer konfessionell und sozial vielfältigen Vorortsgemeinde.
Die Zuwanderung reformierter Arbeiter und Angestellter führte zum Bau der reformierten Kirche, die 1939 eingeweiht wurde. Für die wachsende katholische Bevölkerung im westlichen Gemeindegebiet entstand 1954 die Pfarrkirche St. Anton.
Das Bevölkerungswachstum beschleunigte sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1950 und 1960 stieg die Einwohnerzahl von 11'667 auf 17'613. Das zentrale Wettingerfeld wurde mit Wohnhäusern, Schulen, Strassen und öffentlichen Einrichtungen überbaut.
1959 bezog die Gemeindeverwaltung das neue Rathaus. Gemeinsam mit der Bezirksschule, Turnhallen und dem Rathausplatz bildete es ein neues politisches und gesellschaftliches Zentrum.
1967 überschritt die Einwohnerzahl erstmals die Marke von 20'000. In den folgenden Jahrzehnten ging sie zeitweise zurück, bevor ab den 1990er-Jahren eine neue Wachstumsphase einsetzte.
Entwicklung im 21. Jahrhundert
Die Siedlungsentwicklung des 21. Jahrhunderts konzentriert sich auf die Erneuerung bestehender Quartiere, die bessere Nutzung von Bahnhofsumfeld und Gewerbearealen sowie die Aufwertung öffentlicher Räume.
Die Klosterhalbinsel wurde schrittweise als Kultur-, Bildungs- und Erholungsraum weiterentwickelt. Seit 2022 gehört sie als eigener Standort zu Museum Aargau.[6]
Im Jahr 2027 begeht das Kloster Wettingen sein 800-jähriges Bestehen. Der Kanton Aargau und lokale Institutionen bereiten dafür ein gemeinsames Klosterjahr mit kulturellen und historischen Veranstaltungen vor.[7]
Bevölkerung
Am 30. Juni 2026 lebten 22'040 Personen in Wettingen. Ende 2025 hatte die Gemeinde 21'996 Einwohnerinnen und Einwohner; der Anteil ausländischer Staatsangehöriger betrug 30,76 Prozent.[1]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1798 | 721 |
| 1850 | 1'610 |
| 1900 | 3'128 |
| 1930 | 8'505 |
| 1950 | 11'667 |
| 1960 | 17'613 |
| 1970 | 19'900 |
| 1980 | 18'377 |
| 1990 | 17'706 |
| 2000 | 17'870 |
| 2010 | 20'134 |
| 2020 | 21'099 |
| 2025 | 21'996 |
| Juni 2026 | 22'040 |
Die historischen Zahlen beruhen auf den eidgenössischen Volkszählungen und den Statistiken des Kantons Aargau. Wegen unterschiedlicher Erhebungsmethoden sind einzelne Werte nur eingeschränkt miteinander vergleichbar.[8]
Das starke Wachstum im 20. Jahrhundert war vor allem auf die Industrialisierung der Region Baden und den Ausbau der Verkehrsverbindungen zurückzuführen. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die internationale Zuwanderung an Bedeutung zu.
Die Bevölkerung ist sprachlich, kulturell und religiös vielfältig. Neben Deutsch werden insbesondere Italienisch, Albanisch, Portugiesisch, Spanisch, südslawische Sprachen und Englisch gesprochen.
Traditionell war Wettingen römisch-katholisch geprägt. Durch die Zuwanderung reformierter Arbeitskräfte und die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung veränderten sich die konfessionellen Verhältnisse. Heute bilden Konfessionslose und Angehörige weiterer Religionsgemeinschaften einen bedeutenden Teil der Bevölkerung.
Wappen
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:
- «Im Wellenschnitt geteilt von Rot mit sechsstrahligem gelbem Stern und von Weiss mit drei blauen Wellen.»
Der Stern über den Wellen verweist auf den Klosternamen Maris Stella, «Meerstern». Die Wellen stehen zugleich für das Wasser und die Lage des Klosters an der Limmat.
Das erste bekannte Gemeindewappen aus dem Jahr 1827 zeigte den heiligen Sebastian, den Patron der Dorfkirche, an einen Baum gebunden und von Pfeilen getroffen. Wenige Jahre später wurde dieses Bild durch einen Stern über einer gewellten Wasserfläche ersetzt.
Die heutige Gestaltung wurde 1957 eingeführt. Sie orientiert sich am historischen Wappen des Klosters Wettingen, das bereits im 17. Jahrhundert belegt ist.[9]
Politik
Einwohnergemeinde
Wettingen ist als Einwohnergemeinde nach dem Gemeindegesetz des Kantons Aargau organisiert. Die Stimmberechtigten entscheiden an der Urne über Wahlen, obligatorische Referenden und weitere wichtige Vorlagen.
Neben der Einwohnergemeinde besteht eine Ortsbürgergemeinde. Zu ihr gehören Personen mit dem Ortsbürgerrecht von Wettingen. Sie verwaltet insbesondere Wald, Grundbesitz und weiteres historisch gewachsenes Vermögen.
Einwohnerrat
Seit 1966 besitzt Wettingen anstelle einer Gemeindeversammlung ein Gemeindeparlament. Der Einwohnerrat besteht aus 50 Mitgliedern, die für jeweils vier Jahre im Proporzverfahren gewählt werden.[10]
Zu seinen Aufgaben gehören:
- Genehmigung des Budgets und der Jahresrechnung;
- Festsetzung des kommunalen Steuerfusses;
- Beschlussfassung über grössere Kredite;
- Erlass kommunaler Reglemente;
- Kontrolle der Tätigkeit des Gemeinderats;
- Behandlung von Motionen, Postulaten und Interpellationen.
Nach den Gesamterneuerungswahlen von 2025 verteilen sich die Sitze für die Amtsperiode 2026–2029 wie folgt:
| Partei oder Gruppierung | Sitze |
|---|---|
| Die Mitte | 11 |
| Sozialdemokratische Partei | 10 |
| Schweizerische Volkspartei | 9 |
| Grünliberale Partei | 7 |
| Freisinnig-Demokratische Partei | 6 |
| WettiGrüen | 4 |
| Evangelische Volkspartei | 3 |
| Gesamt | 50 |
Gemeinderat
Die Exekutive bildet der siebenköpfige Gemeinderat. Er wird für vier Jahre im Majorzverfahren gewählt. Der Gemeinderat führt die Gemeindeverwaltung, setzt die Beschlüsse des Einwohnerrats um und vertritt die Gemeinde nach aussen.
Gemeindeammann der Amtsperiode 2026–2029 ist Markus Haas. Vizeammann ist Christian Wassmer.[11]
Der Gemeindeammann übt sein Amt im Vollamt aus. Die übrigen Mitglieder des Gemeinderats arbeiten im Nebenamt und führen jeweils ein oder mehrere Ressorts.
Regionale Zusammenarbeit
Wettingen arbeitet in zahlreichen Bereichen mit Baden und weiteren Gemeinden des Limmattals zusammen. Dazu gehören:
- Regionalpolizei Wettingen-Limmattal;
- Regionale Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen;
- Zivilschutz und regionales Führungsorgan;
- soziale und gesundheitliche Dienstleistungen;
- Raum- und Verkehrsplanung;
- Energieversorgung und Abfallentsorgung;
- Kultur- und Sportangebote.
Die enge räumliche Verflechtung mit Baden führt regelmässig zu gemeinsamen Planungsprojekten. Politisch bleiben beide Gemeinden jedoch selbstständig.
Wirtschaft
Bis ins 19. Jahrhundert lebte die Bevölkerung hauptsächlich von Landwirtschaft, Weinbau, Viehhaltung und Handwerk. Das Kloster war der wichtigste Grundbesitzer und wirtschaftliche Mittelpunkt.
Mit der Baumwollspinnerei auf der Klosterhalbinsel begann die industrielle Entwicklung. Später entstanden weitere Textil-, Metall-, Bau- und Gewerbebetriebe. Zugleich arbeiteten viele Wettingerinnen und Wettinger in den grossen Industriebetrieben von Baden.
Heute wird die lokale Wirtschaft vom Dienstleistungssektor und von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Bedeutende Bereiche sind:
- Detailhandel;
- Bau- und Ausbaugewerbe;
- Gesundheits- und Sozialwesen;
- Bildung;
- Unternehmensdienstleistungen;
- Gastronomie;
- Informatik und Kommunikation;
- Gewerbe und kleinere Industriebetriebe.
Grössere Gewerbe- und Einkaufsgebiete befinden sich entlang der Landstrasse, beim Bahnhof und im Tägerhard. Das Einkaufszentrum Tägipark bildet einen regionalen Detailhandelsstandort.
Viele Einwohner pendeln nach Baden, Zürich, ins übrige Limmattal oder in andere Teile des Kantons Aargau. Gleichzeitig bietet Wettingen selbst mehrere tausend Arbeitsplätze und zieht Pendler aus den Nachbargemeinden an.
Weinbau
Hauptartikel: Weinbau in Wettingen
Der Weinbau am Südhang der Lägern ist seit dem Mittelalter belegt. Das Kloster besass ausgedehnte Rebflächen und produzierte Wein für den eigenen Gebrauch, den Handel und die Abgabenwirtschaft.
Im 19. und 20. Jahrhundert ging die Rebfläche deutlich zurück. Ursachen waren Rebkrankheiten, veränderte wirtschaftliche Bedingungen und die Ausdehnung der Siedlung.
Heute werden wieder mehrere Parzellen bewirtschaftet. Angebaut werden unter anderem Blauburgunder, Riesling-Silvaner und weitere Sorten. Die unter Denkmalschutz stehende Rote Trotte erinnert an die lange Weinbautradition und wird weiterhin für Veranstaltungen und die Verarbeitung von Trauben genutzt.
Energieversorgung
Die Energie Wettingen AG versorgt die Gemeinde mit Elektrizität und weiteren Energiedienstleistungen. Sie ging aus dem 1938 gegründeten Elektrizitäts- und Wasserwerk Wettingen hervor.
An der Limmat befindet sich das Kraftwerk Wettingen. Seine Staumauer liegt zwischen Wettingen und Neuenhof. Der dadurch entstandene Stausee ist zugleich Energieanlage, Landschaftselement und Naherholungsraum.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Wettingen wurde 1877 eröffnet. Seine Lage zwischen Dorf und Klosterhalbinsel beeinflusste die spätere Siedlungsentwicklung wesentlich.
Heute ist der Bahnhof in das Netz der Zürcher S-Bahn und des regionalen Bahnverkehrs integriert. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach:
- Baden und Brugg;
- Zürich;
- durch das Furttal nach Zürich-Oerlikon;
- Aarau und Olten;
- ins untere Aaretal.
Der nächste Bahnhof mit Fernverkehrshalt befindet sich in Baden. Die Reisezeit zwischen Wettingen und Baden beträgt mit dem Zug oder Bus nur wenige Minuten.
Die ehemalige Bahnstrecke von Wettingen über Mellingen nach Lenzburg wird weiterhin für den Güterverkehr und Umleitungen genutzt. Der reguläre Personenverkehr wurde 2004 eingestellt.
Busverkehr
Die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen betreiben ein dichtes Busnetz. Es verbindet die Wohnquartiere mit dem Bahnhof Wettingen, dem Bahnhof Baden, dem Tägerhard, Würenlos, Neuenhof und weiteren Gemeinden der Region.
Die Landstrasse bildet die wichtigste Achse des öffentlichen Verkehrs innerhalb der Gemeinde. Weitere Busverbindungen erschliessen die Klosterhalbinsel, den alten Dorfkern und die höher gelegenen Quartiere.
Strassenverkehr
Südlich von Wettingen verläuft die Autobahn A1. Die Gemeinde ist über die Anschlüsse Wettingen-Ost und Neuenhof erreichbar.
Wichtige Strassen führen:
- nach Baden und Ennetbaden;
- durch das Limmattal nach Neuenhof und Dietikon;
- über Würenlos ins Furttal;
- über die Lägern nach Ehrendingen und ins Surbtal.
Die Landstrasse durchquert das Siedlungsgebiet von Südosten nach Nordwesten. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens sind Lärmschutz, öffentlicher Verkehr, Veloverbindungen und die Gestaltung der Ortszentren wichtige Themen der kommunalen Planung.
1987 wurde beim Rathaus der erste moderne Kreisverkehr des Kantons Aargau eröffnet.
Fuss- und Veloverkehr
Die flache Topografie des Wettingerfelds begünstigt den Veloverkehr. Regionale Velorouten führen entlang der Limmat, über die Klosterhalbinsel und in Richtung Baden, Würenlos, Neuenhof und Zürich.
Mehrere Fussgängerbrücken und Unterführungen verbinden die durch Bahnlinien und Hauptstrassen getrennten Quartiere. Wanderwege führen auf die Lägern, zum Sulperg, durch das Eigital und entlang des Stausees.
Bildung
Wettingen ist ein bedeutender Bildungsstandort. Die Gemeinde führt Kindergärten, Primarschulen sowie sämtliche Stufen der Sekundarstufe I.
Zu den kommunalen Schulstandorten gehören unter anderem:
- Altenburg;
- Dorf mit den Schulhäusern Sulperg und Lägern;
- Margeläcker;
- Zehntenhof;
- Bezirksschule beim Rathaus.
Die Musikschule Wettingen bietet Instrumentalunterricht, Gesang und Ensembleangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an.
Kantonsschule Wettingen
Hauptartikel: Kantonsschule Wettingen
Die Kantonsschule Wettingen befindet sich seit 1976 in den ehemaligen Gebäuden des Klosters. Sie führt ein Gymnasium und eine Fachmittelschule.
Mehr als 1100 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule. Unterrichtsräume, Aula, Mensa und weitere Einrichtungen verteilen sich auf historische Klostergebäude und moderne Erweiterungsbauten.[12]
Das historische Umfeld wird für Unterricht, Musik, Theater und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Die Kantonsschule arbeitet in verschiedenen Bereichen mit der Kantonsschule Baden zusammen.
Lehrerseminar
Von 1847 bis 1976 war im Kloster das kantonale Lehrerseminar untergebracht. Es prägte die Bildungs- und Kulturgeschichte Wettingens stark.
Zahlreiche Lehrer, Musiker, Schriftsteller und Künstler erhielten dort ihre Ausbildung. Das Seminar verfügte über einen Chor, ein Orchester und ein reges kulturelles Leben.
Religion
Wettingen gehörte seit dem Mittelalter zur römisch-katholischen Pfarrei St. Sebastian. Die Reformation setzte sich 1529 vorübergehend durch, wurde nach dem Zweiten Kappelerkrieg jedoch rückgängig gemacht.
Mit der Industrialisierung und der Zuwanderung entstanden neue kirchliche Gemeinden.
Zu den wichtigsten Kirchen gehören:
- die katholische Pfarrkirche St. Sebastian;
- die katholische Pfarrkirche St. Anton;
- die reformierte Kirche Wettingen;
- die Klosterkirche Maria Meerstern;
- die Friedhofskirche Brunnenwiese;
- die Kreuzkapelle;
- die Marienkapelle am Sulperg.
Daneben bestehen freikirchliche Gemeinden sowie Gemeinschaften anderer Religionen. Die katholische und die reformierte Kirchgemeinde arbeiten in sozialen, kulturellen und ökumenischen Projekten zusammen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kloster Wettingen
Das ehemalige Zisterzienserkloster ist das wichtigste Baudenkmal der Gemeinde und ein Kulturgut von internationaler Bedeutung.
Die Anlage umfasst:
- die Klosterkirche Maria Meerstern;
- den mittelalterlichen Kreuzgang;
- die Konventsgebäude;
- das Abthaus;
- den Klosterpark;
- historische Gärten und Rebflächen;
- ehemalige Wirtschaftsgebäude;
- die Alte Spinnerei.
Besonders bedeutend ist der Glasscheibenzyklus im Kreuzgang. Die Scheiben wurden seit dem Mittelalter von Klöstern, eidgenössischen Orten, Äbten und privaten Stiftern gestiftet.
In der Kreuzgangkapelle befindet sich das sogenannte Wettinger Jesuskind. Das Bild überstand den Klosterbrand von 1507 und wurde danach als wundertätiges Andachtsbild verehrt.
Die Klosterkirche besitzt ein reich geschnitztes Chorgestühl aus der Renaissancezeit. Barocke Umbauten und Ausstattungsstücke prägen das heutige Erscheinungsbild.
Klosterhalbinsel
Die Klosterhalbinsel verbindet Kulturgeschichte, Bildung, Industriegeschichte und Landschaft. Neben dem Kloster und der Kantonsschule befinden sich dort:
- ehemalige Fabrikgebäude;
- Arbeiterhäuser;
- Restaurants und Veranstaltungsräume;
- historische Gärten;
- Kunstwerke des Kulturwegs Limmat;
- Zugänge zum Flussufer.
Seit 2022 betreibt Museum Aargau auf der Halbinsel Ausstellungen und Rundgänge zur Klostergeschichte. Das Museum vermittelt Themen wie Glauben, Macht, Bildung, Gartenkultur und den Alltag der Zisterzienser.[6]
Pfarrkirche St. Sebastian
Die heutige katholische Pfarrkirche St. Sebastian wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des Historismus errichtet. Einzelne Gestaltungselemente weisen bereits auf den Jugendstil hin.
Im Eingangsbereich befindet sich die römische Isis-Inschrift. Sie gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der römischen Religionsgeschichte im Aargau.
Von der älteren Dorfkirche ist nur ein Teil der Umgebungsmauer erhalten. Dort wurde 1835 erstmals Alberich Zwyssigs Graduale Diligam te Domine aufgeführt, dessen Melodie später zur Grundlage des Schweizerpsalms wurde.
Pfarrkirche St. Anton
Die 1954 eingeweihte Kirche St. Anton ist ein bedeutendes Beispiel des katholischen Kirchenbaus der Nachkriegszeit. Sie wurde als grosszügige Betonhallenkirche errichtet.
Zur Ausstattung gehören Bildwandteppiche, eine Pietà und moderne liturgische Kunst. Die Kirche entstand für die rasch wachsenden westlichen Wohnquartiere.
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche wurde 1939 eingeweiht. Ihr Bau war die Folge der starken Zuwanderung reformierter Einwohner aus Zürich, Bern und anderen Kantonen.
Der schlichte Bau mit seinem markanten Turm steht an erhöhter Lage nahe dem alten Dorfkern. Die Kirche bildet das Zentrum der reformierten Kirchgemeinde Wettingen-Neuenhof.
Schloss Schartenfels
Das Schloss Schartenfels liegt auf einem Felssporn der Lägern oberhalb der Badener Klus. Es befindet sich auf Wettinger Gemeindegebiet und bietet einen weiten Blick über Baden und das Limmattal.
Der heutige Bau geht im Wesentlichen auf das 19. Jahrhundert zurück. Das Gebäude wird als Restaurant und Veranstaltungsort genutzt.
Rote Trotte
Die Rote Trotte an der Rebbergstrasse ist ein historisches Gebäude des Wettinger Weinbaus. Sie enthält eine grosse Weinpresse und wird weiterhin für Veranstaltungen und die lokale Rebkultur genutzt.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und gehört zu den bekanntesten Zeugnissen der früheren landwirtschaftlichen Gemeinde.
Alte Spinnerei
Die Alte Spinnerei auf der Klosterhalbinsel entstand 1857 und 1858. Das sechsgeschossige Hauptgebäude, der ehemalige Kamin, die Weberei und weitere Nebengebäude bilden ein bedeutendes Ensemble der aargauischen Industriekultur.
Nach dem Ende der Textilproduktion wurden die Gebäude für Gewerbe, soziale Einrichtungen, Kultur und Gastronomie umgenutzt.
Brücken
Mehrere historische und moderne Brücken verbinden Wettingen mit Neuenhof und Baden.
Zu ihnen gehören:
- die gedeckte Holzbrücke zwischen Wettingen und Neuenhof;
- die ehemalige Industrie-Hängebrücke, im Volksmund «Gwaggelibrugg» genannt;
- Eisenbahn- und Strassenbrücken bei der Klosterhalbinsel;
- Fussgänger- und Velobrücken entlang der Limmat.
Die Gwaggelibrugg wurde für die Beschäftigten der Spinnerei errichtet und gilt als technikgeschichtliches Denkmal der Industrialisierung.
Gluri Suter Huus
Das Gluri Suter Huus ist ein kommunales Kultur- und Ausstellungszentrum im alten Dorfkern. Es zeigt zeitgenössische Kunst und Ausstellungen zur Ortsgeschichte.
Zum Haus gehören eine Kunstsammlung, ein historisches Fotoarchiv und Räume für kulturelle Veranstaltungen. Das Fotoarchiv dokumentiert das Gemeindeleben seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.[13]
Kulturweg Limmat
Der Kulturweg Limmat verbindet Baden, Wettingen und Neuenhof. Entlang des Flusses und auf der Klosterhalbinsel stehen Skulpturen und Installationen zeitgenössischer Kunst.
Der Weg verknüpft Natur, Industriegeschichte, Klosteranlage und moderne Kunst. Er kann zu Fuss oder teilweise mit dem Velo erkundet werden.
Alberich Zwyssig und der Schweizerpsalm
Der Zisterzienserpater Alberich Zwyssig lebte von 1821 bis zur Klosteraufhebung 1841 in Wettingen. Er war zunächst Klosterschüler und Sängerknabe, später Priester, Lehrer, Sekretär des Abtes und Kapellmeister.
1835 komponierte er für eine kirchliche Feier das Graduale Diligam te Domine. Die Melodie verwendete er 1841 für den von Leonhard Widmer verfassten Text «Trittst im Morgenrot daher».
Das Lied wurde unter dem Namen Schweizerpsalm bekannt und 1981 offiziell zur Schweizer Landeshymne erklärt. In Wettingen erinnern die Alberich-Zwyssig-Strasse und weitere Benennungen an den Komponisten.[14]
Sport und Freizeit
Tägi
Das Sport- und Erholungszentrum Tägi im Gebiet Tägerhard ist die wichtigste Sportanlage der Gemeinde. Es besitzt regionale Bedeutung und umfasst unter anderem:
- Hallenbad;
- Gartenbad;
- Eisbahn und Eishalle;
- Sport- und Mehrzweckhallen;
- Fitness- und Kursräume;
- Gastronomie;
- Veranstaltungs- und Kongressräume.
Die Anlage wurde in den 2010er-Jahren umfassend erneuert und wird von der Tägi AG betrieben. Sie dient Vereinen, Schulen, Freizeitsportlern und Veranstaltern.
Sportvereine
Zu den bekannten Wettinger Sportvereinen gehören:
- FC Wettingen;
- HC Rotweiss Wettingen;
- Tennisclub Wettingen;
- Schwimmclub Tägi Wettingen;
- Turnvereine und Leichtathletikgruppen;
- verschiedene Kampf-, Ball- und Radsportvereine.
Der FC Wettingen spielte zeitweise in der höchsten Schweizer Fussballliga. International bekannt wurde der Verein 1989 durch seinen Erfolg gegen den SSC Neapel mit Diego Maradona im UEFA-Pokal.
Der HC Rotweiss Wettingen gehört zu den traditionsreichen Schweizer Landhockeyvereinen und gewann zahlreiche nationale Meistertitel.
Naherholung
Beliebte Naherholungsgebiete sind:
- der Lägerngrat;
- der Sulperg;
- das Eigital;
- die Limmatufer;
- der Stausee Wettingen;
- die Klosterhalbinsel;
- der Rebberg;
- die Wälder oberhalb des Dorfes.
Die Lägern bietet Wanderwege unterschiedlicher Schwierigkeit. Der Gratweg in Richtung Regensberg enthält ausgesetzte Passagen und verlangt Trittsicherheit.
Die kleine künstlich erweiterte Felshöhle Walhalla liegt am Lägernhang oberhalb von Wettingen. Sie ist über einen Wanderweg erreichbar.
Persönlichkeiten
In Wettingen geboren
- Karl Attenhofer (1837–1914), Musikdirektor und Komponist
- Traugott Sandmeyer (1854–1922), Chemiker
- Rufin Steimer (1866–1928), Kapuziner und erster Präsident von Caritas Schweiz
- Eduard Spörri (1901–1995), Bildhauer
- Walter Huser (1903–1981), Bildhauer
- Ernst Haller (1910–1986), Politiker
- Heiny Widmer (1927–1984), Maler, Lehrer und Museumsleiter
- Gustav Meier (1929–2016), Dirigent und Musikpädagoge
- Anton Egloff (1933–2025), Bildhauer
- Toni Businger (1934–2019), Bühnen- und Kostümbildner
- Rainer Klausmann (* 1949), Kameramann
- Herbert Bolliger (1953–2025), Manager
- Urs Blöchlinger (1954–1995), Jazzmusiker
- Eric Hattan (* 1955), Konzept- und Installationskünstler
- Eva Scheurer (* 1958), Schauspielerin
- Ingrid Deltenre (* 1960), Medienmanagerin
- Bruno Meier (* 1962), Historiker und Verleger
- Markus Somm (* 1965), Journalist und Historiker
- Tobias Straumann (* 1966), Wirtschaftshistoriker
- Monika Schärer (* 1968), Radio- und Fernsehmoderatorin
- Marianne Engel (* 1972), Fotografin und Künstlerin
Mit Wettingen verbunden
- Alberich Zwyssig (1808–1854), Zisterzienser und Komponist des Schweizerpsalms
- Heinrich II. von Rapperswil, Stifter des Klosters Wettingen
- Johann Wild (1825–1895), Unternehmer und Gründer der Baumwollspinnerei
- Markus Dieth (* 1967), Politiker und Regierungsrat des Kantons Aargau
- Lilian Studer (* 1977), Politikerin
- José María Larocca (* 1969), argentinischer Springreiter
Chronologie
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Römische Zeit | Siedlung und Strasse zwischen Vindonissa, Aquae Helveticae und Vitudurum |
| 1045 | Erste urkundliche Erwähnung als Wettingun |
| 1227 | Gründung des Zisterzienserklosters Wettingen |
| 1273 | Übergang der kyburgischen Rechte an die Habsburger |
| 1415 | Wettingen wird Teil der eidgenössischen Grafschaft Baden |
| 1529 | Übertritt von Kloster, Pfarrer und Teilen der Bevölkerung zur Reformation |
| 1531 | Rekatholisierung nach dem Zweiten Kappelerkrieg |
| 1712 | Besetzung im Zweiten Villmergerkrieg |
| 1798 | Eingliederung in den helvetischen Kanton Baden |
| 1803 | Wettingen wird Gemeinde des neu gegründeten Kantons Aargau |
| 1841 | Aufhebung des Klosters Wettingen |
| 1847 | Eröffnung des kantonalen Lehrerseminars im Kloster |
| 1857–1858 | Bau der Baumwollspinnerei auf der Klosterhalbinsel |
| 1877 | Eröffnung des Bahnhofs und der Nationalbahnstrecken |
| 1939 | Einweihung der reformierten Kirche |
| 1954 | Einweihung der katholischen Kirche St. Anton |
| 1959 | Einweihung des Rathauses |
| 1966 | Erstes Zusammentreten des Einwohnerrats |
| 1967 | Einwohnerzahl überschreitet erstmals 20'000 |
| 1976 | Gründung der Kantonsschule Wettingen im ehemaligen Kloster |
| 1981 | Schweizerpsalm wird offizielle Landeshymne |
| 2022 | Klosterhalbinsel wird Standort von Museum Aargau |
| 2026 | Einwohnerzahl überschreitet 22'000 |
| 2027 | 800-Jahr-Feier des Klosters Wettingen |
Siehe auch
- Bezirk Baden
- Kloster Wettingen
- Kantonsschule Wettingen
- Lägern
- Limmat
- Stausee Wettingen
- Kraftwerk Wettingen
- Weinbau in Wettingen
- FC Wettingen
- Alberich Zwyssig
- Schweizerpsalm
- Liste der Kulturgüter in Wettingen
- Geschichte des Kantons Aargau
Literatur
- Ortsbürgergemeinde Wettingen (Hrsg.): Geschichte der Gemeinde Wettingen. Baden 1978.
- Bruno Meier, Fabian Egloff, Ruedi Sommerhalder, Karl Frey: Wettingen. Vom Klosterdorf zur Gartenstadt. hier + jetzt, Baden 2001, ISBN 3-906419-20-7.
- Peter Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band VII: Der Bezirk Baden II. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1995, ISBN 3-909164-44-7.
- Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8.
- Ruth Wiederkehr: Eine Gemeinde, zwei Pfarreien. Katholische Kirchengeschichte Wettingen. Wettingen 2017.
- Kanton Aargau und Gemeinde Wettingen: Räumliches Entwicklungsleitbild Wettingen. Wettingen.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Wettingen
- Wettingen im Historischen Lexikon der Schweiz
- Statistische Angaben zur Gemeinde Wettingen
- Klosterhalbinsel Wettingen bei Museum Aargau
- Kantonsschule Wettingen
- Gluri Suter Huus
- Sport- und Erholungszentrum Tägi
- Historisches Fotoarchiv der Gemeinde Wettingen
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Gemeinde Wettingen: Statistische Angaben zur Gemeinde Wettingen, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Wettingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- ↑ Wettingen (Kloster). In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 27. Januar 2022.
- ↑ Kanton Aargau, Denkmalpflege: Baumwollspinnerei Wettingen, Bauinventar WET902, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Gemeinde Wettingen: Räumliches Entwicklungsleitbild Wettingen – Grundlagenbericht, S. 41–45.
- ↑ 6,0 6,1 Museum Aargau: Klosterhalbinsel Wettingen, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Gemeinde Wettingen: Das Kloster Wettingen feiert im Jahr 2027 sein 800-jähriges Bestehen, 25. September 2025.
- ↑ Bundesamt für Statistik: Bevölkerungsentwicklung nach institutionellen Gliederungen, 1850–2000; Gemeinde Wettingen: Statistische Angaben.
- ↑ Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 312.
- ↑ Gemeinde Wettingen: Sitzungsdaten des Einwohnerrats, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Gemeinde Wettingen: Gemeinderat, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Gemeinde Wettingen: Klosterhalbinsel Wettingen, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Gemeinde Wettingen: Historisches Fotoarchiv der Gemeinde Wettingen, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Gemeinde Wettingen: Wettingen feiert 200 Jahre Pater Alberich Zwyssig, abgerufen am 2. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Wettingen