Bahnhof Zürich Löwenstrasse

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Bahnhof Zürich Löwenstrasse
Offizielle Bezeichnung Zürich HB, Bahnhofteil Löwenstrasse
Ort Zürich, Kanton Zürich
Bestandteil Zürich Hauptbahnhof
Typ unterirdischer Durchgangsbahnhof
Betreiber SBB
Eröffnung 15. Juni 2014
Bahnsteiggleise 4
Gleisnummern 31–34
Perrons 2 Mittelperrons
Tiefe rund 16 m
Bahnhofslänge 675 m
Maximale Zuglänge 420 m
Strecke Durchmesserlinie Zürich
Östliche Verbindung Weinbergtunnel nach Zürich Oerlikon
Verkehr Fernverkehr und S-Bahn Zürich

Der Bahnhof Zürich Löwenstrasse, auch Durchgangsbahnhof Löwenstrasse oder Tiefbahnhof Löwenstrasse genannt, ist ein unterirdischer Bahnhofteil des Zürcher Hauptbahnhofs. Er bildet mit den Gleisen 31 bis 34 das Herzstück der Durchmesserlinie Zürich und wird sowohl von Zügen der S-Bahn Zürich als auch vom Fernverkehr der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) benutzt.[1]

Der Bahnhof wurde am 15. Juni 2014 für den regulären S-Bahn-Verkehr eröffnet. Mit der vollständigen Inbetriebnahme der westlichen Abschnitte der Durchmesserlinie Ende 2015 wurde er auch in den Fernverkehr eingebunden.[1]

Der Bahnhof Löwenstrasse liegt rund 16 Meter unter den oberirdischen Gleisen 4 bis 9 des Hauptbahnhofs und teilweise unter dem Flussbett der Sihl. Er besitzt zwei Mittelperrons und vier Gleise. Die Anlage ist für S-Bahn- und Fernverkehrszüge mit einer Länge von bis zu 420 Metern ausgelegt.[2]

Lage und Einordnung

Der Bahnhof Löwenstrasse ist kein eigenständiger Bahnhof im betrieblichen Sinn, sondern ein Bahnhofteil von Zürich HB. Die vier Gleise tragen die Nummern 31, 32, 33 und 34 und ergänzen die oberirdischen Gleise des Kopfbahnhofs sowie die weiteren unterirdischen Bahnhofteile Museumstrasse und SZU.

Die Anlage befindet sich unter dem südwestlichen Teil des Hauptbahnhofs. Sie verläuft ungefähr in Ost-West-Richtung unter den oberirdischen Gleisen 4 bis 9. Das östliche Ende reicht unter die historische Querhalle des Hauptbahnhofs, bevor die Strecke unter dem Südtrakt und der Limmat hindurch in den Weinbergtunnel führt.[3]

Nach Osten besteht über den Weinbergtunnel eine direkte Verbindung zum Bahnhof Zürich Oerlikon. Westlich des Bahnhofs führen die Gleise in das weitläufige Gleisfeld des Hauptbahnhofs und weiter in Richtung Zürich Altstetten beziehungsweise zu den Strecken in Richtung Zürich Wiedikon.

Durch diese Lage ermöglicht der Bahnhof durchgehende Zugverbindungen durch Zürich, ohne dass die Züge im oberirdischen Kopfbahnhof die Fahrtrichtung wechseln müssen.

Durchmesserlinie Zürich

Hauptartikel: Durchmesserlinie Zürich

Der Bahnhof Löwenstrasse ist das zentrale Element der Durchmesserlinie Zürich. Die rund 9,6 Kilometer lange Bahnverbindung führt von Zürich Altstetten über den Hauptbahnhof und den Weinbergtunnel nach Zürich Oerlikon.[2]

Die Durchmesserlinie entstand als Reaktion auf das starke Wachstum des Bahnverkehrs im Raum Zürich. Der bereits mit der Eröffnung der Zürcher S-Bahn 1990 stark beanspruchte Hauptbahnhof stiess zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Ein wesentliches Problem des historischen Kopfbahnhofs bestand darin, dass zahlreiche durchgehende Züge die Fahrtrichtung wechseln mussten.

Mit einem weiteren unterirdischen Durchgangsbahnhof und einer direkten Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Oerlikon sollten zusätzliche Kapazitäten geschaffen, Fahrzeiten verkürzt und die betriebliche Flexibilität erhöht werden.

Die Durchmesserlinie besteht im Wesentlichen aus:

  • dem Bahnhof Löwenstrasse;
  • dem Weinbergtunnel zwischen Zürich HB und Oerlikon;
  • den neuen beziehungsweise ausgebauten Gleisanlagen im Raum Oerlikon;
  • der Kohlendreieckbrücke;
  • der Letzigrabenbrücke;
  • den dazugehörenden Rampen und Verbindungsgleisen im westlichen Gleisfeld des Hauptbahnhofs.

Die vollständige Durchmesserlinie verbindet damit die Bahnstrecken östlich und nördlich von Zürich mit den westlich und südlich gelegenen Strecken.

Planung

Die Planungen für die heutige Durchmesserlinie konkretisierten sich um die Jahrtausendwende. Hintergrund waren die stark gestiegenen Fahrgastzahlen und die absehbaren Kapazitätsengpässe am Zürcher Hauptbahnhof.

2001 stimmte die Zürcher Stimmbevölkerung dem kantonalen Kredit für die Durchmesserlinie mit einer Zustimmung von mehr als 80 Prozent zu. Die eigentliche Planungsphase begann 2002.[1]

Im selben Jahr wurde ein Architekturwettbewerb für den neuen Bahnhof Löwenstrasse durchgeführt. Das Projekt des Zürcher Architekten Jean-Pierre Dürig setzte sich durch. Die architektonische Bearbeitung erfolgte durch die Dürig AG.[3]

Die Durchmesserlinie wurde als gemeinsames Grossprojekt von Bund, Kanton Zürich und SBB realisiert. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf rund zwei Milliarden Franken. Rund zwei Drittel wurden vom Bund und etwa ein Drittel vom Kanton Zürich getragen.[1]

Bau

Die Hauptarbeiten an der Durchmesserlinie begannen 2007. Der Bau des Bahnhofs Löwenstrasse stellte aufgrund seiner Lage unter einem der am stärksten frequentierten Bahnhöfe der Schweiz besondere technische Anforderungen.

Während der gesamten Bauzeit musste der Betrieb des Zürcher Hauptbahnhofs weitgehend aufrechterhalten werden. Nur zeitlich und räumlich begrenzte Gleissperrungen waren möglich.[2]

Deckelbauweise

Ein wesentlicher Teil des Bahnhofs wurde in Deckelbauweise erstellt. Zunächst wurden Schlitzwände tief in den Untergrund eingebracht. Anschliessend wurde die obere Betondecke hergestellt.

Nachdem die darüberliegenden Gleise wieder befahren werden konnten, wurde das Erdmaterial unter der bereits bestehenden Decke ausgehoben. Auf diese Weise konnten die Bauarbeiten unter dem laufenden Eisenbahnbetrieb fortgesetzt werden.[2]

Diese Bauweise war insbesondere deshalb notwendig, weil sich der Bahnhof unmittelbar unter den bestehenden Gleisanlagen des Hauptbahnhofs befindet.

Unterquerung der Sihl

Eine weitere technische Herausforderung war die Lage unter der Sihl. Der Fluss durchquert den Hauptbahnhof quer zu den Bahnsteigen und fliesst wenig später in die Limmat.

Der Bahnhof Löwenstrasse musste unter dem bestehenden Flussbett errichtet werden. Für die Arbeiten waren umfangreiche Massnahmen zum Hochwasserschutz notwendig. Während der Bauzeit wurde unter anderem die Sohle der Sihl im Bereich des Hauptbahnhofs um rund 60 Zentimeter abgesenkt. Zudem wurde ein Geschieberückhaltevolumen von rund 7000 Kubikmetern geschaffen.[2]

Als zusätzliche Sicherheitsmassnahme bestand die Möglichkeit, den Sihlsee im Kanton Schwyz bei einer kritischen Hochwasserlage vorsorglich abzusenken. Für den Notfall wurden ausserdem Verfahren zur Räumung und kontrollierten Flutung der Baustelle vorbereitet.[2]

Grundwasser

Der Bahnhof befindet sich zum grossen Teil im sogenannten Limmatschotter. Diese aus Kies und Sand bestehende geologische Schicht führt Grundwasser.

Der Grundwasserspiegel liegt in diesem Bereich nur ungefähr fünf Meter unter der Oberfläche, während der Bahnhof deutlich tiefer angeordnet ist. Grosse Teile des Bauwerks befinden sich deshalb permanent im Grundwasser.[2]

Die Abdichtung und die Berücksichtigung der Grundwasserströmungen gehörten zu den wichtigen ingenieurtechnischen Aufgaben des Projekts.

Aushub

Beim Bau des Bahnhofs wurden rund 300'000 Kubikmeter Limmatschotter ausgehoben. Wegen der eingeschränkten Platzverhältnisse im Zentrum Zürichs war ein gewöhnlicher Abtransport mit Lastwagen nur begrenzt sinnvoll.

Das Aushubmaterial wurde deshalb über Förderbänder und Senkrechtförderanlagen zu einer Bahnverladeanlage gebracht. In Spitzenzeiten transportierten täglich bis zu drei Güterzüge mit einer Ladekapazität von jeweils rund 1000 Tonnen Material nach Hüntwangen bei Eglisau, wo es zur Rekultivierung einer Kiesgrube verwendet wurde.[2]

Architektur

Der Bahnhof Löwenstrasse wurde als moderner unterirdischer Verkehrsknoten konzipiert. Seine Architektur stammt im Wesentlichen von der Dürig AG.[3]

Im Vordergrund der Gestaltung standen Übersichtlichkeit, möglichst kurze Umsteigewege und die Bewältigung grosser Personenströme. Trotz seiner Lage tief unter den bestehenden Anlagen sollte der Bahnhof nicht als isolierter Tunnelbahnhof wirken, sondern eng mit den übrigen Ebenen des Hauptbahnhofs verbunden sein.

Die Anlage besteht aus zwei breiten Mittelperrons mit jeweils zwei Gleisen:

Perron Gleise
Mittelperron Nord 31 und 32
Mittelperron Süd 33 und 34

Treppen, Rolltreppen und Lifte verbinden die Perronebene mit den darüberliegenden Passagen und den oberirdischen Bahnsteigen. Eine Besonderheit sind schräg geführte Aufzüge, welche verschiedene Ebenen des Bahnhofs miteinander verbinden.[2]

Der Bahnhof ist vollständig hindernisfrei ausgebaut.[1]

Dimensionen

Die gesamte Anlage des Bahnhofs Löwenstrasse besitzt eine Länge von rund 675 Metern. Das Gleisniveau befindet sich ungefähr 16 Meter unter dem oberirdischen Hauptbahnhof.[1]

Die Bahnsteig- und Gleisanlagen sind für Fernverkehrszüge mit einer Länge von bis zu 420 Metern dimensioniert.[2]

Merkmal Wert
Anzahl Gleise 4
Gleisnummern 31–34
Anzahl Mittelperrons 2
Tiefe rund 16 m
Gesamtlänge des Bahnhofs rund 675 m
Maximale vorgesehene Zuglänge 420 m
Länge der Durchmesserlinie rund 9,6 km
Länge des Weinbergtunnels rund 4,8 km

Eröffnung 2014

Nach rund sieben Jahren Hauptbauzeit wurde der Bahnhof Löwenstrasse zusammen mit dem Weinbergtunnel im Juni 2014 fertiggestellt.

Am 14. Juni 2014 fand im Zürcher Hauptbahnhof ein grosses öffentliches Eröffnungsfest statt.[4]

Am 15. Juni 2014 wurde die erste Etappe der Durchmesserlinie planmässig in Betrieb genommen. Von diesem Zeitpunkt an nutzten zunächst S-Bahn-Züge den Bahnhof Löwenstrasse und den Weinbergtunnel.[5]

Zu den ersten Linien, die über den neuen Bahnhof geführt wurden, gehörten die S2, S8 und S14. Die neue Linienführung verkürzte insbesondere die Reisezeiten zwischen Oerlikon, Zürich HB und dem linken Zürichseeufer.[6]

Vollständige Inbetriebnahme 2015

Bei der Eröffnung 2014 war die Durchmesserlinie westlich des Bahnhofs noch nicht vollständig fertiggestellt. Die Letzigrabenbrücke und die Kohlendreieckbrücke wurden erst 2015 in Betrieb genommen.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 konnte die Durchmesserlinie vollständig genutzt werden. Seither fahren auch zahlreiche Fernverkehrszüge durch den Bahnhof Löwenstrasse.[1]

Die neue Verbindung ermöglicht es Fernverkehrszügen auf wichtigen Ost-West-Verbindungen, Zürich HB als Durchgangsbahnhof zu bedienen. Das zuvor notwendige Wenden der Züge im oberirdischen Kopfbahnhof entfällt bei diesen Verbindungen.

Gemäss ZVV verkehrten nach Abschluss der Durchmesserlinie Ende 2015 rund 460 Züge pro Tag durch den Bahnhof Löwenstrasse. Davon entfielen etwa 320 auf S-Bahn- und 140 auf Fernverkehrszüge.[1]

S-Bahn-Verkehr

Der Bahnhof Löwenstrasse ist ein wichtiger Teil der Stammstrecken der Zürcher S-Bahn. Im Fahrplanjahr 2026 wird er regelmässig von den Linien

benutzt.[7]

Die Züge fahren vom Bahnhof Löwenstrasse nach Osten durch den Weinbergtunnel nach Zürich Oerlikon. Von dort bestehen Weiterführungen unter anderem in Richtung Flughafen, Winterthur und Zürcher Unterland.

Nach Westen beziehungsweise Süden verzweigen sich die Verbindungen in Richtung Altstetten und Wiedikon und anschliessend auf verschiedene S-Bahn-Korridore.

Fernverkehr

Seit der vollständigen Inbetriebnahme der Durchmesserlinie im Dezember 2015 wird der Bahnhof Löwenstrasse auch vom nationalen Fernverkehr genutzt.

Von besonderer Bedeutung ist die Führung von Zügen auf der schweizerischen Ost-West-Achse durch Zürich. Züge können von der Ostschweiz über Oerlikon und den Weinbergtunnel in den Bahnhof Löwenstrasse einfahren und anschliessend ohne Richtungswechsel in Richtung Zürich Altstetten weiterfahren.

Dadurch wurde der oberirdische Kopfbahnhof entlastet und die Fahrplanstabilität verbessert.[1]

Die Nutzung durch Regional- und Fernverkehr auf denselben vier Gleisen stellt hohe Anforderungen an die Fahrplangestaltung und den Bahnbetrieb. Gleichzeitig ermöglicht sie eine flexible Nutzung der vorhandenen Infrastruktur.

Verbindung mit dem übrigen Hauptbahnhof

Der Bahnhof Löwenstrasse ist über mehrere unterirdische Passagen eng mit den anderen Bereichen von Zürich HB verbunden.

Zu den wichtigen Verbindungen gehören die Passage Sihlquai und die Passage Gessnerallee. Sie schaffen Zugänge zu den Perrons des Bahnhofs Löwenstrasse, zu den oberirdischen Gleisen und zum unterirdischen Bahnhofteil Museumstrasse.[1]

Über Treppen, Rolltreppen und Lifte können Reisende zwischen den verschiedenen Ebenen wechseln. Damit ist der Bahnhof Löwenstrasse funktional vollständig in den Hauptbahnhof integriert.

Die Passagen dienen gleichzeitig als Teil des ShopVille Zürich Hauptbahnhof und enthalten Geschäfte, Gastronomie- und Dienstleistungsangebote.

Bahnhofteile von Zürich HB

Mit dem Bau des Bahnhofs Löwenstrasse besitzt Zürich HB mehrere baulich deutlich voneinander getrennte Bahnsteigbereiche.

Bahnhofteil Gleise Lage Hauptnutzung
Oberirdischer Hauptbahnhof 3–18 oberirdisch Fern- und Regionalverkehr
Bahnhof Löwenstrasse 31–34 unterirdisch Fernverkehr und S-Bahn
Bahnhof Museumstrasse 41–44 unterirdisch S-Bahn
SZU-Bahnhof 21–22 unterirdisch SZU

Der Bahnhof Löwenstrasse unterscheidet sich vom älteren Bahnhofteil Museumstrasse insbesondere dadurch, dass er von Beginn an auch für lange Fernverkehrszüge konzipiert wurde.

Bedeutung für Zürich HB

Die Eröffnung des Bahnhofs Löwenstrasse veränderte die Funktionsweise des Zürcher Hauptbahnhofs grundlegend. Der historische Bahnhof war über mehr als anderthalb Jahrhunderte vorwiegend als Kopfbahnhof organisiert. Mit den unterirdischen Durchgangsbahnhöfen Museumstrasse und Löwenstrasse erhielt Zürich HB zunehmend den Charakter eines kombinierten Kopf- und Durchgangsbahnhofs.

Der Bahnhof Löwenstrasse ermöglicht die direkte Verknüpfung von Bahnstrecken nördlich und östlich der Stadt mit Strecken westlich und südlich des Hauptbahnhofs. Dadurch können Züge durch Zürich geführt werden, ohne im Hauptbahnhof zu wenden.

Dies reduziert Belegungszeiten der Gleise, vereinfacht zahlreiche Betriebsabläufe und schafft zusätzliche Kapazität für den S-Bahn- und Fernverkehr.

Die Durchmesserlinie trägt zudem zur Stabilität des gesamtschweizerischen Fahrplans bei, da Zürich HB einer der wichtigsten Knoten des nationalen Eisenbahnnetzes ist.[1]

Bedeutung für die Zürcher S-Bahn

Für die S-Bahn Zürich war der neue Bahnhof eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung der 4. Teilergänzungen. Die neue Infrastruktur ermöglichte zusätzliche Durchbindungen und eine Neuordnung verschiedener Linien.

Insbesondere die direkte Strecke zwischen Zürich HB und Oerlikon über den Weinbergtunnel reduzierte die Fahrzeit gegenüber früheren Verbindungen deutlich.

Die bisherige Zufahrt von Zürich HB nach Oerlikon über Zürich Wipkingen blieb bestehen, wird jedoch seit der Eröffnung der Durchmesserlinie von anderen Zugangeboten genutzt.

Durch die Verteilung des Verkehrs auf mehrere Zufahrten konnte einer der am stärksten beanspruchten Eisenbahnknoten der Schweiz entlastet werden.

Weinbergtunnel

Hauptartikel: Weinbergtunnel

Unmittelbar östlich des Bahnhofs beginnt die Zufahrt zum Weinbergtunnel. Der doppelspurige Tunnel ist rund 4,8 Kilometer lang und verbindet Zürich HB direkt mit Zürich Oerlikon.[1]

Von der Löwenstrasse aus taucht die Strecke zunächst unter den historischen Südtrakt des Hauptbahnhofs und anschliessend unter die Limmat ab. Danach führt sie in einer grossen Kurve unter dem Stadtzentrum, dem Hochschulgebiet und weiteren dicht bebauten Teilen Zürichs hindurch nach Oerlikon.

Der Tunnel unterquert unter anderem Gebiete bei der ETH Zürich, beim Universitätsspital Zürich und beim ehemaligen beziehungsweise heutigen Radiostandort des Schweizer Radio und Fernsehens.[1]

Der Weinbergtunnel bildet zusammen mit dem Bahnhof Löwenstrasse das wichtigste unterirdische Kernstück der Durchmesserlinie.

Westliche Ausfahrt

Die westliche Fortsetzung des Bahnhofs führt in das Gleisfeld zwischen Zürich HB und Altstetten. Für die vollständige Durchmesserlinie wurden dort zwei bedeutende neue Eisenbahnbrücken gebaut.

Die Kohlendreieckbrücke überquert einen Teil des komplexen Gleisfelds westlich des Hauptbahnhofs. An sie schliesst die Letzigrabenbrücke an, welche die kreuzungsfreie Verbindung in Richtung Zürich Altstetten ermöglicht.

Die Letzigrabenbrücke erreicht eine Länge von über einem Kilometer und gehört zu den längsten Eisenbahnbrücken der Schweiz.

Mit der Inbetriebnahme dieser Bauwerke Ende 2015 war die Durchmesserlinie vollständig fertiggestellt und konnte auch vom Fernverkehr genutzt werden.[1]

Hindernisfreiheit

Der Bahnhof Löwenstrasse wurde vollständig hindernisfrei geplant und gebaut. Die Mittelperrons sind über Lifte erreichbar, und die Bahnsteige ermöglichen in Verbindung mit geeigneten Fahrzeugen einen weitgehend niveaugleichen Einstieg.[1]

Eine Besonderheit der Erschliessung sind die schrägen Lifte zwischen verschiedenen Ebenen. Sie ergänzen die zahlreichen Rolltreppen und Treppenanlagen.[2]

Die grosszügigen Passagen sollen gleichzeitig dazu beitragen, die sehr hohen Personenströme im Hauptbahnhof auf mehrere Ebenen und Wege zu verteilen.

Architektur- und Ingenieurleistung

Der Bahnhof Löwenstrasse gilt als bedeutendes Beispiel moderner Schweizer Verkehrsarchitektur und Ingenieurbaukunst. Besonders anspruchsvoll war nicht allein die Grösse des Bauwerks, sondern seine Einfügung in eine bereits vollständig genutzte Verkehrsanlage.

Während des Baus mussten der oberirdische Bahnverkehr, die unterirdischen Passagen, die Sihl und die zahlreichen technischen Anlagen des Hauptbahnhofs berücksichtigt werden.

Auch der denkmalgeschützte historische Südtrakt des Hauptbahnhofs wurde unterquert. Die Bauverfahren mussten so gewählt werden, dass am unmittelbar darüberliegenden historischen Gebäude keine wesentlichen strukturellen Schäden entstanden.[2]

Der Bahnhof ist damit sowohl Teil der modernen Eisenbahninfrastruktur als auch ein komplexes Bindeglied zwischen Bauten aus verschiedenen Epochen der Zürcher Bahnhofsgeschichte.

Siehe auch

Einzelnachweise