Bahnhof Müllheim-Wigoltingen
| Bahnhof Müllheim-Wigoltingen | |
|---|---|
| Art | Zwischenbahnhof |
| Eröffnung | 16. Mai 1855 |
| Gemeinde | Müllheim und Wigoltingen |
| Kanton | Thurgau |
| Strecke | Winterthur–Romanshorn |
| Infrastrukturbetreiberin | Schweizerische Bundesbahnen |
| Perrongleise | 2 |
| Bahnlinien | S24, S30 und SN30 |
| Buslinien | 831 und 832 |
| Tarifverbund | Tarifverbund Ostwind |
| Tarifzone | 923 |
| Umbau | 2025–2026 |
Der Bahnhof Müllheim-Wigoltingen ist ein Bahnhof an der Thurtallinie im Kanton Thurgau. Er liegt zwischen den Ortschaften Müllheim und Wigoltingen beim Weiler Hasli nahe der Grenze der beiden politischen Gemeinden. Der Doppelname weist auf seine Funktion als gemeinsamer Bahnanschluss der beiden Gemeinden hin.
Der Bahnhof wurde am 16. Mai 1855 zusammen mit der Eisenbahnstrecke zwischen Winterthur und Romanshorn eröffnet. Heute halten dort die Linien S24 und S30 der S-Bahn Zürich. Zusammen stellen sie während des Tages in der Regel einen Halbstundentakt nach Frauenfeld, Winterthur und Weinfelden her.[1]
Die SBB erneuern die Station im Verlauf des Jahres 2026. Die Perrons werden erhöht und verlängert, die Zugänge angepasst und die Anlagen für Reisende mit eingeschränkter Mobilität hindernisfrei gestaltet. Die Inbetriebnahme des erneuerten Bahnhofs ist für Dezember 2026 vorgesehen.[2]
Lage
Der Bahnhof liegt im Thurtal zwischen Frauenfeld und Weinfelden. Er befindet sich südlich des Müllheimer Dorfzentrums und westlich des Wigoltinger Ortskerns. Unmittelbar nördlich der Bahnanlagen liegt der zur Gemeinde Wigoltingen gehörende Weiler Hasli.
Die Lage ausserhalb der beiden historischen Dorfkerne geht auf die Linienführung der 1855 eröffneten Bahnstrecke zurück. Die Trasse wurde durch das weitgehend ebene Thurtal geführt und berücksichtigte neben dem Personenverkehr auch die Erschliessung örtlicher Gewerbe- und Industriebetriebe.
Der Bahnhof liegt zwischen den benachbarten Stationen Hüttlingen-Mettendorf in Richtung Frauenfeld und Märstetten in Richtung Weinfelden. Schnell- und Fernverkehrszüge durchfahren die Station gewöhnlich ohne Halt.
Die nähere Umgebung wird durch Wohnhäuser, Landwirtschaftsflächen, Gewerbebetriebe und Verkehrsanlagen geprägt. In der Umgebung des Bahnhofs und des nahen Anschlusses an die Autobahn A7 bestehen längerfristige Planungen für die Entwicklung eines regional bedeutenden Arbeitsplatzgebiets.
Geschichte
Eröffnung durch die Nordostbahn
Die Station wurde am 16. Mai 1855 mit der Strecke Winterthur–Frauenfeld–Romanshorn eröffnet. Bauherrin und ursprüngliche Betreiberin war die Schweizerische Nordostbahn (NOB). Die Strecke gehörte zu den frühesten längeren Eisenbahnverbindungen der Schweiz und stellte eine Verbindung zwischen Zürich, dem Thurgau und dem Bodenseehafen Romanshorn her.[3]
Die Bahnlinie wurde zunächst eingleisig gebaut. Bei der Planung waren jedoch bereits Flächen und Kunstbauten für einen späteren Doppelspurausbau berücksichtigt worden. Die Lage der Station ermöglichte die Erschliessung der Gemeinden Müllheim und Wigoltingen sowie der Gewerbebetriebe im Gebiet Hasli und Grüneck.
Der Bahnhof trug zur wirtschaftlichen Entwicklung Müllheims bei. Die neue Verkehrsverbindung begünstigte insbesondere die Errichtung der Leinwandfabrik Grüneck im Jahr 1857. Später entstanden in der Umgebung weitere Industrie- und Gewerbebetriebe.[4]
Auch die Haslimühle und spätere Betriebe der Lebensmittelverarbeitung profitierten von der Bahnerschliessung. Anschluss- und Gütergleise dienten während langer Zeit dem Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse, von Getreide, Rohstoffen und industriellen Produkten.
Übergang an die SBB
Mit der Verstaatlichung der Schweizerischen Nordostbahn ging der Bahnhof 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über. Die SBB bauten die stark beanspruchte Strecke in den folgenden Jahren auf Doppelspur aus.
Der Abschnitt Frauenfeld–Müllheim wurde am 1. Oktober 1905 zweigleisig in Betrieb genommen. Der anschliessende Abschnitt von Müllheim in Richtung Sulgen folgte am 1. Mai 1907. Damit war auch der Bahnhof Müllheim-Wigoltingen in eine durchgehend leistungsfähigere Doppelspurstrecke eingebunden.[3]
Der elektrische Betrieb zwischen Winterthur und Romanshorn begann am 4. Mai 1928. Die Strecke wurde mit dem bei den SBB üblichen Einphasenwechselstrom von 15 Kilovolt und 16⅔ Hertz elektrifiziert. Die Frequenz wurde später nominell auf 16,7 Hertz festgelegt.
Wandel des Bahnbetriebs
Der Bahnhof erfüllte ursprünglich Aufgaben im Personen-, Gepäck- und Güterverkehr. Zum Betrieb gehörten ein Aufnahmegebäude, Güter- und Nebengleise sowie Einrichtungen zur Abfertigung örtlicher Waren.
Mit der Verlagerung des Güterverkehrs auf grössere Umschlagstellen und auf die Strasse verloren die örtlichen Güteranlagen an Bedeutung. Teile der Nebengleise wurden zurückgebaut oder nur noch für besondere betriebliche und industrielle Aufgaben genutzt.
Auch der Personenverkehr wandelte sich. Der bediente Schalterbetrieb wurde aufgegeben, während Billettautomaten, elektronische Fahrgastinformationen und Selbstbedienungsangebote an Bedeutung gewannen. Das erhaltene ehemalige Aufnahmegebäude wird nicht mehr für einen klassischen bedienten Bahnhofsbetrieb genutzt.
Seit dem Ausbau der regionalen S-Bahn-Angebote dient Müllheim-Wigoltingen hauptsächlich als Pendler- und Umsteigestation. Direkte Verbindungen nach Frauenfeld, Winterthur, Zürich und Weinfelden erhöhten seine Bedeutung für die umliegenden Gemeinden.
Anlagen
Der Bahnhof liegt an der doppelspurigen Hauptstrecke Winterthur–Romanshorn. Für den Personenverkehr bestehen zwei Perrons an den Gleisen 2 und 3. Die Gleise werden im Regelbetrieb nach Fahrtrichtung genutzt, können bei Bauarbeiten oder Betriebsstörungen jedoch abweichend befahren werden.
Die Perrons sind durch eine Personenunterführung miteinander verbunden. Auf der Seite des früheren Aufnahmegebäudes befindet sich der Zugang zu Gleis 2. Gleis 3 wird von der gegenüberliegenden Seite über einen Rampenzugang erreicht.
Das Bahnhofareal umfasst ausserdem:
- Wartebereiche und Fahrgastinformationen;
- Billettautomaten;
- überdachte Veloabstellplätze;
- Abstellflächen für Motorräder und weitere Zweiräder;
- eine P+Rail-Anlage;
- Bushaltestellen für den regionalen Postautoverkehr;
- Zufahrten von Müllheim und Wigoltingen.
Nach Angaben der SBB stehen 167 überdachte Veloparkplätze und zwölf zusätzliche überdachte Plätze für Zweiräder zur Verfügung. Die P+Rail-Anlage umfasst 24 reguläre Parkplätze und einen Behindertenparkplatz.[5]
Hindernisfreier Ausbau 2025–2026
Der Bahnhof entsprach bis 2026 nicht vollständig den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes. Insbesondere die Höhe der Perrons und die Neigung einzelner Zugangswege erschwerten das selbständige Ein- und Aussteigen für Personen mit eingeschränkter Mobilität.
Die Vorarbeiten für den Umbau begannen im November 2025. Die Hauptarbeiten wurden im Januar 2026 aufgenommen. Das Projekt umfasst folgende Massnahmen:[2]
- Neubau und Erhöhung der beiden Perrons auf 55 Zentimeter;
- Verlängerung der Perrons auf 220 Meter;
- Verlängerung beider Perrons in Richtung Osten;
- ebenerdiger Zugang zu Gleis 2;
- neue Rampe und Treppe zur Personenunterführung;
- Verbreiterung und Abflachung des Rampenzugangs zu Gleis 3;
- zusätzlicher Treppenzugang zu Gleis 3;
- Abbruch und Neubau der Wartehalle bei Gleis 3;
- Anpassung von Gleisen, Weichen, Signalanlagen und Fahrleitungen.
Die Perronhöhe von 55 Zentimetern entspricht dem schweizerischen Standard für den niveaugleichen Einstieg in moderne Niederflurzüge. Die Verlängerung auf 220 Meter ermöglicht die Abfertigung längerer Zugskompositionen.
Die Kosten des Projekts betragen rund 16 Millionen Franken. Sie werden über die Leistungsvereinbarung zwischen dem Bund und den SBB finanziert. Die Bauarbeiten sollen bis Ende November 2026 abgeschlossen werden; die vollständige hindernisfreie Inbetriebnahme ist auf Mitte Dezember 2026 vorgesehen.
Während der Bauzeit finden Teile der Arbeiten nachts und an Wochenenden statt. Dafür müssen einzelne Gleise gesperrt und Fahrleitungen ausgeschaltet werden. Der planmässige Zugverkehr kann überwiegend aufrechterhalten werden, bei bestimmten Bauphasen sind jedoch Ersatzbusse oder geänderte Gleisbenutzungen erforderlich.
Bahnverkehr
Müllheim-Wigoltingen wird im Jahresfahrplan 2026 von den Linien S24 und S30 der S-Bahn Zürich bedient. Beide Linien halten an sämtlichen oder nahezu sämtlichen Regionalverkehrsstationen zwischen Frauenfeld und Weinfelden.
| Linie | Verlauf | Angebot |
|---|---|---|
| S24 | Zug – Zürich HB – Zürich Flughafen – Winterthur – Frauenfeld – Müllheim-Wigoltingen – Weinfelden | in der Regel stündlich |
| S30 | Winterthur – Frauenfeld – Müllheim-Wigoltingen – Weinfelden | in der Regel stündlich |
| SN30 | Winterthur – Frauenfeld – Müllheim-Wigoltingen – Weinfelden – Romanshorn | einzelne Nachtverbindungen an Wochenenden |
Die S24 verbindet die Region ohne Umsteigen mit dem Flughafen Zürich, dem Zürcher Hauptbahnhof, dem linken Zürichseeufer und Zug. In Winterthur bestehen zahlreiche Anschlüsse in Richtung Zürich, St. Gallen, Schaffhausen, Wil und das Zürcher Oberland.
Die S30 stellt eine Regionalverbindung zwischen Winterthur und Weinfelden her. Gemeinsam mit der S24 ergibt sich zwischen Winterthur, Frauenfeld, Müllheim-Wigoltingen und Weinfelden tagsüber grundsätzlich ein ungefährer Halbstundentakt.[6]
In Weinfelden bestehen Anschlüsse in Richtung Kreuzlingen, Konstanz, Romanshorn, St. Gallen und Wil. Frauenfeld bietet unter anderem Verbindungen mit der Frauenfeld-Wil-Bahn und regionalen Buslinien.
Fernverkehrszüge zwischen Zürich, Romanshorn und dem Bodenseeraum durchfahren den Bahnhof ohne fahrplanmässigen Halt. Die nächstgelegenen Fernverkehrshalte befinden sich in Frauenfeld und Weinfelden.
Busverkehr
Auf dem Bahnhofvorplatz befindet sich die Postautohaltestelle Müllheim-Wigoltingen, Bahnhof. Sie erschliesst die abseits der Bahnstrecke gelegenen Dörfer und Weiler nördlich des Thurtals.
| Linie | Grundstrecke | Erschlossene Gebiete |
|---|---|---|
| 831 | Müllheim-Wigoltingen–Homburg | Müllheim Dorf, Hörstetten und Homburg |
| 832 | Müllheim-Wigoltingen–Raperswilen beziehungsweise Homburg | Wigoltingen, Engwang, Lipperswil, Raperswilen und Homburg |
Die Buslinie 831 verbindet den Bahnhof insbesondere mit dem Zentrum von Müllheim und den Siedlungen in Richtung Homburg. Die Linie 832 erschliesst Wigoltingen sowie verschiedene Ortschaften auf dem Seerücken. Einzelne Kurse verkehren über Lipperswil, wo sich der Freizeitpark Conny-Land befindet.
Linienführung und Endpunkte einzelner Fahrten können je nach Wochentag und Tageszeit variieren. Die Busfahrpläne sind auf die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Regionalzüge abgestimmt.[7]
Tarif
Der Bahnhof gehört zum Tarifverbund Ostwind und liegt in der Tarifzone 923. Für Fahrten in Richtung Frauenfeld, Weinfelden und in die umliegenden Gemeinden gelten grundsätzlich die Zonentarife des Ostwind-Verbunds.
Für Fahrten in das Gebiet des Zürcher Verkehrsverbunds können verbundübergreifende Billette und Abonnemente verwendet werden. Daneben gelten die nationalen Fahrausweise des öffentlichen Verkehrs, darunter das Generalabonnement, das Halbtax und der SwissPass.
Bedeutung für die Region
Der Bahnhof erschliesst nicht nur die beiden namensgebenden Gemeinden, sondern auch Teile der Gemeinden Homburg und Raperswilen. Er besitzt eine wichtige Funktion für den Berufs- und Ausbildungsverkehr nach Frauenfeld, Weinfelden, Winterthur und Zürich.
Für Müllheim liegt der Bahnhof südöstlich des Dorfzentrums und ist durch Postauto, Strassen und Fusswege angebunden. Das Zentrum von Wigoltingen befindet sich östlich der Bahnstation. Wegen der dezentralen Lage ist die Verknüpfung zwischen Bahn, Bus, Velo und motorisiertem Individualverkehr von besonderer Bedeutung.
Die Bahnstation förderte seit dem 19. Jahrhundert die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe im Gebiet Hasli und Grüneck. Die Nähe zum Autobahnanschluss Müllheim und zur A7 verstärkt die verkehrliche Bedeutung des Gebiets.
In kommunalen und regionalen Planungen wird das Umfeld des Bahnhofs als möglicher Entwicklungsschwerpunkt für Arbeitsplätze betrachtet. Eine dichtere Nutzung soll mit den Interessen der Gemeinden Müllheim und Wigoltingen sowie den Anforderungen des Landschafts-, Verkehrs- und Hochwasserschutzes abgestimmt werden.
Name
Die Bezeichnung Müllheim-Wigoltingen verbindet die Namen der beiden benachbarten Gemeinden. Solche Doppelnamen sind im schweizerischen Eisenbahnnetz verbreitet, wenn eine Station mehrere Ortschaften erschliesst oder in der Nähe einer Gemeindegrenze liegt.
Der Name ist zugleich die amtliche Bezeichnung einer kleinen Ortschaft beziehungsweise eines Siedlungsgebiets rund um den Bahnhof. Die Postleitzahl dieses Gebiets lautet 8554.
Der Doppelname verhindert ausserdem eine Verwechslung mit dem Bahnhof Müllheim (Baden) im deutschen Bundesland Baden-Württemberg und weiteren Orten mit dem Namen Müllheim oder Mülheim.
Siehe auch
- Thurtallinie
- Liste der Bahnhöfe im Kanton Thurgau
- Bahnhof Hüttlingen-Mettendorf
- Bahnhof Märstetten
- Bahnhof Frauenfeld
- Bahnhof Weinfelden
- S-Bahn Zürich
- Tarifverbund Ostwind
- Schweizerische Bundesbahnen
Literatur
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- Peter Willen: Lokomotiven und Triebwagen der Schweizer Bahnen. Band 1: Schweizerische Bundesbahnen. Orell Füssli, Zürich 1982.
- Heinz Sigrist: Die Bodenseebahn und ihre Geschichte. Romanshorn 1982.
Weblinks
- Bahnhof Müllheim-Wigoltingen auf der Website der SBB
- Informationen der SBB zum Bahnhofsumbau
- Fahrplaninformationen der Gemeinde Wigoltingen
- Tarifverbund Ostwind
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Haltestellen- und Linienfahrpläne Müllheim-Wigoltingen, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Schweizerische Bundesbahnen: Bahnhof Müllheim-Wigoltingen: Umbau für stufenfreien Zugang zu den Zügen, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- ↑ Müllheim. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ Schweizerische Bundesbahnen: Bahnhof Müllheim-Wigoltingen, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: S30 Winterthur–Frauenfeld–Weinfelden, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 5. August 2026.
- ↑ Bundesamt für Verkehr: Konzessionen der Linien 831 und 832, abgerufen am 5. August 2026.