Greifensee ZH

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Greifensee

Historisches Städtchen Greifensee

Historisches Städtchen Greifensee

Wappen von Greifensee

Wappen

Lage von Greifensee

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Region

Zürcher Oberland

Bezirk

Uster

BFS-Nummer

0194

Postleitzahl

8606

Koordinaten

47.366387° N, 8.678887° E

Höhe

439 m ü. M.

Fläche

2,30 km²

Einwohner

5'397
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.greifensee.ch

Greifensee ist eine politische Gemeinde im Bezirk Uster des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt am nordöstlichen Ufer des gleichnamigen Greifensees und gehört zum Zürcher Oberland sowie zur Agglomeration Zürich. Zur Unterscheidung vom See wird die Gemeinde häufig als Greifensee ZH bezeichnet.

Das historische Städtchen mit dem Schloss Greifensee, der gotischen reformierten Kirche und den dicht angeordneten Bürgerhäusern bildet den ältesten Siedlungskern. Es ist durch Grünräume von den seit den 1960er-Jahren entstandenen Wohnquartieren getrennt. Zum Gemeindegebiet gehört ausserdem der Weiler Wildsberg.

Greifensee zählt zu den flächenmässig kleinsten und am dichtesten besiedelten Gemeinden des Kantons Zürich. Die Gemeinde umfasst rund 230 Hektaren und zählte Ende 2025 insgesamt 5'397 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]

Das historische Städtchen ist als Ortsbild von nationaler Bedeutung geschützt. Mit der prähistorischen Fundstätte Greifensee-Storen/Wildsberg besitzt die Gemeinde zudem einen Bestandteil des UNESCO-Welterbes Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.

Geographie

Lage

Greifensee liegt rund zwölf Kilometer östlich des Stadtzentrums von Zürich und unmittelbar nordwestlich von Uster. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom Ufer des Greifensees über den historischen Ortskern und die neueren Wohnquartiere bis zur Bahnlinie Zürich–Uster.

Die Überbauung grenzt im Süden an Niederuster und im Südosten an Nänikon, die beide zur Stadt Uster gehören. Im Nordosten liegt die Gemeinde Volketswil, im Nordwesten Schwerzenbach. Auf der gegenüberliegenden Seeseite befinden sich Fällanden und Maur.

Das Gemeindegebiet weist Höhenlagen von ungefähr 435 bis 472 m ü. M. auf.[1] Der historische Ortskern liegt nur leicht erhöht über dem Seeufer. Die jüngeren Quartiere ziehen sich in östlicher Richtung bis zur Bahnstation Nänikon-Greifensee hinauf.

Gemeindefläche

Die Fläche beträgt rund 2,30 km². Damit gehört Greifensee zu den kleinsten politischen Gemeinden des Kantons Zürich.

Bodennutzung
Nutzungsart Anteil
Siedlungsgebiet 39 %
Landwirtschaftsfläche 34 %
Wald 9 %
Unproduktive Fläche 9 %
Andere Flächen 9 %

Die Bauzone umfasst rund 86 Hektaren und ist grösstenteils überbaut.[1] Wegen der knappen Landreserven konzentriert sich die bauliche Entwicklung auf die Erneuerung und Verdichtung bereits bestehender Quartiere.

Siedlungsstruktur

Die Siedlung besteht aus drei deutlich unterscheidbaren Bereichen:

  • dem historischen Städtchen am See;
  • den ehemaligen Bauernhöfen und älteren Häusergruppen ausserhalb des Städtchens;
  • den grossflächigen Wohnquartieren des 20. und 21. Jahrhunderts.

Das historische Städtchen besitzt einen annähernd dreieckigen Grundriss. Schloss und ehemalige Burganlage bilden den westlichen Abschluss. Die gotische Kirche steht in der östlichen Ecke des früheren Befestigungsrings. Dazwischen liegen schmale Gassen, Plätze und dicht aneinandergebaute Häuserzeilen.

Die neuen Wohnquartiere entstanden hauptsächlich nordöstlich und östlich des Städtchens. Grünzonen und unüberbaute Flächen sorgen dafür, dass der mittelalterliche Siedlungskern weiterhin als eigenständige Anlage wahrgenommen wird.

Wildsberg

Wildsberg ist ein kleiner Weiler östlich des historischen Städtchens. Er bestand ursprünglich aus landwirtschaftlichen Höfen und blieb lange räumlich vom Hauptort getrennt.

Die Umgebung des Weilers ist durch Kulturland, Obstbäume und Grünflächen geprägt. Trotz der starken Siedlungsentwicklung in Greifensee hat Wildsberg Teile seines ländlichen Charakters bewahrt.

Greifensee

Der gleichnamige See prägt Landschaft, Ortsbild und Freizeitangebot der Gemeinde. Er ist nach dem Zürichsee der zweitgrösste See, der vollständig im Kanton Zürich liegt.

Der See wird hauptsächlich durch den Aabach bei Niederuster gespeist. Sein Abfluss ist die Glatt, die am nordwestlichen Ende des Sees bei Fällanden beginnt.

Die Uferbereiche gehören zu den bedeutendsten Natur- und Erholungsräumen des Zürcher Oberlands. Weite Abschnitte sind durch Riedlandschaften, Flachmoore, Schilfgürtel und naturnahe Ufer geprägt.

Name

Der Name Greifensee erscheint erstmals 1260 in der Form Grifense. In einer Urkunde werden zwei adlige Ritter als Ministerialen von Greifensee genannt.[2]

Die Bezeichnung wurde zunächst für die Burg und die zugehörige Herrschaft verwendet. Später ging sie auf das Städtchen und den See über. Der See wurde um 1300 teilweise noch als Glattsee bezeichnet, abgeleitet von seinem Abfluss, der Glatt.

Der Namensbestandteil «Greifen» wurde im Spätmittelalter mit dem Fabelwesen Greif verbunden. Dies führte zur Entstehung des redenden Gemeindewappens.

Der zürichdeutsche Mundartname lautet Griiffesee.

Geschichte

Prähistorische Besiedlung

Die Ufer des Greifensees wurden bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Archäologische Untersuchungen belegen mehrere Feuchtboden- und Seeufersiedlungen auf dem heutigen Gemeindegebiet.

Die ältesten Funde stammen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. Die Bewohner betrieben Ackerbau, hielten Haustiere, fischten und jagten. Werkzeuge wurden aus Stein, Feuerstein, Knochen, Geweih und Holz hergestellt.

Spätere Siedlungen gehören zur Bronzezeit. Die Erhaltung organischer Materialien im feuchten Boden ermöglicht besonders genaue Erkenntnisse über Hausbau, Landwirtschaft, Ernährung und Alltagsleben.

Fundstelle Böschen

Am Nordufer des Sees wurde 1975 im Gebiet Böschen eine spätbronzezeitliche Siedlung entdeckt. Sporttaucher fanden zunächst Keramikscherben und weitere Gegenstände.

Archäologische Tauchuntersuchungen legten die Überreste eines Dorfes mit 24 Häusern frei. Die verwendeten Hölzer konnten dendrochronologisch auf das Jahr 1051 v. Chr. datiert werden.

Die Gebäude standen auf hölzernen Schwellenkonstruktionen. Darüber befanden sich Plattformen, die teilweise zusätzlich durch Pfähle abgestützt wurden. Die Wände bestanden aus Brettern oder aus mit Lehm verstrichenem Rutengeflecht.

Zu den Funden gehörten Tongefässe, Webgewichte, Spinnwirtel, Bronzenadeln, Angelhaken, Werkzeuge sowie verkohlte Getreidekörner und Wildäpfel. Das Dorf wurde ungefähr zehn Jahre nach seiner Errichtung durch einen Brand zerstört und anschliessend nicht wieder aufgebaut.

Storen/Wildsberg

Die Fundstelle Greifensee-Storen/Wildsberg liegt im Uferbereich der Gemeinde. Sie enthält Überreste mehrerer prähistorischer Siedlungsphasen und besitzt besondere Bedeutung für die Erforschung der Schnurkeramischen Kultur und der Bronzezeit.

Im Jahr 2011 wurde die Fundstelle zusammen mit 110 weiteren archäologischen Stätten in sechs Ländern in das UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen» aufgenommen.[3]

Die archäologischen Schichten liegen heute überwiegend unter Wasser oder im feuchten Uferboden und sind an der Oberfläche kaum sichtbar. Dadurch bleiben Holz, Pflanzenreste und andere organische Materialien erhalten.

Entstehung der Burg

Die Burg Greifensee wurde vermutlich im frühen 13. Jahrhundert durch die Grafen von Rapperswil erbaut. Sie diente der Sicherung ihrer Herrschaftsrechte am See und in den umliegenden Dörfern.

Das Bauwerk war als massiver Wohnturm mit aussergewöhnlich starken Mauern angelegt. Die bis zu 4,5 Meter dicken Grundmauern und ein acht Meter tiefer Sodbrunnen stammen noch aus der ursprünglichen Bauzeit.[4]

Die Burg wurde 1261 erstmals ausdrücklich urkundlich erwähnt. Rund um die Befestigung entstand eine kleine Siedlung, aus der sich das spätere Städtchen entwickelte.

Herrschaft der Landenberger

Am 7. Januar 1300 verpfändete Gräfin Elisabeth von Rapperswil Burg, Städtchen, See und Herrschaft Greifensee an den habsburgischen Ritter Hermann II. von Landenberg.

Zur Herrschaft gehörten Höfe, Äcker, Wiesen, Wälder, Fischereirechte und verschiedene Gerichtsrechte. Die Landenberger bauten Greifensee zu ihrem Herrschaftsmittelpunkt aus.

Hermann der Jüngere von Landenberg liess das Städtchen mit einem Befestigungsring umgeben. In dessen östlicher Ecke entstand um 1330 die dem heiligen Gallus geweihte Kapelle, die heutige reformierte Kirche.

Die kleine Stadt erhielt jedoch kein bedeutendes Marktrecht und lag abseits wichtiger Fernverkehrswege. Daher entwickelte sie sich wirtschaftlich nur begrenzt.

Übergang an die Toggenburger und Zürich

Wegen finanzieller Schwierigkeiten verkauften die Landenberger die Herrschaft 1369 an die Grafen Friedrich Donat und Diethelm von Toggenburg.

Im Jahr 1402 verpfändete Graf Friedrich VII. von Toggenburg die Herrschaft für 6'000 Gulden an die Stadt Zürich. Das Pfand wurde nicht mehr eingelöst.

Greifensee wurde damit zur ersten Landvogtei der Stadt Zürich. Ein von Zürich eingesetzter Landvogt residierte im Schloss und verwaltete ein Gebiet, zu dem zahlreiche Dörfer des Glattals und Zürcher Oberlands gehörten.[5]

Alter Zürichkrieg

Während des Alten Zürichkriegs wurde Greifensee 1444 von Truppen der eidgenössischen Orte belagert.

Die Zürcher Besatzung stand unter dem Kommando von Wildhans von Breitenlandenberg. Nachdem die Verteidiger das Städtchen geräumt und teilweise selbst in Brand gesetzt hatten, zogen sie sich in das Schloss zurück.

Nach einer mehrwöchigen Belagerung mussten sie sich am 27. Mai 1444 ergeben. Den Verteidigern war freier Abzug in Aussicht gestellt worden, doch die meisten wurden am folgenden Tag auf der Blutmatt bei Nänikon hingerichtet.

Von den 64 Verteidigern überlebten nur zwei. Die Enthauptung der 62 Männer wurde bereits von Zeitgenossen als aussergewöhnlich hart wahrgenommen und ging als Mord von Greifensee in die Geschichte ein.[6]

Städtchen und Schloss blieben nach der Zerstörung jahrzehntelang nur teilweise nutzbar.

Wiederaufbau

Der Zürcher Rat beschloss 1520 den Wiederaufbau des Schlosses. Dabei wurden die erhaltenen mittelalterlichen Grundmauern weiterverwendet.

Aus der Wiederaufbauzeit stammen die heutige Fenstereinteilung, der Treppengiebel und wesentliche Teile der inneren Raumstruktur. Im Schloss wurde ausserdem eine kleine Kapelle eingerichtet.

Das Städtchen wurde ebenfalls wiederaufgebaut. Sein mittelalterlicher Grundriss mit dem dreieckigen Befestigungsring blieb erhalten.

Reformation

Die Reformation wurde in den 1520er-Jahren unter dem Einfluss von Huldrych Zwingli eingeführt. Die bisherige Galluskapelle wurde zur reformierten Kirche.

Altäre und Heiligenbilder verschwanden aus dem Gottesdienstraum. Predigt, Bibelauslegung und Gemeindegesang erhielten die zentrale Bedeutung.

Greifensee blieb kirchlich lange mit Uster verbunden. Die kleine Kirche diente jedoch den Bewohnerinnen und Bewohnern des Städtchens und der umliegenden Höfe als örtliches Gotteshaus.

Landvogtei

Von 1402 bis 1798 war Schloss Greifensee Amtssitz der Zürcher Landvögte. Sie vertraten die Stadt Zürich, übten Gerichtsrechte aus und überwachten Verwaltung, Steuern, Militärwesen und öffentliche Ordnung.

Die Amtszeiten waren meist auf wenige Jahre begrenzt. Deshalb residierten zahlreiche Angehörige führender Zürcher Familien im Schloss.

Der bekannteste Landvogt war Salomon Landolt, der Greifensee von 1781 bis 1787 verwaltete. Der Offizier, Maler und Politiker wurde später durch Gottfried Kellers Erzählung Der Landvogt von Greifensee literarisch bekannt.

Helvetik und Oberamt

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik endete 1798 die Zürcher Landvogtei.

Während der folgenden politischen Neuordnungen wechselte Greifensee mehrmals seine Verwaltungsfunktion. Von 1803 bis 1814 diente das Schloss als Amtssitz eines Bezirksstatthalters.

Nach der Restauration wurde Greifensee 1814 zum Hauptort eines Oberamts. Das Schloss war bis 1830 Sitz des Oberamtmanns.

Die Kantonsverfassung von 1831 ersetzte die Oberämter durch Bezirke. Uster wurde zum Hauptort des neuen Bezirks Uster. Greifensee verlor damit seine politische und administrative Bedeutung.

Schloss im 19. und 20. Jahrhundert

Nach dem Ende seiner Funktion als Amtssitz stand das Schloss zeitweise leer und begann zu verfallen. Der Kanton Zürich verkaufte es 1833 für 10'000 Gulden an Kaspar Schulthess-Escher.

In den folgenden Jahrzehnten wechselte das Schloss mehrmals den Besitzer. Zu den Eigentümern gehörten der Textilindustrielle Heinrich Kunz sowie die Familien Escher-Hotz und Spöndlin.

Im Jahr 1935 kaufte der Kanton Zürich das Gebäude zurück. Zwischen 1948 und 1953 wurde es umfassend renoviert. Dabei entfernte man einen neugotischen Vorbau aus dem 19. Jahrhundert und stellte den Burggraben wieder her.

Seit den 1990er-Jahren wird das Schloss von der Stiftung Schloss Greifensee als Ort für Kultur, Weiterbildung, Tagungen, Ausstellungen und private Veranstaltungen genutzt.[7]

Landwirtschaftliche Gemeinde

Bis weit ins 20. Jahrhundert blieb Greifensee eine kleine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Die Bevölkerung lebte von Ackerbau, Viehhaltung, Obstbau, Fischerei und lokalem Gewerbe.

Im Jahr 1950 zählte die Gemeinde lediglich 279 Einwohnerinnen und Einwohner. Historisches Städtchen, Wildsberg und einzelne Höfe waren von offenen Wiesen und Äckern umgeben.

Der Bahnhof Nänikon-Greifensee lag zwar in der Nähe, brachte zunächst jedoch kein starkes Siedlungswachstum.

Wachstum seit den 1960er-Jahren

Zwischen 1966 und 1977 veränderte sich Greifensee grundlegend. Die Hochkonjunktur, der Wohnraumbedarf der Agglomeration Zürich und die gute Bahnverbindung führten zum Bau grosser Wohnüberbauungen.

Die Einwohnerzahl stieg innerhalb weniger Jahre von rund 400 auf mehr als 5'000 Personen.[6]

Neben Einfamilienhäusern entstanden grossflächige Überbauungen mit mehrgeschossigen Wohnhäusern. Teilweise wurden Gebäude mit bis zu acht Geschossen errichtet.

Die Gemeinde musste Schulen, Sportanlagen, Strassen, Wasserversorgung, Abwasseranlagen, soziale Einrichtungen und weitere öffentliche Angebote in kurzer Zeit ausbauen.

Trotz der starken Bautätigkeit blieb das historische Städtchen durch Grünzonen von den Neubauquartieren getrennt. Diese räumliche Trennung gilt heute als wesentliches Merkmal des Ortsbilds.

Bevölkerung

Greifensee war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine sehr kleine Gemeinde. Das aussergewöhnlich starke Wachstum setzte erst in den 1960er-Jahren ein.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohnerinnen und Einwohner
1634 133
1799 278
1836 406
1850 396
1900 289
1950 279
1960 421
1970 2'674
1980 5'423
2000 5'242
2025 5'397

Ende 2025 besassen 4'150 Einwohnerinnen und Einwohner das Schweizer Bürgerrecht, während 1'247 Personen eine ausländische Staatsangehörigkeit hatten.[1]

Die evangelisch-reformierte Landeskirche zählte 1'406 Mitglieder und die römisch-katholische Kirche 1'105 Mitglieder. Insgesamt 2'886 Personen gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft oder keiner Landeskirche an.[1]

Politik und Verwaltung

Die Legislative der politischen Gemeinde ist die Gemeindeversammlung. Die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden dort über Budget, Steuerfuss, Bauvorhaben, kommunale Erlasse und weitere wichtige Geschäfte.

Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Er führt die Gemeindeverwaltung, vollzieht die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und vertritt Greifensee gegenüber dem Bezirk, dem Kanton und anderen Gemeinden.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich im historischen Städtchen an der Adresse Im Städtli 3.

Greifensee arbeitet in zahlreichen Bereichen mit Uster, Volketswil, Schwerzenbach und weiteren Gemeinden der Region zusammen. Die Zusammenarbeit betrifft unter anderem Schulen, öffentlichen Verkehr, Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz, Gesundheitsversorgung und Abwasserentsorgung.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:

In Gold ein steigender roter Greif.

Das Wappen ist ein redendes Wappen, da der dargestellte Greif auf den Ortsnamen Bezug nimmt.

Ein roter Greif auf goldenem Grund ist erstmals im Greifenseer Jahrzeitbuch von 1473 belegt. Auch in der Edlibacher Chronik aus dem späten 15. Jahrhundert erscheint das Zeichen für Schloss und Städtchen.

In einzelnen historischen Darstellungen wurden andere Farben verwendet. Überliefert sind unter anderem ein goldener Greif auf rotem Grund und ein silberner Greif auf grünem Grund.

Seit dem 17. Jahrhundert setzte sich die heutige Farbgebung durch. Der Gemeinderat erklärte das Wappen am 2. Juni 1930 offiziell zum Gemeindewappen.

Wirtschaft

Entwicklung

Die Wirtschaft war bis ins 20. Jahrhundert durch Landwirtschaft, Fischerei, Handwerk und lokale Dienstleistungen geprägt.

Mit dem starken Bevölkerungswachstum wandelte sich Greifensee zur Wohn- und Dienstleistungsgemeinde. Die Nähe zu Uster, Zürich und den Arbeitsplatzgebieten des Glattals begünstigte das Pendeln.

Trotz der kleinen Gemeindefläche bestehen verschiedene Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Die meisten befinden sich in den neueren Quartieren und im Umfeld der Bahnstation.

Mettler-Toledo

Das international tätige Präzisionsinstrumentenunternehmen Mettler-Toledo hat seinen Unternehmenshauptsitz in Greifensee beziehungsweise im zusammenhängenden Standort Nänikon-Greifensee.

Das Unternehmen entwickelt und vertreibt unter anderem Laborwaagen, industrielle Wägesysteme, Analyseinstrumente und Kontrollsysteme. Es gehört zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Region.

Der Standort entwickelte sich aus der schweizerischen Waagenindustrie und wurde im 20. Jahrhundert zu einem internationalen Forschungs-, Entwicklungs- und Verwaltungszentrum.

Landwirtschaft

Rund ein Drittel des Gemeindegebiets wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Die verbliebenen Flächen liegen hauptsächlich in den Grünräumen zwischen den Wohnquartieren, dem Städtchen und Wildsberg.

Ackerbau, Futterproduktion, Viehhaltung und Obstbau tragen zur Erhaltung der offenen Landschaft bei. Aufgrund der knappen Fläche ist die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe jedoch gering.

Tourismus und Gastronomie

Das historische Städtchen, das Schloss und der See ziehen zahlreiche Tagesgäste an. Besonders an Wochenenden werden Greifensee und die Uferwege von Spaziergängern, Wanderern und Velofahrern besucht.

Im Städtchen bestehen Restaurants und Gasthäuser. Schloss und Landenberghaus werden für Veranstaltungen, Tagungen, Hochzeiten und kulturelle Anlässe genutzt.

Verkehr

Eisenbahn

Die Bahnstation Nänikon-Greifensee liegt unmittelbar östlich der Gemeindegrenze auf dem Gebiet der Stadt Uster. Der grösste Teil der Greifenseer Wohnquartiere ist von dort zu Fuss erreichbar.

Die Station wird von den Linien S9 und S14 der S-Bahn Zürich bedient. Dadurch bestehen regelmässige Direktverbindungen nach Uster, Zürich, Zug, Hinwil und in weitere Teile des Zürcher Oberlands.

Durch die Überlagerung der beiden Linien verkehren tagsüber in der Regel mehrere Züge pro Stunde in Richtung Zürich und Uster.[8]

Busverkehr

Die Buslinie 727 verbindet Greifensee mit Schwerzenbach und weiteren Orten der Umgebung. Sie erschliesst unter anderem das historische Städtchen und die weiter vom Bahnhof entfernten Quartiere.

Am Bahnhof Schwerzenbach bestehen Anschlüsse an die S-Bahn und an regionale Buslinien.

Strassenverkehr

Lokale Strassen verbinden Greifensee mit Uster, Nänikon, Volketswil und Schwerzenbach. Die Gemeinde liegt abseits der grossen Autobahnen, ist jedoch über die Anschlüsse Uster und Volketswil an das überregionale Strassennetz angebunden.

Der historische Ortskern ist wegen seiner engen Gassen nur begrenzt für den motorisierten Verkehr geeignet. Parkplätze befinden sich vor allem ausserhalb des eigentlichen Städtchens.

Fuss- und Veloverkehr

Greifensee besitzt ein dichtes Netz von Fuss- und Velowegen. Die kurzen Entfernungen innerhalb des Gemeindegebiets begünstigen den Langsamverkehr.

Der Rundweg um den Greifensee ist ungefähr 17 Kilometer lang und führt durch Uferlandschaften, Riedgebiete und Naturschutzflächen. Für eine vollständige Wanderung werden rund viereinhalb Stunden benötigt.[9]

Ein regionaler Radweg umrundet den See. Weitere Wege führen nach Uster, Schwerzenbach, Volketswil, Maur und Fällanden.

Bildung

Greifensee verfügt über eine eigene Primarschule mit Kindergärten, Schulhäusern, Tagesstrukturen und Sportanlagen.

Ein wichtiger Schulstandort ist die Anlage Breiti. Dort befinden sich Unterrichtsräume, Sportanlagen und die Gemeindebibliothek.

Die Jugendlichen besuchen die Oberstufenschule Nänikon-Greifensee im Schulhaus Wüeri in Nänikon. Die Schule wird gemeinsam mit Gebieten der Stadt Uster organisiert.

Weiterführende Schulen, Berufsfachschulen und Hochschulen befinden sich vor allem in Uster, Dübendorf, Winterthur und Zürich.

Religion

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche Greifensee entstand im frühen 14. Jahrhundert als Galluskapelle. Sie gehört zu den ältesten weitgehend erhaltenen gotischen Bauwerken des Kantons Zürich.

Das Gebäude besitzt einen ungewöhnlichen, annähernd dreieckigen Grundriss. Dieser entstand, weil die gebogene östliche Stadtmauer als eine Aussenwand der Kapelle verwendet wurde.

Die Mauern wurden ursprünglich weit über das Kirchengewölbe hinausgeführt. Dadurch konnte oberhalb des Kirchenraums ein Wehrgang angelegt werden. Die Kirche war somit zugleich Gotteshaus und Bestandteil der Befestigungsanlage.

In den Jahren 1977 und 1978 wurde das Gebäude in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege umfassend renoviert.[10]

Die Kirche bietet nur eine begrenzte Zahl von Sitzplätzen und wird neben Gottesdiensten auch für Konzerte und kulturelle Anlässe genutzt.

Katholische Kirche

Die katholische Bevölkerung wuchs vor allem während der starken Zuwanderung seit den 1960er-Jahren.

Das katholische Kirchen- und Begegnungszentrum wird als Limi bezeichnet. Es befindet sich in der nördlichen Häuserzeile des historischen Städtchens.

Die katholische Pfarrgemeinde ist in die regionale kirchliche Organisation des Zürcher Oberlands eingebunden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Historisches Städtchen

Das Städtchen Greifensee besitzt einen nahezu vollständig erhaltenen mittelalterlichen Grundriss. Es ist als Ortsbild von nationaler Bedeutung im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz verzeichnet.

Die schmalen Häuserzeilen folgen dem früheren Befestigungsring. Schloss, Kirche und ehemalige Verwaltungsgebäude bestimmen die räumliche Struktur.

Das Städtchen ist im Westen und Osten von Grünzonen umgeben. Dadurch bleibt seine historische Lage zwischen See, Burg und Kulturland gut erkennbar.

Schloss Greifensee

Das Schloss ist das bedeutendste weltliche Bauwerk der Gemeinde. Seine Ursprünge reichen in das frühe 13. Jahrhundert zurück.

Der rechteckige Bau besitzt mächtige Grundmauern, einen Treppengiebel und einen tiefen Sodbrunnen. Teile der mittelalterlichen Mauern sind noch heute sichtbar.

Im Innern befinden sich historische Stuben, Öfen, Täfer, Wandmalereien und eine kleine Schlosskapelle. Eine gemalte Wappenfolge erinnert an die Zürcher Landvögte.

Das Schloss gehört dem Kanton Zürich und wird von der Stiftung Schloss Greifensee betrieben. Die Räume können für kulturelle Veranstaltungen, Seminare, Ausstellungen und Feiern genutzt werden.

Reformierte Kirche

Die gotische Kirche bildet den östlichen Abschluss des Städtchens. Durch ihren dreieckigen Grundriss und die Verbindung mit der ehemaligen Stadtmauer ist sie architektonisch aussergewöhnlich.

Kirche und angebautes Gemeindehaus bilden ein geschlossenes Ensemble. Der kleine Kirchenraum vermittelt trotz mehrerer Renovationen noch den Charakter einer mittelalterlichen Kapelle.

Landenberghaus

Das Landenberghaus liegt in der südlichen Häuserzeile des Städtchens. Es diente früher als Stall- und Wirtschaftsgebäude des Schlosses.

Heute enthält es den Gemeindesaal und wird für Versammlungen, Konzerte, Feiern und weitere öffentliche Veranstaltungen genutzt.

Sein Name erinnert an die Herren von Landenberg, welche die Entwicklung des mittelalterlichen Städtchens wesentlich prägten.

Pfarrhaus

Das historische Pfarrhaus befindet sich zwischen Schloss und Landenberghaus. Es gehört zu den prägenden Bauten der südlichen Städtlizeile.

Der Pfarrgarten und die angrenzenden Freiflächen tragen zur besonderen Atmosphäre des historischen Ortskerns bei.

Greifenstein

Das Haus Greifenstein diente zeitweise als Landschreiberei. Die Landschreiber erledigten Verwaltungs- und Gerichtsaufgaben für die Landvogtei und später für das Oberamt.

Im Jahr 1875 wurde die Landschreiberei nach Uster verlegt und dort als Notariat weitergeführt.

Brunnen

Auf dem Platz vor dem Schloss steht der Städtlibrunnen. Brunnen waren früher für die Trinkwasserversorgung, als Viehtränken und als Löschwasserreserve von grosser Bedeutung.

Der Brunnen bildet heute einen zentralen Treffpunkt im historischen Städtchen.

Natur und Erholung

Uferlandschaft

Die Ufer des Greifensees sind von Schilfgürteln, Flachmooren, Riedwiesen und Gehölzen geprägt. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Vogel-, Amphibien-, Fisch- und Pflanzenarten.

Die empfindlichsten Gebiete dürfen nur auf bezeichneten Wegen betreten werden. Hunde müssen in verschiedenen Schutzbereichen an der Leine geführt werden.

Der See ist ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel. Beobachtet werden unter anderem Haubentaucher, Reiher, Enten, Rallen und Kormorane.

Seebad Furen

Das Seebad Furen liegt unmittelbar am See und besitzt eine grosse Liegewiese, Garderoben, sanitäre Anlagen und einen Grillplatz.

Der Eintritt ist kostenlos. Das Bad verfügt über keine ständige Badeaufsicht.[11]

Neben dem Baden werden auf dem See Rudern, Segeln, Stand-up-Paddeln und weitere Wassersportarten betrieben. Motorisierte private Schifffahrt ist nur eingeschränkt zugelassen.

Schifffahrt

Auf dem Greifensee verkehren Kursschiffe der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee. Anlegestellen befinden sich unter anderem bei Greifensee, Maur, Niederuster und Fällanden.

Die Schifffahrt dient hauptsächlich dem Ausflugsverkehr und bietet Rundfahrten über den See an.

Wander- und Radwege

Der See kann auf einem durchgehenden Wanderweg umrundet werden. Die Route führt durch mehrere Gemeinden und Naturschutzgebiete.

Der weitgehend flache Radweg ist auch bei Familien beliebt. An Wochenenden und bei schönem Wetter werden die Wege stark genutzt.

Brauchtum und Veranstaltungen

Im historischen Städtchen finden regelmässig Märkte, Konzerte, kirchliche Feiern und kulturelle Veranstaltungen statt.

Schloss, Landenberghaus und Kirche dienen als Veranstaltungsorte. Das kleine historische Zentrum bietet einen besonderen Rahmen für Hochzeiten, Ausstellungen und öffentliche Anlässe.

Lokale Vereine organisieren Sportveranstaltungen, Feste, Kurse und gesellschaftliche Treffen. Das Gemeindeleben wird auch durch die reformierte und die katholische Kirchgemeinde geprägt.

Persönlichkeiten

  • Wildhans von Breitenlandenberg (um 1410–1444), Kommandant der Zürcher Besatzung während der Belagerung von 1444
  • Salomon Landolt (1741–1818), Offizier, Politiker, Maler und Landvogt von Greifensee
  • Gottfried Keller (1819–1890), Schriftsteller; setzte Salomon Landolt mit der Erzählung Der Landvogt von Greifensee ein literarisches Denkmal
  • Heinrich Kunz (1793–1859), Textilindustrieller und zeitweiliger Besitzer des Schlosses Greifensee

Literatur

  • Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1978, ISBN 3-7643-0991-1, S. 465–509.
  • Beat Eberschweiler, Peter Riethmann: Das spätbronzezeitliche Dorf von Greifensee-Böschen. Monographien der Kantonsarchäologie Zürich, Band 38, Zürich 2007, ISBN 978-3-905681-27-7.
  • Paul J. Brändli: 700 Jahre Greifensee. Beiträge zur Geschichte von Städtchen, Schloss und Gemeinde.
  • Gemeinde Greifensee: Greifensee-Chronik. Greifensee.
  • Peter Ziegler: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Zürich 1977.

Siehe auch

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Greifensee ZH

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 «Greifensee in Zahlen», Gemeinde Greifensee, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. Diethelm Zimmermann: «Greifensee (Gemeinde)», in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 23. Januar 2007, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. «Die 111 Fundstellen», Verein Palafittes, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. «Das Schloss als Bauwerk», Stiftung Schloss Greifensee, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. «Greifensee (Herrschaft, Vogtei)», in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 «Greifensees Geschichte – Zusammenfassung», Gemeinde Greifensee, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. «Schlossgeschichte», Stiftung Schloss Greifensee, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Revision Kommunaler Verkehrsrichtplan, Gemeinde Greifensee, 13. März 2023, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. «Wanderwege in der Region», Gemeinde Greifensee, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. «Kirche», Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Greifensee, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. «Seebad Furen», Gemeinde Greifensee, abgerufen am 24. Juli 2026.