Ottenbach

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Ottenbach

Ottenbach und die umliegende Landschaft

Ottenbach und die umliegende Landschaft

Wappen von Ottenbach

Wappen

Lage von Ottenbach

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Region

Knonaueramt

Bezirk

Affoltern

BFS-Nummer

0011

Postleitzahl

8913

Koordinaten

47.283° N, 8.400° E

Höhe

420 m ü. M.

Fläche

5,01 km²

Einwohner

3026
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.ottenbach.ch

Ottenbach ist eine politische Gemeinde im Bezirk Affoltern des Kantons Zürich. Sie liegt im westlichen Knonaueramt am rechten Ufer der Reuss und grenzt an den Kanton Aargau. Zur Gemeinde gehört neben dem Dorf Ottenbach auch der Weiler Rickenbach.

Die Gemeinde liegt ungefähr gleich weit von den Städten Zürich und Zug entfernt. Sie verbindet eine überwiegend ländliche Kulturlandschaft mit Wohnquartieren, Gewerbebetrieben und einer gut ausgebauten kommunalen Infrastruktur. Das Reussufer mit seinen Auen, Feuchtgebieten und Wäldern gehört zu den bedeutendsten Naturräumen im westlichen Teil des Kantons Zürich.

Überregional bekannt ist Ottenbach durch das historische Kleinkraftwerk der ehemaligen Seidenweberei A. F. Haas & Co. Die vollständig erhaltene Anlage dokumentiert die Entwicklung von der mechanischen Wasserkraftnutzung zur elektrischen Energieerzeugung und gilt als bedeutendes Zeugnis der schweizerischen Industriegeschichte.

Name

Ottenbach wurde am 18. August 831 erstmals urkundlich erwähnt. In einer Urkunde der Fürstabtei St. Gallen erscheint die Bezeichnung marcha Hottumbacharia, die als Ottenbacher Mark oder Ottenbacher Grenzgebiet gedeutet wird.[1]

Spätere Namensformen waren Ottonbac im Jahr 1169, Hottenbach im Jahr 1255 und Ottenbach im Jahr 1278. Der Name wird gewöhnlich als «Bach des Otto» oder «Bach der Otta beziehungsweise Hotta» erklärt. Der erste Namensbestandteil geht vermutlich auf einen germanischen Personennamen zurück.

Der zürichdeutsche Mundartname lautet Ottebach. Wegen gleichnamiger Orte ausserhalb des Kantons wird gelegentlich die Bezeichnung Ottenbach ZH verwendet.

Geografie

Ottenbach liegt am westlichen Rand des Kantons Zürich auf einer Geländeterrasse über dem rechten Ufer der Reuss. Das Dorf erstreckt sich am Abhang des Isenbergs. Die mittlere Höhenlage wird von der Gemeinde mit 420 Metern über Meer angegeben.[2]

Das Gemeindegebiet umfasst 501 Hektaren beziehungsweise 5,01 Quadratkilometer. Die Landschaft wird durch das Reusstal, landwirtschaftlich genutzte Hochflächen, Waldgebiete, Bäche und die Ausläufer des Isenbergs geprägt.

Flächennutzung

Flächennutzung des Gemeindegebiets
Nutzung Anteil
Landwirtschaft 50,8 %
Siedlungsfläche 21,3 %
Wald 17,9 %
Verkehrsfläche 4,2 %
Gewässer 3,3 %
Unproduktive Fläche 2,5 %

Mehr als die Hälfte des Gemeindegebiets wird landwirtschaftlich genutzt. Typisch sind Wiesen, Ackerflächen, Obstgärten und einzelne Bauernhöfe. Die Siedlungsflächen konzentrieren sich auf das Dorf Ottenbach und den Weiler Rickenbach.

Reuss

Die Reuss bildet einen grossen Teil der westlichen Gemeinde- und Kantonsgrenze. Auf der gegenüberliegenden Flussseite liegt das aargauische Freiamt.

Der Fluss prägte die Entwicklung Ottenbachs über Jahrhunderte. Er diente der Fischerei, der Bewässerung und insbesondere der Nutzung von Wasserkraft. Gleichzeitig führten Hochwasser wiederholt zu Überschwemmungen und Schäden an Gebäuden, Feldern und technischen Anlagen.

Die Reuss ist in diesem Gebiet nicht vollständig kanalisiert. Flussschlingen, Kiesbänke, Altwasser, Auenwälder und Riedflächen bilden eine vielfältige Flusslandschaft. Teile des Ufers stehen unter kantonalem Naturschutz.[3]

Rickenbach

Rickenbach ist ein kleiner Weiler nördlich des Dorfes Ottenbach. Er liegt zwischen Ottenbach und Obfelden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Reuss befindet sich ein ebenfalls Rickenbach genannter Ortsteil der aargauischen Gemeinde Merenschwand.

Der Weiler besitzt einen ländlichen Charakter mit Bauernhöfen, Wohnhäusern und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Er wird durch eine regionale Strasse und eine Postautolinie mit Ottenbach, Obfelden und Affoltern am Albis verbunden.

Nachbargemeinden

Ottenbach grenzt an fünf politische Gemeinden:

Jonen, Aristau und Merenschwand liegen im Kanton Aargau. Die Grenze zu den beiden letztgenannten Gemeinden verläuft überwiegend entlang der Reuss.

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2025 lebten 3026 Personen in Ottenbach. Davon besassen 2524 Personen die schweizerische und 502 Personen eine ausländische Staatsangehörigkeit.[2]

Bevölkerung am 31. Dezember 2025
Bevölkerungsgruppe Männer Frauen Gesamt
Schweizer Staatsangehörige 1246 1278 2524
Ausländische Staatsangehörige 257 245 502
Gesamt 1503 1523 3026

Über viele Jahrhunderte blieb Ottenbach eine kleine landwirtschaftliche Gemeinde. Im 19. Jahrhundert führte die Heimarbeit in der Textilindustrie vorübergehend zu einer stärkeren wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung.

Die Abtrennung der fünf Siedlungen, aus denen 1847 die Gemeinde Obfelden entstand, verkleinerte das Gemeindegebiet und die Bevölkerung Ottenbachs erheblich. Während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts blieb die Einwohnerzahl vergleichsweise stabil.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Ottenbach zunehmend zu einer Wohngemeinde. Neue Einfamilien- und Mehrfamilienhausquartiere entstanden vor allem an den Rändern des historischen Dorfkerns. Die Nähe zu Affoltern am Albis, Zürich und Zug begünstigte den Zuzug von Pendlerinnen und Pendlern.

Trotz des Wachstums besitzt Ottenbach weiterhin einen deutlich dörflichen Charakter. Die Gemeinde verfolgt mit dem räumlichen Entwicklungskonzept Ottenbach 2040 eine langfristige Strategie für Siedlung, Landschaft, Verkehr und öffentliche Infrastruktur.[4]

Geschichte

Frühmittelalter

Die Erwähnung der marcha Hottumbacharia von 831 gehört zu den frühesten schriftlichen Belegen eines Ortes im heutigen Knonaueramt. Aus der Formulierung geht hervor, dass das Gebiet bereits als bezeichnete Landschaft oder Grenzmark bekannt war.

Über die genaue Lage und Grösse der frühmittelalterlichen Siedlung ist wenig bekannt. Vermutlich bestand sie aus verstreuten Höfen entlang eines Baches und auf den vor Hochwasser geschützten Terrassen über der Reuss.

Im Verlauf des Mittelalters erwarben verschiedene Klöster, kirchliche Einrichtungen und weltliche Grundherren Besitz und Rechte in Ottenbach. Die Bevölkerung lebte vor allem von Ackerbau, Viehzucht, Waldwirtschaft und Fischerei.

Mittelalterliche Gemeinde

Im Hoch- und Spätmittelalter entwickelte sich Ottenbach zu einem Kirchdorf. Die Kirche bildete gemeinsam mit Bauernhöfen, Mühle und Verkehrswegen den Mittelpunkt der Siedlung.

Die Stadt Zürich weitete ihren politischen Einfluss im Knonaueramt während des späten Mittelalters schrittweise aus. Ottenbach wurde Teil des von Zürich verwalteten Gebietes und gehörte später zur Landvogtei Knonau.

Die Dorfgemeinschaft regelte die gemeinsame Nutzung von Wäldern, Weiden, Wegen und Gewässern. Neben dem eigentlichen Dorf gehörten zahlreiche Höfe und die fünf Siedlungen Oberlunnern, Unterlunnern, Wolsen, Toussen und Bickwil zur Kirch- und Gemeindestruktur Ottenbachs.

Reformation

Nach der Einführung der Reformation in Zürich in den 1520er-Jahren wurde Ottenbach reformiert. Die Kirche diente fortan als evangelisch-reformierte Pfarrkirche.

Die kirchliche Gemeinde umfasste neben Ottenbach während Jahrhunderten auch die Siedlungen des späteren Obfelden. Kirche, Schule und Armenfürsorge wurden gemeinsam organisiert.

Die konfessionelle Lage an der Grenze zum katholisch geprägten Freiamt führte zu vielfältigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen über die Reuss hinweg. Die Kantons- und Konfessionsgrenze trennte die Gemeinden politisch, verhinderte jedoch nicht den Handel, die Heirat und die gemeinsame Nutzung regionaler Verkehrswege.

Gemeindeorganisation seit 1798

Mit dem Ende der Alten Eidgenossenschaft und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurden die alten Herrschaftsrechte aufgehoben. Ottenbach erhielt eine moderne kommunale Organisation mit gewählten Behörden.

Nach verschiedenen administrativen Neuordnungen gehörte die Gemeinde zum Bezirk Knonau und später zum heutigen Bezirk Affoltern. Die Bezeichnung Knonaueramt blieb als historischer und regionaler Name erhalten.

Die frühere Gemeinde umfasste weiterhin das Dorf Ottenbach und die fünf Zivilgemeinden «ob dem Feld». Die räumliche Entfernung, unterschiedliche wirtschaftliche Interessen und der Wunsch nach einer eigenen Kirche und Verwaltung führten im 19. Jahrhundert zu Bestrebungen für eine Trennung.

Gründung von Obfelden

Am 15. Februar 1847 beschloss der Grosse Rat des Kantons Zürich die Abtrennung der Zivilgemeinden Oberlunnern, Unterlunnern, Wolsen, Toussen und Bickwil von Ottenbach. Die fünf Siedlungen wurden zur neuen politischen und kirchlichen Gemeinde Obfelden vereinigt.[5]

Die Trennung war für beide Gemeinden von grosser Bedeutung. Ottenbach verlor einen erheblichen Teil seines bisherigen Gemeindegebiets und seiner Bevölkerung. Obfelden errichtete eine eigene Kirche, eine Verwaltung und neue Schulanlagen.

Trotz der politischen Trennung bestehen bis heute enge Beziehungen zwischen Ottenbach und Obfelden. Die Gemeinden arbeiten unter anderem in der Sekundarschule, bei Jugendangeboten und bei regionalen Infrastrukturen zusammen.

Landwirtschaft und Heimindustrie

Bis ins 19. Jahrhundert bildete die Landwirtschaft die wichtigste wirtschaftliche Grundlage. Neben Getreide und Futterpflanzen wurden Obst und teilweise Reben angebaut. Viehzucht und Milchwirtschaft gewannen zunehmend an Bedeutung.

Viele Familien ergänzten ihr Einkommen durch Heimarbeit. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert waren in Ottenbach zahlreiche Handwebstühle in Betrieb. Verarbeitet wurden zunächst Baumwolle und später zunehmend Seide.

Die Heimindustrie verband die ländliche Bevölkerung mit Zürcher Handelshäusern und Textilunternehmen. Garne und Aufträge wurden in die Dörfer gebracht, die fertigen Stoffe anschliessend wieder abgeholt.

Industrialisierung

Die industrielle Entwicklung Ottenbachs war eng mit der Wasserkraft der Reuss verbunden. Im Jahr 1836 erhielt der Müller Jakob Beerli die Bewilligung, Reusswasser über einen Kanal zu einer Getreidemühle zu führen.[6]

1871 erwarben die Unternehmer Bodmer und Hürlimann den Mühlenbetrieb und bauten ihn zu einer mechanischen Seidenstoffweberei um. Das Wasserrad wurde später durch eine Francisturbine ersetzt.

Die Weberei entwickelte sich zum grössten Industriebetrieb des Dorfes. Zeitweise beschäftigte sie mehr als 200 Personen aus Ottenbach und den umliegenden Zürcher und Aargauer Gemeinden. Produziert wurden unter anderem Beuteltuch, Schirmstoffe sowie Kleider-, Möbel- und Dekorationsstoffe.

1920 wurde der mechanische Antrieb der Webstühle durch elektrische Einzelantriebe ersetzt. Die Turbine trieb fortan einen Generator an. Die Textilproduktion verlor während des 20. Jahrhunderts allmählich an Bedeutung und wurde 1970 eingestellt.

Entwicklung zur Wohngemeinde

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bautätigkeit zu. Verbesserte Strassen, der öffentliche Busverkehr und die Nähe zu Affoltern am Albis machten Ottenbach für Berufspendler attraktiver.

Neue Wohnquartiere entstanden ausserhalb des alten Dorfkerns. Gleichzeitig wurden Schul-, Sport- und Verwaltungsbauten errichtet und die kommunale Versorgung ausgebaut.

Die Landwirtschaft verlor als Arbeitgeber an Bedeutung, blieb jedoch für das Landschaftsbild wichtig. Heute verbindet Ottenbach Wohnnutzung, Landwirtschaft, Gewerbe und Naturschutz auf engem Raum.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:

In Silber ein stehender schwarzer Hahn mit rotem Kamm, roten Halslappen und roten Füssen.

Der schwarze Hahn wird im örtlichen Sprachgebrauch als Ottenbacher Güggel bezeichnet. Das Motiv geht vermutlich auf ein gleichnamiges mittelalterliches Adelsgeschlecht zurück.

Das Wappen wurde erstmals 1493 in der Chronik des Zürcher Ratsherrn Gerold Edlibach erwähnt. Eine weitere frühe Darstellung befindet sich auf einem Glasgemälde von 1551, das seit 1897 zum Bestand des Schweizerischen Nationalmuseums gehört.

Seit 1928 wird der Hahn offiziell als Gemeindewappen verwendet.[1]

Politik und Verwaltung

Ottenbach ist als politische Gemeinde nach dem Recht des Kantons Zürich organisiert. Die gesetzgebende Gewalt liegt bei der Gemeindeversammlung. Ihr gehören alle stimmberechtigten Schweizerinnen und Schweizer mit Wohnsitz in Ottenbach an.

Die Gemeindeversammlung entscheidet insbesondere über:

  • das Budget und die Jahresrechnung
  • den kommunalen Steuerfuss
  • grössere Investitionen
  • kommunale Verordnungen
  • Grundstücksgeschäfte
  • Änderungen der Bau- und Zonenordnung

Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Für die Amtsdauer 2026 bis 2030 besteht er aus fünf direkt beziehungsweise von Amtes wegen bestimmten Mitgliedern. Gemeindepräsidentin ist Gabriela Noser Fanger.[7]

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Affolternstrasse 3 im Dorfzentrum. Zahlreiche öffentliche Aufgaben werden gemeinsam mit anderen Gemeinden des Bezirks Affoltern wahrgenommen.

Wirtschaft

Ottenbach besitzt eine gemischte Wirtschaftsstruktur. Die Landwirtschaft prägt weiterhin einen grossen Teil des Gemeindegebiets. Zu den wichtigsten Betriebszweigen gehören Milchwirtschaft, Viehzucht, Ackerbau, Obstbau und Direktvermarktung.

Im Dorf bestehen kleine und mittlere Unternehmen aus den Bereichen:

  • Bau und Handwerk
  • Detailhandel
  • Fahrzeug- und Reparaturgewerbe
  • Gesundheitsversorgung
  • Gastronomie
  • Unternehmensdienstleistungen
  • Landwirtschaft und Gartenbau

Das Areal der früheren Seidenweberei wird heute für Handel und Gewerbe genutzt. Ein grosser Teil der Erwerbstätigen arbeitet ausserhalb der Gemeinde, insbesondere in Affoltern am Albis, Zürich, Zug oder im aargauischen Freiamt.

Historisches Kleinkraftwerk

Hauptartikel: Kleinkraftwerk Ottenbach

Das historische Kleinkraftwerk an der Muristrasse ist das bedeutendste industriegeschichtliche Denkmal Ottenbachs. Die Gesamtanlage umfasst:

  • das Streichwehr in der Reuss
  • die Kies- und Schwemmfalle
  • den Einlauf in den Oberwasserkanal
  • den Oberwasserkanal
  • das Turbinenhaus
  • die Francisturbine
  • den Generator und die elektrische Schaltanlage
  • den rund 980 Meter langen Unterwasserkanal

Das ungefähr 200 Meter lange Streichwehr ist das längste erhaltene historische Bauwerk dieser Art im Kanton Zürich.[8]

Die heute sichtbare technische Einrichtung entspricht im Wesentlichen dem Stand von 1920. Die Francisturbine besitzt eine Leistung von ungefähr 62 Kilowatt. Sie zeigt anschaulich die Umwandlung der Wasserkraft in mechanische und elektrische Energie.[9]

Ende der 1970er-Jahre erwarb der Kanton Zürich die Anlage im Zusammenhang mit dem Schutz des Reussufers. Hochwasser in den Jahren 2005 und 2007 beschädigten das Turbinenhaus und die Wasserbauten. Das Streichwehr und der Oberwasserkanal wurden anschliessend umfassend instand gesetzt.

Seit 2013 betreibt der Verein Historisches Kleinkraftwerk Ottenbach die museale Anlage. Er nimmt die Turbine regelmässig in Betrieb, führt Wartungsarbeiten aus, organisiert öffentliche Vorführungen und dokumentiert die örtliche Textil- und Industriegeschichte.

Verkehr

Öffentlicher Verkehr

Ottenbach besitzt keinen eigenen Bahnhof. Der nächstgelegene grössere Bahnanschluss befindet sich in Affoltern am Albis. Dort verkehren Züge der S-Bahn Zürich in Richtung Zürich, Zug und weitere Orte der Region.

Die Gemeinde wird durch mehrere Postautolinien erschlossen:

Linie Verbindung
212 Affoltern am Albis–Obfelden–Rickenbach–Ottenbach
214 Affoltern am Albis–Zwillikon–Ottenbach
215 Zürich-Wiedikon–Birmensdorf–Oberlunkhofen–Ottenbach–Affoltern am Albis

Die Linie 215 stellt eine direkte Verbindung zwischen Ottenbach und der Stadt Zürich her. Weitere Bahnanschlüsse befinden sich in Hedingen, Benzenschwil und Muri.[10]

Strassenverkehr

Die wichtigsten Strassenverbindungen führen nach Affoltern am Albis, Obfelden, Jonen und Merenschwand. Die Reussbrücke verbindet Ottenbach mit dem aargauischen Freiamt.

Der Anschluss Affoltern am Albis der Autobahn A4 liegt wenige Kilometer östlich des Dorfes. Mit dem Autobahnzubringer Obfelden–Ottenbach wurde eine leistungsfähigere Verbindung zwischen den beiden Gemeinden und der A4 geschaffen.

Der Zubringer entlastet das Dorfzentrum teilweise vom Durchgangsverkehr. Die früher stark belasteten Kantonsstrassen werden schrittweise saniert und gestalterisch aufgewertet.

Fuss- und Veloverkehr

Entlang der Reuss verlaufen regionale Wander- und Velorouten. Weitere Wege verbinden Ottenbach mit Rickenbach, Obfelden, Affoltern am Albis, Jonen und den Naturschutzgebieten der Reussebene.

Die flache Landschaft entlang des Flusses wird häufig für Freizeit- und Alltagsfahrten mit dem Velo genutzt.

Bildung

Ottenbach verfügt über eigene Kindergärten und eine Primarschule. Die Schulanlage Chappelistein umfasst Unterrichtsräume, Sportanlagen und ein Lehrschwimmbecken.

Die Sekundarstufe wird von der Sekundarschulgemeinde Obfelden-Ottenbach geführt. Die Jugendlichen besuchen die gemeinsame Sekundarschule in Obfelden.

Kantonale Mittelschulen und Berufsfachschulen befinden sich unter anderem in Affoltern am Albis, Urdorf, Zürich und Zug. Die Gemeinde- und Schulbibliothek ergänzt das örtliche Bildungsangebot.

Kirchen

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche steht erhöht über dem historischen Dorfkern. Sie geht auf eine mittelalterliche Vorgängeranlage zurück und wurde im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach erweitert und umgebaut.

Nach der Zürcher Reformation wurde sie zur evangelisch-reformierten Pfarrkirche. Bis zur Gründung Obfeldens im Jahr 1847 gehörten auch die fünf Siedlungen «ob dem Feld» zur Kirchgemeinde Ottenbach.

Heute ist Ottenbach Teil der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Knonauer Amt. Neben Gottesdiensten organisiert die Kirchgemeinde kulturelle, soziale und gemeinschaftliche Veranstaltungen.

Zum kirchlichen Ensemble gehören das Pfarrhaus, das Chilehuus und das ehemalige Waschhaus.

Römisch-katholische Kirche

Die katholische Bevölkerung gehört zur römisch-katholischen Kirchgemeinde Affoltern. Diese umfasst die politischen Gemeinden Affoltern am Albis, Aeugst am Albis, Hedingen, Obfelden und Ottenbach.[11]

Die nächstgelegene katholische Pfarrkirche befindet sich in Affoltern am Albis.

Kultur und Brauchtum

Das kulturelle Leben wird von Vereinen, Schulen, Kirchen, der Bibliothek und der Gemeinde getragen. Veranstaltungen finden unter anderem im Gemeindesaal, im Neuhofsaal, im Chilehuus und auf dem Dorfplatz statt.

Zu den örtlichen Traditionen gehört der Spräggelen-Brauch. Dabei ziehen Jugendliche durch das Dorf und erzeugen mit Instrumenten und Gegenständen Lärm. Der ursprünglich mit dem Vertreiben böser Geister und winterlicher Dunkelheit verbundene Brauch dient heute vor allem dem gesellschaftlichen Zusammensein.[12]

Die lokale Geschichte wurde in mehreren Büchern, Tonaufnahmen und Zeitzeugenprojekten dokumentiert. Die Interessengemeinschaft Ottenbacher Geschichte führte 2009 und 2010 Gespräche mit älteren Einwohnerinnen und Einwohnern und bewahrte deren Erinnerungen an das Dorfleben.

Natur und Erholung

Naturschutzgebiet Reuss

Die Reussebene zwischen Ottenbach, Obfelden und Maschwanden gehört zu den ökologisch wertvollsten Flusslandschaften des Kantons Zürich. Sie umfasst Auenwälder, Feuchtwiesen, Altwasser, Kiesflächen, Hecken und extensiv genutzte Landwirtschaftsflächen.

In der Reussebene wurden mehr als 230 einheimische Vogelarten nachgewiesen. Das Gebiet ist ausserdem ein wichtiger Lebensraum für Amphibien, Reptilien, Fische, Libellen und seltene Pflanzen.[13]

Die Schutzgebiete sind für Spaziergänger auf gekennzeichneten Wegen zugänglich. Hunde müssen in empfindlichen Bereichen an der Leine geführt werden, und das Betreten von Riedflächen und Kiesinseln ist teilweise untersagt.

Freizeitangebote

Zu den Freizeit- und Sportanlagen gehören:

  • die Sportanlage Chappelistein
  • das Lehrschwimmbecken
  • Spielplätze
  • Wander- und Velowege
  • der Campingplatz an der Reussbrücke
  • das Schützenhaus Jonen-Ottenbach
  • Vereins- und Gemeinderäume

Die Reuss wird bei geeigneten Bedingungen für Kanufahrten, Schlauchbootfahrten und die Fischerei genutzt. Wehre, starke Strömungen und wechselnde Wasserstände erfordern jedoch besondere Vorsicht.

Sehenswürdigkeiten

Historisches Kleinkraftwerk

Das historische Kleinkraftwerk ist die wichtigste technische Sehenswürdigkeit Ottenbachs. Bei Führungen werden das Streichwehr, die Kanäle, die Turbine und die elektrische Anlage erklärt und teilweise in Betrieb vorgeführt.

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche und das benachbarte Pfarrhaus prägen das historische Ortsbild. Die erhöhte Lage macht den Kirchturm von verschiedenen Teilen des Dorfes sichtbar.

Historischer Dorfkern

Im alten Dorfzentrum sind Bauernhäuser, ehemalige Gewerbebauten, Brunnen und Wohnhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten erhalten. Sie dokumentieren den Wandel vom Bauerndorf zur Wohn- und Gewerbegemeinde.

Reusslandschaft

Die Flusslandschaft mit dem historischen Streichwehr, dem Oberwasserkanal, Auenwäldern und Kiesbänken verbindet Natur- und Industriegeschichte. Ein Besuch des Kraftwerks kann mit einer Wanderung entlang der Reuss verbunden werden.

Persönlichkeiten

Mit Ottenbach verbunden sind unter anderem:

  • Walter Bodmer (1896–1989), Industriehistoriker und Wirtschaftswissenschaftler
  • Rudolf Stehli-Hausheer (1816–1884), Unternehmer und Politiker, Förderer der Gemeindegründung Obfeldens
  • Vertreter der Unternehmerfamilien Bodmer, Hürlimann und Haas, die an der Entwicklung der Ottenbacher Textilindustrie beteiligt waren

Literatur

  • Bernhard Schneider: Ottenbachs Bevölkerung im Wandel der Zeit. Gemeinde Ottenbach, Ottenbach 1986.
  • Bernhard Schneider: Ottenbacher Geschichte(-n). Ottenbach 2013.
  • Bernhard Schneider: Ottenbach erzählt. Ottenbach 2014.
  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1938.
  • Kanton Zürich: Kleinkraftwerk der ehemaligen Weberei Haas in Ottenbach. Zürcher Umweltpraxis, Zürich 1998.

Siehe auch

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Ottenbach

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Wappen und Ortsname, Gemeinde Ottenbach, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Ottenbach in Zahlen, Gemeinde Ottenbach, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. Naturschutzgebiete im Kanton Zürich, Kanton Zürich, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. Räumliches Entwicklungskonzept Ottenbach 2040, Gemeinde Ottenbach, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. Geschichte und Wappen, Gemeinde Obfelden, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. Historisches Kleinkraftwerk, Gemeinde Ottenbach, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Konstituierung des Gemeinderates Ottenbach 2026–2030, Gemeinde Ottenbach, 15. Juli 2026, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Sanierung des denkmalgeschützten Streichwehrs an der Reuss, Kanton Zürich, 6. Dezember 2010, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. Kleinkraftwerk der ehemaligen Weberei Haas in Ottenbach, Zürcher Umweltpraxis, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. Verkehrsanbindung, Gemeinde Ottenbach, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. Römisch-katholische Kirche, Gemeinde Ottenbach, abgerufen am 24. Juli 2026.
  12. Kultur und Brauchtum, Gemeinde Ottenbach, abgerufen am 24. Juli 2026.
  13. Die Reussebene, Kanton Zürich, abgerufen am 24. Juli 2026.