Schweizerisches Nationalmuseum

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Schweizerisches Nationalmuseum
Landesmuseum Zürich mit dem historischen Bau und dem 2016 eröffneten Erweiterungsbau
Abkürzung SNM
Französischer Name Musée national suisse
Italienischer Name Museo nazionale svizzero
Rätoromanischer Name Museum naziunal svizzer
Rechtsform Öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes
Gründung 1890
Eröffnung des Landesmuseums 24. Juni 1898
Heutige Rechtsform seit 1. Januar 2010
Direktorin Denise Tonella
Präsident des Museumsrats Walter Thurnherr
Museen Landesmuseum Zürich
Château de Prangins
Forum Schweizer Geschichte Schwyz
Sammlungszentrum Affoltern am Albis
Sammlungsbestand über 870'000 Objekte
Website www.nationalmuseum.ch

Das Schweizerische Nationalmuseum (SNM; französisch Musée national suisse, italienisch Museo nazionale svizzero, rätoromanisch Museum naziunal svizzer) ist eine öffentlich-rechtliche Kulturinstitution der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Es sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt materielle Zeugnisse der Geschichte und Kultur der Schweiz von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.

Unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums sind drei öffentlich zugängliche Museen und ein zentrales Sammlungs- und Forschungszentrum vereint: das Landesmuseum Zürich, das Château de Prangins, das Forum Schweizer Geschichte Schwyz und das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis. Seit dem 1. Januar 2010 bildet das SNM eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und eigener Rechnung.[1]

Die Sammlung umfasst mehr als 870'000 Objekte und gehört zu den umfangreichsten kulturhistorischen Sammlungen der Schweiz. Sie dokumentiert Kunsthandwerk, Alltagskultur, politische Geschichte, gesellschaftlichen Wandel, Archäologie, Technik, Mode, Fotografie, Waffen, Münzen, Möbel und zahlreiche weitere Bereiche.[2]

Das Landesmuseum Zürich, das häufig verkürzt ebenfalls als Schweizerisches Nationalmuseum bezeichnet wird, ist nur einer der vier Standorte der Gesamtinstitution. Es bildet jedoch deren grösstes Ausstellungshaus und das historische Stammhaus.

Bezeichnung

Der offizielle Name der Institution lautet Schweizerisches Nationalmuseum. Die grammatische Form «Schweizerischen Nationalmuseum» wird nur innerhalb eines entsprechend gebeugten Satzes verwendet und eignet sich nicht als eigenständiger Artikeltitel.

Bis zur organisatorischen Neuordnung wurde die Institution überwiegend als Schweizerisches Landesmuseum bezeichnet. Der Name bezog sich ursprünglich auf das 1898 eröffnete Museum in Zürich und später auf eine aus mehreren Museen bestehende Gruppe.

Im heutigen Sprachgebrauch werden folgende Begriffe unterschieden:

Bezeichnungen
Begriff Bedeutung
Schweizerisches Nationalmuseum Gesamte öffentlich-rechtliche Institution mit drei Museen und dem Sammlungszentrum
Landesmuseum Zürich Ausstellungshaus in Zürich und historisches Stammhaus
Château de Prangins Westschweizer Standort in Prangins im Kanton Waadt
Forum Schweizer Geschichte Schwyz Standort in der Zentralschweiz
Sammlungszentrum Depot-, Forschungs-, Restaurierungs- und Logistikzentrum in Affoltern am Albis

Auftrag

Die rechtliche Grundlage bildet das Bundesgesetz vom 12. Juni 2009 über die Museen und Sammlungen des Bundes, das sogenannte Museums- und Sammlungsgesetz. Es trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[3]

Das Schweizerische Nationalmuseum hat insbesondere den Auftrag:

  • Kulturgüter zur Geschichte und Kultur der Schweiz zu sammeln;
  • die Sammlungsobjekte zu inventarisieren, zu dokumentieren und zu erhalten;
  • die Geschichte der Schweiz von ihren Anfängen bis in die Gegenwart darzustellen;
  • gesellschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen zu vermitteln;
  • die vielfältigen Identitäten und Traditionen der Schweiz zu thematisieren;
  • Ausstellungen, Publikationen und digitale Angebote zu erarbeiten;
  • wissenschaftliche Forschung zu ermöglichen und selbst zu betreiben;
  • Schulen, Hochschulen, Museen und weitere Kulturinstitutionen fachlich zu unterstützen;
  • Kulturgüter für Ausstellungen im In- und Ausland auszuleihen.

Die Institution versteht die Geschichte der Schweiz nicht als abgeschlossene nationale Erzählung. Ausstellungen und Forschungsprojekte berücksichtigen auch Migration, internationale Verflechtungen, religiöse und sprachliche Vielfalt, soziale Konflikte, Kolonialismus, wirtschaftlichen Wandel und die Beziehungen der Schweiz zu Europa und zur Welt.

Geschichte

Frühe Pläne

Die Idee eines gesamtschweizerischen Nationalmuseums entstand bereits während der Helvetischen Republik. Ein solches Museum sollte historische Gegenstände aus den verschiedenen Regionen sammeln und zur Bildung eines gemeinsamen Staatsbewusstseins beitragen. Das Vorhaben wurde damals jedoch nicht verwirklicht.[4]

Nach der Gründung des modernen Bundesstaats von 1848 verstärkte sich die Diskussion über nationale Kulturinstitutionen. Der föderalistische Aufbau der Schweiz erschwerte die Gründung eines zentralen Museums, da zahlreiche Kantone, Städte und historische Gesellschaften bereits eigene Sammlungen besassen.

Gleichzeitig wuchs die Sorge, bedeutende Altertümer und kunsthandwerkliche Objekte könnten an ausländische Sammler verkauft werden. Archäologische Ausgrabungen brachten zudem immer mehr Fundstücke ans Licht, für deren dauerhafte Aufbewahrung geeignete Einrichtungen fehlten.

Initiative von Salomon Vögelin

Der Zürcher Nationalrat und Kunsthistoriker Salomon Vögelin brachte die Frage eines Nationalmuseums 1883 erneut auf die politische Tagesordnung. Einen wichtigen Anstoss gab die Schweizerische Landesausstellung desselben Jahres in Zürich, deren historische und kunstgewerbliche Präsentationen auf grosses öffentliches Interesse stiessen.[5]

Der Bund setzte eine Kommission ein, welche die vorhandenen Sammlungen untersuchte und Vorschläge für ein nationales Museum erarbeitete. Am 27. Juni 1890 beschloss die Bundesversammlung das Bundesgesetz über die Errichtung eines Schweizerischen Landesmuseums.

Streit um den Standort

Mehrere Städte bewarben sich um den Sitz des neuen Museums. Besonders intensiv war der Wettbewerb zwischen Zürich, Bern, Basel und Luzern.

Zürich stellte ein Grundstück beim Platzspitz hinter dem Hauptbahnhof zur Verfügung und verpflichtete sich, das Museumsgebäude auf eigene Kosten zu errichten. Die zentrale Lage, die Nähe zum Eidgenössischen Polytechnikum und zur Kunstgewerbeschule sowie die finanziellen Zusagen der Stadt stärkten die Zürcher Bewerbung.

1891 entschieden National- und Ständerat zugunsten Zürichs. Der Entscheid wurde in anderen Landesteilen teilweise kritisch aufgenommen, da Zürich bereits über bedeutende wissenschaftliche und wirtschaftliche Institutionen verfügte.[5]

Bau des Landesmuseums

Mit der Planung wurde der Zürcher Architekt Gustav Gull beauftragt. Die Bauarbeiten begannen 1892.

Gull entwarf einen monumentalen historistischen Gebäudekomplex, der an eine spätmittelalterliche Schlossanlage erinnert. Türme, Innenhöfe, Treppengiebel und unterschiedliche Gebäudeflügel sollten die architektonische Vielfalt der Schweiz versinnbildlichen.

Für die Fassaden und Innenräume wurden historische Bauformen aus verschiedenen Regionen und Epochen aufgenommen. Das Gebäude war nicht nur als neutrale Hülle für die Sammlung gedacht, sondern selbst als Teil der nationalen Geschichtserzählung.

Der Bau wurde mit der Kunstgewerbeschule verbunden. Historische Kunst und Handwerkstechniken sollten den Studierenden als Anschauungsmaterial und Vorbild dienen.

Eröffnung 1898

Der Bundesrat eröffnete das Schweizerische Landesmuseum am 24. Juni 1898. Die mehrtägigen Feierlichkeiten umfassten einen grossen historischen Festumzug mit rund 2'000 Teilnehmenden, Musikkorps, Reitergruppen und zahlreichen Festwagen.[5]

Erster Direktor war der Kunstsammler und Diplomat Heinrich Angst. Er prägte den Aufbau der Sammlung und die frühe Präsentation des Museums entscheidend.

Zu den Schwerpunkten gehörten zunächst mittelalterliche und frühneuzeitliche Kunst, historische Waffen, Glasmalerei, Möbel, Textilien, kirchliche Kunst und schweizerisches Kunsthandwerk.

Die Ausstellungsräume wurden als historische Lebenswelten gestaltet. Vollständig eingebaute Zimmer, Decken, Wandverkleidungen, Öfen und Möbelensembles sollten den Eindruck vergangener Epochen vermitteln.

Hodler-Streit

Um 1900 entstand ein öffentlich ausgetragener Konflikt um die Wandbilder Ferdinand Hodlers in der Ruhmeshalle.

Hodler hatte den Rückzug der eidgenössischen Truppen aus der Schlacht bei Marignano dargestellt. Heinrich Angst und weitere Vertreter einer traditionellen Geschichtsauffassung empfanden die Gestaltung als zu modern und nicht ausreichend heroisch.

Nach langen Auseinandersetzungen und einer Intervention des Bundesrats konnte Hodler seine Arbeit vollenden. Der sogenannte Freskenstreit entwickelte sich zu einer Grundsatzdebatte über moderne Kunst, nationale Selbstdarstellung und die Freiheit des Künstlers.[6]

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Die Sammlung wuchs rasch, sodass das Gebäude schon wenige Jahre nach seiner Eröffnung als zu klein galt. Verschiedene Erweiterungsprojekte wurden geplant, jedoch aus politischen, finanziellen oder städtebaulichen Gründen nicht umgesetzt.

1935 zog die Kunstgewerbeschule aus einem Gebäudeflügel aus. Das Museum konnte die frei gewordenen Räume übernehmen.

Während des 20. Jahrhunderts wurden die Präsentationen zunehmend wissenschaftlich geordnet. Die ursprünglichen, stark inszenierten historischen Räume wurden teilweise verändert, und sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtliche Fragestellungen erhielten mehr Gewicht.

1982 wurde Jenny Schneider zur Direktorin gewählt. Sie war die erste Frau an der Spitze des Landesmuseums und zugleich die erste Frau, die ein schweizerisches Bundesamt leitete.[5]

1994 mussten Teile des Zürcher Museums wegen baustatischer Mängel kurzfristig geschlossen werden. Die notwendigen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten verstärkten die Forderung nach einer umfassenden Erneuerung.

Ausbau zur Museumsgruppe

Das Schweizerische Landesmuseum entwickelte sich schrittweise von einem einzelnen Museum zu einer nationalen Museumsgruppe.

1995 wurde das Forum Schweizer Geschichte Schwyz eröffnet. Es befindet sich in einem barocken Korn- und Zeughaus von 1711 und bildet den Standort des Nationalmuseums in der Zentralschweiz.[7]

1998 eröffnete der Bund im restaurierten Château de Prangins den Westschweizer Sitz des Nationalmuseums. Die Kantone Waadt und Genf hatten das Schloss 1975 der Eidgenossenschaft geschenkt.[8]

2007 nahm das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis seinen Betrieb auf. In einem umgebauten ehemaligen Zeughaus wurden die zuvor auf zahlreiche Standorte verteilten Depots, Restaurierungsateliers, Labore und logistischen Einrichtungen zusammengeführt.[9]

Neuorganisation 2010

Mit dem Inkrafttreten des Museums- und Sammlungsgesetzes am 1. Januar 2010 wurde das Schweizerische Nationalmuseum als öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit geschaffen.

Die Neuordnung gewährte der Institution mehr organisatorische und finanzielle Selbstständigkeit. Gleichzeitig wurden die Zuständigkeiten des Bundesrats, des Museumsrats und der Geschäftsleitung gesetzlich geregelt.[1]

Nicht alle früher zur Museumsgruppe gehörenden Bundesmuseen verblieben beim Nationalmuseum. Einzelne Einrichtungen wurden dem Bundesamt für Kultur unterstellt, an Kantone übertragen oder organisatorisch verselbstständigt.

Erweiterung des Landesmuseums

2002 gewann das Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein den Wettbewerb für die Erweiterung des Landesmuseums Zürich.

Nach politischen Diskussionen, Projektüberarbeitungen und Volksabstimmungen begannen 2012 die Bauarbeiten. Der neue Flügel wurde am 1. August 2016 für das Publikum eröffnet.

Der Erweiterungsbau bildet mit dem historischen Gull-Bau einen neuen Innenhof. Seine kantige, skulpturale Form und die grauen Betonfassaden setzen sich deutlich vom historistischen Altbau ab, nehmen jedoch dessen Höhen, Linien und räumliche Bezüge auf.

Im Neubau befinden sich grosse, flexibel nutzbare Ausstellungshallen, ein Auditorium, eine Bibliothek und Räume für Veranstaltungen und Vermittlungsangebote.[10]

Nach der Eröffnung des Neubaus wurde der historische Westflügel saniert. Seit 2019 sind dort erneut historische Zimmer und neu gestaltete Ausstellungsbereiche zugänglich.

Standorte

Standorte des Schweizerischen Nationalmuseums
Einrichtung Ort Eröffnung beziehungsweise Aufnahme des Betriebs Schwerpunkt
Landesmuseum Zürich Zürich 1898 Kulturgeschichte und Geschichte der Schweiz von der Archäologie bis zur Gegenwart
Forum Schweizer Geschichte Schwyz Schwyz 1995 Entstehung der alten Eidgenossenschaft, Mittelalter und Geschichte der Zentralschweiz
Château de Prangins Prangins 1998 Geschichte der Westschweiz, Aufklärung, Alltags- und Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts
Sammlungszentrum Affoltern am Albis 2007 Sammlung, Depot, Konservierung, Restaurierung, Forschung und Objektlogistik

Landesmuseum Zürich

Das Landesmuseum Zürich ist das grösste Ausstellungshaus des Schweizerischen Nationalmuseums. Es steht zwischen dem Zürcher Hauptbahnhof, der Limmat und dem Platzspitzpark.

Die Dauerausstellungen behandeln unter anderem:

  • die Archäologie auf dem Gebiet der heutigen Schweiz;
  • die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Schweiz;
  • die Entstehung des Bundesstaats;
  • Migration, Religion und sprachliche Vielfalt;
  • Handwerk, Wohnen und Alltagskultur;
  • Schweizer Design und Technik;
  • die Geschichte von Stadt und Kanton Zürich.

Die Ausstellung Archäologie Schweiz reicht von den ersten menschlichen Spuren vor mehr als 100'000 Jahren bis zur Ausbreitung des Christentums im frühen Mittelalter.[11]

Die Dauerausstellung Geschichte Schweiz beschreibt auf rund 1'000 Quadratmetern die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Schweiz während der vergangenen rund 550 Jahre.[12]

Neben den Dauerausstellungen zeigt das Museum regelmässig grosse Wechselausstellungen zu historischen und aktuellen Themen.

Forum Schweizer Geschichte Schwyz

Das Forum Schweizer Geschichte befindet sich in einem 1711 errichteten Korn- und Zeughaus in Schwyz.

Die Dauerausstellung widmet sich dem Mittelalter und den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Entstehung der alten Eidgenossenschaft. Dabei werden traditionelle Gründungserzählungen mit den Ergebnissen der modernen Geschichtsforschung verglichen.

Objekte, audiovisuelle Medien und interaktive Stationen vermitteln Themen wie Herrschaft, Handel, Krieg, Bündnisse, Religion und Alltag im Alpenraum.

Regelmässige Wechselausstellungen greifen Themen von regionaler, gesamtschweizerischer und internationaler Bedeutung auf.[7]

Château de Prangins

Das Château de Prangins liegt oberhalb des Genfersees im Kanton Waadt.

Das heutige Schloss wurde in den 1730er-Jahren für den Bankier Louis Guiguer errichtet. Zu seinen zeitweiligen Bewohnern gehörten Voltaire und Joseph Bonaparte.

Das Museum zeigt die Geschichte der Schweiz und der Westschweiz vor allem im 18. und 19. Jahrhundert. Die historischen Räume vermitteln das Leben einer wohlhabenden Familie zur Zeit der Aufklärung.

Zum Museum gehört ein rund 5'500 Quadratmeter grosser historischer Gemüsegarten. Dort werden zahlreiche alte Sorten von Gemüse, Früchten, Gewürz- und Nutzpflanzen angebaut.[13]

Sammlungszentrum

Das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis ist das fachliche und logistische Zentrum der Institution.

Es umfasst:

  • klimatisierte Sammlungsdepots;
  • Ateliers für Konservierung und Restaurierung;
  • Labore für Material- und Konservierungsforschung;
  • Objektregistrierung und Inventarisierung;
  • Leihwesen und Transportlogistik;
  • Fotoatelier und digitale Dokumentation;
  • Arbeitsplätze für Forschende.

Das Gebäude war ursprünglich ein Zeughaus der Schweizer Armee. Es wurde von 2005 bis 2007 durch Stücheli Architekten für die neue Nutzung umgebaut.[9]

Das Sammlungszentrum ist kein reguläres Ausstellungsmuseum. Es kann jedoch im Rahmen bestimmter Führungen und Fachveranstaltungen besichtigt werden.

Sammlung

Die Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums umfasst mehr als 870'000 Objekte. Sie reicht von archäologischen Funden der Altsteinzeit bis zu Gegenständen der unmittelbaren Gegenwart.[2]

Die Bestände werden in 14 Sammlungsbereiche gegliedert:

Sammlungsbereiche
Sammlungsbereich Inhalt
Archäologie Bodenfunde vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter
Edel- und Buntmetall Sakrale und profane Gold- und Silberschmiedearbeiten
Grafik, Fotografie, Buchmalerei und Faksimiles Zeichnungen, Druckgrafik, Handschriften, Fotografien, Plakate und Faksimiles
Keramik und Glas Gefässe, Geschirr, Figuren, Skulpturen und Reliefs
Kutschen, Schlitten und Fahrzeuge Repräsentations-, Transport- und Landwirtschaftsfahrzeuge
Malerei und Bildhauerei Gemälde, Glasmalerei, Holzskulpturen und Altarretabel
Möbel und Interieurs Möbel, historische Zimmer, Bauteile und Tapeten
Numismatik und Siegel Münzen, Medaillen, Banknoten, Wertschriften und Siegel
Schmuck und Uhren Schmuck, Trachtenschmuck, Ringe und Uhren
Spezialsammlungen Spielzeug, Musikinstrumente, Gebäckmodel, Zinnfiguren und Sammlung Hallwil
Technologie und Brauchtum Handwerk, Werkstätten, Alltagsgeräte, Computer und Kommunikationsmittel
Textil und Mode Kleidung, Accessoires, Trachten, Fahnen und kirchliche Textilien
Waffen und Uniformen Waffen, militärische Kleidung, Ausrüstung, Orden und Abzeichen
Zeitzeugen Objekte zur schweizerischen Gesellschaft und Kultur seit 1945

Bedeutende Bestände

Zu den besonders bedeutenden Beständen gehören:

  • archäologische Funde aus allen Landesteilen;
  • eine international herausragende Sammlung von Glasgemälden;
  • eine der bedeutendsten schweizerischen Waffensammlungen;
  • die grösste öffentliche Möbelsammlung der Schweiz;
  • die umfassendste historische Textilsammlung des Landes;
  • eine bedeutende Sammlung mittelalterlicher Holzskulpturen;
  • Münzen, Banknoten, Medaillen und eine der grössten Siegelsammlungen Europas;
  • historische Fotografien und Fotoalben;
  • vollständige historische Zimmer und Bauteile;
  • Objekte des schweizerischen Designs und der Industriegeschichte.

Die Sammlung wächst durch Ankäufe, Schenkungen, Deposita, Nachlässe und Übernahmen. Neue Erwerbungen müssen eine nachvollziehbare Bedeutung für die Geschichte und Kultur der Schweiz besitzen.

Konservierung und Restaurierung

Die Erhaltung der Sammlungsobjekte gehört zu den zentralen Aufgaben des Nationalmuseums.

Im Sammlungszentrum arbeiten Fachleute für unterschiedliche Materialien wie Metall, Holz, Textilien, Papier, Leder, Glas, Keramik, Kunststoffe und archäologische Bodenfunde.

Zu ihren Aufgaben gehören:

  • Untersuchung des materiellen Zustands;
  • vorbeugende Konservierung;
  • Reinigung und Stabilisierung;
  • Restaurierung beschädigter Objekte;
  • Entwicklung geeigneter Lagerungs- und Ausstellungssysteme;
  • Überwachung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht;
  • Schädlingsbekämpfung;
  • Vorbereitung von Transporten und Leihgaben.

Die Konservierungsforschung untersucht Alterungsprozesse und Materialien mit naturwissenschaftlichen Methoden. Dabei arbeitet das Museum mit Hochschulen, Laboren und anderen Kulturinstitutionen zusammen.

Forschung und Provenienz

Die Sammlungsobjekte dienen als Quellen der historischen, archäologischen, kunsthistorischen und materialwissenschaftlichen Forschung.

Forschungsprojekte beschäftigen sich unter anderem mit mittelalterlicher Kunst, archäologischen Fundkomplexen, historischen Textilien, Fotografie, Technikgeschichte und Konservierungsmethoden.[14]

Eine wachsende Bedeutung besitzt die Provenienzforschung. Sie untersucht Herkunft, Eigentumswechsel und Erwerbungsumstände von Objekten.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Kulturgütern, die während der Zeit des Nationalsozialismus, in kolonialen Zusammenhängen oder unter politischem und wirtschaftlichem Zwang den Besitzer wechselten.

Die Ergebnisse können zu neuen Objektbeschreibungen, wissenschaftlichen Publikationen, Rückgaben oder Vereinbarungen mit früheren Eigentümerinnen und Eigentümern führen.

Vermittlung

Das Nationalmuseum bietet Führungen, Workshops, Vorträge, Veranstaltungen und Unterrichtsmaterialien an.

Die Vermittlungsangebote richten sich an:

  • Schulen und Lehrpersonen;
  • Familien und Kinder;
  • Erwachsene und Seniorinnen und Senioren;
  • Menschen mit Behinderungen;
  • neu zugewanderte Personen;
  • Forschende und Fachpublikum;
  • private Gruppen und Unternehmen.

Viele Angebote werden in mehreren Landessprachen sowie auf Englisch durchgeführt.

Digitale Medien, interaktive Stationen, Audioguides und virtuelle Rundgänge ergänzen die klassischen Ausstellungsformen.

Digitale Angebote

Ein wachsender Teil der Bestände ist über die Online-Sammlung recherchierbar. Dort werden Fotografien, Grunddaten und wissenschaftliche Beschreibungen ausgewählter Objekte veröffentlicht.

Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums behandelt Themen aus Geschichte, Archäologie, Kunst und Alltagskultur. Beiträge erscheinen in mehreren Sprachen und richten sich an ein breites Publikum.

Weitere digitale Angebote umfassen:

  • Podcasts;
  • Videos;
  • virtuelle Ausstellungen;
  • Unterrichtsmaterialien;
  • digitalisierte Publikationen;
  • Daten für wissenschaftliche Forschung;
  • Bildbestellungen und Reproduktionsdienste.

Organisation

Das Schweizerische Nationalmuseum untersteht der Aufsicht des Bundesrats.

Seine gesetzlichen Organe sind:

  • der Museumsrat;
  • die Geschäftsleitung;
  • die Revisionsstelle.

Der Museumsrat sorgt für die Umsetzung der strategischen Ziele des Bundesrats und überwacht die Geschäftsführung.

Der Bundesrat wählt die Mitglieder des Museumsrats. Im Jahr 2026 wird dieser vom früheren Bundeskanzler Walter Thurnherr präsidiert.[1]

Die operative Leitung liegt bei der Direktorin und der Geschäftsleitung. Seit April 2021 ist die Historikerin Denise Tonella Direktorin des Schweizerischen Nationalmuseums.[15]

Die Finanzierung wird im Rahmen der Kulturbotschaft des Bundes festgelegt. Hinzu kommen Eintrittsgelder, Erträge aus Dienstleistungen, Sponsoring, Spenden und projektbezogene Beiträge.

Architektur des Landesmuseums Zürich

Der historische Bau von Gustav Gull gehört zu den bedeutendsten Museumsbauten des schweizerischen Historismus.

Seine Architektur verbindet Motive spätmittelalterlicher Burgen, städtischer Bürgerhäuser, Klöster und frühneuzeitlicher Repräsentationsbauten.

Der Bau sollte keine bestimmte Region bevorzugen. Unterschiedliche architektonische Formen wurden zu einer symbolischen Darstellung der kulturellen Vielfalt des Bundesstaats verbunden.

Der Erweiterungsbau von Christ & Gantenbein bildet einen bewussten zeitgenössischen Gegensatz. Die beiden Gebäudeteile umschliessen gemeinsam einen Innenhof und bilden trotz ihrer unterschiedlichen Formensprache ein funktionales Ensemble.

Der historische Bau und der Erweiterungsbau sind selbst Gegenstand architekturgeschichtlicher Führungen und Forschungen.

Kritik und Debatten

Als nationale Institution war das Museum seit seiner Gründung Gegenstand politischer und wissenschaftlicher Debatten.

Zu den wiederkehrenden Fragen gehören:

  • welche Ereignisse und Bevölkerungsgruppen in der nationalen Geschichte dargestellt werden;
  • wie Gründungsmythen und historische Forschung miteinander verbunden werden;
  • ob das Museum den föderalistischen und mehrsprachigen Charakter der Schweiz angemessen abbildet;
  • wie Migration, Frauen-, Arbeiter- und Minderheitengeschichte berücksichtigt werden;
  • wie mit kolonialen Verflechtungen und problematischen Erwerbungsgeschichten umzugehen ist;
  • welche Gegenstände der Gegenwart für spätere Generationen gesammelt werden sollen.

Die frühen Ausstellungen stellten vor allem politische, militärische und kunsthandwerkliche Leistungen der alten Eidgenossenschaft in den Mittelpunkt.

Spätere Ausstellungskonzepte erweiterten diese Perspektive um Alltagsgeschichte, soziale Ungleichheit, Industrialisierung, Migration, Geschlechterverhältnisse, Umweltgeschichte und internationale Beziehungen.

Bedeutung

Das Schweizerische Nationalmuseum ist die zentrale kulturhistorische Museumsinstitution des Bundes.

Seine Bedeutung beruht nicht nur auf den öffentlich gezeigten Ausstellungen, sondern auch auf der langfristigen Erhaltung einer aussergewöhnlich umfangreichen Sammlung.

Die Objekte bilden ein materielles Gedächtnis der Schweiz. Sie dokumentieren politische Ereignisse ebenso wie das alltägliche Leben, handwerkliche Fähigkeiten, religiöse Vorstellungen, wirtschaftliche Veränderungen und technische Innovationen.

Durch seine Standorte in Zürich, Prangins, Schwyz und Affoltern am Albis verbindet das Nationalmuseum unterschiedliche Sprach- und Kulturräume.

Es ist zugleich Museum, Forschungsinstitution, Sammlungszentrum, Restaurierungsbetrieb, Bildungsort und Forum für gesellschaftliche Debatten über Geschichte und Gegenwart der Schweiz.

Literatur

  • Hanspeter Draeyer: Das Schweizerische Landesmuseum Zürich. Bau- und Entwicklungsgeschichte 1889–1998. Zürich 1999.
  • Schweizerisches Nationalmuseum: Die Sammlung. Zürich, jährlich erscheinende Publikation.
  • Schweizerisches Nationalmuseum: Geschäftsbericht. Zürich, jährlich erscheinend.
  • Gustav Gull, Christ & Gantenbein: Publikationen zur Architektur und Erweiterung des Landesmuseums Zürich.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Schweizerisches Nationalmuseum.
  • Bundesamt für Kultur: Kulturbotschaft 2025–2028. Bern 2024.
  • Zürcher Denkmalpflege: Berichte zum Schweizerischen Landesmuseum.

Siehe auch

Einzelnachweise