Rifferswil

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Rifferswil

Historische Bauten in Unterrifferswil

Historische Bauten in Unterrifferswil

Wappen von Rifferswil

Wappen

Lage von Rifferswil

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Region

Knonaueramt

Bezirk

Affoltern

BFS-Nummer

0012

Postleitzahl

8911

Koordinaten

47.2427° N, 8.4957° E

Höhe

579 m ü. M.

Fläche

6,50 km²

Einwohner

1'213
(Stand: 31. Dezember 2025)

Gemeindepräsident

Christoph Lüthi

Website

www.rifferswil.ch

Rifferswil ist eine politische Gemeinde im Bezirk Affoltern des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt im südöstlichen Teil des Knonaueramts, das im regionalen Sprachgebrauch auch Säuliamt genannt wird. Gemeinsam mit Hausen am Albis, Kappel am Albis und Teilen der angrenzenden Gemeinden wird Rifferswil dem sogenannten Oberamt zugerechnet.

Die Gemeinde besteht im Wesentlichen aus den beiden historischen Siedlungsteilen Oberrifferswil und Unterrifferswil. Daneben gehören einzelne Weiler, Hofgruppen und abgelegene Landwirtschaftsbetriebe zum Gemeindegebiet. Die beiden alten Dorfkerne sind durch traditionelle Bauernhäuser, Fachwerkbauten, Scheunen, Gärten und unbebaute Zwischenräume geprägt.

Rifferswil liegt in der sanft gewellten Drumlinlandschaft des oberen Jonentals. Landwirtschaftsflächen, Wälder, Feuchtgebiete und kleinere Gewässer bestimmen das Landschaftsbild. Zu den bekanntesten Ausflugszielen gehört der Park Seleger Moor, ein Landschaftsgarten mit umfangreichen Sammlungen von Rhododendren, Azaleen und weiteren Moorpflanzen.

Die Gemeinde bewahrte trotz der Nähe zu Zürich und Zug einen ausgeprägt ländlichen Charakter. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sie sich jedoch von einem fast ausschliesslich landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer Wohngemeinde mit einem hohen Anteil auswärts arbeitender Einwohnerinnen und Einwohner. Ende 2025 lebten 1'213 Personen in Rifferswil.[1]

Geografie

Lage

Rifferswil liegt im Süden des Kantons Zürich zwischen dem Albis im Osten und der Reussebene im Westen. Das Dorf befindet sich rund fünf Kilometer südöstlich von Affoltern am Albis und etwa 15 Kilometer nordwestlich der Stadt Zug.

Das Gemeindegebiet umfasst rund 6,50 Quadratkilometer. Der historische Dorfkern liegt auf ungefähr 579 Metern über Meer. Das Gelände ist stark gegliedert und erreicht an verschiedenen bewaldeten Höhenzügen deutlich mehr als 600 Meter.

Nachbargemeinden sind:

Die Gemeinde liegt abseits der grossen Verkehrsachsen. Die Autobahn A4 verläuft westlich des Gemeindegebiets durch das Knonaueramt. Die nächsten Autobahnanschlüsse befinden sich bei Mettmenstetten und Affoltern am Albis.

Oberrifferswil und Unterrifferswil

Rifferswil entwickelte sich aus zwei räumlich getrennten Siedlungsschwerpunkten. Oberrifferswil liegt im höher gelegenen östlichen Teil der Gemeinde. Dort befinden sich die reformierte Kirche, das Gemeindehaus, das Schulhaus und weitere öffentliche Einrichtungen.

Unterrifferswil liegt nordwestlich davon am Jonenbach. Der Siedlungsteil besitzt einen besonders gut erhaltenen bäuerlichen Ortskern mit traditionellen Vielzweckgebäuden, ehemaligen Mühlenbauten, Scheunen und kleineren Gewerbehäusern.

Zwischen den beiden Dorfteilen entstand im Verlauf des 20. und frühen 21. Jahrhunderts eine locker bebaute Verbindung. Die historische Gliederung ist im Ortsbild jedoch weiterhin deutlich erkennbar.

Landschaft

Die Landschaft rund um Rifferswil wurde während der letzten Eiszeiten geformt. Gletscher hinterliessen lang gestreckte Hügel, Moränen, Mulden und vernässte Senken. Diese typische Drumlinlandschaft erstreckt sich über weite Teile des südlichen Knonaueramts.

Zwischen den Hügelzügen liegen Wiesen, Ackerflächen, Obstgärten und kleinere Moore. Hecken, Feldgehölze und Einzelbäume gliedern die offene Kulturlandschaft.

Die Landschaft besitzt sowohl landwirtschaftliche als auch ökologische Bedeutung. Feuchtgebiete, Waldränder, Hochstammobstgärten und extensiv genutzte Wiesen bieten Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten.

Gewässer

Der Jonenbach durchquert das Gemeindegebiet und fliesst durch Unterrifferswil. Er gehört zum Einzugsgebiet der Reuss. Der Bach wurde in früherer Zeit zum Betrieb von Mühlen und anderen gewerblichen Einrichtungen genutzt.

Neben dem Jonenbach bestehen mehrere kleinere Bäche, Gräben und Weiher. In den feuchten Geländemulden entstanden Moore und sumpfige Bereiche. Einige davon wurden früher zur Gewinnung von Torf entwässert oder teilweise ausgebeutet.

Renaturierungen und Schutzmassnahmen sollen die natürlichen Bachläufe, Feuchtwiesen und Moorgebiete erhalten beziehungsweise wiederherstellen.

Bodennutzung

Ein grosser Teil des Gemeindegebiets wird landwirtschaftlich genutzt. Daneben nehmen Wälder und Feuchtgebiete bedeutende Flächen ein. Der Anteil der überbauten Fläche ist im Vergleich zu den Agglomerationsgemeinden des Kantons Zürich gering.

Die Siedlungsfläche konzentriert sich auf Oberrifferswil, Unterrifferswil und einige kleinere Wohngebiete. Ausserhalb der Bauzonen befinden sich Landwirtschaftsbetriebe, Einzelhöfe und Ökonomiegebäude.

Die Gemeinde verfolgt das Ziel, neue Wohn- und Gewerbenutzungen überwiegend innerhalb der bestehenden Siedlungsgrenzen unterzubringen. Wegen des wertvollen Ortsbilds gelten in den historischen Kernen besondere Bau- und Gestaltungsvorschriften.

Ortsname

Der Name Rifferswil gehört zu den zahlreichen alemannischen Ortsnamen mit der Endung -wil. Diese geht auf das althochdeutsche Wort wīlāri beziehungsweise das lateinische villare zurück und bezeichnete einen Hof oder eine kleine ländliche Siedlung.

Der erste Bestandteil wird mit dem althochdeutschen Personennamen Raginfried, Reginfried oder einer verwandten Namensform in Verbindung gebracht. Der Ortsname bedeutet demnach ungefähr «Hofsiedlung des Raginfried».[2]

In älteren Darstellungen wird häufig eine Urkunde aus dem Jahr 1019 mit der Form Renifriedeswile als erste Erwähnung genannt. Diese Datierung beruht jedoch wahrscheinlich auf einer späteren fehlerhaften Zuordnung durch den Chronisten Aegidius Tschudi. Als früheste sichere schriftliche Nennung gilt eine Urkunde von 1179, in der auch die Kirche von Rifferswil erwähnt wird.

Im Laufe der Jahrhunderte erschienen unterschiedliche Schreibweisen. Die heutige Form Rifferswil setzte sich in der Neuzeit durch.

Geschichte

Frühmittelalter

Archäologische Funde zeigen, dass das Gebiet bereits im Frühmittelalter besiedelt war. Im Oberdorf wurden Gräber entdeckt, die in das 8. Jahrhundert datiert werden.

Die damalige Bevölkerung lebte hauptsächlich von Ackerbau, Viehzucht und der Nutzung der umliegenden Wälder. Die ersten Hofgruppen entstanden wahrscheinlich auf trockenen, leicht erhöhten Geländestellen zwischen den feuchten Mulden der Drumlinlandschaft.

Die alemannische Siedlung entwickelte sich im Verlauf des Hochmittelalters zu einer dörflichen Gemeinschaft mit Kirche, Höfen und gemeinschaftlich genutzten Flächen.

Erste urkundliche Erwähnungen

Eine Kirche in Rifferswil wird 1179 erstmals sicher urkundlich erwähnt. Die Existenz des Gotteshauses deutet darauf hin, dass Rifferswil bereits damals ein bedeutenderer lokaler Siedlungsmittelpunkt war.[3]

Im Jahr 1185 nahmen Ulrich und Konrad von Rifferswil an der Weihe der Klosterkirche von Kappel teil. Sie schenkten dem Kloster Land und gehörten zu einem lokalen Dienstadelsgeschlecht.

Herren von Rifferswil

Das ritterliche Geschlecht von Rifferswil stand im Dienst der Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg. Die Familie besass Güter und Herrschaftsrechte im Dorf und in der Umgebung.

Die Herren von Rifferswil verschwanden gegen Ende des 14. Jahrhunderts aus den schriftlichen Quellen. Ihr Wappen bildete später die Grundlage für das Gemeindewappen.

Die mittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse waren komplex. Klöster, Adelsfamilien und weltliche Herrschaften besassen gleichzeitig Grundstücke, Zehnten, Gerichtsrechte und weitere Einkünfte.

Habsburgische Herrschaft

Rifferswil gehörte zeitweise zum habsburgischen Amt Meienberg. Der Flurname Galgenfeld an der alten Strasse nach Mettmenstetten erinnert an eine frühere Richtstätte.

An der Richtstätte wurden Urteile der hohen Gerichtsbarkeit vollzogen. Ihre Lage ausserhalb des Dorfes entsprach der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Praxis, Galgen und andere Hinrichtungsstätten an gut sichtbaren Verkehrswegen zu errichten.

Übergang an Zürich

Im Jahr 1415 eroberten die eidgenössischen Orte den habsburgischen Aargau. In diesem Zusammenhang gelangte auch Rifferswil unter die Herrschaft der Stadt Zürich.

Die Gemeinde wurde der Landvogtei Knonau zugeteilt. Der Zürcher Landvogt residierte im Schloss Knonau und vertrat die städtische Obrigkeit in Verwaltungs-, Gerichts- und Steuerangelegenheiten.

Die Dorfgemeinschaft verfügte daneben über eigene Strukturen. Sie regelte unter anderem die Nutzung von Wald, Weiden, Wasserläufen und Allmenden. Dorfgenossen bestimmten lokale Amtsträger und beschlossen gemeinsame Arbeiten.

Kirche und Kloster Kappel

Die Kirche von Rifferswil war eng mit dem Kloster Kappel verbunden. Im Jahr 1321 wurde sie dem Zisterzienserkloster inkorporiert.

Das Kloster bezog kirchliche Einkünfte und beeinflusste die Besetzung der Pfarrstelle. Die Verbindung bestand bis zur Reformation und zur Aufhebung des Klosters.

Nach dem Übergang zur reformierten Lehre im 16. Jahrhundert übernahm die Stadt Zürich die früheren Rechte und Besitzungen des Klosters Kappel.

Reformation

Die von Huldrych Zwingli geprägte Zürcher Reformation wurde in den 1520er-Jahren auch in Rifferswil eingeführt.

Die Messe und die Heiligenverehrung wurden abgeschafft, kirchliche Bilder und Altäre entfernt oder verändert. Der Gottesdienst konzentrierte sich auf Predigt, Bibellesung und Gemeindegesang.

Die Bevölkerung Rifferswils nahm die Reformation offenbar mit weniger Widerstand an als verschiedene grenznahe Gemeinden des südlichen Knonaueramts. Die Nähe zu katholischen Gebieten führte dennoch während langer Zeit zu konfessionellen Spannungen.

Frühe Neuzeit

Während der frühen Neuzeit lebte die Bevölkerung fast ausschliesslich von Landwirtschaft, Viehzucht und kleinem Handwerk.

Die Bauern bewirtschafteten Ackerflächen, Wiesen und Obstgärten. In feuchten Gebieten wurde Torf gewonnen. Wälder lieferten Bau- und Brennholz sowie Weideflächen für Vieh.

Die Bevölkerungszahl nahm langsam zu. Im Jahr 1634 lebten ungefähr 263 Personen in der Gemeinde. 1708 waren es bereits mehr als 400.

Die Dorfbewohner waren verpflichtet, Abgaben zu leisten und für die Zürcher Obrigkeit Militärdienst zu leisten. Wiederkehrende Missernten, Krankheiten und Viehseuchen belasteten das wirtschaftliche Leben.

Helvetik und 19. Jahrhundert

Der Einmarsch französischer Truppen im Jahr 1798 beendete die Herrschaft der Zürcher Landvögte. Die Helvetische Republik hob die bisherigen Untertanenverhältnisse auf und führte neue politische Gemeinden und Verwaltungsbezirke ein.

Nach der Mediationszeit und der kantonalen Neuordnung entstand schrittweise die moderne politische Gemeinde. Gemeindeversammlung, Gemeinderat, Schule, Armenwesen und lokale Infrastruktur wurden gesetzlich geregelt.

Rifferswil blieb im 19. Jahrhundert ein ländlicher Ort. Die Bevölkerung schwankte um 450 bis 500 Personen. Viele junge Menschen wanderten in die wachsenden Industrieorte, in die Stadt Zürich oder ins Ausland ab.

Landwirtschaftliche Reformen, verbesserte Anbaumethoden und neue Maschinen veränderten die bäuerliche Arbeit. Im Vergleich zu anderen Gemeinden des Kantons setzte die Industrialisierung in Rifferswil jedoch kaum ein.

Johannes Hegetschweiler

Der Arzt, Naturforscher und Politiker Johannes Hegetschweiler wurde 1789 in Rifferswil geboren. Er studierte Medizin und beschäftigte sich intensiv mit Botanik.

Hegetschweiler wirkte als Arzt, Kantonsrat, Regierungsrat und Staatsrat. Er gehörte zu den bedeutenden Zürcher Politikern der Regenerationszeit.

Während des Züriputsches von 1839 versuchte er, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Dabei wurde er durch einen Schuss verletzt und starb wenige Tage später.

Sein Bruder Johann Jakob Hegetschweiler war ebenfalls Arzt und übernahm 1831 das Statthalteramt des Bezirks Knonau.

Landwirtschaft im 20. Jahrhundert

Noch um 1950 wurde die landwirtschaftlich nutzbare Fläche von rund 55 Betrieben bewirtschaftet. Die Bauern hielten Milchkühe, Schweine und Geflügel und bauten Getreide, Kartoffeln, Futterpflanzen und Obst an.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe stark zurück. Betriebe wurden zusammengelegt, aufgegeben oder an den Dorfrand ausgesiedelt.

Nicht mehr benötigte Scheunen und Ställe wurden teilweise zu Wohnungen, Werkstätten oder Gewerberäumen umgebaut. Wegen des geschützten Ortsbilds mussten solche Umnutzungen besonders sorgfältig geplant werden.

Im frühen 21. Jahrhundert bestanden noch ungefähr 15 Landwirtschaftsbetriebe.[4]

Entwicklung zur Wohngemeinde

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbesserte sich die Erreichbarkeit der Arbeitszentren Zürich, Zug und Affoltern am Albis.

Neue Wohnhäuser entstanden zunächst in kleinen Gruppen am Rand der historischen Dorfkerne. Später wurden grössere Wohngebiete erschlossen. Die Bevölkerungszahl stieg von 467 Personen im Jahr 1950 auf mehr als 1'200 im Jahr 2025.

Die Gemeinde versuchte, das Wachstum mit dem Schutz des historischen Ortsbilds und der Kulturlandschaft zu verbinden. Neue Gebäude mussten sich hinsichtlich Lage, Volumen und Gestaltung in die vorhandene Siedlungsstruktur einfügen.

Heute arbeitet die Mehrheit der Erwerbstätigen ausserhalb der Gemeinde. Rifferswil ist dennoch kein reiner Schlafort, da Landwirtschaft, Schule, Gemeindeverwaltung, Gewerbe, Vereine und touristische Einrichtungen ein aktives Dorfleben ermöglichen.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:

In Gold ein roter Balken, begleitet von drei sechsstrahligen schwarzen Sternen, oben zwei und unten einer.

Das Wappen geht auf das mittelalterliche Geschlecht von Rifferswil zurück. Ulrich und Konrad von Rifferswil nahmen 1185 an der Weihe der Klosterkirche Kappel teil und schenkten dem Kloster Land.

Historische Wappenbücher und Chroniken zeigen unterschiedliche Varianten der Farben. Dazu gehören das Wappenbuch von Gerold Edlibach von 1493, die Chronik von Johannes Stumpf von 1548 und spätere Zürcher Wappensammlungen.

Auf Antrag der Gemeindewappenkommission der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich anerkannte der Gemeinderat am 26. November 1928 die heute gültige Form.[5]

Das Wappen darf nicht mit jenem der Familie Gessler verwechselt werden. Diese führte einen silbernen Balken und goldene Sterne auf blauem Grund.

Bevölkerung

Die Bevölkerungszahl blieb bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts weitgehend stabil. Ein deutliches Wachstum setzte erst nach 1960 ein.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1634 263
1678 354
1708 421
1850 464
1900 480
1950 467
1960 444
1970 499
1980 543
1990 663
2000 714
2010 900
2015 1'056
2020 1'149
2021 1'151
2022 1'150
2023 1'145
2024 1'174
2025 1'213

Die Gemeinde erwartet aufgrund der bestehenden Wohnbautätigkeit ein weiteres moderates Wachstum. Die Siedlungsentwicklung soll hauptsächlich durch die Nutzung bereits erschlossener Grundstücke und die sorgfältige Erneuerung bestehender Bauten erfolgen.[1]

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird vorwiegend eine Variante des Zürichdeutschen gesprochen.

Politik und Verwaltung

Rifferswil ist als Versammlungsgemeinde organisiert. Die Gemeindeversammlung bildet die Legislative. An ihr können die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner direkt über kommunale Geschäfte entscheiden.

Zu den Zuständigkeiten der Gemeindeversammlung gehören:

  • Genehmigung von Budget und Jahresrechnung;
  • Festsetzung des kommunalen Steuerfusses;
  • Erlass und Änderung kommunaler Verordnungen;
  • Bewilligung grösserer Ausgaben;
  • Entscheidungen über Gemeindegrundstücke;
  • Beratung wichtiger Planungs- und Infrastrukturvorhaben.

Der Gemeinderat ist die oberste leitende und vollziehende Behörde der politischen Gemeinde. Er bereitet die Geschäfte der Gemeindeversammlung vor, führt die Verwaltung und vertritt Rifferswil nach aussen.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Jonenbachstrasse 1 in Oberrifferswil.[6]

Wegen ihrer geringen Grösse arbeitet die Gemeinde in zahlreichen Bereichen mit Nachbargemeinden zusammen. Regionale Lösungen bestehen unter anderem bei Feuerwehr, Polizei, Zivilschutz, Abwasserentsorgung, Gesundheitsversorgung und weiterführenden Schulen.

Wirtschaft

Rifferswil besitzt nur eine begrenzte Zahl von Arbeitsplätzen. Viele Einwohnerinnen und Einwohner pendeln nach Affoltern am Albis, Zug, Baar, Zürich oder in andere Gemeinden des Knonaueramts.

Die lokale Wirtschaft umfasst:

  • Landwirtschaft;
  • Bau- und Ausbaugewerbe;
  • Handwerksbetriebe;
  • Garten- und Landschaftsbau;
  • Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen;
  • Gastronomie;
  • kleinere Detailhandelsbetriebe;
  • touristische und kulturelle Angebote.

Ein bedeutender Besuchermagnet ist der Park Seleger Moor. Während der Blütezeit zieht er Gäste aus der gesamten Schweiz und aus dem Ausland an.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft prägt weiterhin grosse Teile des Gemeindegebiets. Zu den wichtigsten Betriebszweigen gehören Milchwirtschaft, Viehhaltung, Ackerbau, Obstbau und Futterproduktion.

Viele Landwirtschaftsbetriebe erfüllen zusätzlich Aufgaben in Landschaftspflege, Naturschutz und Direktvermarktung. Hochstammobstgärten, extensiv genutzte Wiesen und Hecken tragen zur ökologischen Vielfalt bei.

Einzelne Höfe bieten Produkte direkt ab Hof an oder betreiben zusätzliche Angebote wie Pferdehaltung, Veranstaltungen und agrotouristische Dienstleistungen.

Verkehr

Strassenverkehr

Rifferswil liegt an regionalen Strassenverbindungen zwischen Affoltern am Albis, Mettmenstetten, Hausen am Albis und Kappel am Albis.

Die wichtigsten Strassen führen:

  • westwärts nach Mettmenstetten und zum Anschluss an die Autobahn A4;
  • nordwestwärts nach Affoltern am Albis;
  • ostwärts nach Hausen am Albis;
  • südwärts nach Kappel am Albis.

Die Ortsdurchfahrten verlaufen durch die historischen Siedlungsteile. Wegen der engen Strassenräume, des Schulwegs und des geschützten Ortsbilds besitzt die Verkehrsberuhigung eine hohe Bedeutung.

Ein kommunaler Verkehrsrichtplan soll den öffentlichen Verkehr, den Fuss- und Veloverkehr sowie die Verkehrssicherheit fördern.

Öffentlicher Verkehr

Rifferswil besitzt keinen eigenen Bahnhof. Die Gemeinde ist durch Postautolinien in den Zürcher Verkehrsverbund eingebunden.

Die Linie 223 verbindet den Bahnhof Affoltern am Albis über Mettmenstetten und Rifferswil mit Hausen am Albis. Sie bedient unter anderem die Haltestellen:

  • Rifferswil, Hausmatte;
  • Rifferswil, Unterrifferswil;
  • Rifferswil, Oberrifferswil;
  • Rifferswil, Seleger Moor.

Die Linie 232 stellt zusätzliche Verbindungen zum Bahnhof Mettmenstetten her. In den Nächten am Wochenende wird Rifferswil durch die Nachtlinie N24 erschlossen.[7]

An den Bahnhöfen Affoltern am Albis und Mettmenstetten bestehen Anschlüsse an die S-Bahn Zürich in Richtung Zürich und Zug.

Bildung

Rifferswil besitzt einen eigenen Kindergarten und eine Primarschule. Die Schule führt Klassen vom Kindergarten bis zur sechsten Primarklasse.

Zum Schulangebot gehören schulergänzende Tagesstrukturen, Mittagstisch, Aufgabenhilfe und Freizeitangebote. Die Tagesbetreuung befindet sich im Umfeld des Schulhauses.

Die Schule Rifferswil nimmt aufgrund einer Vereinbarung auch Kinder aus dem zur Gemeinde Mettmenstetten gehörenden Weiler Herferswil auf.[8]

Die Sekundarschule wird ausserhalb der Gemeinde besucht. Weiterführende Schulen befinden sich insbesondere in Affoltern am Albis, Zug und Zürich.

Die Musikschule Knonaueramt bietet Instrumental-, Gesangs- und Ensembleunterricht für Kinder und Jugendliche der Region an.

Religion

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche steht im historischen Kern von Oberrifferswil. Sie wurde 1179 erstmals urkundlich erwähnt.

Der mittelalterliche Bau wurde im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach verändert. Im Jahr 1720 erhielt die Kirche einen grossen Choranbau, der ihr Fassungsvermögen ungefähr verdoppelte.

Eine architektonische Besonderheit besteht darin, dass der Chor breiter ist und eine grössere Grundfläche besitzt als das Kirchenschiff. Die Kirche wird von einem Dachreiter mit Uhr und Glocken bekrönt.

Seit der Reformation dient das Gebäude dem evangelisch-reformierten Gottesdienst. Heute gehört Rifferswil zur Reformierten Kirche Knonauer Amt.

Katholische Bevölkerung

Die römisch-katholische Bevölkerung gehört zur regionalen katholischen Kirchgemeinde. Ein wichtiges kirchliches Zentrum ist die Herz-Jesu-Kirche in Hausen am Albis.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm der Anteil anderer Religionsgemeinschaften und konfessionsloser Personen deutlich zu.

Ortsbild und Kulturgüter

Die historischen Siedlungsteile Oberrifferswil und Unterrifferswil sind im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung erfasst. Die ISOS-Nummer lautet 5591.[9]

Das geschützte Ortsbild umfasst nicht nur einzelne historische Gebäude, sondern auch:

  • die Anordnung der Häuser;
  • Strassen- und Platzräume;
  • Gärten und Baumgärten;
  • unbebaute Zwischenräume;
  • Sichtbeziehungen;
  • die umgebende Kulturlandschaft.

Besonders charakteristisch sind die grossvolumigen Bauernhäuser, bei denen Wohnteil, Stall und Scheune unter einem gemeinsamen Dach vereinigt sind.

Der Ortsbildschutz beeinflusst die Bauplanung. Umbauten, Ersatzneubauten und neue Gebäude müssen hohe gestalterische Anforderungen erfüllen.

Sehenswürdigkeiten

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche ist das wichtigste historische Bauwerk der Gemeinde. Ihr heutiges Erscheinungsbild verbindet mittelalterliche, frühneuzeitliche und spätere Bauelemente.

Der grosszügige Chor von 1720 und das kleinere Kirchenschiff verleihen dem Gebäude ungewöhnliche Proportionen. Der umgebende Kirchhof und die benachbarten historischen Bauten bilden das Zentrum von Oberrifferswil.

Oberrifferswil

Der Dorfkern von Oberrifferswil besitzt dicht angeordnete Bauernhäuser, Wohnhäuser, Scheunen und öffentliche Bauten.

Die Gebäude stehen teilweise unmittelbar an den Strassen und bilden geschlossene räumliche Abfolgen. Gärten, Brunnen, Hofplätze und Obstbäume ergänzen das Ortsbild.

Unterrifferswil

Unterrifferswil entwickelte sich entlang des Jonenbachs. Mehrere historische Gebäude erinnern an die landwirtschaftliche und gewerbliche Vergangenheit.

Zu den kulturgeschichtlich bedeutenden Bauten gehört eine ehemalige Mühle. Bei Umbauarbeiten wurden dort historische Keramik, Bauteile und Ausstattungsgegenstände entdeckt.

Park Seleger Moor

Der Park Seleger Moor liegt im östlichen Teil der Gemeinde nahe der Grenze zu Hausen am Albis. Er zählt zu den bekanntesten Landschaftsgärten der Schweiz.

Robert Seleger entdeckte 1953 im Rifferswiler Moor sauren Boden, der sich besonders gut für Rhododendren eignete. Er begann, Land zu pachten und später zu erwerben. Daraus entstand schrittweise eine umfangreiche Sammlung von Moorbeetpflanzen.

Heute wachsen im Park unter anderem:

  • Rhododendren;
  • Azaleen;
  • Farne;
  • Seerosen;
  • Pfingstrosen;
  • Magnolien;
  • japanische Ahornarten;
  • alte Bäume und seltene Gehölze.

Verschlungene Wege führen durch Moorbereiche, Waldgärten, Lichtungen und an Teichen vorbei. Besonders intensiv ist die Blütezeit im Frühling und Frühsommer.

Robert Seleger liess eine bestehende Moorhütte zu einem japanisch geprägten Teehaus ausbauen. Das 1965 vollendete Gebäude wurde zu einem Wahrzeichen des Parks.

Im Jahr 1978 überführte Seleger den Park und weitere Grundstücke in die Seleger Moor Stiftung. Diese ist für den langfristigen Erhalt, die Pflege und die Weiterentwicklung der Anlage verantwortlich.[10]

Naturlandschaft

Wanderwege führen durch die Drumlinlandschaft, zu den Feuchtgebieten und in die Wälder rund um Rifferswil.

Die offene Landschaft bietet Ausblicke zum Albis, zum Zugerberg und bei klarer Sicht zu den Alpen. Feldwege verbinden die Gemeinde mit Aeugst am Albis, Hausen, Kappel und Mettmenstetten.

Kultur und Dorfleben

Rifferswil besitzt ein aktives Vereinsleben. Vereine und lokale Gruppen sind unter anderem in Sport, Musik, Kultur, Natur, Jugendförderung und Gemeindepolitik tätig.

Zu den regelmässigen Anlässen gehören:

  • Dorfmärkte;
  • Konzerte;
  • Schulveranstaltungen;
  • kirchliche Feiern;
  • Vereinsfeste;
  • Bundesfeier;
  • Neuzuzügeranlässe;
  • kulturelle Veranstaltungen im Park Seleger Moor.

Die Gemeinde veröffentlicht das Mitteilungsblatt Riffi-Zytig. Es enthält amtliche Informationen, Vereinsnachrichten, historische Beiträge und Berichte aus dem Dorfleben.

Persönlichkeiten

Johannes Hegetschweiler

Johannes Hegetschweiler (1789–1839) war Arzt, Botaniker und Politiker. Er wurde in Rifferswil geboren.

Hegetschweiler beschäftigte sich mit der Pflanzenwelt der Schweiz und veröffentlichte botanische Arbeiten. Politisch gehörte er dem Zürcher Regierungsrat und dem Staatsrat an.

Während des Züriputsches wurde er 1839 durch einen Schuss tödlich verletzt.

Max U. Rapold

Max U. Rapold (1925–2006) wurde in Rifferswil geboren. Er war Jurist, Journalist und Verleger und wirkte während vieler Jahre im Kanton Schaffhausen.

Robert Seleger

Robert Seleger (1911–2000) war Gärtner, Pflanzenzüchter und Gründer des Parks Seleger Moor.

Er entwickelte das ehemalige Moorgebiet seit den 1950er-Jahren zu einem Landschaftsgarten und züchtete eigene Rhododendronsorten. Mit der Gründung der Seleger Moor Stiftung schuf er die Grundlage für den langfristigen Erhalt seines Lebenswerks.

Siehe auch

Literatur

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1943.
  • Bernhard Schneider: Rifferswil. Geschichte einer Landgemeinde im Knonaueramt. Rifferswil.
  • Peter Ziegler: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Zürich 1977.
  • Bundesamt für Kultur: Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz – Oberrifferswil. Bern.
  • Gemeinde Rifferswil: Historische Beiträge in der Riffi-Zytig.

Einzelnachweise